28. Juni 2023
Transportkäfig von Orang-Utan Kejora wird geöffnet

Zehn Orang-Utans im Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park ausgewildert

Der Juni 2023 markiert ein beson­deres Ereignis für die BOS Foun­da­tion und ihre Arbeit zum Schutz der Orang-Utans: Gleich zehn Tiere wurden im Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park ausge­wil­dert! Damit steigt die Zahl der in diesem Schutz­ge­biet ausge­wil­derten Orang-Utans auf 199 Individuen!

In zwei Gruppen machten sich die zehn Tiere auf die Reise in ihre neue wilde Heimat: Am 14. Juni brach das BOS-Team mit Aristo, Lalang, Svenja und Noni Partono zur Hiran Wasser­scheide auf, am 16. Juni star­teten dann Yoko, Kejora, Syah­rini, Susanne, Mama Edwan und Edwina in Rich­tung Bemban Wasserscheide.

Alle zehn Orang-Utans hatten erfolg­reich einen mehr­jäh­rigen Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess durch­laufen und zuletzt auf einer Voraus­wil­de­rungs­insel – noch unter Beob­ach­tung — bewiesen, dass sie bereit sind für ein eigen­stän­diges, unab­hän­giges Leben im Regen­wald. Wie immer wurden alle Kandi­daten gründ­lich tier­ärzt­lich unter­sucht, bevor sie in ihre Trans­port­kä­fige gebracht wurden und schließ­lich den lang­ersehnten Weg in die Frei­heit antraten. In ihren Boxen reisten sie sicher zunächst auf einem Pick-Up Jeep, später auf einem Long Tail Boat bis zu ihrem Bestimmungsort.

Orang-Utans werden mit Booten zum Auswilderungsort transportiert
Orang-Utans werden mit Booten zum Auswil­de­rungsort transportiert


Vier ausge­wil­derte Orang-Utans bleiben uns beson­ders in Erinnerung

Jede einzelne Rettung eines Orang-Utans ist ein bewe­gender Moment, denn unser zu Hilfe geru­fenes Team weiß im Voraus nie genau, was sie vor Ort erwartet: In welchem Zustand befindet sich das Tier? Wie alt ist es? Wie lange muss es schon ohne die Mutter zurecht­kommen? Wird es im Fall einer ille­galen Haus­tier­hal­tung von den ertappten Haltern wider­standlos herausgeben?

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Manche Rettungen bleiben uns aber dennoch ganz beson­ders in Erin­ne­rung. So wie diese vier:

Kejora: Ange­kettet in einer Palm­öl­fa­brik, unter­ernährt und verängstigt

Kejora war erst 18 Monate alt, als wir sie am 1. Februar 2016 von einer Ölpal­men­plan­tage in Tangki­ling, Palang­ka­raya, Zentral-Kali­mantan retteten und hatte in ihrem jungen Leben schon Schreck­li­ches erlebt. Unser Team fand sie in der Nähe eines Dünge­mit­tel­la­gers, wo sie mit Eisen­ketten fest­ge­halten wurde – unter­ernährt, verängs­tigt und durch den Verlust ihrer Mutter traumatisiert.

Orang-Utan Kejora vor der Rettung
Orang-Utan Kejora vor der Rettung

Nach drei­mo­na­tiger Quaran­täne und tüchtig aufge­päp­pelt mit frischem Obst und Baby­milch, konnte Kejora im BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng ihre Reha­bi­li­ta­ti­ons­reise beginnen. Im BOS-Wald­kin­der­garten traf sie — vermut­lich zum ersten Mal seit dem Verlust ihrer Mutter — auf Artge­nossen. Diese und unsere Baby­sit­te­rinnen halfen ihr dabei, das Vertrauen zurück­zu­er­langen. In der Wald­schule lernte Kejora all die Dinge, die ein Orang-Utan in freier Wild­bahn braucht und durfte nach Abschluss aller Reha­bi­li­ta­ti­ons­phasen seit dem 12. November 2021 ihre erwor­benen Fähig­keiten auf der Voraus­wil­de­rungs­insel Badak Besar beweisen. Im Früh­sommer 2023 stand fest: Die inzwi­schen neun­jäh­rige Orang-Utan-Dame ist bestens auf ein Leben als wilder Orang-Utan vorbereitet!

Orang-Utan Kejora geniesst die ersten Stunden nach der Auswilderung
Orang-Utan Kejora geniesst die ersten Stunden nach der Auswilderung


Susanne: Nach langer Gefan­gen­schaft in die Freiheit

Ganze drei Jahre wurde das Orang-Utan-Mädchen von einem Dorf­be­wohner in Kuala Kurun, Zentral-Kali­mantan, illegal als Haus­tier gehalten. Eine unvor­stellbar lange Zeit für die Kleine, die sie in einer Umge­bung verbringen musste, die nicht im geringsten artge­recht war. Und trotzdem gelang es ihr nach ihrer Rettung am 11. Oktober 2017, sich im Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum Nyaru Menteng Schritt für Schritt an ein Leben im Regen­wald zu gewöhnen und Fähig­keiten zu erlernen, die für einen Orang-Utan typisch und über­le­bens­not­wendig sind. Gemeinsam mit Kejora kam Susanne am 12. November 2021 auf die Voraus­wil­de­rungs­insel Badak Besar. Nach sieben Jahren Reha­bi­li­ta­tion war die zehn­jäh­rige Orang-Utan-Dame im Juni 2023 endlich bereit, das Leben zu beginnen, für das sie einst geboren wurde: ein Leben in Frei­heit im Regen­wald von Borneo!


