Wieder­auf­fors­tung: Wie der KJ7 Wald (Kehje Sewen) zum sicheren, nach­hal­tigen Lebens­raum für Orang-Utans wird

Wieder­auf­fors­tung: Wie der KJ7 Wald (Kehje Sewen) zum sicheren, nach­hal­tigen Lebens­raum für Orang-Utans wird

Es ist nur ein Detail, doch dieses spielt eine Schlüs­sel­rolle bei der erfolg­rei­chen Wald­re­ge­ne­ra­tion und Wieder­auf­fors­tung: Die Auswahl der besten und gesün­desten Mutter-Bäume für die Gewin­nung der Samen, aus denen die Setz­linge gezogen werden. Das RHOI-Team gewährt uns Einblicke in die Arbeit im Regen­wald auf Borneo.


Der Name Kehje Sewen – intern gern mit KJ7 abge­kürzt – bedeutet in der lokalen Dayak-Wehea-Sprache „Heimat der Orang-Utans“. Seit 2012 wildern wir geret­tete und reha­bi­li­tierte Orang-Utans nach KJ7 aus. Und bereits seit 2010 – das Jahr, in dem die BOS-Wald­schutz­firma RHOI die Konzes­sion zur Wieder­her­stel­lung des Ökosys­tems erhielt – sind wir mit der Wieder­her­stel­lung des Ökosys­tems in dem 86.450 Hektar großen Wald­schutz­ge­biet befasst.


Es ist ein lang­fris­tiger, eng mitein­ander verfloch­tener Prozess, für den das RHOI-Team und das Team für Habi­tat­ma­nage­ment und ‑entwick­lung seit inzwi­schen 16 Jahren verant­wort­lich sind. Zentraler Bestand­teil ist die gezielte Aufwer­tung des Habi­tats – also des unter den Schutz von RHOI gestellten Regen­waldes. Dazu gehört die Wieder­an­pflan­zung von Setz­lingen, die in der Baum­schule im Bereich des Moni­to­ring-Camps heran­ge­zogen wurden, auf mehreren offenen Flächen.


Das RHOI-Team sucht und doku­men­tiert die besten Mutterbäume


Um passende Mutter­bäume zu finden, deren Samen die besten Setz­linge für die Wieder­auf­fors­tung bieten können, haben die Teams eine Exkur­sion tief in den Kehje Sewen Wald unter­nommen. Es ist ein ausge­dehntes Scou­ting nach gesunden, ausge­wach­senen, quali­tativ hoch­wer­tigen Bäumen, und das auf anspruchs­vollem Gelände.

Das Team von BOSF sucht nach Mutter-Bäumen für die Gewinnung von Samen, aus denen Setzlinge gezogen werden sollen.
Das Team von BOSF sucht nach Mutter-Bäumen für die Gewin­nung von Samen, aus denen Setz­linge gezogen werden sollen.


Der Wald wird gezielt mit Nahrungs­bäumen für Orang-Utans angereichert


Jeder poten­ziell als Samen­lie­fe­rant infrage kommende Baum wurde vom Scou­ting-Team sorg­fältig geprüft. Die künf­tigen Mutter­bäume mussten klar defi­nierten Krite­rien entspre­chen: ein gerader Stamm, eine dichte Krone, keine Anzei­chen von Krank­heiten sowie ein nach­weis­li­cher Frucht­an­satz mit Arten, die von Orang-Utans bevor­zugt werden – darunter Vertreter der Gattungen Ficus, Arto­carpus sowie weitere bedeu­tende Nahrungshölzer.


War ein geeig­neter Baum iden­ti­fi­ziert, hielt das Team inne, um detail­lierte Daten zu erfassen. Höhe und Stamm­durch­messer wurden gemessen, der allge­meine Gesund­heits­zu­stand doku­men­tiert und die GPS-Koor­di­naten fest­ge­halten, damit der Baum künftig wieder­ge­funden werden kann. Diese Daten­grund­lage bildet die Basis für eine geplante, nach­hal­tige Saat­gut­samm­lung – durch­ge­führt mit größter Sorg­falt, ohne das umlie­gende Ökosystem zu beein­träch­tigen.
Die Arbeit barg so manche Heraus­for­de­rung: steiles Gelände, vom tropi­schen Regen rutschiger Boden, dorniges Unter­holz und die Dichte des Regen­waldes stellten die Ausdauer des Teams auf die Probe. Doch jeder erfolg­reich iden­ti­fi­zierte Mutter­baum brachte neue Moti­va­tion. Diese Bäume werden künftig eine Schlüs­sel­rolle spielen: als Nahrungs­quelle und Lebens­raum nicht nur für Orang-Utans, sondern auch für zahl­reiche andere Wildtiere.


Samen für die Auffors­tung werde nach­haltig aus dem Wald geholt


Einige Samen hat das Scou­ting-Team bereits von seiner Expe­di­tion zurück in die Baum­schule mitge­bracht. Dort werden sie vermehrt und sorg­fältig gepflegt. Sobald die Setz­linge ausrei­chend kräftig gewachsen sind, werden sie in Wald­flä­chen gepflanzt, die einer vege­ta­tiven Anrei­che­rung bedürfen. Auf diese Weise schließt sich in naher Zukunft der Kreis­lauf: aus dem Wald gewonnen, in der Baum­schule heran­ge­zogen und schließ­lich wieder in den Wald zurückgebracht.

