Es ist nur ein Detail, doch dieses spielt eine Schlüsselrolle bei der erfolgreichen Waldregeneration und Wiederaufforstung: Die Auswahl der besten und gesündesten Mutter-Bäume für die Gewinnung der Samen, aus denen die Setzlinge gezogen werden. Das RHOI-Team gewährt uns Einblicke in die Arbeit im Regenwald auf Borneo.
Es ist ein langfristiger, eng miteinander verflochtener Prozess, für den das RHOI-Team und das Team für Habitatmanagement und ‑entwicklung seit inzwischen 16 Jahren verantwortlich sind. Zentraler Bestandteil ist die gezielte Aufwertung des Habitats – also des unter den Schutz von RHOI gestellten Regenwaldes. Dazu gehört die Wiederanpflanzung von Setzlingen, die in der Baumschule im Bereich des Monitoring-Camps herangezogen wurden, auf mehreren offenen Flächen.
Das RHOI-Team sucht und dokumentiert die besten Mutterbäume
Um passende Mutterbäume zu finden, deren Samen die besten Setzlinge für die Wiederaufforstung bieten können, haben die Teams eine Exkursion tief in den Kehje Sewen Wald unternommen. Es ist ein ausgedehntes Scouting nach gesunden, ausgewachsenen, qualitativ hochwertigen Bäumen, und das auf anspruchsvollem Gelände.
Das Team von BOSF sucht nach Mutter-Bäumen für die Gewinnung von Samen, aus denen Setzlinge gezogen werden sollen.
Der Wald wird gezielt mit Nahrungsbäumen für Orang-Utans angereichert
Jeder potenziell als Samenlieferant infrage kommende Baum wurde vom Scouting-Team sorgfältig geprüft. Die künftigen Mutterbäume mussten klar definierten Kriterien entsprechen: ein gerader Stamm, eine dichte Krone, keine Anzeichen von Krankheiten sowie ein nachweislicher Fruchtansatz mit Arten, die von Orang-Utans bevorzugt werden – darunter Vertreter der Gattungen Ficus, Artocarpus sowie weitere bedeutende Nahrungshölzer.
Die im Kehje Sewen identifizierten Mutter-Bäume werden vermessen und kartiertDie neuen Samen kommen in die Baumschule von Kehje Sewen
War ein geeigneter Baum identifiziert, hielt das Team inne, um detaillierte Daten zu erfassen. Höhe und Stammdurchmesser wurden gemessen, der allgemeine Gesundheitszustand dokumentiert und die GPS-Koordinaten festgehalten, damit der Baum künftig wiedergefunden werden kann. Diese Datengrundlage bildet die Basis für eine geplante, nachhaltige Saatgutsammlung – durchgeführt mit größter Sorgfalt, ohne das umliegende Ökosystem zu beeinträchtigen. Die Arbeit barg so manche Herausforderung: steiles Gelände, vom tropischen Regen rutschiger Boden, dorniges Unterholz und die Dichte des Regenwaldes stellten die Ausdauer des Teams auf die Probe. Doch jeder erfolgreich identifizierte Mutterbaum brachte neue Motivation. Diese Bäume werden künftig eine Schlüsselrolle spielen: als Nahrungsquelle und Lebensraum nicht nur für Orang-Utans, sondern auch für zahlreiche andere Wildtiere.
Samen für die Aufforstung werde nachhaltig aus dem Wald geholt
Einige Samen hat das Scouting-Team bereits von seiner Expedition zurück in die Baumschule mitgebracht. Dort werden sie vermehrt und sorgfältig gepflegt. Sobald die Setzlinge ausreichend kräftig gewachsen sind, werden sie in Waldflächen gepflanzt, die einer vegetativen Anreicherung bedürfen. Auf diese Weise schließt sich in naher Zukunft der Kreislauf: aus dem Wald gewonnen, in der Baumschule herangezogen und schließlich wieder in den Wald zurückgebracht.
Der Kehje Sewen Schutzwald ist die Heimat von 135 ausgewilderten Orang-Utans und elf wild geborenen Babys
Mit dieser Abfolge von Maßnahmen verfolgen die Teams im Rahmen des RHOI-Programms das Ziel, den Kehje Sewen Wald als funktionsfähigen, natürlichen Lebensraum wiederherzustellen, der das Überleben von Orang-Utans dauerhaft sichern kann. Jeder dokumentierte Mutterbaum steht dabei für eine langfristige Investition in die Nachhaltigkeit des Ökosystems. 135 gerettete und rehabilitierte Orang-Utans aus dem Rettungszentrum Samboja Lestari konnte BOS bereits in den Kehje Sewen Wald auswildern. Elf Jungtiere haben dort das Licht der Welt erblickt.
