Orang-Utan-Moni­to­ring im Regen­wald von Borneo

Orang-Utan-Moni­to­ring im Regen­wald von Borneo

Auf Expe­di­tion mit dem Biodi­ver­si­täts-Team im Kehje Sewen Wald: Jeder Schritt verfolgt dasselbe Ziel – sicher­zu­stellen, dass der Wald bleibt und alles Leben darin weiterhin einen Ort hat, an den es zurück­kehren kann.

Unter dem dichten Blät­ter­dach des Kehje Sewen Waldes beginnt für eine Gruppe von Menschen noch vor Sonnen­auf­gang der Tag. Sie packen Verpfle­gung in ihre Ruck­säcke, über­prüfen ihre Ausrüs­tung. Wenig später brechen sie auf. Zu Fuß hinein in den Regen­wald von Ost Kali­mantan auf Borneo – einen Biodi­ver­si­täts-Hotspot und wich­tigen Lebens­raum für Orang-Utans.

Sie sind nicht auf der Suche nach Aben­teuern, sondern nach Erkennt­nissen. Denn bei der Gruppe handelt es sich um das Biodi­ver­si­täts-Team der BOS-Wald­schutz­firma Resto­rasi Habitat Oran­gutan Indo­nesia (RHOI). Ihre Aufgabe: Orang-Utans beob­achten, Nester doku­men­tieren und Daten über die Arten­viel­falt des Waldes sammeln.

Ranger im BOS-Wald Kehje Sewen
Unter dem dichten Blät­ter­dach des Kehje Sewen Waldes

Dafür unter­nimmt das Team regel­mäßig lange Märsche durch den Regen­wald, streift durch unweg­sames Gelände, nimmt Regen und schweiß­trei­bende Hitze in Kauf. Denn ihre Arbeit ist entschei­dend dafür, ob geret­tete und ausge­wil­derte Orang-Utans lang­fristig in Frei­heit über­leben können. Und ob der Kehje Sewen Regen­wald ihnen als Lebens­raum erhalten bleibt.

Arten­schutz auf Borneo: Team­ar­beit im Regenwald

Die Expe­di­tion beginnt am frühen Morgen. Zunächst macht sich das Team auf den Weg zum Basis­lager, das im Wald­ge­biet der PT-RHOI-Konzes­sion liegt. Der Weg dorthin ist lang. Während sie durch den Wald laufen, spre­chen die Team­mit­glieder über andere Kolle­ginnen und Kollegen, die den Einsatz über Flüsse mit Booten unter­stützen. Viele Menschen sind betei­ligt, damit Expe­di­tionen sicher durch­ge­führt werden können und Mate­rial zuver­lässig ankommt. Natur- und Arten­schutz funk­tio­niert nur gemeinsam.
Erst am späten Nach­mittag errei­chen sie den Lager­platz. Zelte werden aufge­baut, Essen gekocht, die Arbeit für den nächsten Tag bespro­chen.
Acht Personen gehören zur Expe­di­tion: vier Beobachter:innen, zwei Navi­ga­toren, die zugleich Wege frei­schlagen, und zwei Mitar­bei­tende, die im Camp bleiben und sich um Verpfle­gung kümmern.

Moni­to­ring von Orang-Utans und Biodiversität

Die Aufgaben sind klar verteilt. Das Post Release Moni­to­ring (PRM) Team doku­men­tiert Orang-Utan-Nester und erfasst verschie­dene Para­meter wie Nest­höhe, Baum­höhe, Stamm­durch­messer, Umwelt­be­din­gungen. Das Rese­arch-and-Biodi­ver­sity-Team sammelt Daten über Vogel­arten an fest­ge­legten Beobachtungspunkten.

Ranger im BOS-Wald Kehje Sewen
Mit Klemm­brett im Regen­wald: Das Biodi­ver­si­täts­team sammelt Daten

Jede dieser Beob­ach­tungen liefert wich­tige Infor­ma­tionen über den Zustand des Waldes und darüber, wie gut sich die ausge­wil­derten Orang-Utans an ihr Leben in Frei­heit ange­passt haben.
Kehje Sewen ist eines der Schutz­ge­biete, in denen die BOS Foun­da­tion reha­bi­li­tierte Orang-Utans auswil­dert. Gemeinsam mit der Wald­schutz­firma RHOI setzt sich die Orga­ni­sa­tion auch für den Erhalt und die Wieder­her­stel­lung von Regen­wald – den Lebens­raum der Orang-Utans – ein.

Schwie­rige Wege durch den Regen­wald von Ost-Kalimantan

Am nächsten Morgen beginnt für das Team die eigent­liche Arbeit. Ihr erstes Ziel ist Tran­sek­tion L1, eine neue Route für Moni­to­ring-Akti­vi­täten. Schnell wird klar, dass der Weg schwie­riger ist als erwartet. Die Pfade sind sehr schmal, müssen immer wieder zuerst frei gemacht werden. Die Navi­ga­toren gehen voraus und öffnen die Route, während die übrigen Team­mit­glieder aufmerksam die Umge­bung beobachten.

Ranger im BOS-Wald Kehje Sewen
Navi­ga­toren öffnen die Trek­king­routen im unweg­samen Gelände

Das Gelände ist unwegsam, die Gruppe bewegt sich teil­weise am Fluss­ufer entlang, dann wieder steigt sie steile Hänge hinauf. Gegen 15 Uhr errei­chen sie das Ende der Tran­sek­tion. Plötz­lich verän­dert sich das Wetter. Starker Wind kommt auf, kurz darauf setzt heftiger Regen ein. Aus Sicher­heits­gründen entscheidet das Team, die Beob­ach­tung abzu­kürzen und zum Camp zurückzukehren.

