Unsere Tier­ärzte im Einsatz

Unsere Tier­ärzte im Einsatz

Beson­dere Zeiten erfor­dern beson­dere Maßnahmen. Die noch immer wütende welt­weite Pandemie macht auch vor dem Regen­wald auf Borneo nicht Halt und sorgt für große Heraus­for­de­rungen und den uner­müd­li­chen Einsatz aller Team­mit­glieder vor Ort. Doch auch ohne Pandemie haben unsere Vete­ri­näre immer viel zu tun.

In unserem Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum Samboja Lestari (Ost-Kali­mantan) arbeitet ein Team aus vier Vete­ri­nä­rinnen und Vete­ri­nären und drei weiteren Fach­kräften im tägli­chen Einsatz für Orang-Utans und Malai­en­bären. Und sie haben alle Hände voll zu tun! Schließ­lich befinden sich ca. 120 Orang-Utans und 70 Bären unter ihrem Schutz. Und die Versor­gung der Tiere muss auch unter Pande­mie­be­din­gungen gewähr­leistet sein. Die Schutz­maß­nahmen machten ein Schicht­system erfor­der­lich, das den Alltag der Teams gehörig auf den Kopf stellte. Der Zeit­plan wurde so ange­passt, dass die Team­mit­glieder im Zwei­tages-Rhythmus arbeiten und frei haben. So kann der tier­ärzt­liche Betrieb des Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trums auch unter diesen beson­deren Bedin­gungen sicher aufrecht­erhalten werden.

Auch Schreib­tisch­ar­beit gehört zur Routine der Tierärzte

Bevor unsere Vete­ri­näre zu den Tieren gehen, ziehen sie sich ihre persön­liche Schutz­aus­rüs­tung (PSA) an. Ein Tier­arzt ist zuständig für die Wald­schüler, die Malai­en­bären und die Behand­lungs­be­reiche, der bzw. die andere kümmert sich um die Gehege und Sozialisierungsanlagen.

Dabei werden verschie­dene Unter­su­chungen gemacht, um Krank­heiten, Verlet­zungen oder andere Beschwerden bei den Tieren früh zu erkennen. Außerdem werden regel­mä­ßige Behand­lungen durch­ge­führt, wie z. B. Inha­la­tionen bei Orang-Utans, die unter dem Orang-Utan-Respi­ra­tory-Desease-Syndrome (ORDS) leiden. Diese schwere Erkran­kung der Atem­wege, unter der Orang-Utans leiden können, kann unbe­han­delt tödlich ausgehen.

Inha­la­tionen müssen bei einigen Tieren regel­mäßig durch­ge­führt werden

Auch die Unter­su­chung von Kotproben gehört zur tägli­chen Arbeit des Vete­ri­när­teams. Der Kot der Tiere ist sehr aufschluss­reich und gibt einen Einblick in den aktu­ellen Gesund­heits­zu­stand der Orang-Utans und der Malai­en­bären. So können eine Reihe von Krank­heiten erkannt werden, wie z. B. Wurm­in­fek­tionen oder der Befall durch Haken­würmer oder Spul­würmer (Stron­gy­lo­ides), die verschie­denen Infek­tionen bei Orang-Utans auslösen können.

Viele Unter­su­chungen im Labor führen die Vete­ri­näre direkt selbst durch

Neben der tägli­chen Routine müssen manchmal auch chir­ur­gi­sche Eingriffe an unseren Schütz­lingen vorge­nommen werden. Zum Beispiel, wenn geret­tete Tiere schwere Verlet­zungen haben. Oder auch, um körper­liche Leiden zu lindern, die auf andere Weise nicht behan­delt werden können. So bekam z. B. Jeffrey eine erfolg­reiche Hüft­dys­plasie – eine wirk­liche außer­ge­wöhn­liche OP an Orang-Utans.

