13. Dezember 2016

Umwelt­freund­liche Weihnachten

Weih­nachts­bäume aus dem Kaukasus, Neon­be­leuch­tungen wohin das Auge reicht und Kerzen aus Palmöl — da kann einem die Besinn­lich­keit schon vergehen. Wenn wir mitten im weih­nacht­li­chen Konsum­terror einen Moment inne­halten und darüber nach­denken, was wir warum brau­chen, kaufen, essen oder verschenken möchten, kann Weih­nachten für uns alle ein Fest der Nächs­ten­liebe werden.

Weih­nachts­bäum­chen wechsel dich

Der Baum ist der Mittel­punkt jedes Weih­nachts­festes. Bunt geschmückt ragt er bis zur Zimmer­decke und taucht mit seinen Lich­tern und Kugeln die Stube in ein feier­li­ches Licht. Möglichst makellos, günstig und lange haltbar sollte er sein. Doch die Perfek­tion geht leider meist auf Kosten der Umwelt.

Insge­samt 25 Millionen Weih­nachts­bäume werden jähr­lich in Deutsch­land verkauft. Etwa zehn Prozent davon werden impor­tiert, aus Däne­mark, den Nieder­landen, der Slowakei, Ungarn oder Polen. Die Zeiten, als Weih­nachts­bäume noch als Abfall­pro­dukt heimi­scher Forst­wirt­schaft anfielen, sind schon seit den 50er Jahren vorbei. Über 80 Prozent der verkauften Gehölze stammen heute aus Weih­nachts­baum­plan­tagen. Das heißt, dass bei der Aufzucht, zum Leid­wesen von Boden, Flora und Fauna, ordent­lich Pesti­zide, Herbi­zide und Dünge­mittel zum Einsatz kommen. Neben dem fruchtig-herben Harz­ge­ruch, der durch das liebe­voll deko­rierte Wohn­zimmer weht, atmen wir also beim Weih­nachts­fest auch aller­hand Chemi­ka­lien ein.

Aber  das muss nicht sein. Es gibt ihn, den ökolo­gisch korrekten Christ­baum. Er stammt aus Deutsch­land und trägt ein FSC‑, Natur­land- oder Bioland-Siegel. Oder fragen Sie beim nächst­ge­le­genen Forst­be­trieb oder Wald­be­sit­zer­verein nach. Einige bieten an, sich seinen Baum selbst zu schlagen. Da kann der Baum­kauf zu einem span­nenden Natur­er­lebnis für Eltern und Kinder werden. Robin Wood gibt jähr­lich eine Liste heraus, auf der Anbieter von ökolo­gi­schen Weih­nachts­bäumen aufge­führt sind.

Noch nach­hal­tiger wäre es, einen Weih­nachts­baum zu mieten. Kurz vor Weih­nachten wird der Baum gelie­fert und verbringt dann mit der Familie die Feier­tage. Aber anstatt danach kompos­tiert oder verbrannt zu werden, darf der Baum in einer Baum­schule in der Region weiter wachsen und im nächsten Jahr wieder weih­nacht­liche Stim­mung im Wohn­zimmer verbreiten.

Künst­liche Bäume sind übri­gens keine ökolo­gi­sche Alter­na­tive. Zwar halten sie mehrere Weih­nachts­feste aus, sie enthalten aber oft gefähr­liche und schwer abbau­bare Chemi­ka­lien. Hinzu kommen die Trans­port­wege, der Ener­gie­ver­brauch bei der Produk­tion und nicht zuletzt die Schad­stoffe, die bei der Entsor­gung entweichen.

Geschenk­ver­pa­ckung und Baum­schmuck, aber bitte ohne Chemie!

Im November und Dezember fallen fast 20 Prozent mehr Müll an als im rest­li­chen Jahr. Verpa­ckungen, Geschenk­pa­pier und Deko­ar­tikel landen früher oder später in der Tonne.

Nicht nur beim Geschen­ke­kauf können Sie auf die Lang­le­big­keit und Schad­stoff­armut von z. B. Elek­tro­ge­räten, Spiel­sa­chen oder Luxus­ar­ti­keln achten. Auch beim Einpa­cken gibt es nach­hal­tige Alter­na­tiven. Recy­cling­pa­pier, Geschenk­pa­pier vom Vorjahr, Zeitung oder der Karton vom letzten Schuh­kauf sind besser als eine mit Azofarb­stoffen gefärbte oder mit anor­ga­ni­schen Pigmenten aus Cadmium‑, Blei- oder Chrom­ver­bin­dungen versetzte Folie. Auch Strümpfe, Hand­tü­cher, Stoff­ser­vi­etten oder Tücher eignen sich als Geschenk­ver­pa­ckung. Eine alte Tradi­tion aus Japan macht es vor. Anstatt Papier werden dort bunte Tücher zum Verpa­cken von Geschenken verwendet. Mit den soge­nannten Furo­shiki wird die Verpa­ckung selbst zum Geschenk.

