9. Juni 2021

Unsere Stars der ORANGUTAN JUNGLE SCHOOL: Sorgen­kind Dilla…

Diese Orang-Utans berühren die Herzen hundert­tau­sender Menschen welt­weit. In der Sendung ORANGUTAN JUNGLE SCHOOL können Sie unsere Wald­schüler im Schutz­zen­trum von Nyaru Menteng auf ganz beson­dere Weise kennen­lernen und sie durch ihren Alltag begleiten. Und dabei sind es vor allem die ganz indi­vi­du­ellen Persön­lich­keiten der Tiere, die zum Staunen, Lachen und Weinen einladen. In unserer Portraitreihe möchten wir Ihnen einige unserer tieri­schen TV-Stars noch einmal vorstellen.

Am Schicksal von Mutter Dilla und Tochter Delilah zeigt sich die ganze tragi­sche Band­breite unserer Arbeit. Es sind Geschichten wie diese, die deut­lich machen, welch fatale Folgen die Jagd auf Orang-Utans, ihre Gefan­gen­schaft und die Zerstö­rung ihres Lebens­raums haben. 

Über vier Jahre lang musste Dilla als kleines Orang-Utan-Baby in privater Gefan­gen­schaft durch­halten, bevor wir zu ihrer Rettung gerufen wurden. Das ist eine über­durch­schnitt­lich lange Zeit, im Vergleich zu vielen anderen unserer Schütz­linge. So war das Mädchen fast schon fünf Jahre alt, als sie endlich erlöst werden und zu uns in Sicher­heit gebracht werden konnte.

Doch die jahre­lange Gefan­gen­schaft hatte bereits Schlimmes ange­richtet. Durch die mangel­hafte, nicht artge­rechte Ernäh­rung war sie an Grauem Star erkrankt und auf einem Auge erblindet. Noch schwer­wie­gender schien jedoch ihre Psyche verletzt. Zwar zeigte Dilla im Wald­schul­un­ter­richt Neugier und Freude, doch immer wieder fiel auf, dass sie nach Lern­er­folgen Rück­schritte machte. Sie konnte sich die Lektionen einfach nicht so richtig merken – Lektionen, die doch so wichtig für ihr Über­leben im Regen­wald sein würden.

Als Folge der schlechten Haltung in der Gefangenschaft ist Dilla auf einem Auge erblindet
Als Folge der schlechten Haltung in der Gefan­gen­schaft ist Dilla auf einem Auge erblindet

Dann wurde Dilla schwanger. Die Neuig­keit war für uns beglü­ckend und besorg­nis­er­re­gend zugleich. Zum einen ist jedes Orang-Utan-Baby ein Hoff­nungs­träger – auch wenn es nicht in Frei­heit geboren wird. Unser großer Wunsch war, dass auch dieser kleine Schütz­ling eines Tages mit seiner Mutter nach Hause in den Regen­wald zurück­kehren und die wild­le­bende Popu­la­tion stärken könnte. 

Zum anderen berei­tete uns jedoch Dillas Labi­lität und ihr junges Alter große Sorgen. Würde sie in der Lage sein, sich gut um ihr Kind zu kümmern?  Als der Geburts­termin immer näher rückte, harrten wir rund um die Uhr an ihrer Seite aus, bis es soweit war: In tiefer Nacht und unter großen Kompli­ka­tionen erblickte ein winzig kleines, gesundes Baby das Licht dieser Welt. Delilah war geboren. Doch Dilla kam nicht zurecht. Sie schien voll­kommen über­for­dert. Sie schaffte es nicht, die Kleine anzu­nehmen. Sie ließ ihr Baby nicht an der Brust saugen und verwehrte dem winzigen Mädchen die Mutter­milch, die es so drin­gend brauchte.

Dilla schafft es nicht, ihr Kind anzunehmen
Dilla schafft es nicht, ihr Kind anzunehmen

Wir waren am Boden zerstört, gaben aber nicht auf. Noch immer wird uns das Herz schwer, wenn wir daran zurück­denken, wie Delilah nach ihrer Mama schrie. Unsere Baby­sitter kümmerten sich aufop­fe­rungs­voll – gaben ihr die Gebor­gen­heit und Liebe, die ihr die eigene Mutter nicht geben konnte. Und wir gaben nicht auf. Gleich­zeitig versuchten wir mehr­mals Dilla und Delilah zusam­men­zu­führen. Wir gaben alles, um Dillas Mutter­in­stinkte zu wecken. Doch es wollte einfach nicht gelingen. Schlimmer noch: Die junge Mama wurde sogar gewalt­tätig, so dass es gefähr­lich für ihre so verletz­liche Tochter wurde. Wir mussten eine schwere Entschei­dung treffen: Delilah wurde das jüngste Waisen­kind unserer Geschichte. 