Der globale Wildtierhandel gehört zu den größten Gefahren für bedrohte Tierarten. Auch Orang-Utans fallen dem illegalen Geschäft zum Opfer: Jungtiere werden aus den Regenwäldern gerissen und weit entfernt von ihrem natürlichen Lebensraum als exotische Haustiere oder in touristischen Attraktionen gehalten. Meist mit tragischem Ende. Moza konnten wir retten. Ihre Geschichte macht uns Mut, weiter für die Rettung der vom Aussterben bedrohten Art und gegen den illegalen Tierhandel zu kämpfen.
Das zweite Leben von Moza beginnt am 13. September 2015 in Kuwait, tausende Kilometer von ihrer Heimat im Regenwald von Borneo entfernt. An diesem Tag tritt das Orang-Utan-Mädchen ihre Heimreise nach Indonesien an. Sie konnte aus illegaler Haltung gerettet werden – die genauen Umstände, wie sie ihre Mutter verlor und in die Hände des Privatbesitzers gelangt war, werden wir jedoch nie erfahren. Die enge Zusammenarbeit zwischen der indonesischen Botschaft in Kuwait und dem indonesischen Umwelt- und Forstministerium ermöglicht es schließlich, alle organisatorischen und bürokratischen Hürden zu nehmen. Moza darf ausreisen. Sie bekommt eine neue Chance auf das Leben, das ihr eigentlich zusteht.
Der tatsächlich Weg zurück in den Regenwald ist viel länger
Etwa zwei Jahre alt ist Moza, als sie nach Indonesien zurückkehrt. In diesem Alter würde sie normalerweise mit ihrer Mutter durch den Regenwald streifen. Ein unzertrennliches Duo. Denn von ihren Müttern lernen Jungtiere alle, was sie zum Überleben brauchen. Und deshalb ist der erste Tag von Mozas neuem Leben zugleich der erste Schritt einer langen Reise, an dessen Ende – so hoffen es ihre Retter, denn Gewissheit kann es zu diesem Zeitpunkt noch nicht geben – ein Leben in Freiheit steht.
Moza bei ihrer Rettung aus Kuwait: noch ein Baby, das eigentlich zu seiner Mutter gehört
Nach ihrer Ankunft in Indonesien wird Moza zunächst im Taman Safari Indonesia in Cisarua bei Bogor unter Quarantäne gestellt. Tierärztinnen und Tierärzte untersuchen das junge Orang-Utan-Weibchen gründlich. Die gute Nachricht: Sie ist gesundheitlich in einem stabilen Zustand.
Moza ist gesund und darf die Waldschule der Orang-Utans besuchen
Nach absolvierter Quarantäne kommt Moza in unser Rettungszentrum in Nyaru Menteng, Zentral Kalimantan, und beginnt mit dem Besuch der Waldschule. Über viele Jahre hinweg lernen die geretteten Orang-Utan-Waisenkinder in der BOS-Waldschule all die Dinge, die sie sonst von ihren Müttern gelernt hätten. Dazu gehört das Hangeln und Klettern hoch oben in den Baumkronen und das Bauen von Schlafnestern ebenso wie das Erkennen dutzender unterschiedlicher Waldfrüchte, Blätter und Wurzeln sowie anderer Nahrungsquellen wie etwa Honig oder Termiten. Während die jungen Orang-Utans die Waldschule besuchen, werden sie liebevoll begleitet von ihren menschlichen Ersatzmüttern und ihre körperliche Entwicklung genauestens vom BOS-Veterinärsteam beobachtet.
Eine aufmerksame und intelligente Schülerin: Moza fällt früh auf
Trotz ihrer traumatischen Erfahrungen passt sich die kleine Moza schnell an ihre neue Umgebung an und fühlt sich offensichtlich wohl in der Waldschule, die sie mit etwa gleichaltrigen Orang-Utan-Kindern besucht. Es dauert nicht lange, da fällt sie den Babysitterinnen als besonders aufmerksam und lernfähig auf. Rund vier Jahre verbringt Moza in der Waldschule. Während dieser Zeit entwickelt sie Schritt für Schritt die Fähigkeiten, die sie als wilder, frei lebender Orang-Utan benötigen wird. Es kommt der Tag, an dem sich das BOS-Team – ihre Ersatzmütter und die Veterinäre – sicher ist: Moza ist bereit für den nächsten Schritt!
