Der tropische Regenwald

Tropische Regenwälder sind die artenreichsten Ökosysteme unseres Planeten. Doch dieser Schatzkammer droht die unwiderrufliche Vernichtung.

Tropischer Regenwald ist ein Sammelbegriff für Tieflandregenwälder und höhergelegene Nebelwälder in der äquatorialen Zone. Typische Merkmale sind die starke Sonneneinstrahlung, die zwei- bis viertausend Liter Regen pro Quadratmeter im Jahr und die hohe Luftfeuchtigkeit. Die größten zusammenhängenden Gebiete existieren heute noch im Kongobecken, in Amazonien und Südostasien. Diese außergewöhnlichen Ökosysteme sind ein wesentlicher Teil der „grüne Lunge“ unserer Erde. Das Besondere an ihnen ist nicht nur ihre ungeheure biologische Vielfalt, sondern auch die Seltenheit mancher Arten. So leben zum Beispiel 35 von mehr als 200 verschiedenen Säugetieren Südostasiens ausschließlich auf Borneo.

Der tropische Regenwald scheint weit entfernt, was hat er also mit uns zu tun? Eine ganze Menge! Er nimmt Einfluss auf den Wasserkreislauf der Erde und auf das globale Klima, er dient als einzigartiger Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen, er liefert Medizin und dient der Forschung als genetische Schatzkammer.

Die tropischen Regenwälder sind maßgeblich an der globalen Zirkulation der Atmosphäre beteiligt und unterstützen somit den Ausgleich zwischen der warmen Tropenluft und der kalten Polarluft. Dadurch haben sie eine wichtige klimaregulierende und kühlende Funktion – sie wirken sozusagen als globale Klimaanlage. Außerdem stellen die tropischen Regenwälder gigantische natürliche Kohlenstoffspeicher dar. Des Weiteren dient der tropische Regenwald als pflanzliche Apotheke. Die Hälfte aller zugelassenen Medikamente sind pflanzlichen Ursprungs. Man schätzt, dass allein ca. 1.400 Tropenpflanzen Wirkstoffe für die Behandlung von Krebserkrankungen beinhalten – und der genetische Pool des tropischen Regenwalds ist noch längst nicht komplett erforscht.

Rasante Abholzung, großflächige Waldbrände, massive Ausbreitung riesiger Palmöl-, Eukalyptus- und Sojaplantagen sowie Wilderei und Tierhandel bedrohen massiv Flora und Fauna der letzten tropischen Wälder der Erde.

Nachhaltige Waldwirtschaft, Umweltschutz und ökologisches Denken sind noch die Ausnahme. Zwischen den Regierungen und den Betroffenen – ganz gleich ob Mensch, Tier oder Pflanze – stehen Wilderer, Holzkonzerne, Bergbauunternehmen und Palmölindustrie, für die Gewinnmaximierung oberste Priorität hat.  Im Jahr 1900 waren noch 1,6 Milliarden Hektar unseres Globus mit Regenwald bedeckt, fünfzig Jahre später waren es etwa 1,5 Milliarden Hektar. 1985 jedoch hat sich die Fläche bereits auf 850 Millionen Hektar reduziert und 2015 sind nur noch 475 Millionen Hektar Regenwald auf der Erde übrig. Die Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit, sich mit aller Kraft für den Schutz und die Wiederaufforstung der letzten Regenwälder einzusetzen.
 

