Brände rücken bis auf einen Kilometer an BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng heran
Orang-Utans mit Atemwegssymptomen weiterhin in Behandlung
Mawas Brände auf 49,5 Hektar
BOS-Fire Task Force in der Region im Einsatz
Jedes Jahr bringt die Trockenzeit auf Borneo ein erhöhtes Risiko für Wald- und Landbrände mit sich. Gerade in den Torfmooren Kalimantans sind Feuer besonders gefährlich, da sie sich schnell unter- und oberirdisch ausbreiten können und schwer zu löschen sind. Die Prävention von Bränden ist daher unser größtes Anliegen, an dem wir seit Jahren mit aller Kraft arbeiten. Aufgrund der großen Trockenheit und dem extremen El Niño-Ereignis in diesem Jahr, steht Borneo – und damit das BOS-Einsatzgebiet – vor extremen Herausforderungen. Die Situation ist derzeit äußerst dynamisch. Wetterbedingungen, Wind, Trockenheit und neue Brandherde können die Lage innerhalb kurzer Zeit verändern.
Wir sind bereit, uns den Flammen zu stellen. 24 Stunden an jedem Tag.
Auf dieser Seite informieren wir fortlaufend über die aktuelle Entwicklung, mögliche Gefahren für Orang-Utans und ihre Lebensräume sowie über die Maßnahmen der BOS Foundation zur Brandprävention und ‑bekämpfung.
Der Smog, verursacht durch die anhaltenden Brände auf Borneo, belastet auch unsere Orang-Utans
Update vom 14. September 2026: Die Feuer rücken näher an Nyaru Menteng heran
In den vergangenen Tagen sind Brandherde näher an unser Rettungszentrum gerückt. Alle Feuer konnten gelöscht werden. Mithilfe von Drohnen mit Wärmebildkameras identifizieren wir unterirdische Hotspots.
Unsere Feuerwehrteams waren in den zurückliegenden Tagen im Dauereinsatz. Denn die Brände sind zuletzt immer näher an unser Orang-Utan-Rettungszentrum Nyaru Menteng herangerückt. Glücklicherweise konnten wir alle Feuer löschen. Doch da in den trockenen Torfmoorböden die Gefahr von unterirdischen Bränden bestehen bleibt, waren jeweils zwei Löschteams 24 Stunden im Einsatz, um die Böden weiterhin zu durchfeuchten.
Große Dienste hat uns der Einsatz unserer Drohne mit Wärmebildkamera geleistet, die eigentlich auf unseren Vorauswilderungsinseln und in unseren Auswilderungsgebieten genutzt wird, um dort Orang-Utans zu beobachten. Aktuell nutzen wir die Wärmebild-Drohne allerdings, um unterirdische Hotspots zu identifizieren und schwelende Glutnester zu bekämpfen. Unterirdisch können Flammennester im Torfboden tagelang weiterglühen und sich kilometerweit verbreiten.
Mit der Wärmebildkamera (links) konnten wir auch unterirdische Brandherde identifizieren, die auf den normalen Drohnenaufnahmen (rechts) nicht zu sehen waren
Aktuell gibt es keine weiteren Brände rund um unsere Gebiete. Unsere Feuerwehrteams sind aber weiterhin auf Abruf bereit, um im Notfall schnell eingreifen zu können.
Aufnahmen der Wärmebildkamera nach den Bränden: Es sind noch immer unterirdische Hotspots zu erkennen
Die Orang-Utans in Nyaru Menteng versorgen wir weiterhin mit Vitaminen und Medikamenten gegen Atemwegserkrankungen.
Vitamine und Erkältungsmedikamente helfen……den Orang-Utans gegen die Auswirkungen des Smogs
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Wie groß die Trockenheit in Kalimantan aktuell ist, zeigt sich auch am niedrigen Wasserstand rund um unsere Vorauswilderungsinseln
Update vom 4. September 2026: Rehabilitationszentren und Auswilderungsgebiete weiterhin sicher
Nach den jüngsten Beobachtungen sind die Rehabilitationszentren und Auswilderungsgebiete der BOS Foundation derzeit sicher vor direkten Auswirkungen der Brände.
In Zentral-Kalimantan sind das Orang-Utan-Rehabilitationszentrum Nyaru Menteng sowie die Vorauswilderungsinseln Kaja und Bangamat bislang nicht direkt von Bränden betroffen. Evakuierungen aufgrund von Feuer waren dort bis jetzt nicht erforderlich.
Allerdings ist aktuell einer der großen Feuer-Hotspots nur ca. 15 Kilometer von Nyaru Menteng entfernt, weshalb unsere Teams 24 Stunden in Bereitschaft sind. Durch die Brände ist die Luft in der Region extrem durch Rauch belastet. Unsere aktuell wichtigste Herausforderung ist es daher, die Orang-Utans vor den Auswirkungen und Folgen der Rauchbelastung zu schützen.
Wegen der niedrigen Wasserstände der Flüsse rund um die Vorauswilderungsinseln haben wir elf Orang-Utans von den Inseln präventiv nach Nyaru Menteng geholt.
