27. Juli 2020

Virus­er­kran­kungen – keine „neue“ Gefahr für unsere Schützlinge

Orang-Utans sind uns Menschen sehr ähnlich, wir teilen sogar 97% unseres Erbgutes mit ihnen (1). Leider macht sie diese Tatsache auch anfällig für bei Menschen vorkom­mende Viren und Krank­heiten. Unser Team unter­nimmt derzeit alles um unsere Schütz­linge in den Schutz­zen­tren vor der gefähr­li­chen Corona-Pandemie zu schützen. Doch bereits in Zeiten vor Corona, waren Gesund­heits­checks, Präven­ta­tion und strenge Hygie­ne­maß­nahmen ein fester Bestand­teil der tägli­chen Routine.

Jeder Orang-Utan, der in unseren Schutz­zen­tren ankommt, wird sofort von unserem Ärzte­team versorgt und muss vorerst in Quaran­täne. Dort wird das Tier auf bestehende Krank­heiten, Viren und gefähr­liche Bakte­ri­en­stämme getestet. Dies ist eine sehr wich­tige Sicher­heits­maß­nahme, um eine Anste­ckung der gesunden Orang-Utans, die auf ein Leben in Frei­heit vorbe­reitet werden, zu verhindern.

Viele unserer Neuzu­gänge wurden vor ihrer Rettung illegal und oft jahre­lang als Haus­tiere in kleinen Käfigen gehalten. Diese, oftmals trau­ma­ti­sche Zeit­spanne erhöht, neben der Gefahr psychi­scher Erkran­kungen (2), auch die Wahr­schein­lich­keit einer Anste­ckung mit mensch­li­chen Viren und Krank­heiten, wie zum Beispiel Hepa­titis B.

Hepa­titis bei Orang-Utans

Hepa­titis ist eine virale Entzün­dung der Leber, die beim Menschen entweder akut, über einen kurzen Zeit­raum, oder chro­nisch verläuft. Doch nicht nur bei uns Menschen treten diese Viren auf. Hepad­na­viren, sind eine evolu­tionär alte Virus­form, die bisher bei allen Menschen­affen und anderen Säuge­tieren (3), sowie bei Vögeln und Repti­lien (4) nach­ge­wiesen werden konnten. Bei wilden Orang-Utans wurden bisher zwei natür­lich vorkom­mende, verschie­dene Hepa­titis B Virusstämme entdeckt, OUHV1 und OUHV2 (5). Wie beim Menschen, werden diese Viren über Körper­flüs­sig­keiten über­tragen. Glück­li­cher­weise heilt die Virus­in­fek­tion, meist symptomlos, in 90% der Fälle komplett ab (6).

Unsere Vorge­hens­weise

Durch Labortests wird festgestellt , welche Form von Hepatitis der Neuankömmling hat.
Durch Labor­tests wird fest­ge­stellt , welche Form von Hepa­titis der Neuan­kömm­ling hat.

Unser Tier­ärz­te­team stellt zuerst mit Hilfe von Labor­tests fest ob, und falls ja, welche Form von Hepa­titis der Neuan­kömm­ling hat. Dies ist wichtig um die Tiere, mit unter­schied­li­chen Hepa­titis B Virusstämmen, getrennt vonein­ander in der Schutz­sta­tion unter­zu­bringen, damit eine Anste­ckung unter­ein­ander vermieden wird. 

Die gute Nachricht 

Da Orang-Utan spezi­fi­sche Hepa­titis auch in der natür­li­chen Popu­la­tion vorkommt, können Orang-Utans die positiv auf spezi­fi­sche Anti­körper getestet wurden, trotzdem ausge­wil­dert werden. Die Virus­er­kran­kung ist zu diesem Zeit­punkt komplett abge­heilt. Um die Wild­po­pu­la­tion so gesund wie möglich zu halten, werden nur Tiere mit dem glei­chen, lokal vorkom­menden Virusstamm in das jewei­lige Wald­ge­biet entlassen. Bisher konnten wir mehr als 40 dieser Orang-Utans auf ein Leben in freier Wild­bahn vorbe­reiten und erfolg­reich auswil­dern (7).

Die weniger gute Nachricht 

Leider trifft diese Rege­lung nicht für die Tiere zu, die sich durch einen an Hepa­titis B erkrankten Menschen ange­steckt haben. Hepa­titis ist in Indo­ne­sien immer noch ein großes Gesund­heits­pro­blem (8), und Orang-Utans die illegal als Haus­tiere gehalten werden, haben ein höheres Risiko an der mensch­li­chen Hepa­titis-Form zu erkranken. Um die vom Aussterben bedrohten Orang-Utans in freier Wild­bahn nicht durch artfremde Viren zu gefährden, können diese Tiere leider nicht ausge­wil­dert werden (7, 9). Glück­li­cher­weise ist eine Anste­ckung mit mensch­li­chem Hepa­titis B relativ selten.