Im Einsatz am OP-Tisch

Groß­ein­satz für das Vete­ri­när­team heißt es immer, wenn eine Auswil­de­rung ansteht. Denn bevor wir die Orang-Utans in die Frei­heit entlassen, müssen wir sicher­stellen, dass die Tiere voll­kommen gesund und fit sind. Die abschlie­ßenden Gesund­heits­kon­trollen und Krank­heits­test sind sozu­sagen das Ticket in den Regenwald.

Es gibt also immer viel zu tun! Das Vete­ri­när­team von Samboja Lestari arbeitet uner­müd­lich. Für eine bessere Zukunft der Wild­tiere und Menschen auf Borneo.

Unter­stützen auch Sie unsere Arbeit mit einer Spende.

Wir haben Nachwuchs

Wir haben Nachwuchs

Eine alte Bekannte wurde in Kehje Sewen mit einem neuen Baby gesichtet

Was für eine schöne und hoff­nungs­volle Nach­richt in diesen düsteren Zeiten! Unsere Mitar­beiter haben im Kehje Sewen-Wald eines unserer reha­bi­li­tierten Orang-Utan-Weib­chen mit einem kleinen Baby entdeckt! Ob Junge oder Mädchen wissen wir noch nicht. Aber Haupt­sache gesund.

Ajeng ist die neue Mutter. Das 16 Jahre alte Orang-Utan-Weib­chen wurde im September 2015 in Kehje Sewen (Ost-Kali­mantan) ausge­wil­dert. Gerettet hatten wir sie als einjäh­riges Baby 2007 aus ille­galer Haus­tier­hal­tung. In der Wald­schule in Samboja Lestari war Ajeng eine schlaue und streb­same Wald­schü­lerin, die als Neun­jäh­rige bereits alle Fähig­keiten zeigte, die ein wilder, unab­hän­giger Orang-Utan beherr­schen sollte.

Ajeng zum Zeit­punkt ihrer Auswil­de­rung im September 2015

AJENG HAT SCHON VIELE HERZEN EROBERT

Im Auswil­de­rungs­wald trafen unsere Beob­ach­tungs­teams eine Zeit­lang sehr regel­mäßig auf Ajeng. Und meist war sie in männ­li­cher Beglei­tung. So flir­tete sie intensiv mit einem wilden Orang-Utan, hatte eine Affäre mit Robert, eine Liebes­ge­schichte mit Tiny und angelte sich schließ­lich mit Rafli einen echten Dschun­gel­könig. Was hatten wir jedes Mal nach solchen Beob­ach­tungen gehofft, Ajeng das nächste Mal mit einem Baby anzu­treffen. Aber nichts da. Statt­dessen machte sie sich rar.

So rar sogar, dass unser Beob­ach­tungs­team sie erst gar nicht erkannt hatte, als es sie bei einer routi­ne­mä­ßigen Patrouille mit dem noch sehr kleinen Baby zufällig entdeckte. Zunächst dachten sie, es handele sich um Signe, von der wir wussten, dass sie mit ihrem zweiten Baby durch dieses Gebiet von Kehje Sewen streift.
Doch irgendwie passten die körper­li­chen Merk­male nicht auf Signe. Und auch ein Tele­me­trie­si­gnal war nicht zu empfangen, da die Sender­bat­te­rien selten länger als zwei Jahre halten.

Dies ist das sechste wild­ge­bo­rene Baby in Kehje Sewen

Doch egal, um welchen Orang-Utan es sich auch handeln mochte: Unsere Mitar­beiter machten sich an ihren Job, beob­ach­teten Mutter und Kind, sammelten Daten und machten Fotos. Zurück im Camp schauten sie sich die Fotos genauer an. Hervor­ste­hende Backen­kno­chen, spär­li­ches Haar und ein großer Bauch – Signe war das auf keinen Fall! Doch wer war es dann? Zunächst wurde der Lager­tier­arzt hinzu­ge­rufen, der sich schon Sorgen machte, dass Signe mögli­cher­weise medi­zi­nisch behan­delt werden müsse aufgrund ihres verän­derten Äußeren. Doch ein lang­jäh­riger Mitar­beiter im Camp fand des Rätsels Lösung. Er iden­ti­fi­zierte Ajeng eindeutig. Und so wurde aus Sorge große Freude ob des neuen Nach­wuchses in unserem Auswil­de­rungs­wald. Immerhin ist es bereits der sechste wild­ge­bo­rene Nach­wuchs von einem unserer reha­bi­li­tierten Orang-Utan-Weib­chen in Kehje Sewen!