Ein riesiges Farn­feld wird zur Herausforderung

Auch am folgenden Tag bricht das Team erneut früh­mor­gens auf, eine andere Beob­ach­tungs­route durch den Kehje Sewen steht auf dem Exkur­si­ons­plan. Anfangs wirkt die Strecke einfa­cher. Doch mitten im Wald stößt das Team auf ein riesiges Farn­feld, einge­bettet in steiles Terrain. Kurz halten sie inne und bewun­dern die außer­ge­wöhn­liche Szenerie.
Dann geht es weiter – nur wie? Das GPS zeigt den Weg direkt durch die dicht an dicht stehenden, meter­hohen Farne. Die Navi­ga­toren versu­chen, eine alter­na­tive Route zu finden, doch das Terrain ringsum ist unwegsam und gefähr­lich. So entscheidet sich das Team für den Weg durch das Feld.
Mit der schweren Ausrüs­tung auf dem Rücken, müssen sich die Ranger durch schmale Lücken zwischen den Pflanzen schlän­geln. Stunden vergehen. Und das Ende des Farn­feldes ist noch immer nicht in Sicht.
Als es 15 Uhr wird, steht fest: Die Tran­sek­tion kann an diesem Tag nicht abge­schlossen werden. Schweren Herzens entscheidet sich das Team zur Umkehr, um das Basis­lager zu errei­chen, bevor es dunkel wird.

Warum Regen­wald­schutz und Orang-Utan-Schutz so wichtig sind

Der Tag endet mit Erschöp­fung und Enttäu­schung. Doch auch das gehört zur Arbeit im Regen­wald dazu. Denn Regen­wald­schutz und Arten­schutz besteht nicht nur aus Erfolgen. Nicht jede Route kann beendet werden, nicht jedes Ziel wird erreicht.
Die BOS-Teams sind es gewohnt, sich immer wieder auf schwie­rige Bedin­gungen einzu­stellen: auf Wetter­um­schwünge und unweg­sames Gelände, auf lange Wege und Rück­schläge. Trotzdem setzen sie ihre Arbeit fort.
Denn jedes erfasste Orang-Utan-Nest, jede Vogel­be­ob­ach­tung, jede Baum­kar­tie­rung, kurz: jeder Daten­satz, zahlt ein in die Bemü­hungen, den Wald als Lebens­raum zu bewahren.

Orang-Utan im BOS-Wald Kehje Sewen
Die Expe­di­tion ist wichtig, um den Lebens­raum der Orang-Utans zu schützen

Oder wie das Team selbst es beschreibt: Jeder Schritt im Wald verfolgt dasselbe Ziel – sicher­zu­stellen, dass der Wald bleibt und alles Leben darin weiterhin einen Ort hat, an den es zurück­kehren kann.

Jetzt den Schutz der Orang-Utans und ihres Lebens­raums unterstützen

Die Arbeit der Teams im Kehje Sewen Regen­wald zeigt, wie aufwendig und wichtig der Schutz von Orang-Utans und tropi­schem Regen­wald ist. Jede Unter­stüt­zung hilft dabei, Moni­to­ring, Wald­schutz und Auswil­de­rungs­pro­gramme lang­fristig fortzuführen.

Unter­stützen Sie unsere Teams dabei? Jede Spende hilft!

Nasen­affen im Kehje Sewen Wald: eine Begeg­nung mit den ende­mi­schen Primaten Borneos

Nasen­affen im Kehje Sewen Wald: eine Begeg­nung mit den ende­mi­schen Primaten Borneos

Zu einer beson­deren Begeg­nung kam es, als unsere Ranger im Kehje Sewen Wald in Ost-Kali­mantan auf Patrouille waren. Während des Einsatzes gelang es dem Team, einen der ende­mi­schen Primaten Borneos zu beob­achten, der für seine auffal­lend lange Nase bekannt ist: den Nasenaffen.

Der Nasen­affe (Nasalis larvatus) gehört zu den welt­weit am leich­testen wieder­zu­er­ken­nenden Primaten. Sein auffäl­ligstes Merkmal ist die lange, herab­hän­gende Nase, die beson­ders bei männ­li­chen Tieren stark ausge­prägt ist. Diese einzig­ar­tige Nase spielt eine Rolle bei der Laut­kom­mu­ni­ka­tion und soll außerdem dabei helfen, Weib­chen anzulocken.

Nasen­affen auf Borneo: eine ende­mi­sche Primatenart

Das Fell der Nasen­affen ist auf dem Rücken rötlich-braun bis orange gefärbt, während die Bauch­seite der Tiere meist heller ist. Ihre hellen Gesichter verleihen ihnen einen charak­te­ris­ti­schen Ausdruck. Im Vergleich zu vielen anderen Affen­arten sind Nasen­affen relativ groß. Ihre Körper­länge beträgt, ohne den langen Schwanz mit einzu­be­rechnen, bereits 60 bis 75 Zentimeter.

Nasenaffen
Ein präch­tiges Exem­plar im Regen­wald von Borneo | Foto: Martina Baral

Ein weiteres bemer­kens­wertes Merkmal ist ihr großer, rund­li­cher Bauch. Dabei handelt es sich um eine wich­tige Anpas­sung, die ihnen hilft, Blätter zu verdauen, die einen großen Teil ihrer Nahrung ausmachen.

Lebens­raum: Mangroven, Torf­sumpf­wälder und Fluss­ufer im Regenwald

Als ende­mi­sche Art kommen Nasen­affen ausschließ­lich auf der Insel Borneo vor, und zwar in den Regionen Kali­mantan, Sabah und Sarawak sowie in einem kleinen Teil Brunei Darussalams.

