28. Februar 2018

Die Dschun­gel­apo­theke

Wer krank ist, geht zum Arzt und lässt sich Medi­ka­mente verschreiben. Was aber, wenn gerade keine Praxis geöffnet hat? Dann ist Eigen­in­itia­tive gefragt, beispiels­weise durch den Gang in die Apotheke oder den Griff zu Omas Haus­mit­tel­chen. Die Selbst­be­hand­lung ist aber nicht erst in Zeiten von Dr. Google & Co. ein Trend.

Schon bei indi­genen Völkern wie den latein­ame­ri­ka­ni­schen Maya gehörten Grund­kennt­nisse der Selbst­me­di­ka­tion einfach dazu. Klar, wer weit ab der Zivi­li­sa­tion lebte, musste sich im Notfall selbst zu helfen wissen. Unsere Vorfahren wussten ziem­lich gut, welche Pflanzen beispiels­weise zerkaut und geschluckt werden konnten oder welche nur auf der Haut zerrieben werden durften um Linde­rung bei bestimmten Krank­heits­sym­ptomen herbeizuführen.

Gelernt haben sie das vermut­lich von Tieren. Viel­leicht waren sogar Menschen­affen ihr Vorbild. Schon in den 70er Jahren ließen Beob­ach­tungen vermuten, dass Tiere um die heilenden Eigen­schaften der Pflanzen wissen und diese gezielt verwenden, um Beschwerden entge­gen­zu­wirken. Dies wurde in den darauf­fol­genden Jahren auch des Öfteren wissen­schaft­lich belegt.

 

Haarige Pflanzen gegen Parasiten

So wurden Schim­pansen aus dem Mahale Moun­tains Natio­nal­park dabei beob­achtet, wie sie ganze Blätter der gelb­blü­henden Pflanze Aspilia mossam­bicensis ohne zu kauen schluckten. Dieselben Schim­pansen waren von einem Darm­pa­ra­siten namens Oeso­pha­gos­tomum stepha­nos­tomum befallen. Im Dung der erkrankten Tiere fand man dann in den Blät­tern die noch lebenden Würmer wieder. Es stellte sich heraus, dass die Biester an der haarigen Ober­fläche der Blätter haften blieben und so anschlie­ßend mit ausge­schieden werden konnten. Auch andere Pflanzen, auf deren Ober­fläche sich kleine Härchen befinden, werden von Schim­pansen genutzt.

 

Auch Orang-Utans behan­deln sich selbst

Eine Studie belegt jetzt erst­mals, dass auch die Borneo-Orang-Utans die Kunst der Selbst­be­hand­lung beherr­schen. Sie wurden dabei beob­achtet, wie sie die Blätter der Dracaena cant­leyi zerkauten und sich anschlie­ßend den Spei­chel-Pflanzen-Mix auf ihre Glied­maßen schmierten, statt ihn hinunter zu schlu­cken. Diese Pflanze aus der Gattung der Drachen­bäume galt aufgrund ihres bitteren Geschmacks bislang als für die Menschen­affen  unge­nießbar. Jetzt jedoch waren sich Forscher einig, dass ihr Verzehr nicht dem Genuss oder der Nahrungs­auf­nahme diente. Die Labor-Unter­su­chung einer Pflan­zen­probe zeigte, dass die D. cant­leyi entzün­dungs­hem­mende Eigen­schaften besitzt.

Dr. Helen Morrogh‑Bernard, die Haupt­au­torin der Studie, berich­tete zudem, dass vor allem Affen­weib­chen, die ihr Junges mit sich trugen, zu dieser Methode griffen. Wissen­schaftler nehmen an, dass dies die Schmerzen, die durch das dauernde Tragen des Jung­tieres auftreten, lindert. Inter­es­san­ter­weise nutzen auch Einhei­mi­sche die Pflanze, um ihre entzün­deten Gelenke und Muskeln damit zu behandeln.

Was wir daraus lernen? Nun, viel­leicht nicht bei jedem Zipper­lein zum Arzt gehen, sondern einfach mal den Affen machen.

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