Orang-Utan Auswilderung im Schutzwald von Kehje Sewen
Der Kehje Sewen Schutz­wald ist die Heimat von 135 ausge­wil­derten Orang-Utans und elf wild gebo­renen Babys


Mit dieser Abfolge von Maßnahmen verfolgen die Teams im Rahmen des RHOI-Programms das Ziel, den Kehje Sewen Wald als funk­ti­ons­fä­higen, natür­li­chen Lebens­raum wieder­her­zu­stellen, der das Über­leben von Orang-Utans dauer­haft sichern kann. Jeder doku­men­tierte Mutter­baum steht dabei für eine lang­fris­tige Inves­ti­tion in die Nach­hal­tig­keit des Ökosys­tems. 135 geret­tete und reha­bi­li­tierte Orang-Utans aus dem Rettungs­zen­trum Samboja Lestari konnte BOS bereits in den Kehje Sewen Wald auswil­dern. Elf Jung­tiere haben dort das Licht der Welt erblickt.

Jede Spende hilft. Den Orang-Utans und dem Regenwald. 

Orang-Utan-Weib­chen Moza: Gerettet aus Kuwait – heute Mutter im Regenwald

Orang-Utan-Weib­chen Moza: Gerettet aus Kuwait – heute Mutter im Regenwald

Der globale Wild­tier­handel gehört zu den größten Gefahren für bedrohte Tier­arten. Auch Orang-Utans fallen dem ille­galen Geschäft zum Opfer: Jung­tiere werden aus den Regen­wäl­dern gerissen und weit entfernt von ihrem natür­li­chen Lebens­raum als exoti­sche Haus­tiere oder in touris­ti­schen Attrak­tionen gehalten. Meist mit tragi­schem Ende. Moza konnten wir retten. Ihre Geschichte macht uns Mut, weiter für die Rettung der vom Aussterben bedrohten Art und gegen den ille­galen Tier­handel zu kämpfen.

Das zweite Leben von Moza beginnt am 13. September 2015 in Kuwait, tausende Kilo­meter von ihrer Heimat im Regen­wald von Borneo entfernt. An diesem Tag tritt das Orang-Utan-Mädchen ihre Heim­reise nach Indo­ne­sien an. Sie konnte aus ille­galer Haltung gerettet werden – die genauen Umstände, wie sie ihre Mutter verlor und in die Hände des Privat­be­sit­zers gelangt war, werden wir jedoch nie erfahren.
Die enge Zusam­men­ar­beit zwischen der indo­ne­si­schen Botschaft in Kuwait und dem indo­ne­si­schen Umwelt- und Forst­mi­nis­te­rium ermög­licht es schließ­lich, alle orga­ni­sa­to­ri­schen und büro­kra­ti­schen Hürden zu nehmen. Moza darf ausreisen. Sie bekommt eine neue Chance auf das Leben, das ihr eigent­lich zusteht.

Der tatsäch­lich Weg zurück in den Regen­wald ist viel länger

Etwa zwei Jahre alt ist Moza, als sie nach Indo­ne­sien zurück­kehrt. In diesem Alter würde sie norma­ler­weise mit ihrer Mutter durch den Regen­wald streifen. Ein unzer­trenn­li­ches Duo. Denn von ihren Müttern lernen Jung­tiere alle, was sie zum Über­leben brau­chen.
Und deshalb ist der erste Tag von Mozas neuem Leben zugleich der erste Schritt einer langen Reise, an dessen Ende – so hoffen es ihre Retter, denn Gewiss­heit kann es zu diesem Zeit­punkt noch nicht geben – ein Leben in Frei­heit steht.

Orang-Utan-Baby Moza bei ihrer Rettung aus Kuwait
Moza bei ihrer Rettung aus Kuwait: noch ein Baby, das eigent­lich zu seiner Mutter gehört


Nach ihrer Ankunft in Indo­ne­sien wird Moza zunächst im Taman Safari Indo­nesia in Cisarua bei Bogor unter Quaran­täne gestellt. Tier­ärz­tinnen und Tier­ärzte unter­su­chen das junge Orang-Utan-Weib­chen gründ­lich. Die gute Nach­richt: Sie ist gesund­heit­lich in einem stabilen Zustand.

Moza ist gesund und darf die Wald­schule der Orang-Utans besuchen

Nach absol­vierter Quaran­täne kommt Moza in unser Rettungs­zen­trum in Nyaru Menteng, Zentral Kali­mantan, und beginnt mit dem Besuch der Wald­schule. Über viele Jahre hinweg lernen die geret­teten Orang-Utan-Waisen­kinder in der BOS-Wald­schule all die Dinge, die sie sonst von ihren Müttern gelernt hätten.
Dazu gehört das Hangeln und Klet­tern hoch oben in den Baum­kronen und das Bauen von Schlaf­nes­tern ebenso wie das Erkennen dutzender unter­schied­li­cher Wald­früchte, Blätter und Wurzeln sowie anderer Nahrungs­quellen wie etwa Honig oder Termiten.
Während die jungen Orang-Utans die Wald­schule besu­chen, werden sie liebe­voll begleitet von ihren mensch­li­chen Ersatz­müt­tern und ihre körper­liche Entwick­lung genau­es­tens vom BOS-Vete­ri­närs­team beobachtet.

