Der lange Weg zur Auswil­de­rung eines Orang-Utans

Der lange Weg zur Auswil­de­rung eines Orang-Utans

Der Moment, wenn sich die Klappe des Trans­port­kä­figs öffnet und ein Orang-Utan die ersten Schritte in sein neues, freies Leben unter­nimmt: Er ist jedes Mal wieder hoch­emo­tional für unser Team, der Höhe­punkt einer langen gemein­samen Geschichte. Denn dieses Indi­vi­duum konnte von BOS gerettet und erfolg­reich reha­bi­li­tiert werden. Die Auswil­de­rung ist ein Meilenstein.

Doch der Weg dahin ist nicht nur lang – er nimmt oft auch Umwege.

Heute möchten wir daher nicht von den 561 Orang-Utans erzählen, denen wir bereits die Frei­heit schenken konnten. Sondern von der weitaus komple­xeren Realität, die zu den 561 glück­li­chen Momenten der Käfig­öff­nung eben auch gehört.

Die Gesund­heits­prü­fung und über­trag­bare Krank­heiten bei Orang-Utans

Bevor ein Orang-Utan ausge­wil­dert werden darf, wird er vom BOS-Vete­ri­när­team gründ­lich unter­sucht, um even­tu­elle Verlet­zungen oder Erkran­kungen auszu­schließen. Beson­ders wichtig sind über­trag­bare Krank­heiten. Das schlimmst­mög­liche Szenario, dass man sich vorstellen könnte, wäre eine unkon­trol­lierte Ausbrei­tung einer Krank­heit unter der bereits frei­le­benden Orang-Utan-Population.

BOS-Tierärzte untersuchen einen Orang-Utan
Die BOS-Vete­ri­näre unter­su­chen die Orang-Utans gründ­lich vor der Auswilderung

Nächt­liche Fahrt auf schwie­rigen Pisten

Ist die Gesund­heits­prü­fung bestanden, wird die Reise in den Auswil­de­rungs­wald vorbe­reitet. Diese beginnt immer kurz vor Einbruch der Dunkel­heit. Das mag ange­sichts der Tatsache, dass nur unbe­fes­tigte Pisten in den Regen­wald führen, zunächst über­ra­schen. Unser Team nimmt die Nacht­fahrt dennoch in Kauf, denn nachts sind Orang-Utans übli­cher­weise im Ruhe­modus. Während dieser Zeit fühlen sie sich durch den Trans­port weniger gestört, den sie in einer zwar speziell ange­fer­tigten, aber dennoch beengten Kiste erleben.

Orang-Utan blickt aus Transportbox
Wert­volle Fracht: Die Trans­port­kisten werden speziell für Orang-Utans angefertigt

Während der gesamten Fahrt hält das Fahr­zeug alle zwei Stunden an. Dabei geht es weniger um Ruhe­pausen für die Fahrer der Autos als um das Wohl­be­finden und die Sicher­heit der Orang-Utans. Bei jeder Pause über­prüft unser Team, ob die Tiere entspannt und stabil sind und versorgt sie mit Wasser und Obst.

Kein GPS im Regen­wald: Als das Team sich verirrte

Bei einer Auswil­de­rung verirrte sich unser Team tief im nächt­li­chen Wald – wie sich später heraus­stellte, waren sie etwa 40 Kilo­meter vom vorge­se­henen Ort entfernt. Eine Inter­net­ver­bin­dung, die ihnen bei der Orien­tie­rung hätte helfen können, gab es nicht.
Schließ­lich kehrte der Konvoi um und fuhr zu einem markanten Punkt zurück, um von dort aus die rich­tige Route zu finden. Dabei erlebten sie die nächste Heraus­for­de­rung: Bei einem der Fahr­zeuge platzte ein Reifen, der gewech­selt werden musste, ehe die Fahrt fort­ge­setzt werden konnte.

Jeep der BOS Foundation im Regenwald auf dem Weg zu einer Auswilderung
Auf dem Weg zur Auswil­de­rung: unvor­her­seh­bare Stra­ßen­ver­hält­nisse und kein Internetempfang

So fand sich die Auswil­de­rungs­mann­schaft schließ­lich in einem Wett­lauf gegen die Zeit, denn je länger sich die Reise verzö­gerte, desto länger mussten die Orang-Utans auf ihre Frei­las­sung warten – und desto unru­higer und ange­spannter wurden sie. Als der Konvoi endlich den Umla­de­punkt erreichte, beeilte sich das Team, alle Trans­port­kisten von den Jeeps auf die Boote zu verladen, um die Reise auf dem Fluss fortzusetzen.

Nichts wie weg: Begeg­nung mit einem domi­nanten Orang-Utan

Schließ­lich erreichte das Team den Auswil­de­rungsort. Der große Moment war gekommen. Als Erstes öffneten sich die Käfig­türen für zwei Orang-Utans namens Semeru und Farida. Im Anschluss sollten Himba, Lyke und Nett frei­ge­lassen werden.

Da ertönte plötz­lich der laute Ruf eines domi­nanten Orang-Utan-Männ­chens. Domi­nante Männ­chen sind an ihren breiten Backen­wülsten und ihrem kräf­tigen Körperbau zu erkennen. Es dauerte nicht lange, da tauchte der Verur­sa­cher des Rufes auch schon in voller Pracht aus dem Blät­ter­dach des Waldes auf.

Das Team erkannte ihn als Franky: ein Orang-Utan-Männ­chen, das BOS bereits 2019 ausge­wil­dert hatte. Eigent­lich an einer weit entfernten Stelle im Regen­wald. Doch offen­sicht­lich hatte er sein Streif­ge­biet inzwi­schen bis zu diesem neuen Auswil­de­rungsort ausgedehnt.

Die Sicher­heit der Orang-Utans hat oberste Priorität

Das Team reagierte sofort und gab den Orang-Utans ausrei­chend Raum, damit sie möglichst ruhig und unge­stört bleiben konnten. Wie sich heraus­stellte, fühlte sich Franky von einer der beiden, inzwi­schen leeren, Trans­port­kisten ange­zogen. Viel­leicht, weil sie für ihn ein vertrauter Gegen­stand war, der mit seinem eigenen Weg in die Frei­heit verbunden war. Solche Momente sind äußerst selten, und das gesamte Team hielt den Atem an, während Franky die Kiste untersuchte.

Dominantes Orang-Utan-Männchen im Regenwald mit Transportbox
Franky nimmt sich die Trans­portbox vor

Da das Orang-Utan-Männ­chen eindeutig als domi­nantes Tier in diesem Gebiet auftrat, musste das Team eine Entschei­dung für die Sicher­heit der verblei­benden drei Orang-Utans treffen. Ein neuer, sicherer Ort für die Auswil­de­rung musste fest­ge­legt werden.

Warum die Wahl des rich­tigen Auswil­de­rungs­ortes entschei­dend ist

Die Begeg­nung mit Franky zeigte etwas, das die Öffent­lich­keit nur selten zu sehen bekommt: Den rich­tigen Ort für eine Auswil­de­rung zu finden, gehört zu den komple­xesten Phasen des gesamten Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zesses. Und sie beginnt lange bevor die eigent­liche Reise über­haupt ange­treten wird.
Denn ein Gebiet kann nicht einfach als Auswil­de­rungsort bestimmt werden. Es muss zunächst zahl­reiche Voraus­set­zungen erfüllen:

  • Die Höhen­lage des Gebietes muss als Lebens­raum für Orang-Utans geeignet sein.
  • Natür­liche Nahrungs­quellen müssen im Wald vorhanden sein.
  • Der Auswil­de­rungs­wald muss lang­fristig geschützt sein vor künf­tigen Erschlie­ßungs- und Nutzungsmaßnahmen.
  • Es darf dort noch keine – oder nur eine möglichst kleine – Popu­la­tion wilder Orang-Utans leben.
  • Es muss weit genug entfernt sein von mensch­li­chen Siedlungen.

