21. März 2017

Zum Inter­na­tio­nalen Tag des Waldes: Kein Wald für Sprit!

The FAO (Food and Agri­cul­ture Orga­niz­a­tion of the United Nations) und die Colla­bo­ra­tive Part­nership on Forests haben den Inter­na­tio­nalen Tag des Waldes gewählt, um die Nutzung von Holz als für Ener­gie­zwecke zu propa­gieren. Wälder werden als „Kraft­werk der Natur“ bezeichnet. Die zentrale Botschaft lautet, Wälder seien tradi­tio­nell ohnehin eine Quelle der Ener­gie­ge­win­nung, aber darüber hinaus die welt­größte Ressource erneu­er­barer Energien.

Unglück­li­cher­weise igno­riert diese Botschaft die schwer­wie­genden Auswir­kungen nach­wach­sender Rohstoffe (soge­nannte Bioen­ergie) auf die Umwelt, das Klima, auf lokale Gemein­schaften, auf die Gesund­heit und natür­lich auf die Wälder selbst. Der anhal­tende poli­ti­sche Druck, Wälder erheb­lich mehr als bisher zur Ener­gie­er­zeu­gung zu nutzen – als Versuch, den Klima­wandel abzu­mil­dern — basiert auf fehler­hafter Wissen­schaft und ist geeignet, mehr Probleme als Lösungen zu schaffen.

Schon jetzt trägt der drama­ti­sche Anstieg von Ener­gie­ge­win­nung durch Holz und im indus­tri­ellen Maßstab zur Klima­er­wär­mung und Wald­zer­stö­rung bei – und Europa weist dabei den Weg. Die gegen­wär­tigen Ziele der EU hinsicht­lich erneu­er­barer Energie werden wahr­schein­lich einen Bedarf nach grob gerechnet 100 Millionen Kubik­meter zusätz­lich bewirken, was wiederum die Fähig­keit der Wälder, Kohlen­stoff zu spei­chern, signi­fi­kant verrin­gern wird. 

Nach­frage nach Energie aus Holz kann niemals allein durch „Holz­ab­fall“ gedeckt werden – eine Behaup­tung der Indus­trie, die schon oft wider­legt wurde. Viel­mehr baut die Biomas­sen­in­dus­trie zuneh­mend auf Quali­täts­holz, das direkt aus den Wäldern kommt, oft sogar nach Europas aus Russ­land und den USA impor­tiert. Andere Länder wie Japan, Südkorea und Austra­lien holen sich ihr Holz eben­falls von dort.

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Als Antwort auf diesen Trend speku­lieren Inves­toren bereits, und Markt­ana­lysten sagen einen Zuwachs an Holz­plan­tagen (d.h. schnell wach­sende Mono­kul­turen) in Afrika, Südame­rika und Asien voraus. Dieser Trend macht tief besorgt über weiteres „Land Grab­bing“, weitere Menschen­rechts­ver­let­zungen, noch mehr Wald­zer­stö­rung und ‑degra­dation sowie schwere Auswir­kungen auf die Sicher­heit lokaler Ernährungs‑, Wasser- und Energiesicherheit. 

Der gemein­same Faktor dieser globalen Entwick­lungen besteht darin, dass sie alle auf irrigen Poli­tik­an­sätzen basieren. Fälsch­li­cher­weise wird ange­nommen, dass die ener­ge­ti­sche Nutzung von Holz keinen nega­tiven Einfluss auf das Klima habe, also ohne Emis­sionen auskäme. Doch die Annahme, dass alle Bioen­ergie CO2-neutral sei, wurde mitt­ler­weile weithin als wissen­schaft­lich unhalt­barer Mythos wider­legt. Die FAO igno­riert diese Erkennt­nisse aller­dings in bemer­kens­werter Weise und kulti­viert weiterhin den CO2-Neutra­li­täts-Mythos, indem sie Wälder als globale Ener­gie­quelle propagiert.

Der rapide anwach­sende Gebrauch von Holz als Quelle für Elek­tri­zität, Wärme und Kraft­stoff riskiert schwere Schäden an Umwelt, Klima und Gesund­heit sowie den Rechten und Lebens­grund­lagen indi­gener Bevöl­ke­rung. Mehr noch, dieser Trend gründet sich auf falscher Inter­pre­ta­tion von Wissen­schaft und Forschung. Daher ist es nicht nur über­ra­schend, sondern auch sehr enttäu­schend, dass die FAO diese Form der Ener­gie­ge­win­nung ausge­rechnet am Inter­na­tio­nalen Tag des Waldes propa­giert, ohne auch nur über die darin enthal­tenen Risiken nachzudenken. 

Die unter­zeich­nenden Orga­ni­sa­tionen fordern die FOA daher auf, 

  1. die Befür­wor­tung und Propa­gie­rung von Biomasse zur groß­maß­stäb­li­chen Ener­gie­er­zeu­gung zu beenden,
  2. die irre­füh­rende Präsen­ta­tion aller Holz-Biomasse als „CO2-neutral“ und „nach­haltig“ einzustellen, 
  3. ressour­cen­ef­fi­zi­ente und sinn­voll abge­stufte Nutzung von Holz zu unter­stützen, die zu einer mittel- bis lang­fris­tigen Kohlen­stoff­spei­che­rung beitragen sowie 
  4. ihren Fokus wieder auf Bewah­rung und Wieder­her­stel­lung biolo­gisch reich­hal­tiger Wälder zu richten, was einen weitaus besseren Beitrag zur Abmil­de­rung des Klima­wan­dels leisten würde als Bäume zu verbrennen. 

 

Engli­sche Version: http://www.eubioenergy.com/2017/03/21/open-ngo-letter-on-faos-international-day-of-forests-2017/