Eine aufmerk­same und intel­li­gente Schü­lerin: Moza fällt früh auf

Trotz ihrer trau­ma­ti­schen Erfah­rungen passt sich die kleine Moza schnell an ihre neue Umge­bung an und fühlt sich offen­sicht­lich wohl in der Wald­schule, die sie mit etwa gleich­alt­rigen Orang-Utan-Kindern besucht. Es dauert nicht lange, da fällt sie den Baby­sit­te­rinnen als beson­ders aufmerksam und lern­fähig auf.
Rund vier Jahre verbringt Moza in der Wald­schule. Während dieser Zeit entwi­ckelt sie Schritt für Schritt die Fähig­keiten, die sie als wilder, frei lebender Orang-Utan benö­tigen wird.
Es kommt der Tag, an dem sich das BOS-Team – ihre Ersatz­mütter und die Vete­ri­näre – sicher ist: Moza ist bereit für den nächsten Schritt!

Bereit für ein Leben in Frei­heit? Das wird die Wald-Univer­sität zeigen!

2019 wird Moza auf eine soge­nannte Voraus­wil­de­rung­s­innsel gebracht. Diese Inseln dienen als wich­tige Zwischen­sta­tion auf dem Weg zur Auswil­de­rung. Hier können reha­bi­li­tierte Orang-Utans deut­lich freier leben als zuvor: Sie erkunden den Wald selbst­ständig, suchen ihre Nahrung, bewegen sich ohne mensch­liche Anlei­tung durch die Baum­kronen, bauen abends eigen­ständig Schlafnester.

Auf der Insel wächst eine starke junge Orang-Utan-Dame heran

Orang-Utan Motza und Ihr Baby am Wasser

Auf der Voraus­wil­de­rungs­insel beob­achtet das BOS-Team Mozas Entwick­lung weiterhin regel­mäßig, aller­dings mit deut­lich größerem Abstand als während der inten­siven Trai­nings­phase in der Wald­schule.
Mit der Zeit wächst aus dem einst aus Kuwait geret­teten Jung­tier eine junge Erwach­sene heran, die sich in Quasi-Frei­heit bestens zurecht findet. Und dann beginnt – mehr als ein Jahr­zehnt nach ihrer Rück­kehr nach Indo­ne­sien – ein neues Kapital in Mozas Leben.

Eine neue Gene­ra­tion im Regen­wald: Moza wird Mutter

Auf der Voraus­wil­de­rungs­insel Kaja Island lebt Moza inzwi­schen nicht mehr allein: Sie ist still und leise Mutter geworden! An ihrer Seite hat das BOS-Moni­to­ring-Team einen Orang-Utan-Jungen entdeckt, der etwa drei, viel­leicht auch schon vier Jahre alt ist. Moza ist heute geschätzte 15 bis 16 Jahren alt, eine ausge­wach­sene Orang-Utan-Dame. Ihren Sohn hat das Team Minho getauft.
Bei einer ihrer Beob­ach­tungs­fahrten sieht das Team Mutter und Jung­tier oben in den Baum­wip­feln: In etwa fünf Metern Höhe sitzt Moza auf einem Ast und isst junge, frisch gepflückte Blätter. Ganz in ihrer Nähe sitzt Minho und ahmt ihr Verhalten nach. Nachdem die beiden auf diesem Baum fertig gegessen haben, bewegen sie sich langsam weiter durch das Blät­ter­dach des Waldes, bis sie schließ­lich aus dem Sicht­feld der Menschen verschwinden.

Der kleine Minho lernt von seiner Orang-Utan-Mutter

An einem anderen Tag kann das Moni­to­ring-Team eine Szene beob­achten, die ihnen wieder einmal vor Augen führt, wie eng Orang-Utan-Mütter und ihr Nach­wuchs mitein­ander verbunden sind.
Moza und Minho verbringen einen warmen Nach­mittag am Wasser. Gemeinsam gehen sie zum Ufer und beginnen, im flachen Wasser zu spielen. Für den kleinen Minho ist das Spiel jedoch mehr als nur eine Abküh­lung: Indem Mama Moza ihrem Sohn erlaubt, seine Umge­bung und die Eigen­schaften des Wassers zu erkunden, vermit­telt sie ihm wich­tige Fähig­keiten für sein späteres Leben.
Nach dem Bad besu­chen Mutter und Sohn die Fütte­rungs­platt­form der Insel, auf der das BOS-Team Früchte bereit gestellt hat. Auf der Voraus­wil­de­rungs­insel leben die Orang-Utans zwar quasi-wild und frei, doch das Nahrungs­an­gebot ist aufgrund der Größe der Insel einge­schränkt. Zusätz­lich zum selbst gesuchten Futter erhalten die Tiere daher noch ergän­zende Nahrung – heute zum Beispiel Melone und Papaya. Schnell verzehren Moza und Minho die Früchte, bevor sie wieder im Wald verschwinden. Während der gesamten Zeit an der Platt­form, so die Beob­ach­tung des BOS-Teams, bleibt Minho dicht an der Seite seiner Mutter.

