28. Januar 2020

Garu, die Wächterin

Wilde Orang-Utans haben eine natür­liche Scheu vor Menschen. In unseren Schutz­zen­tren betreute Tiere müssen diese erst Schritt für Schritt erlernen. Umso erfreu­li­cher ist es für unsere Mitar­beiter, wenn sie bei ihren Beob­ach­tungen im Regen­wald von ehema­ligen Schütz­lingen mit Schreien verjagt oder mit Ästen beworfen werden. Dann haben sie in ihrer jahre­langen Arbeit alles richtig gemacht!

Wie bei unseren drei Ausge­wil­derten Gadi und deren Töch­tern Garu (10 Jahre) und Galaxy (1). Das Damen-Trio wurde im Jahr 2012 in den Bukit Batikap-Schutz­wald frei­ge­lassen. Bei einer der letzten Obser­va­tionen stieß unser Team auf die drei Orang-Utans. Die zehn­jäh­rige Garu bemerkte ziem­lich schnell die Anwe­sen­heit unserer Mitar­beiter. Ihre Unzu­frie­den­heit äußerte sie nicht nur durch schrille Laute, den soge­nannten Kiss-Squeak, sondern auch durch das Werfen von Ästen in Rich­tung der Eindringlinge.

Das Team wusste, hier war ein Rückzug ange­sagt. Dennoch war es wichtig, die Familie weiterhin zu beob­achten. Denn alle drei waren zuvor für längere Zeit nicht gesichtet worden, Garu letzt­malig im November 2018, die anderen zwei im Februar 2019. Die Entschei­dung des Teams: Alle drei sollten mit äußerster Umsicht zwei Tage lang obser­viert werden.

Gadi und Galaxy in den Wipfeln eines BaumesGadi und Galaxy in den Wipfeln eines Baumes
 

Garu avan­ciert zur Beschützerin 

Am ersten Tag der Obser­va­tion wurde das Trio haupt­säch­lich beim Verspeisen von Lecke­reien aus dem Regen­wald beob­achtet. Auf dem Spei­se­plan standen Sang­kuang-Früchte, junge Blatt­triebe und Ameisen. Einmal verschwand Garu in den Weiten des Regen­waldes, kam aber schon bald mit einer großen Varia­tion an Früchten für die ganze Familie zurück.

Eine wahre Fami­li­en­idylle! Zumin­dest bis Garu unser Team entdeckte. Das war für die fürsorg­liche junge Dame der Start­schuss zur Vertei­di­gung ihrer Verwandten. Bäume schüt­telnd und laut quiet­schend versuchte sie aber­mals das Team zu vertreiben. Offen­sicht­lich hatte sie es sich zur Aufgabe gemacht, die Beschüt­zerin ihrer Mutter und Schwester zu sein. Später dann, als es dämmerte, begann sie ihr Nacht­lager zu bauen, etwa 40 Meter vom Nest ihrer Mutter Gadi entfernt.

Die Mutter hat ihr Kleines stets sicher bei sichDie Mutter hat ihr Kleines stets sicher bei sich
 

Die Familie geht über alles!

Am nächsten Tag erreichte das Team die Schlaf­stätte der drei Damen schon morgens um 5:30 Uhr. Recht­zeitig, denn kurz nach Ankunft der Mitar­beiter begannen schon die Bäume über ihren Köpfen zu zittern, ein untrüg­li­ches Zeichen dafür, dass jemand am Aufwa­chen war. Als erste zeigte sich Garu. Doch sie tauchte in einem Schlaf­nest auf, das viel näher an dem ihrer Mutter war, als das, welches unser Team am Tag zuvor noch gesehen hatte. Wahr­schein­lich hatte sie sich nochmal ument­schieden und sich zur Nacht näher an ihrer Familie positioniert.

Kurz darauf erhoben sich Gadis und Galaxy aus ihrem Nest, und die drei aßen zusammen Früh­stück. Jetzt war Garu aller­dings noch wach­samer als am Tag zuvor. Sie stellte sich hinter Gadis und Galaxy und behielt die mensch­li­chen Eindring­linge konse­quent im Auge. Gele­gent­lich warnte sie mit Kuss­schmatzen in Rich­tung Beob­ach­tungs­team und warf Zweige. Mutter Gadis schätzte offen­sicht­lich die Situa­tion ähnlich ein. Indem sie sich vor Baby Galaxy posi­tio­nierte und dem Team damit den Blick auf das jüngste Fami­li­en­mit­glied versperrte, zeigte sie ganz deut­lich: Bleibt fern von uns, wir vertei­digen unsere Verwandten! Was für eine tolle Familie!

Für unser Team war diese Beob­ach­tung der größte Lohn für die Arbeit: Garu hatte, wie schon ihre Mutter Gadi, exzel­lentes instink­tives und schüt­zendes Verhalten gezeigt. Sie bewies, dass sie alles tun würde, um ihre Familie ange­sichts einer wahr­ge­nom­menen Bedro­hung zu vertei­digen. Wünschen wir der kleinen Familie weiterhin ein wildes freies Leben, auf dass sie helfen, den Orang-Utan als eine der Schlüs­sel­fi­guren für den Regen­wald zu erhalten.

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