17. Juni 2020

Klein und gemein

Wie ähnlich sich Mensch und Orang-Utan sind, zeigt sich an unzäh­ligen Beispielen. So teilen wir nicht nur 97 Prozent der glei­chen DNA, sondern auch ein paar gemein­same „Feinde“. Und gegen die sind wir dann genauso machtlos, wie die Orang-Utans. Hier ein kleiner Erleb­nis­be­richt aus der Wald­schule von Nyaru Menteng.

Wie jeden Tag war Wald­schul­gruppe 5 im Regen­wald unter­wegs, um – ange­leitet von ihren Baby­sit­tern – Erfah­rungen zu sammeln, die ihnen eines Tages ein freies Leben im Dschungel möglich machen sollen.

Waldschulgruppe 5 in den Bäumen
Wald­schul­gruppe 5 in den Bäumen

Ein Teil der Orang-Utan-Kinder trai­nierte hoch oben in den Bäumen ihre Klet­ter­künste. Die andere Hälfte der Gruppe spielte und sprang auf dem Wald­boden herum. Doch Moment mal!? War das Springen und Hopsen da tatsäch­lich nur Spiel und Freude? Eher nicht… Schnell merkten die Baby­sit­te­rinnen, dass ihre kleinen Schütz­linge in großer Not zu sein schienen. 

Hanin und Wine
Hanin und Wine

Denn das Verhalten von Meryl, Hanin, Valen­tino und Angkasa war sehr unge­wöhn­lich: Meryl stampfte unauf­hör­lich mit dem Fuß auf den Wald­boden, während Angkasa einen Baum­stamm hoch­klet­terte, um dann zu springen und neben Meryl auf dem Boden zu landen. Valen­tino schlug aufge­regt mit einem Stock auf den Boden. Und Hanin kratzte sich verzwei­felt am ganzen Körper. 

Valentino
Valentino

Die rasch herbei­ei­lenden Baby­sitter erkannten bald, was die jungen Orang-Utans so aufge­bracht hatte: Eine Kolonie von Feuer­ameisen griff an. Den Namen tragen die wehr­haften Insekten, die auf Borneo auch Katikih oder Salim­bada genannt werden, nicht ohne Grund. Ihr Biss ist unglaub­lich schmerz­haft. Kein Wunder, dass die Orang-Utans so außer sich waren.

Feuer­ameisen wandern über den Wald­boden, wenn sie in ein neues Nest umziehen oder sie auf der Suche nach Futter sind. In diesem Fall schienen die Orang-Utans ihren Spiel­platz zu nah an ein Nest der Feuer­ameisen gelegt zu haben. Und ganz nach Amei­senart griffen die aggres­siven Insekten gemeinsam an, um die riesigen Eindring­linge zu vertreiben. 

Da Meryl und ihre Freunde es nicht schafften, sich die kleinen Plage­geister vom Leib zu halten, entschlossen sich die Baby­sitter ihren Schütz­lingen zu helfen. Sie führten den Trupp kurzer­hand aus der Gefah­ren­zone, damit sie dort unge­stört spielen konnten.

Meryl
Meryl

Auch wenn Ameisen zu den kleinsten Lebe­wesen im Wald zählen, so sind sie doch eines der mäch­tigsten! Ihre Bisse brennen wie Feuer. Und man sollte nie ihre Fähig­keit unter­schätzen, auch die größten Tiere anzu­greifen. So haben unsere Waisen wieder eine wich­tige Lektion gelernt: Man sollte immer wissen, wann es besser ist, den Rückzug anzutreten.

Werden auch Sie zum BOS-Unter­stützer. Mit Ihrer Spende helfen Sie den Orang-Utans, dem Regen­wald und damit auch unserem Klima. Jeder Beitrag hilft.