In Ost-Kalimantan ist die Situation derzeit ebenfalls stabil: Samboja Lestari und der Auswilderungswald Kehje Sewen sind weiterhin sicher.
Große Sorge bereitet uns hingegen die Situation in Mawas. Etwa 49,5 Hektar des Mawas-Schutzgebiets sind bereits von Bränden betroffen. Mawas ist eine ausgedehnte Torfmoorlandschaft und damit besonders empfindlich gegenüber Feuer. Brände in Torfböden können schwer zu erkennen und zu löschen sein. Selbst wenn an der Oberfläche keine Flammen mehr sichtbar sind, kann das Feuer unterirdisch weiter schwelen und sich unbemerkt ausbreiten.
Der Rauch belastet die Orang-Utans
Waldbrände gefährden Orang-Utans nicht nur dort, wo die Flammen unmittelbar ihren Lebensraum erreichen. Eine große Belastung ist der allgegenwärtige Rauch. Rauch und Dunst – der sogenannte Haze – breitet sich über große Entfernungen aus und beeinträchtigt die Atemwege von Menschen und Tieren. Eine länger andauernde Rauchbelastung kann das Verhalten und die täglichen Aktivitäten der Orang-Utans verändern. Die Mitarbeiter der BOS-Rettungszentren beobachten daher den Gesundheitszustand der Tiere besonders aufmerksam.
Der giftige Haze hat sich über Kalimantan ausgebreitet und beeinträchtigt auch die Orang-Utans in unseren Rettungszentren
21 Orang-Utans zeigen Atemwegssymptome
Aktuell zeigen 21 Orang-Utans in Nyaru Menteng Symptome von Atemwegsproblemen, wie Husten, Niesen und Nasenausfluss. Darunter sind einige unserer jüngsten Waldschüler wie Momo und Selfie. Die betroffenen Tiere werden engmaschig von unseren Veterinär- und Tierpflegeteams überwacht. Bei Bedarf erhalten sie die notwendige medizinische Versorgung und Behandlung.
Situation der Waldschüler
Die Ausbildung in der Waldschule findet derzeit weiterhin wie gewohnt statt. Die jungen Orang-Utans verbringen bis zu sieben Stunden im Wald und trainieren unter möglichst natürlichen Bedingungen all jene Fähigkeiten, die sie später für ein selbstständiges Leben in Freiheit benötigen. Sollte sich die Rauch- und Dunstbelastung jedoch verschlechtern, wird die Dauer der Waldschulaktivitäten vorsorglich angepasst. Denn auch wenn die Waldschule ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation ist, gilt: Die Gesundheit und Sicherheit der Orang-Utans gehen immer vor.
Die Gesamtlage im Blick
Die BOS Foundation hält in all ihren Einsatzgebieten weiterhin eine erhöhte Einsatzbereitschaft aufrecht. Unsere Teams überwachen regelmäßig akute und potentielle Brandherde. Dafür werden Satellitendaten mit Beobachtungen vor Ort kombiniert, um Entwicklungen möglichst früh zu erkennen. Zusätzlich führen unsere Einsatzkräfte Patrouillen in besonders brandgefährdeten Gebieten durch, kontrollieren die Grenzen des Rettungszentrums Nyaru Menteng und Brandschneisen und überwachen Wasserquellen, Kanäle sowie andere Infrastrukturen, die für die Brandbekämpfung benötigt werden könnten.
Als Vorbereitung auf die Brandsaison haben wir 22 Brunnen gebohrt, die einen Kreis um die Waldschule von Nyaru Menteng bilden. Zusätzlich wurden fünf Wassertanks eingerichtet, drei davon mobil. Sie können beim Bedarf zu Bränden transportiert werden.
22 Brunnen wurden um die Waldschule im Nyaru Menteng 2 gebaut. So kommen Einsatzkräfte im Fall eines Brandes schnell an Wasser.
Die BOS-Fire Task Force ist auch außerhalb der eigenen Gebiete im Einsatz
Die BOS Foundation beschränkt die Einsätze zur Brandbekämpfung nicht auf ihre eigenen Einrichtungen. In Zentral-Kalimantan unterstützt unsere Fire Task Force derzeit auch die Löscharbeiten rund um Palangka Raya. Einige dieser Einsatzorte liegen mehr als zehn Kilometer von Nyaru Menteng entfernt.
Dabei arbeitet BOS mit der Naturschutzbehörde von Zentral-Kalimantan (BKSDA) und der Forstbehörde der Provinz Zentral-Kalimantan zusammen. Dabei unterstützen wir sowohl innerhalb von Wildtierreservaten und Naturschutzgebieten als auch außerhalb dieser geschützten Areale. Denn ein Feuer macht nicht an einer Schutzgebietsgrenze Halt. Brände können Wälder, Gemeinden und ganze Ökosysteme bedrohen, unabhängig davon, ob sie innerhalb oder außerhalb eines offiziell geschützten Gebietes entstehen.
Gemeinsam für die Orang-Utans und ihren Wald
BOS setzt alles daran, die Orang-Utans während der Brandsaison zu schützen – vor den unmittelbaren Gefahren des Feuers ebenso wie vor den langfristigen Folgen von Rauch und Lebensraumverlust. Unsere Teams bleiben in erhöhter Einsatzbereitschaft und beobachten die Situation in den Arbeitsgebieten engmaschig.