Selbst wenn bestä­tigt wurde, dass ein Gebiet all diese Krite­rien erfüllt, muss das Team noch eine weitere wich­tige Voraus­set­zung über­prüfen: Ist das vorhan­dene Nahrungs­an­gebot tatsäch­lich ausrei­chend? Diese Aufgabe fällt dem Post-Release Moni­to­ring (PRM) Team zu, das nicht nur die bereits ausge­wil­derten Orang-Utans beob­achtet, sondern auch die Biodi­ver­sität der BOS-Auswil­de­rungs­wälder erforscht. Unter anderem erfasst und kartiert das PRM-Team durch regel­mä­ßige phäno­lo­gi­sche Unter­su­chungen die Arten und Mengen der im Gebiet vorhan­denen Nahrungsbäume.

Die gene­ti­sche Herkunft ist bei Orang-Utans entscheidend

Und schließ­lich gibt es ein letztes Krite­rium, das über­prüft werden muss, um für ein bestimmtes Indi­vi­duum den geeig­neten Auswil­de­rungs­wald zu bestimmen: die gene­ti­sche Herkunft des Orang-Utans. Jedes Tier muss in einem Gebiet ausge­wil­dert werden, das seiner jewei­ligen Unterart entspricht. Ein Orang-Utan aus Ost-Kali­mantan beispiels­weise darf nur in Ost-Kali­mantan ausge­wil­dert werden. Dasselbe gilt für Zentral-Kali­mantan und West-Kalimantan.

In der Geschichte von BOS ist es tatsäch­lich schon vorge­kommen, dass ein Orang-Utan in einer bestimmten Region gerettet und auch dort reha­bi­li­tiert wurde – und dass sich beim DNA-Test vor der Auswil­de­rung heraus­stellte, dass die Unterart dieses Indi­vi­duums einer anderen Region zuge­ordnet wird. In diesem Fall musste der gesamte Auswil­de­rungs­plan von Grund auf über­ar­beitet werden.

Moni­to­ring in den Auswil­de­rungs­wäl­dern ist wich­tiger Teil der Rehabilitation

Vom Auftreten eines domi­nanten Tieres wie Franky bis hin zu Verän­de­rungen in der Biodi­ver­sität eines Waldes: Die Bedin­gungen vor Ort können sich jeder­zeit verän­dern. Auch nachdem ein Standort sämt­liche Auswahl­kri­te­rien erfüllt hat und sorgsam ausge­wählt wurde.
Genau deshalb endet die Arbeit von BOS nicht in jenem magi­schen Moment, in dem die Trans­portbox geöffnet wird und wir einem weiteren Orang-Utan die Frei­heit schenken.

BOS-Ranger im Regenwald beobachtet Orang-Utans
Die ausge­wil­derten Orang-Utans werden weiterhin beobachtet

Unsere PRM-Teams verfolgen in der ersten Zeit die Bewe­gungen der neuen Wilden in ihrem neuen Lebens­raum per GPS-Tracking. So wird sicher­ge­stellt, dass die Orang-Utans sich gut an ihre neue Umge­bung anpassen, selbst­ständig Nahrungs­quellen finden und Konflikten mit anderen Orang-Utans oder Menschen in der Umge­bung aus dem Weg gehen. Nach einer gewissen Zeit sendet der Peil­sender nicht mehr, das Moni­to­ring endet jedoch auch dann nicht. Die Beob­ach­tungen sind nur weniger planbar und werden seltener.

Der magi­sche Moment der Auswil­de­rung ist nicht das Ende unserer Arbeit

Eine Orang-Utan-Auswil­de­rung ist deshalb nicht mit jenem wunder­schönen Moment abge­schlossen, wenn der Orang-Utan in die Frei­heit entlassen wird. Es ist der Start­punkt für das nächste, ebenso wich­tige Kapitel.
Aber der magi­sche Moment ist und bleibt ein wich­tiger Meilen­stein, der uns stolz und glück­lich macht. Denn das ist es schließ­lich, was hinter all unseren Anstren­gungen steht: Jeden Orang-Utan wieder nach Hause zu bringen.

Unter­stützen Sie uns dabei, Orang-Utans eine zweite Chance auf ein Leben in Frei­heit zu schenken.

Wald­brände auf Borneo 2026

Wald­brände auf Borneo 2026

  • 2 Orang-Utans sind aus Brand­ge­biet gerettet
  • Die Lage um das BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng hat sich soweit stabilisiert
  • In Samboja Lestari sind gerade die Wasser­stände um die Schutz­insel besorgniserregend
  • Orang-Utans mit Atem­wegs­sym­ptomen weiterhin in Behandlung
  • 327,8 Hektar in Mawas von Feuern betroffen
  • BOS-Fire Task Force Tag und Nacht im Einsatz

Jedes Jahr bringt die Trocken­zeit auf Borneo ein erhöhtes Risiko für Wald- und Land­brände mit sich. Gerade in den Torf­mooren Kali­mantans sind Feuer beson­ders gefähr­lich, da sie sich schnell unter- und ober­ir­disch ausbreiten können und schwer zu löschen sind. Die Präven­tion von Bränden ist daher unser größtes Anliegen, an dem wir seit Jahren mit aller Kraft arbeiten. Aufgrund der großen Trocken­heit und dem extremen El Niño-Ereignis in diesem Jahr, steht Borneo – und damit das BOS-Einsatz­ge­biet – vor extremen Heraus­for­de­rungen. Die Situa­tion ist derzeit äußerst dyna­misch. Wetter­be­din­gungen, Wind, Trocken­heit und neue Brand­herde können die Lage inner­halb kurzer Zeit verändern.

Wir sind bereit, uns den Flammen zu stellen. 24 Stunden an jedem Tag.

Auf dieser Seite infor­mieren wir fort­lau­fend über die aktu­elle Entwick­lung, mögliche Gefahren für Orang-Utans und ihre Lebens­räume sowie über die Maßnahmen der BOS Foun­da­tion zur Brand­prä­ven­tion und ‑bekämp­fung.

Update vom 30. September 2026: Feuer und nied­rige Wasserstände

Die Wald­brände wüten weiter und kein Ende ist in Sicht. Mitt­ler­weile hat das Feuer 327,8 Hektar im Schutz­ge­biet Mawas in Zentral­ka­li­mantan vernichtet. Unsere Teams geben nicht auf, doch auf den trocken­ge­legten Torf­moor­böden ist der Kampf gegen das Feuer eine riesige Heraus­for­de­rung. Erschwe­rend hinzu kommen die anhal­tende Trocken­heit und die nied­rigen Wasser­stände in den Wald­ge­bieten.
Die Situa­tion rund um unser Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng in Zentral­ka­li­mantan hat sich glück­li­cher­weise stabi­li­siert. Dennoch patrouil­lieren unsere Teams weiterhin rund um die Uhr. Als Präven­ti­ons­maß­nahme werden aktuell außerdem weitere Brunnen gebohrt. Denn auch Lösch­wasser wird aufgrund der andau­ernden Trocken­heit zu einer immer knap­peren Ressource.
Unser Rettungs­zen­trum Samboja Lestari in Ostka­li­mantan ist aktuell vor den Feuern sicher. Die andau­ernde Trocken­zeit hat aller­dings auch hier den Wasser­stand der Flüsse stark sinken lassen. Rund um unsere Voraus­wil­de­rungs­in­seln ist der Pegel bereits so weit gesunken, dass einige neugie­rige Orang-Utans auf Entde­ckungs­reise gegangen sind – beispiels­weise unser Orang-Utan-Weib­chen Lesley. Zu ihrem Schutz hat unser Team Lesley deshalbauf eine andere Voraus­wil­de­rungs­insel umge­sie­delt, auf der bereits Orang-Utan Bujan lebt.


Orang-Utan-Weib­chen aus bren­nendem Wald gerettet

Drohnenaufnahme der Orang-Utan-Dame Novita während der Rettungsaktion
Orang-Utan Novita kämpft um ihr Leben


Zwei Tage lang hat BOS gemeinsam mit Dorf­be­woh­nern, der Natur­schutz­be­hörde Zentral­ka­li­mantans und der indo­ne­si­schen Armee gegen Flammen und dichten Rauch gekämpft, um das Leben eines jungen Orang-Utans zu retten. Die drama­ti­sche Rettungs­ak­tion zeigt, wie akut die Wald­brände auf Borneo Orang-Utans und andere Wild­tiere bedrohen.