Bereit für ein Leben in Freiheit? Das wird die Wald-Universität zeigen!
2019 wird Moza auf eine sogenannte Vorauswilderungsinnsel gebracht. Diese Inseln dienen als wichtige Zwischenstation auf dem Weg zur Auswilderung. Hier können rehabilitierte Orang-Utans deutlich freier leben als zuvor: Sie erkunden den Wald selbstständig, suchen ihre Nahrung, bewegen sich ohne menschliche Anleitung durch die Baumkronen, bauen abends eigenständig Schlafnester.
Auf der Insel wächst eine starke junge Orang-Utan-Dame heran
Auf der Vorauswilderungsinsel beobachtet das BOS-Team Mozas Entwicklung weiterhin regelmäßig, allerdings mit deutlich größerem Abstand als während der intensiven Trainingsphase in der Waldschule. Mit der Zeit wächst aus dem einst aus Kuwait geretteten Jungtier eine junge Erwachsene heran, die sich in Quasi-Freiheit bestens zurecht findet. Und dann beginnt – mehr als ein Jahrzehnt nach ihrer Rückkehr nach Indonesien – ein neues Kapital in Mozas Leben.
Eine neue Generation im Regenwald: Moza wird Mutter
Auf der Vorauswilderungsinsel Kaja Island lebt Moza inzwischen nicht mehr allein: Sie ist still und leise Mutter geworden! An ihrer Seite hat das BOS-Monitoring-Team einen Orang-Utan-Jungen entdeckt, der etwa drei, vielleicht auch schon vier Jahre alt ist. Moza ist heute geschätzte 15 bis 16 Jahren alt, eine ausgewachsene Orang-Utan-Dame. Ihren Sohn hat das Team Minho getauft. Bei einer ihrer Beobachtungsfahrten sieht das Team Mutter und Jungtier oben in den Baumwipfeln: In etwa fünf Metern Höhe sitzt Moza auf einem Ast und isst junge, frisch gepflückte Blätter. Ganz in ihrer Nähe sitzt Minho und ahmt ihr Verhalten nach. Nachdem die beiden auf diesem Baum fertig gegessen haben, bewegen sie sich langsam weiter durch das Blätterdach des Waldes, bis sie schließlich aus dem Sichtfeld der Menschen verschwinden.
Der kleine Minho lernt von seiner Orang-Utan-Mutter
An einem anderen Tag kann das Monitoring-Team eine Szene beobachten, die ihnen wieder einmal vor Augen führt, wie eng Orang-Utan-Mütter und ihr Nachwuchs miteinander verbunden sind. Moza und Minho verbringen einen warmen Nachmittag am Wasser. Gemeinsam gehen sie zum Ufer und beginnen, im flachen Wasser zu spielen. Für den kleinen Minho ist das Spiel jedoch mehr als nur eine Abkühlung: Indem Mama Moza ihrem Sohn erlaubt, seine Umgebung und die Eigenschaften des Wassers zu erkunden, vermittelt sie ihm wichtige Fähigkeiten für sein späteres Leben. Nach dem Bad besuchen Mutter und Sohn die Fütterungsplattform der Insel, auf der das BOS-Team Früchte bereit gestellt hat. Auf der Vorauswilderungsinsel leben die Orang-Utans zwar quasi-wild und frei, doch das Nahrungsangebot ist aufgrund der Größe der Insel eingeschränkt. Zusätzlich zum selbst gesuchten Futter erhalten die Tiere daher noch ergänzende Nahrung – heute zum Beispiel Melone und Papaya. Schnell verzehren Moza und Minho die Früchte, bevor sie wieder im Wald verschwinden. Während der gesamten Zeit an der Plattform, so die Beobachtung des BOS-Teams, bleibt Minho dicht an der Seite seiner Mutter.