Will­kommen Baby!

Zwar wissen wir noch nicht, ob Ajeng ein kleines Orang-Utan-Mädchen oder einen kleinen Orang-Utan-Jungen so fürsorg­lich bemut­tert. Und leider ist es unseren Beob­ach­tungs­teams bisher auch nicht geglückt, die beiden ein weiteres Mal im Regen­wald aufzu­spüren. Aber Haupt­sache, Mutter und Kind geht es gut. Wir wünschen Ajeng und ihrem Baby alles Gute und hoffen, die beiden bald gesund und munter wieder zu treffen.

Jede Spende hilft den Orang-Utans und dem Regenwald!

Wie geht es den Neuan­kömm­lingen aus dem letzten Jahr?

Wie geht es den Neuan­kömm­lingen aus dem letzten Jahr?

Wenn die Orang-Utans zu uns kommen, haben sie meist eine trau­rige Geschichte hinter sich. Viele von ihnen sind trau­ma­ti­siert, einige verletzt, oft sind sie Waisen. So bitter die Anlässe sind, so froh sind wir doch, dass wir diesen wunder­baren Tieren die Chance auf ein neues Leben ermög­li­chen können. Denn mit ihrer Rettung beginnt unsere Arbeit. Die meisten Orang-Utans bleiben für viele Jahre bei uns, in denen sie einen umfang­rei­chen Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess durch­laufen. Auch letztes Jahr haben wir wieder viele Orang-Utans in unseren Rettungs­zen­tren Nyaru Menteng und Samboja Lestari aufge­nommen. Einige von Ihnen haben wir jetzt besucht….

Galaksi: der Obstliebhaber

Galaksi

Galaksi ist das indo­ne­si­sche Wort für Galaxis – seinen Namen hat unser kleiner Herzens­bre­cher von seinen Baby­sit­te­rinnen bekommen. Als er im August des letzten Jahres zu uns kam, war Galaksi unge­fähr sieben Monate alt und wog grade mal 2,4 Kilo­gramm. Dorf­be­wohner hatten ihn allein im Wald gefunden und die Behörden infor­miert. Das Rettungs­team des BKSDA machte sich sofort auf den Weg. Direkt nach seiner Ankunft im Baby­haus in Samboja Lestari unter­suchte unser Vete­ri­när­team den Orang-Utan-Jungen und gab ihm immer wieder Milch zu Trinken. Nach der Unter­su­chung konnten alle erst mal aufatmen: Er war zwar sehr dünn, hatte aber keine Verletzungen.

Seither hat Galaksi ordent­lich an Gewicht zuge­legt: 8,9 Kilo­gramm bringt er nach acht Monaten guter Pflege auf die Waage! Er lässt keine Gele­gen­heit aus, Milch zu trinken und genießt jeden einzelnen Tropfen. Dazu gibt es jede Menge Obst. Ganz beson­ders liebt er Drachen­früchte und Bananen. Klar. Auch sonst entwi­ckelt sich der Orang-Utan-Junge genau so, wie es sein soll. Er spielt viel, am liebsten im Wald, klet­tert allein auf Bäume und erkundet seine Umge­bung. Wenn er einen Fremden sieht, kommt er sofort vom Baum herunter und läuft zu seiner Baby­sit­terin, um sie zu umarmen. Die Nähe zur Baby­sit­terin als Ersatz­mutter ist wichtig für die Entwick­lung der Tiere.

