Zwei Nach­richten, die traurig machen

Zwei Nach­richten, die traurig machen

Ein Kommentar vom BOS-Geschäfts­führer Daniel Merdes

Zwei Nach­richten in 24 h haben mich traurig und wütend gemacht. Dauer­thema Zoos: Gestern verstarb die Bonobo Dame Margit mit über 70 Jahren im Frank­furter Zoo. Das Medi­en­echo war groß, aber es ging primär um ihr „rekord­ver­däch­tiges“ Alter (Deutsch­land, Land der Rekorde…) und um die große Trauer des Zoos. Die wirk­liche Nach­richt musste ich suchen, denn Margit war eine der letzten Wild­fänge und wurde mit ca. 10 Jahren in Afrika gefangen und verbrachte wohl über 6 Jahr­zehnte expo­niert in ihrer Zooan­lage. Konnte sie sich noch an ihre Zeit in Frei­heit erin­nern? Wäre sie auch im Kongo so alt geworden bzw. hätte sie die Wahl gehabt, für was hätte sie sich entschieden? Langes Leben versus kürzeres Leben, dafür aber im Regen­wald? Diese Fragen beschäf­tigten mich gestern Nacht, und nun muss ich gleich heute Morgen lesen, dass im Basler Zoo zwei Orang-Utans verstorben sind. Nach dem tragi­schen Verlust ihrer Mutter wurde das ledig­lich vier Tag altes Orang-Utan Baby, und hier lesen Sie richtig: einge­schlä­fert. Im nächsten Satz wird sogar das schwie­rige Wort „Eutha­nasie“ benutzt.

“Vor der Eutha­nasie habe man sich mit den Zucht­buch­ver­ant­wort­li­chen sowie verschie­denen Orang-Utan-Experten ausge­tauscht und sich gemeinsam für den Schritt entschieden.“ Das ist für mich unver­ständ­lich. Wurden auch „Experten“ aus Indo­ne­sien befragt? Unsere Baby­sit­te­rinnen und medi­zi­ni­schen Fach­kräfte in den Rettungs­sta­tionen haben schon des Öfteren Wunder bewirkt. Wie können Menschen – ohne wirk­lich alles probiert zu haben – einfach den Daumen runter halten? Da retten wir ohne Unter­lass und mit viel Aufwand, Geld und Krea­ti­vität jedes noch so hoff­nungs­lose Orang-Utan-Leben in Indo­ne­sien, und vor unserer Haustür passiert diese Tragödie. Verkehrte Welt oder liege ich hier komplett falsch?“

Endlich ein Wieder­sehen mit Baby Indie

Endlich ein Wieder­sehen mit Baby Indie

Es ist schon ein Weil­chen her, seit wir Inung und ihr bezau­berndes Töch­ter­chen Indie vor die Kamera bekamen. Aber nun liefen sie uns sozu­sagen fast schon in die Arme. Mit genau der rich­tigen Distanz, die wir uns von unseren neuen Wilden wünschen.

Orang-Utan-Mutter mit ihrem Baby


Ganz in der Nähe unseres Camps Totat Jalu im Schutz­wald Bukit Batikap (Zentral-Kali­mantan) hatte unser PRM-Team das große Glück, Inung und Indie bei der Suche nach Maniok und Guaven anzu­treffen. Obwohl sie sich dem Team näherte, vermied es die erfah­rene Orang-Utan-Mutter, dem Camp zu nahe zu kommen. Genauso kennen wir das 24-jährige Weib­chen, das seit 2013 wild und frei im Regen­wald lebt: Menschen gegen­über war die drei­fache Mutter schon immer sehr wachsam und eher miss­trau­isch. Wenn sie merkt, dass sie beob­achtet wird, zieht sie sich meist in eine Entfer­nung zurück, in der sie sich wohler und sicherer fühlt.


