22. Februar 2021

Zehn Orang-Utans fliegen mit dem Heli­ko­pter in die Freiheit

Wir sind über­glück­lich: Nach einem Jahr Corona-Zwangs­pause konnten wir in Zusam­men­ar­beit mit der indo­ne­si­schen Natur­schutz­be­hörde (BKSDA) zehn Orang-Utans aus unseren Rettungs­zen­tren die lang­ersehnte Frei­heit schenken. Mit dem Hubschrauber ging es unter erhöhten Hygie­ne­auf­lagen in die entle­genen und geschützten Auswil­de­rungs­wälder in Zentral- und Ostka­li­mantan. Hier beginnen die sieben männ­li­chen und drei weib­li­chen Orang-Utans nun ihr neues, wildes Leben.

Höchste Hygie­ne­stan­dards sorgten für noch mehr Sicherheit

Letzter Check vor der Abreise
Letzter Check vor der Abreise

Die Vorbe­rei­tungen für beide Touren waren dieses Mal ganz beson­ders penibel. Ein Team aus Medi­zi­nern, Biologen, Behörden und weiteren Experten hat ein strenges Hygie­ne­pro­to­koll für diese Auswil­de­rungen aufge­stellt. So konnten dieses Mal nur die absolut notwen­digen Begleit­per­sonen mit den Tieren auf Reisen gehen. Jeder, der in die Nähe der Orang-Utans oder ihrer Trans­port­kisten kam, musste entspre­chende Schutz­klei­dung tragen. Vor allem aber wurde durch den Trans­port über den Luftweg vermieden, Dörfer und Sied­lungen zu durch­queren. Das mini­mierte das Risiko einer gesund­heit­li­chen Gefähr­dung der Tiere inmitten der noch immer gras­sie­renden Pandemie noch mehr. Alle Auswil­de­rungs­kan­di­daten und ihre Begleit­per­sonen wurden vor der Abreise wieder­holt auf Corona getestet.

Auf dem Luftweg ins Herz des Regenwaldes

Es geht hoch hinaus
Es geht hoch hinaus

Am 16. Februar begann das Aben­teuer Frei­heit für die erste Gruppe: Nenuah, Bali, Hugus, Noel, Strada und Disha mit ihrem Sohn Deijo wurden für ihren Flug in die Frei­heit vorbe­reitet. Ziel: Der Schutz­wald Bukit Batikap in Zentral­ka­li­mantan. Bevor es in die Trans­port­kisten ging, wurde jedes Tier ein letztes Mal vom Tier­arzt unter­sucht und für die Reise mit Beru­hi­gungs­mit­teln leicht sediert. Gut gesi­chert wurden die Kisten dann auf die Autos geladen – und auf ging es zum Flug­hafen von Kuala Kurun, wo der gechar­terte Hubschrauber schon abflug­be­reit wartete. Die Orang-Utans wurden in ihren Boxen, die an einer Long­line unter dem Hubschrauber hingen, direkt zu den Auswil­de­rungs­plätzen im Schutz­wald von Bukit Batikap geflogen. Knapp eine Stunde dauerte es, bis die Kisten auf dem impro­vi­sierten Lande­platz aufsetzten. Dort wartete schon das zuvor ange­reiste „Empfangs­team“ und verlud die Kisten für die Weiter­reise auf Boote.

In der Frei­heit angekommen

Die letzten Meter des Trans­portes geht es immer zu Fuß. Meist braucht es vier starke Personen, um eine Kiste durch das unweg­same Gelände zu tragen, beim Trans­port eines ausge­wach­senen Männ­chens gern auch mehr. Das ist echte Knochen­ar­beit. Doch alle Mühe ist vergessen, wenn sich dann die Trans­port­kisten öffnen, und die Tiere den letzten Schritt in ihr Leben in Frei­heit gehen. Es ist immer ein beson­derer Moment – für die Tiere sowieso, aber auch für die Menschen. Denn für diesen Moment arbeiten wir.

Jedes Tier hat seine eigene Geschichte

Nenuah vor ihrer Auswilderung

Nenuah vor ihrer Auswilderung

Eines der jetzt ausge­wil­derten Tiere ist das 19 Jahre alte Orang-Utan-Weib­chen Nenuah. Sie wurde vor vielen Jahren aus einem Vergnü­gungs­park in Thai­land gerettet und kam 2006 nach Nyaru Menteng, zusammen mit 47 anderen Orang-Utans. Vor Nenuah konnten nur sechs andere Tiere aus dieser 48-köpfigen Gruppe ausge­wil­dert werden. Die übrigen waren aufgrund ihrer langen Gefan­gen­schaft in Thai­land nicht in der Lage, die natür­li­chen Fähig­keiten und Verhal­tens­weisen zu erlernen, die für eine Auswil­de­rung erfor­der­lich sind. Doch Nenuah ist es gelungen, ihre Vergan­gen­heit zu über­winden und alles für ihr Leben im Regen­wald zu lernen.

