22. Dezember 2021

Menschen stecken Orang-Utan mit Corona an!

Eine gute und eine schlechte Nach­richt hat mich heute ereilt. Die schlechte ist so unglaub­lich, dass ich damit beginnen muss: In den USA haben Zoo-Besucher:innen einen Orang-Utan mit Corona angesteckt. 

Schlimm genug, aber der Tather­gang ist schierer Wahn­sinn: Wie in den schlimmsten Vergnü­gungs­parks in Asien konnten Besucher:innen in Atlanta Selfies mit Orang-Utans machen. Auch ohne Corona eine nicht entschuld­bare Zurschau­stel­lung von Wild­tieren. Und mit Sicher­heit nicht die Idee der Affen. 

Orang-Utans zur Massenbelustigung
Orang-Utans zur Massen­be­lus­ti­gung in einem Vergnügungspark

Klein­laut wird jetzt auf die neu einge­führte Zehn-Meter-Abstands­regel verwiesen. Diese Regel ist inter­na­tio­naler IUCN Stan­dard, den alle Länder unter­schrieben haben. Und die in unseren Rettungs­sta­tionen schon sehr lange vor Corona strengs­tens befolgt wurden. 

Schutz­maske immer schon Alltag

So habe ich bei meinen Besu­chen unserer Rettungs­zen­tren in Indo­ne­sien noch nie einen Orang-Utan von wirk­lich nahem gesehen. Und dies trotz aller verlangten Impfungen (deswegen hatte ich dieses Jahr meinen dicht befüllten Impf­pass sehr schnell gefunden) und zehn Tagen Quaran­täne im Land, bevor ich ein Zentrum betreten durfte. Dann natür­lich auch schon lange vor Corona – wie alle Mitarbeiter:innen – mit Maske, deren Gebrauch bei den vor Ort herr­schenden Saun­a­tem­pe­ra­turen mich nun nur schmun­zeln lassen, wenn ich hier zum Thema Maske etwas von „Maul­korb“ lese. Als Vergleich kann ich nur sagen, dass unsere Mitarbeiter:innen vor Ort täglich einen Ironman bei der Arbeit bestehen müssen, während wir hier wegen zehn Minuten einkaufen mit Maske einen Spazier­gang im Park veranstalten.

So nähern wir uns - zumal unter einer Pandemie - unseren Schutzbefohlenen
So nähern wir uns — zumal unter einer Pandemie — unseren Schutzbefohlenen

Bitte lasst Euch nicht verführen!

Leider muss ich auch immer häufiger hören, dass in anderen Rettungs­pro­jekten z. B. in Malaysia und Sumatra nicht so konse­quent auf Abstand und Masken geachtet wird. Das ist eine tickende Zeit­bombe! Deswegen mein Appel an dieser Stelle an alle Tourist:innen: Nur weil Ihr könntet, heißt das nicht dass Ihr müsst! Lasst Euch bitte nicht von Eurem Wunsch nach einem süßen Selfie mit einem Orang-Utan oder einem anderen Wild­tier für Insta­gram oder das private Foto­album verführen. Es geht mir nicht um Eure Gesund­heit, sondern um die der Schutz­losen (auch das kommt bekannt vor…). Für die Tiere, die mit Euch auf den Fotos zu sehen sind, bedeutet es meist eine Quälerei und immer eine Gefahr für die Gesundheit.
Die Guides in diesen Projekten sind chro­nisch unter­be­zahlt und drücken für ein erhofftes Trink­geld beide Augen zu, was ich leider auch schon erleben musste. 

Die einzige Form von Selfies mit Orang-Utans, die wir befürworten: Kamerafalle in unserem Auswilderungswald Bukit Batikap
Die einzige Form von Selfies mit Orang-Utans, die wir gutheißen: Kame­ra­falle in unserem Auswil­de­rungs­wald Bukit Batikap

Apropos Tourist:innen: Die gute Nach­richt soll nicht fehlen. Ein geplanter Affen-Strei­chel-Insta­gram-Zoo in Mittel­hessen wird aufgrund von breiten Protesten nun doch nicht reali­siert. So hat zumin­dest hier unsere Zivil­ge­sell­schaft mal positiv ihre Macht genutzt. Aber bitte dies auch im Urlaub nicht vergessen!

Haben Sie schon unsere Peti­tion zum Stopp der Orang-Utan-Shows in Thai­land und Kambo­dscha unterzeichnet?