7. Juli 2020

Ziem­lich beste Freunde

Im November 2015 kam der kleine Marlon zur Welt. Er wurde in Samboja Lestari auf Insel #3 geboren und kennt somit nichts anderes als die Wildnis. Seine Mama Merin war einige Jahre zuvor aus dem indo­ne­si­schen Frei­zeit­park Ancol in Jakarta befreit worden und begann bei uns ein neues Leben. 

Eigent­lich haben die zwei dort auf der Insel immer mit Orang-Utan-Dame Aluh­dora gelebt. Sie waren wie eine kleine Familie gewesen, die teil­weise sogar beiein­ander über­nach­teten. Doch Aluh­dora musste umziehen und damit es Merin und Marlon nicht zu lang­weilig wurde, kamen Lesley und Kopral als neue Mitbe­wohner dazu. 

Marlon
Marlon

Die neuen Zuge­zo­genen waren den beiden aber erst einmal über­haupt nicht geheuer. Den Pfle­gern fiel sofort auf, dass sie Marlon und Merin kaum noch sahen. Der Verdacht lag nahe, dass die Orang-Utan-Mama mit ihrem Sohn wegen Männ­chen Kopral erst einmal auf Abstand ging. Zwar fehlen diesem durch einen alten Unfall beide Arme, aber er ist dennoch berühmt für sein domi­nantes Auftreten.

Zweimal am Tag wird auf den Schutz­in­seln Essen gelie­fert. Durch die neu zuge­zo­gene Konkur­renz warteten Merin und Marlon schon immer unge­duldig auf den Fütte­rungs­platt­formen, um sich schnell ihren Anteil am Fest­mahl sichern zu können, sobald der Liefer­ser­vice eintraf. Manchmal dauerte es dem kleinen Marlon aber zu lange. Kein Wunder, Kinder im Wachstum haben schließ­lich immer Hunger! Also fing er an, sich im näheren Umfeld der Platt­form nach einem kleinen Gaumen­kitzler in Form von Früchten umzugucken.

Dabei kreuzte er auch immer öfter Koprals Weg. Je mehr Tage vergingen, desto neugie­riger wurde Marlon, warf dem Männ­chen inter­es­sierte Blicke zu und traute sich immer näher an den neuen Mitbe­wohner. Dieser reagierte mit großer Aufge­schlos­sen­heit und herzens­guter Freund­lich­keit. Manchmal star­tete er sogar selbst Annä­he­rungs­ver­suche, in dem er auf den allein spie­lenden Marlon zuging und sich vor ihm auf dem Boden rollte. Am Anfang war der Junge noch etwas unsi­cher, reagierte nicht oder suchte schnell das Weite. Doch nach und nach verlor Marlon seine Schüch­tern­heit und fing an mit dem 14-jährigen Männ­chen zu spielen.

Tja, was sollen wir sagen?! Seitdem sind die beiden unzer­trenn­lich. Sie raufen freund­schaft­lich mitein­ander, kugeln gemeinsam durch die Gegend oder beißen sich spie­le­risch. Manchmal bauen sie sogar Schlaf­nester zusammen. 

Auf Mama Merin ist der Funke aller­dings noch nicht über­ge­sprungen. Sie bleibt weiter auf Distanz, behält ihren Sohn aber weiterhin im Auge. Sobald Marlon müde wird, schnappt sie sich ihr Kind, um es zu stillen.

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Marlon mit seiner Mutter Merin

Was für eine tolle Mutter sie ist – hat sie doch einen neugie­rigen und aben­teu­er­lus­tigen, und gleich­zeitig aufmerk­samen und vorsich­tigen Jungen groß­ge­zogen. Die perfekte Kombi­na­tion für einen Orang-Utan!

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