17. März 2020

Sie brau­chen uns!

Orang-Utan-Schutz in Zeiten des Corona-Virus — diese  Ausnah­me­si­tua­tion stellt auch uns bei BOS vor bislang nie da gewe­sene Heraus­for­de­rungen. Gerade jetzt benö­tigen die mehr als 500 unter unserem Schutz stehenden rothaa­rigen Menschen­affen in den zwei Rettungs­zen­tren Nyaru Menteng und Samboja Lestari unsere beson­dere Fürsorge.

Doch damit allein ist es nicht getan: Mit unseren Part­ner­or­ga­ni­sa­tionen auf mehreren Konti­nenten unter­stützen und unter­halten wir drei Auswil­de­rungs­areale auf Borneo, dazu Gebiete mit zwei groß ange­legten Wieder­auf­fors­tungs- und unzäh­ligen Gemein­de­ent­wick­lungs­pro­jekten. Insge­samt beschäf­tigt die Borneo Oran­gutan Survival Foun­da­tion allein in Indo­ne­sien mehr als 400 Mitar­beiter. Sie und unsere Artver­wandten gilt es jetzt mehr denn je vor dem bislang unbe­kannten Krank­heits­er­reger zu schützen!

Aufgrund ihrer engen Bezie­hung zum Menschen ist die Über­tra­gung von Krank­heiten vom Menschen auf Orang-Utans ein Risiko, an dessen Mini­mie­rung wir durch regel­mä­ßige Gesund­heits­checks des Perso­nals und strenge Test­an­for­de­rungen für Besu­cher gene­rell konti­nu­ier­lich arbeiten. Derzeit gibt es keine Fälle von Über­tra­gung von COVID-19 vom Menschen auf Menschen­affen. Die Gefahr einer Infek­tion ist jedoch real! Wir wissen nicht, welche Auswir­kungen eine Anste­ckung für Orang-Utans haben könnte. Um sie und alle Mitar­beiter noch mehr als sonst zu schützen, haben wir uns zu dras­ti­schen Maßnahmen entschlossen.

Aktu­elle Maßnahmen

Ab dem 17. März 2020 sind alle BOS-Zentren für die Öffent­lich­keit geschlossen. Das gilt sowohl für das Infor­ma­ti­ons­zen­trum in Nyaru Menteng als auch für die Lodge in Samboja Lestari. Weder Frei­wil­ligen noch Besu­chern ist der Zutritt gestattet. Darüber hinaus werden an den Auswil­de­rungs- und Forschungs­stand­orten, einschließ­lich unserer Lager im Bukit Batikap-Schutz­wald, im Bukit Baka Bukit Raya-Natio­nal­park, im Kehje Sewen-Wald und im Tuanan-Forschungs­ge­biet, auf unab­seh­bare Zeit keine neuen Frei­wil­ligen oder Forscher mehr aufgenommen.

Unsere Mitar­beiter in den Büros arbeiten von Zuhause aus. Sämt­liche Reisen in die Schutz­zen­tren, zu Meetings o.ä. wurden eingestellt.

So werden die Orang-Utans versorgt

Da unsere Orang-Utans nicht voll­ständig vom mensch­li­chen Kontakt abge­schnitten werden können, da sie immer noch tägliche Nahrung, Beschäf­ti­gung und Pflege benö­tigen, haben wir über die tägli­chen Hygie­ne­maß­nahmen hinaus weitere Maßnahmen ergriffen: Mehr­fach täglich wird Tempe­ratur gemessen. Wasch­rou­tinen, Masken- und Hand­schuh­ge­brauch wurden deut­lich erhöht. Alle Einweg­ar­tikel werden am Ende eines jeden Tages verbrannt.

Notfall­plan bei COVID-19-Verdacht

Zum jetzigen Zeit­punkt sind wir dankbar, dass in und um unsere Tier­pfle­ge­zen­tren keine COVID-19-Fälle bestä­tigt wurden. Für den Fall, dass es dennoch dazu kommt, sind wir vorbe­reitet. Ein Notfall­plan sieht vor, dass dann nur das notwen­digste Personal täglich arbeiten wird. 

Alle Orang-Utans, bei denen der Verdacht auf COVID-19 oder die Expo­si­tion gegen­über der Krank­heit besteht, werden dann sofort von unserem COVID-19-Reak­ti­ons­team, einer bestimmten Gruppe von Tier­ärzten und Tier­pfle­ge­tech­ni­kern, die nur für die Dauer der Behand­lung mit den betrof­fenen Tieren arbeiten, unter Quaran­täne gestellt und betreut. Alle von ihnen verwen­deten Werk­zeuge werden zerstört und das Zentrum gründ­lich und regel­mäßig steri­li­siert, bis der Ausbruch behoben ist.

Wie Sie helfen können

Gerade jetzt sind wir auf Arbeits­mittel wie Masken, Hand­schuhe oder Desin­fek­ti­ons­mittel ange­wiesen. Inner­halb eines durch­schnitt­li­chen Jahres verwenden wir allein etwa 75.000 chir­ur­gi­sche Masken. Diese sind für die Bekämp­fung von Zoono­se­er­kran­kungen von entschei­dender Bedeu­tung, insbe­son­dere für Tiere mit chro­ni­schen Atem­wegs­er­kran­kungen, die sich lebens­lang in den Schutz­ge­bieten voll­ständig auf uns verlassen.

Panik­käufe haben auch in Indo­ne­sien zu gestie­genen Preisen für medi­zi­ni­sche Ausrüs­tung geführt. Zudem merken wir schon jetzt einen Rück­gang finan­zi­eller Zuwen­dungen, da sich die Welt vor einer finan­zi­ellen Krise sieht.

Dennoch: Gerade jetzt brau­chen uns die Orang-Utans. Sie sind in den Zentren komplett von uns abhängig, werden ohne unsere Hilfe nicht über­leben. Wir sind entschlossen weiter­zu­ma­chen. Dazu zählt auch die Weiter­be­schäf­ti­gung derje­nigen Mitar­beiter, lokalen Gemein­schaften und Produ­zenten, die viel­leicht gerade nicht für uns arbeiten können, weil wir die Über­tra­gungs­ri­siken für Krank­heiten mini­mieren wollen.

Das Wich­tigste derzeit ist, dass Sie alle und Ihre Fami­lien gesund bleiben und wir gemeinsam der bitteren Situa­tion trotzen. Wenn Sie können, denken Sie bitte auch an die Orang-Utans und setzen Sie sich weiterhin für das Über­leben ihrer Spezies ein!

Aber nur aus der Sicher­heit Ihres Zuhauses, durch die Macht des Inter­nets und gern durch Spenden.

Wärmste Grüße,

Dr. Jamartin Sihite, CEO BOS Foundation

 

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