Unser PRM-Team (Post-Release Monitoring) ist regelmäßig in unserem Kehje Sewen-Wald unterwegs, um ausgewilderte Orang-Utans zu beobachten. Doch bei ihren Patrouillen halten sie auch stets die Augen offen für andere tierische Begegnungen – manchmal mit verspielten Maronenlanguren (Presbytis rubicunda) oder den melodiös rufenden Müller-Gibbons (Hylobates muelleri). Kürzlich jedoch stießen sie auf ein ganz anderes, deutlich gefährlicheres Tier: die Sumatra-Bambusotter (Trimeresurus sumatranus).
Schon aus der Entfernung war sie an ihrer typischen Körperform und Farbgebung zu erkennen – ein faszinierendes, aber auch respekteinflößendes Tier.
Meisterin der Tarnung
Die Sumatra-Bambusotter ist ein echter Spezialist der Tarnung. Erwachsene Tiere besitzen eine gelblich-grüne Körperfärbung mit schwarzen Querbändern, während Jungtiere ein sattes Grün zeigen. Mit ihrem dreieckigen Kopf und den goldgelben Augen ist sie unverkennbar – wenn man sie denn überhaupt sieht. Ihre kräftige, dunkle Grünfärbung verschmilzt perfekt mit dem Blätterdach der Bäume, was sie nahezu unsichtbar macht.
Das Jungtier der Sumatra-Bambusotter (Trimeresurus sumatranus) zeigt noch keine schwarzen Querbänder
Sie ist nicht nur auf Ästen unterwegs – auch am Boden kann man ihr begegnen. Doch Vorsicht ist geboten!
Tödliches Gift mit durchschlagender Wirkung
Die Schlange gehört zur Familie der Vipern und verfügt über ein hochwirksames Gift, das zu den Hämotoxinen zählt. Es greift das Kreislaufsystem an und kann schwere Schäden verursachen: Gewebezerstörung, starke Schwellungen, Muskelschmerzen, Übelkeit, Herzrhythmusstörungen – im schlimmsten Fall sogar den Tod. Deshalb gilt: Abstand halten! Diese Schlange sollte auf keinen Fall provoziert oder berührt werden.
Ein lautloser Jäger der Nacht
Sie ist nachtaktiv. In der Dunkelheit geht sie auf Beutefang und macht Jagd auf Vögel, Amphibien, Reptilien und kleine Säugetiere. Am Tag hingegen ruht sie meist zusammengerollt auf einem Ast. Ihr kurzer, aber kräftiger Schwanz ermöglicht es ihr, sich selbst an dünnen Zweigen sicher festzuhalten – ein beeindruckendes Beispiel für evolutionäre Anpassung.
Weit verbreitet, aber trotzdem schützenswert
Diese beeindruckende Schlange ist in mehreren Regionen Südostasiens zu finden: im äußersten Süden Thailands, auf der malaiischen Halbinsel, in Borneo, Sumatra und weiteren kleineren indonesischen Inseln. In Borneo wurde sie sogar in Höhenlagen von über 1.100 Metern gesichtet – ein Rekord für diese Art.
Ihr bevorzugter Lebensraum sind tropische Wälder, vor allem Gebiete mit Bambusdickicht und niedrigen Sträuchern entlang von Flüssen. Trotz ihres gefährlichen Rufs ist die Sumatra-Bambusotter laut der Weltnaturschutzunion (IUCN) derzeit als „nicht gefährdet“ eingestuft.
Faszinierend und wichtig für das Ökosystem
Auch wenn eine Begegnung mit dieser Schlange Respekt einflößt, darf man nicht vergessen: Sie ist ein wichtiger Teil des Ökosystems. Als geschickte Jägerin trägt sie zur natürlichen Regulierung von Tierpopulationen bei. Ihr Erhalt ist daher entscheidend für das ökologische Gleichgewicht.
Unser unerwartetes Zusammentreffen mit dieser außergewöhnlichen Schlange war ein eindrucksvolles Erlebnis – ein weiterer Beweis dafür, wie vielfältig und faszinierend das Leben im Dschungel sein kann. Und eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, auch den weniger beliebten Bewohnern der Wildnis Schutz zu gewähren.
Ihre Spende hilft, die Biodiversität in den Regenwäldern Borneos zu erhalten.