Rauch der Wald­brände: Atem­wegs­pro­bleme bei Orang-Utans


Doch nicht nur die Feuer stellen aktuell eine Bedro­hung dar. Der Rauch der Wald­brände (Haze) verbreitet sich kilo­me­ter­weit und entwi­ckelt sich zu einem massiven Gesund­heits­pro­blem für Menschen und Tiere. Welche Folgen der giftige Smog haben wird, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. Wir haben bereits eine ganze Reihe von Präven­tiv­maß­nahmen ergriffen, um unsere Orang-Utans zu schützen. Sie bekommen regel­mäßig Vitamine, Inha­la­tionen, Honig und Zwie­bel­saft. Trotzdem sind bereits die Atem­wege von 45 Orang-Utans ange­griffen — die Tiere zeigen Erkrankungssymptome.

Update vom 24. September 2026: Feuer breiten sich im Torf­moor­ge­biet Mawas aus

Wir hätten uns für dieses Update bessere Neuig­keiten gewünscht, doch die Situa­tion in Zentral­ka­li­mantan bleibt weiterhin kritisch. Beson­ders schwer betroffen ist das Torf­ge­biet Mawas in Zentral­ka­li­mantan, das in den vergan­genen Tagen stark von den anhal­tenden Wald­bränden gelitten hat. Eine Fläche von rund 171 Hektar im Gebiet um Tuanan sowie Teile der Rand­ge­biete stehen in Flammen.
Unsere Teams sind unun­ter­bro­chen im Einsatz. Doch der wochen­lange Kampf gegen die Feuer zehrt zuneh­mend an ihren Kräften. Was ihnen Kraft gibt, ist der Gedanke daran, dass auch die Exis­tenz ihres eigenen Zuhauses auf dem Spiel steht.


Orang-Utan-Rettungs­zen­tren: Lage stabil, Brand­ge­fahr bleibt hoch


Zum Glück hat sich die Lage rund um unsere beiden Orang-Utan-Rettungs­zen­tren stabi­li­siert. Die Brände in der Nähe des Rettungs­zen­trums Nyaru Menteng sind inzwi­schen gelöscht. Dennoch bleibt das Risiko weiterer Brände hoch.

Feuerwehreinsatz in der Nähe des Orang-Utan-Rettungszentrums Nyaru Menteng
Feuer­wehr­ein­satz in der Nähe des Orang-Utan-Rettungs­zen­trums Nyaru Menteng


Deshalb über­prüfen unsere Kolle­ginnen und Kollegen die Gehe­ge­ka­pa­zi­täten, um für den Fall einer Evaku­ie­rung vorbe­reitet zu sein. Aktuell ist eine solche Maßnahme nicht notwendig. Ange­sichts der dyna­mi­schen Situa­tion müssen wir jedoch auf alle Even­tua­li­täten vorbe­reitet sein.
Unsere Teams bereiten außerdem Wasser- und Kühl­maß­nahmen rund um die Orang-Utan-Gehege vor, darunter auch die Instal­la­tion von Sprink­lern. In der Wald­schule werden zusätz­liche Behälter mit sauberem Wasser aufge­stellt, damit die Trink­was­ser­ver­sor­gung unserer Wald­schüler immer gesi­chert ist.
Auch die Feuer­pa­trouillen werden weiterhin regel­mäßig durch­ge­führt – Tag und Nacht. So stellen wir sicher, dass wir even­tu­elle neue Brand­herde in der Nähe der Rettungs­zen­tren früh­zeitig entde­cken können. Gleich­zeitig wird der ausge­trock­nete Boden regel­mäßig vernässt.


Nied­riger Wasser­stände bergen Gefahr für unsere Waldstudenten


Allen Orang-Utans auf den Voraus­wil­de­rungs­in­seln Kaja und Bangamat geht es gut, und sie können vorerst in ihrer gewohnten Umge­bung bleiben. Unsere Teams beob­achten das Gebiet und die Wasser­stände der Flüsse rings um die Inseln regel­mäßig. Bei Bedarf werden wir Orang-Utans aus Berei­chen umsie­deln, die aufgrund der nied­rigen Wasser­stände für sie gefähr­lich werden könnten, da sie einfach in die umlie­genden Gebiete ausbre­chen können.

Niedriger Wasserstand der Kanäle um die Orang-Utan-Vorauswilderungsinseln
Der nied­rige Wasser­stand der Kanäle um die Voraus­wil­de­rungs­insel verleitet die Orang-Utans dazu, diese eigen­ständig zu über­queren und bringt sie dadurch in Gefahr.


Auf der Voraus­wil­de­rungs­insel Salat stellt sich die Situa­tion etwas anders dar. Aufgrund des nied­rigen Wasser­stands konnten sechs Orang-Utans den Kanal selb­ständig über­queren. Timpah, Nita, Hanin, Baun, Chris­tina und Winey hatten offenbar unser Rettungs­zen­trum als Ziel vor Augen. Dadurch war es für unsere Teams einfa­cher, sie aufzu­fangen und anschlie­ßend sicher unter­zu­bringen. Nun werden sie im Rettungs­zen­trum über­wacht und versorgt.


Atem­wegs­er­kran­kungen bei Orang-Utans durch Waldbrandrauch


Mitt­ler­weile leiden 38 Orang-Utans an Atem­wegs­er­kran­kungen, die durch den giftigen Smog der Wald­brände verur­sacht wurden. Die betrof­fenen Tiere werden von unseren Tier­ärz­tinnen und Tier­ärzten engma­schig über­wacht. Je nach Zustand des einzelnen Tieres erhalten sie unter­stüt­zende Behand­lung und entspre­chende Pflege. Die Tiere bekommen regel­mäßig Vitamin C, Honig und Inhalationen.

Vielen Dank für Ihre Unter­stüt­zung in diesen schwie­rigen Zeiten. Die Situa­tion bleibt weiterhin heraus­for­dernd für Menschen und Tiere. Unsere Teams tun alles, um auf die weitere Entwick­lung vorbe­reitet zu sein und Menschen wie Orang-Utans ange­sichts der Wald­brände best­mög­lich zu schützen.

Update vom 17. September 2026: Die Situa­tion verschärft sich — Erste Orang-Utan-Rettung aus Brandgebiet 

Am 14. September 2026 konnte die BOS Foun­da­tion gemeinsam mit der Wild­life Rescue Unit (WRU) der Natur­schutz­be­hörde BKSDA Zentral-Kali­mantan einen männ­li­chen Orang-Utan aus einem Brand­ge­biet in Tumbang Nusa retten. 

Der Orang-Utan ist schät­zungs­weise etwa 20 Jahre alt und wiegt rund 70 kg. Sein Gesund­heits­zu­stand wird derzeit über­wacht. Unsere Tier­ärzte konnten ältere Verlet­zungen an den Zehen seines linken Fußes und den Fingern seiner linken Hand fest­stellen. Er wurde ins BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng gebracht, wo er versorgt und konti­nu­ier­lich medi­zi­nisch über­wacht wird. Sobald er fit genug und unsere Tier­ärzte ihn für die Auswil­de­rung bereit erklären, wird der Orang-Utan in einen geeig­neten, sicheren Lebens­raum umgesiedelt.

Dies ist der erste Orang-Utan, den die BOS Foun­da­tion im Zusam­men­hang mit den aktu­ellen Wald- und Flächen­bränden gerettet hat.