Minho bewegt sich nie weit von seiner Mutter fort, beobachtet sie stets ganz genau
Eine Rehabiliation und Auswilderung ist möglich
Mozas Geschichte zeigt, was im Kampf um jedes einzelne Orang-Utan-Leben möglich ist und dass es durchaus Hoffnung gibt. Sie zeigt aber auch, wie viel Aufwand nötig ist, um ein gerettetes Tier zurück in den Regenwald zu bringen. Heute zieht Moza selbst ein Jungtier groß und das ist das größte Hoffnungszeichen für den Schutz der vom Aussterben bedrohten Art. Es zeigt, dass gerettete Orang-Utans mit der richtigen Unterstützung wieder Teil einer natürlichen Population werden können. Doch braucht es dafür, für jeden einzelnen der vielen Schritte im Rehabilitationsprozess, Fachwissen und engagierte Teams im Artenschutz.
Hoffnung für die nächste Generation von Orang-Utans
Unter dem Blätterdach von Kaja Island wachsen nun zwei Generationen heran. Und mit ihnen wächst die Hoffnung, dass Geschichten wie die von Moza keine Einzelfälle bleiben. Sie zeigt uns, dass Artenschutz und Engagement einen Unterschied bewirken können.
So sieht Hoffnung aus: die nächste Orang-Utan-Generation wächst heran
Um erfolgreich gegen die Wildtiermafia agieren zu können, muss das Problem jedoch an der Wurzel bekämpft werden. Anlässlich der Rückführung Mozas aus Kuwait sagte Dr. Jamartin Sihite, CEO der BOS Foundation: „Trotz unseres großen Erfolges hinsichtlich der Rettung aus Kuwait besteht weiterhin ein großes Problem. Es ist wie die Spitze eines Eisbergs. Was man sieht, ist keineswegs wie das, was sich darunter befindet. Unsere Feldteams begegnen häufig Jägern und Wilderern. Wer dem illegalen Tierhandel das Handwerk legen möchte, muss Überwachungen und Strafverfolgungen auf höchstem Niveau betreiben.“ Und auch wir selbst können dazu beitragen, dass der Wildtiermafia die Nachfrage wegbricht: Indem wir keine touristischen Attraktionen besuchen, in denen Wildtiere ausgebeutet werden. Und indem wir Posts auf Social Media, die die Ausbeutung oder Misshandlung von Wildtieren darstellen, boykottieren. Hier haben wir Tipps für Sie zusammengestellt.
Erinnern Sie sich an das Orang-Utan-Männchen Jujun, der im Dezember 2025 auf eine der Schutzinseln unseres Rehabilitationszentrums Samboja Lestari umziehen durfte? Da Jujun unter einer chronischen Atemwegserkrankung leidet, kann er nicht ausgewildert werden. Die BOS-Ranger beobachten seine ersten Wochen auf der Insel, wo er nun beinahe wild lebt.
Rund zwei Monate ist es her, dass Jujun auf die Schutzinsel Nr. 5 unseres Rettungszentrums Samboja Lestari umgezogen ist. Dort behalten unsere Ranger ihn im Blick – und seine Fortschritte sind äußerst ermutigend. Jujun verhält sich sehr aktiv und ausgesprochen neugierig seiner neuen Umgebung gegenüber. Obwohl er noch einen beträchtlichen Teil seiner Zeit am Boden und nicht oben in den Baumkronen verbringt, hat Jujun nahezu das gesamte Inselareal erkundet.
Jujun erkundet seine neue Heimat – die Schutzinsel Nr. 5
Dieses Verhalten spiegelt seine hohe Anpassungsfähigkeit und sein mit der Zeit wachsendes Selbstvertrauen wider. Eine derart intensive Erkundung ist ein wichtiger Bestandteil des Anpassungsprozesses für nicht auswilderbare Orang-Utans, während sie sich an einen naturnahen Lebensraum gewöhnen.
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Während seiner Erkundungstouren zeigte Jujun auch gelegentlich destruktives Verhalten – unter anderem hat das Orang-Utan-Männchen zwei Pfosten aus Eisenholz (ulin), die als Seilverbinder dienten, zerbrochen. Unsere Tierpfleger stufen sein Verhalten jedoch als normal für einen Orang-Utan seines Alters ein: Es deutet auf die zunehmende Entwicklung seiner körperlichen Stärke hin und ist Teil seines Lernprozesses, während er sich mit den Strukturen in seiner Inselumgebung vertraut macht.
Fressverhalten und soziale Interaktion
In Bezug auf die Nahrungsaufnahme zeigt Jujun einen sehr gesunden Appetit. Mehrfach wurde beobachtet, dass er sich auch an Veras Futter bediente, bevor diese ihre Portion vollständig aufgefressen hatte. Diese Situationen gingen jedoch nicht mit aggressivem Verhalten einher.