Der Fund muss ihm einen großen Schrecken eingejagt haben. Doch Mr. Pandi aus der Ortschaft Lebakhulak in Ost-Kalimantan zögerte keine Sekunde, um Hilfe für das schwer verletzte Malaienbären-Weibchen zu holen. Die Bärin war in eine Schlingfalle geraten. Und was sie durchlebt haben muss, lässt sich nur erahnen. Die Spuren an ihrem Körper erzählten jedenfalls eine grausame Geschichte – und sie zeigten deutlich, welchen Gefahren Malaienbären in ihrem Lebensraum Regenwald ausgesetzt sind.
Es war Ende März 2026, als Mitarbeitende der Naturschutzbehörde BKSDA durch den Dorfbewohner alarmiert und zur Hilfe gerufen wurden. Als sie vor Ort eintrafen, fanden sie ein ausgewachsenes Malaienbären-Weibchen in äußerst kritischem Zustand vor.
Rettung eines verletzten Malaienbären auf Borneo
Das Tier war so geschwächt, dass es sich kaum noch bewegen konnte. Verletzungen an der Schulter und bereits verschorfte Wunden am Vorderbein deuteten darauf hin, dass sie schon vor einiger Zeit in die Falle geraten sein musste. Zudem waren drei Zehen ihres rechten Vorderfußes ausgekugelt, vermutlich beim verzweifelten Versuch, sich zu befreien.
Die verletzte Pfote der geretteten Malaienbärin
Nach einer ersten Versorgung mit Honig und Zuckerwasser wurde die Bärin tierärztlich untersucht und stabilisiert. Den Ersthelfern war klar: Sie brauchte intensive medizinische Betreuung. Die Behörden informierten daher unser Malaienbären-Team im BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari und brachten die verletzte Bärin zu uns.
Die Malaienbärin bei ihrer Ankunft im BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari. Jetzt ist sie in Sicherheit
Im Rettungszentrum kümmerte sich das BOS-Veterinärteam sofort um das schwer verletzte Tier und untersuchte sie umfassend. Das Ergebnis war alarmierend.
Die dramatische Diagnose
Bei den Untersuchungen im Rettungszentrum entdeckten die Tierärzte weitere Hinweise auf die Leidensgeschichte der Bärin. Röntgenaufnahmen zeigten Metallfragmente im linken Vorderbein. Die Tierärzte vermuten, dass es sich um Geschosse eines Luftgewehrs handelt. Auch ihr fortgeschrittenes Alter wurde durch die Untersuchungen deutlich: Trübungen der Augen, zahlreiche fehlende Zähne und grau werdendes Fell deuteten darauf hin, dass die Bärin bereits über 30 Jahre alt sein könnte – ein hohes Alter für einen Malaienbären. Mit nur 23 Kilogramm Körpergewicht wog sie außerdem deutlich weniger als ein gesunder erwachsener Malaienbär.
Nach ihrer Rettung wird die schwer geschwächte Malaienbärin zunächst medizinisch untersucht und stabilisiertIhr Körper ist von Wunden übersät. In ihrem Vorderbein werden Metallfragmente entdecktDie BOS-Tierärzte kümmern sich intensiv um die verletzte, völlig entkräftete und abgemagerte Malaienbärin
Samboja Lestari ist vor allem als Rettungs- und Rehabilitationszentrum für Orang-Utans bekannt. Doch auch Malaienbären finden hier Schutz: Verletzte, verwaiste und dauerhaft nicht auswilderungsfähige Malaienbären erhalten im Bärenrefugium medizinische Versorgung und ein sicheres Zuhause. Für die alte Bärin kommt eine Rückkehr in den Wald auf absehbare Zeit nicht infrage. Doch in Samboja Lestari bekommt die Bärin genau das, was sie jetzt braucht: medizinische Versorgung, Ruhe, eine angepasste Ernährung und intensive Betreuung.
Wie BOS verletzte Sonnenbären pflegt und versorgt
Das Team beobachtet ihren Zustand engmaschig und passt die Behandlung an ihre Bedürfnisse an. Schritt für Schritt zeigt die Bärin erste Anzeichen einer Besserung. Ihr Weg zurück zu Kräften wird vermutlich langsam sein. Aber langsam bedeutet nicht hoffnungslos. Eines nämlich hat die Bären, obwohl sie noch immer geschwächt ist und sich nicht wie ihre Artgenossen im Refugium bewegen kann, bereits am Tag ihrer Ankunft gewonnen. Etwas, das ihr lange Zeit gefehlt hat. Im BOS-Rettungszentrum ist sie in Sicherheit.
Malaienbären im BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari
Im Sun Bear Sanctuary leben gerettete Malaienbären, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr in die Freiheit zurückkehren können. Anders als bei Orang-Utans ist eine Auswilderung von Malaienbären nach engem Kontakt mit Menschen in den meisten Fällen nicht mehr möglich. Deshalb ist es umso wichtiger, ihnen langfristig ein sicheres, möglichst artgerechtes Zuhause zu bieten.
