Justins erfolg­rei­cher Weg in die Unabhängigkeit 

Justins erfolg­rei­cher Weg in die Unabhängigkeit 

Die Auswil­de­rung von Justin vor fast fünf Jahren war ein großer Erfolg, wie uns ein Zusam­men­treffen mit dem Orang-Utan-Männ­chen im Kehje-Sewen-Wald in Ost-Kali­mantan beweisen konnte. 

Als an einem späten Nach­mittag unser PRM-Team aus dem Camp Nles Mamse von einem regu­lären Rund­gang zurück­kehrte, wurde ganz in der Nähe der 15-jährige Justin gesichtet. Sofort machte sich das Team auf, um zu schauen, wie es Justin inzwi­schen geht. 

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An diesem Nach­mittag saß Justin noch lange auf einem Baum und beob­ach­tete seine Umge­bung, bevor unser Team das Knacken von Ästen hörte – das typi­sche Geräusch, wenn ein Orang-Utan sich sein Nacht­lager errichtet. Das Team merkte sich den genauen Standort, um am nächsten Morgen die Beob­ach­tungen fort­setzen zu können. Dies sollte sich jedoch als schwie­riger heraus­stellen, als erwartet! Denn Justin war offen­sicht­lich nicht in der Stim­mung, die Anwe­sen­heit von Menschen in seiner Nähe zu dulden und zeigte dies auch deutlich. 

Er grum­melte laut­stark und machte außerdem die für Orang-Utans typi­schen Kuss­ge­räu­sche. Diese soge­nannten „kiss-squeaks“ sind laute schmat­zende Geräu­sche, die entstehen, wenn die Lippen zusam­men­ge­kniffen werden. Auf diese Weise zeigen Orang-Utans eindeutig ihren Unmut. Zusammen mit dem lauten Grum­meln, zeigte Justin hier gleich zwei Droh­ge­bärden auf einmal. Damit machte er dem PRM-Team eindeutig klar, dass er nicht beob­achtet werden will und sie sich zurück­ziehen sollen. Um seine Aussage noch deut­li­cher zu unter­strei­chen, warf er mit Ästen nach seinen Beob­ach­tern und klet­terte danach auf einen hohen Baum. Daraufhin kam das Team Justins Bitte nach und zog sich zurück. 

Das war eindeutig eine gute Nach­richt gewesen, da diese Signale ein Zeichen für Justins erfolg­rei­chen Weg in die Unab­hän­gig­keit sind und damit ein weiterer Beweis für die geglückte Auswilderung! 

Trotz der kurzen Beob­ach­tungs­zeit kann unser Team Aussagen über sein Essver­halten machen. Justin scheint sehr gerne Lianen­mark zu mögen, da er viel Zeit und Mühe für die Suche aufge­wendet hat. Dazu kamen Kalmus- und wilde Ingwer-Sprossen sowie junge Blätter

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Mit Ihrer Unter­stüt­zung tragen Sie zum Erfolg unserer Projekte bei und ermög­li­chen den Orang-Utans wieder ein Leben in Frei­heit. Unter­stützen Sie uns weiter. Jeder Beitrag hilft. 

Frauen spielen eine wich­tige Rolle bei der Aufrecht­erhal­tung der Wehea Dayak-Kultur

Frauen spielen eine wich­tige Rolle bei der Aufrecht­erhal­tung der Wehea Dayak-Kultur

Borneo ist die Heimat der Dayak, die aus vielen lokalen Bevöl­ke­rungs­gruppen bestehen. Kultur, Sprache und Lebens­weise unter­scheiden sich von Dayak zu Dayak. Eine Gruppe davon sind die Wehea Dayaks. Sie leben seit Genera­tionen in einem von BOS betreuten Wald­ge­biet in der Region Ost-Kutai. BOS unter­stützt die Wehea Dayaks dabei, ihre Bräuche und Tradi­tionen weiter­zu­führen. Frauen spielen dabei eine beson­dere Rolle.