Seine neu gewonnene Kraft weiß das dominante Männchen noch nicht immer kontrolliert einzusetzen
Während des gesamten Beobachtungszeitraums zeigte Jujun keinerlei Anzeichen von Angriffen, Bissen oder riskantem Dominanzverhalten. Die sozialen Interaktionen zwischen Jujun und Vera blieben durchweg innerhalb sicherer und natürlicher Grenzen. Jujun demonstrierte eine passive Dominanz ohne körperliche Aggression, was auf eine insgesamt stabile soziale Entwicklung hindeutet.
Fortlaufende Betreuung und Beobachtung
Rund zwei Monate nach seinem Umzug auf die Schutzinsel ist unser Monitoring-Team sehr zufrieden mit Jujuns körperlicher Verfassung, seinem Erkundungsverhalten und seinen sozialen Interaktionen. Wir werden die Beobachtung weiter fortsetzen um sicherzustellen, dass sich sein leicht destruktives Verhalten sowie seine Futterkonkurrenz zu Vera weiterhin im normalen Rahmen bewegen und um gegebenenfalls frühzeitig reagieren und eingreifen zu können.
Die Insel ermöglicht dem nicht auswilderbaren Jujun ein artgerechtes, würdevolles Leben
Jujuns Weg auf Schutzinsel Nr. 5 spiegelt unser fortlaufendes Engagement wider, die Lebensqualität nicht auswilderbarer Orang-Utans zu verbessern. Bitte unterstützen Sie uns dabei!
Durch ihre Spende ermöglichen Sie es uns, weitere Schutzinseln zu bauen – denn in unserer Obhut leben derzeit rund 170 Orang-Utans, die nicht auswilderbar sind. Auch ihnen möchten wir eine zweite Chance auf ein Leben geben, das ihrer natürlichen Lebensweise so nahe wie möglich kommt.
Wie alle Orang-Utan-Waisen, die zu uns kommen, hatte auch das kleine Mädchen Momo keinen einfachen Start ins Leben. Sie wurde Mitte 2025 in einer herzzerreißenden Aktion gemeinsam mit der Naturschutzbehörde gerettet. Sechs Monate lang war sie in einen Käfig gepfercht worden, lebte als Haustier bei einem Dorfbewohner in Zentralkalimantan. Im Waldkindergarten des BOS Rettungszentrums darf sie nun neues Vertrauen fassen und kann hoffentlich ihren schweren Start ins Leben vergessen.
Im Waldkindergarten beginnen die jungen Orang-Utans, begleitet von menschlichen Babysitterinnen, wichtige Lebenskompetenzen in einer sicheren Umgebung zu erlernen. Dies ist der erste Schritt ihrer Rehabilitation, an deren Ende im besten Fall die Auswilderung in einen sicheren, geschützten Wald steht. Ähnlich wie bei menschlichen Kleinkindern zeigen sich auch bei den Orang-Utans früh die ersten Züge ihrer Persönlichkeit – und Momo bildet hier keine Ausnahme. Sie beweist bereits jetzt, dass sie keine stille Beobachterin ist, sondern eine echte Entdeckerin.
Getrieben von starker Neugier
Eines ist sicher: Mit ihrer Neugier und Entdeckungslust sticht Momo schnell aus der Gruppe der kleinsten Orang-Utans heraus. In der Waldschule wandert sie oft weiter weg als die anderen, völlig vertieft in die Erkundung ihrer Umgebung. Sie kennen das bestimmt von Kleinkindern: Manchmal müssen Erwachsene eine Sache fünfmal wiederholen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Ganz ähnlich sieht es bei Momo aus. Unsere Ersatzmütter müssen oft sehr laut rufen, um sicherzustellen, dass Momo sie wirklich hört, wenn es Zeit für einen Obst-Snack ist oder die Gruppe sich wieder zusammenfinden soll.
Doch trotz ihres großen Drangs nach Autonomie sucht Momo am Ende des Tages immer noch Geborgenheit. Wenn sie von ihren Erkundungsreisen zurückkehrt, signalisiert sie ihrer Ersatzmama das ein oder andere Mal, dass sie zurück zum Gehege getragen werden möchte. In diesen Momenten wird deutlich: Sie ist doch noch ein Baby, das Trost, Sicherheit und viel Liebe braucht.
