15. Dezember 2022

Zukunfts­pro­jekt Aufforstung

Segama Halbinsel in Sabah, Luiftaufnahme

Zum Orang-Utan-Schutz gehört untrennbar der Schutz ihres Lebens­raumes, also der Regen­wälder auf Borneo. Neben unserem eigenen Auffors­tungs­pro­jekt in Mawas unter­stützen wir daher auch den Rhino and Forest Fund (RFF) in Sabah, dem malay­si­schen Teil der Insel. Und können hier im Jahres­rück­blick 2022 von erfreu­li­chen Fort­schritten berichten.

Während wir in Mawas komplett zerstörte, große Flächen Torf­moor­re­gen­wald rena­tu­rieren und aufforsten, verfolgt der RFF im Nord­westen Borneos ein anderes Ziel: Dort gibt es einige Gebiete nahezu unbe­rührten Regen­waldes, in denen eine beacht­liche Wild­tier­po­pu­la­tion lebt, darunter neben Orang-Utans auch Bantengs und Zwerg­ele­fanten, welche eben­falls akut vom Aussterben bedroht sind. Diese Biotope sind jedoch umgeben von Flächen, die abge­holzt und in Plan­tagen umge­wan­delt wurden und segmen­tiert sind durch Straßen und Sied­lungen. Für die Tiere, die in den Regen­wald­ge­bieten leben, ist nur unter Lebens­ge­fahr, wenn über­haupt, möglich, von einem Gebiet in ein anderes zu wechseln.

Der RFF verfolgt daher das Ziel, die einzelnen Regen­wald­ge­biete – das große Tabin Wild­life Reserve und klei­nere wie Bukit Piton, Sila­bukan, Kulamba, Kina­bat­angan und Sepilok – durch Schutz­kor­ri­dore mitein­ander zu verbinden. Wenn dies gelingt, könnten sich die Wild­tiere über ein enormes, weit­läu­figes Gebiet im ganzen Nord­westen Borneos frei und geschützt bewegen. Dadurch käme es zum Austausch der aktuell isoliert lebenden Popu­la­tionen – ein wich­tiger Schritt, um Borneos Biodi­ver­sität zu schützen.

Seit 2011 konnte der Rhino and Forest Fund in Sabah bereits 2.300 Hektar Korrid­or­ge­biete sichern

Karte mit Projekte von RFF in Sabah
Karte mit allen Projekten von RFF

Bemer­kens­wert ist die inno­va­tive Auffors­tungs-Methode, mit der der RFF sein Ziel zu errei­chen sucht: Die Orga­ni­sa­tion erwirbt Ölpal­men­plan­tagen, die auf dem geplanten Korridor liegen, und nutzt die dort noch befind­li­chen Palmen zuerst als Schat­ten­schirme für die kleinen und empfind­li­chen Setz­linge. Um etwa jede vierte Palme wird dabei ein Ring aus fünf Setz­lingen gepflanzt. Erst wenn diese nach zwei bis drei Jahren groß und stark genug geworden sind, werden die Ölpalmen in ihrer Mitte entfernt.

Aus ehema­ligen Ölpal­men­plan­tagen wird Regenwald

Für die Auffors­tung hat der RFF im Jahr 2020 eine Baum­schule im Schutz­ge­biet gegründet, in der Menschen aus den benach­barten Dörfern beschäf­tigt sind. Diese sammeln Samen und Wild­linge im angren­zenden Wald und ziehen daraus Setz­linge. Über 50 verschie­dene Arten wachsen auf diese Weise in den Baum­schulen heran, die auf den Auffors­tungs­flä­chen ausge­pflanzt werden und sich dort über die Jahre und Jahr­zehnte zu einem resi­li­enten und viel­fäl­tigen Regen­wald verwachsen.

Baumschule mit Setzlingen in Sabah
Setz­linge in Vorbe­rei­tung für die Aufforstung

Ein Jahres­rück­blick auf die Akti­vi­täten des Rhino Forest Fund

Im Juni 2021 wurde mit der Auffors­tung im Sila­bukan Schutz­ge­biet begonnen. Durch das Projekt ist es seitdem gelungen, ille­gale Baum­fäl­lungen in diesem Gebiet zu stoppen. Auch ein Wilderer Camp wurde entdeckt und konnte still­ge­legt werden. Der Schutz­wald wurde seit Beginn der Akti­vität um ein ganzes Stück erwei­tert: 63 Hektar Land konnten mit Hilfe von BOS Deutsch­land e.V. mit rund 12.000 Setz­lingen aufge­forstet werden. Poten­ziell könnte auch da einen Wild­tier­kor­ridor zum Tabin Natur­schutz­ge­biet entstehen.