Der Hauptgrund für den fortschreitenden Verlust von Regenwald in Südostasien ist die in den vergangenen Jahrzehnten stark wachsende Nachfrage nach Palmöl und nach Holz-Produkten bzw. Papier. Für die Produktion werden Eukalyptus- und Palmölplantagen auf ehemaligen Regenwaldflächen errichtet. Das Fett der ursprünglich aus Afrika stammenden Ölpalme ist Bestandteil zahlreicher Lebensmittel (vor allem in Fertigprodukten), Kosmetika und Reinigungsmitteln. Es wird auch immer mehr als Biokraftstoff genutzt. Gerade auf Borneo ist der Palmöl-Boom die Ursache für die rasant voranschreitende Zerstörung der Regenwälder. Häufig verirren sich Orang-Utans in die Plantagen, fressen aus Nahrungsmangel die Palmtriebe und laufen Gefahr, von den Plantagenbesitzern (verbotenerweise) getötet zu werden. Trifft es ein Weibchen mit Jungtier, gerät das überlebende Orang-Utan Baby nicht selten in den – ebenfalls illegalen – Tierhandel  und wird als lebendiges Spielzeug verkauft. Aus solchen Tragödien stammen die meisten Schützlinge, um die sich die BOS Foundation in ihren zwei Rettungsstationen Nyaru Menteng und Samboja Lestari kümmert.

BOS schützt insgesamt eine Fläche von fast 800.000 Hektar nachhaltig! Ziel der BOS Foundation ist es, mit ihren Schutzgebieten einen dauerhaften Nutzen für Mensch und Natur zu schaffen und die lokale Bevölkerung am Regenwaldschutz teilhaben zu lassen.
So begann die BOS Foundation in Samboja Lestari (Provinz Ost-Kalimantan) damit, Nutzungsrechte für insgesamt etwa 1.800 Hektar Land zu erwerben, um es zu Gunsten der Bevölkerung und der Natur zu renaturieren und nachhaltig zu schützen. Das Gebiet war durch Holzraubbau und Waldbrände zerstört und nur noch von einer nährstoffarmen Grassteppe bewachsen. Bis 2010 fand eine umfassende Wiederaufforstung rund um diese BOS-Rettungsstation statt. Doch die Großbrände im Herbst 2015 haben großen Schaden angerichtet, deren Folgen noch nicht absehbar sind. Samboja Lestari verfügt zudem über ein artenreiches Arboretum. Die Sammlung besteht bereits aus über 750 verschiedene Pflanzenarten, von denen viele bedroht sind und auf der Roten Liste stehen. Auch hier haben die Brände Schäden verursacht. Rund um die zweite Rettungsstation Nyaru Menteng stehen BOS 500 Hektar zur Verfügung.

Für die Auswilderung stehen BOS 86.000 Hektar Regenwald in Kehje Sewen und 32.000 Hektar (von insgesamt 400.000 Hektar) geschützter Regenwald in Bukit Batikap zur Verfügung. Dazu kommen 700 Hektar auf der Insel Salat, deren Nutzungsrechte die BOS Foundation 2015 erwerben konnte. Hier werden Orang-Utans, die kurz vor der Auswilderung stehen ihre letzte Rehabilitationsstufe absolvieren und Tiere, die aus gesundheitlichen Gründen nicht ausgewildert werden können, eine dauerhafte Bleibe finden.

Außerdem ist BOS im Mawas-Gebiet aktiv. Dieses Gebiet umfasst 309.000 Hektar. „Mawas“ bedeutet Orang-Utan in der Sprache der indigenen Bewohner, der Dayak. Das Gebiet ist Heimat für eine der letzten größeren Orang-Utan-Populationen von rund 3.000 Tieren sowie vieler anderer bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Von der Fläche her ist das Mawas-Gebiet das größte Projekt der BOS Foundation. Hier beteiligt sich die BOS Foundation an dem Forschungszentrum Camp Tuanan, wo indonesische und internationale Wissenschaftler u. a. Verhaltensbeobachtungen an wildlebenden Orang-Utans. Geplant ist eine Wiederaufforstung von 70.000 Hektar zerstörtem Regenwald mit 1 Mio. Bäumen in den nächsten Jahren. Erreichen wir das Ziel, vergrößern wir somit das Mawas Schutzgebiet und schaffen zusätzlich Lebensraum für weitere 2.000 Menschenaffen. Möchten Sie mit uns einen Regenwald schaffen? Pflanzen Sie einen Baum!

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Wenn der Regenwald stirbt, stirbt auch der Orang-Utan.

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Gibbongesänge vor den Geräuschen des Regenwalds.

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