3. Januar 2023

Lieb­ge­won­nene Lang­zeit­be­wohner – Die Geschichte von Alfa und Kirun

Orang-Utan Alfa

Unser Ziel ist es immer, unsere Schütz­linge eines Tages in die freie Wild­bahn auswil­dern zu können. Doch nicht immer gelingt dies. Denn leider schaffen es nicht alle Orang-Utans, in der Wald­schule die Fähig­keiten zu erlernen, die sie für das Über­leben im Dschungel benö­tigen. Dies kann unter­schied­liche Gründe haben: schwere Trau­mata, verschie­dene Krank­heiten, körper­liche Beein­träch­ti­gungen oder Alters­schwäche. Manchmal schaffen es die Orang-Utans einfach nicht, unna­tür­liche Verhal­tens­weisen, die sie sich z. B. in der Gefan­gen­schaft ange­eignet haben, wieder abzu­legen und sich an das durchaus fordernde Leben in der Frei­heit anzu­passen.
Leider reden wir hier nicht von Einzel­fällen. Tatsäch­lich wurden es im Laufe der Jahre immer mehr nicht auswil­der­bare Orang-Utans. Inzwi­schen leben in Nyaru Menteng etwa 200 Primaten, die es nicht bis zur Auswil­de­rung geschafft haben. Aber wir lassen auch unsere Sorgen­kinder nicht im Stich. Sie leben in der Obhut des Nyaru Menteng Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trums und werden hier liebe­voll gepflegt.

Zwei dieser Bewohner sind die Orang-Utan-Männ­chen Alfa und Kirun, die beide am 17. Dezember 1999 nach Nyaru Menteng kamen. Alfa war zu diesem Zeit­punkt vier Jahre alt und Kirun ein Jahr jünger. Sie gehörten beide zu den ersten Wald­schü­lern des damals neu gegrün­deten Orang-Utan-Rehabilitationszentrums.

Orang-Utan Alfa
Orang-Utan Alfa

Während seiner Zeit in der Wald­schule blieb Alfa meist auf dem Boden. Selten zog es ihn hoch in die Baum­wipfel, wie seine anderen Artge­nossen. Außerdem bewegte er sich sehr langsam und er ließ sich an der Futter­stelle immer sehr viel Zeit, bis er seinen Anteil an den Früchten verspeist hatte. Also ganz anders als das natür­liche Verhalten der Orang-Utans in der freien Wild­bahn. Noch heute zeigt er diese Verhaltensauffälligkeiten.

Orang-Utan Kirun
Orang-Utan-Männ­chen Kirun

Kirun blieb bis 2001 in der Wald­schule und war als domi­nantes Orang-Utan-Männ­chen bekannt. Er schloss eine enge Freund­schaft mit seinem Klas­sen­ka­me­raden Samba, der im Jahr 2000 in die Wald­schule gekommen war und 2015 erfolg­reich ausge­wil­dert wurde.

Kirun war zu sehr an Menschen gewöhnt und suchte nach wie vor Kontakt zu ihnen. Wann immer er zum Beispiel ein neues Gesicht sah, näherte sich Kirun und biss spie­le­risch in die Stiefel der Person. Wahr­schein­lich liegt sein Verhalten in seiner langen Gefan­gen­schaft bei den Menschen begründet. Genau wie Alfa, klet­terte auch Kirun selten auf Bäume und auch er konnte keine ausrei­chenden Fähig­keiten entwi­ckeln, die für eine Auswil­de­rung notwendig gewesen wären.

Als beide Primaten dann auch noch am Orang-Utan Respi­ra­tory Disease Syndrome (ORDS) erkrankten – einer chro­ni­schen Atem­wegs­er­kran­kung, die regel­mä­ßige Behand­lung erfor­dert – wurde die Auswil­de­rung unmög­lich. Tiere mit dieser Erkran­kung werden auto­ma­tisch als „nicht auswil­derbar“ einge­stuft und in einem spezi­ellen Pfle­ge­be­reich unter­ge­bracht. Dort werden sie liebe­voll von unserem Team aus Tier­ärz­tinnen und Tier­ärzten, Tier­pfle­ge­rinnen und Tier­pfle­gern und weiteren Fach­kräften betreut. Nach wie vor zeigt Kirun seine Nähe zu Menschen und ist immer sehr freund­lich zu den Pfle­ge­kräften, die ihm zweimal am Tag sein Futter bringen. Beson­ders zu Hanni aus dem Enrich­ment-Team hat er eine tiefe Zunei­gung. Sie war seine Ersatz­mutter gewesen und noch heute sucht er bei ihren Besu­chen immer ihre Aufmerk­sam­keit. Und dem kommt Hanni natür­lich immer gern nach.

Kämpfen Sie mit uns für Dilla und all die anderen Schütz­linge in unserer Obhut, die zu trau­ma­ti­siert sind, um noch selbst­ständig leben zu können? Ihre Unter­stüt­zung bewirkt einen Unter­schied. Schenken Sie den Hoff­nungs­losen Hoff­nung. Vielen Dank.