190 Tiere sind im Schutz­wald von Bukit Batikap zu Hause

Alle ausge­wil­derten Tiere haben einen kleinen Sender unter der Haut, der es den Moni­to­ring-Teams vor Ort erlaubt, die neuen Bewohner aufzu­spüren und über die Zeit zu beob­achten. Auf diese Weise wird über­prüft, ob die Orang-Utans gut in ihrer neuen Heimat ange­kommen sind. Die Wahr­schein­lich­keit, dabei auch auf andere von uns ausge­wil­derte Tiere zu treffen, ist gar nicht mal so gering: 190 Orang-Utans hat BOS in den vergan­genen Jahren im Bukit Batikap Schutz­wald frei gelassen.

Nenuah rennt zielstrebig in den Wald
Nenuah rennt ziel­strebig in den Wald

Neue Bewohner auch für den Kehje Sewen Wald

Nur wenige Tage, nachdem die erste Gruppe sicher im Bukit Batikap Schutz­wald ange­kommen war, ging es für die zweite Gruppe auf die Reise: Auch für Britney und die beiden Männ­chen Freet und Juve ging es per Hubschrauber zu ihrer Auswil­de­rungs­stelle im Norden des Kehje Sewen Waldes im Osten von Kali­mantan. Dieser Teil des Regen­waldes ist noch schwerer zugäng­lich als die anderen Auswil­de­rungs­ge­biete der BOS Foun­da­tion. Ab einem bestimmten Punkt kommt man weder mit Autos noch Booten weiter – deswegen können wir die Orang-Utans hier nur mit einem Heli­ko­pter ans Ziel bringen.

Unsere drei Glücks­pilze haben einen langen Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess im Schutz­zen­trum Samboja Lestari durch­laufen und sind nun bereit, in ihr neues, wildes Leben weitab von den Menschen zu starten. Mit ihnen haben insge­samt 121 von uns ausge­wil­derte Orang-Utans ein neues Zuhause im Kehje Sewen Wald gefunden.

Corona hat unsere Arbeit verändert

Volle Schutzkleidung auch beim Verladen
Volle Schutz­klei­dung auch beim Verladen

Aufgrund der nahen Verwandt­schaft zum Menschen (97 Prozent iden­ti­sche DNA), steht zu befürchten, dass sich auch Orang-Utans mit dem Corona-Virus infi­zieren könnten – auch wenn es bisher welt­weit noch keinen bestä­tigten Fall gab. Aus diesem Grund hat die BOS Foun­da­tion schon im März 2020 die Rettungs­zen­tren abge­rie­gelt und erhöhte Hygiene- und Sicher­heits­stan­dards einge­führt, um die Gesund­heit der Tiere und Mitar­beiter zu schützen. Auch Auswil­de­rungen wurden für rund ein Jahr ausge­setzt. Doch für die Rettung von in Not gera­tenen Tieren gibt es keinen Lock­down, und unsere Arbeit in den Schutz­zen­tren ging unter Berück­sich­ti­gung aller Auflagen die ganze Zeit weiter. In Zusam­men­ar­beit mit der Regie­rung und weiteren Experten ist es möglich gewesen, diese ersten Auswil­de­rungen seit Beginn der Pandemie durch­zu­führen. Dafür sind wir sehr dankbar. Denn aktuell warten in den BOS-Rettungs­zen­tren noch sehr viele Orang-Utans darauf, auch bald den Weg zurück in die Frei­heit gehen zu können.

Seit 2012 hat die BOS Foun­da­tion 478 Orang-Utans in zwei Auswil­de­rungs­ge­bieten in Zentral­ka­li­mantan (Schutz­wald Bukit Batikap und Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park) und einem in Ostka­li­mantan (Kehje Sewen Forest) ausge­wil­dert. Wir danken all unseren Spen­dern herz­lich für ihre Unter­stüt­zung, mit deren Hilfe wir diese Arbeit zum Arten- und Lebens­raum­schutz weiter voran­treiben können.

Noch warten weitere 400 Orang-Utans in unsren Rettungs­zetren auf Ihren ganz persön­li­chen Ruf der Freiheit.

Bitte helfen Sie, auch diesen Orang-Utans ein Leben in ihrem wahren Zuhause zurück zu geben. Spenden Sie noch heute und schenken Sie auch ihnen die Freiheit!