27. April 2020

Tiere aus Kali­mantan: Der Fleckenmusang

Kali­mantan ist der indo­ne­si­sche Name für die Insel Borneo, der dritt­größten der Welt nach Grön­land und Neuguinea. Kali­mantan ist auch die Heimat der Borneo-Orang-Utans, die sie sich mit unzäh­ligen anderen Tier­arten teilen. Viele von ihnen sind nicht minder bedroht als unsere rothaa­rigen Vettern. Wir stellen hier in loser Reihen­folge immer wieder einige dieser faszi­nie­renden Geschöpfe vor.

Der Flecken­musang (Para­doxurus hermaphroditus) 

Flecken­musangs gehören zur Raub­tier­fa­milie der Schleich­katzen, die zwar keine eigent­li­chen Katzen darstellen, aber mit diesen sowie unter anderem den Hyänen und Mangusten (z.B. Mungos) zur Über­fa­milie der Katzen­ar­tigen gehören. Die etwa haus­kat­zen­großen Tiere sind über weite Teile Südost­asiens verbreitet und gehören in Borneo seit jeher zur einhei­mi­schen Tier­welt. Die IUCN stuft sie als least concern, nicht gefährdet ein. Aller­dings stammt diese Einschät­zung von 2015. Die Tendenz der Bestands­ent­wick­lung ist durchaus negativ. Bedro­hungs­fak­toren sind, wie so oft, in erster Linie Habi­tats­ver­lust und Wilderei. Seinen Beinahmen herm­aphro­ditus trägt der Flecken­musang übri­gens nicht etwa, weil er tatsäch­lich herm­aphro­di­tisch (zwittrig) wäre, sondern weil seine Duft­se­kret-Drüsen, die beide Geschlechter unter dem Schwanz tragen, an Hoden erinnern. 

Nachtaktiv: der Fleckenmusang (Foto: Commons Wikimedia/ Krishnakumarvairassery )
Nacht­aktiv: der Flecken­musang (Foto: Commons Wikimedia/ Krishnakumarvairassery )

Ein nächt­li­cher Waldbewohner 

Flecken­musangs leben bevor­zugt auf Bäumen, wo sie in der Nacht nach Früchten, Wirbel­losen und kleinen Wirbel­tieren suchen. Sie beziehen aber auch den Wald­boden in ihre Nahrungs­suche mit ein. Ähnlich wie Orang-Utans tragen mögli­cher­weise auch Flecken­musangs zur Samen­ver­brei­tung im Regen­wald bei, sind also sozu­sagen Gärtner des Regen­waldes. Den Tag verschlafen sie gerne in Baum­höhlen oder dicht belaubten Astga­beln. Vergleichbar mit unseren Stein­mar­dern scheuen sie aber auch nicht die Nähe mensch­li­cher Sied­lungen, wo sie als Alles­fresser vom reich­hal­tigen Nahrungs­an­gebot profi­tieren.  Außer während der kurzen Paarungs­zeit leben Flecken­musangs einzel­gän­ge­risch. Trotz ihrer rela­tiven Häufig­keit ist über die Einzel­heiten ihres Verhal­tens aber nur wenig bekannt — als ausge­spro­chen nacht­ak­tive Tiere sind sie nur schwer zu beobachten. 

Die „Kaffee­katze“ 

Flecken­musangs sind vor allem wegen eines Phäno­mens bekannt: Sie sind die Quelle des berühmten Kopi Luwak,fälsch­li­cher­weise auch „Katzen­kaffee“ genannt. Mit der Einfüh­rung des ursprüng­lich afri­ka­ni­schen Kaffee­strauchs nach Borneo erschloss sich mit dessen Früchten für den Flecken­musang eine weitere Nahrungs­quelle. Die rohen Kaffee­bohnen werden dabei fast unver­daut wieder ausge­schieden, haben aber einen Fermen­ta­ti­ons­pro­zess durch­laufen, der den Bohnen, wenn man sie röstet, ein beson­deres Aroma verleiht. Echter Kopi Luwak kostet als Endpro­dukt mehrere hundert Euro oder Dollar pro Kilo. Das war nicht immer so; zu Kolo­ni­al­zeiten wurden die vorver­dauten Bohnen größ­ten­teils von ärmeren Leuten gesam­melt und zu Kaffee verar­beitet. Der normale Bohnen­kaffee hingegen war sehr teuer und ging in den Export oder wurde nur von den euro­päi­schen Kolo­ni­al­herren und anderen Wohl­ha­benden getrunken. 

Begehrte Kaffeebohnen (Foto: Commons Wikimedia/ Wibowo Djatmiko)
Begehrte Kaffee­bohnen (Foto: Commons Wikimedia/ Wibowo Djatmiko)

Kopi Luwak — verhäng­nis­voll für den Fleckenmusang

Seit der vorma­lige Arme-Leute-Kaffee aber seiner­seits zum exqui­siten Luxus­pro­dukt avan­cierte, reichte das bloße Sammeln der zufällig ausge­schie­denen Bohnen natür­lich nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken. Neben diversen Fälschungen kam farm­mäßig produ­zierter Kopi Luwak auf den Markt. Gefan­gene Flecken­musangs werden dafür in extrem engen Käfigen gehalten und fast ausschließ­lich mit Kaffee­früchten gefüt­tert, um möglichst viel der fermen­tierten Bohnen zu erhalten. Durch diese tier­quä­le­ri­sche Art der Produk­tion ist Kopi Luwak sehr zu Recht in Verruf geraten. Mitt­ler­weile soll es Farmen geben, auf denen die Tiere mehr Auslauf haben und abwechs­lungs­rei­cher gefüt­tert werden. Viel­leicht aber kann man auch weiterhin mit normalem Kaffee glück­lich werden (bei dem man übri­gens auch auf Fair Trade und ökolo­gi­sche Krite­rien achten sollte). Auf jeden Fall sollte man den Flecken­musang auch ohne seinen spezi­ellen Nutzen als Teil der Fauna von Borneo wertschätzen. 

Die Orang-Utans und der Regen­wald brau­chen uns. Gerade jetzt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.