BOS rettet verletzte und halb verhungerte Orang-Utan-Mutter und ihr Baby

Datum

Donnerstag, 9. Mai 2019 - 13:00

Sie sind dem Tod gerade noch so von der Schippe gesprungen – die 20 Jahre alte Orang-Utan-Mutter und ihre zweijährige Tochter, die BOS jetzt gemeinsam mit der indonesischen Naturschutzbehörde BKSDA in der Nähe eines Dorfes in Ost-Kalimantan retten konnte. Die beiden Weibchen wurden zur medizinischen Behandlung und intensiven Pflege ins BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari gebracht, wo sich ein Team aus Spezialisten nun rund um die Uhr um die beiden kümmert.

Als das BOS-Rettungsteam einem Notruf folgend bei Mutter und Kind eintraf, ahnten die Retter noch nicht, welch ein trauriges Schicksal sie erwarten würde. Hoch im Baum, nicht weit entfernt von einer Dorfgemeinschaft, saß ein abgemagertes Orang-Utan-Weibchen, ihre kleine Tochter fest an sich gedrückt. Die beiden hatten sich weit vom dichten Regenwald entfernt. Sollte mit ihnen alles in Ordnung sein, würden unsere Mitarbeiter sie direkt in ein geschütztes Waldgebiet umsiedeln.


Mit letzter Kraft hält sich die Mutter mit ihrem Baby im Baum

Mit letzter Kraft hält sich die Mutter mit ihrem Baby im Baum

Nun mussten wir schnell handeln, um die Tiere nicht unnötig zu stressen. Sofort wurde das Betäubungsgewehr geladen und nach einem gezielten Schuss landete das Weibchen glücklicherweise sicher in unseren Auffangnetzen – immer der heikelste Moment bei einer Orang-Utan-Rettungsaktion.


Die Betäubungsspritze wird vorbereitet

Die Betäubungsspritze wird vorbereitet


Ein heikler Moment

Ein heikler Moment


Die abgemagerte Mutter ist sicher gelandet

Die abgemagerte Mutter ist sicher gelandet


Das Baby ist zum Glück wohlauf

Das Baby ist zum Glück wohlauf

Schon die erste Untersuchung der Mutter durch unsere Tierärzte vor Ort ließ unsere schlimmsten Befürchtungen wahr werden: Dieser Menschenaffe brauchte dringend Hilfe! An eine direkte Umsiedlung in ein Schutzgebiet war nicht zu denken. Mit nur 25 Kilogramm Körpergewicht war die Orang-Utan-Mutter stark untergewichtig (normal für einen gesunden, ausgewachsenen Orang-Utan wären über 40 Kilo).


Die Orang-Utan-Mutter ist in einem erbärmlichen Zustand

Die Orang-Utan-Mutter ist in einem erbärmlichen Zustand

An Kopf und Händen entdeckten die Tierärzte schwere Schnittverletzungen. Der Zeigefinger der rechten Hand ist abgetrennt. Diese Orang-Utan-Mutter war definitiv mit Waffen angegriffen worden. Höchste Zeit, sie und ihre Tochter in Sicherheit zu bringen.


Der abgetrennte Zeigefinger

Der abgetrennte Zeigefinger

 

Die Experten von BOS geben ihr Bestes

Die Experten von BOS geben ihr Bestes

 


Die Schnittwunde am Kopf

Die Schnittwunde am Kopf




Bereit für den Transport nach Samboja Lestari

Bereit für den Transport nach Samboja Lestari


Mutter und Tochter sind in Sicherheit


In Sicherheit

 


Die Dorfbewohner begleiten die Retter neugierig

Die Dorfbewohner begleiten die Retter neugierig

In der Klinik des BOS-Rettungszentrums Samboja Lestari bestätigte sich der grausame Verdacht, dass Jubaedah, wie wir das Weibchen genannt haben, von Menschen mit Waffengewalt angegriffen worden war: Fünf Kugeln wurden in ihrem Körper gefunden – in Kinn, Brust, Achsel und in beiden Beinen. Auf diese Mutter war geschossen und vermutlich mit einer Machete eingeschlagen worden. „Glücklicherweise war ihre Tochter, wir nennen sie Jubaedi, unverletzt und gesund“, berichtet unserer Tierärztin Agnes. „Ihre Mutter hat sie fast unter Einsatz ihres Lebens beschützt und genährt.“ Mit zwei Jahren ist Jubaedi noch ein Orang-Utan-Baby, wird von ihrer Mutter gesäugt. Hätten wir ihre Mutter und sie nicht rechtzeitig retten können, hätte sie allein keine Chance gehabt zu überleben. Denn sechs bis acht Jahre sind Orang-Utan-Kinder komplett auf ihre Mutter angewiesen.

Eine tapfere Orang-Utan-Mutter

Wie aufopferungsvoll sich Jubaedah um ihre kleine Tochter gekümmert hat, zeigten die genaueren medizinischen Tests: Die Orang-Utan-Mutter litt unter einer ausgeprägten Anämie, war stark dehydriert und hatte einen extrem niedrigen Blutzuckerspiegel. Dass sie sich überhaupt noch in einem Baum halten konnte, grenzt an ein Wunder. Vermutlich war sie aufgrund ihres körperlichen Zustands schon längere nicht in der Lage, allein in den Regenwald zurückzufinden, wo sie Nahrung und Schutz gefunden hätte. So blieb ihr nichts anderes übrig, als in der Nähe von Menschen nach Nahrung zu suchen – eine lebensgefährliche Situation.

Erst diese Woche veröffentlichte der Weltbiodiversitätsrat IPBES erschreckende Zahlen zum Artensterben. Einer der Hauptgründe ist der Verlust von Lebensräumen. So wurden von 1980 bis 2000 rund 100 Millionen Hektar intakter Regenwald gerodet– unter anderem um Ölpalmplantagen in Südostasien (7,5 Millionen Hektar) oder Viehweiden in Lateinamerika (rund 42 Millionen Hektar) anzulegen. Weiterhin wurden zwischen 2010 und 2015 in den Tropen mit ihrem hohen Artenreichtum 32 Millionen Hektar Primärwald zerstört. Mit jedem Hektar zerstörtem Regenwald wird der Lebensraum für die vom Aussterben bedrohten Orang-Utans immer kleiner und Konflikte zwischen Tier und Mensch häufen sich. So wie auch in diesem Fall.

Jetzt dürfen sich Mutter und Tochter aber erstmal im BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari erholen. Hier werden die körperlichen Wunden heilen. Und die tapfere Orang-Utan-Mutter kann Kraft sammeln, bevor sie mit ihrer Tochter in einem geschützten Regenwald einen Neuanfang starten darf.

Auch Sie können das Überleben dieser Art sichern, indem Sie unsere wichtige Arbeit unterstützen. Bevor es zu spät ist.

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