5. August 2017

Erfah­rungs­be­richt eines Volon­tärs aus Samboja Lestari 

Samboja Lestari, in der indo­ne­si­schen Provinz Ostka­li­mantan, ist ein zwischen 2001 und 2011 wieder­auf­ge­fors­tetes Wald­areal von ca. 1.800 Hektar, eine gute Auto­stunde von der Küsten­stadt Balik­papan entfernt. Abge­sehen davon, dass es den Wasser­haus­halt der von Kohle­gruben geprägten Region positiv beein­flusst, dienen Teile des Geländes als Reha-Station für junge Orang-Utans sowie als „Schul­wald“ zur Vorbe­rei­tung auf die Auswil­de­rung. Daneben finden dort etwa 50 Malai­en­bären aus ille­galer Privat­hal­tung Zuflucht, die aller­dings nicht mehr ausge­wil­dert werden können. Geleitet wird das Projekt von der Borneo Oran­gutan Survival Foun­da­tion — BOS.

 

Als Volontär mit den Orang-Utans arbeiten: Moti­va­tion und erste Schritte

Ich habe mich dafür entschieden, als Volontär eine Zeit­lang mit den Orang-Utans zu arbeiten, weil ich in mir den Drang verspüre, etwas für diese Spezies zu tun. Für mich setzt das voraus, die Proble­matik aus nächster Nähe zu erfahren. Ich sehe den Schutz aller (Regen)-Wälder als essen­ziell an im Kampf für eine bessere Zukunft. Das Projekt hat mich auch deswegen inter­es­siert, weil hier ein vernich­teter Wald, von dem nur Gras­steppe und Ödland übrig blieben, wieder­auf­ge­forstet wurde. Samboja Lestari symbo­li­siert für mich die Hoff­nung, weitere Wälder in anderen Gebieten der Erde wiederzubeleben.

Meinen Aufent­halt in Samboja Lestari buchte ich über das briti­schen Unter­nehmen „The Great Projects“. Diese bieten Work&Travel-Programme mit Tieren auf der ganzen Welt an,  so auch mit den Orang-Utans von Samboja Lestari.
Ich habe es nicht bereut, meine Reise mit diesem Unter­nehmen zu orga­ni­sieren. Die Kosten sind zwar ganz ordent­lich, jedoch kommen 30% des Geldes dem BOS-Projekt und den Orang-Utans zu Gute. Vor Reise­an­tritt bekam ich umfas­sende Infos zur Einreise nach Indo­ne­sien im Allge­meinen und nach Samboja Lestari im Spezi­ellen. Um mit den Orang-Utans zu arbeiten, benö­tigt man im Vorfeld eine ärzt­liche Beschei­ni­gung, um  Infek­tionen im Bereich Tuber­ku­lose, HIV und Hepa­titis auszu­schließen. Gummi­stiefel und Arbeits­hand­schuhe gehören zur alltäg­li­chen Arbeits­aus­rüs­tung und sollten in keinem Gepäck fehlen.

Die Anreise erfolgte von München via Abu Dhabi und Jakarta nach Balik­papan. Dort ange­kommen, fuhr ich mit dem Taxi vom Flug­hafen zu meiner Unter­kunft, die ich im Vorfeld gebucht hatte. Am nächsten Morgen schließ­lich brachte mich ein Fahrer von BOS nach Samboja Lestari; die Fahrt ging durch eine sehr schöne Land­schaft. Der junge Wald hat eine beacht­liche Größe und reicht durchaus „soweit das Auge reicht“. Sied­lungen und Acker­land begrenzen den Wald natür­lich, ein Kran­ken­haus z.B. ist deswegen auch erst in einer Auto­stunde zu erreichen.

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Biegt man von der Haupt­straße ab und nähert sich dem Wald, tauscht man bequemen Asphalt gegen lehmigen Boden, der sich während der häufigen Regen­fälle in eine Schlamm­piste verwan­delt. Das Mitfahren auf der Lade­fläche eines Pick-Ups wird dadurch zu einem echten Erlebnis. Die Bäume, die hier seit zehn Jahren wachsen, haben schon eine statt­liche Größe erreicht und sind der Beweis dafür, dass es möglich ist, zerstörtes Land wieder in frucht­bares zu verwan­deln. Natür­lich behei­matet dieser Wald nicht die Arten­viel­falt eines alten Primär-Regen­waldes, aber das kommt spinnen- und schlan­gen­scheuen Besu­chern dann doch wieder entgegen… Auch ist das Areal trotz der gezielten Anpflan­zung von Frucht­bäumen zu klein und in seiner weiteren Umge­bung zu isoliert, um wild­le­benden Orang-Utans Lebens­raum zu bieten.

Nach holp­rige Fahrt gelangt man zur Lodge. Diese liegt versteckt und nur durch eine hohe Aussichts­warte erkennbar zwischen den Bäumen, nahe den künst­li­chen Inseln, auf denen Orang-Utans leben oder auf ihre endgül­tige Frei­heit vorbe­reitet werden. Die Lodge selbst ist sehr angenehm.