Nasenaffen
Nasen­affen leben auf hohen Bäumen in der Nähe von Wasser­quellen | Foto: Martina Baral

Dort leben sie typi­scher­weise in Torf­sumpf­wäl­dern, Mangro­ven­wäl­dern und Fluss­au­en­wäl­dern, denn die Primaten sind ange­wiesen auf hohe Bäume in der Nähe von Wasser­quellen, die ihnen Nahrung, Ruhe­plätze und Schutz vor Fress­feinden bieten. Gele­gent­lich kommen die Primaten aller­dings auch in Tief­land­wäl­dern vor, wenn dort ausrei­chend Wasser und dichte Vege­ta­tion vorhanden sind.

Nasenaffen
Nasen­affe, aufge­spürt im Wald von Kehje Sewen

Dass auch im Kehje Sewen Nasen­affen heimisch sind, beweist erneut, was für ein Biodi­ver­si­täts-Hotspot dieser Wald ist: ein einzig­ar­tiges Ökosystem, das nicht nur Orang-Utans, sondern auch anderen, seltenen Prima­ten­arten wie den Nasen­affen Lebens­raum bietet.

Ernäh­rung und Verhalten von Nasen­affen im tropi­schen Regenwald

Nasen­affen sind Pflan­zen­fresser, wobei junge Blätter den Haupt­be­stand­teil ihrer Nahrung ausma­chen. Darüber hinaus fressen sie Früchte, Samen und Blüten verschie­dener Waldpflanzen.

Nasenaffen
Der kugel­runde Bauch ist charak­te­ris­tisch für Nasen­affen | Foto: Martina Baral

Dass diese Prima­tenart über ein außer­ge­wöhn­li­ches Verdau­ungs­system verfügt, lässt schon ihr großer, rund­li­cher Bauch erahnen. Dieser bietet Platz für einen mehr­kam­me­rigen Magen, der es ihnen ermög­licht, faser­reiche Pflan­zen­nah­rung mithilfe mikro­bieller Fermen­ta­tion zu verdauen.

Nasen­affen leben meist in sozialen Gruppen, die typi­scher­weise aus einem erwach­senen Männ­chen, mehreren Weib­chen und deren Nach­wuchs bestehen. Sie sind tagaktiv und bewegen sich geschickt durch die Baum­kronen des Waldes. Außerdem gelten sie als hervor­ra­gende Schwimmer und können Flüsse über­queren, um zwischen verschie­denen Revieren zu wechseln.

Fort­pflan­zung und Sozialverhalten

Inner­halb der sozialen Gruppen führt in der Regel ein domi­nantes erwach­senes Männ­chen mehrere Weib­chen an. Die Fort­pflan­zung ist nicht streng an eine bestimmte Jahres­zeit gebunden. Nach einer Trag­zeit von etwa 166 Tagen bringt das Weib­chen norma­ler­weise ein einzelnes Jung­tier zur Welt.

Nasenaffen
Nasen­affen leben in einem Fami­li­en­ver­band | Foto: Martina Baral

Neuge­bo­rene Nasen­affen besitzen bläu­liche Gesichter und dunk­leres Fell als erwach­sene Tiere. In den ersten Lebens­mo­naten sind die Jung­tiere stark von ihren Müttern abhängig, bevor sie nach und nach lernen, selbst Nahrung zu suchen und mit anderen Grup­pen­mit­glie­dern zu interagieren.

Warum der Schutz der Nasen­affen und ihres Lebens­raums so wichtig ist

Die Rote Liste der IUCN stuft den Nasen­affen derzeit als „stark gefährdet“ (Endan­gered) ein. Haupt­ur­sa­chen für den Rück­gang der Art sind der Verlust ihres Lebens­raums durch Abhol­zung, die Umwand­lung von Wald­flä­chen in Plan­tagen sowie die Frag­men­tie­rung von Wald­land­schaften.
Die Begeg­nung mit einem Nasen­affen im Kehje-Sewen-Wald ist deshalb weit mehr als nur eine Tier­be­ob­ach­tung. Sie erin­nert daran, wie wichtig der Schutz der tropi­schen Regen­wälder Borneos ist. Gemeinsam mit Orang-Utans, Wald­vö­geln und zahl­rei­chen anderen Säuge­tieren sind Nasen­affen Teil eines eng mitein­ander verwo­benen Ökosystems.

Helfen Sie uns, dieses Para­dies zu beschützen.

Orang-Utan-Mütter orga­ni­sieren Spiel­treffen für ihren Nachwuchs

Orang-Utan-Mütter orga­ni­sieren Spiel­treffen für ihren Nachwuchs

Im Gegen­satz zu anderen, in Gruppen lebenden, Primaten, durch­streifen Orang-Utans den Regen­wald die meiste Zeit ihres Lebens alleine. Neue wissen­schaft­liche Beob­ach­tungen zeigen nun: Orang-Utan-Mütter nehmen zusätz­liche Wege in Kauf und verzichten auf Zeit zur Futter­suche, damit ihre Kinder mit Gleich­alt­rigen spielen können. Auch die Post-Release Moni­to­ring-Teams von BOS beob­achten immer wieder solche Spiel­treffen zwischen ausge­wil­derten Orang-Utans.

In den Baum­kronen des Regen­waldes von Borneo begegnen sich zwei Orang-Utan-Weib­chen. Ihre Kinder lösen sich von den Müttern und nähern sich einander an. Sie beginnen mitein­ander zu spielen, hangeln und klet­tern gemeinsam, testen dabei ihre Kraft und Geschicklichkeit.

Für die Jung­tiere ist die Begeg­nung eine beson­dere Gele­gen­heit, denn Orang-Utan-Mütter bringen jeweils nur ein Junges zur Welt und ziehen es sechs bis acht Jahre lang alleine auf. In dieser Zeit versorgt und schützt die Mutter ihren Nach­wuchs und vermit­telt ihm all die Fähig­keiten, die er für ein selbst­stän­diges Leben im Regen­wald benötigt.