Die Aufgaben sind vielseitig

Die Wehea Dayaks haben eine Viel­zahl tradi­tio­neller Rituale und Veran­stal­tungen, die sie von Genera­tion zu Genera­tion weiter­geben. Zum Beispiel beim Reis­ern­te­fest: Hier kochen die Frauen für alle, reinigen gemeinsam das Dorf und führen die tradi­tio­nellen Tänze auf. Bei anderen Zere­mo­nien wie der Kinder­weihe (erau anak) sind Frauen für das Fütte­rungs­ri­tual oder die Vorbe­rei­tung von Opfer­gaben für die Ahnen zuständig. „Das ist auch bei tradi­tio­nellen Hoch­zeiten so“, erklärt Yulita Leang Long, eine der Bewoh­ne­rinnen des Dorfes Diaq Lay.

Zur Tradition gehört auch die gemeinsame Vorbereitung des Essens
Zur Tradi­tion gehört auch die gemein­same Vorbe­rei­tung des Essens

Nach Ansicht der Frauen lehrt und fördert die Wehea-Dayak-Kultur den Respekt vor der Natur, die Bedeu­tung der Zusam­men­ar­beit im Team, den Respekt vor den Älteren und die Akzep­tanz von Unter­schieden. Doch durch das Vorrü­cken der modernen Welt in den Regen­wald finden immer mehr neue Tech­no­lo­gien ihren Weg auch zu den Wehea Dayaks. Das bringt zum Teil Arbeits­er­leich­te­rungen mit sich – und gleich­zeitig treten die alten Bräuche und Tradi­tionen mehr und mehr in den Hintergrund.

Um ihre Tradi­tionen und Kultur für die jüngere Genera­tion lebendig zu halten, versucht Yulita Leang Long, ihren Kindern so viel wie möglich davon beizu­bringen. “Ich zeige ihnen, wie die tradi­tio­nelle Wehea-Dayak-Klei­dung genäht wird und bringe ihnen unsere Tänze bei.“ Mariana Ying Tuq, aus dem benach­barten Dorf Bea Nehas, konzen­triert sich vor allem auf das tradi­tio­nelle Hand­werk. Sie stellt die typi­schen Röcke (Tepa), Hüte (Sekduq), gefloch­tenen Mache­ten­schnüre und gewebte Matten her. So wie sie es von ihrer Mutter gelernt hat, gibt auch sie ihr Wissen zur Herstel­lung dieser Waren an ihre Töchter weiter.

Das gemeinsame Flechten ist Teil der Kultur
Das gemein­same Flechten ist Teil der Kultur

Eine Brücke zwischen alt und neu

Um zu verhin­dern, dass die tradi­tio­nellen Bräuche und Rituale irgend­wann ganz verschwinden, haben einige Frauen eine Hand­wer­ker­ge­mein­schaft gegründet. Neben der Herstel­lung der tradi­tio­nellen Waren geht es Ihnen vor allem darum, die über­lie­ferten Tradi­tionen am Leben zu erhalten. Und dafür gehen sie auch sehr moderne Wege – über Face­book! „Wir machen eigene Beiträge, manchmal auch kleine Videos über unsere Kultur. Wenn wir Posts von anderen sehen, die im Zusam­men­hang mit unseren Bräu­chen und Tradi­tionen stehen, dann kommen­tieren wir das oder liken die Beiträge. So verbinden wir uns mitein­ander und verbreiten das Wissen über unsere Kultur“, erzählt Yulita Leang Long.

Die Frauen sind stolz darauf, ihre Kultur und ihre Bräuche zu bewahren. Sie hoffen, dass sie auch zukünftig so viel posi­tive Reso­nanz bei anderen Einwoh­nern, insbe­son­dere aber bei jungen Menschen, bekommen.

BOS unter­stützt die Akti­vi­täten der Wehea Dayak zur Erhal­tung ihrer Tradi­tion unter anderem durch finan­zi­elle Förde­rung. Helfen Sie uns dabei - Die Orang-Utans und der Regen­wald brau­chen uns. Gerade jetzt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

 

Wald­schul-Trio macht gute Fortschritte

Wald­schul-Trio macht gute Fortschritte

Monita, Chris­tina und Paulinus sind vor zehn Monaten in die Wald­schul­gruppe 3 gewech­selt. Seither haben sie Riesen­fort­schritte gemacht! Allen voran Monita. Anfangs war das Orang-Utan-Mädchen noch etwas schüch­tern – kein Wunder, musste sie doch ihre beste Freundin Delilah in der Kinder­garten-Gruppe zurück­lassen. Doch es war Zeit, den nächsten Schritt zu gehen.