Das Verhältnis zu Schlangen ist bei vielen Menschen vor allem durch Angst geprägt. Und das ist durchaus berechtigt. Denn aufgeschreckte Schlangen verteidigen sich gegen Raubtiere oder Bedrohungen wie den Menschen, was durchaus lebensbedrohliche Folgen haben kann. Unsere Post-Release-Monitoring-Teams (PRM) leben mitten im Regenwald, in Hotspots der Artenvielfalt. Da gehören auch Schlangen zu ihren direkten Nachbarn und Begegnungen mit teilweise sehr giftigen Exemplaren sind immer möglich.
Aus diesem Grund hat BOS in Zusammenarbeit mit der indonesischen Snake Sioux Foundation kürzlich eine Schulung zum richtigen Umgang mit Schlangen im Camp Nles Mamse in unserem Auswilderungswald Kehje Sewen (Ost-Kalimantan) für die PRM-Teammitglieder durchgeführt. Dabei konnten die Schulungsteilnehmer eine Menge über Schlangen und den richtigen Umgang mit ihnen erfahren.
Was passiert, wenn die Schlange zuschnappt? Auch darüber wurde unser Team aufgeklärt
So lernte unser Team, dass Schlangen je nach Stärke und Art ihres Giftes in drei Gruppen eingeteilt werden: neurotoxisch (giftig für das Nervensystem), hämotoxisch (Gift, das die Blutzellen schädigt) und zytotoxisch (Gift das Gewebe und Zellen schädigt). Aus jeder dieser Gruppen gibt es in Indonesien endemische Schlangen mit schwachem bis zu sehr starkem Gift, wie z. B. Kobras und Vipern.
Wie kann man sicher mit Schlangen umgehen?Und welcher Griff ist der richtige?
Wissen gibt Sicherheit
Während der Schulung wurde unseren PRM-Teammitgliedern beigebracht, wie sie die unterschiedlichen Schlangen identifizieren und bei Bedarf sicher mit ihnen umgehen können. Denn je besser sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Lebensgewohnheiten, Verhaltensweisen und potenziellen Gefahren der verschiedenen Schlangenarten auskennen, umso besser können sie bei möglichen Begegnungen reagieren.
Die Dendrelaphis caudolineatus ist recht verbreitet und ungiftig
Doch was tun, wenn es mal zum Äußersten kommt und ein Teammitglied von einer Schlange gebissen wird? Auch das wurde in der Schulung vermittelt. Denn erste Hilfe in so einem Notfall ist in den entlegenen Regenwaldcamps noch entscheidender.
Wie versorgt man einen Schlangenbiss? Unsere PRM-Mitarbeiter erfuhren es von den ExpertenAm Ende erhielten alle Teilnehmer an der Schulung ein Zertifikat
Mit einer Spende unterstützen Sie unsere Arbeit für die Orang-Utans und ihren Lebensraum.
Kalimantan ist der indonesische Name für die Insel Borneo, der drittgrößten Insel der Welt nach Grönland und Neuguinea. Kalimantan ist auch Heimat der Borneo-Orang-Utans, die sie sich mit unzähligen anderen Tierarten teilen. Viele von ihnen sind nicht minder bedroht als unsere rothaarigen Verwandten. Wir stellen hier in loser Reihenfolge immer wieder einige dieser faszinierenden Geschöpfe vor.
Die Grüne Peitschennatter (Ahaetulla prasina)
Die Schönheit und die besonderen Merkmale vieler Tier- und Pflanzenarten des Waldes sind oft Teil ihres Verteidigungsmechanismus, um sie vor Beutejägern zu schützen, oder Teil ihrer Fähigkeit, Beute zu jagen. Auch die Grüne Peitschennatter ist eine solche Kreatur.
In Südasien nicht nur im Regenwald verbreitet: Die Grüne Peitschennatter
Sie zeichnet sich durch ihren pfeilartig zugespitzten Kopf und ihren langen (bis zu zwei Meter), schlanken Körper aus. Ihre leuchtend grüne Farbe hilft ihr, sich im Blätterdickicht des Regenwaldes und im Gebüsch zu tarnen.
Gut getarnt unterwegs
Man findet sie in ganz Südostasien, wo sie tagsüber und während der Dämmerung in den Bäumen aktiv ist. Sie bevorzugt Primär- und Sekundärwälder im Flachland, Plantagen und Gebüsche.
Ausreichend giftig
Das Gift der Grünen Peitschennatter ist nicht sehr stark und hat keine oder nur geringe Auswirkungen auf den Menschen. Aber es reicht aus, um kleine Beutetiere zu schwächen. Sie ernährt sich von kleinen Tieren wie Fröschen, Vögeln, Echsen (v. a. Geckos) und anderen Schlangen, selten auch von Nagetieren und Vogeleiern. Ihre ein bis zwölf Junge bringt sie lebend zu Welt.
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