Warum Spiel­treffen für junge Orang-Utans so wichtig sind

Gemein­sames Spiel ist für die Entwick­lung junger Menschen­affen wichtig: Es trai­niert ihre moto­ri­schen und kogni­tiven Fähig­keiten und hilft ihnen, soziale Bezie­hungen aufzu­bauen. Orang-Utan-Mütter scheinen deshalb aktiv dafür zu sorgen, dass ihre Kinder andere junge Orang-Utans treffen können.

Darauf deutet eine im Juni 2026 veröf­fent­lichte Studie unter Leitung des Wild­tier­öko­logen Odd T. Jacobson vom Max-Planck-Institut für Verhal­tens­bio­logie hin, die noch den Peer-Review-Prozess durch­laufen soll. An der Unter­su­chung betei­ligt waren Forschende aus Deutsch­land, der Schweiz, Indo­ne­sien und den USA, deren Exper­tise Bewe­gungs­öko­logie, Verhal­tens­bio­logie, Prima­to­logie, Kogni­ti­ons­for­schung, Ernäh­rungs­öko­logie und Orang-Utan-Lang­zeit­for­schung verbindet.

Weib­liche Orang-Utans suchen der Studie zufolge gezielt Gebiete auf, in denen andere Mütter mit ähnlich altem Nach­wuchs leben. Dabei zeigte sich den Forschenden ein deut­li­ches Muster: Bereits vor den späteren Spiel­be­geg­nungen bewegten sich die Mütter in Rich­tung bestimmter Nach­ba­rinnen. Anschlie­ßend führten ihre Wege wieder zurück. Das spricht dagegen, dass sich die Primaten ledig­lich zufällig begegneten.

Studie zeigt: Orang-Utan-Mütter planen Wege für Playdates

Auch das jewei­lige Nahrungs­an­gebot erklärte diese Bewe­gungen nicht. Die Mütter suchten die Nähe anderer Mutter-Kind-Paare unab­hängig davon, wie viele Früchte gerade verfügbar waren. Für die zusätz­li­chen Wege mussten sie zudem einen Preis zahlen: Sie verbrachten weniger Zeit mit der eigenen Nahrungsaufnahme.

Die Forschenden sehen darin einen starken Hinweis darauf, dass Orang-Utan-Mütter bei ihren tägli­chen Entschei­dungen nicht nur Schutz und Ernäh­rung, sondern auch die sozialen Bedürf­nisse ihrer Kinder berücksichtigen.

BOS Ranger beob­achten Orang-Utan-Party im Kehje Sewen Wald

Von solchen Begeg­nungen berichten auch die Post-Release Moni­to­ring (PRM) Teams von BOS. Ihre Aufgabe ist es, das Leben der reha­bi­li­tierten Orang-Utans nach der Auswil­de­rung zu beob­achten und unter anderem ihre Wege, ihre Nahrungs­suche und ihr Sozi­al­ver­halten zu dokumentieren.

Orang-Utan-Teenagers spielen im Wald
Der „Mütter-Club“ trifft sich zum Spielen: Lesan, Sayang und Teresa mit ihren drei Jungtieren

Einer Gruppe von drei Mutter-Kind-Paaren sind die PRM-Teams im Auswil­de­rungs­wald Kehje Sewen sogar mehr als einmal begegnet: Lesan, Sayang und Teresa mit ihren Kids Ayu, Padma und Berani scheinen sich regel­mäßig zur „Spiel­party“ zu treffen.

Bei einer Gele­gen­heit konnten die BOS-Ranger beob­achten, wie die drei Mütter gemeinsam in einem großen Feigen­baum saßen, während der Nach­wuchs durch das Geäst um sie herum klet­terte und hangelte, eine Art freund­schaft­li­ches Tauziehen mitein­ander spielte und sich gegen­seitig das Fell pflegte.

Was Spiel­treffen über das Sozi­al­ver­halten von Orang-Utans verraten

Die sechs­jäh­rige Ayu bewegte sich einmal sogar mit Orang-Utan-Weib­chen Sayang und ihrer etwa vier­jäh­rigen Tochter Padma ein Stück von ihrer eigenen Mutter weg zu einem benach­barten Baum, während diese ihr nur mit den Blicken folgte. Ayu verfolgte daraufhin mit großem Inter­esse, wie sich Sayang und Padma junge Blätter des Gold­pflau­men­baumes schme­cken ließen.

Padma und Ayu bei der Spiele-Party im Kehje Sewen Wald

Orang-Utan -Teenages spielen im Regenwald
Padma und Ayu bei der Spiele-Party im Kehje Sewen Wald

Einige Monate später begeg­nete das PRM-Team dem „Club der Mütter“ erneut und konnten beob­achten, wie Padma den etwa gleich­alt­rigen Berani umarmte, während sie zusammen auf einem Ast saßen. Die Orang-Utan-Kinder schienen sich in der Gesell­schaft der anderen während des Zusam­men­tref­fens sehr zufrieden und entspannt zu fühlen.

Orang-Utans leben einzel­gän­ge­risch – aber keines­wegs unsozial

Die neuen Forschungs­er­geb­nisse und auch die Erfah­rungen der BOS-Teams zeichnen ein immer diffe­ren­zier­teres Bild vom Leben der Orang-Utans. Die Menschen­affen leben zwar semi-solitär, sind jedoch keine unge­sel­ligen Einzelgänger.