Schnell zurück zu Mama


Die zwei­jäh­rige Indie hingegen verhält sich wie ein unbe­schwertes Klein­kind – also voll­kommen alters­ge­recht. Sobald Inung bei ihren Wande­rungen inne­hält, klet­tert Indie von ihrer Mutter herunter und fordert sie zum Spielen auf. Setzt Inung sich in Bewe­gung, flitzt Indie aber genauso schnell zurück in die Arme ihrer Mutter und lässt sich von ihr durch den Wald tragen. Unser Beob­ach­tungs­team stellte fest, dass Indie ihrer Mutter sehr ähnlich zu sein scheint: Sie ist nicht aggressiv, aber sie bleibt sehr wachsam.

Orang-Utan-Mutter mit ihrem Baby
Orang-Utan-Mutter Inung mit ihrem Baby Indie

Zufrieden konnte unser Team fest­stellen, dass Inung und Indie beide bei guter Gesund­heit sind. Sie verbringen viel Zeit mit der Nahrungs­suche, wie die vielen Guaven­frucht­reste in der Nähe des Lagers zeigen. Obwohl Inung und Indie diesmal nicht versucht haben, das Lager zu betreten, werden wir ein scharfes Auge darauf haben, damit sich das auch nicht ändert. Nicht das Inung nun doch neue Gewohn­heiten entwi­ckelt und ihre Menschen­scheu ablegt. Denn so sehr wir uns freuen, die beiden zu sehen, ist uns eine Begeg­nung in den Tiefen des Bukit Batikap-Waldes um einiges lieber.

Mit Ihrer Spende helfen Sie den Orang-Utans und ihrem Lebens­raum. Jeder Beitrag hilft.

Streit um die neue EU-Anti-Entwaldungsverordnung

Streit um die neue EU-Anti-Entwaldungsverordnung

Unser Konsum in Europa von Palmöl, Holz, Soja oder Rind­fleisch sorgt welt­weit für die Abhol­zung von Wäldern. Dagegen möchte die Euro­päi­sche Union nun mit der neuen Anti-Entwal­dungs­ver­ord­nung vorgehen. In Indo­ne­sien und Malaysia regt sich dagegen Wider­stand.
Voraus­sicht­lich Mitte des Jahres wird die neue Anti-Entwal­dungs­ver­ord­nung der EU verab­schiedet werden, die der Zerstö­rung von Wäldern rund um den Globus Einhalt gebieten soll. Nach einer 18-mona­tigen Über­gangs­phase soll sie dann Ende 2024 in Kraft treten. Ein Vorhaben, das in Indo­ne­sien und Malaysia – den welt­größten Palm­öl­ex­por­teuren – für Empö­rung sorgt, da sie die Exis­tenz von Hundert­tau­senden Land­wirten und Klein­bauern bedrohe. Man fühle sich diskri­mi­niert gegen­über Produkten wie in der EU produ­ziertem Rapsöl.


Was steht in der neuen EU-Verordnung?


Die neue EU-Anti-Entwal­dungs­ver­ord­nung besagt, dass in Zukunft nur noch Rohstoffe und Produkte in die EU impor­tiert werden dürfen, wenn deren Erzeu­gung nach­weis­lich nicht auf nach Dezember 2020 abge­holzten Wald­flä­chen erfolgte. Neben Palmöl betrifft dies auch Soja, Holz, Rind­fleisch, Kaffee, Kakao und Kautschuk.
Die Verwen­dung von Palmöl in „Biosprit“ will die EU bis 2030 komplett auslaufen lassen.


