17. Juli 2018

Neues Glück für die wilde(n) Dreizehn

Es ist voll­bracht – drei­zehn Orang-Utans haben nach dem langen Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess in unserem Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng nun ihr neues Leben in der Frei­heit des Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­parks begonnen. 

Dies war unsere zehnte Orang-Utan-Auswil­de­rung in den Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park (Taman Nasional Bukit Baka Bukit Raya; TNBBBR), durch­ge­führt von der Natur­schutz­be­hörde Zentral-Kali­man­tans (BKSDA) in Zusam­men­ar­beit mit dem TNBBBR und der BOS Foun­da­tion, finan­ziert auch mit Spen­den­gel­dern von BOS Deutsch­land e.V.. Für vier Männ­chen und neun Weib­chen, darunter zwei Mutter-Kind-Paare, ging somit endgültig die Käfigtür im Dschungel auf. Nun leben insge­samt 92 reha­bi­li­tierte Orang-Utans im BBBR-Nationalpark.

 

 

Die drei­zehn Wald­men­schen machten sich in zwei Gruppen von Nyaru Menteng aus auf den Weg.
Terang, Indi, Nanda mit ihrem Sohn Ananda, Zazu, Kenya und China reisten am 12. Juli als erste Gruppe ab und wurden am folgenden Tag ausge­wil­dert. Vista und ihr Sohn Vee, Bulan, Suma, Kadek und Coklat bildeten die zweite Gruppe, die am 14. Juli Nyaru Menteng verließ, um am nächsten Tag in die verdiente Frei­heit entlassen zu werden.

Eine entspannte Reise

Das BOS-Team aus Tier­ärzten und erfah­renen Mitar­bei­tern begann am Nach­mittag mit der Sedie­rung der Tiere im Quaran­täne-Komplex von Nyaru Menteng 3. Inner­halb weniger Stunden waren die Arbeiten abge­schlossen, die Tiere in ihren Trans­port­boxen auf den Jeeps fest­ge­schnallt und das Auswil­de­rungs-Team bereit, direkt nach Sonnen­un­ter­gang auf die Reise zu gehen. Das kühlere Klima nach Einbruch der Dunkel­heit hilft Tieren und Menschen – die Orang-Utans bleiben ruhiger, die Menschen konzen­trierter, wenn die Sonne nicht über ihnen brennt.

Die Konvois stoppten regel­mäßig alle zwei Stunden, damit der Tier­arzt die Orang-Utans kurz unter­su­chen konnte. Außerdem bekamen die Menschen­affen während dieser Pausen kleine Snacks und genü­gend Erfri­schungen gereicht, damit die Reise für die Tiere so stress­frei wie möglich verlief. 

Nach der zehn­stün­digen Auto­fahrt wech­selten die Auswil­de­rungs­gruppen in moto­ri­sierte Boote, auf denen es weitere fünf Stunden strom­auf­wärts auf dem Fluss tief hinein in den geschützten Regen­wald ging. Sobald die Teams die vorher fest­ge­legten Orte im Natio­nal­park erreicht hatten, wurden die Orang-Utans schnell in ihren Boxen an Land getragen und nach­ein­ander in den Wald entlassen. Genau in diesem Moment begann für sie ihr neues Leben als freie Orang-Utans.

Frei aber nicht allein

Für BOS ist die Arbeit dann aber noch nicht erle­digt. Sobald die Trans­port­boxen geöffnet werden, beginnt für das bereit­ste­hende Moni­to­ring-Team der Einsatz: beob­achten und doku­men­tieren der Akti­vi­täten der ausge­wil­derten Orang-Utans. 

 

30 Tage werden die neuen Wilden engma­schig über­wacht, um sicher zu gehen, dass sich die Tiere in ihrem neuen Lebens­raum und in der neuen Selb­stän­dig­keit zurecht finden. In der soge­nannten Nest-zu-Nest-Beob­ach­tung begleiten BOS-Mitar­beiter die drei­zehn Orang-Utans unauf­fällig vom frühen Morgen, wenn sie ihre Schlaf­nester verlassen, bis zum Abend, wenn sie sich in ihrem neuen Nest schlafen legen. Die gesam­melten Daten sind über­le­bens­wichtig, da sie uns zeigen, wie sich die Orang-Utans in ihrem neuen Zuhause zurecht finden – ob sie genug Nahrung sammeln, ihr Gewicht halten, es keine gravie­renden Revier­strei­tig­keiten gibt und sie täglich ein neues Schlaf­nest errichten.

Orang-Utans retten Menschen

Seit 2012 hat die BOS Foun­da­tion damit 358 reha­bi­li­tierte Orang-Utans in gesi­cherte Regen­wald­ge­biete ausge­wil­dert. Doch die Arbeit geht weiter. „Wir haben dieses Jahr allein in Nyaru Menteng vier geret­tete Baby-Orang-Utans aufge­nommen. Auf den ersten Blick sind das nicht viele, doch sie kommen zu den mehr als 400 Orang-Utans, die derzeit in diesem größten BOS-Rettungs­zen­trum in unserer Obhut sind“, erläu­tert Dr. Ir. Jamarin Sihite, CEO der BOS Foun­da­tion. In der Entwal­dung und unserem über­mä­ßigen Verbrauch von Ressourcen, um unsere gierigen Wünsche zu erfüllen, sieht Dr. Sihite die Haupt­ur­sa­chen, die wild lebende Tiere an den Rand des Ausster­bens bringen. „Wir alle tragen daher die volle Verant­wor­tung dafür, die verblei­benden Wälder zu schützen. Lasst uns zusammen die letzten Orang-Utans Borneos bewahren und alles tun, damit ihre Anzahl in der Wildnis wieder ansteigt. Orang-Utans, unsere nächsten lebenden Verwandten, spielen eine bedeu­tende Rolle bei der Rege­ne­ra­tion des Waldes. Nach­hal­tige Wälder sind der Schlüssel zur Verbes­se­rung der Lebens­qua­lität für jeden Menschen auf diesem Planeten. Genau deshalb brau­chen wir im Wald lebende Orang-Utans. Indem wir sie retten, retten wir auch uns.“

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