Schlingfallen werden vielen Wildtieren zum Verhängnis
Der Fall dieser Malaienbärin ist leider kein Einzelfall. Schlingfallen gehören zu den großen Gefahren für Wildtiere – nicht nur auf Borneo. Die Fallen werden häufig aufgestellt, um Tiere von Plantagen fernzuhalten oder bestimmte Bereiche abzugrenzen. Sie unterscheiden dabei jedoch nicht zwischen sogenannten „Schädlingen“ und geschützten Wildtieren. Malaienbären geraten immer wieder in die Fallen – obwohl sie gar nicht das Ziel der Fallensteller sind.
Besonders tückisch: Eine Schlingfalle führt nicht zwangsläufig sofort zum Tod. Stattdessen können die Tiere über Tage oder sogar längere Zeit schwer verletzt gefangen bleiben. Wunden entzünden sich, Gliedmaßen werden dauerhaft geschädigt und die Tiere können kaum noch Nahrung suchen. Die Folge ist häufig eine langsame, qualvolle Schwächung des gesamten Körpers.
Auch der Malaienbär Azim wurde Opfer einer solchen Falle. Er war im Gunung-Tarak-Schutzwald in West-Kalimantan mit einem Draht um das Vorderbein entdeckt worden. Eine Kamerafalle hatte ihn erstmals im November 2024 aufgenommen. Der Draht hatte sich so eng um sein Bein gelegt, dass er sich nur noch unter großen Schwierigkeiten fortbewegen konnte.
Malaienbären sind gefährdet
Schlingfallen sind dabei nur eine von vielen Gefahren für die kleinste Bärenart der Welt. Der Malaienbär (Helarctos malayanus) ist laut Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet (vulnerable) eingestuft. Lebensraumverlust, Wilderei und der illegale Handel mit Körperteilen setzen den Tieren zusätzlich zu.
Besonders problematisch ist der Handel mit Gallenblasen und Galle, die trotz fehlender wissenschaftlicher Grundlage in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) Verwendung finden. Der internationale Handel mit Malaienbären und ihren Körperteilen ist bereits seit Jahrzehnten streng reguliert: Die Art ist seit 1979 im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES gelistet.
Wie wichtig Schutz und Rettung für diese außergewöhnlichen Bären sind, zeigt auch ein Blick auf unsere Arbeit in Samboja Lestari. Dort leben zahlreiche gerettete Malaienbären in großzügigen Gehegen, die ihnen möglichst natürliche Beschäftigung und Nahrungssuche ermöglichen.
Ein sicherer Ort
Die Geschichte der geretteten Bärin macht deutlich, wie viel Leid hinter einem einzelnen Rettungsfall stecken kann. Verletzungen, Hunger und möglicherweise sogar frühere Gewalterfahrungen haben ihre Spuren hinterlassen.
Nun ist sie in Sicherheit. In Samboja Lestari bekommt sie die Zeit, die ihr Körper braucht, um sich zu erholen. Und sie bekommt etwas, das für ein Tier mit einer solchen Vergangenheit besonders wertvoll ist: einen geschützten Ort, an dem sie nicht mehr um ihr Überleben kämpfen muss. Auch für alte Malaienbären gibt es Hoffnung. Sie verdienen ein Leben in Würde, mit guter medizinischer Versorgung, artgerechter Ernährung und der Möglichkeit, ihren Lebensabend in einer möglichst natürlichen Umgebung zu verbringen. Das BOS-Team wird die Bärin auf ihrem weiteren Weg begleiten und alles dafür tun, dass sie sich so gut wie möglich erholt.
Der erwartete Super-El Niño stellt Borneo vor besondere Herausforderungen. Für BOS bedeutet das: auf die erwarteten Feuer vorbereitet sein. Denn die Erfahrungen aus der verheerenden Brandsaison 2015/16 haben gezeigt, wie schnell Waldbrände zu einer Gefahr für Orang-Utans, ihre Lebensräume und die gesamte Naturschutzarbeit werden können.
2015/16: Eine Brandsaison, die alles verändert hat
Wie wichtig eine gute Vorbereitung ist, weiß BOS aus eigener Erfahrung. Die Brandsaison 2015/16 gehört zu den schwersten Feuerkatastrophen, die Indonesien in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Im Gebiet des BOS-Rettungszentrums Samboja Lestari in Ost-Kalimantan zerstörten die Feuer damals rund 266 Hektar wiederaufgeforstete Fläche. Im Mawas-Schutzgebiet in Zentral-Kalimantan wurden etwa 15.442 Hektar Orang-Utan-Lebensraum durch die Brände geschädigt. Landesweit waren mehr als zwei Millionen Hektar Wald und Torflandschaften betroffen. Doch die Folgen waren nicht auf verbrannten Regenwald beschränkt. In Zentral-Kalimantan war die Luftqualität über zwei Monate lang so schlecht, dass die Waldschule im BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng vorübergehend geschlossen werden musste. Die Brände kamen gefährlich nah an das Rettungszentrum heran und konnten erst durch den gemeinsamen Einsatz von Feuerwehr- und BOS-Teams unter Kontrolle gebracht werden.
