21. Dezember 2022

Die lang­erwar­tete Natur­schutz­kon­fe­renz hat (fast) geliefert

Orang-Utan Mutter mit Baby im Wald

Mit zwei Jahren Verspä­tung fand sie nun doch endlich statt – die 15. Welt­na­tur­kon­fe­renz. Vom 7. bis 19. Dezember 2022 fanden die Verhand­lungen im kana­di­schen Mont­real statt. Nach schwie­rigen Bera­tungen wurde ein – laut einiger Beob­achter – histo­ri­sches Abkommen zum Thema Arten­schutz beschlossen. Auch wenn dieses Lücken aufweist und – wie immer bei solchen Abkommen – legal nicht bindend ist, macht es doch Hoff­nung, dass endlich etwas beim Thema Arten­schutz passieren wird. Denn die letzten Jahre waren kata­stro­phal – die Ozeane sind mit Plastik über­flutet, wich­tige Schirm­spe­zies wie Orang-Utans, Nashörner oder Elefanten sind akut vom Aussterben bedroht, genauso wie mindes­tens zehn Prozent aller Insekten, und der Verlust der Lebens­räume hört nicht auf. Mit anderen Worten: So geht es nicht weiter! Dazu kommt: Arten­schutz und Klima­schutz gehen Hand in Hand.


22 Ziele wurden konkret beschlossen


Die wich­tigsten davon lauten:
• Die Haupt­ent­schei­dung: Bis 2030 sollen 30 Prozent der Land‑, Süßwasser- und Meere­söko­sys­teme unter Schutz gestellt werden. Dabei sollen die lokalen Gemeinden und indi­genen Bevöl­ke­rungen viel stärker berück­sich­tigt werden.
• Die Risiken durch Pesti­zide sollen in der Land­wirt­schaft bis 2030 mindes­tens halbiert werden.
• 30 Prozent der degra­dierten Ökosys­teme (Land und Meer) welt­weit sollen bis 2030 wieder­her­ge­stellt werden.
• 500 Milli­arden US-Dollar an umwelt­schäd­li­chen Subven­tionen etwa für die Land­wirt­schaft sollen natur­ver­träg­lich umge­lenkt werden.
Alle diese Beschlüsse sind leider nicht legal bindend. Doch wird das Abkommen umge­setzt, kann wohl ein Groß­teil der heute vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflan­zen­arten gerettet werden.


Arten­schutz ist Klimaschutz

zerstörter Torfmoor


Doch die beschlos­senen Ziele sind nicht nur für den Arten­schutz, sondern auch für den Klima­schutz wichtig. Lebens­räume wie Torf­moor­ge­biete sind zentrale Spei­cher für CO2. Deswegen ist ihr Schutz und ihre Rena­tu­rie­rung von zentraler Bedeu­tung.
Die avisierten Ziele bestä­tigen uns in unserer tägli­chen Arbeit und vor allem in einem unserer Haupt­pro­jekte: Der Rena­tu­rie­rung und der Schutz von Mawas, ein zu einem Drittel zerstörtes Torf­moor­re­gen­wald­ge­biet, das, solange es nicht wieder vernässt ist, täglich CO2 in die Atmo­sphäre abgibt. Die Wieder­ver­näs­sung und Rena­tu­rie­rung von Mawas ist eine kost­spie­lige Ange­le­gen­heit, gleich­zeitig aber der einzig zukunfts­träch­tige Weg für den Arten- und Klimaschutz.

Und wieder geht es um Geld


Bei den Natur­schutz­kon­fe­renz ging es natür­lich auch intensiv um das Thema Direkt­zah­lungen von Indus­trie­län­dern an Entwick­lungs­länder, um die wirt­schaft­li­chen Verluste, die beim Schutz größerer Natur­ge­biete auftreten, zu kompen­sieren. Im Raum stand eine Forde­rung von 100 Milli­arden US-Dollar. Diese Forde­rung war sehr umstritten. Der gefun­dene Kompro­miss sieht nun vor, die Hilfen bis 2025 auf mindes­tens 20 Milli­arden US-Dollar pro Jahr anzu­heben und bis 2030 auf mindes­tens 30 Milli­arden US-Dollar pro Jahr anwachsen zu lassen. Am Ende waren vor allem die afri­ka­ni­schen Staaten sehr unzu­frieden mit dem Ergebnis, denn die Fonds fließen, so wie sie jetzt defi­niert sind, primär in andere Empfän­ger­länder. Aber am Ende wurde die Abstim­mung schnell von der chine­si­schen Präsi­dent­schaft durch­ge­wunken und damit steht die Entschei­dung nun fest.
Wir von BOS Deutsch­land e.V. hoffen, dass dieses Abkommen kein Papier­tiger bleiben wird und in konkrete Taten umge­wan­delt wird. Denn gerade das Über­leben der Orang-Utans hängt sehr eng vom Haupt­ziel dieses Abkom­mens ab: Den Schutz von 30 Prozent der Landökosysteme.