Wald­brände auf Borneo 2026

Wald­brände auf Borneo 2026

  • Brände rücken bis auf einen Kilo­meter an BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng heran
  • Orang-Utans mit Atem­wegs­sym­ptomen weiterhin in Behandlung
  • Mawas Brände auf 49,5 Hektar
  • BOS-Fire Task Force in der Region im Einsatz

Jedes Jahr bringt die Trocken­zeit auf Borneo ein erhöhtes Risiko für Wald- und Land­brände mit sich. Gerade in den Torf­mooren Kali­mantans sind Feuer beson­ders gefähr­lich, da sie sich schnell unter- und ober­ir­disch ausbreiten können und schwer zu löschen sind. Die Präven­tion von Bränden ist daher unser größtes Anliegen, an dem wir seit Jahren mit aller Kraft arbeiten. Aufgrund der großen Trocken­heit und dem extremen El Niño-Ereignis in diesem Jahr, steht Borneo – und damit das BOS-Einsatz­ge­biet – vor extremen Heraus­for­de­rungen. Die Situa­tion ist derzeit äußerst dyna­misch. Wetter­be­din­gungen, Wind, Trocken­heit und neue Brand­herde können die Lage inner­halb kurzer Zeit verändern.

Wir sind bereit, uns den Flammen zu stellen. 24 Stunden an jedem Tag.

Auf dieser Seite infor­mieren wir fort­lau­fend über die aktu­elle Entwick­lung, mögliche Gefahren für Orang-Utans und ihre Lebens­räume sowie über die Maßnahmen der BOS Foun­da­tion zur Brand­prä­ven­tion und ‑bekämp­fung.

Orang-Utan in der BOS-Waldschule, umgeben vom Haze der Waldbrände
Der Smog, verur­sacht durch die anhal­tenden Brände auf Borneo, belastet auch unsere Orang-Utans

Update vom 14. September 2026: Die Feuer rücken näher an Nyaru Menteng heran

In den vergan­genen Tagen sind Brand­herde näher an unser Rettungs­zen­trum gerückt. Alle Feuer konnten gelöscht werden. Mithilfe von Drohnen mit Wärme­bild­ka­meras iden­ti­fi­zieren wir unter­ir­di­sche Hotspots.

Unsere Feuer­wehr­teams waren in den zurück­lie­genden Tagen im Dauer­ein­satz. Denn die Brände sind zuletzt immer näher an unser Orang-Utan-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng heran­ge­rückt. Glück­li­cher­weise konnten wir alle Feuer löschen. Doch da in den trockenen Torf­moor­böden die Gefahr von unter­ir­di­schen Bränden bestehen bleibt, waren jeweils zwei Lösch­teams 24 Stunden im Einsatz, um die Böden weiterhin zu durchfeuchten.

Große Dienste hat uns der Einsatz unserer Drohne mit Wärme­bild­ka­mera geleistet, die eigent­lich auf unseren Voraus­wil­de­rungs­in­seln und in unseren Auswil­de­rungs­ge­bieten genutzt wird, um dort Orang-Utans zu beob­achten. Aktuell nutzen wir die Wärme­bild-Drohne aller­dings, um unter­ir­di­sche Hotspots zu iden­ti­fi­zieren und schwe­lende Glut­nester zu bekämpfen. Unter­ir­disch können Flam­men­nester im Torf­boden tage­lang weiter­glühen und sich kilo­me­ter­weit verbreiten.

Aufnahmen einer Drohne mit Wärmebildkamera von Brandherden auf Borneo
Mit der Wärme­bild­ka­mera (links) konnten wir auch unter­ir­di­sche Brand­herde iden­ti­fi­zieren, die auf den normalen Droh­nen­auf­nahmen (rechts) nicht zu sehen waren

Aktuell gibt es keine weiteren Brände rund um unsere Gebiete. Unsere Feuer­wehr­teams sind aber weiterhin auf Abruf bereit, um im Notfall schnell eingreifen zu können.

Aufnahmen einer Drohne mit Wärmebildkamera von Brandherden auf Borneo
Aufnahmen der Wärme­bild­ka­mera nach den Bränden: Es sind noch immer unter­ir­di­sche Hotspots zu erkennen

Die Orang-Utans in Nyaru Menteng versorgen wir weiterhin mit Vitaminen und Medi­ka­menten gegen Atemwegserkrankungen.

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Rund um die BOS-Vorauswilderungsinseln für Orang-Utans steht das Wasser aufgrund der Trockenzeit extrem niedrig
Wie groß die Trocken­heit in Kali­mantan aktuell ist, zeigt sich auch am nied­rigen Wasser­stand rund um unsere Vorauswilderungsinseln

Update vom 4. September 2026: Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­tren und Auswil­de­rungs­ge­biete weiterhin sicher

Nach den jüngsten Beob­ach­tungen sind die Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­tren und Auswil­de­rungs­ge­biete der BOS Foun­da­tion derzeit sicher vor direkten Auswir­kungen der Brände.