Dichte Rauchschwaden hingen während der Brände 2015 über Nyaru MentengDie Orang-Utans konnten daher zeitweise nicht die Waldschule besuchen
Wenn Orang-Utans durch Brände ihren Lebensraum verlieren, scheint eine Umsiedlung zunächst eine naheliegende Lösung zu sein. Doch so einfach ist es nicht. Ein Orang-Utan kann nicht einfach in einem anderen Wald ausgesetzt werden. Vor jeder Umsiedlung muss unter anderem geprüft werden, ob der neue Lebensraum genügend Nahrung bietet, wie viele Orang-Utans dort bereits leben und ob es zu Konkurrenz um Ressourcen kommen könnte. Auch die Anpassungsfähigkeit und die langfristigen Überlebenschancen der Tiere müssen berücksichtigt werden.
Eine Rettung ist deshalb immer nur der erste Schritt. Im Idealfall sorgt der Schutz des Lebensraums dafür, dass Orang-Utans gar nicht erst vor Feuer fliehen oder gerettet werden müssen. Die Erfahrungen von 2015/16 haben die Arbeit von BOS deshalb nachhaltig verändert. Heute geht es nicht mehr nur darum, im Notfall möglichst schnell zu reagieren. Es geht darum, Brände möglichst früh zu erkennen, ihre Entstehung zu verhindern und die Voraussetzungen zu schaffen, um sie schnell bekämpfen zu können.
Feuerschutztürme gewähren einen weiten Blick über das Land. So können Brandherde frühzeitig lokalisiert werden
Vorbereitung beginnt lange vor den ersten Bränden
Mit Blick auf die weitere El-Niño-Entwicklung 2026 hat BOS deshalb seine Maßnahmen zur Brandprävention und ‑bekämpfung verstärkt. Dabei setzen wir auf mehrere miteinander verbundene Säulen: Überwachung, Infrastruktur, gut ausgebildete Einsatzteams und die enge Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort.
Feuer erkennen, bevor es sich ausbreitet
Je früher ein Brand entdeckt wird, desto größer sind die Chancen, ihn unter Kontrolle zu bringen. Deshalb überwacht BOS seine Schutz- und Auswilderungsgebiete auf unterschiedliche Weise. Dazu gehören regelmäßige Patrouillen am Boden, die Beobachtung von Feuerwachtürmen sowie der Einsatz von Drohnen in besonders gefährdeten Gebieten.
Regelmäßige Patrouillen – auch per Boot – gehören zu unseren Feuerschutzmaßnahmen
Hinzu kommt die tägliche Auswertung von Satellitendaten. Dafür nutzt BOS unter anderem die Systeme NASA FIRMS, SIPONGI und das Global Wildfire Information System (GWIS). Sie liefern Informationen über sogenannte Hotspots – also Stellen, an denen Satelliten erhöhte Temperaturen registrieren. Die verschiedenen Informationsquellen werden miteinander kombiniert. So können mögliche Brandherde möglichst früh erkannt und Einsatzteams gezielt dorthin geschickt werden. Aus der Satellitenaufnahme wird im besten Fall innerhalb kürzester Zeit ein konkreter Einsatz vor Ort.
Wasser muss im Ernstfall schnell verfügbar sein
Genauso wichtig wie die Früherkennung ist die Frage: Wie kommt das Löschwasser dorthin, wo es gebraucht wird? Deshalb überprüft BOS regelmäßig Brunnen, Wasserreservoirs, Kanäle und Pumpen. Auch die Wege zu den Wasserstellen werden kontrolliert und dort verbessert, wo sie für Einsatzfahrzeuge oder schwere Feuerwehrausrüstung schwer zugänglich sind.
In den zurückliegenden Jahren haben wir zahlreiche Hydranten in unseren Projektgebieten installiert, um im Notfall die Versorgung mit Löschwasser zu gewährleisten
Denn bei einem Brand zählt jede Minute. Wenn Pumpen, Schläuche und andere Ausrüstung erst über lange oder schlecht befahrbare Wege transportiert werden müssen, kann sich ein zunächst kleiner Brand schnell zu einer größeren Gefahr entwickeln. Die Vorbereitung bedeutet deshalb auch ganz praktische Arbeit: Technik überprüfen, Wasserstellen sichern, Wege zugänglich halten und sicherstellen, dass die Ausrüstung im entscheidenden Moment funktioniert.
Die Menschen vor Ort sind ein entscheidender Teil des Brandschutzes
Waldbrandschutz funktioniert nicht allein aus der Luft oder vom Computer aus. Gerade in den weitläufigen Landschaften Borneos spielen die Menschen in den umliegenden Gemeinden eine zentrale Rolle. BOS unterstützt deshalb lokale Feuerwehreinheiten bei Schulungen und Auffrischungstrainings und stellt Partnergemeinden Feuerwehrausrüstung zur Verfügung. Gemeinsam mit lokalen Behörden, den Katastrophenschutzbehörden und weiteren Partnern werden Maßnahmen zur Brandprävention und zur Vorbereitung auf mögliche Notfälle abgestimmt.