Indo­ne­sien und Malaysia spre­chen von Diskriminierung


64,3 Millionen Tonnen Palmöl haben Indo­ne­sien und Malaysia zusam­men­ge­rechnet im Jahr 2022 produ­ziert, 83 % der welt­weiten Palm­öl­pro­duk­tion. Durch die neue Verord­nung fürchten sie gravie­rende Einschnitte. Nun droht Malaysia mit einem Palmöl-Liefer­stopp nach Europa und kündigt die Verla­ge­rung der Exporte in andere Länder wie China, Paki­stan, Indien oder die USA an.
Malaysia und Indo­ne­sien kriti­sieren vor allem, dass die Doku­men­ta­ti­ons­pflicht durch die EU-Verord­nung für die Palm­öl­in­dus­trie eine extreme Belas­tung sei und so die Wett­be­werbs­fä­hig­keit unter­graben werde.
Die Länder hätten bereits selbst Maßnahmen ergriffen, um die Abhol­zung der Regen­wälder zu stoppen, die aber nicht ausrei­chend gewür­digt werden. „Es kann nicht sein, dass eine Seite immer der anderen die Regeln diktiert und davon ausgeht, dass ihre Stan­dards immer die besseren sind“, meint Indo­ne­siens Präsi­dent Joko Widodo.


Werden Handels­ströme nur verschoben?


Doch stellt die EU-Anti-Entwal­dungs­ver­ord­nung tatsäch­lich eine Gefahr für den Handel dar, wenn es das gemein­same Ziel ist, die Zerstö­rung der Regen­wälder für Palmöl zu stoppen? Achmad Surambo, Chef der NGO Sawit Watch, sieht die Gefahr, dass die EU am Ende nur die Handels­ströme verschiebt, anstatt die Umwelt­pro­bleme wirk­lich zu lösen. „Indo­ne­sien kann seinen Markt leicht nach China, Indien oder Paki­stan verla­gern, die im Vergleich zur EU laxere Nach­hal­tig­keits­vor­schriften haben“, warnt er. „Wenn das passiert, wird es keine Verbes­se­rungen im Palm­öl­ma­nage­ment geben – und die Abhol­zung der Wälder geht weiter.“

Ölpalmen Setzlinge in einer angehenden Ölpalmenplantage


Klein­bauern in Gefahr


Eine Gefahr könnte die neue Verord­nung vor allem für die Klein­bauern sein. Eine Umfrage der indo­ne­si­schen NGO Madani zeigt, dass wohl nur ein kleiner Bruch­teil von ihnen die gefor­derten Nach­weise liefern könnte. 30 % des von Indo­ne­sien produ­zierten Palmöls wird von drei Millionen Klein­bauern auf 6,72 Millionen Hektar ange­baut, die die Palm­früchte über ein oft undurch­schau­bares Netz an Mittels­männer verkaufen. Die gefor­derte Rück­ver­folg­bar­keit könnte so womög­lich gar nicht oder nur mit großem Aufwand gewähr­leistet werden.
Palm­öl­un­ter­nehmen, die einen Teil ihrer Früchte von Klein­bauern beziehen, drohen schon jetzt, sich aufgrund der höheren Anfor­de­rungen zur Rück­ver­folg­bar­keit von den Klein­bauern zu verab­schieden. Denn ein Problem in Indo­ne­sien ist nach wie vor, dass viele Meschen und Gemeinden immer noch keine formellen Land­rechte besitzen. Doch produ­ziert Indo­ne­sien genü­gend Palmöl, um Europa mit zerti­fi­ziertem Öl zu versorgen, während das unzer­ti­fi­zierte Öl in weniger regle­men­tierte Märkte wie Indien, China oder die USA abfließt. Die Klein­bauern wären dann von der EU-Verord­nung ausgeschlossen.

Palmölfrüchte


Apell an Unter­nehmen und Regierungen


Der indo­ne­si­sche Verband der Palm­öl­bauern (SPKS) hat das neue Gesetz dennoch begrüßt und an Unter­nehmen, Regie­rungen und Geber appel­liert, sie bei der Erfül­lung der Anfor­de­rungen zu unter­stützen. Der Verband fordert außerdem, dass die EU von den Impor­teuren verlangt, mindes­tens 30 % ihres Palmöls von Klein­bauern zu beziehen, um so einen Markt für indo­ne­si­sche Klein­bauern zu schaffen. Gerade die Klein­bauern seien in der Vergan­gen­heit ausge­beutet und von ihrem Land vertrieben worden. Man hätte ihnen lukra­tive Renditen für die Anpflan­zung von Ölpal­men­plan­tagen verspro­chen, die nicht einge­treten seien.
Eine Unter­su­chung von Mongabay, The Gecko Project und BBC News im vergan­genen Jahr ergab, dass indo­ne­si­sche Dorf­be­wohner Millionen verlieren, weil viele große Palm­öl­pro­du­zenten sich nicht an die Vorschriften halten, nach denen sie ihre Gewinne mit den lokalen Gemeinden teilen müssen.