Monita ist eine kluge Schülerin

Das „Klas­sen­zimmer“ der Wald­schul­gruppe 3 ist ziem­lich groß und hat viele hohe Bäume – der ideale Ort, um neue Erfah­rungen zu machen. Monita ist eine geschickte Klet­terin, und dennoch war sie anfangs sehr zöger­lich, wenn es auf die großen Bäume ging. So blieb sie oft auf dem Boden zurück, wenn ihre Klas­sen­ka­me­raden loskletterten.

Doch sie hatte Glück: Topan und Alejandra, die sie noch aus der gemein­samen Zeit im Wald­kin­der­garten kannte, waren schon etwas länger in der Wald­schul­klasse und begrüßten Monita, als sie sie wieder­erkannten. Beim gemein­samen Obstessen wurden dann die alten Freund­schafts­bande wieder gefestigt.

Monita spielt gern hoch in den Bäumen
Monita spielt gern hoch in den Bäumen

Schon bald spielte Monita auch mit den Orang-Utans, die älter und größer waren als sie. Aufmerksam beob­ach­tete sie die anderen und ahmte ihre Tätig­keiten nach. So lernte sie schnell neue Fähig­keiten. Mitt­ler­weile jagt sie die anderen bis in die höchsten Baum­kronen, um mit ihnen zu spielen, zu ringen und Nester zu bauen.

Jeder Orang-Utan ist anders

Auch Paulinus hat sich gut in die Gruppe inte­griert. Der 4jährige Orang-Utan ist ein kleiner Rauf­bold und liebt es, den ganzen Tag mit seinen neuen Freunden Bumi, Zahri, Oka und Bravis zu spielen. Am liebsten fordert er den etwas größeren Bravis zum Ringen auf! Paulinus wird von seinen Alters­ge­nossen voll akzep­tiert und hat sich gut eingelebt.

Paulinus mit "Raufkumpel" Bravis
Paulinus mit “Rauf­kumpel” Bravis

Chris­tina war mit ihren sieben Jahren schon etwas älter, als sie in die Wald­schul­gruppe kam. Und doch verhielt sie sich eher zurück­hal­tend und scheu. Sie ging den anderen so gut es ging aus dem Weg, obwohl sie größer war als die meisten von ihnen. Aber dann freun­dete sie sich mit Monita an. Das half Chris­tina wohl auch, sich an die anderen Tiere in der Gruppe zu gewöhnen. Mitt­ler­weile ist sie eine von ihnen.

Jeder Orang-Utan ist eine eigene Persön­lich­keit. Doch gemeinsam lernen sie, was dazu gehört, um eines Tages eigen­ständig in den Regen­wäl­dern Borneos leben zu können. Unter­stützen Sie uns dabei, diesen Orang-Utan eine Zukunft zu geben.

 

Als Monita zu uns kam, war sie so schreck­haft, dass sie sich sogar vor Blät­tern fürchtete.…

 

Der Club der Mütter trifft sich im Wald

Der Club der Mütter trifft sich im Wald

Fünf Babys haben inzwi­schen in unserem Auswil­de­rungs­wald Kehje Sewen (Ost-Kali­mantan) das Licht der Welt erblickt. Bei dreien scheinen sich die Mütter richtig gut zu verstehen, denn immer wieder treffen wir Lesan, Sayang und Teresa mit ihren Kids Ayu, Padma und Berani gemeinsam im Wald an. Ist ja auch nett, sich mal auszu­tau­schen, die Kinder spielen zu lassen und einfach mal eine entspannte Zeit gemeinsam zu verbringen. Ehe man wieder allein mit dem Nach­wuchs durch den Regen­wald streift. 

Nicht weit von Camp Lesik entdeckte unser PRM-Team die drei Mütter und ihre Kinder an einem Nach­mittag in einem Feigen­baum. Kaffee­klatsch auf Orang-Utan-Art sozusagen. 

