Einkommen jenseits von Palmöl

Never talk about conservation with hungry people!” 
(Jamartin Sihite, CEO BOS Foundation)

Nachhaltiger Naturschutz ist nur mit den Menschen möglich, nicht ohne sie und schon gar nicht gegen sie. Deshalb führt BOS in enger Zusammenarbeit mit den dörflichen Gemeinschaften nahe den Schutzgebieten Entwicklungsprojekte in den Bereichen Einkommen, Gesundheit und Bildung durch. BOS leistet damit sowohl einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung marginalisierter Menschen als auch zum Arten- und Habitat-Erhalt. Orang-Utan-Schutz ist auch Menschenschutz. Dieses alte BOS-Motto gilt im Globalen hinsichtlich des Klimawandels, aber auch im Lokalen für das Verhältnis der dort lebenden Menschen zu den rothaarigen Menschenaffen.

Gegenwärtig findet diese Entwicklungsarbeit zum großen Teil im Mawas-Gebiet statt, einem über 3.000 km² großen, geschützten Waldgebiet in der Provinz Zentralkalimantan. Am Rande dieses Schutzgebietes leben rund 29.000 überwiegend arme Familien in 53, zum Teil schwer zugänglichen Dörfern. Brandrodung, Wilderei und andere illegale Aktivitäten sind häufig. Lokale „Kredithaie“, die für Wucherzinsen Geld verleihen, kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie Plantagenbetreiber, die sich billiges Land aneignen und schlecht bezahlte Arbeitskräfte rekrutieren können.

Um wenigstens einem Teil der ortsansässigen Bevölkerung Auswege aus ihrer Armut jenseits der Ölpalmenplantagen bieten zu können, vergibt die BOS Foundation Mikrokredite. Damit fördert sie zum Beispiel Rattan- und Gummiproduktion, Fischzucht und nachhaltige Landwirtschaft. Im Zusammenhang damit leistet die BOS Foundation auch Bildungsarbeit.
 

Dorfentwicklung – Auch das ist Orang-Utan-Schutz  

Bengo: Das ist eine Organisation, die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit Fördergelder an gemeinnützige Nichtregierungsorganisationen für Projekte der sozialen und nachhaltigen Entwicklung vergibt.
Genau das geschieht nun auch durch BOS Deutschland im Mawas-Gebiet in Zentralkalimantan. Die Maßnahmen werden unter Anleitung der indonesischen BOS Foundation bis Ende 2017 zunächst exemplarisch im Dorf Mangkatip durchgeführt, aber in der Hoffnung und mit der Option, später noch weitere Gemeinschaften mit einzubeziehen. BOS Deutschland finanziert das Projekt mit 60.000 Euro, wovon 45.000 Euro von Bengo stammen. Die verbleibende Summe bringt BOS Deutschland gemäß der Förderregeln selbst auf.

Die Aufgaben sind vielfältig. Zunächst geht es um eine sorgfältige Kartierung des Dorfgebiets bzw. um Anleitung für andere, dies später selbst tun zu können. Solche Kartierungen sind gerade in Indonesien für viele Dorfgemeinschaften von kaum zu überschätzender Bedeutung. Nur durch genaue Kartenunterlagen können nämlich traditionelle Eigentums- und Nutzungsrechte gegenüber dem Staat nachgewiesen und wenn nötig gegen Begehrlichkeiten großer Firmen verteidigt werden.

Andere Maßnahmen bestehen in Umweltbildung, Ausbildung zur Feuerbekämpfung, Finanzierung der nötigen Ausrüstung dafür sowie der Anlage von Tiefbrunnen. Auch soll gemeinsam mit den Leuten vor Ort analysiert werden, in welchen Bereichen sich zukunftsfähige und nachhaltige wirtschaftliche Standbeine entwickeln lassen.

Orang-Utan- und Waldschutz funktionieren eben nur zusammen mit den Menschen vor Ort.

Andere BOS-Projekte zu nachhaltiger Entwicklung in Ostkalimantan befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Wald von Kehje Sewen – dem Auswilderungsgebiet für die Rettungsstation Samboja Lestari. Drei Dorfgemeinschaften zwischen der Bezirksstadt Muara Wahau und dem Auswilderungsgebiet arbeiten gemeinsam mit den Teams von BOS und einer beratenden indonesischen NGO an der Verbesserung traditioneller und der Schaffung neuer Einkommensquellen. Im Focus stehen auch bessere medizinische Versorgung, Erweiterung der Schulbildung und die Sensibilisierung für Natur- und Artenschutz. Mithilfe von Kleinkrediten soll besonders auch Frauen zu mehr Eigenständigkeit und größerem Einfluss in den Gemeinschaften verholfen werden.

Finanziert werden zum einen Herstellung, Veredelung und Vermarktung von Gütern, die auf herkömmlichen Produktionsmethoden beruhen (traditionelle Fischfangmethoden, ansässige Rattan- oder Kautschukproduktion). Zum anderen werden Einkommensmöglichkeiten wie der Eröffnung von Kiosken oder Copy-Shops gefördert.

Traditionelle Kunsthandwerks- und Anbaumethoden sollen so erhalten und neue Kompetenzen erworben werden, die es der lokalen Bevölkerung erlauben, für sich und ihre Familien ein sicheres und umweltverträgliches Einkommen zu generieren. Organisiert wird das Mikrokreditsystem von den Kreditnehmenden selbst.

Das Wohlbefinden und die körperliche Unversehrtheit der Orang-Utans und der lokalen Bevölkerung sind aufs Engste miteinander verbunden. Geht es den Orang-Utans gut, geht es in der Regel auch den Menschen gut und umgekehrt.

Das gilt insbesondere für die verheerenden Waldbrände, die jedes Jahr aufs Neue nicht nur das Überleben der roten Waldmenschen gefährden, sondern auch die menschliche Gesundheit der ganzen Region bedrohen. Laut einer Studie der US-Universitäten Harvard und Columbia starben rund 100.000 Menschen an den Folgen der Waldbrände von 2015. Hundertausende leiden jährlich in den von dem berüchtigten Brandnebel, der Haze betroffenen Ländern Indonesien, Malaysia und Singapur an Atemwegserkrankungen. Auch Fehlgeburten werden mit den alljährlichen Torf- und Waldbränden in Verbindung gebracht.

Zudem betreffen viele Krankheiten, die in der Region verbreitet sind (z.B. Malaria), Menschen wie Tiere. Hepatitis, Tuberkulose, Herpesviren oder verschiedene Parasiten (v.a. im Magen und Darm) werden aufgrund der engen genetischen Verwandtschaft zwischen Menschen und Orang-Utans übertragen.

BOS leistet deshalb Aufklärungsarbeit, unterstützt den Aufbau von kleinen lokalen Gesundheitszentren und kümmert sich um eine bessere Ausstattung mit medizinischem Gerät und Medikamenten. Projekte im Bereich Umwelterziehung (Einführung von Müllentsorgung und -trennung oder eine Verbesserung der Frischwasserversorgung) zielen ebenfalls auf Gesundheitsvorsorge der lokalen Bevölkerung ab. Diese Maßnahmen sind vor allem deshalb wichtig, weil viele der Ortsansässigen keinen oder nur begrenzten Zugang zu einer verlässlichen Gesundheitsversorgung hat. Insbesondere schwangere Frauen, Neugeborene und Kleinkinder leiden an der Unterversorgung.

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