Ramangai: der unab­hän­gige Geist

Ramangai

Vor über einem Jahr kamen Ramangai, Onyer und Aiko in unser Rettungs­zen­trum. Ramangai war im Wald von einem Baum direkt vor die Füße eines Dorf­be­woh­ners gefallen – so zumin­dest die Geschichte des Mannes, der ihn fand. Er hat den Orang-Utan-Jungen dann mehrere Tage mit Kaffee, gesüßter Kondens­milch und Bananen gefüt­tert. Keine gute Idee. Als das Rettungs­team eintraf, war Ramangai dehy­driert und geschwächt. Schon auf dem Weg ins Rettungs­zen­trum bekam er seine erste Infu­sion. Bei seiner Ankunft im Zentrum hatte er trockene Narben am linken Arm und am rechten Unter­schenkel, und die Haut an seinen Fingern schälte sich. Ramangai war so stark dehy­driert, dass er Fieber bekam, stumpfes Haar hatte und zu schwach war, um sich zu bewegen. Er brauchte einige Tage, bis sein Gesund­heits­zu­stand eini­ger­maßen stabil war. Zu diesem Zeit­punkt war er etwas über sechs Monate alt und wog 2,6 kg.

Wenn wir ihn heute sehen, scheint das lange her zu sein. Ramangai ist sehr selbst­be­wusst und erkundet seine Umge­bung auf eine Faust. Dann klet­tert er auf Bäume – wenn sie nicht allzu hoch sind – oder spielt mit erkenn­barer Freude in den vielen Pfützen, die während der Regen­zeit auf dem Gelände der Wald­schule verteilt sind. Er ist gesund und entwi­ckelt sich genauso, wie es für einen Orang-Utans seines Alters sein soll.

Onyer: der Umarmer

Onyer

Onyer wurde uns im Februar des letzten Jahres von einem Dorf­be­wohner im Bezirk Mihing Raya in Zentral-Kali­mantan über­geben. Da war der Orang-Utan-Waise unge­fähr acht Monate alt und wog 2,3 Kilo­gramm. Der „Finder“ behaup­tete, er habe Onyer am 19. Januar allein und ohne Mutter auf dem Gelände einer Gold­mine gefunden. Dann habe er ihn mit nach Hause genommen und einen Weg gesucht, die zustän­digen Behörden zu infor­mieren. Das dauerte offenbar einen ganzen Monat. Am 25. Februar, wurde Onyer an das Team der BKSDA über­geben. Leider ähneln sich diese Geschichten immer wieder. Oft glauben die Finder, sie könnten gut für die kleinen Menschen­affen sorgen. Doch aus gutem Grund ist es illegal, Orang-Utans als Haus­tiere zu halten.

In der Zeit bei uns hat sich Onyer prächtig entwi­ckelt. Er ist selbst­be­wusst, verspielt und ein echter Rauf­bold geworden. In manchen Situa­tionen neigt er zu aggres­sivem Verhalten. Vermut­lich, weil er sich bedroht fühlt. Dann greift er sogar die Tier­ärzte an. Unbe­kannten Menschen gegen­über ist er allge­mein eher miss­trau­isch. Dann geht Onyer gern auf „Nummer sicher“ und läuft zu einer der Baby­sit­te­rinnen oder einem vertrauten Spiel­ge­fährten und klam­mert sich an sie. Das beru­higt.  Eine seiner liebsten Spiel­ge­fähr­tinnen ist Aiko; mit ihr lernt er auf Bäume zu klet­tern. Und: Onyer ist ein perfektes Foto­mo­dell! Sobald er eine Kamera erblickt, schaut er direkt in die Linse — wir haben viele Bilder, auf denen er sein eigenes Spie­gel­bild bewundert!

Aiko: die Kletterin

Aiko

Wenn es so etwas unter Orang-Utans gibt, dann ist Aiko wohl die beste Freundin von Onyer. Mit ihm tobt sie am liebsten durch die Bäume und erlebt immer wieder neue Aben­teuer. Beim Klet­tern ist sie schon viel geschickter als die Gleich­alt­rigen ihrer Gruppe. Sie ist sehr unab­hängig und sehr gut darin, Kontakte zu knüpfen.