Verspre­chen aus Deutschland


In der neuen EU-Verord­nung sieht der SPKS darum eine Chance, da sie finan­zi­elle und tech­ni­sche Unter­stüt­zung für Klein­bauern vorsehe, damit diese nach­haltig anbauen können, ein exis­tenz­si­cherndes Einkommen für die Land­wirte fördere und bessere Rück­ver­folg­bar­keits­sys­teme fordere. Das verspricht auch die deut­sche Entwick­lungs­mi­nis­terin Svenja Schulze: „Wir dürfen die Menschen in den Erzeu­ger­län­dern mit der neuen Gesetz­ge­bung nicht allein lassen. Das Entwick­lungs­mi­nis­te­rium unter­stützt sie bei der Umset­zung der neuen EU-Verord­nung mit konkreten Projekten, die Infor­ma­tion, Weiter­bil­dung und Vernet­zung der Land­wirte vor Ort fördern. Beson­ders die schwä­cheren Gruppen im Land sollen davon profi­tieren, etwa indi­gene Gemein­schaften, Klein­bauern und auch Frauen.“


Mal wieder geht es um viel mehr als nur um Palmöl. Die Vertei­lungs­frage zwischen Arm und Reich, poli­ti­schen Netz­werken in den Erzeu­ger­län­dern versus macht­lose Gemein­schaften. Was aber wirk­lich am Ende zählt, ist der unbe­dingte Wille auch und gerade in Indo­ne­sien keine weiteren Wald­flä­chen zu verlieren und statt­dessen bestehende Agrar­flä­chen smart und fair zu nutzen. Nur dann gibt es eine faire Chance zum Erhalt dieser einma­ligen Biodi­ver­sität inklu­sive unserer geliebten Orang-Utans.

Quellen:
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_22_7444
https://www.bmz.de/de/aktuelles/aktuelle-meldungen/schulze-statement-schutz-der-waelder-132724
https://news.mongabay.com/2023/01/for-indonesian-smallholders-eu-deforestation-rule-is-a-threat-and-an-opportunity/
https://www.handelsblatt.com/politik/international/streit-eskaliert-malaysia-droht-der-eu-mit-einem-palmoel-lieferstopp/28943642.html
https://jakartaglobe.id/business/indonesia-should-not-fear-losing-eus-palm-oil-market-gapki
https://www.thesundaily.my/local/eu-palm-oil-ban-will-not-impact-msia-as-the-block-imports-relatively-low-amount-of-the-commodity-GB10552400
https://www.eco-business.com/news/indonesian-palm-oil-smallholders-union-welcomes-eu-deforestation-law-but-wants-help-to-comply/?sw-signup=true
https://news.mongabay.com/2022/05/the-promise-was-a-lie-how-indonesian-villagers-lost-their-cut-of-the-palm-oil-boom/

Verhü­tungs­mittel im Rettungszentrum 

Verhü­tungs­mittel im Rettungszentrum 

Wie schützen wir die Orang-Utan-Mädchen vor Schwan­ger­schaften? Und vor allem: Warum? Wir erzählen es Ihnen. 

BOS hat es sich zur Aufgabe gemacht, Orang-Utans vor dem Aussterben zu bewahren. Unsere Mission ist es, so viele geret­tete Orang-Utans wie möglich in geschützte Regen­wälder auszu­wil­dern, damit sie sich in ihrem natür­li­chen Lebens­raum vermehren können. Deshalb ist für uns die Geburt eines jeden Orang-Utan-Babys ein Grund zur Freude. 