Kaffee­klatsch im Feigenbaum

Lesan (19) und Tochter Ayu (6) wurden zuerst entdeckt, wie sie sich im Feigen­baum vergnügten – aller­dings auf unter­schied­li­chen Ästen. Etwas weiter unten saßen dann auch Sayang (12) und Tochter Padma (4) sowie Teresa (13) mit Sohn Berani (4), die sich auf nahe gele­genen Ästen desselben Baumes entspannten. 

Teresa und Berani
Teresa und Berani

Kurz darauf wanderten Sayang und Padma zu einem Gold­pflau­men­baum. Ayu schloss sich den beiden an, während ihre Mutter Lesan ihr nur mit den Blicken folgte. Sayang und Padma ließen sich die Blätter der Gold­pflaume schme­cken, was Ayu mit großem Inter­esse verfolgte. 

Sayang und Padma
Sayang und Padma

Ayu forderte Padma immer wieder zum Spielen auf. Aber Mama-Kind Padma blieb dicht bei ihrer Mutter Sayang, die sie auch nicht aus den Armen ließ. Aller­dings zeigte Sayang Ayu, wie man sich durchs Geäst hangelt und teilte auch Futter mit ihr.

Ayus Mutter Lesan nahm derweil Kontakt zu Teresa auf. Gegen­seitig widmeten sie sich der Fell­pflege („groo­ming“), was Teresas Sohn Berani inter­es­siert beobachtete. 

Lesan und Teresa bei der gegenseitigen Fellpflege
Lesan und Teresa bei der gegen­sei­tigen Fellpflege

Schließ­lich löste sich der Mutter-Kind-Club auf. Sayang zog mit Padma in den Wald hinter dem Camp, während Lesan mit Ayu und Teresa mit Berani in Rich­tung Fluss wanderten.

Für uns ist es immer ein Höhe­punkt, solche Zusam­men­treffen von Müttern mit ihrem Nach­wuchs im Wald zu beob­achten. Möge diese neue Orang-Utan-Genera­tion ein unab­hän­giges, sicheres, langes und gesundes Leben im Wald von Kehje Sewen führen!

Werden auch Sie zum BOS-Unter­stützer. Mit Ihrer Spende helfen Sie den Orang-Utans, dem Regen­wald und damit auch unserem Klima. Jeder Beitrag hilft.

Indo­ne­si­sche Regie­rung: Ölpal­men­plan­tagen sind kein Wald

Indo­ne­si­sche Regie­rung: Ölpal­men­plan­tagen sind kein Wald

Die indo­ne­si­sche Regie­rung hat den Vorschlag einer renom­mierten Univer­sität abge­lehnt, Ölpalmen als forst­wirt­schaft­liche Nutz­pflanze neu zu klas­si­fi­zieren. Mit dem Vorstoß der Hoch­schule sollte angeb­lich das Problem der ille­galen Plan­tagen in Wald­ge­bieten gelöst werden – indem es unter anderem bereits bestehende Plan­tagen als „Wald“ klas­si­fi­ziert und damit lega­li­siert hätte! Neuan­pflan­zungen weiterer Ölpalmen wären dann per Defi­ni­tion eine „Auffors­tung“. Das indo­ne­si­sche Umwelt­mi­nis­te­rium hat den Vorschlag jedoch zurück­ge­wiesen und hält an seinem eigenen Programm fest.

Agro­forst­sys­teme statt Monokultur

Dieses „Social Forestry“-Programm sieht vor, die lokalen Gemeinden davon zu über­zeugen, dass sie von ille­galen Ölpal­men­plan­tagen auf nach­hal­ti­gere und renta­blere Agro­forst­sys­teme umsteigen. Dabei werden forst­wirt­schaft­liche Flächen mit land­wirt­schaft­li­cher Bewirt­schaf­tung und Tier­hal­tung kombiniert.

Mit der Absage der indo­ne­si­schen Regie­rung an den Vorstoß der Univer­sität bleiben Ölpalmen per Defi­ni­tion land­wirt­schaft­liche Nutz­pflanzen. In einer öffent­li­chen Stel­lung­nahme machte das Umwelt­mi­nis­te­rium deut­lich, dass die unge­bremste und ille­gale Ausdeh­nung von Ölpal­men­plan­tagen in Wald­ge­bieten zu unzäh­ligen ökolo­gi­schen, hydro­lo­gi­schen, recht­li­chen und sozialen Problemen geführt habe. Diese müssten jetzt erst einmal gelöst werden.