In Zentral-Kali­mantan sind das Orang-Utan-Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum Nyaru Menteng sowie die Voraus­wil­de­rungs­in­seln Kaja und Bangamat bislang nicht direkt von Bränden betroffen. Evaku­ie­rungen aufgrund von Feuer waren dort bis jetzt nicht erforderlich.

Aller­dings ist aktuell einer der großen Feuer-Hotspots nur ca. 15 Kilo­meter von Nyaru Menteng entfernt, weshalb unsere Teams 24 Stunden in Bereit­schaft sind. Durch die Brände ist die Luft in der Region extrem durch Rauch belastet. Unsere aktuell wich­tigste Heraus­for­de­rung ist es daher, die Orang-Utans vor den Auswir­kungen und Folgen der Rauch­be­las­tung zu schützen.

Wegen der nied­rigen Wasser­stände der Flüsse rund um die Voraus­wil­de­rungs­in­seln haben wir elf Orang-Utans von den Inseln präventiv nach Nyaru Menteng geholt.

Auch für den Schutz­wald Bukit Batikap sowie die Auswil­de­rungs­ge­biete im Natio­nal­park Bukit Baka Bukit Raya besteht aktuell keine unmit­tel­bare Gefahr durch Brände.

In Ost-Kali­mantan ist die Situa­tion derzeit eben­falls stabil: Samboja Lestari und der Auswil­de­rungs­wald Kehje Sewen sind weiterhin sicher.

Große Sorge bereitet uns hingegen die Situa­tion in Mawas. Etwa 49,5 Hektar des Mawas-Schutz­ge­biets sind bereits von Bränden betroffen. Mawas ist eine ausge­dehnte Torf­moor­land­schaft und damit beson­ders empfind­lich gegen­über Feuer. Brände in Torf­böden können schwer zu erkennen und zu löschen sein. Selbst wenn an der Ober­fläche keine Flammen mehr sichtbar sind, kann das Feuer unter­ir­disch weiter schwelen und sich unbe­merkt ausbreiten.

Der Rauch belastet die Orang-Utans

Wald­brände gefährden Orang-Utans nicht nur dort, wo die Flammen unmit­telbar ihren Lebens­raum errei­chen. Eine große Belas­tung ist der allge­gen­wär­tige Rauch.
Rauch und Dunst – der soge­nannte Haze – breitet sich über große Entfer­nungen aus und beein­träch­tigt die Atem­wege von Menschen und Tieren. Eine länger andau­ernde Rauch­be­las­tung kann das Verhalten und die tägli­chen Akti­vi­täten der Orang-Utans verän­dern. Die Mitar­beiter der BOS-Rettungs­zen­tren beob­achten daher den Gesund­heits­zu­stand der Tiere beson­ders aufmerksam.

Orang-Utan im BOS-Rettungszentrum ist vom Rauch der Waldbrände umgeben
Der giftige Haze hat sich über Kali­mantan ausge­breitet und beein­träch­tigt auch die Orang-Utans in unseren Rettungszentren

21 Orang-Utans zeigen Atemwegssymptome

Aktuell zeigen 21 Orang-Utans in Nyaru Menteng Symptome von Atem­wegs­pro­blemen, wie Husten, Niesen und Nasen­aus­fluss. Darunter sind einige unserer jüngsten Wald­schüler wie Momo und Selfie.
Die betrof­fenen Tiere werden engma­schig von unseren Vete­rinär- und Tier­pfle­ge­teams über­wacht. Bei Bedarf erhalten sie die notwen­dige medi­zi­ni­sche Versor­gung und Behandlung.

Situa­tion der Waldschüler

Die Ausbil­dung in der Wald­schule findet derzeit weiterhin wie gewohnt statt. Die jungen Orang-Utans verbringen bis zu sieben Stunden im Wald und trai­nieren unter möglichst natür­li­chen Bedin­gungen all jene Fähig­keiten, die sie später für ein selbst­stän­diges Leben in Frei­heit benö­tigen. Sollte sich die Rauch- und Dunst­be­las­tung jedoch verschlech­tern, wird die Dauer der Wald­schul­ak­ti­vi­täten vorsorg­lich ange­passt. Denn auch wenn die Wald­schule ein wich­tiger Bestand­teil der Reha­bi­li­ta­tion ist, gilt: Die Gesund­heit und Sicher­heit der Orang-Utans gehen immer vor.

Die Gesamt­lage im Blick

Die BOS Foun­da­tion hält in all ihren Einsatz­ge­bieten weiterhin eine erhöhte Einsatz­be­reit­schaft aufrecht. Unsere Teams über­wa­chen regel­mäßig akute und poten­ti­elle Brand­herde. Dafür werden Satel­li­ten­daten mit Beob­ach­tungen vor Ort kombi­niert, um Entwick­lungen möglichst früh zu erkennen. Zusätz­lich führen unsere Einsatz­kräfte Patrouillen in beson­ders brand­ge­fähr­deten Gebieten durch, kontrol­lieren die Grenzen des Rettungs­zen­trums Nyaru Menteng und Brand­schneisen und über­wa­chen Wasser­quellen, Kanäle sowie andere Infra­struk­turen, die für die Brand­be­kämp­fung benö­tigt werden könnten.