Orang-Utan-Baby-Minho bewegt sich nie weit von seiner Mutter fort, beobachtet sie stets ganz genau
Minho bewegt sich nie weit von seiner Mutter fort, beob­achtet sie stets ganz genau


Eine Reha­bi­lia­tion und Auswil­de­rung ist möglich

Mozas Geschichte zeigt, was im Kampf um jedes einzelne Orang-Utan-Leben möglich ist und dass es durchaus Hoff­nung gibt. Sie zeigt aber auch, wie viel Aufwand nötig ist, um ein geret­tetes Tier zurück in den Regen­wald zu bringen.
Heute zieht Moza selbst ein Jung­tier groß und das ist das größte Hoff­nungs­zei­chen für den Schutz der vom Aussterben bedrohten Art. Es zeigt, dass geret­tete Orang-Utans mit der rich­tigen Unter­stüt­zung wieder Teil einer natür­li­chen Popu­la­tion werden können. Doch braucht es dafür, für jeden einzelnen der vielen Schritte im Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess, Fach­wissen und enga­gierte Teams im Artenschutz.

Hoff­nung für die nächste Gene­ra­tion von Orang-Utans

Unter dem Blät­ter­dach von Kaja Island wachsen nun zwei Gene­ra­tionen heran. Und mit ihnen wächst die Hoff­nung, dass Geschichten wie die von Moza keine Einzel­fälle bleiben. Sie zeigt uns, dass Arten­schutz und Enga­ge­ment einen Unter­schied bewirken können.

So sieht Hoffnung aus: die nächste Orang-Utan-Generation wächst heran
So sieht Hoff­nung aus: die nächste Orang-Utan-Gene­ra­tion wächst heran


Um erfolg­reich gegen die Wild­tier­mafia agieren zu können, muss das Problem jedoch an der Wurzel bekämpft werden. Anläss­lich der Rück­füh­rung Mozas aus Kuwait sagte Dr. Jamartin Sihite, CEO der BOS Foun­da­tion: „Trotz unseres großen Erfolges hinsicht­lich der Rettung aus Kuwait besteht weiterhin ein großes Problem. Es ist wie die Spitze eines Eisbergs. Was man sieht, ist keines­wegs wie das, was sich darunter befindet. Unsere Feld­teams begegnen häufig Jägern und Wilde­rern. Wer dem ille­galen Tier­handel das Hand­werk legen möchte, muss Über­wa­chungen und Straf­ver­fol­gungen auf höchstem Niveau betreiben.“
Und auch wir selbst können dazu beitragen, dass der Wild­tier­mafia die Nach­frage wegbricht: Indem wir keine touris­ti­schen Attrak­tionen besu­chen, in denen Wild­tiere ausge­beutet werden. Und indem wir Posts auf Social Media, die die Ausbeu­tung oder Miss­hand­lung von Wild­tieren darstellen, boykot­tieren. Hier haben wir Tipps für Sie zusam­men­ge­stellt.

Ein neues Leben für Jujun: Wie geht es ihm auf der Schutzinsel?

Ein neues Leben für Jujun: Wie geht es ihm auf der Schutzinsel?

Erin­nern Sie sich an das Orang-Utan-Männ­chen Jujun, der im Dezember 2025 auf eine der Schutz­in­seln unseres Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trums Samboja Lestari umziehen durfte? Da Jujun unter einer chro­ni­schen Atem­wegs­er­kran­kung leidet, kann er nicht ausge­wil­dert werden. Die BOS-Ranger beob­achten seine ersten Wochen auf der Insel, wo er nun beinahe wild lebt.


Rund zwei Monate ist es her, dass Jujun auf die Schutz­insel Nr. 5 unseres Rettungs­zen­trums Samboja Lestari umge­zogen ist. Dort behalten unsere Ranger ihn im Blick – und seine Fort­schritte sind äußerst ermu­ti­gend. Jujun verhält sich sehr aktiv und ausge­spro­chen neugierig seiner neuen Umge­bung gegen­über. Obwohl er noch einen beträcht­li­chen Teil seiner Zeit am Boden und nicht oben in den Baum­kronen verbringt, hat Jujun nahezu das gesamte Insel­areal erkundet.

Orang-Utan-Männchen Jujun
Jujun erkundet seine neue Heimat – die Schutz­insel Nr. 5


Dieses Verhalten spie­gelt seine hohe Anpas­sungs­fä­hig­keit und sein mit der Zeit wach­sendes Selbst­ver­trauen wider. Eine derart inten­sive Erkun­dung ist ein wich­tiger Bestand­teil des Anpas­sungs­pro­zesses für nicht auswil­der­bare Orang-Utans, während sie sich an einen natur­nahen Lebens­raum gewöhnen.

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Jujuns Einge­wöh­nung auf Schutz­insel Nr. 5


Während seiner Erkun­dungs­touren zeigte Jujun auch gele­gent­lich destruk­tives Verhalten – unter anderem hat das Orang-Utan-Männ­chen zwei Pfosten aus Eisen­holz (ulin), die als Seil­ver­binder dienten, zerbro­chen.
Unsere Tier­pfleger stufen sein Verhalten jedoch als normal für einen Orang-Utan seines Alters ein: Es deutet auf die zuneh­mende Entwick­lung seiner körper­li­chen Stärke hin und ist Teil seines Lern­pro­zesses, während er sich mit den Struk­turen in seiner Insel­um­ge­bung vertraut macht.