Die nun vorge­legte Studie – eine Analyse von 15 Jahren Feld­daten zu 31 Mutter-Kind-Paaren – macht deut­lich, dass auch bei einer über­wie­gend einzel­gän­ge­risch lebenden Menschen­af­fenart soziale Kontakte die alltäg­li­chen Entschei­dungen prägen können. Orang-Utan-Mütter schaffen ihrem Nach­wuchs offenbar gezielt Gele­gen­heiten zum gemein­samen Spiel mit Gleich­alt­rigen und wägen dabei dessen Entwick­lungs­be­dürf­nisse gegen den eigenen Zeit- und Ener­gie­auf­wand ab. Die Forschenden sehen darin einen bislang wenig beach­teten Aspekt mütter­li­cher Fürsorge: Sie besteht nicht nur darin, Nahrung, Schutz und über­le­bens­wich­tiges Wissen zu vermit­teln, sondern kann auch bedeuten, soziale Erfah­rungen aktiv zu ermöglichen.

Orang-Utans sind faszi­nie­rende, hoch entwi­ckelte Lebe­wesen, über deren Verhalten und Zusam­men­leben wir noch längst nicht alles wissen. Umso wich­tiger ist es, sie und ihren Lebens­raum zu schützen – damit wir auch künftig von ihnen lernen können.

Otan der Entde­cker: Wie sich ein ausge­wil­derter Orang-Utan im Regen­wald zurechtfindet

Otan der Entde­cker: Wie sich ein ausge­wil­derter Orang-Utan im Regen­wald zurechtfindet

Nach seiner Auswil­de­rung im November 2025 verschwand Orang-Utan Otan schnell im Regen­wald des Bukit Baka Bukit Raya-Natio­nal­parks auf Borneo. Als das Post-Release Moni­to­ring-Team ihn dann schließ­lich endlich wieder einmal entdeckte, zeigte sich: Otan hat sich erfolg­reich an sein Leben in Frei­heit angepasst.

November 2025 markierte das glück­liche Finale einer zehn­jäh­rigen Reha­bi­li­ta­tion: Das junge Orang-Utan-Männ­chen Otan war im Februar 2015 gerettet worden, hatte in der BOS-Wald­schule alles gelernt, was er für ein Leben in Frei­heit brauchte, durfte 2023 auf die Voraus­wil­de­rungs­insel Bangamat umziehen und wurde schließ­lich im Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park ausge­wil­dert.

Seitdem war Otan aus dem Blick­feld verschwunden

Für unsere Ranger ist das zunächst nichts Unge­wöhn­li­ches. Ausge­wil­derte Orang-Utans sollen selbst­ständig leben. Und je unab­hän­giger sie werden, desto seltener lassen sie sich beob­achten.
Trotzdem blieb Otan Gesprächs­thema im Team: Wie kam er wohl in seinem neuen wilden Zuhause zurecht? Gelang es ihm, genü­gend Nahrung zu finden? Wo versteckte er sich? Die Antworten auf diese Fragen lagen irgendwo im dichten Regen­wald am Bemban-Fluss…

Wieder­sehen mit dem ausge­wil­derten Orang-Utan

Der Morgen­nebel hing noch über den Baum­kronen, als das PRM-Team eine seiner übli­chen Patrouillen begann. Die Ranger kontrol­lierten Nahrungs­bäume, suchten nach Spuren von Wild­tieren und über­prüften Bereiche, die häufig von ausge­wil­derten Orang-Utans besucht werden.
Nichts deutete darauf hin, dass dieser Tag anders verlaufen würde als viele zuvor. Bis plötz­lich zwischen den Ästen, nahe dem Ufer des Bemban-Flusses, eine vertraute Silhou­ette auftauchte. Vorsichtig näherte sich unser Team und war sich schnell einig: Es ist Otan!

Orang-Utan Otan im Regenwald
Otan im Regen­wald: Viele unter­schied­liche Nahrungs­quellen zu kennen, ist überlebenswichtig

Der junge Oran-Utan-Mann pflückte in aller Ruhe die Früchte eines Sang­kuangs (Dracon­to­melon dao) und ließ sich nicht von den Menschen stören, die in ausrei­chender Entfer­nung ihren Beob­ach­tungs­posten einge­nommen hatten.

Je länger unser PRM-Team Otan beob­ach­tete, desto deut­li­cher wurde, wie sehr er sich seit seiner Auswil­de­rung verän­dert hatte.
Nicht nur war Otan ganz offen­sicht­lich gesund und in bester Verfas­sung, er bewegte sich auch selbst­si­cher und kraft­voll durch den Wald und nutzte dabei unter­schied­lichste Nahrungs­quellen. Neben Sang­kuang fraß er Früchte von verschie­denen Feigen­baum­arten, von Clusiaceae-Arten und Anno­nen­ge­wächsen sowie weitere Pflan­zen­teile wie Orchi­deen, Baum­rinde und junge Rattansprossen.

Wie Otan nach seiner Auswil­de­rung im Regen­wald lebt

In den ersten Monaten nach seiner Frei­las­sung hatte Otan den Groß­teil seiner Zeit hoch oben in den Bäumen verbracht, wo er für unsere PRM-Teams nur schwer zu beob­achten war. Nur über seinen implan­tierten Peil­sender konnte er loka­li­siert werden. Doch bei diesem Zusam­men­treffen wirkte er weitaus dyna­mi­scher: Er wech­selte immer wieder zwischen den verschie­denen Ebenen des Waldes. Mal stieg er auf den Boden hinab, klet­terte entschlossen über Sträu­cher und umge­stürzte Baum­stämme. Mal schwang er sich kraft­voll durch das Geäst der Baumriesen.

Orang-Utan Otan im Regenwald
Otan – wild und frei im Nationalpark

Im Laufe des Tages legte er rund 1.200 Meter zurück. Für Menschen mag das keine außer­ge­wöhn­liche Strecke sein. Für unser PRM-Team jedoch erzählt sie, zusammen mit den Beob­ach­tungen des Tages, eine wich­tige Geschichte: Die eines Orang-Utans, der seinen Lebens­raum kennt und sich darin sicher und ziel­ge­richtet bewegt.