Als Vorbe­rei­tung auf die Brand­saison haben wir 22 Brunnen gebohrt, die einen Kreis um die Wald­schule von Nyaru Menteng bilden. Zusätz­lich wurden fünf Wasser­tanks einge­richtet, drei davon mobil. Sie können beim Bedarf zu Bränden trans­por­tiert werden.

22 Brunnen für Brandschutzprävention im Rettungszentrum Nyaru Menteng
22 Brunnen wurden um die Wald­schule im Nyaru Menteng 2 gebaut. So kommen Einsatz­kräfte im Fall eines Brandes schnell an Wasser.

Die BOS-Fire Task Force ist auch außer­halb der eigenen Gebiete im Einsatz

Die BOS Foun­da­tion beschränkt die Einsätze zur Brand­be­kämp­fung nicht auf ihre eigenen Einrich­tungen. In Zentral-Kali­mantan unter­stützt unsere Fire Task Force derzeit auch die Lösch­ar­beiten rund um Palangka Raya. Einige dieser Einsatz­orte liegen mehr als zehn Kilo­meter von Nyaru Menteng entfernt.

Dabei arbeitet BOS mit der Natur­schutz­be­hörde von Zentral-Kali­mantan (BKSDA) und der Forst­be­hörde der Provinz Zentral-Kali­mantan zusammen. Dabei unter­stützen wir sowohl inner­halb von Wild­tier­re­ser­vaten und Natur­schutz­ge­bieten als auch außer­halb dieser geschützten Areale. Denn ein Feuer macht nicht an einer Schutz­ge­biets­grenze Halt. Brände können Wälder, Gemeinden und ganze Ökosys­teme bedrohen, unab­hängig davon, ob sie inner­halb oder außer­halb eines offi­ziell geschützten Gebietes entstehen.

Gemeinsam für die Orang-Utans und ihren Wald

BOS setzt alles daran, die Orang-Utans während der Brand­saison zu schützen – vor den unmit­tel­baren Gefahren des Feuers ebenso wie vor den lang­fris­tigen Folgen von Rauch und Lebens­raum­ver­lust.
Unsere Teams bleiben in erhöhter Einsatz­be­reit­schaft und beob­achten die Situa­tion in den Arbeits­ge­bieten engmaschig.

Vielen Dank für Ihre Unter­stüt­zung und dafür, dass Sie gemeinsam mit uns dazu beitragen, Orang-Utans und ihren Lebens­raum zu schützen.

Malai­en­bärin auf Borneo gerettet: Nach Schling­falle und Schuss­ver­let­zung kämpft sie ums Überleben

Malai­en­bärin auf Borneo gerettet: Nach Schling­falle und Schuss­ver­let­zung kämpft sie ums Überleben

Der Fund muss ihm einen großen Schre­cken einge­jagt haben. Doch Mr. Pandi aus der Ortschaft Lebak­hulak in Ost-Kali­mantan zögerte keine Sekunde, um Hilfe für das schwer verletzte Malai­en­bären-Weib­chen zu holen. Die Bärin war in eine Schling­falle geraten. Und was sie durch­lebt haben muss, lässt sich nur erahnen. Die Spuren an ihrem Körper erzählten jeden­falls eine grau­same Geschichte – und sie zeigten deut­lich, welchen Gefahren Malai­en­bären in ihrem Lebens­raum Regen­wald ausge­setzt sind.

Es war Ende März 2026, als Mitar­bei­tende der Natur­schutz­be­hörde BKSDA durch den Dorf­be­wohner alar­miert und zur Hilfe gerufen wurden. Als sie vor Ort eintrafen, fanden sie ein ausge­wach­senes Malai­en­bären-Weib­chen in äußerst kriti­schem Zustand vor.

Rettung eines verletzten Malai­en­bären auf Borneo

Das Tier war so geschwächt, dass es sich kaum noch bewegen konnte. Verlet­zungen an der Schulter und bereits verschorfte Wunden am Vorder­bein deuteten darauf hin, dass sie schon vor einiger Zeit in die Falle geraten sein musste. Zudem waren drei Zehen ihres rechten Vorder­fußes ausge­ku­gelt, vermut­lich beim verzwei­felten Versuch, sich zu befreien.

Malaienbär wird in der Klinik des BOS-Rettungszentrums Samboja Lestari behandelt
Die verletzte Pfote der geret­teten Malaienbärin

Nach einer ersten Versor­gung mit Honig und Zucker­wasser wurde die Bärin tier­ärzt­lich unter­sucht und stabi­li­siert. Den Erst­hel­fern war klar: Sie brauchte inten­sive medi­zi­ni­sche Betreuung. Die Behörden infor­mierten daher unser Malai­en­bären-Team im BOS-Rettungs­zen­trum Samboja Lestari und brachten die verletzte Bärin zu uns.

Verletzte Malaienbärin wird ins BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari gebracht
Die Malai­en­bärin bei ihrer Ankunft im BOS-Rettungs­zen­trum Samboja Lestari. Jetzt ist sie in Sicherheit

Im Rettungs­zen­trum kümmerte sich das BOS-Vete­ri­när­team sofort um das schwer verletzte Tier und unter­suchte sie umfas­send. Das Ergebnis war alarmierend.

