2. September 2020

Napri geht seinen Weg

Manchmal können wir es selbst kaum fassen, wie sich unsere Schütz­linge bei uns entwi­ckeln. Gerade waren sie noch ein hilf­loses Fell­bündel, bei dem wir bei der Rettung nicht einmal sicher waren, ob es die nächsten Stunden über­stehen wird. Und dann, ein paar Jahre später, haben sie sich zu gestan­denen Orang-Utans entwi­ckelt, die kurz davor sind, flügge zu werden. Unser Wald­schüler Napri ist genau so ein Fall.

Am 21. September 2015 wurde Napri aus einem Dorf im Bezirk Katingan in Zentral-Kali­mantan gerettet. Es war das Jahr der heftigen Brände auf Borneo und viele Orang-Utans verloren damals ihr Leben. So auch Napris Mutter. Ein Bauer fand ihn allein und unter­ernährt. Glück­li­cher­weise infor­mierte er die Natur­schutz­be­hörde BKSDA, die den kleinen Waisen nach Nyaru Menteng brachte, wo sich unser Ärzte­team seiner annahm. 

Napri bei seiner Rettung 2015
Napri bei seiner Rettung 2015

Er war gerade mal einen Monat alt – ein trau­riger, mutter­loser Winz­ling, der nur einein­halb Kilo auf die Waage brachte. 

Die Quaran­tä­ne­zeit nutze er unter der inten­siven Betreuung der Tier­ärzte und Baby­sit­te­rinnen, um zu Kräften zu kommen. Als er dann in die Baby­gruppe umziehen durfte, blühte Napri ein wenig auf. Es tat ihm gut mit Orang-Utans seines Alters zu spielen und zu lernen. Doch am liebsten war er allein mit seinem Kuscheltier. 

2016 erholt sich Napri nur langsam vom Verlust seiner Mutter
2016 erholt sich Napri nur langsam vom Verlust seiner Mutter

Zu seinen Baby­sit­te­rinnen baute er eine innige Bezie­hung auf und holte sich all die Strei­chel­ein­heiten, die er sonst bei seiner Mutter bekommen hätte. Und sobald ihm die größeren Kinder der Baby­gruppe zu nah kamen, flüch­tete sich Napri schnell in die sicheren Arme seiner Babysitterin.

Napri ist ein guter Kletterer
Napri ist ein guter Kletterer

Inzwi­schen ist Napri fünf Jahre alt und besucht die Wald­schul­gruppe 4 in Nyaru Menteng. Noch immer ist er eher ein unab­hän­giger Einzel­gänger, dabei aber immer sanft und freund­lich. Konfron­ta­tionen weicht er möglichst aus. Wenn seine Mitschüler spielen, geht er eigene Wege, übt sich im Klet­tern und Nest­bauen und sucht Futter. Der Klasse schließt er sich nur an, wenn es etwas zu futtern oder zu trinken gibt. Doch das schadet ihm nicht. Im Gegen­teil. In vielen Berei­chen ist er seinen Mitschü­lern inzwi­schen deut­lich voraus.

Unterwegs im Wald
Unter­wegs im Wald

So sind wir uns sicher, dass sich aus Napri in den kommenden Jahren ein Orang-Utan-Mann entwi­ckeln wird, der den Heraus­for­de­rungen der Wildnis hervor­ra­gend gewachsen sein wird. Und das trotz seines schweren Starts ins Leben. Weiter so, Napri!

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