Fress­ver­halten und soziale Interaktion


In Bezug auf die Nahrungs­auf­nahme zeigt Jujun einen sehr gesunden Appetit. Mehr­fach wurde beob­achtet, dass er sich auch an Veras Futter bediente, bevor diese ihre Portion voll­ständig aufge­fressen hatte. Diese Situa­tionen gingen jedoch nicht mit aggres­sivem Verhalten einher.

Orang-Utan-Männchen Jujun
Seine neu gewon­nene Kraft weiß das domi­nante Männ­chen noch nicht immer kontrol­liert einzusetzen


Während des gesamten Beob­ach­tungs­zeit­raums zeigte Jujun keinerlei Anzei­chen von Angriffen, Bissen oder riskantem Domi­nanz­ver­halten. Die sozialen Inter­ak­tionen zwischen Jujun und Vera blieben durchweg inner­halb sicherer und natür­li­cher Grenzen. Jujun demons­trierte eine passive Domi­nanz ohne körper­liche Aggres­sion, was auf eine insge­samt stabile soziale Entwick­lung hindeutet.


Fort­lau­fende Betreuung und Beobachtung


Rund zwei Monate nach seinem Umzug auf die Schutz­insel ist unser Moni­to­ring-Team sehr zufrieden mit Jujuns körper­li­cher Verfas­sung, seinem Erkun­dungs­ver­halten und seinen sozialen Inter­ak­tionen. Wir werden die Beob­ach­tung weiter fort­setzen um sicher­zu­stellen, dass sich sein leicht destruk­tives Verhalten sowie seine Futter­kon­kur­renz zu Vera weiterhin im normalen Rahmen bewegen und um gege­be­nen­falls früh­zeitig reagieren und eingreifen zu können.

Orang-Utan-Männchen Jujun
Die Insel ermög­licht dem nicht auswil­der­baren Jujun ein artge­rechtes, würde­volles Leben


Jujuns Weg auf Schutz­insel Nr. 5 spie­gelt unser fort­lau­fendes Enga­ge­ment wider, die Lebens­qua­lität nicht auswil­der­barer Orang-Utans zu verbes­sern. Bitte unter­stützen Sie uns dabei! 

Durch ihre Spende ermög­li­chen Sie es uns, weitere Schutz­in­seln zu bauen – denn in unserer Obhut leben derzeit rund 170 Orang-Utans, die nicht auswil­derbar sind. Auch ihnen möchten wir eine zweite Chance auf ein Leben geben, das ihrer natür­li­chen Lebens­weise so nahe wie möglich kommt.

Momo: Ein Orang-Utan-Mädchen wagt die ersten Schritte in die Autonomie

Momo: Ein Orang-Utan-Mädchen wagt die ersten Schritte in die Autonomie

Wie alle Orang-Utan-Waisen, die zu uns kommen, hatte auch das kleine Mädchen Momo keinen einfa­chen Start ins Leben. Sie wurde Mitte 2025 in einer herz­zer­rei­ßenden Aktion gemeinsam mit der Natur­schutz­be­hörde gerettet. Sechs Monate lang war sie in einen Käfig gepfercht worden, lebte als Haus­tier bei einem Dorf­be­wohner in Zentral­ka­li­mantan. Im Wald­kin­der­garten des BOS Rettungs­zen­trums darf sie nun neues Vertrauen fassen und kann hoffent­lich ihren schweren Start ins Leben vergessen.

Im Wald­kin­der­garten beginnen die jungen Orang-Utans, begleitet von mensch­li­chen Baby­sit­te­rinnen, wich­tige Lebens­kom­pe­tenzen in einer sicheren Umge­bung zu erlernen. Dies ist der erste Schritt ihrer Reha­bi­li­ta­tion, an deren Ende im besten Fall die Auswil­de­rung in einen sicheren, geschützten Wald steht.
Ähnlich wie bei mensch­li­chen Klein­kin­dern zeigen sich auch bei den Orang-Utans früh die ersten Züge ihrer Persön­lich­keit – und Momo bildet hier keine Ausnahme. Sie beweist bereits jetzt, dass sie keine stille Beob­ach­terin ist, sondern eine echte Entdeckerin.

Getrieben von starker Neugier


Eines ist sicher: Mit ihrer Neugier und Entde­ckungs­lust sticht Momo schnell aus der Gruppe der kleinsten Orang-Utans heraus. In der Wald­schule wandert sie oft weiter weg als die anderen, völlig vertieft in die Erkun­dung ihrer Umge­bung. Sie kennen das bestimmt von Klein­kin­dern: Manchmal müssen Erwach­sene eine Sache fünfmal wieder­holen, um über­haupt wahr­ge­nommen zu werden. Ganz ähnlich sieht es bei Momo aus. Unsere Ersatz­mütter müssen oft sehr laut rufen, um sicher­zu­stellen, dass Momo sie wirk­lich hört, wenn es Zeit für einen Obst-Snack ist oder die Gruppe sich wieder zusam­men­finden soll.

Doch trotz ihres großen Drangs nach Auto­nomie sucht Momo am Ende des Tages immer noch Gebor­gen­heit. Wenn sie von ihren Erkun­dungs­reisen zurück­kehrt, signa­li­siert sie ihrer Ersatz­mama das ein oder andere Mal, dass sie zurück zum Gehege getragen werden möchte. In diesen Momenten wird deut­lich: Sie ist doch noch ein Baby, das Trost, Sicher­heit und viel Liebe braucht.