Die drama­ti­sche Diagnose

Bei den Unter­su­chungen im Rettungs­zen­trum entdeckten die Tier­ärzte weitere Hinweise auf die Leidens­ge­schichte der Bärin. Rönt­gen­auf­nahmen zeigten Metall­frag­mente im linken Vorder­bein. Die Tier­ärzte vermuten, dass es sich um Geschosse eines Luft­ge­wehrs handelt.
Auch ihr fort­ge­schrit­tenes Alter wurde durch die Unter­su­chungen deut­lich: Trübungen der Augen, zahl­reiche fehlende Zähne und grau werdendes Fell deuteten darauf hin, dass die Bärin bereits über 30 Jahre alt sein könnte – ein hohes Alter für einen Malai­en­bären. Mit nur 23 Kilo­gramm Körper­ge­wicht wog sie außerdem deut­lich weniger als ein gesunder erwach­sener Malaienbär.

Samboja Lestari ist vor allem als Rettungs- und Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum für Orang-Utans bekannt. Doch auch Malai­en­bären finden hier Schutz: Verletzte, verwaiste und dauer­haft nicht auswil­de­rungs­fä­hige Malai­en­bären erhalten im Bären­re­fu­gium medi­zi­ni­sche Versor­gung und ein sicheres Zuhause.
Für die alte Bärin kommt eine Rück­kehr in den Wald auf abseh­bare Zeit nicht infrage. Doch in Samboja Lestari bekommt die Bärin genau das, was sie jetzt braucht: medi­zi­ni­sche Versor­gung, Ruhe, eine ange­passte Ernäh­rung und inten­sive Betreuung.

Wie BOS verletzte Sonnen­bären pflegt und versorgt

Das Team beob­achtet ihren Zustand engma­schig und passt die Behand­lung an ihre Bedürf­nisse an. Schritt für Schritt zeigt die Bärin erste Anzei­chen einer Besse­rung.
Ihr Weg zurück zu Kräften wird vermut­lich langsam sein. Aber langsam bedeutet nicht hoff­nungslos.
Eines nämlich hat die Bären, obwohl sie noch immer geschwächt ist und sich nicht wie ihre Artge­nossen im Refu­gium bewegen kann, bereits am Tag ihrer Ankunft gewonnen. Etwas, das ihr lange Zeit gefehlt hat. Im BOS-Rettungs­zen­trum ist sie in Sicherheit.

Malaienbären in der Freianlage des BOS-Rettungszentrums Samboja Lestari
Malai­en­bären im BOS-Rettungs­zen­trum Samboja Lestari 

Im Sun Bear Sanc­tuary leben geret­tete Malai­en­bären, die aus unter­schied­li­chen Gründen nicht mehr in die Frei­heit zurück­kehren können. Anders als bei Orang-Utans ist eine Auswil­de­rung von Malai­en­bären nach engem Kontakt mit Menschen in den meisten Fällen nicht mehr möglich. Deshalb ist es umso wich­tiger, ihnen lang­fristig ein sicheres, möglichst artge­rechtes Zuhause zu bieten.

Schling­fallen werden vielen Wild­tieren zum Verhängnis

Der Fall dieser Malai­en­bärin ist leider kein Einzel­fall. Schling­fallen gehören zu den großen Gefahren für Wild­tiere – nicht nur auf Borneo. Die Fallen werden häufig aufge­stellt, um Tiere von Plan­tagen fern­zu­halten oder bestimmte Bereiche abzu­grenzen. Sie unter­scheiden dabei jedoch nicht zwischen soge­nannten „Schäd­lingen“ und geschützten Wild­tieren. Malai­en­bären geraten immer wieder in die Fallen – obwohl sie gar nicht das Ziel der Fallen­steller sind.

Beson­ders tückisch: Eine Schling­falle führt nicht zwangs­läufig sofort zum Tod. Statt­dessen können die Tiere über Tage oder sogar längere Zeit schwer verletzt gefangen bleiben. Wunden entzünden sich, Glied­maßen werden dauer­haft geschä­digt und die Tiere können kaum noch Nahrung suchen. Die Folge ist häufig eine lang­same, qual­volle Schwä­chung des gesamten Körpers.

Auch der Malai­enbär Azim wurde Opfer einer solchen Falle. Er war im Gunung-Tarak-Schutz­wald in West-Kali­mantan mit einem Draht um das Vorder­bein entdeckt worden. Eine Kame­ra­falle hatte ihn erst­mals im November 2024 aufge­nommen. Der Draht hatte sich so eng um sein Bein gelegt, dass er sich nur noch unter großen Schwie­rig­keiten fort­be­wegen konnte.

Malai­en­bären sind gefährdet

Schling­fallen sind dabei nur eine von vielen Gefahren für die kleinste Bärenart der Welt. Der Malai­enbär (Helarctos mala­yanus) ist laut Welt­na­tur­schutz­union IUCN als gefährdet (vulnerable) einge­stuft. Lebens­raum­ver­lust, Wilderei und der ille­gale Handel mit Körper­teilen setzen den Tieren zusätz­lich zu.