Jedes Orang-Utan-Kind muss lernen, Grenzen zu setzen
Momo hat zudem begonnen, bewusster Grenzen zu setzen. Wenn sie auf fremde Personen trifft – das medizinische Personal eingeschlossen – hält sie lieber Abstand. Nähert sich jemand zu sehr, wirft sie gelegentlich mit kleinen Zweigen; ein klares Zeichen für ihren Wunsch, in Ruhe gelassen zu werden.
Vermutlich ist Momo nicht allein auf dieses Verhalten gekommen, sondern hat sich einiges von ihrem ehemaligen Klassenkameraden Rumba abgeguckt. Rumba drückte seine Abneigung gegen engen Kontakt oft auf die gleiche Weise aus. Diese Beobachtung unterstreicht, wie junge Orang-Utans durch soziales Lernen Signale und Verhaltensweisen von ihren Artgenossen übernehmen. Das ist ein wesentlicher Teil ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung.
Nicht nur Nia hat Probleme mit den Augen
Ähnlich wie Nia hatte auch Momo mit einem kleinen gesundheitlichen Problem zu kämpfen: Um ihre Augen wurden winzige Läuse oder Milben gefunden. Glücklicherweise scheint Momo dadurch nicht weiter beeinträchtigt zu sein; sie geht ihren täglichen Aktivitäten mit dem gewohnten Eifer nach.
Die Ersatzmütter und das medizinische Team haben bereits präventive Maßnahmen eingeleitet. Eine medizinische Salbe wird vorsichtig auf ihre Augenlider aufgetragen, um die Parasiten zu beseitigen und deren Vermehrung zu verhindern. Durch eine enge Überwachung stellen wir sicher, dass Momo genau die Pflege erhält, die sie benötigt, während sie ihre Lernfortschritte fortsetzt.
Mit Fürsorge, Vertrauen und Mitgefühl wachsen
Was ist unser Ziel für Momo? Sie soll eines Tages zu einer überlebensfähigen Orang-Utan-Mutter heranwachsen, die nach ihrer Auswilderung zum Erhalt ihrer Art beitragen kann. Der Weg dorthin wird lang und manchmal holprig sein, doch wir sind uns sicher: Mit dem besten Babysitter-Team, das wir uns nur vorstellen können, ist das möglich.
Im November 2025 hatte die BOS Foundation ganz besonderen Besuch auf Borneo: Hannah Emde, Tierärztin, Artenschützerin und Vorsitzende von Nepada Wildlife e.V., ein Verein, der sich leidenschaftlich für den Schutz und die Wiederherstellung der Biodiversität einsetzt – zum Wohle von Natur und Mensch. Der Grund für ihre Reise war eine Produktion für die ZDF-Reihe “Terra X: Faszination Erde”, die sich unter anderem mit dem weltweiten Wildtierhandel beschäftigt. Im Zuge der Dreharbeiten durfte Hannah Emde an der außergewöhnlichen Auswilderung von Orang-Utan-Weibchen Kapuan teilnehmen. Kapuan war eines von 48 Tieren, die nach jahrelangem Missbrauch in Thailand 2006 nach Indonesien zurückgeholt wurden. Nach fast 20 Jahren Rehabilitation im BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng und einer Zeit auf der Vorauswilderungsinsel Badak Kecil war es endlich so weit: Mit 25 Jahren kehrte Kapuan im November 2025 in den Regenwald des Nationalparks Bukit Baka Bukit Raya zurück.
Wir haben Hannah Emde in Berlin getroffen, um über diese bewegende Reise zu sprechen.
BOS: Hannah, was war für Dich das Besondere an dieser Reise zu den Orang-Utans? Hannah Emde: Das Besondere war, den gesamten Rehabilitationsprozess hautnah mitzuerleben. Es geht ja nicht nur um diesen einen Moment, in dem man den Käfig öffnet und der Orang-Utan in die Freiheit klettert.
Dahinter stecken fast 20 Jahre Vorbereitung! Ich habe von den Mitarbeitenden gelernt, was es wirklich bedeutet, ein Tier zu retten, es aufzunehmen und Schritt für Schritt zu rehabilitieren. Der krönende Abschluss war dieser 30-stündige Trip tief in den Dschungel, um die „fertigen“ Kandidaten zu entlassen. Das war magisch – ein für mich einmaliges Erlebnis.