Aiko wurde am 23. März 2021 von einem Bewohner des Dorfes Muroi in der Region Kapuas, Zentral­ka­li­mantan, gefunden. Bei der Über­gabe erzählte er, er habe das kleine Orang-Utan-Mädchen in seinem Garten gefunden, nachdem sie von einem Hund gejagt worden war. Aiko war mit knapp unter drei Kilo­gramm sehr dünn und wurde von unseren Tier­ärzten auf ein Alter von etwa acht bis neun Monaten geschätzt.

Im Laufe der Zeit lebte sich Aiko gut ein. Von Anfang an hatte sie einen guten Appetit. Und von ihrer Lieb­lings­speise – Milch – kann sie gar nicht genug bekommen! Wenn sie das Gefühl hat, nicht genug zu haben, dann winselt sie sehr eindring­lich bei ihrer Baby­sit­terin um mehr. Aiko wird ihren Weg machen, davon sind wir über­zeugt. Ihren Namen hat sie übri­gens von einer/m unserer Unterstützer:innen bekommen: Vor genau einem Jahr haben wir welt­weit dazu aufge­rufen, dem kleinen namen­losen Orang-Utan-Mädchen einen Namen zu geben. Unter 1.400 Einsen­dungen wurde dann am Ende Aiko ausge­wählt. Eine gute Wahl, wie wir finden.

Feruza: die Überfliegerin

Feruza

Als man Feruza fand, saß sie neben ihrer toten Mutter, die sich in einer Wild­schwein­falle verfangen hatte und vermut­lich sehr qual­voll verendet ist. So erzählte es der Dorf­be­wohner, der sie in der Gegend des Dorfes Pondok Labu im Bezirk Tabang, Ost-Kali­mantan fand. Er nahm die kleine Waise mit nach Hause und kümmerte sich fast zwei Monate um sie. Mit Dosen­milch und Obst versuchte er sie aufzu­päp­peln. Dann sah er endlich ein, dass das nicht der rich­tige Weg war. Im November 2021 verstän­digte er das Wild­tier­ret­tungs­team der BKSDA, das das verängs­tigte Tier sofort abholten. Da war Feruza unge­fähr ein Jahr alt und wog etwas mehr als vier Kilo­gramm. Ihr ganzes Verhalten schien darauf hinzu­deuten, dass sie durch das Erlebte trau­ma­ti­siert war. Wenn sie Angst hatte, drückte sie sich ganz fest an ihre Baby­sit­terin. Auch wollte sie nicht allein schlafen: Immer, wenn sie zum Schlafen in ihr Körb­chen gelegt wurde, fing sie laut an zu weinen.

Doch langsam und stetig entwi­ckelt sich Feruza zu einem aktiven und eigen­stän­digen Indi­vi­duum. Sie ist sehr klug, klet­tert gern auf Bäume und nascht dort am liebsten Blatt­sprossen und Wald­früchte. So hat sie auch schon etwas an Gewicht gewonnen und wiegt jetzt 4,8 Kilo­gramm. Ihr Verhalten ist das ihrer Alters­ge­nossen etwas voraus. Weiter so, kleine Feruza!

Gami: Der Ruhige

Gami

Gami war unge­fähr zwanzig Jahre alt, als er im November des letzten Jahres ins Rettungs­zen­trum Samboja Lestari kam. Zuvor wurde er mehr­fach auf dem Gelände einer Firma in der Nähe von Sama­rinda gesehen. Immer wieder kreuzte er auf dem Firmen­ge­lände auf und hatte wohl seit längerer Zeit auch kein Schlaf­nest mehr gebaut. Glück­li­cher­weise konnte ihn das BKSDA-Rettungs­team einfangen, um ihm im Rettungs­zen­trum erst einmal zu unter­su­chen. Um auszu­schließen, dass er anste­ckende Krank­heiten über­trägt, zog er zuerst in den Quaran­täne-Komplex. Gami war sicht­lich unter­ge­wichtig und wog nur 58 kg – deut­lich zu wenig für einen Orang-Utan seines Alters!