Jedes Orang-Utan-Kind muss lernen, Grenzen zu setzen


Momo hat zudem begonnen, bewusster Grenzen zu setzen. Wenn sie auf fremde Personen trifft – das medi­zi­ni­sche Personal einge­schlossen – hält sie lieber Abstand. Nähert sich jemand zu sehr, wirft sie gele­gent­lich mit kleinen Zweigen; ein klares Zeichen für ihren Wunsch, in Ruhe gelassen zu werden.

Orang-Utan-Mädchen Momo

Vermut­lich ist Momo nicht allein auf dieses Verhalten gekommen, sondern hat sich einiges von ihrem ehema­ligen Klas­sen­ka­me­raden Rumba abge­guckt. Rumba drückte seine Abnei­gung gegen engen Kontakt oft auf die gleiche Weise aus. Diese Beob­ach­tung unter­streicht, wie junge Orang-Utans durch soziales Lernen Signale und Verhal­tens­weisen von ihren Artge­nossen über­nehmen. Das ist ein wesent­li­cher Teil ihrer emotio­nalen und sozialen Entwicklung.

Nicht nur Nia hat Probleme mit den Augen


Ähnlich wie Nia hatte auch Momo mit einem kleinen gesund­heit­li­chen Problem zu kämpfen: Um ihre Augen wurden winzige Läuse oder Milben gefunden. Glück­li­cher­weise scheint Momo dadurch nicht weiter beein­träch­tigt zu sein; sie geht ihren tägli­chen Akti­vi­täten mit dem gewohnten Eifer nach.

Die Ersatz­mütter und das medi­zi­ni­sche Team haben bereits präven­tive Maßnahmen einge­leitet. Eine medi­zi­ni­sche Salbe wird vorsichtig auf ihre Augen­lider aufge­tragen, um die Para­siten zu besei­tigen und deren Vermeh­rung zu verhin­dern. Durch eine enge Über­wa­chung stellen wir sicher, dass Momo genau die Pflege erhält, die sie benö­tigt, während sie ihre Lern­fort­schritte fortsetzt.

Mit Fürsorge, Vertrauen und Mitge­fühl wachsen

Was ist unser Ziel für Momo? Sie soll eines Tages zu einer über­le­bens­fä­higen Orang-Utan-Mutter heran­wachsen, die nach ihrer Auswil­de­rung zum Erhalt ihrer Art beitragen kann. Der Weg dorthin wird lang und manchmal holprig sein, doch wir sind uns sicher: Mit dem besten Baby­sitter-Team, das wir uns nur vorstellen können, ist das möglich.

Orang-Utan-Mädchen Momo

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, schauen Sie sich die neue 360-Grad-Arte-Repor­tage an.

Jeden Tag kommt Momo einem Leben als wider­stands­fä­higer, wilder Orang-Utan einen Schritt näher. Bitte unter­stützen Sie das kleine Orang-Utan-Mädchen auf ihrem Weg in die Freiheit!

„Ein magi­scher Moment“ – Hannah Emde über die Frei­heit der Orang-Utans

„Ein magi­scher Moment“ – Hannah Emde über die Frei­heit der Orang-Utans

Im November 2025 hatte die BOS Foun­da­tion ganz beson­deren Besuch auf Borneo: Hannah Emde, Tier­ärztin, Arten­schüt­zerin und Vorsit­zende von Nepada Wild­life e.V., ein Verein, der sich leiden­schaft­lich für den Schutz und die Wieder­her­stel­lung der Biodi­ver­sität einsetzt – zum Wohle von Natur und Mensch.
Der Grund für ihre Reise war eine Produk­tion für die ZDF-Reihe “Terra X: Faszi­na­tion Erde”, die sich unter anderem mit dem welt­weiten Wild­tier­handel beschäf­tigt. Im Zuge der Dreh­ar­beiten durfte Hannah Emde an der außer­ge­wöhn­li­chen Auswil­de­rung von Orang-Utan-Weib­chen Kapuan teil­nehmen.
Kapuan war eines von 48 Tieren, die nach jahre­langem Miss­brauch in Thai­land 2006 nach Indo­ne­sien zurück­ge­holt wurden. Nach fast 20 Jahren Reha­bi­li­ta­tion im BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng und einer Zeit auf der Voraus­wil­de­rungs­insel Badak Kecil war es endlich so weit: Mit 25 Jahren kehrte Kapuan im November 2025 in den Regen­wald des Natio­nal­parks Bukit Baka Bukit Raya zurück.

Wir haben Hannah Emde in Berlin getroffen, um über diese bewe­gende Reise zu sprechen.

BOS: Hannah, was war für Dich das Beson­dere an dieser Reise zu den Orang-Utans?
Hannah Emde: Das Beson­dere war, den gesamten Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess hautnah mitzu­er­leben. Es geht ja nicht nur um diesen einen Moment, in dem man den Käfig öffnet und der Orang-Utan in die Frei­heit klettert.