BOS: Was war der schönste und was der traurigste Moment Deiner Reise? Hannah Emde: Das ist schwierig zu trennen. Der traurigste Moment war definitiv, als ich Kapuans Geschichte hörte. Zu erfahren, was sie durchgemacht hat – wie sie in Thailand unter furchtbaren Bedingungen zur Schau gestellt wurde –, das war abartig. Als ich das hörte, kamen mir die Tränen. Umso schöner war es dann, mit ihr gemeinsam auf dem kleinen Boot Richtung Regenwald zu fahren. Zu wissen: Kapuan ahnt noch nichts von ihrem Glück, aber in wenigen Minuten lässt sie all das Leid hinter sich und beginnt ihre zweite Chance in Freiheit. Dieser Gedanke war wunderschön.
Unser TV Tipp für Sie:
Sie können die komplette Dokumentation mit Hannah Emde ab sofort in der ZDF-Mediathek ansehen. Die TV-Ausstrahlung erfolgt am Sonntag, 29.03.2026, 19:30 Uhr im ZDF.
BOS: Wie hast Du die lange Reise in den Dschungel erlebt? Hannah Emde: Die Reise war eine echte Herausforderung. Nachdem die Tiere verladen waren, lagen zwölf Stunden Autofahrt über holprige Pisten vor uns. Wir sind bewusst nachts gefahren, um kein Aufsehen in den Dörfern zu erregen. Kapuan war hinten auf dem Pick-up – eine völlig absurde Vorstellung, wenn man bedenkt, dass man da gerade mit drei Orang-Utans durch die Zivilisation fährt.
Wir waren alle todmüde, aber an Schlaf war nicht zu denken. Das Tierärzte-Team war rund um die Uhr im Einsatz, wir hielten alle paar Stunden, um die Tiere zu füttern und zu tränken. Nach der Autofahrt ging es acht Stunden mit kleinen Booten den Fluss hinauf. Es war laut, heiß, es regnete anfangs – unfassbar anstrengend. Aber der Primärwald im Nationalpark ist umwerfend: Uralte, riesige Bäume, die über den Fluss ragen. Ich hatte das Gefühl, dass auch Kapuan in ihrer Transportbox merkte, dass wir dem Ziel näherkamen. Die Anspannung in mir stieg, und dann waren alle Strapazen plötzlich vergessen.
BOS: Welchen Eindruck hattest Du vom Rettungszentrum Nyaru Menteng?
Hannah Emde: Was mir sofort auffiel: Man sieht dort erst einmal keinen einzigen Orang-Utan. Und genau so soll es in einer professionellen Station sein! Die Bereiche sind streng abgeschirmt und liegen verteilt in den Wäldern: der Kindergarten, die Waldschule und die „Uni“ auf der Auswilderungsinsel sind räumlich getrennt.
Das Team vor Ort hat mich als Kollegin mit offenen Armen empfangen. Man merkt sofort, dass die Menschen dort für den Schutz der Tiere leben. Es herrscht eine unglaublich herzliche Atmosphäre. Ein unbezahlbarer Moment war es, morgens bei der Waldschule dabei zu sein: Wenn die Tür aufgeht und die Kleinen losstürmen, jeder auf seine eigene Art: Manche gehen zu dritt eingehakt, andere laufen an der Hand der Pfleger. Das war einfach nur witzig und berührend.
BOS: Babysitterin bei BOS – für viele ein absoluter Traumjob. Auch für Dich?
Hannah Emde: Ich verstehe den Reiz, aber ich glaube, es ist ein knallharter Job. Ich habe selbst gesehen, was es bedeutet, die kleinen Orang-Utans zu betreuen und ihnen alles beizubringen. Die können auch mal rabiat sein, beißen oder verstehen nicht sofort, dass sie vorsichtig sein müssen. Es bleiben wilde Tiere. Man muss 24/7 unter harten klimatischen Bedingungen – 30 Grad und extreme Luftfeuchtigkeit – für sie da sein. Und das Schlimmste ist die emotionale Belastung: Es bricht einem das Herz, wenn man merkt, dass ein Tier sich zu sehr an Menschen gewöhnt hat und vielleicht nie ausgewildert werden kann. Denn das größte Ziel ist eigentlich, sie nie wiedersehen zu müssen, weil sie in die Freiheit gehören.