Einige Ergeb­nisse seiner allge­meinen Unter­su­chung stehen noch aus. Doch er frisst gut und ist auch schon wieder zu Kräften gekommen. Gami ist sehr ruhig, zeigt kein aggres­sives Verhalten und zieht sich in die Ecke seines Käfigs zurück, sobald sich ihm unbe­kannte Menschen nähern. Er ist ein stiller Beobachter.

Uli: der Älteste

Uli

Mitte letzten Jahres tauchte plötz­lich ein impo­santer männ­li­cher Orang-Utan in dem kleinen Dorf Loesan in Ost-Kali­mantan auf. Er verhielt sich fried­lich und nahm gern das Obst an, welches ihm von den Dorf­be­woh­nern gereicht wurde. Schnell fanden die Bilder seines Besu­ches in dem Dorf den Weg in die sozialen Medien, wo das Video viral ging. Das rief dann auch die Behörden auf den Plan: Ein Rettungs­team aus Bali­ka­papan machte sich gemeinsam mit unserem Tier­arzt Muhtadin Wahyu auf den Weg, um die Rettungs­ka­tion durchzuführen.

Am 11. Juni 2021 kam das Männ­chen im Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum von Samboja Lestari an, wo er erst einmal in Quaran­täne musste. Das ist Stan­dard für alle Neuan­kömm­linge. Seine medi­zi­ni­sche Unter­su­chung ergab, dass er 79 Kilo­gramm wog und abge­sehen von einem verkrümmten Zeige­finger gesund war. Die Ärzte schätzten ihn auf ein Alter von 24–25 Jahren. Dann entdeckte das Team zwei Mikro­chips im Körper des Männ­chens – ein sicheres Indiz, dass er schon mal in einer Rettungs­sta­tion war! Und tatsäch­lich — im Archiv von Samboja Lestari wurde das Team vor Ort fündig: Die aus dem Chip ausge­le­senen Daten belegten eindeutig, dass es sich bei dem Männ­chen um Uli handelte. Er war am 6. Februar 1998 aus Palangka Raya in Zentral­ka­li­mantan gerettet und nach Wana­riset — unserem alten Orang-Utan-Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum — in Ostka­li­mantan gebracht wurde. Knapp einein­halb Jahre später im September 1999 wurde er in einem sehr jungen Alter im Meratus Moun­tain Protec­tion Forest ausgewildert.

Nun war er wieder in unserer Obhut. Uli ist ein sehr freund­li­ches Männ­chen. Er frisst das ihm ange­bo­tene Futter, spielt mit den Blät­tern, die wir ihm in den Käfig legen. Oder er beob­achtet die Pfleger und Tech­niker bei ihrer Arbeit. Uli bleibt noch eine Weile im Sozia­li­sie­rungs­kom­plex, bis er auf eine unserer Voraus­wil­de­rungen kommt. Dort soll er noch mal beweisen, dass er ohne mensch­liche Unter­stüt­zung im Regen­wald leben kann, bevor wir ihn – weitab von mensch­li­chen Sied­lungen – wieder in der Wildnis Borneos auswil­dern können. Doch wir sind zuver­sicht­lich: Schließ­lich hat er über zwanzig Jahre unab­hängig von uns Menschen überlebt.

Frauen spielen eine wich­tige Rolle bei der Aufrecht­erhal­tung der Wehea Dayak-Kultur

Frauen spielen eine wich­tige Rolle bei der Aufrecht­erhal­tung der Wehea Dayak-Kultur

Borneo ist die Heimat der Dayak, die aus vielen lokalen Bevöl­ke­rungs­gruppen bestehen. Kultur, Sprache und Lebens­weise unter­scheiden sich von Dayak zu Dayak. Eine Gruppe davon sind die Wehea Dayaks. Sie leben seit Genera­tionen in einem von BOS betreuten Wald­ge­biet in der Region Ost-Kutai. BOS unter­stützt die Wehea Dayaks dabei, ihre Bräuche und Tradi­tionen weiter­zu­führen. Frauen spielen dabei eine beson­dere Rolle.

