16. September 2020

Tiere aus Kali­mantan: Der Borneo-Plumplori

Kali­mantan ist der indo­ne­si­sche Name für die Insel Borneo, der dritt­größten Insel der Welt nach Grön­land und Neuguinea. Kali­mantan ist auch die Heimat der Borneo-Orang-Utans, die sie sich natür­lich mit unzäh­ligen anderen Tier­arten teilen. Viele von ihnen sind nicht minder bedroht als unsere rothaa­rigen Vettern. Wir wollen hier in loser Reihen­folge immer mal wieder einige dieser faszi­nie­renden Geschöpfe vorstellen. 

Borneo-Plum­plori (Nycti­cebus borneanus)

Plum­ploris heißen so, weil sie sich für gewöhn­lich langsam und mit Bedacht durchs Geäst bewegen. Dabei sind sie nicht wirk­lich plump, sondern können beim Fang von Insekten und kleinen Wirbel­tieren blitz­schnell zupa­cken. Ansonsten ernähren sie sich von Früchten, Knospen, Blüten und Baum­säften. Sie sind gut halb so groß wie Haus­katzen und leben prak­tisch nur auf Bäumen. Ihre Zeit ist die Nacht. Bei Tage schlafen sie zusam­men­ge­rollt in dichtem Geäst. 

Plumploris sind nachtaktiv
Plum­ploris sind nachtaktiv

Zoolo­gisch gehören sie zu den Primaten und zwar zur Unter­ord­nung der Strepsirrhini, der Feucht­na­sen­pri­maten. Wie der Name ausdrückt, besitzen sie feuchte, äußere Nasen­schleim­häute, wie zum Beispiel Hunde oder Katzen. Ihr Geruchs­sinn ist daher auch besser entwi­ckelt als bei den Haplorrhini, den Trocken­na­sen­affen. Zu diesen zählen alle „rich­tigen“ Affen einschließ­lich Menschen­affen und Menschen. 

Man unter­scheidet heute acht Arten von Plum­ploris, die in verschie­denen Wald­re­gionen des tropi­schen Asiens behei­matet sind. Vier davon kommen auf Borneo vor, der danach benannte Borneo-Plum­plori vorrangig in den eher südli­chen Regionen Kali­man­tans. Damit sind sie Bewohner des Natio­nal­parks Bukit Baka Bukit Raya, wo BOS auch Orang-Utans auswil­dert. Die Plum­plo­ri­arten ähneln sich alle in ihrer Lebens­weise. Sie sind einzel­gän­ge­risch oder leben in kleinen Fami­li­en­gruppen zusammen, aller­dings ist ihr Sozi­al­ver­halten noch wenig erforscht. 

Vorsicht giftig
Vorsicht giftig

Plum­ploris weisen eine unter Säuge­tieren sehr seltene Eigen­schaft auf: Sie sind giftig. An den Armen besitzen sie spezi­elle Drüsen, deren Sekret in Verbin­dung mit dem Spei­chel toxi­sche Wirkung bei Beute­tieren und unvor­sich­tigen Fress­feinden hervor­ruft. Ledig­lich einige Arten von Spitz­mäusen, sowie die urtüm­li­chen eier­le­genden Säuger Schna­bel­tier und Amei­sen­igel aus der austra­li­schen Tier­welt, verfügen auch noch über Giftdrüsen. 

Apropos Fress­feinde: Zu ihnen können auch Orang-Utans gehören. 2011 beob­ach­teten die nieder­län­di­sche Zoologin Made­leine E. Hardus und andere ein Orang-Utan-Weib­chen auf Sumatra, wie es einen getö­teten Plum­plori verspeiste. Ein solches Verhalten wurde bis jetzt neunmal auf Sumatra doku­men­tiert, aber man kann vermuten, dass es auch unter Borneo-Orang-Utans vorkommt. Orang-Utans gehen nicht regel­mäßig auf Jagd wie Schim­pansen und decken ihren Bedarf an tieri­schem Eiweiß in der Regel mit Termiten und anderen Insekten. Hin und wieder jedoch scheint dieser Bedarf größer zu sein, mögli­cher­weise beson­ders in Zeiten mit wenig Früchten. So wurde zum Beispiel bei einigen BOS-Orang-Utans beob­achtet, wie sie sich Fische fingen. 

Die IUCN (Inter­na­tional Union for Conser­va­tion of Nature) hat speziell für den Borneo-Plum­plori noch keine Einstu­fung erstellt, gene­rell aber gelten Plum­ploris als gefährdet („vulnerable“). Sie sind somit noch nicht akut bedroht, aber ihre Bestände sinken. Die Gründe liegen im weiter fort­schrei­tendem Verlust an Wald­ge­bieten, aber auch Wilderei trägt ihren Teil zur Bedro­hung der Plum­ploris bei. Die Tiere sind begehrte Objekte des ille­galen Wild­tier­han­dels. Weil sie so nied­lich und vermeint­lich zutrau­lich sind, halten viele sie für geeig­nete Haus­tiere. Das sind sie frei­lich über­haupt nicht! Ihre „Zahm­heit“ ist ledig­lich ihr ange­bo­renes Verhalten, bei Bedro­hung möglichst still zu verharren. Bevor sie in die Hände der „Tier­freunde“ gelangen, werden ihnen oft auch die spitzen Eckzähne entfernt. Das verrin­gert zwar die Wahr­schein­lich­keit von Gift­bissen, ist aber für die Tiere natür­lich äußerst schmerz­haft und führt zu schweren Entzündungen. 

Wild­tiere sind grund­sätz­lich keine Haus­tiere. Der lang­fristig beste Schutz für diese faszi­nie­renden Primaten besteht darin, den ohnehin ille­galen Handel mit Wild­tieren konse­quent zu unter­binden und vor allem ihren Lebens­raum zu schützen. 

Die Orang-Utans und all die anderen Bewohner des Regen­waldes brau­chen uns. Gerade jetzt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.