21. Februar 2019

Was wir Menschen von den Orang-Utans lernen können

Manche Orang-Utans verschwinden nach ihrer Auswil­de­rung so tief im Dickicht des Regen­waldes, dass es selbst unseren erfah­renen Mitar­bei­tern in den Post-Release-Moni­to­ring-Teams schwer­fällt, sie zu entde­cken. Umso größer ist die Freude, wenn es dann doch mal gelingt. So ging es uns auch mit dem Mutter-Sohn-Gespann Signe und Bungaran, die seit Dezember 2016 im Schutz­wald von Kehje Sewen (Ost-Kali­mantan) unter­wegs sind.

Etwa zwei Kilo­meter vom Nles Mamse Camp stieß unser Team auf die elfjäh­rige Signe und ihren inzwi­schen drei Jahre alten Sohn Bungaran. In stiller Eintracht saßen die beiden im Baum, genossen einen Snack aus schmack­hafter Rinde und ließen sich von unserer Gegen­wart kein biss­chen beeindrucken. 

Signe und Bungaran
Signe und Bungaran

Bungaran, der immer mehr an Selb­stän­dig­keit zu gewinnen scheint, bewegte sich immer wieder einige Meter von seiner Mutter weg in den Bäumen. Signe ließ ihn dabei natür­lich keine Sekunde aus den Augen. Er suchte in der Nähe nach neuen Pflanzen und Früchte, kehrte aber immer wieder zu Signe zurück, um kurz zu kuscheln. Dieses Verhalten ist ganz typisch für Orang-Utans in Bungarans Alter – die jungen Menschen­affen trennen sich erst nach sieben oder acht (Lehr-)Jahren von ihrer Mutter.

Was danach geschah, werden unsere Team­mit­glieder so schnell nicht vergessen. Bungaran kam und zupfte an Signes Ohr, die aller­dings gerade die Früchte eines Brot­frucht­baumes naschte. Viel­leicht wollte er, dass sie mit ihm spielt. Doch Signe war nicht danach und das ließ sie ihn in Form eines kleinen aber deut­li­chen Schub­sers spüren. Bungaran verstand sofort, wandte sich ab und ging seiner Wege.

Bungaran erkundet den Wald
Bungaran erkundet den Wald

Dann wurden wir Zeugen, wie Diplo­matie bei Orang-Utans funk­tio­niert: Bungaran wusste nämlich, wie er seine Mutter besänf­tigen konnte und kehrte kurze Zeit später mit einer Frucht des Brot­frucht­baumes zurück, die er ihr wie ein Frie­dens­an­gebot über­reichte. Signe nahm das Geschenk gerne an und die beiden umarmten sich innig.

Signe und Bungaran
Signe und Bungaran

Eine kleine, unschein­bare Geste, die uns auf bemer­kens­werte Weise zeigt, wie wilde Orang-Utans im Regen­wald mitein­ander kommu­ni­zieren. Trotz Unstim­mig­keiten scheinen sie zu wissen, dass der Schlüssel zum sicheren Über­leben darin besteht, in Harmonie zusammen zu leben. Viel­leicht sollten wir Menschen doch noch ein oder zwei Dinge von den Orang-Utans lernen.

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