Die Aufgaben sind vielseitig

Die Wehea Dayaks haben eine Viel­zahl tradi­tio­neller Rituale und Veran­stal­tungen, die sie von Genera­tion zu Genera­tion weiter­geben. Zum Beispiel beim Reis­ern­te­fest: Hier kochen die Frauen für alle, reinigen gemeinsam das Dorf und führen die tradi­tio­nellen Tänze auf. Bei anderen Zere­mo­nien wie der Kinder­weihe (erau anak) sind Frauen für das Fütte­rungs­ri­tual oder die Vorbe­rei­tung von Opfer­gaben für die Ahnen zuständig. „Das ist auch bei tradi­tio­nellen Hoch­zeiten so“, erklärt Yulita Leang Long, eine der Bewoh­ne­rinnen des Dorfes Diaq Lay.

Zur Tradition gehört auch die gemeinsame Vorbereitung des Essens
Zur Tradi­tion gehört auch die gemein­same Vorbe­rei­tung des Essens

Nach Ansicht der Frauen lehrt und fördert die Wehea-Dayak-Kultur den Respekt vor der Natur, die Bedeu­tung der Zusam­men­ar­beit im Team, den Respekt vor den Älteren und die Akzep­tanz von Unter­schieden. Doch durch das Vorrü­cken der modernen Welt in den Regen­wald finden immer mehr neue Tech­no­lo­gien ihren Weg auch zu den Wehea Dayaks. Das bringt zum Teil Arbeits­er­leich­te­rungen mit sich – und gleich­zeitig treten die alten Bräuche und Tradi­tionen mehr und mehr in den Hintergrund.

Um ihre Tradi­tionen und Kultur für die jüngere Genera­tion lebendig zu halten, versucht Yulita Leang Long, ihren Kindern so viel wie möglich davon beizu­bringen. “Ich zeige ihnen, wie die tradi­tio­nelle Wehea-Dayak-Klei­dung genäht wird und bringe ihnen unsere Tänze bei.“ Mariana Ying Tuq, aus dem benach­barten Dorf Bea Nehas, konzen­triert sich vor allem auf das tradi­tio­nelle Hand­werk. Sie stellt die typi­schen Röcke (Tepa), Hüte (Sekduq), gefloch­tenen Mache­ten­schnüre und gewebte Matten her. So wie sie es von ihrer Mutter gelernt hat, gibt auch sie ihr Wissen zur Herstel­lung dieser Waren an ihre Töchter weiter.

Das gemeinsame Flechten ist Teil der Kultur
Das gemein­same Flechten ist Teil der Kultur

Eine Brücke zwischen alt und neu

Um zu verhin­dern, dass die tradi­tio­nellen Bräuche und Rituale irgend­wann ganz verschwinden, haben einige Frauen eine Hand­wer­ker­ge­mein­schaft gegründet. Neben der Herstel­lung der tradi­tio­nellen Waren geht es Ihnen vor allem darum, die über­lie­ferten Tradi­tionen am Leben zu erhalten. Und dafür gehen sie auch sehr moderne Wege – über Face­book! „Wir machen eigene Beiträge, manchmal auch kleine Videos über unsere Kultur. Wenn wir Posts von anderen sehen, die im Zusam­men­hang mit unseren Bräu­chen und Tradi­tionen stehen, dann kommen­tieren wir das oder liken die Beiträge. So verbinden wir uns mitein­ander und verbreiten das Wissen über unsere Kultur“, erzählt Yulita Leang Long.