Trotzdem kann es nötig und sinn­voll sein, die Schwan­ger­schaft eines Orang-Utans zu verhüten. Genauer gesagt: Sie ein wenig aufzu­schieben, bis die Bedin­gungen besser sind. 

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Denn so sehr wir uns viel, viel Orang-Utan-Nach­wuchs wünschen: Keines­falls möchten wir, dass die Mutter durch die Schwan­ger­schaft gesund­heit­lich gefährdet wird, ihre Reha­bi­li­ta­tion verzö­gert oder dass das Baby einen schweren Start ins Leben hat. Solche Situa­tionen haben wir leider schon im BOS-Rettungs­zen­trum erlebt. 

Dilla war trau­ma­ti­siert und von ihrem Baby überfordert 

Als Dilla im Alter von fünf Jahren zu uns kam, hatte sie vier Jahre in privater Gefan­gen­schaft durch­litten, war auf einem Auge erblindet und schwer trau­ma­ti­siert. Trotz inten­siver Ausbil­dung in unserer Wald­schule wird Dilla womög­lich nie vorbe­reitet genug sein für ein Leben in der Wildnis. 

Unser Sorgenkind Dilla auf der Vorauswilderungsinsel
Unser Sorgen­kind Dilla

Seit einigen Jahren lebt sie auf einer unserer Voraus­wil­de­rungs­in­seln. Dort wurde sie schwanger und brachte ein gesundes Mädchen zur Welt. Doch obwohl unser Team sie liebe­voll unter­stützte, gelang es Dilla nicht, eine mütter­liche Bezie­hung zu Töch­ter­chen Delilah aufzu­bauen. Schließ­lich wurde sie der Kleinen gegen­über sogar aggressiv. Sehr schweren Herzens mussten wir Mutter und Tochter trennen. Delilah wächst nun in der Obhut unserer Baby­sit­te­rinnen im Rettungs­zen­trum auf. 

Baby Clarita wurde auf der Voraus­wil­de­rungs­insel entführt 

Ähnli­ches erlebten wir mit Ben, dessen Mutter Nanga wir 2006 aus Thai­land gerettet hatten und die ihren neuge­bo­renen Winz­ling nicht annehmen und versorgen konnte. 

Orang-Utan Mama Clara mit Tochter Clarita und Tierärzten
Mama Clara hält ihr Baby fest im Arm, während sie unter­sucht wird.

Claras Baby Clarita wurde sogar auf einer Voraus­wil­de­rungs­insel von einem männ­li­chen Orang-Utan entführt. Die herz­zer­rei­ßende Geschichte von Clara und Clarita, die zu unserem großen Glück nach bangen Tagen wieder­ver­ei­nigt werden konnten, hat das Kame­ra­team der “Oran­gutan Jungle School” begleitet. 

Auch für Orang-Utans sind Teen­ager-Schwan­ger­schaften schwierig 

In freier Wild­bahn sind Orang-Utan-Mädchen schon alleine durch die Gege­ben­heiten vor einer zu frühen Schwan­ger­schaft geschützt. Sie leben in einem viel weit­läu­fi­geren Areal als bei uns im Rettungs­zen­trum und auf den Voraus­wil­de­rungs­in­seln und sie sind natur­gemäß über­wie­gend als Einzel­gänger unter­wegs. Außerdem bleibt der Nach­wuchs sehr lange bei den Müttern, welche tatkräftig dafür sorgen, dass herum­strom­ernde halb­starke und bereits geschlechts­reife Orang-Utan-Jungs den noch kleinen Mädchen nicht zu nahe kommen — sollten sie sich doch einmal im Dschungel begegnen. 

