Malaienbären - die kleinsten Großbären der Welt

Malaienbären leben in den tropischen Regenwäldern Südostasiens und sind unter den Großbären die kleinste und am meisten an eine arboreale (baumbewohnende) Lebensweise angepasste Art. Ihr Lebensraum wird durch fortschreitende Waldzerstörung immer weiter eingeschränkt und ihr Überleben in freier Wildbahn dadurch gefährdet – ein Schicksal, dass sie mit den Orang-Utans teilen.

Malaienbären sind relativ kleine, dunkelbraune bis schwarze Bären. Mit höchstens 1,40 Metern Körperlänge und 35 bis 65 Kilogramm Gewicht sind sie die Winzlinge in der Großbärenfamilie. Zum Vergleich: ein amerikanischer Braunbär kann über 700 Kilogramm auf die Waage bringen.

Jeder Malaienbär weist ein individuelles Merkmal auf, ähnlich dem menschlichen Fingerabdruck: eine gelbliche, oft hufeisenförmige Fellzeichnung auf der Brust. Weil diese Zeichnung ein wenig an eine auf- oder untergehende Sonne erinnert, werden sie auf Englisch auch sun bears genannt. Man kann die einzelnen Individuen deswegen gut an ihrer Brustzeichnung erkennen und auseinanderhalten.

Malaienbären werden bis zu 30 Jahre alt. Von allen Bärenarten weiß man von ihnen bis heute am wenigsten.

Malaienbären sind hervorragende Kletterer: mit ihren nackten Fußsohlen und langen Krallen laufen sie an Baumstämmen hoch wie zu groß geratene Eichhörnchen. Sie sind sowohl tagsüber als auch in der Nacht unterwegs, wobei über ihre bevorzugten Aktivitätszeiten in der Wissenschaft noch Uneinigkeit besteht. Als Bewohner tropischer Regenwälder halten sie, anders als Braun- und Schwarzbären im Norden, auch keinen Winterschlaf. Ähnlich wie Orang-Utans können sie sich Schlafnester in Bäumen bauen, ruhen aber auch am Boden.

Wie die meisten Bären ernähren sich auch Malaienbären omnivor (Allesfresser). Ihre Nahrungsgrundlage besteht aus Früchten und anderen Pflanzenteilen; sie nehmen aber auch kleine Wirbeltiere, Wirbellose und Aas zu sich. Bärentypisch plündern sie sehr gerne Bienenvölker, wobei ihnen ihre bis zu 25 cm langen Zungen hilfreich sind. Honig und Larven sind so attraktiv, dass sie dafür auch die Stiche der Bienen in Kauf nehmen. Die Indonesier nennen den Malaienbär deshalb auch Beruang Madu, Honigbär.

Man weiß nicht viel über Malaienbären. Sicher ist aber, dass ihre Zahl in den letzten Jahren sehr abgenommen hat und ihre Art bedroht ist. Malaienbären sind daher auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten als gefährdet eingestuft. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES werden sie im Anhang genannt, was bedeutet, dass sie als unmittelbar bedroht eingestuft und mit einem Handelsverbot belegt sind.

Hauptsächlich drei Faktoren gefährden die Malaienbären: Die Hauptursache ist der Verlust an Lebensraum durch Plantagen für Palmöl und Holz (Papiergewinnung) durch Rodung und menschengemachte Waldbrände. Zweitens werden Malaienbären gejagt, weil ihrer Galle nach chinesischem Aberglauben medizinische Wirkungen zugesprochen werden. Außerdem gelten ihre Pranken in manchen Gegenden als Delikatesse. Zum Dritten landen die überaus niedlichen ihre Jungtiere häufig im – durchweg illegalen – Tierhandel. Die Mütter werden dazu in freier Wildbahn getötet, die Jungtiere mitgenommen und fortan in aller Regel in kleinen Käfigen gehalten. Die meisten dieser „Haustiere“ werden vernachlässigt, viele verstümmelt. Diejenigen unter ihnen, die Glück haben, werden vom indonesischen Forstministerium gefunden und beschlagnahmt.

In den beiden BOS-Schutzzentren leben zurzeit insgesamt circa 60 Malaienbären. Die meisten sind aus der „Haustierhaltung“ gerettete Tiere, die ein neues Zuhause brauchten. Zum ersten Mal wurden der BOS Foundation in den 1990er Jahren durch das indonesische Forstministerium beschlagnahmte Malaienbären übergeben. Die Anzahl der Bären bei BOS ist seitdem einigermaßen konstant. BOS arbeitet seit einiger Zeit zusammen mit der Organisation Sunbear Outreach daran, die Malaienbären zu schützen und ihnen ein bestmögliches Leben zu ermöglichen. Eine Schwierigkeit insbesondere bei den Malaienbären besteht darin, dass sie in aller Regel nicht mehr ausgewildert werden können, wenn sie sich einmal an Menschen gewöhnt haben. Deswegen ist das Beste, was wir für sie tun können, ihnen adäquate Schlafhöhlen und möglichst große Gehege zur Verfügung zu stellen und uns ebenso liebevoll um sie zu sorgen, wie wir es bei den Orang-Utans tun.

Meiden Sie Palmöl! Verwenden Sie Reyclingpapier! Und kaufen sie keine Produkte aus Tropenholz! Palmöl- und Papierplantagen und die Verwendung von Tropenholz in immer größerem Ausmaße sind die Ursache für den Verlust des Lebensraumes der kleinen schwarzen Bären.