Beson­ders proble­ma­tisch ist der Handel mit Gallen­blasen und Galle, die trotz fehlender wissen­schaft­li­cher Grund­lage in der Tradi­tio­nellen Chine­si­schen Medizin (TCM) Verwen­dung finden. Der inter­na­tio­nale Handel mit Malai­en­bären und ihren Körper­teilen ist bereits seit Jahr­zehnten streng regu­liert: Die Art ist seit 1979 im Washing­toner Arten­schutz­über­ein­kommen CITES gelistet.

Wie wichtig Schutz und Rettung für diese außer­ge­wöhn­li­chen Bären sind, zeigt auch ein Blick auf unsere Arbeit in Samboja Lestari. Dort leben zahl­reiche geret­tete Malai­en­bären in groß­zü­gigen Gehegen, die ihnen möglichst natür­liche Beschäf­ti­gung und Nahrungs­suche ermöglichen.

Ein sicherer Ort

Die Geschichte der geret­teten Bärin macht deut­lich, wie viel Leid hinter einem einzelnen Rettungs­fall stecken kann. Verlet­zungen, Hunger und mögli­cher­weise sogar frühere Gewalt­er­fah­rungen haben ihre Spuren hinterlassen.

Nun ist sie in Sicher­heit. In Samboja Lestari bekommt sie die Zeit, die ihr Körper braucht, um sich zu erholen. Und sie bekommt etwas, das für ein Tier mit einer solchen Vergan­gen­heit beson­ders wert­voll ist: einen geschützten Ort, an dem sie nicht mehr um ihr Über­leben kämpfen muss.
Auch für alte Malai­en­bären gibt es Hoff­nung. Sie verdienen ein Leben in Würde, mit guter medi­zi­ni­scher Versor­gung, artge­rechter Ernäh­rung und der Möglich­keit, ihren Lebens­abend in einer möglichst natür­li­chen Umge­bung zu verbringen.
Das BOS-Team wird die Bärin auf ihrem weiteren Weg begleiten und alles dafür tun, dass sie sich so gut wie möglich erholt.

Helfen Sie geret­teten Malaienbären

Rettung, medi­zi­ni­sche Versor­gung und die lang­fris­tige Betreuung eines verletzten Wild­tiers sind aufwendig. Gerade Tiere wie diese alte Malai­en­bärin brau­chen inten­sive Pflege und beson­dere Aufmerk­sam­keit.
Mit Ihrer Spende helfen Sie uns, geret­teten Malai­en­bären und Orang-Utans eine zweite Chance zu geben – und ihnen ein sicheres, artge­rechtes Leben zu ermöglichen.

Brand­saison 2026: Wie sich BOS auf die Wald­brände vorbereitet

Brand­saison 2026: Wie sich BOS auf die Wald­brände vorbereitet

Der erwar­tete Super-El Niño stellt Borneo vor beson­dere Heraus­for­de­rungen. Für BOS bedeutet das: auf die erwar­teten Feuer vorbe­reitet sein. Denn die Erfah­rungen aus der verhee­renden Brand­saison 2015/16 haben gezeigt, wie schnell Wald­brände zu einer Gefahr für Orang-Utans, ihre Lebens­räume und die gesamte Natur­schutz­ar­beit werden können.

Die Gefahr beginnt nicht mit den ersten Flammen. Schon eine lang­an­hal­tende Trocken­pe­riode kann die Wälder und vor allem die Torf­böden auf Borneo stark austrocknen. Damit steigt das Risiko, dass sich Feuer schnell ausbreiten und nur schwer unter Kontrolle bringen lassen. Vorbeu­gung und eine gute Vorbe­rei­tung sind daher der wich­tigste Schutz.
Warum El Niño für Borneo so gefähr­lich werden kann und welche Auswir­kungen Trocken­heit, Feuer und Rauch auf die Orang-Utans haben, haben wir hier bereits ausführ­lich erklärt.

2015/16: Eine Brand­saison, die alles verän­dert hat

Wie wichtig eine gute Vorbe­rei­tung ist, weiß BOS aus eigener Erfah­rung. Die Brand­saison 2015/16 gehört zu den schwersten Feuer­ka­ta­stro­phen, die Indo­ne­sien in den vergan­genen Jahr­zehnten erlebt hat.
Im Gebiet des BOS-Rettungs­zen­trums Samboja Lestari in Ost-Kali­mantan zerstörten die Feuer damals rund 266 Hektar wieder­auf­ge­fors­tete Fläche. Im Mawas-Schutz­ge­biet in Zentral-Kali­mantan wurden etwa 15.442 Hektar Orang-Utan-Lebens­raum durch die Brände geschä­digt. Landes­weit waren mehr als zwei Millionen Hektar Wald und Torf­land­schaften betroffen.
Doch die Folgen waren nicht auf verbrannten Regen­wald beschränkt. In Zentral-Kali­mantan war die Luft­qua­lität über zwei Monate lang so schlecht, dass die Wald­schule im BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng vorüber­ge­hend geschlossen werden musste. Die Brände kamen gefähr­lich nah an das Rettungs­zen­trum heran und konnten erst durch den gemein­samen Einsatz von Feuer­wehr- und BOS-Teams unter Kontrolle gebracht werden.