Palmölplantagen sind kein Regenwald
Palm­öl­plan­tagen sind kein Regenwald

Zu den Problemen, die mit der Ausdeh­nung der Ölpalmen in die Wälder verbunden sind, gehören der Verlust der biolo­gi­schen Viel­falt, die Verschlech­te­rung der Qualität der Waldöko­sys­teme und das erhöhte Risiko von Natur­ka­ta­stro­phen wie beispiels­weise Erdrut­schen, Über­schwem­mungen oder Feuern. Die Regie­rung wolle sich jetzt darauf konzen­trieren, diese Probleme zu lösen, anstatt zuzu­lassen, dass mehr Ölpalmen in Wald­ge­bieten ange­pflanzt werden.

Vor der offi­zi­ellen Ableh­nung des Plans hatten Forstexpert:innen und Naturschützer:innen ihre Besorgnis darüber geäu­ßert, dass die Regie­rung ernst­haft in Erwä­gung ziehen könnte, Ölpal­men­plan­tagen als Wälder zu klas­si­fi­zieren. In den letzten Jahren hatte es immer wieder heftige Ausein­an­der­set­zungen über das Thema gegeben; entspre­chende Verord­nungen wurden erlassen und wieder zurück­ge­nommen. Ein zehrendes Hin und Her.

Mangelnde Kontrolle ebnet den Weg für ille­gale Ölpalmenplantagen

Wenn ein Gebiet von der Regie­rung als „Wald­ge­biet“ einge­stuft ist, ist es in der Regel für jede Art von Rodung gesperrt. Mangelnde Über­wa­chung und Rechts­durch­set­zung haben jedoch dazu geführt, dass Unter­nehmen sowie Klein­bäue­rinnen und Klein­bauern klein­bäu­er­liche Betriebe immer wieder Ölpal­men­plan­tagen in Wald­ge­bieten anlegen. Die Regie­rung schätzt, dass derzeit 3,37 Millionen Hektar Ölpal­men­plan­tagen illegal in Wald­ge­bieten betrieben werden.

Der Schaden ist immens
Der Schaden ist immens

Ein Bruch­teil davon, nämlich 700.000 Hektar, fällt auf klein­bäu­er­liche Betriebe, die im Durch­schnitt weniger als 25 Hektar bewirt­schaften. Bei der Mehr­zahl der ille­galen Plan­tagen handelt es sich um Groß­grund­be­sitz, der von Unter­nehmen oder Geschäfts­leuten verwaltet wird.

Soziale Forst­wirt­schaft statt ille­galer Plantagen

Als Lösung für das Problem der ille­galen Plan­tagen wirbt die Regie­rung für ihr Programm der sozialen Forst­wirt­schaft (social forestry), das den Gemeinden Land­rechte gewährt. Das Programm ist eines der größten sozial-ökolo­gi­schen Expe­ri­mente seiner Art und zielt darauf ab, 12,7 Millionen Hektar staat­li­chen Waldes an lokale Gemein­schaften umzu­ver­teilen und ihnen die recht­liche Befugnis zur Bewirt­schaf­tung ihrer Wälder zu geben.
Ein wich­tiger Anreiz für Klein­bauern, sich dem sozialen Forst­wirt­schafts­pro­gramm anzu­schließen, kommt auch aus dem Markt: Immer mehr Palm­öl­mühlen weigern sich, Palm­früchte aus ille­galen Plan­tagen zu verar­beiten, da die Verbraucher:innen die Nach­hal­tig­keit der Palm­öl­in­dus­trie immer genauer unter die Lupe nehmen. Auch das ein wich­tiger Teil­erfolg im Hinblick darauf, was jede:r einzelne durch das persön­liche Kauf­ver­halten bewirken kann.

Viele Bäume fallen wegen der mangelnden Kontrolle
Viele Bäume fallen wegen der mangelnden Kontrolle

Wenn diese Pläne der indo­ne­si­schen Regie­rung greifen, könnte das Ökosystem am Ende soweit reha­bi­li­tiert sein, dass es dem natür­li­chen Wald in seinem ursprüng­li­chen Zustand ähnelt, bevor er für Mono­kul­turen gerodet wurde. Zumin­dest dort, wo es greift.