Nachdem wir die Hoff­nung, Mutter und Baby zusammen zu bringen, aufgeben mussten, nahm Dilla ihre Ausbil­dung zum wilden Orang-Utan wieder auf. Sie besuchte weiter die Wald­schule und erhielt später sogar die Möglich­keit, sich auf einer Voraus­wil­de­rungs­insel für die Frei­heit zu beweisen. Doch auch hier schien Dilla über­for­dert. Zwar erwies sie sich als gute Klet­terin, doch gerade die Futter­suche berei­tete uns große Sorgen. Denn das Weib­chen versuchte erst gar nicht, selbst Nahrung zu finden. Sie verließ sich einzig und allein auf die ergän­zenden Fütterungen. 

Erschwe­rend kam hinzu, dass Dilla auch nicht sehr durch­set­zungs­fähig war. Die Konkur­renz auf den Fütte­rungs­platt­formen hingegen war natür­lich groß. Das Weib­chen schaffte es nicht, sich zu behaupten und verlor in Folge sehr schnell sehr viel an Gewicht. Als ihr Gesund­heits­zu­stand immer bedroh­li­cher wurde, mussten wir Dilla wieder zurück ins Schutz­zen­trum bringen. 

Auch auf der Vorauswilderungsinsel ist Dilla gescheitert
Auch auf der Voraus­wil­de­rungs­insel ist Dilla gescheitert

Hier konnte sie sich erst einmal erholen und wieder zu Kräften kommen. Doch für uns war klar: Dilla war nicht in der Lage selbst­ständig in Frei­heit leben zu können und würde es mit großer Wahr­schein­lich­keit auch niemals sein. So trafen wir die Entschei­dung, Dilla nicht auszu­wil­dern, sondern ihr Anfang dieses Jahres ein neues Zuhause auf einer unserer Schutz­in­seln für nicht auswil­der­bare Orang-Utans zu schenken. 

Im Februar zog Dilla auf eine unserer Schutzinseln für nicht auswilderbare Orang-Utans
Im Februar zog Dilla auf eine unserer Schutz­in­seln für nicht auswil­der­bare Orang-Utans

Manche Orang-Utans über­stehen die langen Qualen, ehe wir sie retten, ohne inner­lich kaputt zu gehen. Andere Orang-Utans zerbre­chen. Dilla wurde unwie­der­bring­lich gebro­chen. Sie hat es nicht geschafft, sich von dem schweren Trauma ihrer Gefan­gen­schaft zu erholen – auch wenn wir alles gegeben haben. Umso glück­li­cher sind wir nun, dass sie sich auf einer Schutz­insel dauer­haft durchs Geäst hangeln und das Gras unter ihren Füßen spüren kann. Hier lässt sie sich den lieben langen Tag, im wahrsten Sinne des Wortes, die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Und wir können weiter ein Auge auf sie haben, für sie sorgen und sicher­stellen, dass es ihr an nichts fehlt.

Auf der Schutzinsel genießt Dilla ihre kleine Freiheit
Auf der Schutz­insel genießt Dilla ihre kleine Freiheit

Und wer weiß, viel­leicht ist es genau das, was Dilla braucht: Mehr Zeit und weniger Konkur­renz. Wir geben keinen Orang-Utan jemals auf und so hegen wir auch bei diesem Weib­chen die Hoff­nung. Hoff­nung, dass sie sich doch noch weiter­ent­wi­ckelt. Hoff­nung, dass sie ihr Trauma über­windet und lernt, ein freier und unab­hän­giger Orang-Utan zu werden. Und wenn es soweit ist, dann sind wir bereit, um sie nach Hause zurückzubringen.

Und Delilah? Sie ist inzwi­schen fast drei Jahre alt und eine aufge­weckte kleine Wald­schü­lerin. Vor allem ist sie eine echte Klettermeisterin! 

Tochter Delilah ist jetzt Waldschülerin
Tochter Delilah ist jetzt Waldschülerin

Obwohl sie noch so jung ist, kann sie schon 20 Meter hoch klet­tern. Ob sie das von ihrer Mama hat? In jedem Fall ist Delilah nichts von ihrem schweren Start ins Leben anzu­merken. Sie wurde von Anfang an mit der Liebe und Fürsorge unserer Baby­sitter über­schüttet und kennt nichts anderes als das Leben im Schutz­zen­trum. Für die kleine Delilah ist das Leben auf der Rettungs­sta­tion normal. Doch eines Tages – und da sind wir uns absolut sicher – wird sie das Leben führen können, das ihrer Mutter in so früher Kind­heit genommen wurde. Eines Tages wird sie in ihre wahre Heimat, den Regen­wald, zurückkehren. 

In den Bäumen fühlt sich Delilah sicher und zuhause
In den Bäumen fühlt sich Delilah sicher und zuhause

 

Möchten Sie einen unserer Wald­schüler auf seinem Ausbil­dungsweg begleiten und ihm dabei Stück für Stück sein Leben in Frei­heit zurück­geben? Dann werden Sie Pate!