Hannah Emde hilft mit ihrer tiermedizinischer Expertise bei der Vorbereitung der Auswilderungskandidaten
©Hannah Emde

Dahinter stecken fast 20 Jahre Vorbe­rei­tung! Ich habe von den Mitar­bei­tenden gelernt, was es wirk­lich bedeutet, ein Tier zu retten, es aufzu­nehmen und Schritt für Schritt zu reha­bi­li­tieren. Der krönende Abschluss war dieser 30-stün­dige Trip tief in den Dschungel, um die „fertigen“ Kandi­daten zu entlassen. Das war magisch – ein für mich einma­liges Erlebnis.

BOS: Was war der schönste und was der trau­rigste Moment Deiner Reise?
Hannah Emde: Das ist schwierig zu trennen. Der trau­rigste Moment war defi­nitiv, als ich Kapuans Geschichte hörte. Zu erfahren, was sie durch­ge­macht hat – wie sie in Thai­land unter furcht­baren Bedin­gungen zur Schau gestellt wurde –, das war abartig. Als ich das hörte, kamen mir die Tränen. Umso schöner war es dann, mit ihr gemeinsam auf dem kleinen Boot Rich­tung Regen­wald zu fahren. Zu wissen: Kapuan ahnt noch nichts von ihrem Glück, aber in wenigen Minuten lässt sie all das Leid hinter sich und beginnt ihre zweite Chance in Frei­heit. Dieser Gedanke war wunderschön.



Unser TV Tipp für Sie:


Sie können die komplette Doku­men­ta­tion mit Hannah Emde ab sofort in der ZDF-Media­thek ansehen. Die TV-Ausstrah­lung erfolgt am Sonntag, 29.03.2026, 19:30 Uhr im ZDF.


BOS: Wie hast Du die lange Reise in den Dschungel erlebt?
Hannah Emde: Die Reise war eine echte Heraus­for­de­rung. Nachdem die Tiere verladen waren, lagen zwölf Stunden Auto­fahrt über holp­rige Pisten vor uns. Wir sind bewusst nachts gefahren, um kein Aufsehen in den Dörfern zu erregen. Kapuan war hinten auf dem Pick-up – eine völlig absurde Vorstel­lung, wenn man bedenkt, dass man da gerade mit drei Orang-Utans durch die Zivi­li­sa­tion fährt.

Hannah Emde bei der Bootsfahrt zur Orang-Utan-Auswilderungsstelle
©Hannah Emde

Wir waren alle todmüde, aber an Schlaf war nicht zu denken. Das Tier­ärzte-Team war rund um die Uhr im Einsatz, wir hielten alle paar Stunden, um die Tiere zu füttern und zu tränken. Nach der Auto­fahrt ging es acht Stunden mit kleinen Booten den Fluss hinauf. Es war laut, heiß, es regnete anfangs – unfassbar anstren­gend. Aber der Primär­wald im Natio­nal­park ist umwer­fend: Uralte, riesige Bäume, die über den Fluss ragen. Ich hatte das Gefühl, dass auch Kapuan in ihrer Trans­portbox merkte, dass wir dem Ziel näher­kamen. Die Anspan­nung in mir stieg, und dann waren alle Stra­pazen plötz­lich vergessen.

BOS: Welchen Eindruck hattest Du vom Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng?

Hannah Emde: Was mir sofort auffiel: Man sieht dort erst einmal keinen einzigen Orang-Utan. Und genau so soll es in einer profes­sio­nellen Station sein! Die Bereiche sind streng abge­schirmt und liegen verteilt in den Wäldern: der Kinder­garten, die Wald­schule und die „Uni“ auf der Auswil­de­rungs­insel sind räum­lich getrennt.

Das Team vor Ort hat mich als Kollegin mit offenen Armen empfangen. Man merkt sofort, dass die Menschen dort für den Schutz der Tiere leben. Es herrscht eine unglaub­lich herz­liche Atmo­sphäre. Ein unbe­zahl­barer Moment war es, morgens bei der Wald­schule dabei zu sein: Wenn die Tür aufgeht und die Kleinen losstürmen, jeder auf seine eigene Art: Manche gehen zu dritt einge­hakt, andere laufen an der Hand der Pfleger. Das war einfach nur witzig und berührend.

©Hannah Emde

BOS: Baby­sit­terin bei BOS – für viele ein abso­luter Traumjob. Auch für Dich?

Hannah Emde: Ich verstehe den Reiz, aber ich glaube, es ist ein knall­harter Job. Ich habe selbst gesehen, was es bedeutet, die kleinen Orang-Utans zu betreuen und ihnen alles beizu­bringen. Die können auch mal rabiat sein, beißen oder verstehen nicht sofort, dass sie vorsichtig sein müssen. Es bleiben wilde Tiere. Man muss 24/7 unter harten klima­ti­schen Bedin­gungen – 30 Grad und extreme Luft­feuch­tig­keit – für sie da sein. Und das Schlimmste ist die emotio­nale Belas­tung: Es bricht einem das Herz, wenn man merkt, dass ein Tier sich zu sehr an Menschen gewöhnt hat und viel­leicht nie ausge­wil­dert werden kann. Denn das größte Ziel ist eigent­lich, sie nie wieder­sehen zu müssen, weil sie in die Frei­heit gehören.

