9. Dezember 2019

Frei­heit für 18 Orang-Utans

So vielen Orang-Utans auf einen Streich haben wir seit Jahren nicht die Frei­heit geschenkt. Für 18 Tiere ging in den vergan­genen Tagen im Natio­nal­park Bukit Baka Bukit Raya in Zentral-Kali­mantan die Käfigtür für immer auf.

Die meisten der neuen Wilden haben viele Jahre Ausbil­dung bei BOS hinter sich und sind zwischen sieben und 17 Jahren alt. Aber zwei Ausnahmen gibt es doch. Zum einen Pandu, ein 20 Jahre altes, impo­santes Männ­chen. Er wurde erst im September 2019 von einer Palm­öl­plan­tage gerettet. Übli­cher­weise werden solche Tiere, die allein und selb­ständig in der Wildnis zurecht­kommen würden, von BOS und der Natur­schutz­be­hörde BKSDA direkt in sichere Regen­wald­ge­biete umge­sie­delt. Doch der schlechte Gesund­heits­zu­stand des domi­nanten Männ­chens gebot uns, ihn doch in unserem Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng aufzu­nehmen. Hier konnten wir ihn intensiv tier­me­di­zi­nisch behan­deln und ordent­lich aufpäp­peln. Nun, da der 65 Kilo­gramm schwere Orang-Utan-Mann wieder voll bei Kräften ist, durfte er in den sicheren Wald des Natio­nal­parks Bukit Baka Bukit Raya einziehen.

 

Die zweite Ausnahme dieser Auswil­de­rung ist die kleine Salmah, die gerade erst ein Jahr alt ist. Sie wurde auf unserer Voraus­wil­de­rungs­insel Kaja Island geboren, wo ihre Mutter Salsa die letzte Stufe der Reha­bi­li­ta­tion durch­lief. Die soge­nannte Wald­uni­ver­sität absol­vierte die 15-jährige Orang-Utan-Dame auch mit Baby so hervor­ra­gend, dass sie nun gemeinsam mit ihrer Tochter in die Frei­heit umziehen durfte.

Der lange Weg in die Freiheit

18 Orang-Utans sicher in die Tiefen des Regen­waldes umzu­sie­deln, stellt auch unser erfah­renes Team vor eine große, nicht nur logis­ti­sche, Heraus­for­de­rung. Nachdem alle Tiere die letzten Gesund­heits­checks vor der Auswil­de­rung über­standen hatten, ging es, aufge­teilt in drei Reise­gruppen, auf in die Wildnis. 

 

Die erste Reise­gruppe steu­erte auf einer recht entspannten, mehr­stün­digen Reise­route via Jeep und Boot die Wasser­scheide Bemban im Natio­nal­park an. Hier durften die Männ­chen Uje (14), Sydney (9) und Donk (14) sowie die Weib­chen Rubi (16), Made Ayu (17), Dea (10), Iriana (7) und Salsa (15) mit ihrer einjäh­rigen Tochter ihr Leben als wilde Orang-Utans beginnen.

 

Damit die Tiere genü­gend Raum für neue Reviere in ihrer neuen Umge­bung finden können, konnten wir natür­lich nicht alle 18 Tiere am selben Ort auswil­dern. Also reisten die verblie­benen neun Wald­men­schen in zwei Tracks zur Wasser­scheide Hiran. Nach sechs Stunden auf den Jeeps ging es auf den Booten weiter. Eine echte Heraus­for­de­rung, selbst für unsere erfah­rensten Boots­führer. Denn der Fluss Hiran birgt einer­seits viele flache Bereiche, ande­rer­seits steile, kantige Ufer­klippen. Sechs Stunden durch starke Strö­mungen forderten ihren Tribut. Mehr­fach musste die Reise unter­bro­chen werden, um klei­nere Repa­ra­turen an den Booten durchzuführen. 

 

Doch schließ­lich kamen auch die Weib­chen Jeanifer (14), Anouk (13) und Bolot (16) sowie das Männ­chen Valent (16) und der wilde Pandu (20) in der neuen Heimat an. Zwei Tage später konnten hier auch die beiden Weib­chen Lexy (13) und Leggy (13) gemeinsam mit den Männ­chen Ariel (15) und Aox (12) in die Frei­heit des Regen­walds ausge­wil­dert werden.

 

Unter Beob­ach­tung

Direkt nach der Käfi­g­öff­nung begann die Arbeit für unsere Beob­ach­tungs­teams, welche die neuen Wilden nicht aus den Augen lassen, ehe wir sicher sein können, dass sich die Tiere in ihrer neuen Heimat zurechtfinden. 

 

Die ersten Nach­richten klingen viel­ver­spre­chend: Alle Orang-Utans wurden bei der erfolg­rei­chen Nahrungs­suche und beim Nestbau gesehen. Wir wünschen den 18 neuen Wilden noch viele fried­liche Jahre in ihrem Wald und hoffen bald mal wieder von ihnen zu hören.

 

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