Auch wenn der Plan der Regie­rung das Problem der ille­galen Palm­öl­kon­zes­sionen in Wald­ge­bieten nicht komplett lösen kann, so ist es doch ein wich­tiger Schritt in die rich­tige Rich­tung. Für die ille­galen Palm­öl­plan­tagen, die von Unter­nehmen auf Wald­ge­bieten betrieben werden, fordern Natur­schutz-NGOs in Indo­ne­sien den Entzug der Lizenzen – statt Amnes­tien der Verstöße. Denn wie erst kürz­lich bekannt wurde, erteilte die Regie­rung eine Amnestie für 222 ille­gale Plan­tagen, wodurch Firmen nun 765.000 Hektar Fläche legal bewirt­schaften können. Eine Neube­wer­tung aller Palm­öl­kon­zes­sionen war zum Beispiel auch Ziel des 2021 ausge­lau­fenen Palm­öl­mo­ra­to­riums. Im Januar 2022 entzog die indo­ne­si­sche Regie­rung tatsäch­lich auch einigen Palm­öl­firmen, welche sich nicht an geltende Vorschriften hielten, ihre Plan­ta­gen­rechte, aller­dings waren nicht alle davon illegal.

BOS Deutsch­land unter­stützt das soziale Forst­wirt­schafts­pro­gramm der indo­ne­si­schen Regie­rung, fordert aber gleich­zeitig den Entzug aller kommer­zi­ellen Palm­öl­kon­zes­si­ons­rechte auf Wald­ge­bieten, die Rück­gabe von Land­rechten an lokale und indi­gene Gemeinden, sowie die konse­quente, parti­zi­pa­tive Reha­bi­li­tie­rung der Waldflächen.

Quellen: Mongabay Et al.

 

Auffors­tungs­pro­jekte von BOS

BOS forstet Regenwald auf
BOS forstet Regen­wald auf

Mit unseren Auffors­tungs- und Rena­tu­rie­rungs­pro­jekten in Mawas oder der Umwand­lung von Ölpal­men­plan­tagen in Sabah hin zu einem Wild­tier­kor­ridor leistet BOS einen wich­tigen Beitrag im Kampf gegen den Klima­wandel. Machen Sie mit!

 

Über­leben im Wald: Was Menschen von Orang-Utans lernen

Über­leben im Wald: Was Menschen von Orang-Utans lernen

Die DNA von Orang-Utans und uns Menschen stimmt zu 97 Prozent überein. Tatsäch­lich sind uns diese intel­li­genten Tiere in ihrem Verhalten und ihren Bedürf­nissen sehr ähnlich. Nur deswegen ist es über­haupt möglich, dass unsere „Ersatz­mütter“ den kleinen Orang-Utan-Waisen in der Wald­schule alles das beibringen, was sie sonst von ihren Müttern gelernt hätten. Wieviel wir Menschen umge­kehrt von den Orang-Utans lernen können, erleben unsere Moni­to­ring-Teams immer wieder. Zum Beispiel, wie man im Wald überlebt.

Unsere Post-Release-Moni­to­ring-Teams arbeiten tief im Regen­wald, weitab von jegli­cher Zivi­li­sa­tion. Immer wieder müssen Versor­gungs­trupps neben dem benö­tigten Equip­ment auch Nahrungs­mittel in die Camps liefern. In Schlecht­wetter-Zeiten kann es auch mal länger dauern, bis Nach­schub kommt. Frisch gefan­gener Fisch aus den nahe­ge­le­genen Flüssen ergänzt dann den Speiseplan.

Doch der Regen­wald bietet noch so viel mehr an Nahrung – wenn man weiß, was essbar und was giftig ist. Es gibt unzäh­lige Pflanzen und Früchte, die wir Menschen völlig unbe­denk­lich essen können. Wer sich jedoch nicht auskennt, kann nur schwer unter­scheiden, was gut schmeckt und wovon wir besser die Finger lassen. Orang-Utans kennen den Unter­schied sehr genau. Was liegt da näher, als diese Experten bei ihrer Nahrungs­be­schaf­fung zu beob­achten – und von ihnen zu lernen?

