31. Juli 2016

Fünf geret­tete Orang-Utan-Babys in den vergan­genen Wochen

Mema bei ihrer Rettung

Es bricht uns jedes Mal das Herz, verwaiste Babys in den Rettungs­sta­tionen ankommen zu sehen.

Gerade scheint es kein Ende nehmen zu wollen — allein im Mai und Juni haben wir fünf neue Babys in unseren Rettungs­sta­tionen aufge­nommen. Alle fünf werden in den kommenden Jahren unser Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­gramm durch­laufen, wo sie alles Notwen­dige zum Über­leben in der Wildnis lernen werden. All das, was sie norma­ler­weise von ihrer Mutter gelernt hätten.

Jelapat — Ankunft in Nyaru Menteng im Juni 2016

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Jelapat bei seiner Rettung

Auf das Schicksal dieses kleinen Orang-Utan-Männ­chens wurde BOS auf eher unge­wöhn­liche Weise aufmerksam. Ein Mitar­beiter der BOS Foun­da­tion hatte im Internet auf Face­book zufällig ein Bild von einem gefangen gehal­tenen Orang-Utan entdeckt und direkt reagiert. Am 21. Juni konnte sich die BKSDA in Beglei­tung eines Teams der BOS Foun­da­tion auf den Weg zur Rettung des Babys machen.

Sukri — der Mann, der den Kleinen als Haus­tier hielt, habe ihn Mitte Dezember 2015 auf dem Gelände der Gold­mine am Fluss­ufer des Barito einsam und schwach gefunden und mit nach Hause — Süd-Barito, Zentral-Kali­mantan — genommen, um sich um ihn zu kümmern. Die verhee­renden Wald­brände hatten in dieser Gegend Ende 2015 alles zerstört und die gesamte Region damals in dichten Nebel gehüllt.
Seine Mutter muss entweder im Feuer ums Leben gekommen sein oder wurde von Wilde­rern getötet. Die BOS-Mitar­beiter haben Sukri zunächst über die Gefahr der Über­tra­gung von Krank­heiten zwischen Menschen und Orang-Utans aufge­klärt und ihn auf das indo­ne­si­sche Gesetz über gefähr­dete Arten hinge­wiesen. Anschlie­ßend war Sukri bereit, Jelapat frei­willig zu übergeben.

Bei seiner medi­zi­ni­schen Erst­un­ter­su­chung stellte man fest, dass er unge­fähr andert­halb Jahre alt sein muss. Nach seiner Ankunft in Nyaru Menteng wurde er in der Quaran­tä­ne­sta­tion aufgenommen.

Bumi — Ankunft in Nyaru Menteng im Juni 2016

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Bumi

Bumi kam am 18. Juni in sehr schlechtem Zustand nach Nyaru Menteng. Der Kleine war stark unter­kühlt und schwach. Sofort wurde er in eine dicke Decke gewi­ckelt und mit Milch gefüt­tert. Er wurde Bumi genannt, was im Indo­ne­si­schen „Erde“ bedeutet.

Das Rettungs­team ging zunächst davon aus, Bumi sei etwa zwei Monate alt. Tatsäch­lich stellten sie nach näherer Unter­su­chung fest, dass sein Bauch­nabel noch nicht ganz verheilt ist, was darauf schließen lässt, dass Bumi noch nicht mal zwei Wochen alt sein muss! BOS-Chef­tier­arzt Agus Fahori verord­nete ihm Anti­bio­tika, um die Wunde besser verheilen zu lassen und eine Infek­tion zu verhin­dern. Bumi war so unglaub­lich schwach, dass er nicht mal seine Augen­lider heben konnte. Vermut­lich wurde er kurz nach der Geburt mit Gewalt von seiner Mutter getrennt.

Anggoro — Ankunft Samboja Lestari im Juni 2016

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Anggoro

Das Orang-Utan-Männ­chen wurde am 15. Juni in einem Dorf konfis­ziert und nach Samboja Lestari gebracht. Es scheint in guter Allge­mein­ver­fas­sung zu sein. Sein Alter wird auf ein oder zwei Jahre geschätzt. Der Kleine hat noch keinen Namen.

Mema — Ankunft in Nyaru Menteng im Juni 2016

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Mema

Mema wurde auf einem abge­brannten Torf­moor­feld gefunden und zum Bürger­meister des Dorfes Bereng Rambang in Zentral-Kali­mantan gebracht. Dieser infor­mierte glück­li­cher­weise das BOS-Team in Nyaru Menteng.

Nach einer vier­stün­digen Fahrt erreichte das Team am 1. Juni das Haus des Bürger­meis­ters und sah, wie das kleine Baby auf dem Rücken in einer Box lag und stöhnte. Ein trau­riger Anblick. Der Tier­arzt Maryos Tandang nahm das Baby ganz vorsichtig aus der Box und unter­suchte es sorgsam. Es befand sich in einer schreck­li­chen Verfas­sung. Das kleine Baby war sehr schwach und wog nur 2,3 Kilo­gramm.
Die erste Unter­su­chung offen­barte eine Wunde am Arm, sowie Beulen am Körper, die vermut­lich durch Luft­ge­wehr­ku­geln verur­sacht worden waren.
Diese Wunden sind leider ein eindeu­tiges Zeichen dafür, dass ihre Mutter mit großer Wahr­schein­lich­keit im Wald durch Schüsse getötet wurde.

Das Orang-Utan-Mädchen erhielt den Namen Mema und wird nun intensiv beob­achtet und gepflegt. Sie wird die nächsten zwei Monate in Quaran­täne verbringen, sich hoffent­lich bald erholen und sich an ihr neues Umfeld in der Rettungs­sta­tion gewöhnen.

Serge — Ankunft in Samboja Lestari im Mai 2016

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Serge

Serge wurde am 20. Mai vom BOS-Team und die BKSDA aus ille­galer Haltung in einem Dorf in Ost-Kali­mantan gerettet. Während der Beschlag­nah­mung zeigte das Männ­chen keinerlei Angst vor Menschen. Dieses Verhalten zeigt, dass er schon einige Zeit in Gefan­gen­schaft lebte.
Das Ärzte­team und eine Baby­sit­terin nahmen ihn an sich und führten eine erste Unter­su­chung durch. Es wurden keinerlei Verlet­zungen oder Krank­heiten fest­ge­stellt. Glück­li­cher­weise war der kleine Orang-Utan gesund und sehr aktiv. Die Früchte, die man ihm anbot, nahm er alle ohne zu zögern an.
Wie alle Orang-Utans, die in unseren Stationen aufge­nommen werden, muss auch Serge sich einer umfang­rei­chen Gesund­heits­prü­fung unter­ziehen und einige Zeit in Quaran­täne verbringen.