3. November 2021

Faszi­na­tion Erde — mit Dirk Steffens

Eine Insel­welt, die ihres­glei­chen sucht: Kanaren, Azoren, Madeira und Kapverden. Ihre faszi­nie­rende Viel­falt verdanken die Inseln einer einzig­ar­tigen gemein­samen Geschichte. Die Inseln Maka­ro­ne­siens haben alle den glei­chen Ursprung: Hotspot-Vulka­nismus. Über viele Millionen Jahre sind sie in den Weiten des Atlan­tiks zu Oasen für das Leben geworden.

Dirk Stef­fens entdeckt Tiere und Pflanzen, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Die Erkun­dung von Maka­ro­ne­sien — von den „glück­li­chen Inseln“ — führt Dirk Stef­fens zu einem Aben­teuer, das selbst für ihn völliges Neuland ist. Denn wer diese Inseln verstehen will, fängt am besten ganz tief unten an: unter Wasser. So begibt er sich in die Hände der Tief­see­pio­niere Kirsten und Joachim Jakobsen. Sie haben die „Lula 1000“ konstru­iert, eines von nur zehn bemannten U‑Booten auf der Welt, das mehr als 1000 Meter tief tauchen kann. Gemeinsam mit ihnen taucht Dirk Stef­fens ab in die dunkle Tiefe des Meeres und sieht Lebe­wesen, die er und sogar die Jakobsens noch nie gesehen haben. Je näher sie dem Sockel der Insel Madeira kommen, desto mehr tobt das Leben. Das Meer um die Maka­ro­ne­si­schen Inseln ist so arten­reich, dass viele Wale dort auf ihrer Reise durch die Welt­meere Station machen. Einige Grindwal-Fami­lien haben sogar ihre ursprüng­li­chen Wander­routen aufge­geben und leben nur noch hier — in der Insel­welt Maka­ro­ne­siens. Dirk Stef­fens begleitet Walfor­scher, denen die stationär lebenden Wale noch immer Rätsel aufgeben. An Land zeigt jede Insel ein eigenes Gesicht: Es gibt mehr als 3000 Meter hohe Gipfel, extrem trockene Wüsten und subtro­pi­sche Wälder. Die Wälder bergen einen ganz beson­deren Schatz. Hier, inmitten des Atlan­tiks, hat eine Natur über­lebt, die in Europa schon seit mehr als zwei Millionen Jahren verschwunden ist. Denn im milden ozea­ni­schen Klima konnten Pflanzen und Tiere auf den Inseln die letzten Eiszeiten über­leben. Sie beher­bergen daher zahl­reiche ende­mi­sche Arten und eine Art bota­ni­schen „Jurassic Park“. Auf den Kanaren und der Blumen­insel Madeira ist dieser Ur-Wald beson­ders gut erhalten. Dirk Stef­fens erlebt einen mysti­schen Zauber­wald, der sich täglich in einen märchen­haften Nebel hüllt. Er entdeckt drei Meter hohen Löwen­zahn und lebende Fossi­lien wie den Stink­lor­beer, der seinen Namen zu Recht trägt, wie er fest­stellt. Dirk Stef­fens kommt dem Ursprung der Viel­falt des Insel­le­bens auf die Spur. An den steil abfal­lenden Klippen der Ponta de São Lourenço spürt er eine unsicht­bare Kraft: den Passat­wind. Mit dem Wind kamen und kommen bis heute Samen und Insekten viele Hundert Kilo­meter bis zu den abge­le­genen Inseln. Hier nehmen sie dann aller­dings eine ganz eigene Entwick­lung. Auf der Wüsten­insel Deserta Grande findet Dirk Stef­fens mithilfe von Forschern eine der seltensten Spinnen der Welt: die Deserta-Wolfs­spinne. Weil das Tier, das ursprüng­lich vom euro­päi­schen Fest­land stammt, hier kaum Feinde hat und das Nahrungs­an­gebot reich­haltig ist, wurde die Spinne über viele Hundert­tau­send Jahre immer größer. So groß, dass sie sogar die Eidechsen der Insel jagen und töten kann. Hier ist die Wolfs­spinne die Königin der Nahrungs­kette. Ein klas­si­sches Beispiel für Insel-Gigan­tismus und nur eines der vielen kleinen Wunder der Evolu­tion, die Maka­ro­ne­sien zu bieten hat. Fast jede Insel beher­bergt ihre ganz eigenen „Über­le­benden der Eiszeit“. Und noch längst sind nicht alle Geheim­nisse erforscht. Doch manche Schätze der Oasen im Atlantik sind in Gefahr. Die Eingriffe des Menschen waren und sind oft fatal für das fragile Gleich­ge­wicht der Natur. Ein Groß­teil der geheim­nis­vollen Nebel­wälder wurde schon gerodet. Und die Lichter des Menschen lassen junge Seevögel unter Stra­ßen­la­ternen stranden, die sich bei ihren Routen auf das Licht des Mondes verlassen. Doch inzwi­schen hat man erkannt, wie einzig­artig und schüt­zens­wert die Natur ist. Heute gibt es vieler­orts Natur­schutz-Initia­tiven, damit die maka­ro­ne­si­schen Inseln das bleiben, was sie bisher waren: Oasen inmitten der blauen Wüste.