Post-Release Moni­to­ring: So begleitet BOS ausge­wil­derte Orang-Utans

Damit war die Sich­tung Otans nach den vielen Wochen, in denen er abge­taucht war, eine wich­tige und wert­volle Bestä­ti­gung: Otan ist gut in seinem neuen Lebens­raum ange­kommen!
Als sich der Tag dem Ende näherte und das Licht unter dem Blät­ter­dach langsam schwä­cher wurde, kam auch Otan langsam zur Ruhe. Schließ­lich begann er, hoch oben in einem Baum Äste und Blätter zu verweben. Routine für einen wilden Orang-Utan – er baut sein Schlaf­nest für die Nacht.

Warum diese Beob­ach­tung für den Orang-Utan-Schutz wichtig ist

Für unser PRM-Team endete damit ein beson­ders erfolg­rei­cher Tag. Denn beim Post-Release Moni­to­ring geht es nicht darum, einen Orang-Utan wieder­zu­sehen.
Es geht darum, sich durch Beob­ach­tung davon zu über­zeugen, dass der von BOS geret­tete Orang-Utan während seiner Reha­bi­li­ta­tion tatsäch­lich alle Fähig­keiten entwi­ckelt hat, die er für ein selb­stän­diges Leben braucht. Dass er nach seiner Auswil­de­rung das freie und wilde Leben führt, für das er einst geboren wurde.
An diesem Tag am Bemban-Fluss lieferte Otan dafür einen eindrucks­vollen Beweis.

Otans Geschichte zeigt, was möglich wird, wenn Rettung, Reha­bi­li­ta­tion und Regen­wald­schutz zusam­men­wirken. Mit Ihrer Spende helfen Sie dabei, weiteren Orang-Utans den Weg zurück in die Frei­heit zu ermög­li­chen und ihren Lebens­raum lang­fristig zu schützen.

Indi­gene Gemein­schaften stärken – Regen­wald, Arten­viel­falt und tradi­tio­nelles Wissen bewahren

Indi­gene Gemein­schaften stärken – Regen­wald, Arten­viel­falt und tradi­tio­nelles Wissen bewahren

Der Schutz des Regen­waldes und der Orang-Utans geht nicht ohne die Menschen, die seit Gene­ra­tionen in und mit dem Wald leben. Indi­gene Gemein­schaften und lokale Dorf­be­wohner verfügen über ein einzig­ar­tiges Wissen über die Natur und spielen eine entschei­dende Rolle für den Erhalt der biolo­gi­schen Vielfalt.

BOS arbeitet deshalb eng mit indi­genen Gemein­schaften und lokalen Dörfern in Zentral- und Ost-Kali­mantan zusammen. Ziel ist es, die Menschen vor Ort dabei zu unter­stützen, ihre Wälder nach­haltig zu schützen, tradi­tio­nelle Kennt­nisse zu bewahren und gleich­zeitig ihre Lebens­grund­lagen lang­fristig zu sichern.

Der Regen­wald ist Lebens­raum, Apotheke und kultu­relles Erbe

Für indi­gene Gemein­schaften ist der Regen­wald weit mehr als ein Ort zum Leben. Er versorgt sie mit Nahrung, Bauma­te­ria­lien und sauberem Wasser. Gleich­zeitig ist er eine natür­liche Apotheke und bewahrt jahr­hun­der­te­altes Wissen über Heil­pflanzen und ihre Anwendung.

Regenwald auf Borneo Luftaufnahme
Regen­wald auf Borneo: eine Schatz­kammer der Natur

Doch viele dieser Gemein­schaften stehen unter zuneh­mendem Druck. Abhol­zung, groß­flä­chige Land­nut­zungs­än­de­rungen und unklare Land­rechte gefährden sowohl den Regen­wald als auch die Menschen, die von ihm abhängig sind.
Deshalb unter­stützt BOS rund 30 Gemeinden dabei, ihre Rechte an tradi­tio­nellen Wald­ge­bieten zu stärken, lokale Orga­ni­sa­tionen und Dorf­ge­mein­schaften auszu­bauen, natür­liche Ressourcen nach­haltig zu nutzen und den Regen­wald aktiv zu schützen und zu bewirt­schaften.
Natur­schutz bedeutet dabei nicht nur den Erhalt von Tier- und Pflan­zen­arten, sondern auch die Siche­rung der Lebens­grund­lagen der Menschen, die diese Wälder seit Gene­ra­tionen bewahren.

Tradi­tio­nelles Wissen über mehr als 100 Pflanzenarten

Gemeinsam mit den Gemeinden wurden bislang rund 115 einhei­mi­sche Pflan­zen­arten doku­men­tiert. Dazu gehören Heil­pflanzen, Nutz­pflanzen sowie andere Wald­pro­dukte, die nicht der Holz­ge­win­nung dienen.

Parijoto (Medinilla speciosa)
Die Früchte der Pari­joto (Medi­nilla speciosa) sind für ihre starke anti­oxi­da­tive Wirkung, ihren Reichtum an Vitamin C und ihre entzün­dungs­hem­mende Wirkung bekannt. Sie sind reich an Flavo­no­iden, Tanninen und Sapo­ninen. Tradi­tio­nell werden sie zur Senkung des Chole­ste­rin­spie­gels, als natür­li­ches Heil­mittel bei Durch­fall und zur Linde­rung von Mund­ge­schwüren verwendet.

Diese Pflanzen sind weit mehr als eine wissen­schaft­liche Bestands­auf­nahme. Sie stehen für leben­diges Wissen, das über Gene­ra­tionen weiter­ge­geben wurde und bis heute im Alltag Anwen­dung findet.

