7. Oktober 2017

Tiere aus Kalimantan

Kali­mantan ist der indo­ne­si­sche Name für die Insel Borneo, der dritt­größten der Welt nach Grön­land und Neuguinea. Kali­mantan ist auch die Heimat der Borneo-Orang-Utans, die sie sich natür­lich mit unzäh­ligen anderen Tier­arten teilen. Viele von ihnen sind nicht minder bedroht als unsere rothaa­rigen Vettern. Wir wollen hier in loser Reihen­folge immer mal wieder einige dieser faszi­nie­renden Geschöpfe vorstellen.

Das Bart­schwein (Sus barbatus)

Eigent­lich sind sie bloß Wild­schweine wie sie auch bei uns vorkommen und mancher­orts sogar zur Plage werden. Sie sehen ihren euro­päi­schen Verwandten auch sehr ähnlich und haben unge­fähr dieselbe Körper­größe. Außer durch eine etwas andere Kopf­form unter­scheiden sie sich vom Eura­si­schen Wild­schwein (Sus scrofa) unter anderem durch die namens­ge­benden paarigen Haar­bü­schel an der Schnauze.

//creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Ihre Lebens­weise entspricht mehr oder weniger der aller Schweine: Einzeln oder in kleinen Fami­li­en­ver­bänden durch­streifen sie die Wälder und suchen als Alles­fresser nach pflanz­li­cher Nahrung aller Art, aber auch nach Insekten, Larven, kleinen Wirbel­tieren und Aas. Eine Beson­der­heit der Bart­schweine sind ihre peri­odi­schen Massen­wan­de­rungen, eigent­lich ganz unty­pisch für Regen­wald­be­wohner. Hin und wieder brechen sie zu Hunderten auf und wandern viele Kilo­meter weit. Woher sie kommen, wohin sie gehen weiß niemand so genau. Vermut­lich folgen sie wech­selnden Nahrungsangeboten.

Bart­schweine sind nicht etwa verwil­derte Haus­schweine – die alle­samt von Sus scrofa abstammen -, sondern eine eigen­stän­dige, auf Borneo und Sumatra ende­mi­sche Spezies. Ganz anders als unsere Schwarz­kittel gelten sie aller­dings als Vulnerable – gefährdet. Wie so viele Tiere Borneos und Indo­ne­siens sind auch die Bart­schweine der tropi­schen Regen­wälder vom Verlust ihres Lebens­raumes bedroht. Dazu kommt, dass sie tradi­tio­nell stark bejagt werden. Das war für die Bestände insge­samt nie ein Problem — seit Jahr­hun­derten bilden sie für indi­gene Völker eine wich­tige Nahrungsquelle.

Ärmeren Gemein­schaften berei­chern sie bis heute den Spei­se­zettel. Das Bart­schwein ist in seinem Verbrei­tungs­ge­biet eine soge­nannte kultu­relle Schlüs­sel­spe­zies und spielt in entle­genen Regionen Kali­man­tans weiterhin eine wich­tige Rolle. Mögli­cher­weise wird man in Zusam­men­ar­beit mit örtli­chen Gemein­schaften Manage­ment­pläne zur nach­hal­tigen Nutzung der Bestände entwi­ckeln. In jedem Fall sollte man diesem von außen wenig beach­tetem Tier mehr Aufmerk­sam­keit widmen.