Im Notfall wissen, was zu tun ist: Brandschutzübung der BOS Foundation
Denn die Menschen, die in und rund um die Schutzgebiete leben, kennen die Landschaft und ihre Besonderheiten besonders gut. Sie können Brände früh entdecken, schnell reagieren und damit einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass aus einem kleinen Feuer keine Katastrophe wird.
Neue regionale Einsatzteams für die Brandsaison 2026
Für die kommende Brandsaison geht BOS noch einen Schritt weiter: An den verschiedenen Standorten in Ost- und Zentral-Kalimantan werden regionale Wildfire Preparedness Task Forces aufgebaut. Diese Teams sollen die Maßnahmen vor Ort besser miteinander vernetzen. Dazu gehören die Überwachung von Brandherden, eine schnellere Weitergabe wichtiger Informationen, klarere Abläufe bei der Eskalation eines Notfalls, eine bessere Koordination verschiedener Einsatzkräfte und schnellere Entscheidungen auf Grundlage aktueller Daten. Gerade bei großflächigen Bränden ist Koordination entscheidend. Feuerwehrteams, BOS-Mitarbeiter, lokale Gemeinden und Behörden müssen möglichst schnell dieselben Informationen erhalten und wissen, wer welche Aufgabe übernimmt.
Auch neue Technologien sollen helfen
BOS arbeitet außerdem gemeinsam mit verschiedenen Partnern daran, neue Systeme zur automatischen Branderkennung einzusetzen. Solche Technologien könnten künftig dabei helfen, Feuer noch schneller zu erkennen und Einsatzkräfte gezielt zu alarmieren. Damit ergänzt die BOS Foundation ihre bisherigen Maßnahmen um eine weitere wichtige Ebene: Neben Satellitendaten, Patrouillen, Feuerwachtürmen und Drohnen sollen zusätzliche technische Systeme dabei helfen, potenzielle Brände so früh wie möglich aufzuspüren.
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Wenn der Wald brennt, verlieren Orang-Utans mehr als nur Bäume
Die unmittelbare Gefahr eines Feuers liegt auf der Hand: Flammen zerstören Bäume und andere Pflanzen, verbrennen Nahrungsquellen und können Orang-Utans direkt gefährden. Doch die Folgen reichen viel weiter. Nach einer langen Trockenperiode kann sich die Qualität eines Lebensraums erheblich verschlechtern. Nahrung wird knapp, Wälder werden fragmentiert und Orang-Utans können gezwungen sein, auf der Suche nach Nahrung und Sicherheit in die Nähe menschlicher Siedlungen zu kommen. Damit steigt auch das Risiko von Mensch-Orang-Utan-Konflikten. Gleichzeitig bedeutet ein Verlust von Lebensraum häufig mehr Arbeit für die Rettungszentren: Je mehr Orang-Utans gerettet werden müssen, desto mehr Tiere benötigen medizinische Versorgung, Nahrung, Betreuung und jahrelange Rehabilitation. Und genau hier zeigt sich, warum Waldbrandschutz ein so wichtiger Teil des Orang-Utan-Schutzes ist. Jeder verhinderte Brand schützt nicht nur Wald. Er kann auch verhindern, dass ein Orang-Utan seine Heimat verliert.
Aus den Erfahrungen von 2015 für die Zukunft lernen
Die Feuer von 2015/16 haben BOS eine wichtige Lektion gelehrt: Wenn ein Großbrand erst einmal außer Kontrolle geraten ist, ist es zu spät, mit den Vorbereitungen zu beginnen. Auch die Wiederherstellung zerstörter Lebensräume braucht sehr viel länger als ihre Zerstörung. In den von den Bränden betroffenen Gebieten von Samboja Lestari und Mawas begann BOS deshalb gemeinsam mit zahlreichen Partnern langfristige Wiederaufforstungs- und Renaturierungsmaßnahmen. Diese Arbeit dauert bis heute an. Umso wichtiger ist es, die Wälder zu schützen, die noch intakt sind – und gleichzeitig die Landschaft widerstandsfähiger gegen die Folgen von Trockenheit und Feuer zu machen.
Gemeinsam gegen die nächste Brandsaison
Wie stark sich das El-Niño-Phänomen 2026 entwickeln wird, lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen. Was sich aber vorbereiten lässt, sind die Maßnahmen für den Fall, dass die Trockenheit und damit die Brandgefahr tatsächlich deutlich zunimmt. BOS setzt dabei auf mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung im Orang-Utan-Schutz – und auf die Lehren aus einer der schlimmsten Brandsaisons ihrer Geschichte. Denn einen Waldbrand zu bekämpfen, wenn er bereits außer Kontrolle geraten ist, ist ungleich schwieriger, als seine Ausbreitung von Anfang an zu verhindern.
Der Schutz des Regenwaldes und der Orang-Utans geht nicht ohne die Menschen, die seit Generationen in und mit dem Wald leben. Indigene Gemeinschaften und lokale Dorfbewohner verfügen über ein einzigartiges Wissen über die Natur und spielen eine entscheidende Rolle für den Erhalt der biologischen Vielfalt.
BOS arbeitet deshalb eng mit indigenen Gemeinschaften und lokalen Dörfern in Zentral- und Ost-Kalimantan zusammen. Ziel ist es, die Menschen vor Ort dabei zu unterstützen, ihre Wälder nachhaltig zu schützen, traditionelle Kenntnisse zu bewahren und gleichzeitig ihre Lebensgrundlagen langfristig zu sichern.