Melinjo hutan (Gnetum gnemon)
Melinjo hutan (Gnetum gnemon) ist äußerst viel­seitig nutzbar: Die Kerne sind nahr­haft, reich an Stärke, Mine­ra­lien und den Vitaminen A und C. Sie können gekocht und als Gemüse verwendet werden. Die Samen, die eine anti­mi­kro­bielle Wirkung haben, werden geröstet, zu dünnen Plätz­chen geklopft, getrocknet und dann frit­tiert. Diese Chips sind als Emping bekannt. Die jungen Blätter und die Zapfen können als Gemüse zube­reitet werden. Der Saft der Blätter gilt als Heil­mittel bei Augen­krank­heiten und aus der fase­rigen Borke werden seewas­ser­be­stän­dige Seile, Netze und Angel­schnüre hergestellt. 

Die Wurzel­pflanze Akar Kuning (Fibraurea tinc­toria) wird tradi­tio­nell zur Behand­lung von Entzün­dungen und Infek­tionen einge­setzt und gilt als stär­kend für das Immun­system.
Kelakai (Stenoch­laena palus­tris), ein Farn aus den Sumpf­wäl­dern Borneos, wird aufgrund seines hohen Eisen­ge­halts tradi­tio­nell zur Vorbeu­gung von Blut­armut genutzt. Darüber hinaus werden ihm fieber­sen­kende, anti­bak­te­ri­elle und anti­oxi­da­tive Eigen­schaften zuge­schrieben. Auch bei der Wund­hei­lung sowie zur Unter­stüt­zung stil­lender Mütter spielt die Pflanze eine wich­tige Rolle.

Nach­hal­tige Entwick­lung durch den Schutz natür­li­cher Ressourcen

Die nach­hal­tige Nutzung von Heil­pflanzen und anderen Wald­pro­dukten schafft neue Perspek­tiven für die Menschen vor Ort. Indem tradi­tio­nelles Wissen doku­men­tiert und weiter­ge­geben wird, entstehen zugleich umwelt­ver­träg­liche Einkommensmöglichkeiten.

Matan tingan (Baccaurea deflexa)
Die indi­genen Gemein­schaften schätzen Matan tingan (Bacca­urea deflexa) vor allem wegen seiner essbaren Früchte. Die runden Früchte besitzen im Inneren Samen, die von einem saftigen, meist oran­ge­far­benen Frucht­mantel umgeben sind. Aufgrund der Beliebt­heit der Frucht wird der Baum von der Land­be­völ­ke­rung nicht nur im Regen­wald geerntet, sondern gezielt in Forst­gärten kulti­viert. Neben den Menschen dient die Pflanze auch der Tier­welt Borneos als wich­tige Nahrungs­quelle. Auch beim Orang-Utan stehen die Früchte auf dem Speiseplan.

So verbindet der Schutz des Regen­waldes ökolo­gi­sche, soziale und wirt­schaft­liche Ziele mitein­ander. Wenn die Menschen, die vom Wald leben, faire Mitspra­che­rechte und Zukunfts­per­spek­tiven erhalten, profi­tieren sowohl die Natur als auch kommende Generationen.

Natur­schutz funk­tio­niert nur gemeinsam

Der lang­fris­tige Schutz des Regen­waldes gelingt nur gemeinsam mit den Menschen, die ihn seit Jahr­hun­derten kennen und bewahren. Deshalb setzt BOS auf einen inklu­siven Natur­schutz­an­satz, bei dem indi­gene Gemein­schaften und lokale Bevöl­ke­rung zu zentralen Part­nern werden.
Sie tragen nicht nur zum Erhalt der Wälder und der Arten­viel­falt bei, sondern bewahren auch wert­volles tradi­tio­nelles Wissen über Heil­pflanzen und nach­hal­tige Ressour­cen­nut­zung – Wissen, das ange­sichts globaler Heraus­for­de­rungen wie Klima­wandel und Biodi­ver­si­täts­ver­lust heute wich­tiger ist denn je.

Der Schutz der Orang-Utans, der Erhalt des Regen­waldes und die Stär­kung der Menschen vor Ort gehören untrennbar zusammen. Denn nur ein gesunder Wald kann dauer­haft Leben, Arten­viel­falt und Zukunft sichern.

Mit Ihrer Spende unter­stützen Sie auch diesen Aspekt der Arbeit von BOS.

Drei Tage mit Orang-Utan-Mutter Manggo: Lebens-Lektionen im Regen­wald von Borneo

Drei Tage mit Orang-Utan-Mutter Manggo: Lebens-Lektionen im Regen­wald von Borneo

Unser Post-Release Moni­to­ring (PRM) Team konnte Orang-Utan-Mutter Manggo mit ihrem Nach­wuchs Melki drei Tage im Schutz­wald Bukit Batikap beob­achten. Was auf den ersten Blick nach Alltag aussieht, gibt den Orang-Utan-Experten tiefe Einblicke in das soziale Lernen der Wald­men­schen – und wert­volles Wissen für die künf­tige Reha­bi­li­ta­tion, Auswil­de­rung und Schutzarbeit.

Oft erzählt der Regen­wald von Borneo seine Geschichten ganz leise. Man muss genau hinschauen und hinhören. Etwa wenn eine Orang-Utan-Mutter nahezu unsichtbar in den Baum­kronen sitzt, mit leisem Rascheln eine Frucht pflückt, von jungen Blät­tern nascht oder Termiten aus einem morschen Baum­stamm sammelt. Dazwi­schen immer wieder ruhig und sicher von Ast zu Ast klet­tert. Und dabei ganz dicht von ihrem Jung­tier begleitet wird, das jede Bewe­gung beob­achtet.
Im Schutz­wald Bukit Batikap in Zentral-Kali­mantan auf Borneo hat unser PRM-Team drei Tage lang eine solche Geschichte beob­achtet: die von Manggo und ihrem Kind Melki.