Insge­samt hatte die Kata­strophe drama­ti­sche Auswir­kungen auf die Orang-Utan-Popu­la­tionen. Zahl­reiche Tiere mussten aus verbrannten oder stark geschä­digten Lebens­räumen gerettet werden. Allein aus dem Gebiet Mang­kutub kamen 76 Orang-Utans – eine der größten Rettungs­ak­tionen in der Geschichte der BOS Foun­da­tion. Im Jahr 2016 nahm BOS insge­samt 98 neue Orang-Utans auf, die gerettet, medi­zi­nisch versorgt, reha­bi­li­tiert und lang­fristig betreut werden mussten.

Jede Rettung ist eine enorme Herausforderung

Wenn Orang-Utans durch Brände ihren Lebens­raum verlieren, scheint eine Umsied­lung zunächst eine nahe­lie­gende Lösung zu sein. Doch so einfach ist es nicht.
Ein Orang-Utan kann nicht einfach in einem anderen Wald ausge­setzt werden. Vor jeder Umsied­lung muss unter anderem geprüft werden, ob der neue Lebens­raum genü­gend Nahrung bietet, wie viele Orang-Utans dort bereits leben und ob es zu Konkur­renz um Ressourcen kommen könnte. Auch die Anpas­sungs­fä­hig­keit und die lang­fris­tigen Über­le­bens­chancen der Tiere müssen berück­sich­tigt werden.

Eine Rettung ist deshalb immer nur der erste Schritt. Im Ideal­fall sorgt der Schutz des Lebens­raums dafür, dass Orang-Utans gar nicht erst vor Feuer fliehen oder gerettet werden müssen.
Die Erfah­rungen von 2015/16 haben die Arbeit von BOS deshalb nach­haltig verän­dert. Heute geht es nicht mehr nur darum, im Notfall möglichst schnell zu reagieren. Es geht darum, Brände möglichst früh zu erkennen, ihre Entste­hung zu verhin­dern und die Voraus­set­zungen zu schaffen, um sie schnell bekämpfen zu können.

Feuerschutzturm auf Borneo
Feuer­schutz­türme gewähren einen weiten Blick über das Land. So können Brand­herde früh­zeitig loka­li­siert werden

Vorbe­rei­tung beginnt lange vor den ersten Bränden

Mit Blick auf die weitere El-Niño-Entwick­lung 2026 hat BOS deshalb seine Maßnahmen zur Brand­prä­ven­tion und ‑bekämp­fung verstärkt. Dabei setzen wir auf mehrere mitein­ander verbun­dene Säulen: Über­wa­chung, Infra­struktur, gut ausge­bil­dete Einsatz­teams und die enge Zusam­men­ar­beit mit den Menschen vor Ort.

Feuer erkennen, bevor es sich ausbreitet

Je früher ein Brand entdeckt wird, desto größer sind die Chancen, ihn unter Kontrolle zu bringen. Deshalb über­wacht BOS seine Schutz- und Auswil­de­rungs­ge­biete auf unter­schied­liche Weise. Dazu gehören regel­mä­ßige Patrouillen am Boden, die Beob­ach­tung von Feuer­wach­türmen sowie der Einsatz von Drohnen in beson­ders gefähr­deten Gebieten.

Boot mit Löschschläuchen und Pumpe auf Kanal in Borneo
Regel­mä­ßige Patrouillen – auch per Boot – gehören zu unseren Feuerschutzmaßnahmen

Hinzu kommt die tägliche Auswer­tung von Satel­li­ten­daten. Dafür nutzt BOS unter anderem die Systeme NASA FIRMS, SIPONGI und das Global Wild­fire Infor­ma­tion System (GWIS). Sie liefern Infor­ma­tionen über soge­nannte Hotspots – also Stellen, an denen Satel­liten erhöhte Tempe­ra­turen regis­trieren.
Die verschie­denen Infor­ma­ti­ons­quellen werden mitein­ander kombi­niert. So können mögliche Brand­herde möglichst früh erkannt und Einsatz­teams gezielt dorthin geschickt werden. Aus der Satel­li­ten­auf­nahme wird im besten Fall inner­halb kürzester Zeit ein konkreter Einsatz vor Ort.

Wasser muss im Ernst­fall schnell verfügbar sein

Genauso wichtig wie die Früh­erken­nung ist die Frage: Wie kommt das Lösch­wasser dorthin, wo es gebraucht wird? Deshalb über­prüft BOS regel­mäßig Brunnen, Wasser­re­ser­voirs, Kanäle und Pumpen. Auch die Wege zu den Wasser­stellen werden kontrol­liert und dort verbes­sert, wo sie für Einsatz­fahr­zeuge oder schwere Feuer­wehr­aus­rüs­tung schwer zugäng­lich sind.