BOS: Wo siehst Du die größte Herausforderung bei der Arbeit von BOS? Hannah Emde: Genau in dieser Ambivalenz: Die Kleinen brauchen die Nähe und die Bezugspersonen, um zu lernen. Gleichzeitig sollen sie später in der Wildnis den Menschen meiden, weil wir für Wildtiere meistens eine Gefahr darstellen. Diesen schmalen Grat zu wandern, ist eine enorme Leistung des Personals. Auch für mich als Tierärztin war es oberste Priorität, Distanz zu wahren. So niedlich sie auch sind: Ich durfte nie aktiv auf sie zugehen, sondern musste immer meinen Abstand wahren, um ihre natürliche Scheu nicht zu gefährden.
In den letzten Tagen gab es in den sozialen Netzwerken kaum ein Entkommen vor diesen Bildern: Ein winziges Makaken-Baby klammert sich verzweifelt an einen Plüsch-Orang-Utan von IKEA. Die Rede ist von Punch, einem jungen Affen aus dem Ishikawa Zoo in Japan. Millionen Menschen liken, teilen und kommentieren die Aufnahmen. Doch was auf den ersten Blick wie eine herzerwärmende Geschichte über Freundschaft und Rettung wirkt, ist bei genauerem Hinsehen ein trauriges Zeugnis unseres gestörten Verhältnisses zu Wildtieren.
Der Weg vom Makaken-Baby Punch zum viralen Star
Makaken-Baby Punchs Start ins Leben war hart. Er wurde im vergangenen Sommer geboren und kurz darauf von seiner Mutter verstoßen. Da kleine Makaken ein extremes Bedürfnis nach Körperkontakt haben, versuchten die Tierpfleger die Lücke zu füllen – erst mit Handtüchern, später mit dem mittlerweile berühmten Stofftier. Da die Integration in seine Artgenossengruppe nicht reibungslos funktionierte, wurde der Plüsch-Orang-Utan zu seinem einzigen Anker.
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Die Folge? Ein beispielloser Hype. Der IKEA-Affe war in Japan binnen kürzester Zeit ausverkauft, und Besucher nahmen stundenlange Fahrten auf sich, um einen Blick auf das „süße“ Duo zu werfen. Eine perfekte Marketing-Kampagne für den Zoo und das Möbelhaus – doch der Preis dafür ist hoch.
Die gefährliche Vermenschlichung vom Makaken-Baby Punch
Wenn wir Primaten sehen, die Kleidung tragen oder mit Spielzeug interagieren, verlieren wir den Blick für ihre wahre Natur. Wir hören auf, sie als Wildtiere zu respektieren, und beginnen, sie als Projektionsfläche für unsere eigenen Emotionen zu nutzen.
Der Exotic Pet Trade: Die Schattenseite des Hypes ließ nicht lange auf sich warten. Es gingen bereits die ersten Kaufangebote für Punch ein. Solche viralen Geschichten sind die beste Gratis-Werbung für den (oft illegalen) Handel mit exotischen Haustieren.
KI und Desinformation
In Zeiten von künstlicher Intelligenz werden solche realen Vorlagen genutzt, um Deepfakes oder KI-generierte Bilder von Wildtieren in „süßen“, menschlichen Settings zu erstellen. Das normalisiert den Besitz von Affen als Haustiere und befeuert eine Industrie, die auf Tierleid basiert.
Wenn Verhaltensstörungen bei Primaten als „süß“ verkauft werden
Dass ein Primat eine Bindung zu einem Objekt aus Stoff aufbauen muss, ist kein Zeichen von Niedlichkeit, sondern ein Symptom einer schweren Entwicklungsstörung. Es ist eine „Red Flag“, ein Warnsignal für fehlende soziale Strukturen und natürliche Instinkte.
Primatologen sind sich einig: Je weniger Kontakt Wildtiere zu Menschen und menschlichen Gegenständen haben, desto besser für sie. Nur in der Abwesenheit menschlicher Einflüsse können sie lernen, in einer sozialen Gruppe zu bestehen und ihre natürlichen Instinkte zu entwickeln. Alles andere dient nicht dem Tierwohl, sondern allein dem menschlichen Egozentrismus und dem Verlangen nach Unterhaltung.
Fazit: Empathie als Werkzeug
Wir finden die Geschichte von Punch weder süß noch lustig. Sie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie menschliche Empathie instrumentalisiert wird, um Reichweite zu generieren. Während die Welt über das Bild eines klammernden Affenbabys lächelt, wird das eigentliche Leid und die daraus resultierende Gefahr für den Artenschutz ignoriert.
Erfahren Sie hier wie Sie mit verantwortungsvollem Reisen, Wilderei und illegalen Wildtierhandel verhindern können.
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