BOS: Wo siehst Du die größte Heraus­for­de­rung bei der Arbeit von BOS?
Hannah Emde: Genau in dieser Ambi­va­lenz: Die Kleinen brau­chen die Nähe und die Bezugs­per­sonen, um zu lernen. Gleich­zeitig sollen sie später in der Wildnis den Menschen meiden, weil wir für Wild­tiere meis­tens eine Gefahr darstellen. Diesen schmalen Grat zu wandern, ist eine enorme Leis­tung des Perso­nals. Auch für mich als Tier­ärztin war es oberste Prio­rität, Distanz zu wahren. So nied­lich sie auch sind: Ich durfte nie aktiv auf sie zugehen, sondern musste immer meinen Abstand wahren, um ihre natür­liche Scheu nicht zu gefährden.


Das „süße“ Leid: Warum die Geschichte vom Makaken-Baby Punch nicht lustig ist

Das „süße“ Leid: Warum die Geschichte vom Makaken-Baby Punch nicht lustig ist

In den letzten Tagen gab es in den sozialen Netz­werken kaum ein Entkommen vor diesen Bildern: Ein winziges Makaken-Baby klam­mert sich verzwei­felt an einen Plüsch-Orang-Utan von IKEA. Die Rede ist von Punch, einem jungen Affen aus dem Ishi­kawa Zoo in Japan. Millionen Menschen liken, teilen und kommen­tieren die Aufnahmen. Doch was auf den ersten Blick wie eine herz­er­wär­mende Geschichte über Freund­schaft und Rettung wirkt, ist bei genauerem Hinsehen ein trau­riges Zeugnis unseres gestörten Verhält­nisses zu Wildtieren.

Der Weg vom Makaken-Baby Punch zum viralen Star

Makaken-Baby Punchs Start ins Leben war hart. Er wurde im vergan­genen Sommer geboren und kurz darauf von seiner Mutter verstoßen. Da kleine Makaken ein extremes Bedürfnis nach Körper­kon­takt haben, versuchten die Tier­pfleger die Lücke zu füllen – erst mit Hand­tü­chern, später mit dem mitt­ler­weile berühmten Stoff­tier. Da die Inte­gra­tion in seine Artge­nos­sen­gruppe nicht reibungslos funk­tio­nierte, wurde der Plüsch-Orang-Utan zu seinem einzigen Anker.

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Die Folge? Ein beispiel­loser Hype. Der IKEA-Affe war in Japan binnen kürzester Zeit ausver­kauft, und Besu­cher nahmen stun­den­lange Fahrten auf sich, um einen Blick auf das „süße“ Duo zu werfen. Eine perfekte Marke­ting-Kampagne für den Zoo und das Möbel­haus – doch der Preis dafür ist hoch.

Die gefähr­liche Vermensch­li­chung vom Makaken-Baby Punch

Wenn wir Primaten sehen, die Klei­dung tragen oder mit Spiel­zeug inter­agieren, verlieren wir den Blick für ihre wahre Natur. Wir hören auf, sie als Wild­tiere zu respek­tieren, und beginnen, sie als Projek­ti­ons­fläche für unsere eigenen Emotionen zu nutzen.

Der Exotic Pet Trade: Die Schat­ten­seite des Hypes ließ nicht lange auf sich warten. Es gingen bereits die ersten Kauf­an­ge­bote für Punch ein. Solche viralen Geschichten sind die beste Gratis-Werbung für den (oft ille­galen) Handel mit exoti­schen Haustieren.

KI und Desinformation

In Zeiten von künst­li­cher Intel­li­genz werden solche realen Vorlagen genutzt, um Deepf­akes oder KI-gene­rierte Bilder von Wild­tieren in „süßen“, mensch­li­chen Settings zu erstellen. Das norma­li­siert den Besitz von Affen als Haus­tiere und befeuert eine Indus­trie, die auf Tier­leid basiert.

Baby Makake Punch mit IKEA Plüsch-Orang-Utan

Wenn Verhal­tens­stö­rungen bei Primaten als „süß“ verkauft werden

Dass ein Primat eine Bindung zu einem Objekt aus Stoff aufbauen muss, ist kein Zeichen von Nied­lich­keit, sondern ein Symptom einer schweren Entwick­lungs­stö­rung. Es ist eine „Red Flag“, ein Warn­si­gnal für fehlende soziale Struk­turen und natür­liche Instinkte.

Orang-Utan Jelapat kurz vor seiner Befreiung


Prima­to­logen sind sich einig: Je weniger Kontakt Wild­tiere zu Menschen und mensch­li­chen Gegen­ständen haben, desto besser für sie. Nur in der Abwe­sen­heit mensch­li­cher Einflüsse können sie lernen, in einer sozialen Gruppe zu bestehen und ihre natür­li­chen Instinkte zu entwi­ckeln. Alles andere dient nicht dem Tier­wohl, sondern allein dem mensch­li­chen Egozen­trismus und dem Verlangen nach Unterhaltung.

Fazit: Empa­thie als Werkzeug

Wir finden die Geschichte von Punch weder süß noch lustig. Sie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie mensch­liche Empa­thie instru­men­ta­li­siert wird, um Reich­weite zu gene­rieren. Während die Welt über das Bild eines klam­mernden Affen­babys lächelt, wird das eigent­liche Leid und die daraus resul­tie­rende Gefahr für den Arten­schutz ignoriert.

Erfahren Sie hier wie Sie mit verant­wor­tungs­vollem Reisen, Wilderei und ille­galen Wild­tier­handel verhin­dern können.