2. Juni 2022

Für vier Orang-Utans hat die Wald­uni­ver­sität begonnen

Unser Team im Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng hatte in den zurück­lie­genden zwei Wochen richtig viel zu tun. Und ordent­lich Aufre­gung. Denn es ging nicht nur für vier Orang-Utans in die große Frei­heit des Regen­walds, sondern für vier weitere Primaten in die kleine Frei­heit der Vorauswilderungsinsel. 

Hier, auf dem Salat Island Cluster, müssen sie nun beweisen, wie gut sie allein zurecht­kommen. Auf den Inseln leben sie selbst­ständig, müssen sich ihr Futter suchen, den Wald erkunden, mit anderen Orang-Utans zurecht­kommen, sich Schlaf­nester bauen. Und natür­lich klet­tern, hangeln, schwingen. Im Unter­schied zur Auswil­de­rung im Regen­wald, stehen die Wald­men­schen hier aber noch unter tägli­cher Beob­ach­tung unserer erfah­renen Kolle­ginnen und Kollegen. Die liefern nicht nur täglich Obst und Gemüse an, da die Inseln nicht genug Nahrung für alle Bewohner bieten, sondern haben von den Booten aus auch ein scharfes Auge auf den Orang-Utans. Sie führen z. B. Buch über die Sich­tungen. So kann es schon mal vorkommen, das einzelne Tiere ein paar Tage nicht an den Fütte­rungs­platt­formen erscheinen, weil sie ander­weitig beschäf­tigt sind und selbst genü­gend Futter gefunden haben. Dann wird das Sozi­al­ver­halten beob­achtet und doku­men­tiert. Und vor allem der Gesund­heits­zu­stand überwacht. 

Kapuan versucht es zum zweiten Mal 

So ist es für das Orang-Utan-Weib­chen Kapuan bereits der zweite Versuch auf einer Voraus­wil­de­rungs­insel. Sie ist erst­mals am 26. Juni 2019 auf eine Salat-Insel gezogen. Aller­dings musste Kapuan am 18. Februar 2020 in die Tier­klinik von Nyaru Menteng zurück­ge­schickt werden, da bei ihr eine Atem­wegs­er­kran­kung namens Aerosac­cu­litis (eine bakte­ri­elle Luft- oder auch Kehl­s­ack­ent­zün­dung) diagnos­ti­ziert wurde. 

Kapuan ist mit 23 Jahren die älteste der neuen Wald­stu­denten. Sie wurde mit sechs Jahren im November 2006 aus thai­län­di­scher Gefan­gen­schaft in einem Vergnü­gungs­park befreit und nach Indo­ne­sien zurück­ge­holt. Nun, nachdem sie wieder gesund und fit ist, darf die sanfte Kapuan sich ein zweites Mal auf der Insel beweisen. Drücken wir ihr die Daumen, dass diesmal alles glatt geht und sie bald ausge­wil­dert werden kann. 

Die Jüngste der neuen Wald­stu­denten 

Mit sieben Jahren ist Jengyos die Jüngste der neuen Insel­be­wohner. Sie wurde mit gerade mal einem Jahr 2016 in einem Dorf in Zentral-Kali­mantan gerettet. 

Jengyas als Baby

In der Wald­schule entwi­ckelte sie sich zu einem sehr neugie­rigen und sozialen Orang-Utan. Aggressiv ist sie nicht, hat aber in letzter Zeit begonnen, sich zu vertei­digen, wenn sie von anderen Orang-Utans provo­ziert wird. Wir sind gespannt, wie sich ihre Über­le­bens­fä­hig­keiten auf der Insel weiter­ent­wi­ckeln werden. 

Vier Jahre Gefan­gen­schaft 

Jessy ist heute zehn Jahre alt. Gerettet haben wir sie im Alter von sechs Jahren im September 2018 gemeinsam mit dem Wild­tier­ret­tungs­team der Natur­schutz­be­hörde BKSDA aus einem Dorf in Zentral-Kali­mantan. Dort war sie vier Jahre lang von einem Dorf­be­wohner illegal als Haus­tier gehalten worden. 

Jessy bei ihrer Rettung 

In der Wald­schule zeigte Jessy ein sanftes Gemüt. Um Menschen schert sie sich zum Glück gar nicht. Nun darf sie auf der Walduni das wilde Leben studieren und hoffent­lich bald in der Praxis anwenden. 

Der neue Mann 

Der 14-jährige Happy ist der einzige männ­liche Orang-Utan, der nun frisch auf die Walduni einzog. Ihn haben wir im Juli 2010 aus ille­galer Haltung und in einem schlechten körper­li­chen Zustand gerettet. Damals war er zwei Jahre alt. Uns wurde berichtet, dass seine Mutter gestorben sei, nachdem sie vergif­tetes Wasser aus dem Garten der Bewohner getrunken habe. 

In der Wald­schule zeigte Happy früh eine große Selbst­stän­dig­keit, da er die meiste Zeit in den Bäumen verbrachte. Wenn er nicht gerade damit beschäf­tigt war, den Wald zu erkunden, verstand er sich problemlos mit allen seinen Orang-Utan-Kollegen. 

Nach zwölf Jahre Reha­bi­li­ta­tion ist Happy nun bereit, seine Fähig­keiten unter Beweis zu stellen und zu zeigen, dass er das Zeug dazu hat, auf der Voraus­wil­de­rungs­insel klarzukommen. 

Wir wünschen allen neuen Wald­stu­denten ein gutes, wildes Studentenleben. 

Werden auch Sie ein Orang-Utan-Retter!