Zuneh­mende Brände in den BOS-Gebieten

Die Situa­tion in den Arbeits­ge­bieten der BOS Foun­da­tion bleibt ange­spannt. Die anhal­tende Trocken­heit und Zunahme von Bränden erfor­dern an mehreren Orten eine erhöhte Einsatz­be­reit­schaft. Während die Lage an den meisten Stand­orten derzeit noch beherrschbar ist, wurden die Schutz- und Über­wa­chungs­maß­nahmen inzwi­schen verstärkt.
Die Rettungs­zen­tren Samboja Lestari und Nyaru Menteng sowie unsere Arbeits­ge­biete im Natio­nal­park Sebangau befinden sich inzwi­schen in der gelben Zone, während die Gebiete von RHOI (Ost-Kali­mantan) weiterhin in der grünen Zone sind. Beson­ders besorg­nis­er­re­gend bleibt die Situa­tion im Mawas-Schutz­ge­biet, das aufgrund der anhal­tenden Brände und dem erhöhten Feuer­ri­siko des Torf­moors weiterhin zur roten Zone gehört.

70,5 Hektar in Mawas von Bränden betroffen

Die von Bränden betrof­fene Fläche ist inzwi­schen auf insge­samt 70,5 Hektar ange­wachsen – 21 Hektar mehr als beim vorhe­rigen Update.

Luftaufnahme der Brände im Torfmoorgebiet von Mawas mit starker Rauchentwicklung
Brände im Torf­moor­ge­biet von Mawas

So brannte am 11. September im Dorf Tuanan eine Fläche von etwa 14 Hektar. Im Gebiet des Dorfes Mant­angai Hulu waren vom 11. auf den 12. September etwa 7 Hektar von einem Brand betroffen. Am 14. und 15. September brachen im Dorf Tuanan erneut Feuer aus.

Unser Mawas-Team ist gemeinsam mit dem Team der Forschungs­sta­tion Tuanan, lokalen Feuer­wehr­ein­heiten und Lösch­teams der anlie­genden Gemeinden im stän­digen Einsatz. Noch sind die Torf­moor­brände nicht gelöscht. Doch den Lösch­teams ist es gelungen, die Brände einzu­dämmen und zu verhin­dern, dass es sich in Rich­tung des Tuanan-Forschungs­camps ausbreitet.

Wir beob­achten die Lage weiterhin genau, um direkt auf jede weitere Ausbrei­tung des Feuers zu reagieren. Unser oberstes Ziel ist es, den Lebens­raum der wilden Orang-Utan-Popu­la­tion von Mawas und unsere Wieder­auf­fors­tungs­ge­biete vor den Flammen zu beschützen.

15 Orang-Utans von Voraus­wil­de­rungs­in­seln umgesiedelt

Aufgrund der weiterhin sinkenden Wasser­stände in den Flüssen rund um die Voraus­wil­de­rungs­in­seln, haben wir 14 Orang-Utans von den Inseln Kaja, Bangamat und Salat vorsorg­lich umge­sie­delt. Damit gewähr­leisten wir die Sicher­heit der Tiere und sorgen für eine ange­mes­sene Versor­gung unter den derzeit schwie­rigen Umweltbedingungen.

Orang-Utans auf BOS-Vorauswilderungsinsel sitzen am Ufer der Flüsse. Im Hintergrund der Smog der Waldbrände
Der Wasser­stand in den Flüssen rund um die Voraus­wil­de­rungs­in­seln ist weiter gesunken

Auch der Orang-Utan Zahri, ein Bewohner der Insel Salat, wurde nach einer Verlet­zung zur medi­zi­ni­schen Behand­lung umge­sie­delt.
Eine komplette Evaku­ie­rung der Orang-Utans von den Inseln ist bisher nicht notwendig.

Mehr Orang-Utans mit Atemwegssymptomen

Neben der unmit­tel­baren Brand­ge­fahr bereitet uns auch die zuneh­mende Rauch­be­las­tung weiterhin Sorgen. Daher über­wa­chen wir nach wie vor die Atem­wegs­ge­sund­heit der Orang-Utans beson­ders aufmerksam. Zwischen dem 16. August und dem 13. September 2026 wurden bei 31 Orang-Utans in Nyaru Menteng Atem­wegs­sym­ptome wie Niesen, Husten und Nasen­aus­fluss festgestellt.

Orang-Utans in der BOS-Waldschule, umgeben vom Haze
Der Rauch belastet die Orang-Utans in der Waldschule

Die betrof­fenen Tiere – darunter Wald­schüler wie Niniek, Monyo, Rambo, Onyer und Greta, aber auch ältere Tiere wie Hercules – werden engma­schig von den Tier­pflege- und Vete­ri­när­teams beob­achtet. Wenn erfor­der­lich, erhalten sie unter­stüt­zende Behand­lung und medi­zi­ni­sche Versor­gung in Form von Vitaminen, Honig und Hustensaft.

Aktuell über­prüft die BOS Foun­da­tion den Bedarf an zusätz­li­chen Messungen der Luft­qua­lität, um die Rauch­be­las­tung besser einschätzen und fest­stellen zu können, wann weitere Schutz­maß­nahmen notwendig werden. Abhängig von Luft­qua­lität und Belas­tungs­grad könnten beispiels­weise die Wald­schul­zeiten und Akti­vi­täten im Freien verkürzt oder die medi­zi­ni­sche Behand­lung ange­passt werden.

BOS bereitet sich auf weitere mögliche Notfälle vor

Ange­sichts der zuneh­menden Brand­ak­ti­vität hat die BOS Foun­da­tion die Über­wa­chung und Vorbe­rei­tungen an ihren Einsatz­orten verstärkt. Die Fire Task Force kontrol­liert regel­mäßig die Grenzen der Arbeits­ge­biete – auch während der Nacht. So sollen neue Brand­herde möglichst früh erkannt und bekämpft werden können.

In Nyaru Menteng und Samboja Lestari über­prüfen die Teams außerdem die vorhan­denen Unter­brin­gungs­mög­lich­keiten und bereiten zusätz­liche Kapa­zi­täten vor. So stellen wir sicher, dass Orang-Utans im Fall von Bränden vorüber­ge­hend umge­sie­delt oder aus Notsi­tua­tionen gerettet werden könnten. Das sind vorsorg­liche Maßnahmen, um im Notfall bereit zu sein.

Die Situa­tion bleibt dynamisch

Die Wald­brand­ge­fahr auf Borneo kann sich inner­halb kurzer Zeit verän­dern. Trocken­heit, Wind und neue Brand­herde beein­flussen die Situa­tion ebenso wie die zuneh­mende Rauch­be­las­tung.
Die BOS Foun­da­tion bleibt deshalb an ihren Einsatz­orten in erhöhter Bereit­schaft und über­wacht die Entwick­lung konti­nu­ier­lich. Ziel ist es, mögliche Gefahren möglichst früh zu erkennen und sowohl die Orang-Utans in den Rettungs­zen­tren als auch ihre Lebens­räume best­mög­lich zu schützen.
Wir halten Sie an dieser Stelle über die weitere Entwick­lung der Wald- und Land­brände auf Borneo auf dem Laufenden.

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Orang-Utan in der BOS-Waldschule, umgeben vom Haze der Waldbrände
Der Smog, verur­sacht durch die anhal­tenden Brände auf Borneo, belastet auch unsere Orang-Utans

Update vom 14. September 2026: Die Feuer rücken näher an Nyaru Menteng heran

In den vergan­genen Tagen sind Brand­herde näher an unser Rettungs­zen­trum gerückt. Alle Feuer konnten gelöscht werden. Mithilfe von Drohnen mit Wärme­bild­ka­meras iden­ti­fi­zieren wir unter­ir­di­sche Hotspots.

Unsere Feuer­wehr­teams waren in den zurück­lie­genden Tagen im Dauer­ein­satz. Denn die Brände sind zuletzt immer näher an unser Orang-Utan-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng heran­ge­rückt. Glück­li­cher­weise konnten wir alle Feuer löschen. Doch da in den trockenen Torf­moor­böden die Gefahr von unter­ir­di­schen Bränden bestehen bleibt, waren jeweils zwei Lösch­teams 24 Stunden im Einsatz, um die Böden weiterhin zu durchfeuchten.

