25. April 2022

Dillas Leben auf der Insel

Dillas Leben auf der Insel

Dilla ist eine unserer Orang-Utan-Frauen, die einen beson­ders schweren Start ins Leben hatten. Von ihren ersten fünf Lebens­jahren verbrachte sie vier in der Gefan­gen­schaft von Menschen. Zu lange ohne artge­rechte Haltung, um natür­liche Verhal­tens­weisen zu erlernen. Diese Kind­heit hat Spuren bei Dilla hinter­lassen; innere und äußere. Dilla wird wohl für immer bei uns bleiben. Um ihr Leben so artge­recht und ange­nehm wie möglich zu gestalten, lebt die 16jährige Orang-Utan-Frau jetzt auf der Schutz­insel Badak Kecil.

BETREUTES WOHNEN AUF DER SCHUTZINSEL

Dilla kam vor gut einem Jahr gemeinsam mit den Orang-Utan-Frauen Mawas und Jeliva auf die Schutz­insel Badak Kecil, die zum Salat Island Cluster gehört. Die Insel ist so etwas wie ein Pfle­ge­heim für aktuell zehn nicht auswil­der­bare Orang-Utans. Hier bekommen die Tiere extra große Futter­por­tionen, und unsere Teams haben sie immer im Blick. Sie alle haben heraus­for­dernde oder trau­ma­ti­sche Erfah­rungen gemacht, die eine voll­stän­dige Reha­bi­li­ta­tion unmög­lich machen. Manche dieser Erleb­nisse wirken ein Leben lang nach.

DILLA NAHM IHR BABY NICHT AN

Wir erin­nern uns: Im Jahr 2018 brachte Dilla ein kleines Orang-Utan-Mädchen auf die Welt — Delilah. Dilla selbst hatte nie die Erfah­rung einer liebenden Mutter gemacht — würde sie ihre Tochter akzep­tieren und ihr alles beibringen, was sie braucht, um eigen­ständig zu leben? Wenn ein Orang-Utan mit einem so schweren Trauma wie Dilla in unsere Obhut kommt, ist es immer eine Heraus­for­de­rung, sie zu reha­bi­li­tieren. Nach mehreren miss­glückten Begeg­nungen war klar, dass Dilla keine Bezie­hung zu ihrem Kind aufbauen konnte. Die kleine Delilah kam daher in die liebe­volle Obhut der Baby­sit­te­rinnen und Dilla ging ihren eigenen Weg.

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IM TEAM GEHT ES LEICHTER

Auch im Umgang mit anderen Orang-Utans tut sich Dilla oft sehr schwer. Sie ist eine Einzel­gän­gerin und scheut die Begeg­nung mit den anderen. Bis Dius kam. Der Orang-Utan-Mann war vorüber­ge­hend auf die Schutz­insel Badak Kecil gezogen. Immer wieder suchte er die Nähe zu Dilla, und die beiden streunten durch den Wald. Oft kamen sie gemeinsam zu den Futter­plätzen, und dort zeigte Dius Beschüt­zer­in­stinkt: Dilla ist die kleinste und schwächste Orang-Utan-Frau auf Badak Kecil und zieht oft den Kürzeren, wenn es um die Vertei­lung von Futter geht. Dann kommt sie erst zur Platt­form, wenn alle anderen schon gegessen haben, und begnügt sich mit dem Rest. Doch mit Dius an ihrer Seite, änderte sich das. Er stellte sich beschüt­zend vor sie, damit sie in Ruhe fressen konnte und die anderen Weib­chen sie nicht störten.
An den Nach­mit­tagen sah unser Beob­ach­tungs­team die beiden häufig am Fluss, wo sie ihr Nach­lager herrich­teten. Dilla hat sich darauf spezia­li­siert, alte Nester anderer Orang-Utans zu repa­rieren und darin zu schlafen, während Dius neue Nester in der Nähe baute. Jeder nach seinen Fähigkeiten. 

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Dius ist jetzt bereit für die Auswilderung

EIN ABSCHIED FÜR IMMER?

Vor ein paar Wochen trennten sich dann die Wege der beiden wieder. Dius hatte erkennbar alle Fähig­keiten, die ein Orang-Utan für ein eigen­stän­diges Leben in Frei­heit braucht. Bis er ausge­wil­dert wird, ist er jetzt wieder im Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum Nyaru Menteng unter­ge­bracht, wo er die letzten medi­zi­ni­schen Tests schon durch­laufen hat.
Vermut­lich werden sich die beiden nicht mehr wieder­sehen, da Dilla als „nicht auswil­derbar“ gilt. Aber natür­lich ist nichts unmög­lich: Wenn sie in der Lage ist, einige gute Über­le­bens­fä­hig­keiten zu entwi­ckeln, während sie auf der Schutz­insel lebt, wird sie viel­leicht eines Tages doch noch ausge­wil­dert. Und wer weiß, viel­leicht trifft sie dann auch Dius wieder. 

DILLA, DIE KLUGE

Seit Dius weg ist, hält sich Dilla nur noch selten lange an der Futter­stelle auf. Sie sucht sich lieber sichere Plätze in der Nähe und sitzt in den Bäumen, die ein wenig über den Fluss hinaus­ragen. Von dort hat sie einen guten Über­blick. Immer, wenn kein anderer Orang-Utan an der Futter­stelle ist, greift sie zu. Unsere Versor­gungs­teams werfen ihr immer wieder Früchte, Knollen und Gemüse direkt zu, damit Dilla auf jeden Fall genug bekommt.
Mutig genug zu sein, um mit anderen Orang-Utans um Nahrung zu streiten, ist eine gute Über­le­bens­fä­hig­keit auf der Insel — aber es ist auch ein sehr kluger Schachzug, Stra­te­gien zu entwi­ckeln, um Konfron­ta­tionen zu vermeiden. Sie ist sehr klug, unsere Dilla.

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Dilla ist auf einem Auge blind

Kämpfen Sie mit uns für Dilla und all die anderen Schütz­linge in unserer Obhut, die zu trau­ma­ti­siert sind, um noch selbst­ständig leben zu können? Ihre Unter­stüt­zung bewirkt einen Unter­schied. Schenken Sie den Hoff­nungs­losen Hoff­nung. Vielen Dank.