20. Oktober 2021

Vogel? Schlange? Nein — ein orien­ta­li­scher Schlangenhalsvogel

In den Regen­wäl­dern dieser Erde leben unend­lich viele Arten. Viele sind noch unent­deckt, andere kennen wir. Sie in freier Wild­bahn beob­achten zu können, ist dennoch oft ein Glücks­fall:  Daten über ihre Ernäh­rung und Nahrungs­be­schaf­fung, Paarungs­ver­halten und Entwick­lung der Popu­la­tion bringen immer wieder neue Erkennt­nisse für die Wissen­schaft. Auch unsere Moni­to­ring-Teams treffen bei ihren Touren durch die Wälder Borneos immer wieder auf viele span­nende Tiere. Heute: der orien­ta­li­sche Schlangenhalsvogel.

Fried­liche Gemein­schaft mit den Orang-Utans

Der orien­ta­li­sche Schlan­gen­hals­vogel (Anhinga mela­no­gaster) kommt in verschie­denen Teilen Asiens vor, so auch auf der Insel Juq Kehje Seven in Ostka­li­mantan. Sie liegt etwa 10 Kilo­meter vom Rand des Kehje Seven Waldes entfernt und ist eine 82,84 Hektar große, von Menschen­hand geschaf­fene bewal­dete Insel. Hier bringen wir unsere Orang-Utans hin, wenn sie kurz vor ihrer Auswil­de­rung sind. Wir nennen die Insel auch „Wald­uni­ver­sität“:  Nach Wald­kin­der­karten und Wald­schule müssen die Tiere hier unter Beweis stellen, dass sie im Regen­wald ohne mensch­liche Unter­stüt­zung über­leben können. Unser Moni­to­ring-Team ist regel­mäßig hier, um sich ein Bild zu machen. Dabei sammeln sie auch Erkennt­nisse über die Tiere in der Nachbarschaft.

Auf den Beute­fang perfektioniert

Der Orien­ta­li­sche Schlan­gen­hals­vogel hat einen langen, schlanken Hals, der über die Wasser­ober­fläche hinaus­ragt. Beim Schwimmen verleiht ihm das ein schlan­gen­ähn­li­ches Aussehen. Der Vogel ernährt sich haupt­säch­lich von Fischen, aber auch von verschie­denen Frosch- und Molcharten. Davon gibt es in den Gewäs­sern rund um Juq Kehje Seven reich­lich! Das Tier ist perfekt an seine Umge­bung ange­passt. So hat er beispiels­weise Schwimm­füße, die ihn zu einem ausge­zeich­neten Jäger und Taucher machen. Die einzig­ar­tige Krüm­mung seiner Hals­wirbel ermög­licht es ihm, seinen Hals wie in Z zu knicken und ruck­artig zu stre­cken. Das kommt ihm beim Jagen zugute: Sobald er seine Beute erspäht, stößt er mit seinem über acht Zenti­meter 87 mm langen Schnabel zu.

Flügel trocknen in der Sonne

Im Gegen­satz zu anderen Wasser­vö­geln wie Enten und Gänsen bilden die Federn des Orien­ta­li­schen Schlan­gen­vo­gels keinen wasser­dichten Schutz. Das macht es ihm zwar leichter zu tauchen, bedeutet aber auch, dass er in der Sonne trocknen muss, bevor er wieder fliegen kann. Das ist der Zeit­punkt, an dem unsere Team­mit­glieder den Orien­ta­li­schen Schlan­gen­hals­vogel am häufigsten sehen: Wenn er sich hoch in den Bäumen auf Ästen sitzend sonnt und die Flügel zum Trocknen ausstreckt. Die Flügel­spann­weite eines erwach­senen Vogels kann übri­gens bis zu 128 cm betragen.

Zerstö­rung der Lebens­räume bedroht die Art

Die Inter­na­tional Union for the Conser­va­tion of Nature (IUCN) stuft diesen Feucht­ge­biets­vogel auf ihrer Roten Liste als “nahezu bedrohte” Art ein. Die Haupt­gründe dafür sind die Umwand­lung von Regen­wäl­dern in Nutz­flä­chen, die Zerstö­rung von Wasser­flä­chen, Umwelt­ver­schmut­zung, die Beja­gung von Altvö­geln und der Dieb­stahl von Eiern.

Wir hoffen, dass „unsere“ Schlan­gen­hals­vögel in der Umge­bung von Juq Kehje Swen zum Schutz dieses einzig­ar­tigen Wasser­vo­gels beitragen können. Helfen auch Sie, diesen faszi­nie­renden Lebens­raum und seine gewal­tige Arten­viel­falt zu erhalten und zu schützen. Jeder Beitrag hilft.