Große Dienste hat uns der Einsatz unserer Drohne mit Wärme­bild­ka­mera geleistet, die eigent­lich auf unseren Voraus­wil­de­rungs­in­seln und in unseren Auswil­de­rungs­ge­bieten genutzt wird, um dort Orang-Utans zu beob­achten. Aktuell nutzen wir die Wärme­bild-Drohne aller­dings, um unter­ir­di­sche Hotspots zu iden­ti­fi­zieren und schwe­lende Glut­nester zu bekämpfen. Unter­ir­disch können Flam­men­nester im Torf­boden tage­lang weiter­glühen und sich kilo­me­ter­weit verbreiten.

Aufnahmen einer Drohne mit Wärmebildkamera von Brandherden auf Borneo
Mit der Wärme­bild­ka­mera (links) konnten wir auch unter­ir­di­sche Brand­herde iden­ti­fi­zieren, die auf den normalen Droh­nen­auf­nahmen (rechts) nicht zu sehen waren

Aktuell gibt es keine weiteren Brände rund um unsere Gebiete. Unsere Feuer­wehr­teams sind aber weiterhin auf Abruf bereit, um im Notfall schnell eingreifen zu können.

Aufnahmen einer Drohne mit Wärmebildkamera von Brandherden auf Borneo
Aufnahmen der Wärme­bild­ka­mera nach den Bränden: Es sind noch immer unter­ir­di­sche Hotspots zu erkennen

Die Orang-Utans in Nyaru Menteng versorgen wir weiterhin mit Vitaminen und Medi­ka­menten gegen Atemwegserkrankungen.

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Rund um die BOS-Vorauswilderungsinseln für Orang-Utans steht das Wasser aufgrund der Trockenzeit extrem niedrig
Wie groß die Trocken­heit in Kali­mantan aktuell ist, zeigt sich auch am nied­rigen Wasser­stand rund um unsere Vorauswilderungsinseln

Update vom 4. September 2026: Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­tren und Auswil­de­rungs­ge­biete weiterhin sicher

Nach den jüngsten Beob­ach­tungen sind die Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­tren und Auswil­de­rungs­ge­biete der BOS Foun­da­tion derzeit sicher vor direkten Auswir­kungen der Brände.

In Zentral-Kali­mantan sind das Orang-Utan-Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum Nyaru Menteng sowie die Voraus­wil­de­rungs­in­seln Kaja und Bangamat bislang nicht direkt von Bränden betroffen. Evaku­ie­rungen aufgrund von Feuer waren dort bis jetzt nicht erforderlich.

Aller­dings ist aktuell einer der großen Feuer-Hotspots nur ca. 15 Kilo­meter von Nyaru Menteng entfernt, weshalb unsere Teams 24 Stunden in Bereit­schaft sind. Durch die Brände ist die Luft in der Region extrem durch Rauch belastet. Unsere aktuell wich­tigste Heraus­for­de­rung ist es daher, die Orang-Utans vor den Auswir­kungen und Folgen der Rauch­be­las­tung zu schützen.

Wegen der nied­rigen Wasser­stände der Flüsse rund um die Voraus­wil­de­rungs­in­seln haben wir elf Orang-Utans von den Inseln präventiv nach Nyaru Menteng geholt.

Auch für den Schutz­wald Bukit Batikap sowie die Auswil­de­rungs­ge­biete im Natio­nal­park Bukit Baka Bukit Raya besteht aktuell keine unmit­tel­bare Gefahr durch Brände.

In Ost-Kali­mantan ist die Situa­tion derzeit eben­falls stabil: Samboja Lestari und der Auswil­de­rungs­wald Kehje Sewen sind weiterhin sicher.

Große Sorge bereitet uns hingegen die Situa­tion in Mawas. Etwa 49,5 Hektar des Mawas-Schutz­ge­biets sind bereits von Bränden betroffen. Mawas ist eine ausge­dehnte Torf­moor­land­schaft und damit beson­ders empfind­lich gegen­über Feuer. Brände in Torf­böden können schwer zu erkennen und zu löschen sein. Selbst wenn an der Ober­fläche keine Flammen mehr sichtbar sind, kann das Feuer unter­ir­disch weiter schwelen und sich unbe­merkt ausbreiten.

Der Rauch belastet die Orang-Utans

Wald­brände gefährden Orang-Utans nicht nur dort, wo die Flammen unmit­telbar ihren Lebens­raum errei­chen. Eine große Belas­tung ist der allge­gen­wär­tige Rauch.
Rauch und Dunst – der soge­nannte Haze – breitet sich über große Entfer­nungen aus und beein­träch­tigt die Atem­wege von Menschen und Tieren. Eine länger andau­ernde Rauch­be­las­tung kann das Verhalten und die tägli­chen Akti­vi­täten der Orang-Utans verän­dern. Die Mitar­beiter der BOS-Rettungs­zen­tren beob­achten daher den Gesund­heits­zu­stand der Tiere beson­ders aufmerksam.

Orang-Utan im BOS-Rettungszentrum ist vom Rauch der Waldbrände umgeben
Der giftige Haze hat sich über Kali­mantan ausge­breitet und beein­träch­tigt auch die Orang-Utans in unseren Rettungszentren

21 Orang-Utans zeigen Atemwegssymptome

Aktuell zeigen 21 Orang-Utans in Nyaru Menteng Symptome von Atem­wegs­pro­blemen, wie Husten, Niesen und Nasen­aus­fluss. Darunter sind einige unserer jüngsten Wald­schüler wie Momo und Selfie.
Die betrof­fenen Tiere werden engma­schig von unseren Vete­rinär- und Tier­pfle­ge­teams über­wacht. Bei Bedarf erhalten sie die notwen­dige medi­zi­ni­sche Versor­gung und Behandlung.

Situa­tion der Waldschüler

Die Ausbil­dung in der Wald­schule findet derzeit weiterhin wie gewohnt statt. Die jungen Orang-Utans verbringen bis zu sieben Stunden im Wald und trai­nieren unter möglichst natür­li­chen Bedin­gungen all jene Fähig­keiten, die sie später für ein selbst­stän­diges Leben in Frei­heit benö­tigen. Sollte sich die Rauch- und Dunst­be­las­tung jedoch verschlech­tern, wird die Dauer der Wald­schul­ak­ti­vi­täten vorsorg­lich ange­passt. Denn auch wenn die Wald­schule ein wich­tiger Bestand­teil der Reha­bi­li­ta­tion ist, gilt: Die Gesund­heit und Sicher­heit der Orang-Utans gehen immer vor.

Die Gesamt­lage im Blick

Die BOS Foun­da­tion hält in all ihren Einsatz­ge­bieten weiterhin eine erhöhte Einsatz­be­reit­schaft aufrecht. Unsere Teams über­wa­chen regel­mäßig akute und poten­ti­elle Brand­herde. Dafür werden Satel­li­ten­daten mit Beob­ach­tungen vor Ort kombi­niert, um Entwick­lungen möglichst früh zu erkennen. Zusätz­lich führen unsere Einsatz­kräfte Patrouillen in beson­ders brand­ge­fähr­deten Gebieten durch, kontrol­lieren die Grenzen des Rettungs­zen­trums Nyaru Menteng und Brand­schneisen und über­wa­chen Wasser­quellen, Kanäle sowie andere Infra­struk­turen, die für die Brand­be­kämp­fung benö­tigt werden könnten.

Als Vorbe­rei­tung auf die Brand­saison haben wir 22 Brunnen gebohrt, die einen Kreis um die Wald­schule von Nyaru Menteng bilden. Zusätz­lich wurden fünf Wasser­tanks einge­richtet, drei davon mobil. Sie können beim Bedarf zu Bränden trans­por­tiert werden.

22 Brunnen für Brandschutzprävention im Rettungszentrum Nyaru Menteng
22 Brunnen wurden um die Wald­schule im Nyaru Menteng 2 gebaut. So kommen Einsatz­kräfte im Fall eines Brandes schnell an Wasser.

