18. April 2018

Plötz­lich Mama

Es sollte ein ganz normaler Kontroll­gang werden. Doch plötz­lich erlebten unsere Mitar­beiter im Schutz­wald von Bukit Batikap ein kleines Wunder. Und der Regen­wald hatte einen Bewohner mehr.

Kontroll­gänge durch die weit­läu­figen Schutz­ge­biete gehören für unsere BOS-Mitar­beiter zum Alltag. Meist verlaufen sie ohne Zwischen­fälle. Manchmal jedoch passiert Groß­ar­tiges, wie vor ein paar Tagen. „Wir waren noch nicht weit in den Schutz­wald hinein­ge­laufen, als wir das Sender­si­gnal unseres Schütz­lings Meklies empfingen“, erzählt BOS-Mitar­bei­terin Andrea. „Nur sechs Tage vorher hatten wir sie hoch­schwanger gesichtet. Ganz klar, dass wir jetzt beson­ders ein Auge auf sie haben wollten.“

Andrea und ihre Team­kol­legen folgten dem Signal. Auf einer Lich­tung mit riesigen Bäumen sahen sie auf einmal hoch über sich ein Orang-Utan-Nest, aus dem neugierig jemand heraus­blickte: Meklies! Norma­ler­weise zeigt die Fünf­zehn­jäh­rige eindeutig, dass sie von mensch­li­cher Gesell­schaft nicht viel hält und versteckt sich.

Diesmal jedoch war irgend­etwas anders. „Sie schien uns zu akzep­tieren“, berichtet Andrea. „Also haben wir uns abseits nieder­ge­lassen und das Nest beob­achtet.“ Nach einer halben Stunde zeigte sich die Orang-Utan-Dame wieder. Doch diesmal war sie nicht allein! An ihrer Seite hing der kleinste Menschen­affe, den unsere Mitar­beiter nach eigener Aussage jemals gesehen hatten!

„Der kleinste Orang-Utan, den wir je gesehen haben“

„Das Fell des Babys leuch­tete hell wie die aufge­hende Sonne“, schwärmt unsere Mitar­bei­terin. „Das Kleine konnte höchs­tens ein oder zwei Tage alt sein. Seine Augen waren noch geschlossen, das Haar fleckig und noch komplett verwuschelt.“

Der Moment, in dem das Baby bestaunt werden konnte, war nur kurz, denn Meklies versteckte es sofort wieder. Gemeinsam mit dem Nach­wuchs klet­terte sie auf einen anderen Ast und legte sich zur Ruhe. Einige stres­sige Geräu­sche später machte sich unser Team wieder auf den Heimweg. „Im Gesicht hatten wir alle ein breites Lächeln“, erin­nert sich Andrea. „Klar, wir hatten ja auch ein kleines Wunder erlebt.“

Auf den zweiten Blick ist das Wunder noch weitaus größer: „Wir haben nicht nur ein neues Menschen­äff­chen auf der Welt begrüßt, sondern auch erlebt, wie toll sich ein reha­bi­li­tierter Orang-Utan entwi­ckelt hat.“ Nur zwölf Jahre zuvor, im Alter von drei Jahren, wurde Meklies aus einer Palmöl-Plan­tage gerettet. Ihr Baby verspricht jetzt Hoff­nung für eine vom Aussterben bedrohte Spezies, deren Anzahl von Tag zu Tag schwindet.

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