Tierarzt entnimmt Orang-Utan Blutprobe beim Checkup
Gründ­li­cher Checkup durch unsere Tier­ärzte im BOS Rettungszentrum

Aus all diesen Gründen versorgen wir die Orang-Utan-Mädchen in unserem Rettungs­zen­trum mit Verhü­tungs­mit­teln, sobald sie das erste Mal ihre Periode bekommen. So können sie sich ganz und gar auf ihre Reha­bi­li­ta­tion konzen­trieren und all das lernen, was sie für ihr Leben in freier Wild­bahn benö­tigen — und was sie später einmal ihren Babys über das Leben im Dschungel beibringen können. Auch die weib­li­chen Orang-Utans auf unseren Voraus­wil­de­rungs­in­seln, die nicht auswil­derbar sind, bekommen mitt­ler­weile Verhütungsmittel. 

Wie genau schützen wir die Orang-Utans vor Schwangerschaft? 

Unsere Tier­ärzte verwenden ein Hormon­stäb­chen, das den Orang-Utan-Weib­chen mit einem kleinen Eingriff einge­pflanzt werden kann. Es muss nur alle drei Jahre ausge­tauscht werden. 

Tierarzt setzt Spritze beim Checkup der Orang-Utans
Kleiner Eingriff, große Wirkung: das Hormon­stäb­chen wird eingepflanzt

Gerade haben wir die Stäb­chen bei der 28-jährigen Tyson und der 22-jährigen Nania ausge­tauscht. Die beiden wurden 2010 erst­mals mit dem Verhü­tungs­mittel ausge­stattet, es ist also bereits das vierte Implan­tant, das sie im Austausch erhalten. 

Die Mini-Opera­tion samt Betäu­bung nutzen unsere Tier­ärzte auch immer gleich für einen gründ­li­chen Gesund­heits­check der Orang-Utans: Unter anderem wird das Tier gewogen, es werden Blut und eine Spei­chel­probe entnommen sowie eine Rönt­gen­auf­nahme gemacht. 

Gründliche Untersuchung inklusive Röntgenbild
Gründ­lich unter­sucht: Den beiden Orang-Utan-Damen geht es gut.

Bei Tyson und Nania ist alles wieder in bester Ordnung – sie waren zuvor krank gewesen. Jetzt dürfen sie sich in einem Bereich unseres Rettungs­zen­trums voll­ends erholen, in dem sie weiterhin beson­ders umhegt werden und viel Platz haben, um zu hangeln, schau­keln und auf Bäume zu klet­tern – wieder gemeinsam mit Orang-Utan-Männchen. 

Mit Ihrer Spende helfen Sie den Orang-Utans und dem Regen­wald. Jeder Beitrag hilft.

Ayu wird eine große Schwester

Ayu wird eine große Schwester

In unserem Auswil­de­rungs­wald Kehje Sewen ist unser Beob­ach­tungs­team nach längerer Zeit wieder einmal der 20-jährigen Lesan und ihrer sechs­jäh­rigen Tochter Ayu begegnet – und hat eine wunder­bare Entde­ckung gemacht.

Das kleine Orang-Utan-Mädchen Ayu gehört zu unseren Stars in Kehje Sewen. Wie glück­lich waren wir, als wir 2016 von ihrer Geburt erfuhren: Sie war das zweite wild gebo­rene Baby einer ausge­wil­derten Orang-Utan-Dame aus unserem Rettungszentrum.

Lesan ist eine vorbild­liche Mama für Ayu

Mama Lesan entpuppte sich als ganz wunder­bare Mutter. Über die Jahre wuchs Ayu zu einem starken und gesunden Orang-Utan-Kind heran, das immer mehr über­le­bens­wich­tige Fähig­keiten für ein Leben im Dschungel erlernte.

Dies konnte unser Post-Moni­to­ring-Team beob­achten, wann immer es ihnen gelang, die beiden im Wald zu entde­cken. Denn Lesan und Ayu sind auch sehr gut darin, sich vor mensch­li­chen Blicken tief im Regen­wald zu verbergen – was wir natür­lich begrüßen, schließ­lich ist genau das artge­rechtes Verhalten und schützt die beiden vor poten­ziell gefähr­li­chen Begeg­nungen mit Menschen.