Die BOS-Fire Task Force ist auch außer­halb der eigenen Gebiete im Einsatz

Die BOS Foun­da­tion beschränkt die Einsätze zur Brand­be­kämp­fung nicht auf ihre eigenen Einrich­tungen. In Zentral-Kali­mantan unter­stützt unsere Fire Task Force derzeit auch die Lösch­ar­beiten rund um Palangka Raya. Einige dieser Einsatz­orte liegen mehr als zehn Kilo­meter von Nyaru Menteng entfernt.

Dabei arbeitet BOS mit der Natur­schutz­be­hörde von Zentral-Kali­mantan (BKSDA) und der Forst­be­hörde der Provinz Zentral-Kali­mantan zusammen. Dabei unter­stützen wir sowohl inner­halb von Wild­tier­re­ser­vaten und Natur­schutz­ge­bieten als auch außer­halb dieser geschützten Areale. Denn ein Feuer macht nicht an einer Schutz­ge­biets­grenze Halt. Brände können Wälder, Gemeinden und ganze Ökosys­teme bedrohen, unab­hängig davon, ob sie inner­halb oder außer­halb eines offi­ziell geschützten Gebietes entstehen.

Gemeinsam für die Orang-Utans und ihren Wald

BOS setzt alles daran, die Orang-Utans während der Brand­saison zu schützen – vor den unmit­tel­baren Gefahren des Feuers ebenso wie vor den lang­fris­tigen Folgen von Rauch und Lebens­raum­ver­lust.
Unsere Teams bleiben in erhöhter Einsatz­be­reit­schaft und beob­achten die Situa­tion in den Arbeits­ge­bieten engmaschig.

Vielen Dank für Ihre Unter­stüt­zung und dafür, dass Sie gemeinsam mit uns dazu beitragen, Orang-Utans und ihren Lebens­raum zu schützen.

Affen­starker Kindertag 2026 in Blaubeuren

Affen­starker Kindertag 2026 in Blaubeuren

Am Sonntag, den 20. September 2026, findet im Hof des Klos­ters Blau­beuren von 14 bis 17 Uhr wieder eine fröh­liche Feier zum Kindertag statt. Mit dabei ist auch wieder unsere BOS-Regio­nal­gruppe rund um Dr. Lisa Kern. An ihrem Stand erwartet kleine und große Besu­che­rinnen und Besu­cher eine tolle Spen­den­tom­bola und viele Infor­ma­tionen über Orang-Utans und wie man sie schützen kann. Und natür­lich ist auch das BOS-Maskott­chen vor Ort. 

Doch nicht nur unser großer Plüsch-Orang-Utan sorgt für einen affen­starken Kindertag in Blau­beuren. Zu Gast ist auch die Kinder­band „Andi und die Affen­bande“, die um 14:00 Uhr und um 15:30 Uhr auftreten wird. Außerdem im Angebot: Spiel­straße, Kinder­tat­toos, Kinder­schminken, Essens- und Getränkestände. 

Veran­staltet wird das Fest gemeinsam vom Kinder­schutz­bund Blau­beuren und dem Kultur­verein Blau­töne.

Orang-Utan-Schmuggel in Indien: Wild­tier­schutz-Experte im Inter­view mit BOS Deutsch­land über die Hintergründe

Orang-Utan-Schmuggel in Indien: Wild­tier­schutz-Experte im Inter­view mit BOS Deutsch­land über die Hintergründe

Es ist ein tragi­scher und zutiefst besorg­nis­er­re­gender Fund: Fünf Orang-Utan-Jung­tiere wurden in Indien entdeckt. Offenbar sind sie Opfer des ille­galen Wild­tier­han­dels. Wir haben mit Sagnik Sengupta, Director Wild­life der SAGE Foun­da­tion in Indien, über den Fall gesprochen.

Odisha als Dreh­scheibe für Wildtierschmuggel?

Die fünf Orang-Utans wurden im indi­schen Bundes­staat Odisha entdeckt. Ist Odisha als Hotspot für ille­galen Wild­tier­handel bekannt, oder könnte die Region Teil einer etablierten Schmug­gel­route sein? Was macht die Region für Wild­tier­händler attraktiv?

Odisha hat eine doku­men­tierte Geschichte des Wild­tier­schmug­gels, insbe­son­dere bei einhei­mi­schen Arten wie Schup­pen­tieren, Leoparden und sogar Tigern. Die geogra­fi­sche Lage macht den Bundes­staat zu einem geeig­neten Tran­sit­staat für einen über­re­gio­nalen oder inter­na­tio­nalen Schmuggel.

Wie stehen die Chancen auf Aufklärung?

Wie zuver­sicht­lich sind Sie, dass die Behörden in Odisha die Verant­wort­li­chen iden­ti­fi­zieren können? Wie erfahren sind die lokalen Straf­ver­fol­gungs­be­hörden in der Unter­su­chung von Wild­tier­schmuggel-Fällen, und wie oft führen solche Ermitt­lungen zu erfolg­rei­chen Verurteilungen?

Ich bin vorsichtig opti­mis­tisch, denn die STF (Special Task Force / Sonder­ein­satz­kom­mando) von Odisha verfügt über erheb­liche Erfah­rung bei der Unter­su­chung von Wild­tier­kri­mi­na­lität. Wichtig ist auch, dass nun das WCCB (Wild­life Crime Control Bureau / Behörde zur Bekämp­fung von Wild­tier­kri­mi­na­lität) einge­bunden ist. Es gibt bereits mögliche Spuren, darunter Video­über­wa­chungs-Aufnahmen. Doch die Person zu finden, die die Orang-Utans trans­por­tiert oder ausge­setzt hat, ist nur der erste Schritt. Der eigent­liche Erfolg liegt darin, die Kette zurück­zu­ver­folgen – heraus­zu­finden, woher die Tiere stammen, wie sie nach Indien gelangt sind, welches zwischen­staat­liche Netz­werk betei­ligt war und letzt­lich, wer die Finan­ziers und Käufer sind. Verur­tei­lungen im Bereich Wild­tier­schmuggel bleiben in Indien eine Heraus­for­de­rung, daher wird eine koor­di­nierte Ermitt­lung über Bundes­staats­grenzen hinweg – und falls nötig auch inter­na­tional – entschei­dend sein.

Welche Strafen drohen den Tätern?

Falls die Schmuggler gefasst werden, welche recht­li­chen Konse­quenzen könnten sie nach indi­schem Recht erwarten? Und sind die bestehenden Strafen abschre­ckend genug?

Orang-Utans sind im CITES-Anhang I (Über­ein­kommen über den inter­na­tio­nalen Handel mit gefähr­deten Arten) gelistet, und der über­ar­bei­tete indi­sche Wild­life Protec­tion Act deckt nun ausdrück­lich solche inter­na­tional geschützten Arten ab. Bei einer Verur­tei­lung drohen den Tätern drei bis sieben Jahre Haft sowie eine Geld­strafe. Das Gesetz sieht also erheb­liche Haft­strafen vor. Doch ich glaube, Abschre­ckung hängt von mehr als nur dem Strafmaß ab. Wenn orga­ni­sierter Wild­tier­schmuggel sehr hohe Gewinne abwirft, müssen auch die Geld­strafen empfind­lich sein. Und, was noch wich­tiger ist, die Wahr­schein­lich­keit von Entde­ckung und Verur­tei­lung muss hoch sein.
Wir brau­chen Ermitt­lungen, die über die Fest­nahme der Schlepper hinaus­gehen und die Finan­ziers, Händler und Käufer hinter dem Netz­werk iden­ti­fi­zieren. Werden jedoch nur die Täter gefasst, die als Trans­por­teure fungierten, bleiben die eigent­liche Quelle und das Ziel­land unbe­kannt. Und genau das ist entschei­dender für die Eindäm­mung des Wildtierschmuggels.

Maßnahmen der indi­schen Regie­rung gegen Wildtierschmuggel

Was unter­nimmt die indi­sche Regie­rung, um Wild­tier­schmuggel zu bekämpfen? Wir haben gelesen, dass dies kein Einzel­fall ist. Wie hoch ist die Aufde­ckungs­rate bei solchen Schmuggelfällen?

