27. Januar 2020

Ein langes Leben für die Orang-Utans Ein Nachruf

Ulrike Frei­frau von Mengden, genannt Ibu Ulla, „Mutter der Orang-Utans“ im Zoo von Jakarta, starb am 23. Januar 2020, drei Monate vor ihrem 100. Geburtstag.

1920 geboren als Tochter eines preu­ßi­schen Offi­ziers, machte sie eine Ausbil­dung zur Medi­zi­nisch-Tech­ni­schen Assis­tentin an der Univer­sität Bonn, wo sie ihren zukünf­tigen Mann kennen­lernte. Sie erlebte die Kriegs­jahre als Kran­ken­schwester in Laza­retten an der Front. Mit ihrem Mann, der sehr früh starb, kam sie 1952 nach Indo­ne­sien, wo ihre große Liebe zu Tieren sie in den Cikini-Zoo führte. Dort begann sie, verwaiste Orang-Utans aufzu­nehmen. Der mitten in der Innen­stadt von Jakarta gele­gene Zoo wurde später umge­sie­delt in den jetzigen Ragunan-Zoo. 

Aufgrund ihrer tatkräf­tigen Mitar­beit ließ der dama­lige Zoodi­rektor und Freund Galstaun sie im Zoo in einem für die Öffent­lich­keit nicht zugäng­li­chen Bereich ein Haus bauen, umgeben von den Käfigen der geret­teten Orang-Utans verschie­dener Alters­stufen. Seitdem arbei­tete sie offi­ziell und ohne Gehalt als Kurator. Sie bestand anfangs auch darauf, auf eigene Kosten für den Unter­halt und die Pflege der Orang-Utans in ihrer Obhut zu sorgen.

Während ihrer 55 Jahre im Zoo wurde Ulla für Verdienste im Tier­schutz das Bundes­ver­dienst­kreuz erster Klasse verliehen. Zweimal erhielt sie einen Umwelt­preis der Frank­furter Schu­bert-Stif­tung. Aber sie betonte immer, dass allein der Dank ihrer Tiere sie glück­lich mache.

Aufmerksame Gesprächspartnerin, immer ein Herz für die Orang-Utans
Aufmerk­same Gesprächs­part­nerin, immer ein Herz für die Orang-Utans

Ein Leben im Zoo von Jakarta

Ihr Haus mitten im Zoo hatte eine ganz beson­dere Atmo­sphäre und wurde deshalb für Tier­freunde aus vielen Ländern zu einem gern besuchten Treff­punkt bei Reisen nach Indo­ne­sien. Auf ihrer Terrasse wurden Gäste von ihren 2 Hunden begrüßt. Die riesigen Bäume rund­herum und die ohren­be­täu­bende Konver­sa­tion von Siamangs in benach­barten Käfigen erzeugten eine Stim­mung wie im Dschungel. Es gab Zeiten, in denen ihre Gäste auf dem Spiel­platz mit jungen Orang-Utans Kontakt haben konnten. Jedoch als die Tiere älter wurden, durften sie die Käfige nicht mehr verlassen. 

Diese bewun­derns­werte zier­liche Frau, sie nannte sich selbst eine unbeug­same zähe Preußin, konnte ziem­lich unge­halten werden, wenn etwas mit der Versor­gung der Tiere nicht in Ordnung war. Sie kümmerte sich auch um die Orang-Utans, die in verschie­denen Gehegen im Zoo unter­ge­bracht waren. Selbst mit inzwi­schen 90 Jahren fuhr sie mit ihrem Auto zweimal täglich zum Füttern der Menschen­affen durch den Zoo. Manchmal auch mit einem kleinen LKW, um abge­schnit­tene Blätter und Zweige zu trans­por­tieren, die zur Berei­che­rung für die Tiere dienen sollten.

Bis ins hohe Alter kümmert sich Ibu Ulla um ihre Schützlinge
Bis ins hohe Alter kümmert sich Ibu Ulla um ihre Schützlinge

Inter­na­tional weit vernetzt

Ulla freute sich immer riesig, wenn sie Gäste hatte und sich unter­halten konnte, am liebsten in ihrer Heimat­sprache. Aber sie sprach auch hollän­disch, englisch, indo­ne­sisch – manchmal auch alles durch­ein­ander. Mit Begeis­te­rung zeigte sie ihren Besu­chern die Viel­falt der Tiere im riesigen Zoo. Ihre treuen Freunde, wie z.B. Willie Smits, besuchten sie regel­mäßig und unter­stützten, wenn nötig. 

Bis ins hohe Alter war Ulla sehr inter­es­siert am Tages­ge­schehen aus aller Welt. Sie konnte stun­den­lang aus ihrem Leben erzählen, bis tief in die Nacht. Doch jeden Morgen um 6 Uhr war die Nacht vorbei, und sie ließ sich auch von zuneh­menden Alters­be­schwerden oder diversen Knochen­brü­chen nicht abhalten, ihren Dienst schnellst­mög­lich wieder zu versehen. Mit dem Roll­stuhl zum Auto, von Fahrer und Ange­stellten hinein­heben lassen und los fahren. Ulla war eine sehr willens­starke Frau, getrieben von Verant­wor­tungs­ge­fühl und der Über­zeu­gung, sie müsse arbeiten, so lange sie lebt. Zuletzt aber schwanden die Kräfte. Ulla konnte ihren Orang-Utans nicht mehr helfen, sondern musste selbst liebe­voll umsorgt werden.

Ein Leben für die Orang-Utans, ein Kampf, furchtlos gegen die Gleich­gül­tig­keit und Igno­ranz der Menschen gegen­über ihren Mitge­schöpfen. Das war nicht leicht, erst recht nicht für sie als Christin und weiße Frau in einem musli­mi­schen Land. Ihr Enga­ge­ment hat sicher viele Tier­freunde inspi­riert und ermu­tigt, für die Erhal­tung der Orang-Utans und ihrer Lebens­räume zu kämpfen. 

Ihre Freunde und Wegge­fährten werden Ulrike von Mengden, genannt Ulla, für immer in Erin­ne­rung behalten.

Foto: BOS Deutsch­land e.V.