Hydrant wird im Torfmoorgebiet Mawas in den Boden gebracht
In den zurück­lie­genden Jahren haben wir zahl­reiche Hydranten in unseren Projekt­ge­bieten instal­liert, um im Notfall die Versor­gung mit Lösch­wasser zu gewährleisten

Denn bei einem Brand zählt jede Minute. Wenn Pumpen, Schläuche und andere Ausrüs­tung erst über lange oder schlecht befahr­bare Wege trans­por­tiert werden müssen, kann sich ein zunächst kleiner Brand schnell zu einer größeren Gefahr entwi­ckeln.
Die Vorbe­rei­tung bedeutet deshalb auch ganz prak­ti­sche Arbeit: Technik über­prüfen, Wasser­stellen sichern, Wege zugäng­lich halten und sicher­stellen, dass die Ausrüs­tung im entschei­denden Moment funktioniert.

Die Menschen vor Ort sind ein entschei­dender Teil des Brandschutzes

Wald­brand­schutz funk­tio­niert nicht allein aus der Luft oder vom Computer aus. Gerade in den weit­läu­figen Land­schaften Borneos spielen die Menschen in den umlie­genden Gemeinden eine zentrale Rolle.
BOS unter­stützt deshalb lokale Feuer­wehr­ein­heiten bei Schu­lungen und Auffri­schungs­trai­nings und stellt Part­ner­ge­meinden Feuer­wehr­aus­rüs­tung zur Verfü­gung. Gemeinsam mit lokalen Behörden, den Kata­stro­phen­schutz­be­hörden und weiteren Part­nern werden Maßnahmen zur Brand­prä­ven­tion und zur Vorbe­rei­tung auf mögliche Notfälle abgestimmt.

Männer beim Löschtraining
Im Notfall wissen, was zu tun ist: Brand­schutz­übung der BOS Foundation

Denn die Menschen, die in und rund um die Schutz­ge­biete leben, kennen die Land­schaft und ihre Beson­der­heiten beson­ders gut. Sie können Brände früh entde­cken, schnell reagieren und damit einen entschei­denden Beitrag dazu leisten, dass aus einem kleinen Feuer keine Kata­strophe wird.

Neue regio­nale Einsatz­teams für die Brand­saison 2026

Für die kommende Brand­saison geht BOS noch einen Schritt weiter: An den verschie­denen Stand­orten in Ost- und Zentral-Kali­mantan werden regio­nale Wild­fire Prepared­ness Task Forces aufge­baut. Diese Teams sollen die Maßnahmen vor Ort besser mitein­ander vernetzen. Dazu gehören die Über­wa­chung von Brand­herden, eine schnel­lere Weiter­gabe wich­tiger Infor­ma­tionen, klarere Abläufe bei der Eska­la­tion eines Notfalls, eine bessere Koor­di­na­tion verschie­dener Einsatz­kräfte und schnel­lere Entschei­dungen auf Grund­lage aktu­eller Daten.
Gerade bei groß­flä­chigen Bränden ist Koor­di­na­tion entschei­dend. Feuer­wehr­teams, BOS-Mitar­beiter, lokale Gemeinden und Behörden müssen möglichst schnell dieselben Infor­ma­tionen erhalten und wissen, wer welche Aufgabe übernimmt.

Auch neue Tech­no­lo­gien sollen helfen

BOS arbeitet außerdem gemeinsam mit verschie­denen Part­nern daran, neue Systeme zur auto­ma­ti­schen Brand­er­ken­nung einzu­setzen. Solche Tech­no­lo­gien könnten künftig dabei helfen, Feuer noch schneller zu erkennen und Einsatz­kräfte gezielt zu alar­mieren.
Damit ergänzt die BOS Foun­da­tion ihre bishe­rigen Maßnahmen um eine weitere wich­tige Ebene: Neben Satel­li­ten­daten, Patrouillen, Feuer­wach­türmen und Drohnen sollen zusätz­liche tech­ni­sche Systeme dabei helfen, poten­zi­elle Brände so früh wie möglich aufzuspüren.

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Mehr Infor­ma­tionen

Wenn der Wald brennt, verlieren Orang-Utans mehr als nur Bäume

Die unmit­tel­bare Gefahr eines Feuers liegt auf der Hand: Flammen zerstören Bäume und andere Pflanzen, verbrennen Nahrungs­quellen und können Orang-Utans direkt gefährden. Doch die Folgen reichen viel weiter. Nach einer langen Trocken­pe­riode kann sich die Qualität eines Lebens­raums erheb­lich verschlech­tern. Nahrung wird knapp, Wälder werden frag­men­tiert und Orang-Utans können gezwungen sein, auf der Suche nach Nahrung und Sicher­heit in die Nähe mensch­li­cher Sied­lungen zu kommen.
Damit steigt auch das Risiko von Mensch-Orang-Utan-Konflikten.
Gleich­zeitig bedeutet ein Verlust von Lebens­raum häufig mehr Arbeit für die Rettungs­zen­tren: Je mehr Orang-Utans gerettet werden müssen, desto mehr Tiere benö­tigen medi­zi­ni­sche Versor­gung, Nahrung, Betreuung und jahre­lange Reha­bi­li­ta­tion.
Und genau hier zeigt sich, warum Wald­brand­schutz ein so wich­tiger Teil des Orang-Utan-Schutzes ist. Jeder verhin­derte Brand schützt nicht nur Wald. Er kann auch verhin­dern, dass ein Orang-Utan seine Heimat verliert.