Indien hat seine Reak­tion durch das WCCB (Wild­life Crime Control Bureau), den Zoll, die DRI (Direc­to­rate of Revenue Intel­li­gence / Behörde für Einnah­men­er­mitt­lung), die Forst­be­hörden und die Landes­po­lizei erheb­lich verstärkt. Mit mehr Geheim­dienst­aus­tausch, gemein­samen Opera­tionen, Über­wa­chung an Flug­häfen und Grenzen sowie inter­na­tio­naler Zusam­men­ar­beit über CITES und INTERPOL. Jüngste Beschlag­nah­mungen zeigen, dass die Behörden erheb­li­chen orga­ni­sierten Schmuggel aufde­cken, auch bei exoti­schen Tieren, die nach Indien gelangen. Aller­dings wäre ich vorsichtig mit einer konkreten Aufde­ckungs­quote, da es keine verläss­liche natio­nale Zahl gibt, die zeigt, welcher Anteil des Wild­tier­schmug­gels tatsäch­lich abge­fangen wird.

Beschlag­nah­mungs­sta­tis­tiken zeigen, was die Behörden fassen – nicht, was durch­kommt. Der Fund der fünf Orang-Utans in Odisha zeigt selbst, warum geheim­dienst­ge­stützte Ermitt­lungen die gesamte Kette nach­ver­folgen müssen – vom Herkunfts­land und Einrei­seort bis zu Schlep­pern, Händ­lern und den beab­sich­tigten Käufern in Indien.

Ziel­land Indien – oder nur Durchgangsstation?

Glauben Sie, dass Indien das beab­sich­tigte Endziel für diese Tiere war, oder nur eine Durch­gangs­sta­tion? Was sind typi­sche Ziel­orte oder Routen beim Wild­tier­schmuggel durch Odisha? 

Derzeit können wir nicht abschlie­ßend sagen, ob Indien das Endziel war oder ob die Orang-Utans nur durch­trans­por­tiert werden sollten. Indien hat tatsäch­lich einen ille­galen Markt für exoti­sche Wild­tiere. Ein inlän­di­scher Käufer ist also durchaus denkbar. Gleich­zeitig bedeutet die Lage Odishas entlang wich­tiger östli­cher Straßen- und Küsten­kor­ri­dore, dass die Region auch Teil einer längeren Schmug­gel­route gewesen sein könnte.
Beson­ders inter­es­sant an diesem Fall ist die Nähe Balasores zu West­ben­galen und zum NH-16-Korridor (National Highway 16). Ermittler müssen daher rück­wärts arbeiten – vom Ort, an dem die Tiere ausge­setzt wurden, über die Video­über­wa­chungs-Aufnahmen und Fahr­zeug­be­we­gungen bis nach Kolkata, in den Nord­osten Indiens, nach Bangla­desch und zu mögli­chen mari­timen Einrei­se­punkten.
Ich würde Speku­la­tionen über ein konkretes Ziel­land vermeiden, bis entspre­chende Beweise vorliegen. Die Prio­rität sollte sein, nicht nur heraus­zu­finden, wer die fünf Orang-Utans ausge­setzt hat, sondern auch, woher sie kamen, wie sie nach Indien gelangten, wer ihren Trans­port finan­zierte und – am wich­tigsten – wer als Käufer bereitstand.

Zucht in Indien oder Nach­bar­län­dern – ist das möglich?

Ist es möglich, dass die Orang-Utan-Babys in Indien, Myanmar oder anderen Nach­bar­län­dern gezüchtet worden sind?

Biolo­gisch ist es möglich, dass Orang-Utans in Indien, Myanmar oder einem anderen Land in Gefan­gen­schaft gezüchtet werden, da Zucht­pro­gramme in zoolo­gi­schen Einrich­tungen exis­tieren. Doch es gibt weder wilde Orang-Utan-Popu­la­tionen in Indien oder Myanmar noch eine aner­kannte kommer­zi­elle Zucht­in­dus­trie, die ohne Weiteres erklären würde, warum fünf Jung­tiere gemeinsam auftau­chen.
Inter­es­san­ter­weise haben indo­ne­si­sche Behörden mitt­ler­weile erklärt, dass die vorläu­fige morpho­lo­gi­sche Unter­su­chung darauf hindeutet, dass es sich bei den Tieren um Sumatra-Orang-Utans handeln könnte – dies muss jedoch noch durch eine DNA-Analyse bestä­tigt werden. Ein DNA-Test ist daher äußerst wichtig. Er könnte helfen, die Art, die gene­ti­schen Verwandt­schafts­ver­hält­nisse zwischen den fünf Jung­tieren und mögli­cher­weise ihre geogra­fi­sche Herkunft zu klären.
Bis diese Ergeb­nisse vorliegen, würde ich ille­gale Zucht in Gefan­gen­schaft nicht ausschließen. Doch Wild­fang mit anschlie­ßendem inter­na­tio­nalem Schmuggel bleibt eine sehr ernst­zu­neh­mende Möglich­keit. Ermittler sollten zudem bei jeder Behaup­tung, die Tiere seien „in Gefan­gen­schaft gezüchtet“ worden, vorsichtig sein, solange diese nicht durch Zucht­un­ter­lagen, Abstam­mungs­nach­weise, CITES-Doku­men­ta­tion und gene­ti­sche Beweise gestützt wird.

Die Zukunft der fünf geret­teten Orang-Utans

Die Orang-Utans werden derzeit im Nandankanan-Zoo betreut. Was können Sie uns über den Zoo und die dortigen Haltungs­be­din­gungen sagen? Was wird in den kommenden Wochen und Monaten wahr­schein­lich mit den fünf Orang-Utans geschehen? Wer wird für die Entschei­dung über ihre lang­fris­tige Zukunft verant­wort­lich sein?

Derzeit scheint Nandankanan eine inten­sive und ange­mes­sene Notfall­ver­sor­gung zu bieten. Die Jung­tiere befinden sich in Quaran­täne, stehen unter tier­ärzt­li­cher Aufsicht, werden häufig gefüt­tert und erhalten Beschäf­ti­gungs­an­ge­bote sowie rund um die Uhr Betreuung. Das ist beson­ders wichtig, da Orang-Utan-Jung­tiere norma­ler­weise über mehrere Jahre von ihren Müttern abhängig bleiben.
Ich glaube jedoch nicht, dass wir davon ausgehen sollten, dass Nandankanan zwangs­läufig ihr dauer­haftes Zuhause sein wird. Indo­ne­sien hat inzwi­schen offi­ziell seine Absicht bekundet, ihre Rück­füh­rung anzu­streben, und vorläu­fige Einschät­zungen deuten darauf hin, dass es sich um Sumatra-Orang-Utans handeln könnte. Ein DNA-Test sollte helfen, ihre Art und Herkunft zwei­fels­frei zu klären.

Sollte sich ihre indo­ne­si­sche Herkunft bestä­tigen, würde ich eine Rück­füh­rung an ein akkre­di­tiertes, spezia­li­siertes Orang-Utan-Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­gramm befür­worten. Voraus­ge­setzt, ihr Gesund­heits­zu­stand lässt dies zu und alle CITES- sowie tier­ärzt­li­chen Anfor­de­rungen werden erfüllt. Das oberste Ziel sollte nicht einfach sein, die Tiere in Gefan­gen­schaft am Leben zu erhalten. Wenn möglich, sollte es die Reha­bi­li­ta­tion hin zu einem für wilde Orang-Utans ange­mes­senen Leben sein – und, falls sie sich als geeig­nete Kandi­daten erweisen, letzt­lich die Auswil­de­rung in ihren natür­li­chen Lebensraum.

Ihre lang­fris­tige Zukunft wird daher Zusam­men­ar­beit zwischen indi­schen und indo­ne­si­schen Behörden, CITES-Behörden, wissen­schaft­li­chen Experten und spezia­li­sierten Orang-Utan-Reha­bi­li­ta­ti­ons­or­ga­ni­sa­tionen erfor­dern. Das Wohl­ergehen dieser fünf Tiere sollte dabei die oberste Prio­rität bleiben.