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Die Aufent­halts­be­reiche sind offen gestaltet und harmo­nieren mit der Nähe des Waldes. Die Zimmer sind in einem Top-Zustand und das fehlende Warm­wasser sowie das holp­rige Internet machen die Sache erst authen­tisch. Essen gibt es dreimal am Tag von einem Buffet, an das ich mich auch heute noch gerne erin­nere. Die Gruppe der Volon­täre bestand aus einer bunten Mischung aus den verschie­densten Menschen. Es wurde ausnahmslos Englisch gespro­chen und ich hatte den Eindruck, dass es ohne Englisch­kennt­nisse schwer sein würde, in der Gruppe mitzuarbeiten.

 

An die Arbeit

Wir begannen unseren zwei­wö­chigen Einsatz sehr gemüt­lich. Die Leute, die für die  Betreuung der Volon­täre zuständig waren, haben tolle Arbeit geleistet! In den ersten Tagen wurden wir durch den Wald, das Gelände und die einzelnen Stationen (Baby­haus, Quaran­tä­ne­an­lagen, Bären­ge­hege u.v.m.) geführt.

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Auch besuchten wir gemeinsam einen „Night­market“ in der nächst­ge­le­genen Zivi­li­sa­tion. Dann ging es an die Arbeit! Jeden Abend wurden wir von den Volontär-Koor­di­na­toren in Klein­gruppen einge­teilt, die ihren Arbeits­ein­satz den darauf­fol­genden Tag zwischen sieben und acht Uhr morgens beginnen würden. Gear­beitet wurde bis zum Mittag und danach eine zwei­stün­dige Pause einge­legt. Danach standen noch­mals zwei Stunden Arbeit an, und ab vier Uhr hatten wir frei. Die Inseln und den Wald darf man selbst­ver­ständ­lich nicht alleine aufsu­chen. Unsere Teams waren so aufge­teilt, dass wir viel­fäl­tige Aufga­ben­be­reiche kennen­lernen konnten und auch alle in den einzelnen Tätig­keits­be­rei­chen beschäf­tigt wurden.

 

Unsere Arbeit gestal­tete sich sehr abwechs­lungs­reich: Zum einen bastelten wir soge­nannte „Enrich­ments“. Das sind aufwendig verpackte Nahrungs­mittel, die jenen Orang-Utans als geis­tige Stimu­lan­tien zube­reitet werden, die unter Quaran­täne stehen oder aufgrund von Behin­de­rungen, Alter oder chro­ni­schen Krank­heiten nicht mehr ausge­wil­dert werden können. Zum anderen mussten täglich Kot und Essens­reste unter den Gehegen entfernt werden. Auch für die Malai­en­bären berei­teten wir „Enrich­ments“ vor und verfüt­terten diese dann an die Tiere.

Weiter bauten wir eine Aussichts­platt­form aus Zement auf einer der Inseln. Mehr­mals ging auch mit Macheten in den Wald um „Ginger“ zu ernten, eine begehrte Futter­pflanze der Orang-Utans. Zu unseren Aufgaben gehörte es auch, den Spiel­platz für das neu errich­tete Baby­haus aufzu­bauen. Meine persön­liche Lieb­lings­auf­gabe war aber defi­nitiv das Pflanzen von jungen Frucht­bäumen im Wald.

 

Auch für Volon­täre gilt: Bitte nicht anfassen!

Direkten Körper­kon­takt gibt es sinn­vol­ler­weise weder mit den Orang-Utans noch mit den Bären – denn ein „wildes“ Tier ist kein Kuschel­tier, das sollte jedem Inter­es­sierten einleuchten. Hinzu kommt die Gefahr einer Ansteckung.

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Dennoch ist die Projekt­ar­beit eine groß­ar­tige Möglich­keit, die Orang-Utans aus der Nähe zu beob­achten. Trotzdem es keine direkte physi­sche Berüh­rung gibt, kommt man auch als Volontär diesen Wesen recht nahe und so etwas wie visu­elle Kommu­ni­ka­tion findet eigent­lich immer statt. Schade nur, dass dies durch Gitter­stäbe geschieht — Käfig­hal­tung ist in meinen Augen keines einzigen Lebe­we­sens würdig! Man muss aller­dings sagen, dass dies bei BOS auch so gesehen wird. Die Käfig­hal­tung für etliche der Tiere ist dem Mangel an Inseln geschuldet und der Tatsache, dass die Auswil­de­rungen ihre Zeit brauchen.

 

Was bleibt?

Ich habe den Aufent­halt in Samboja Lestari als sehr berei­chernd empfunden. Menschen, die Tiere und Pflanzen schätzen und mit den Heraus­for­de­rungen der Tropen klar kommen, sind, sind hier sicher gut aufge­hoben. Auch besteht das Projekt nicht nur aus Arbeit. Am Wochen­ende fährt man mit der Gruppe nach Balik­papan, um den Vorteilen der Zivi­li­sa­tion zu frönen oder besucht auch mal einen „rich­tigen“ Regen­wald. Ein anderes Mal machten wir eine Boots­fahrt auf einem Fluss. Mit etwas Glück kann man hier unter anderem Nasen­affen beob­achten. Dieses Projekt ist auch eine gute Erfah­rung für Menschen, die keine große Fern­reise-Erfah­rung besitzen. Man taucht in eine fremde Welt ein, mit dem Vorteil, einhei­mi­sche BOS-Mitar­beiter an seiner Seite zu haben.

Ich bin mit vielen Ideen und großen Bildern im Kopf und auf der Fest­platte nach Hause zurückgekehrt.

 

Bilder: © Philipp Pamminger