12. November 2020

Orang-Utan-Rettung in Zeiten von Corona

Orang-Utans und deren Lebens­raum zu schützen ist in den Zeiten einer welt­weiten Pandemie beson­ders heraus­for­dernd. Für die Rettung von in Not gera­tenen Tieren gibt es keinen Lock­down. Ihnen muss – unter Berück­sich­ti­gung aller notwen­digen Hygie­ne­maß­nahmen – sofort geholfen werden. So waren auch unsere Teams in den vergan­genen Monaten mehr­fach auf Rettungs­mis­sion unterwegs.

Seit März war BOS an der Seite der indo­ne­si­schen Natur­schutz­be­hörde BKSDA an der Rettung von sieben Orang-Utans betei­ligt. Darunter waren zwei Babys, die wir zunächst in die neu ange­legten COVID-19-Quaran­täne-Stationen unserer Schutz­zen­tren aufge­nommen haben. Fünf erwach­sene Orang-Utans wurden in sichere, entle­gene Wald­ge­biete umgesiedelt.

Erst­kon­takt nur in voller Schutzausrüstung

Cova vor der Umsiedlung nach Sebangau
Cova vor der Umsied­lung nach Sebangau

Einer dieser umge­sie­delten Orang-Utans ist Cova. Das erwach­sene Männ­chen war einem Dorf zu nahe gekommen. Die Dorf­be­wohner hatten die BKSDA infor­miert, die den Orang-Utan gemeinsam mit uns in ein sicheres Regen­wald­ge­biet umsie­deln sollte. Cova saß ganz oben in einem Baum, als das Rettungs­team ihn aufspürte. Die Männer näherten sich ihm in voller Schutz­aus­rüs­tung – seit COVID müssen alle Teams zusätz­lich zu Maske und Hand­schuhen während der gesamten Rettungs­ak­tion undurch­läs­sige Ganz­körper-Anzüge tragen. Das gesamte Equip­ment wird häufiger als sonst komplett desin­fi­ziert, und die Teams werden so klein wie möglich gehalten.

1
Cova bei der Untersuchung

Diese Vorsichts­maß­nahme bringt für jeden einzelnen mehr Aufgaben mit sich, so auch bei der Rettung von Cova. Nach einem einge­henden Check des sedierten Männ­chens, durch­ge­führt von unserem Tier­arzt Dr. Agus Fachroni und seinem Mitar­beiter Dedi Badas, war klar: Cova war gesund und konnte von der BKSDA in den Natio­nal­park Sebangau umge­sie­delt werden.

Es mussten weniger Tiere gerettet werden

Insge­samt haben in diesem Jahr bis jetzt deut­lich weniger Rettungen statt­ge­funden als in den vergan­genen Jahren. Das liegt unter anderem daran, dass es 2020 in Indo­ne­sien seltener gebrannt hat als in manch anderen Jahren. Bisher musste von uns kein Orang-Utan gerettet werden, der wegen eines Feuers in Not geraten war. Die meisten Tiere wurden von Plan­tagen oder aus der Nähe von Dörfern geholt, wo die Orang-Utans auf ihrer Suche nach Nahrung zu dicht an den Lebens­raum der Menschen gekommen waren.

Bisher kein Fall von COVID-19 bei Menschen­affen bekannt

Die gute Nach­richt: Bis heute gibt es keinen einzigen Fall von COVID-19 in unseren Schutz­zen­tren – weder bei den Orang-Utans noch bei den Menschen (ACHTUNG, neuer Stand Januar 2021) Trotzdem sind wir gut vorbe­reitet: Seit Beginn des Lock­downs haben wir eine zusätz­liche Quaran­täne-Abtei­lung für mögliche Corona-Fälle einge­richtet. Die Vorbe­rei­tungen haben einige Zeit gedauert, weil die Auflagen noch strikter sind als sowieso schon, und wir jede Infek­ti­ons­ge­fahr für unsere über 400 Tiere ausschließen wollen. Bis alles soweit einsatz­be­reit war, konnten wir keine neuen Orang-Utans aufnehmen. Statt­dessen wurden sie in anderen Einrich­tungen, die schon über ausrei­chend Quaran­täne-Areale verfügten, unter­ge­bracht. Seit gut drei Monaten haben wir ausrei­chend Platz, sowohl für Neuan­kömm­linge als auch für mögliche Infek­ti­ons­fälle. Und so haben bereits zwei während des Lock­downs geret­tete Babys das gesamte Quaran­täne-Proze­dere erfolg­reich durch­laufen und sind jetzt im Wald­kin­der­garten aufge­nommen worden.

Strikte Hygie­ne­auf­lagen halten Tier und Mensch gesund

1
Strikte Hygieneauflagen

Auch in den anderen Berei­chen der Rettungs­zen­tren geht der Betrieb unter Berück­sich­ti­gung hoher Hygie­ne­stan­dards weiter. Der Alltag hat sich seit Ausbruch der Pandemie jedoch sehr verän­dert: Seit März finden keine Auswil­de­rungen mehr statt, um ganz sicher auszu­schließen, dass das womög­lich Virus zu den bereits ausge­wil­derten und wilden Tieren im Regen­wald getragen wird. Auch sind in den Schutz­zen­tren keine Besu­cher oder Forschungs­gruppen mehr zuge­lassen, und es wird komplett auf die Hilfe der zahl­rei­chen Frei­wil­ligen verzichtet, die sonst die Arbeit unserer Teams in den Zentren und außer­halb tatkräftig unter­stützen. Alle Beschäf­tigten arbeiten in vonein­ander getrennten Arbeits­be­rei­chen und in festen Teams. Regel­mä­ßige Check-Ups und von der Regie­rung bereit gestellte Covid19-Schnell­tests runden die Routinen ab. Sicher ist sicher.

1
Regel­mä­ßige Check-Ups

Wer davon kaum etwas mitbe­kommt, sind unsere Orang-Utans. Alle Tiere in den Rettungs­zen­tren sind gesund und tun das, was sie immer tun: Sie tollen herum, spielen und lernen jeden Tag etwas Neues in der Wald­schule. Andere warten geduldig auf den Tag ihrer Auswil­de­rung. Bis es soweit ist, halten wir zusammen und tun alles, was notwendig ist, um den Orang-Utans eine sichere Zukunft zu ermöglichen.

Unter­stützen Sie die Arbeit in unseren Rettungs­zen­tren in Corona-Zeiten.