28. November 2017

Sieben Wald­schul­ab­gänger bereit für die Universität

Was für ein Erfolg! Seit 2016 konnten wir schon 71 Menschen­affen erfolg­reich im Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park auswil­dern. Doch vor dem endgül­tigen Schritt in die Frei­heit erwartet unsere Schütz­linge eine echte Bewäh­rungs­probe: das Leben auf einer soge­nannten Voraus­wil­de­rungs­insel. Eine von ihnen ist Bangamat.

Bevor unsere Orang-Utans diese Insel betreten dürfen, durch­laufen sie ein Programm nach Art der Schul­lauf­bahn eines Menschen. Gestartet wird im Kinder­garten. Danach geht´s in die Wald­schule, die wie bei uns aus mehreren Klassen besteht. Dort lernen die Jung­spunde alles, was sie für ein Über­leben in Frei­heit benö­tigen: Was darf ich essen? Was nicht? Wie baue ich ein Nest? Wie durch­quere ich die Bäume oder schütze mich vor Feinden?

Erst wenn alle Schul­klassen erfolg­reich durch­laufen wurden, geht´s ab auf die Voraus­wil­de­rungs­insel. Wie auf einer Univer­sität stehen die „Studenten“ hier noch unter Beob­ach­tung und lernen immer noch, werden aber immer selb­stän­diger und erproben zuneh­mend ihre Unab­hän­gig­keit. Die jetzige Entwick­lung bestimmt dann endgültig den Zeit­punkt ihrer Auswilderung.

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Umzug nach Bangamat

Unsere Schütz­linge Petto, Toby, Tarwan, Uje und Mia hatten ihren großen Tag am 23. November 2017. Alle fünf hatten bis dato einen langen Lern­pro­zess hinter sich. Jetzt endlich erfolgte der Umzug auf die Voraus­wil­de­rungs­insel Bangamat. Sobald sich die Türen der Trans­port­kä­fige öffneten, sausten alle fünf los, um auf Bäume zu klet­tern und ihre neue Umge­bung zu erkunden, ihre neue Heimat für die nächste Zeit!

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Und noch ein Duo hat sich für Bangamat quali­fi­ziert: das Mutter-Kind-Gespann Clara und Clarita. Baby Clarita wurde für uns alle uner­wartet geboren und das erste Mal im frühen Juli 2017 auf Salat Island gesichtet. Kurze Zeit später beob­ach­tete unser Team Mama Clara, aller­dings allein. Wo war das Baby? Nach längerer Suche fand man das Kleine bei Rizki, einem 14-jährigen Orang-Utan-Männ­chen. Er hatte gemeinsam mit einer Gruppe Affen Clarita in Obhut.

Es dauerte mehrere Tage, bis es unserem Team gelang, Baby Clarita zu retten. Als man sie schließ­lich Mitte Juli in Obhut nehmen konnte, hatte sie einen bösen Haut­aus­schlag, vermut­lich durch eine giftige Pflanze verur­sacht. Sie war stark unter­ernährt, da sie schon länger nicht gestillt wurde. Auf unserer Kran­ken­sta­tion in Nyaru Menteng wurde die Kleine schließ­lich intensiv gepflegt und wieder aufge­päp­pelt. Ihre Mutter blieb jedoch vorerst verschollen.

Anfang August tauchte Clara dann wieder auf. Sie schien sich vor den anderen Orang-Utans versteckt zu haben, ganz beson­ders vor Rizki. Der hatte wahr­schein­lich ihre Tochter entführt. Auch Clara wurde jetzt nach Nyaru Menteng gebracht und mit ihrer Tochter wieder vereint.

Bewe­gendes Wiedersehen

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Obwohl das Duo in dieser frühen Lebens­phase des Babys mehrere Wochen lang getrennt war, schien das nichts an der Mutter-Kind-Bindung geän­dert zu haben. Gleich als Clarita ihrer Mama gebracht wurde, nahm diese ihre Tochter in den Arm und drückte sie ganz fest an sich. Nie wieder würde sie ihr Kleines loslassen! Um nicht eine erneute Entfüh­rung auf Salat Island zu riskieren, beschloss unser Team, die beiden nach Bangamat zu bringen.

Mit den sieben neuen leben jetzt insge­samt 34 Orang-Utans auf der Insel. Unsere Mitar­beiter werden ihre Fort­schritte auch weiterhin genau beob­achten und, wenn nötig, noch unter­stüt­zend tätig sein. Wir sind zuver­sicht­lich, dass alle Tiere sich gut entwi­ckeln und zu selb­stän­digen, völlig unab­hän­gigen Orang-Utans heran­wachsen, damit auch sie eines Tages in Frei­heit leben können!

 

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