14. Oktober 2021

Wie geht es weiter mit dem Palmöl? — Verlän­ge­rung des Mora­to­riums gefordert

Vor rund drei Jahren trat in Indo­ne­sien ein Palmöl-Mora­to­rium in Kraft, das die Vergabe von Lizenzen für Palm­öl­plan­tagen regelt. Die indo­ne­si­sche Regie­rung reagierte damit auf den massiven Verlust von Wäldern und Torf­ge­bieten in den Jahren davor – verur­sacht durch groß­flä­chige Wald­brände und die Rodung und Umwand­lung der Flächen in Palm­öl­plan­tagen. Das Mora­to­rium sollte helfen, die Vergabe von Konzes­sionen neu zu bewerten und zu regeln. 

Am 19. September 2021 lief das Mora­to­rium aus. Umwelt- und Naturschützer:innen und Vertreter:innen der Regie­rung setzen sich nun dafür ein, dass es verlän­gert wird. Noch hält sich die Regie­rung mit einer offi­zi­ellen Entschei­dung zurück – es heißt, es werde noch evalu­iert, ob das Mora­to­rium den gewünschten Effekt hat.

Lang­fris­tige Perspek­tive nötig

Indo­ne­sien ist der größte Produ­zent und Expor­teuer von Palmöl welt­weit. Über die Hälfte des pflanz­li­chen Öls wird expor­tiert und ist damit das zweit­wich­tigste Exportgut für die indo­ne­si­sche Wirt­schaft. Doch die Regu­lie­rung und Kontrolle des Palm­öl­sek­tors war schon immer eine große Heraus­for­de­rung: Die unkon­trol­lierte Zerstö­rung von Regen­wäl­dern und Torf­mooren, eska­lie­rende Konflikte um die Land­ver­tei­lung und Verstöße gegen die Rechte von Arbeiter:innen stehen auf der Tages­ord­nung. Das Mora­to­rium sollte da eine Art Atem­pause verschaffen, den gesamten Markt zu evalu­ieren und neue Bedin­gungen für den Anbau von Palmöl zu defi­nieren. Dabei geht es auch darum, perspek­ti­visch die Produk­ti­vität auf den Plan­tagen zu erhöhen und Klein­bäue­rinnen und Klein­bauern bei ihrer Arbeit zu unter­stützen. Seit seinem Inkraft­treten wurden keine neuen Konzes­sionen zum Anlegen von Palm­öl­plan­tagen mehr vergeben.

Ölpalmenfruchtstände
Ölpalmenfruchtstände

Erste Verbes­se­rungen spürbar

Seit Inkraft­treten des Mora­to­riums hat sich die Situa­tion in den Regen­wäl­dern Indo­ne­siens in einigen Berei­chen verbes­sert. So wurde in den vergan­genen Jahren vergleichs­weise wenig Primär­wald zerstört. Auch die seit Beginn des Mora­to­riums statt­fin­dende syste­ma­ti­sche Erhe­bung von Daten rund um Ölpalm­plan­tagen und Konzes­si­ons­ge­biete zeigt bereits erste Erfolge. Die Daten bieten eine wich­tige Grund­lage, um die Einhal­tung der Vorgaben zu kontrollieren. 

Auch im inter­na­tio­nalen Ansehen hat Indo­ne­sien durch das Mora­to­rium gewonnen. Denn: Die Entwal­dung gilt als Haupt­quelle der Treib­haus­emis­sionen. Der offi­ziell verkün­dete Stopp vor drei Jahren hilft dem Land, die ange­strebten Klima­ziele zu errei­chen. Davon profi­tiert auch die Wirt­schaft. Viele inter­na­tio­nale Inves­toren und Unter­nehmen verfolgen inzwi­schen eine „Null-Entwal­dungs­po­litik“ oder inves­tieren nur, wenn gewähr­leistet ist, dass keine Entwal­dung, kein Torf­abbau und keine Ausbeu­tung erfolgt.

Heraus­for­de­rungen bleiben

Alle Probleme sind damit noch lange nicht gelöst. Von vielen wird das Mora­to­rium als unzu­rei­chend für den Schutz von Wäldern und Torf­ge­bieten bewertet – zu viele Schlupf­lö­cher und fehlende oder wenig wirk­same Sank­tionen, setzen dem nach wie vor statt­fin­denden ille­galen Abholzen zu wenig entgegen. Und die lokalen Regie­rungen auf Provinz- und Distrikt­ebene haben oft wenig Möglich­keiten, Verstöße konse­quent zu verfolgen.

Eine Verlän­ge­rung des Mora­to­riums – im Ideal­fall unbe­fristet – würde der Regie­rung und anderen Akteuren mehr Zeit geben, die notwen­digen Schritte anzu­gehen. Dazu zählt auch der Umgang mit ille­galen Plan­tagen in Wald­ge­bieten – geschätzt um die 3,37 Millionen Hektar.

Palmölfrüchte
Palmölfrüchte

Mora­to­rium verschafft notwen­dige Zeit

Unser Fazit: Die Zeit des Mora­to­riums wurde gut genutzt. Viele klei­nere und größere Erfolge zeigen ihre Wirkung. Doch die ange­sto­ßenen Prozesse sind noch nicht abge­schlossen. Sollte das Mora­to­rium tatsäch­lich nicht verlän­gert werden, könnte dies für mehrere Millionen Hektar Regen­wald und Torf­moore ihr defi­ni­tives Ende bedeuten. Vor allem die Regen­wälder, die schon für indus­tri­elle Zwecke iden­ti­fi­ziert wurden, aber aufgrund des Mora­to­riums seit 2018 nicht gerodet werden durften. Wälder voller Arten­reichtum und Leben.

Schät­zungen zufolge leben etwa 20 Prozent aller Orang-Utans auf Borneo in diesen für den Ölpal­men­anbau vorge­sehen Gebieten. Mit dem Abholzen ihres Lebens­raumes verlieren sie nicht nur ihr Zuhause – in den meisten Fällen bedeutet der Verlust des Regen­waldes ihren sicheren Tod.

Umweltschützer:innen sowie einige indo­ne­si­sche Regierungsmitarbeiter:innen aus dem Umwelt- und Forst­mi­nis­te­rium sowie aus dem Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rium fordern die Verlän­ge­rung des Verbots von neuen Palm­öl­kon­zes­sionen. Am besten unbe­fristet. Wir von BOS Deutsch­land schließen uns dieser Forde­rung an. Damit die Orang-Utans über­leben und ihr Lebens­raum bleibt.