Ein Leben auf der Insel 

Vorauswilderungsinsel in Samboja Lestari
Voraus­wil­de­rungs­insel in Samboja Lestari

Die BOS Foun­da­tion besitzt derzeit sieben Schutz­in­seln inner­halb des Schutz­walds Samboja Lestari, auf denen nicht-auswil­der­bare Orang-Utans dauer­haft ein annä­hernd freies Leben mit Artge­nossen in der Natur verbringen können und sepa­rate Voraus­wil­de­rungs­in­seln auf denen gesunde Tiere an ein unab­hän­giges Leben in Frei­heit gewöhnt werden. Die, durch natür­liche Barrieren gesi­cherten Schutz­in­seln sind weit­flä­chig mit tropi­schem Regen­wald bewachsen, bieten natür­liche Klet­ter­mög­lich­keiten, Futter­quellen, sowie natür­liche Struk­turen und Mate­ria­lien um Schlaf­nester zu bauen und genü­gend Möglich­keiten zu Sozi­al­kon­takt mit Artge­nossen. Zweimal am Tag werden die Tiere von unseren Mitar­bei­tern zusätz­lich mit frischen Früchten und anderem Futter versorgt, wobei auch ihr Gesund­heits­status kontrol­liert wird. 

Unser Ziel ist es mehr solcher Schutz- und Voraus­wil­de­rungs­in­seln zu erschaffen, um unsere Schütz­linge auf ein Leben in freier Wild­bahn vorzu­be­reiten und auch den nicht-auswil­der­baren Orang-Utans ein Leben in der Natur zu ermöglichen.

Helfen sie uns bei diesem Projekt mit ihrer Spende! Werden auch Sie zum BOS-Unter­stützer. Mit Ihrer Spende helfen Sie den Orang-Utans, dem Regen­wald und damit auch unserem Klima. Jeder Beitrag hilft. 

Text: Dr. Isabelle Laumer

Die BOSF Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­tren werden durch das inter­na­tio­nale tier­ärzt­liche Fach­ärz­te­team OVAG (Oran­gutan Vete­ri­nary Advi­sory Group) beraten. Meetings und Work­shops für Mitar­beiter finden jähr­lich statt.

 

Refe­renzen:

  1. Locke, D., Hillier, L., Warren, W. et al. (2011) Compa­ra­tive and demo­gra­phic analysis of orang-utan genomes. Nature 469, 529–533.
  2. Brüne M, Brüne-Cohrs U, McGrew WC, Preu­schoft S (2006) Psycho­pa­tho­logy in great apes: concepts, treat­ment options and possible homo­lo­gies to human psych­iatric disorder. Neuro­sci­ence and Biobe­ha­vioural Reviews, 30, 1246–1259.
  3. Sa-Nguanmoo P, Rian­t­ha­vorn P, Amorn­sa­wad­wattana S, Poovor­awan Y. (2009) Hepa­titis B virus infec­tion in non-human primates. Acta Viro­lo­gica, 53(2):73–82.
  4. Suh A, Weber CC, Kehl­maier C, et al. (2014) Early meso­zoic coexis­tence of amniotes and hepad­na­vi­ridae. PLoS Genet., 10(12):e1004559.
  5. Verschoor EJ, Warren KS, Langen­hui­jzen S, Heri­yanto, Swan RA and Heeney JL (2001). Analysis of two genomic vari­ants of oran­gutan hepad­na­virus and their rela­ti­onship to other primate hepa­titis-like viruses. Journal of General Viro­logy, 82: 893–897.
  6. Warren, K.S., Heeney, J.L., Swan, R.A., Heri­yanto & Verschoor, E.J. (1999), A new group of Hepad­na­vi­ruses natu­rally infec­ting oran­gutans (Pongo pygmaeus), Journal of Viro­logy, 73: 7860–7865.
  7. Jamartin Shiite (CEO, BOSF) in Oran­gutan Vete­ri­nary Advi­sory Group work­shop report (2017) Prepared with orga­ni­zing committee of the Oran­gutan Conser­vancy: R. Commitante, S. Unwin, F. Sulistyo, R. Jaya, Y. Saras­wati, C. Nente, S. Sumita, A. Roset­ya­dewi, P.Nagalingam.
  8. Raihan R. Hepa­titis in Malaysia: Past, Present, and Future. (2016) Euro­asian J Hepa­to­gas­tro­en­terol 6(1):52–55.
  9. Oran­gutan Vete­ri­nary Advi­sory Group work­shop report (2009) R. Commitante, S. Unwin & D. Cress.