Der Regenwald ist Lebensraum, Apotheke und kulturelles Erbe
Für indigene Gemeinschaften ist der Regenwald weit mehr als ein Ort zum Leben. Er versorgt sie mit Nahrung, Baumaterialien und sauberem Wasser. Gleichzeitig ist er eine natürliche Apotheke und bewahrt jahrhundertealtes Wissen über Heilpflanzen und ihre Anwendung.
Regenwald auf Borneo: eine Schatzkammer der Natur
Doch viele dieser Gemeinschaften stehen unter zunehmendem Druck. Abholzung, großflächige Landnutzungsänderungen und unklare Landrechte gefährden sowohl den Regenwald als auch die Menschen, die von ihm abhängig sind. Deshalb unterstützt BOS rund 30 Gemeinden dabei, ihre Rechte an traditionellen Waldgebieten zu stärken, lokale Organisationen und Dorfgemeinschaften auszubauen, natürliche Ressourcen nachhaltig zu nutzen und den Regenwald aktiv zu schützen und zu bewirtschaften. Naturschutz bedeutet dabei nicht nur den Erhalt von Tier- und Pflanzenarten, sondern auch die Sicherung der Lebensgrundlagen der Menschen, die diese Wälder seit Generationen bewahren.
Traditionelles Wissen über mehr als 100 Pflanzenarten
Gemeinsam mit den Gemeinden wurden bislang rund 115 einheimische Pflanzenarten dokumentiert. Dazu gehören Heilpflanzen, Nutzpflanzen sowie andere Waldprodukte, die nicht der Holzgewinnung dienen.
Die Früchte der Parijoto (Medinilla speciosa) sind für ihre starke antioxidative Wirkung, ihren Reichtum an Vitamin C und ihre entzündungshemmende Wirkung bekannt. Sie sind reich an Flavonoiden, Tanninen und Saponinen. Traditionell werden sie zur Senkung des Cholesterinspiegels, als natürliches Heilmittel bei Durchfall und zur Linderung von Mundgeschwüren verwendet.
Diese Pflanzen sind weit mehr als eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme. Sie stehen für lebendiges Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde und bis heute im Alltag Anwendung findet.
Melinjo hutan (Gnetum gnemon) ist äußerst vielseitig nutzbar: Die Kerne sind nahrhaft, reich an Stärke, Mineralien und den Vitaminen A und C. Sie können gekocht und als Gemüse verwendet werden. Die Samen, die eine antimikrobielle Wirkung haben, werden geröstet, zu dünnen Plätzchen geklopft, getrocknet und dann frittiert. Diese Chips sind als Emping bekannt. Die jungen Blätter und die Zapfen können als Gemüse zubereitet werden. Der Saft der Blätter gilt als Heilmittel bei Augenkrankheiten und aus der faserigen Borke werden seewasserbeständige Seile, Netze und Angelschnüre hergestellt.
Die Wurzelpflanze Akar Kuning (Fibraurea tinctoria) wird traditionell zur Behandlung von Entzündungen und Infektionen eingesetzt und gilt als stärkend für das Immunsystem. Kelakai (Stenochlaena palustris), ein Farn aus den Sumpfwäldern Borneos, wird aufgrund seines hohen Eisengehalts traditionell zur Vorbeugung von Blutarmut genutzt. Darüber hinaus werden ihm fiebersenkende, antibakterielle und antioxidative Eigenschaften zugeschrieben. Auch bei der Wundheilung sowie zur Unterstützung stillender Mütter spielt die Pflanze eine wichtige Rolle.
Nachhaltige Entwicklung durch den Schutz natürlicher Ressourcen
Die nachhaltige Nutzung von Heilpflanzen und anderen Waldprodukten schafft neue Perspektiven für die Menschen vor Ort. Indem traditionelles Wissen dokumentiert und weitergegeben wird, entstehen zugleich umweltverträgliche Einkommensmöglichkeiten.
Die indigenen Gemeinschaften schätzen Matan tingan (Baccaurea deflexa) vor allem wegen seiner essbaren Früchte. Die runden Früchte besitzen im Inneren Samen, die von einem saftigen, meist orangefarbenen Fruchtmantel umgeben sind. Aufgrund der Beliebtheit der Frucht wird der Baum von der Landbevölkerung nicht nur im Regenwald geerntet, sondern gezielt in Forstgärten kultiviert. Neben den Menschen dient die Pflanze auch der Tierwelt Borneos als wichtige Nahrungsquelle. Auch beim Orang-Utan stehen die Früchte auf dem Speiseplan.
So verbindet der Schutz des Regenwaldes ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele miteinander. Wenn die Menschen, die vom Wald leben, faire Mitspracherechte und Zukunftsperspektiven erhalten, profitieren sowohl die Natur als auch kommende Generationen.