Rück­kehr nach Indonesien

Wenn illegal geschmug­gelte Wild­tiere in Indien entdeckt werden, strebt das Land in der Regel an, die Tiere in ihre Herkunfts­länder zurückzuführen?

Ja, es gibt Präze­denz­fälle. Indien hat wieder­holt geschmug­gelte exoti­sche Wild­tiere, die an Flug­häfen beschlag­nahmt wurden, zurück­ge­führt – zum Beispiel wurden Primaten, Repti­lien und andere exoti­sche Arten, die bei Passa­gieren aus Thai­land und Malaysia abge­fangen wurden, abge­schoben oder repa­tri­iert.
Der Orang-Utan-Fall in Odisha unter­scheidet sich jedoch, da die Tiere ausge­setzt und nicht an der Grenze abge­fangen wurden. Wir müssen daher zunächst ihre tatsäch­liche Herkunft durch DNA-Analysen und die Unter­su­chung der Schmug­gel­route klären.

Sollte sich bestä­tigen, dass es sich um indo­ne­si­sche Orang-Utans handelt, und ist Indo­ne­sien bereit, sie aufzu­nehmen, spricht vieles für eine Rück­füh­rung an ein akkre­di­tiertes Orang-Utan-Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­gramm dort. Das Ziel sollte dabei nicht bloß sein, die Tiere über eine inter­na­tio­nale Grenze zurück­zu­bringen, sondern sie in ein Land und eine Einrich­tung zu über­führen, die ihnen die best­mög­liche Chance auf Reha­bi­li­ta­tion und – wo machbar – letzt­lich auf eine Rück­kehr in die Wildnis bietet.

Fünf Orang-Utan-Babys in Indien entdeckt: Verdacht auf inter­na­tio­nalen Tierschmuggel

Fünf Orang-Utan-Babys in Indien entdeckt: Verdacht auf inter­na­tio­nalen Tierschmuggel

Tausende Kilo­meter von ihrer Heimat Indo­ne­sien entfernt, in einem Wald im ostin­di­schen Bundes­staat Odisha, haben Dorf­be­wohner fünf Orang-Utan-Babys entdeckt. Die Behörden vermuten, dass die Tiere Opfer eines inter­na­tio­nalen Schmugg­ler­rings geworden sind. BOS Deutsch­land verfolgt den Fall aufmerksam. Denn er zeigt einmal mehr, welche Gefahr der ille­gale Wild­tier­handel für die vom Aussterben bedrohten Menschen­affen bedeutet.

Am frühen Morgen des 8. Septem­bers entdeckten Anwoh­nende des Dorfes Badapai fünf kleine Orang-Utans auf einer Wald­lich­tung. Inner­halb kurzer Zeit versam­melten sich zahl­reiche Schau­lus­tige im Wald, bevor Mitar­bei­tende der Forst­be­hörde die Tiere in Sicher­heit bringen konnten. Nach Angaben der indi­schen Behörden handelt es sich um drei Männ­chen und zwei Weib­chen im Alter von etwa sechs bis zwölf Monaten.

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Die fünf Jung­tiere befinden sich inzwi­schen in Quaran­täne im Nandankanan-Zoo in Bhub­a­neswar im indi­schen Bundestaat Odisha. Dort werden sie rund um die Uhr betreut und alle zwei Stunden mit Bananen und Äpfeln gefüt­tert. Außerdem bietet man ihnen Spiel­zeug und Klet­ter­mög­lich­keiten an. Laut ersten Berichten sind die Tiere stabil und werden medi­zi­nisch überwacht.

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Warum der Fund so spek­ta­kulär ist

„Ich kann mich nicht erin­nern, dass jemals fünf anschei­nend geschmug­gelte Orang-Utan-Babys auf einmal entdeckt worden wären. Diese Dimen­sion macht mir wirk­lich Angst“, zeigt sich BOS Deutsch­land-Geschäfts­führer Daniel Merdes besorgt.
Aktuell deutet alles darauf hin, dass die fünf Babys ihren Müttern gewaltsam entrissen und vermut­lich illegal aus ihrer Heimat Borneo oder Sumatra nach Indien geschmug­gelt wurden. Diese Spur verfolgen auch die indi­schen Ermitt­lungs­be­hörden – darunter eine Spezi­al­ein­heit der Polizei sowie das Wild­life Crime Control Bureau. Ein mögli­cher Ermitt­lungs­an­satz betrifft einen schwarzen SUV, den Über­wa­chungs­ka­meras in der Nacht vor dem Fund in der Nähe des Waldes aufge­zeichnet haben sollen. Odishas Umwelt­mi­nister Ganesh Ram Singhkhuntia sprach von dem Verdacht, dass ein inter­na­tio­nales Netz­werk hinter dem Fall stecken könnte. Die Ermitt­lungen, auch zu mögli­chen Trans­port­wegen über Flug­häfen, Bahn­höfe und Häfen, stehen jedoch noch am Anfang.

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Offene Fragen: Herkunft, Art und Rückreise

Noch ist unklar, aus welcher Region Indo­ne­siens die fünf Orang-Utans stammen und ob es sich um Borneo‑, Sumatra- oder womög­lich Tapa­nuli-Orang-Utans handelt. Auch der genaue Schmug­gelweg ist bislang nicht bestä­tigt.
Die BOS Foun­da­tion steht bereits im Austausch mit zustän­digen Regie­rungs­be­hörden in Indo­ne­sien und wird alles daran­setzen, dass die Orang-Utans so schnell wie möglich in ihre Heimat zurück­kehren können. Klar ist: Der weitere Weg der Tiere hängt auch von diplo­ma­ti­schen Abstim­mungen zwischen den betei­ligten Ländern. Erfah­rungen aus früheren Fällen zeigen, dass eine solche Rück­füh­rung Geduld und lang­wie­rige poli­ti­sche Verhand­lungen erfordert.

Orang-Utan-Waisen als Ware

So scho­ckie­rend der Fall in Indien auch klingt – er ist kein Einzel­fall. Ille­galer Wild­tier­handel gilt welt­weit als eine der größten Bedro­hungen für die Arten­viel­falt. Ganz beson­ders für bereits gefähr­dete Arten wie den Orang-Utan. Obwohl die Beja­gung von Orang-Utans in Indo­ne­sien gesetz­lich verboten ist, werden die Tiere weiterhin getötet, um an ihre auf dem Schwarz­markt begehrten Babys zu gelangen. Diese werden oft ins Ausland geschmug­gelt, landen dort als Attrak­tionen in Zoos und Vergnü­gungs­parks oder werden illegal als Haus­tiere gehalten.
Dr. Jamartin Sihite, CEO der BOS Foun­da­tion, bringt das Ausmaß dieser Tragödie auf den Punkt: „Jede Orang-Utan-Waise in den Rettungs­zen­tren steht stell­ver­tre­tend für eine tote Orang-Utan-Mutter – denn eine Mutter würde ihr Baby niemals frei­willig zurücklassen.“

Der Handel mit geschützten Tier- und Pflan­zen­arten rangiert mitt­ler­weile welt­weit an vierter Stelle der orga­ni­sierten Krimi­na­lität, hinter Drogen­handel, Menschen­handel und Produkt­pi­ra­terie. Der jähr­liche Umsatz wird auf acht bis 20 Milli­arden Euro geschätzt. BOS Deutsch­land setzt sich seit Jahr­zehnten dafür ein, diesem Geschäft mit dem Leid der Tiere entge­gen­zu­treten – durch Aufklä­rungs­ar­beit, poli­ti­schen Druck und die Unter­stüt­zung konkreter Rettungs- und Rück­füh­rungs­ak­tionen, wie sie nun auch für die fünf Orang-Utans aus Indien ange­strebt wird.

Erfahren Sie mehr über die Hinter­gründe des ille­galen Wild­tier­han­dels und wie Sie helfen können, ihn zu stoppen.