Die Frauen sind stolz darauf, ihre Kultur und ihre Bräuche zu bewahren. Sie hoffen, dass sie auch zukünftig so viel posi­tive Reso­nanz bei anderen Einwoh­nern, insbe­son­dere aber bei jungen Menschen, bekommen.

BOS unter­stützt die Akti­vi­täten der Wehea Dayak zur Erhal­tung ihrer Tradi­tion unter anderem durch finan­zi­elle Förde­rung. Helfen Sie uns dabei - Die Orang-Utans und der Regen­wald brau­chen uns. Gerade jetzt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

 

Wald­schul-Trio macht gute Fortschritte

Wald­schul-Trio macht gute Fortschritte

Monita, Chris­tina und Paulinus sind vor zehn Monaten in die Wald­schul­gruppe 3 gewech­selt. Seither haben sie Riesen­fort­schritte gemacht! Allen voran Monita. Anfangs war das Orang-Utan-Mädchen noch etwas schüch­tern – kein Wunder, musste sie doch ihre beste Freundin Delilah in der Kinder­garten-Gruppe zurück­lassen. Doch es war Zeit, den nächsten Schritt zu gehen.

Monita ist eine kluge Schülerin

Das „Klas­sen­zimmer“ der Wald­schul­gruppe 3 ist ziem­lich groß und hat viele hohe Bäume – der ideale Ort, um neue Erfah­rungen zu machen. Monita ist eine geschickte Klet­terin, und dennoch war sie anfangs sehr zöger­lich, wenn es auf die großen Bäume ging. So blieb sie oft auf dem Boden zurück, wenn ihre Klas­sen­ka­me­raden loskletterten.

Doch sie hatte Glück: Topan und Alejandra, die sie noch aus der gemein­samen Zeit im Wald­kin­der­garten kannte, waren schon etwas länger in der Wald­schul­klasse und begrüßten Monita, als sie sie wieder­erkannten. Beim gemein­samen Obstessen wurden dann die alten Freund­schafts­bande wieder gefestigt.

Monita spielt gern hoch in den Bäumen
Monita spielt gern hoch in den Bäumen

Schon bald spielte Monita auch mit den Orang-Utans, die älter und größer waren als sie. Aufmerksam beob­ach­tete sie die anderen und ahmte ihre Tätig­keiten nach. So lernte sie schnell neue Fähig­keiten. Mitt­ler­weile jagt sie die anderen bis in die höchsten Baum­kronen, um mit ihnen zu spielen, zu ringen und Nester zu bauen.

Jeder Orang-Utan ist anders

Auch Paulinus hat sich gut in die Gruppe inte­griert. Der 4jährige Orang-Utan ist ein kleiner Rauf­bold und liebt es, den ganzen Tag mit seinen neuen Freunden Bumi, Zahri, Oka und Bravis zu spielen. Am liebsten fordert er den etwas größeren Bravis zum Ringen auf! Paulinus wird von seinen Alters­ge­nossen voll akzep­tiert und hat sich gut eingelebt.

Paulinus mit "Raufkumpel" Bravis
Paulinus mit “Rauf­kumpel” Bravis

Chris­tina war mit ihren sieben Jahren schon etwas älter, als sie in die Wald­schul­gruppe kam. Und doch verhielt sie sich eher zurück­hal­tend und scheu. Sie ging den anderen so gut es ging aus dem Weg, obwohl sie größer war als die meisten von ihnen. Aber dann freun­dete sie sich mit Monita an. Das half Chris­tina wohl auch, sich an die anderen Tiere in der Gruppe zu gewöhnen. Mitt­ler­weile ist sie eine von ihnen.

Jeder Orang-Utan ist eine eigene Persön­lich­keit. Doch gemeinsam lernen sie, was dazu gehört, um eines Tages eigen­ständig in den Regen­wäl­dern Borneos leben zu können. Unter­stützen Sie uns dabei, diesen Orang-Utan eine Zukunft zu geben.

 

Als Monita zu uns kam, war sie so schreck­haft, dass sie sich sogar vor Blät­tern fürchtete.…