20. Mai 2020

Für immer gefangen?

Ein ganzes Leben lang einge­sperrt, hinter Gittern. In kleine, enge Holz­ver­schläge gezwängt. Und nur ab und an zum mensch­li­chen Vergnügen aus den Gefäng­nissen hervor­ge­holt. Immer noch ist das für viel zu viele Tiere Realität. Wir bei BOS kämpfen gegen solche Miss­stände an.

Wir sind froh über jeden einzelnen Orang-Utan, den wir aus seiner Gefan­gen­schaft befreien können. Denn mit der Aufnahme in unsere Schutz­pro­gramme beginnt für diesen ein neues Leben. Und nach einer Zeit der Reha­bi­li­ta­tion auch der letzte Schritt in die Frei­heit. So die Regel. 

Nicht alle Orang-Utans auswilderbar

Doch nicht alle Orang-Utans durch­laufen den mehr­jäh­rigen Lern­pro­zess, in welchem unsere Mitar­beiter ihnen notwen­dige Über­le­bens­fä­hig­keiten für den Regen­wald beibringen, so, dass sie sich im Anschluss auch komplett selb­ständig versorgen können. Manche waren einfach zu lange gefangen oder haben so viel mensch­li­chen Einfluss genossen, dass sie ihre natür­liche Scheu gegen­über Menschen verloren haben. Eine mitunter tödliche Gefahr für die rotbraunen Riesen! Können sie ruhigen Gewis­sens in die Frei­heit entlassen werden?

Hercules ist auf einem Auge blind
Hercules ist auf einem Auge blind

Und was ist mit anderen Menschen­affen, zum Beispiel solchen mit Vorer­kran­kungen wie Tuber­ku­lose oder Hepa­titis B und C, die jeder­zeit einen Rück­fall erleiden können? Oder denen mit anderen Handi­caps? Zu ihnen zählen unter anderem Hercules, der auf einem Auge blind ist, oder Kopral, der sein Leben ohne Arme meistert.

Eine Insel im Schutzwald ist die ideale Lösung für Nichtauswilderbare
Eine Insel im Schutz­wald ist die ideale Lösung für Nichtauswilderbare

Die Lösung: Ab auf die Insel!

All diese Tiere bezeichnen wir als „nicht auswil­derbar“. Für sie haben wir inner­halb unserer Schutz­wälder eigene Inseln erschaffen, auf denen sie quasi wie in Frei­heit leben können. Unsere Mitar­beiter versorgen sie zweimal täglich mit zusätz­li­cher Nahrung und vor allem jeder Menge frischer Früchte.

Unser Ziel ist es, dass irgend­wann alle unsere nicht auswil­der­baren Schütz­linge auf solchen Schutz­in­seln leben. Doch noch fehlt uns der Platz für alle. Darum warten manche Menschen­affen immer noch in Gehegen inner­halb unserer Schutz­zen­tren auf ihren Umzug. Solche mit wieder­keh­renden Krank­heiten werden in unserem spezi­ellen Quaran­tä­ne­kom­plex unter­ge­bracht, um eine Über­tra­gung auf die gesunde Orang-Utan-Popu­la­tion zu verhindern.

Die Insel ist ein durch natürliche Barrieren gesichertes Schutzareal
Die Insel ist ein durch natür­liche Barrieren gesi­chertes Schutzareal

Eine andere Seite der Rehabilitation

Nicht auswil­der­bare Orang-Utans stehen stell­ver­tre­tend für die andere Seite der Tier­re­ha­bi­li­ta­tion. Einen, der wenig bekannt ist. BOS versucht zwar, so viele Orang-Utans wie möglich wieder in den Wald zurück zu bringen. Die bittere Wahr­heit ist jedoch, dass von 430 derzeit von uns betreuten Tieren 170 wahr­schein­lich niemals ohne fremde Hilfe über­leben können.

Viele dieser Orang-Utans haben gesund­heit­liche Probleme wie Fett­lei­big­keit, psychi­sche Störungen oder zeigen stereo­types Verhalten. Dies alles ist auf frühere Trau­mata vor der Rettung zurück­zu­führen. Für diese ganz beson­deren Schütz­linge bereiten wir größere Insel­schutz­ge­biete vor, damit sie ihren Alltag in Lebens­räumen verbringen können, die einem natür­li­chen Wald sehr ähnlich sind und — wie von der Natur beab­sich­tigt — in den Baumwipfeln.

Anih, der weltberühmte Orang-Utan, lebt ebenfalls auf einer Schutzinsel
Anih, der welt­be­rühmte Orang-Utan, lebt eben­falls auf einer Schutzinsel

Ein Hoff­nungs­schimmer besteht auch bei manchen „Nicht­wie­der­aus­wil­der­baren“: nämlich dann, wenn sie Verhal­tens­fort­schritte erzielen, die signi­fi­kant genug sind, um ihre Frei­las­sung im Wald zu recht­fer­tigen. Wir setzen unsere Arbeit fort und hoffen auf dieses Wunder, damit jeder Orang-Utan frei in seiner wahren Heimat, dem Regen­wald, leben kann.

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