Warum das Moni­to­ring ausge­wil­derter Orang-Utans so wichtig ist

Als das PRM-Team die beiden während einer Moni­to­ring-Patrouille entdeckte, saßen sie auf einem Sang­kuang-Baum (Dracon­to­melon dao) und futterten Früchte. Das Jung­tier Melki wurde erst­mals 2019 von unserem Team gesichtet und ist inzwi­schen rund sieben Jahre alt. Mama Manggo lebt seit mitt­ler­weile 13 Jahren wild und frei im Regen­wald von Bukit Batikap. Sie wurde im Februar 2013 gemeinsam mit ihrer Mutter Markisa der jüngeren Schwester Uli ausge­wil­dert.

Orang-Utan Manggo im Regenwald
Stark und frei: Orang-Utan Manggo lebt seit 2013 im Bukit Batikap Wald

Manggos Start ins Leben war alles andere als gewöhn­lich: Obwohl sie ihre ersten Lebens­jahre bei BOS verbrachte, hatte sie das große Glück, gemeinsam mit ihrer Mutter aufwachsen zu können. Denn Manggo wurde auf einer der Voraus­wil­de­rungs­in­seln geboren. Von Mutter Markisa lernte sie, sicher zu klet­tern, Schlaf­nester zu bauen und essbare Früchte und Blätter im Regen­wald zu erkennen.

Vom Rettungs­zen­trum in die Frei­heit: Manggos Weg zurück in den Regenwald

Schon vor ihrer Auswil­de­rung fiel Manggo dem BOS-Team als neugierig, aktiv und wiss­be­gierig auf. Jeden Tag erkun­dete sie den Wald aufs Neue. Sie galt als wenig domi­nant und äußerst anpas­sungs­fähig. Ein Orang-Utan, der Situa­tionen gut einschätzen kann.
Heute bekommen diese Eigen­schaften eine neue Bedeu­tung: Manggo gibt ihr Wissen als Mutter an Melki weiter. In den drei Tagen der Beob­ach­tung bewies die Orang-Utan-Dame dem PRM-Team, dass sie ganz genau weiß, was sie tut — wie sicher sie sich im Wald bewegt, Nahrung findet und ihr Jung­tier anleitet.

Was junge Orang-Utans von ihren Müttern lernen

Die erste Beob­ach­tung der BOS-Ranger begann um die Mittags­zeit. Manggo und Melki saßen im Sang­kuang-Baum und futterten genüss­lich dessen Früchte. Das PRM-Team konnte die Beob­ach­tung bis zum Einbruch der Dunkel­heit fort­setzen, als sich die beiden ein Schlaf­nest für die Nacht bauten. Der Tag der beiden Orang-Utans war vor allem von der Nahrungs­suche bestimmt. Melki blieb dabei immer dicht bei der Mutter und imitierte ihr Fressverhalten.

Orang-Utan-Kind Melki im Regenwald
Melki ist heute etwa sieben Jahre alt – fast schon bereit für ein eigen­stän­diges Leben

Am zweiten und dritten Tag beglei­tete das Team Manggo und Melki vom Verlassen des Morgen­nestes bis zum Bau des neuen Nacht­quar­tiers. Der wissen­schaft­liche Begriff dafür ist die Nest-zu-Nest-Methode.

Wieder domi­nierte das Fressen den Tages­ab­lauf. Manggo suchte und fraß Sang­kuang-Früchte, Hampa­ning-Früchte, Umbut (junge Palm­triebe), junge Lunuk-Blätter und Termiten. Wieder bewegte sich Melki an der Seite ihrer Mutter. So zeigte sich drei Tage lang ein ruhiges, stetiges Bild: eine Mutter, die ihren Alltag im Wald meis­tert, und ein Jung­tier, das Schritt für Schritt begreift, wie dieser Alltag funktioniert.

Orang-Utan-Manggo im Regenwald
Manggo bedient sich am Regen­wald­buffet. Der Spei­se­plan frei­le­bender Orang-Utans ist äußerst vielseitig

Dabei bewiesen die beiden, wie viel­fältig der Spei­se­plan eines Orang-Utans im Regen­wald sein kann. Für die Reha­bi­li­ta­tion eines geret­teten Orang-Utans sind diese Kennt­nisse einer der Indi­ka­toren, ob der Primat bereit ist für die Auswil­de­rung. Manggo hat diese Kennt­nisse zwar direkt von ihrer Mutter erlernt, diese jedoch war selbst erst als Vier­jäh­rige aus ille­galer Haus­tier­hal­tung gerettet worden. In der BOS-Wald­schule wurde sie während zahl­rei­cher Lektionen auf ihr Leben als wilder, freier Orang-Utan vorbereitet.

Nahrungs­suche als Über­le­bens­trai­ning für junge Orang-Utans

Beob­ach­tungen wie diese sind für das Moni­to­ring nach einer Orang-Utan-Auswil­de­rung beson­ders wert­voll: Sie zeigen nicht nur, wo sich einzelne Tiere aufhalten. Sie geben darüber hinaus wich­tige Hinweise auf Akti­vi­täts­muster, Ernäh­rung, Gesund­heits­zu­stand und darauf, wie gut der reha­bi­li­tierte Orang-Utan an seinen Lebens­raum ange­passt ist.
Bei Mutter-Kind-Paaren kommt ein weiterer wich­tiger Aspekt hinzu: das soziale Lernen der nächsten Generation.

Drei Tage mit Manggo und Melki zeigen deshalb mehr als einen Ausschnitt aus dem Leben zweier frei­le­bender Orang-Utans im Regen­wald von Borneo. Sie zeigen, warum Orang-Utan-Rettung, Reha­bi­li­ta­tion, Auswil­de­rung, Moni­to­ring und Wald­schutz zusam­men­ge­hören. Nur wenn ihr Lebens­raum geschützt bleibt, kann die Geschichte von Manggo und Melki weiter­gehen – von einer Orang-Utan-Gene­ra­tion zur nächsten.

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