24. Januar 2020

Orang-Utans, Schweine und eine Pflanze

Orang-Utans und Wild­schweine scheinen auf den ersten Blick grund­ver­schieden zu sein. Während sich die Menschen­affen haupt­säch­lich in den Bäumen aufhalten, durch­streifen die Bors­ten­tiere gut geerdet das Natur­reich. Beide Tiere haben jedoch neben ihrer Heimat, den Wäldern Borneos, noch weitere Gemein­sam­keiten. Da wäre zum Beispiel die ausge­prägte Vorliebe für die Etlingera. 

Etling…was? Die Etlin­gera ist eine Pflanze, die zu den ganz­jährig blühenden Ingwer­ge­wächsen gehört. Von einigen Ausnahmen abge­sehen, ist sie ausschließ­lich in Indo­ne­sien behei­matet. Allein auf Borneo gibt es etwa 42 Arten. Im Wald Kehje Sewen ist sie im Über­fluss vorhanden, zum Glück für die dort lebenden Orang-Utans und Schweine! Doch neben ihnen profi­tiert noch jemand ganz anderes von dem Gewächs: unser Post-Release-Moni­to­ring- oder auch PRM-Team!

Die Etlingera gehört zu den Ingwergewächsen

Die Etlin­gera gehört zu den Ingwergewächsen

Hilfe beim Auffinden von Menschenaffen

Nach einer erfolg­rei­chen Auswil­de­rung ist unser Team dafür zuständig, unsere ehema­ligen Schütz­linge zu beob­achten und wich­tige Daten über sie zu sammeln. Sind die Tiere gesund? Wie bewegen sie sich in ihrer neuen Heimat? Finden sie genug Nahrung, und wie klappt der Nestbau? Bei all dem kann die Etlin­gera hilf­reich sein.

Die Pflanze gibt nämlich entschei­dende Hinweise darauf, wo unsere rothaa­rigen Artver­wandten zu finden sind. Denn obwohl unsere Mitar­beiter mitt­ler­weile Profis im Aufspüren der Orang-Utans sind und diese auch einen Peil­sender implan­tiert haben, können wir sie nicht immer sichten.

Nicht immer sind Tiere mit Richtmikrofon auffindbar

Nicht immer sind Tiere mit Richt­mi­krofon auffindbar

Etlin­gera als Suchinstrument

Bäume und Pflanzen, deren Früchte Orang-Utans als Nahrung dienen, sind in solchen Fällen für unsere Teams unent­behr­lich. Wie die Etlin­gera. Indem Mitar­beiter beispiels­weise Reste der Pflanze sichten, wissen sie, dass wenigs­tens ein Orang-Utan aktiv in dieser Umge­bung nach Nahrung gesucht hat. Und eine ausführ­liche Erkun­dung des Waldes lässt vermuten, dass der Affe sich in einem guten gesund­heit­li­chen Zustand befindet.

An den Pflanzenresten ist die Aktivität von Tieren erkennbar

An den Pflan­zen­resten ist die Akti­vität von Tieren erkennbar

 
Und wie unter­scheiden wir nun, ob sich ein Schwein oder Orang-Utan an der Pflanze bedient hat? Ganz einfach: Menschen­affen benutzen ihre geschickten Hände, um den Stengel zu lösen und das weiche Innere mit den Zähnen zu zerklei­nern und essen. Die Wild­schweine beißen oder reißen an den Pflanzen, um damit Schwei­nenester, auch “sarang babi”  genannt, zu bauen! 

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