12. Januar 2023

Die Salat-Inseln – Uni und Senio­ren­heim für Orang-Utans

Orang-Utan im Regenwald

BOS setzt sich uner­müd­lich für den Schutz des vom Aussterben bedrohten Borneo-Orang-Utans (Pongo pygmaeus) und seines natür­li­chen Lebens­raums ein. Dazu gehört die Rettung von in Not gera­tenen Orang-Utans, ihre Reha­bi­li­ta­tion und schließ­lich die Auswil­de­rung. All das nimmt viel Zeit in Anspruch, denn die geret­teten Orang-Utans müssen bei BOS alle Fähig­keiten für ein eigen­stän­diges Über­leben in der Wildnis lernen, die ihre zumeist getö­teten oder verstor­benen Mütter ihnen nicht mehr beibringen können. Die Reha­bi­li­ta­tion der Orang-Utans verläuft über mehrere Etappen: nach dem Wald­kin­der­garten gehen sie zunächst mehrere Jahre in die Wald­schule. Wer die erfolg­reich abschließt, darf auf eine der BOS-Voraus­wil­de­rungs­in­seln umziehen – also die Wald­uni­ver­sität besuchen.

Orang-Utan wird auf Vorauswilderungsinsel aus der Transportbox entlassen
Jetzt beginnt das Studium auf der Salat-Walduniversität 

Erst wenn die Orang-Utans sich auch hier beweisen konnten, erwartet sie die große Frei­heit und es geht zurück in den Urwald.

Die Salat-Wald­uni­ver­sität

Viele der Orang-Utans, die die Wald­schule des Rettungs­zen­trums Nyaru Menteng absol­viert haben, setzen ihre Ausbil­dung auf der Salat-Insel­gruppe in Pulang Pisau (Zentral-Kali­mantan) fort, die BOS seit 2015 verwaltet. Die bewal­dete Insel­gruppe ist ein Natur­schutz­ge­biet und umfasst über 2.000 Hektar. Badak Besar und Badak Kecil sind die beiden Hauptinseln.

Luftaufnahme der Salat-Inselgruppe
Ein Teil der 2.000 Hektar großen Salat-Insel­gruppe von oben

Einen Groß­teil der Insel­gruppe nutzt BOS als Wald­uni­ver­sität, also für die Ausbil­dungs­phase der Voraus­wil­de­rung. Hier müssen die Orang-Utans ihre in der Wald­schule erlernten Über­le­bens­fä­hig­keiten unter Beweis stellen.

Eine lange Ausbildung

Der Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess dauert bei Orang-Utans im Durch­schnitt über sieben Jahre, begin­nend mit dem Zeit­punkt ihrer Rettung. Ein langer Zeit­raum, aber Orang-Utans sind mit acht Jahren auch die Tierart, bei der die Kinder am längsten bei ihren Müttern leben und lernen.
Für die Ausbil­dungs­phase der Voraus­wil­de­rung ist ein weit­läu­figes Gelände erfor­der­lich, das gleich­zeitig geschützt und gut über­wacht werden kann und über reich­lich natür­liche Nahrungs­quellen verfügt. Zwar wird auf den Voraus­wil­de­rungs­in­seln auch zuge­füt­tert, da je nach Jahres­zeit meist nicht genü­gend Futter für alle Insel­be­wohner vorhanden ist. Aber haupt­säch­lich sollen die Wald­stu­denten ihre Zeit auf den Inseln so verbringen, wie sie es auch im Regen­wald täten: Mit der Suche nach geeig­neter Nahrung.

Orang-Utan holt Obst und Gemüse auf der Fütterungsplattform einer Vorauswilderungsinsel
Das Obst- und Gemü­se­buffet auf den Fütte­rungs­platt­formen wird gern besucht

Die Salat-Insel­gruppe hat Platz für bis zu 200 Orang-Utans, was eine gute Nach­richt für die mehr als 100 Orang-Utans im Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng ist, die auf ihren nächsten Schritt in Rich­tung Frei­heit warten.

Eine Senio­ren­re­si­denz für Orang-Utans

Neben der Wald­uni­ver­sität gibt es auf der Salat-Insel­gruppe auch Platz für unsere Sorgen­kinder: Orang-Utans, die aufgrund von Verlet­zungen, erlit­tenen Trau­mata, zu langer Gefan­gen­schaft, Krank­heiten oder körper­li­chen Behin­de­rungen nicht in die freie Wild­bahn ausge­wil­dert werden können.

Orang-Utan Dilla im Regenwald auf Salat Island. Sie kann nicht ausgewildert werden
Dilla gehört zu den Bewoh­nern der Senio­ren­re­si­denz von Salat Island

Auch diese Orang-Utans erhalten die Chance, auf den geschützten Salat-Inseln zu leben – im Wald, in größt­mög­li­cher Frei­heit, aber über­wacht und mit der Möglich­keit einzu­greifen, wenn Hilfe notwendig sein sollte. Auf diese Weise haben auch Orang-Utans, die in der Wildnis nicht allein über­leben könnten, die Möglich­keit, würde­voll und sicher in einer natür­li­chen Umge­bung zu leben.