Syah­rini: Tochter eines Orang-Utans aus einem thai­län­di­schen Vergnügungspark

Syah­rini ist die Tochter von Suja – eine Orang-Utan-Dame, die wir gemeinsam mit 46 weiteren Orang-Utans aus Thai­land gerettet haben. Die damals Vier­jäh­rige war Opfer eines thai­län­di­schen Vergnü­gungs­parks, in dem die Tiere vermensch­licht und für Unter­hal­tungs­shows miss­braucht werden. Als Suja am 31. Oktober 2013 im Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum Nyaru Menteng Syah­rini zur Welt brachte, war sie tragi­scher­weise nicht in der Lage, ange­messen für ihr Baby zu sorgen. Mutter und Tochter wurden daher von uns getrennt und Syah­rini bekam eine enga­gierte Baby­sit­terin als Ersatz-Mama. Nachdem sie als flei­ßige Wald­schü­lerin alles gelernt hatte, was ihr eigent­lich Suja hätte beibringen sollen, zog Syah­rini 2019 auf die Voraus­wil­de­rungs­insel Bangamat um. Im Juni 2023 ist die inzwi­schen zehn­jäh­rige Syah­rini nun bereit, ganz und gar frei im Regen­wald zu leben.

Transportkäfig Öffnung Syahrini
Orang-Utan-Dame Syah­rini klet­tert schnell auf einen Baum


Mama Edwan: Schwer verletzt, reha­bi­li­tiert und Mama geworden

Mama Edwan war bereits eine ausge­wach­sene Orang-Utan-Dame und hatte viele Jahre wild im Regen­wald gelebt, als sie von unserem Team von einer Ölpal­men­plan­tage gerettet werden musste. Der Grund: Sie hatte sich schwere Verlet­zungen am linken Arm zuge­zogen. Diese konnten leider nicht geheilt werden, sodass die BOS-Tier­ärzte die schwere Entschei­dung treffen mussten, ihr den gesamten Arm zu ampu­tieren. Trotz dieser trau­ma­ti­schen Erfah­rung war Mama Edwan in der Lage, unmit­telbar nach ihrer medi­zi­ni­schen Behand­lung und Heilung auf die Voraus­wil­derngs­insel Palas umzu­ziehen, wo sie sich als wider­stand­fä­hige, einfalls­reiche und agile Orang-Utan-Dame bewies.

Und das ist noch nicht alles! Edwan wurde auf der Insel schwanger und brachte am 20. Mai 2017 ein Mädchen zur Welt, das wir auf den Namen Edwina tauften. Im Juni 2023 konnte Mama Edwan in Beglei­tung ihrer Tochter in die Wildnis zurückkehren.

Transportkäfig von Mama Edwan wird aufgemacht
Mama Edwan wirft einen ersten Blick auf ihre neue Heimat


Kaum hatte die Orang-Utan-Dame ihren Trans­port­käfig verlassen und war auf einen Baum geklet­tert, näherte sich Janu, ein Orang-Utan-Männ­chen, das wir bereits 2017 ausge­wil­dert haben. Die beiden zeigten unmit­telbar ein großes Inter­esse anein­ander und begannen kurz darauf zu kopulieren.

Wenn das kein gutes Zeichen ist für die erfolg­reiche Auswil­de­rung und für das weitere Wachstum der Orang-Utan-Popu­la­tion im Bukit Baka Bukit Raya Nationalpark!

Grund zum Feiern: BOS hat ein weiteres Moni­to­ring-Camp eröffnet

Und noch einen Grund zum Feiern gibt es für die BOS Foun­da­tion: Im Juni 2023 haben wir ein neues Moni­to­ring-Camp an der Hiran-Wasser­scheide eröffnet. Von diesem Basis­lager aus durch­streifen die BOS-Ranger den Natio­nal­park und behalten die ausge­wil­derten Orang-Utans, zumin­dest teil­weise, im Blick. Denn aus diesen Beob­ach­tungen können wir für unsere weitere Reha­bi­li­ta­ti­ons­ar­beit mit geret­teten Orang-Utans lernen und wich­tige Erkennt­nisse gewinnen.

BOS Deutsch­land und damit die BOS Foun­da­tion finan­zieren sich ausschließ­lich über Spenden. Jeder Beitrag hilft – den Orang-Utans und dem Regenwald!