Für den Weih­nachts­baum­be­hang muss nicht jedes Jahr ein neuer Farbton aus Alu‑, Glas- und Plas­tik­schnick­schnack zusam­men­ge­kauft werden. Weniger ist oft mehr. Deko­rativ sind auch Natur­ma­te­ria­lien, wie z. B. Stroh­sterne, Holz­äpfel, Hage­butten, Fich­ten­zapfen oder Berbe­ritzen. Verzichten Sie zum Schutz der Umwelt auf Schnee‑, Gold- oder Glit­zer­spray, denn der Baum wird dadurch unkompostierbar.

Lametta sollte ohnehin tabu sein. Tradi­tio­nell wurde es aus geschmol­zenem Stan­niol herge­stellt, einer Zinn­folie, die auch heute noch manchmal einen Blei­kern umhüllt. Das Blei ist giftig und kann sich in der Umwelt und letzt­lich im Körper anrei­chern. Außerdem gilt: Christ­bäume niemals mit Lamet­ta­resten zusammen entsorgen! Der Verkauf von origi­nalem Stan­niol­l­a­metta ist zwar stark zurück­ge­gangen, aber es wird heute durch metal­li­siertes Kunst­stoff­la­metta ersetzt, das für die Umwelt eben­falls in hohem Maße belas­tend ist.

Stille Nacht, palm­öl­freie Nacht

Palmöl wird nicht nur für die Herstel­lung von Lebens­mit­teln, Kosme­tika, Wasch­mit­teln und Agro­sprit benutzt. Auch Kerzen bestehen oft aus dem billigen Pflan­zenöl. Achten Sie zum Schutz der Regen­wälder und ihrer Bewohner auf die Inhalts­stoffe und entzünden Sie lieber Bienen­wachs- oder Soja­kerzen. Diese sind zwar etwas teurer, als die handels­üb­li­chen Kerzen. Dabei lässt sich aber an anderer Stelle sparen. Wieso Wachs­reste von vermeint­lich abge­nutzten Kerzen­stum­meln wegschmeißen, wenn sie noch genutzt werden können? Im Internet finden sich viele Anlei­tungen, wie man Kerzen selber macht. Diese Kerze kann dann auch zu einem schönen Geschenk werden.

Bei Pfef­fer­ku­chen, Scho­koweih­nachts­män­nern, Mandel­stollen und Co. ist stets Vorsicht geboten. In den meisten dieser Produkte ist Palmöl enthalten. Immer mehr Süßwa­ren­her­steller steigen auf soge­nannte nach­haltig produ­zierte Palm­fette um, doch auch hier ist aufgrund mangelnder Auflagen  und Kontrollen keine zufrie­den­stel­lende Sicher­heit geboten.

Also, ran an das Nudel­holz und selbst backen! Die Entschei­dung, welche Fett­va­ri­ante Sie verwenden möchten — ob vegan (z. B. Sonnen­blu­menöl) oder tieri­schen Ursprungs (Butter und Schmalz) — liegt in Ihrer Hand.

Fest­tags­be­leuch­tung reloaded. Auch an Weih­nachten Energie sparen!

Kurz nach Toten­sonntag geht es los: Die Nach­bar­schaft illu­mi­niert in Las-Vegas-Manier jeden verglasten Fens­ter­zen­ti­meter mit Blink­lich­tern, winkenden Weih­nachts­män­nern oder Schwib­bö­gen­lampen in Kerzen­optik. In deut­schen Einfa­mi­li­en­haus-Sied­lungen geht der Kampf um die ameri­ka­nischste Eigen­heim­be­strah­lung los. Was nicht leuchtet, wird leuch­tend gemacht. Die roten Renti­er­näschen bringen auch die dunkelste Nacht zum Erstrahlen. Dass das nicht umwelt­freund­lich ist, liegt auf der Hand. Neben dem Mate­rial, das dazu verar­beitet wird, wird natür­lich auch der Ener­gie­ver­brauch enorm in die Höhe getrieben.

Besinn­lich und roman­tisch ist anders. Machen Sie es doch anders und fallen Sie durch dezenten Fens­ter­schmuck auf.