Naturschutz funktioniert nur gemeinsam
Der langfristige Schutz des Regenwaldes gelingt nur gemeinsam mit den Menschen, die ihn seit Jahrhunderten kennen und bewahren. Deshalb setzt BOS auf einen inklusiven Naturschutzansatz, bei dem indigene Gemeinschaften und lokale Bevölkerung zu zentralen Partnern werden. Sie tragen nicht nur zum Erhalt der Wälder und der Artenvielfalt bei, sondern bewahren auch wertvolles traditionelles Wissen über Heilpflanzen und nachhaltige Ressourcennutzung – Wissen, das angesichts globaler Herausforderungen wie Klimawandel und Biodiversitätsverlust heute wichtiger ist denn je.
Der Schutz der Orang-Utans, der Erhalt des Regenwaldes und die Stärkung der Menschen vor Ort gehören untrennbar zusammen. Denn nur ein gesunder Wald kann dauerhaft Leben, Artenvielfalt und Zukunft sichern.
Wisst Ihr, was das Wunderbare daran ist, als BOS-Ranger tief im Regenwald zu arbeiten? Jeder Tag bringt neue Überraschungen! Die Sichtung und Beobachtung von Orang-Utans steht für unser Post-Release Monitoring Team im Camp Nles Mamse dabei natürlich an erster Stelle. Aber auch Begegnungen mit anderen, oftmals vom Aussterben bedrohten Tierarten oder die Entdeckung seltener Pflanzenarten machen den Reiz des „Arbeitsplatzes“ im geschützten Kehje Sewen Wald aus.
An diesem Nachmittag, von dem wir Euch erzählen möchten, hatte das Team bereits Feierabend und spielte eine Partie Badminton auf der Lichtung am Camp. Plötzlich vernahmen sie den Ruf eines Furchenhornvogels (Rhyticeros undulatus). Die Männer legten die Schläger beiseite und näherten sich leise und unauffällig jender Stelle, von der der Ruf kam. Auf einem Shorea-Baum entdeckten sie nicht nur einen Furchenhornvogel, sondern ein Pärchen. Ranger Welem hatte geistesgegenwärtig seine Kamera gegriffen und es gelang ihm, einige Fotos von den auffälligen Vögeln zu machen.
Bei den Furchenhornvögeln unterscheiden sich Männchen und Weibchen optisch sehr deutlich
Furchenhornvögel sind eine sexuell dimorphe Spezies. Das bedeutet: Männchen und Weibchen unterscheiden sich in ihrem äußeren Erscheinungsbild sehr deutlich. Während die Männchen ein elfenbeinweißes Gesicht und einen ziegelsteinroten Nacken haben, ist das Gesicht der Weibchen ebenso wie ihr Nacken schwarz. Das Männchen besitzt außerdem einen leuchtendgelben Hautsack am Hals, den es aufblasen kann, um Weibchen zu beeindrucken oder um sein Territorium gegenüber Konkurrenten zu verteidigen. Das Weibchen trägt ebenfalls einen Hautsack am Hals, dieser ist jedoch blau und kann nicht vergrößert werden. Beide können bis zu 90 Zentimeter groß werden, wobei die Männchen mit bis zu 3,6 Kilogramm Gewicht deutlich massiver wirken als die bis zu 2,7 Kilogramm schweren Weibchen.
Furchenhornvögel bleiben ein Leben lang als Paar zusammen
Während ihrer Lebenszeit wählen Furchenhornvögel ein einziges Mal einen Partner, mit dem sie monogam zusammenbleiben. Dabei ist die Aufgabenverteilung streng geregelt: Während der Brutzeit ist ausschließlich das Männchen für die Futterbeschaffung zuständig. Auf dem Speiseplan der Vögel stehen Früchte, vor allem Feigen, aber auch Insekten und kleine Reptilien. Das Weibchen brütet die Eier aus und verlässt erst dann das Nest, das üblicherweise in einem hohlen Baumstamm gebaut wird, wenn die Jungen flügge geworden sind. Dafür sorgt das Männchen, indem es den Eingang des Nestes mit Schlamm und Kot verschließt, bis nur noch ein kleines Loch übrig bleibt, durch das er mit der Schnabelspitze das Futter herein reicht.
Vom Aussterben bedroht: im Kehje Sewen gibt es noch Furchenhornvögel
Die Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) führt Furchenhornvögel leider auf ihrer Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Dass unsere PRM-Team ein Paar der Tiere gesichtet hat, ist daher eine besonders schöne Überraschung. Und es zeigt uns wieder einmal, was für ein Biodiversitäts-Hotspot der Kehje Sewen Wald ist: Neben Orang-Utans ist er das Zuhause zahlreicher, teils seltener Arten.
Bis zum Sonnenuntergang konnten unsere Ranger das Vogelpaar beobachten, die sich von der behutsamen Anwesenheit der Menschen nicht stören ließen. Was für ein Geschenk, diese selten gewordenen Tiere in all ihrer Schönheit doch sind – für Naturfreunde, Ornithologen und natürlich für den Wald selbst und sein noch intaktes Ökosystem.
Bitte helfen Sie uns, den Kehje Sewen Wald als Lebensraum für Orang-Utans und andere bedrohte Tierarten zu bewahren! Jede Spende, ganz gleich in welcher Höhe, unterstützt unsere Arbeit und kommt direkt dort an, wo sie gebraucht wird.
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