Orang-Utans wissen sehr genau, was essbar ist

Kimi ist ein wildes Orang-Utan-Weibchen
Kimi ist ein wildes Orang-Utan-Weibchen

Vor einiger Zeit entdeckte unser Team auf der Insel Juq Kehje Swen Desi und Kimi. Desi lebt seit Sommer 2019 auf der Voraus­wil­de­rungs­insel. Schon kurz nach ihrer Ankunft hatte sie eine neue Freundin gefunden: Kimi, ein wildes Orang-Utan-Weib­chen, das schon länger auf der Insel lebt. Desi, die viele Jahre im Samboja Lestari Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum auf ein Leben in Frei­heit vorbe­reitet wurde, hat ganz andere Gewohn­heiten und Stra­te­gien zur Futter­suche als die wilde Kimi. Diese ist eindeutig vertrauter mit einer größeren Auswahl an natür­li­chen Nahrungs­quellen im Wald. Indem Desi ihre Freundin sehr genau beob­achtet, lernt sie jeden Tag immer mehr Früchte und Pflanzen kennen, die essbar sind. Und auch unsere Teams lernen, denn sie beob­achten und doku­men­tieren die Akti­vi­täten der beiden Menschen­affen sehr genau.

Die gelbe Loa-Frucht (ficus racemose) schmeckt auch Menschen
Die gelbe Loa-Frucht (ficus race­mose) schmeckt auch Menschen

Das Vertrauen in das Wissen der Orang-Utans geht sogar so weit, dass das Team einige der Lieb­lings­früchte der beiden selbst probiert hat: Zum Beispiel Lunuk, oder auch wilde Feige (Ficus sp.), und Loa (Ficus race­mose), die beide auf der Insel Juq Kehje Swen häufig vorkommen. Und tatsäch­lich – die Früchte schme­cken richtig gut! Anderes Obst ist zwar nicht so lecker, aber dennoch gut bekömm­lich. Zum Beispiel die Früchte von Drewak (Microcos sp.) und Lempaung (Baccaurea lanceo­late). Sie hinter­lassen einen sauren Geschmack auf der Zunge, sind aber essbar. Auch einige Blätter und Kräuter, wie die würzigen Zingi­be­r­aceae-Röhren, sind bei Orang-Utans sehr beliebt und schme­cken auch den Menschen.

Um eine andere Frucht, die als mondo­kaki oder bongang (Taber­na­e­mon­tana macro­carpa) bekannt ist, haben die beiden Orang-Utan-Weib­chen einen weiten Bogen gemacht. Unser Team nahm das als deut­li­chen Hinweis und hat diese roten Früchte nicht einmal ange­fasst. Und tatsäch­lich: Offenbar wird diese Pflanze in einigen Formen als Medizin verwendet aber dient in anderer Form als Pfeil­gift. Also Hände weg!

Achtung gifitg! Die Tabernaemontana macrocarpa
Achtung giftig! Die Taber­na­e­mon­tana macrocarpa

Wir können viel von Orang-Utans lernen

Der tropi­sche Regen­wald, mit seiner unvor­stell­baren Viel­falt an Pflanzen, bietet noch sehr viel mehr. Wussten Sie, dass mehr als die Hälfte aller Wirk­stoffe aus der modernen Medizin von tropi­schen Pflanzen stammen? Der Regen­wald ist eine wahre Apotheke – wenn man weiß, welche Pflanzen heilen und welche giftig sind. Beide Sorten sind reich­lich vorhanden. So gibt es beispiels­weise Blätter gegen Fieber (Durian), Verstop­fung (Papaya) oder Entzün­dungen (Dracaena cant­leyi). Die Orang-Utans machen sich diese Heil­kraft der Pflanzen zunutze. So wurden sie dabei beob­achtet, wie sie die Blätter der Dracaena cant­leyi zerkauten und sich anschlie­ßend den entzün­dungs­hem­menden Spei­chel-Pflanzen-Mix auf ihre Glied­maßen schmierten.

Durch die Beob­ach­tung der Orang-Utans lernen unsere Teams, wie sie im Fall der Fälle im Regen­wald über­leben können. 

Manche Früchte wachsen hoch im Baum
Manche Früchte wachsen hoch im Baum

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