Lebens­wich­tiger Korridor für die Orang-Utan-Popu­la­tion in Bukit Piton

In Bukit Piton leben auf einem isolierten Gebiet von rund 11.000 Hektar etwa 400 Orang-Utans. Das entspricht bereits jetzt der vier­fa­chen natür­li­chen Dichte einer normalen Orang-Utan-Popu­la­tion im Regen­wald – und die Popu­la­tion scheint nach aktu­ellen Beob­ach­tungen weiter zu wachsen. Eigent­lich ein Grund zum Jubeln! Doch die Primaten benö­tigen drin­gend mehr Lebens­raum, sonst besteht die Gefahr, dass Tiere verhun­gern oder es zu Konflikten mit den umlie­genden Gemeinden und auf benach­barten Plan­tagen kommt, weil die Orang-Utans dort auf Nahrungs­suche gehen.

Seit November 2021 enga­giert sich BOS daher stark in Bukit Piton und unter­stützt die Auffors­tungs­ak­ti­vi­täten des RFF. Mit einem Korridor, der Bukit Piton mit dem großen Tabin Wild­life Reserve vernetzt, würde der Lebens­raum erheb­lich vergrö­ßert und der Bevöl­ke­rungs­druck aus dem bislang isolierten Gebiet genommen. Derzeit gibt es inner­halb des Reser­vats noch immer etliche Plan­tagen, was zu Störungen der Wild­tiere durch perma­nenten Verkehr und Umwelt­ver­schmut­zung führt und Konflikte mit Wild­tieren und Wilderei zur Folge hat.

Am Tabin River entsteht eine Wildtier-Oase

Im Juni 2022 hat der Rhino and Forest Fund begonnen, am Tabin River einen See anzu­legen, um dieses Gebiet noch attrak­tiver für Wild­tiere zu machen. Auf einer Fläche von rund 20 Hektar sollen so Wild­tier-Oasen für Elefanten, Bantengs und Wasser­vögel entstehen.

Teich im Tabin Schutzgebiet

Bis 2023 soll in diesem Gebiet außerdem eine weitere Fläche von 1000 Hektar befreit werden, das heißt: ehema­lige Plan­tagen werden aufge­forstet und in geschützte Gebiete für Orang-Utans und andere Wild­tiere umgewandelt.

Eben­falls 2023 soll die Halb­insel am Segama gekauft werden, die Finan­zie­rung dafür steht bereits. Die Halb­insel stellt ein weiteres, wich­tiges Puzzle­stück für den geplanten Wild­tier-Korridor dar. Aktuell ist diese Region ein Nadelöhr für die Tiere: Es gibt nur zwei geschützte und sehr enge Verbin­dungs­stücke von gerade Mal 200 Metern Breite, die sich zudem auf teils sump­figem Terrain befinden. Auch auf der Halb­insel leben Orang-Utans, das RFF-Team hat dort unter anderem Fraß­spuren an Palmen entdeckt.

Segama Halbinsel in Sabah, Luiftaufnahme
Luft­auf­nahme von Segama Halbinsel

Es sind dicke Bretter, die der Rhino and Forest Fund bohrt, um sein visio­näres Ziel zu errei­chen. Und wir sind stolz darauf, wie viel schon jetzt in einer Taktik der vielen kleinen Schritte erreicht werden konnte – unter anderem mit der Unter­stüt­zung von BOS Deutschland.

Wir wandeln Plan­tagen wieder in Regen­wald um!

Die Heimat des Orang-Utans stirbt und mit ihm auch diese einzig­ar­tigen Tiere. Täglich werden riesige Flächen an Regen­wald für den Anbau von Ölpalmen zerstört. In Sabah auf Borneo setzen wir nun einen Gegen­trend. Wir kaufen Palm­öl­plan­tagen auf und wandeln diese wieder in atmenden Regen­wald um. Helfen Sie mit!