Hurra, Lesan ist schwanger!

Kürz­lich hatte unser Team wieder einmal das Glück, Lesan und Ayu im Kehje Sewen Wald zu entde­cken. Dabei machten die Kolle­ginnen und Kollegen eine ganz wunder­bare Beob­ach­tung: Lesan erwartet erneut ein Baby! Die Diagnose ist eindeutig, haben unsere Tier­ärzte bestä­tigt, denn es sind bereits körper­liche Verän­de­rungen sichtbar.

Ayu scheint die Verän­de­rung zu spüren

Auch Ayu bemerkt offenbar, dass sich bei ihrer Mama etwas verän­dert. Während sie früher sehr anhäng­lich war, wirkt sie nun viel selb­stän­diger, bewegt sich auch weiter von ihrer Mutter weg und macht dabei einen sehr selbst­be­wussten und zufrie­denen Eindruck. Sie ist inzwi­schen auch voll­ständig abgestillt.

Durch ihre zuneh­mende Unab­hän­gig­keit lässt die bald Sieben­jäh­rige ihrer Mama den Raum, den sie nach der Geburt brau­chen wird, um sich um ein Neuge­bo­renes zu kümmern. Unser Team ist sich sicher: Ayu wird eine tolle große Schwester!

Noch genießt Ayu Lesans komplette Aufmerksamkeit

Einige Monate lang bleibt es auf jeden Fall noch span­nend: Mit 37 Wochen Trage­zeit sind Orang-Utans fast genauso lange schwanger wie Menschen. Und natür­lich wissen wir nicht, wie schnell nach der Geburt Mama Lesan unserem Post-Moni­to­ring-Team wieder begegnen wird.

Und auch für Ayu bleibt noch etwas Zeit, um die unge­störte Zwei­sam­keit mit Mama Lesan zu genießen.

Krieg tötet Mensch UND Tier, wir lesen aber nur über erstere

Krieg tötet Mensch UND Tier, wir lesen aber nur über erstere

Ein Kommentar von BOS-Geschäfts­führer Daniel Merdes

Voller Einsetzen haben wir vom gewalt­samen Tod von zwei Orang-Utans im Feldman Ecopark / Kharkiv erfahren müssen. Einer hieß Jari – siehe Foto. Nicht nur Menschen sterben durch den russi­schen Angriffs­krieg, aber in diesem Falle ist es eine völlig unnö­tige Tragödie, denn BOS Deutsch­land hatte gleich zu Kriegs­be­ginn dem Ecopark jegliche Unter­stüt­zung, bis hin zu Evaku­ie­rungen, offensiv ange­boten. Fach­kräfte bis nach Thai­land wären umge­hend zur Rettung einge­flogen und saßen auf gepackten Koffern. Wir warteten nur noch auf eine Zusage. Die Gründe sind mir unbe­kannt. Falscher Stolz? Angst vor dem „Verlust ihrer Schützlinge“?

Orang-Utans sind Opfer

Solange Zoos sich nicht echtem Arten­schutz öffnen und aus ihrer Blase treten, wird es trau­rige Nach­richten wie diese geben. Orang-Utans gehören niemanden, sie sind ledig­lich Opfer huma­no­ider Zuschrei­bungen und Selbst­er­hö­hung. Wir können nicht alle retten und natür­lich können ausge­wach­sene Zoopri­maten in der x‑ten Genera­tion nicht mehr ausge­wil­dert werden, aber zumin­dest ihre letzte Würde darf ihnen nicht von uns Menschen genommen werden. Und natür­lich trauern wir ebenso um die ukrai­ni­schen Zoohelfer, wie um jedes Opfer im Vertei­di­gungs­krieg gegen den russi­schen Aggressor.

Die gute Nach­richt zum Schluss: Vier Orang-Utans konnten wohl in den benach­barten Kharkiv Zoo gebracht werden und sind wohl unver­letzt. Vorerst.

Orang-Utan Jari ist tot