Aus den Erfah­rungen von 2015 für die Zukunft lernen

Die Feuer von 2015/16 haben BOS eine wich­tige Lektion gelehrt: Wenn ein Groß­brand erst einmal außer Kontrolle geraten ist, ist es zu spät, mit den Vorbe­rei­tungen zu beginnen. Auch die Wieder­her­stel­lung zerstörter Lebens­räume braucht sehr viel länger als ihre Zerstö­rung. In den von den Bränden betrof­fenen Gebieten von Samboja Lestari und Mawas begann BOS deshalb gemeinsam mit zahl­rei­chen Part­nern lang­fris­tige Wieder­auf­fors­tungs- und Rena­tu­rie­rungs­maß­nahmen. Diese Arbeit dauert bis heute an.
Umso wich­tiger ist es, die Wälder zu schützen, die noch intakt sind – und gleich­zeitig die Land­schaft wider­stands­fä­higer gegen die Folgen von Trocken­heit und Feuer zu machen.

Gemeinsam gegen die nächste Brandsaison

Wie stark sich das El-Niño-Phänomen 2026 entwi­ckeln wird, lässt sich nicht mit Sicher­heit vorher­sagen. Was sich aber vorbe­reiten lässt, sind die Maßnahmen für den Fall, dass die Trocken­heit und damit die Brand­ge­fahr tatsäch­lich deut­lich zunimmt.
BOS setzt dabei auf mehr als drei Jahr­zehnte Erfah­rung im Orang-Utan-Schutz – und auf die Lehren aus einer der schlimmsten Brand­sai­sons ihrer Geschichte. Denn einen Wald­brand zu bekämpfen, wenn er bereits außer Kontrolle geraten ist, ist ungleich schwie­riger, als seine Ausbrei­tung von Anfang an zu verhindern.

Mit Ihrer Spende unter­stützen Sie unsere Arbeit in der Feuer­prä­ven­tion und ‑bekämp­fung.

Indi­gene Gemein­schaften stärken – Regen­wald, Arten­viel­falt und tradi­tio­nelles Wissen bewahren

Indi­gene Gemein­schaften stärken – Regen­wald, Arten­viel­falt und tradi­tio­nelles Wissen bewahren

Der Schutz des Regen­waldes und der Orang-Utans geht nicht ohne die Menschen, die seit Gene­ra­tionen in und mit dem Wald leben. Indi­gene Gemein­schaften und lokale Dorf­be­wohner verfügen über ein einzig­ar­tiges Wissen über die Natur und spielen eine entschei­dende Rolle für den Erhalt der biolo­gi­schen Vielfalt.

BOS arbeitet deshalb eng mit indi­genen Gemein­schaften und lokalen Dörfern in Zentral- und Ost-Kali­mantan zusammen. Ziel ist es, die Menschen vor Ort dabei zu unter­stützen, ihre Wälder nach­haltig zu schützen, tradi­tio­nelle Kennt­nisse zu bewahren und gleich­zeitig ihre Lebens­grund­lagen lang­fristig zu sichern.

Der Regen­wald ist Lebens­raum, Apotheke und kultu­relles Erbe

Für indi­gene Gemein­schaften ist der Regen­wald weit mehr als ein Ort zum Leben. Er versorgt sie mit Nahrung, Bauma­te­ria­lien und sauberem Wasser. Gleich­zeitig ist er eine natür­liche Apotheke und bewahrt jahr­hun­der­te­altes Wissen über Heil­pflanzen und ihre Anwendung.

Regenwald auf Borneo Luftaufnahme
Regen­wald auf Borneo: eine Schatz­kammer der Natur

Doch viele dieser Gemein­schaften stehen unter zuneh­mendem Druck. Abhol­zung, groß­flä­chige Land­nut­zungs­än­de­rungen und unklare Land­rechte gefährden sowohl den Regen­wald als auch die Menschen, die von ihm abhängig sind.
Deshalb unter­stützt BOS rund 30 Gemeinden dabei, ihre Rechte an tradi­tio­nellen Wald­ge­bieten zu stärken, lokale Orga­ni­sa­tionen und Dorf­ge­mein­schaften auszu­bauen, natür­liche Ressourcen nach­haltig zu nutzen und den Regen­wald aktiv zu schützen und zu bewirt­schaften.
Natur­schutz bedeutet dabei nicht nur den Erhalt von Tier- und Pflan­zen­arten, sondern auch die Siche­rung der Lebens­grund­lagen der Menschen, die diese Wälder seit Gene­ra­tionen bewahren.

Tradi­tio­nelles Wissen über mehr als 100 Pflanzenarten

Gemeinsam mit den Gemeinden wurden bislang rund 115 einhei­mi­sche Pflan­zen­arten doku­men­tiert. Dazu gehören Heil­pflanzen, Nutz­pflanzen sowie andere Wald­pro­dukte, die nicht der Holz­ge­win­nung dienen.

Parijoto (Medinilla speciosa)
Die Früchte der Pari­joto (Medi­nilla speciosa) sind für ihre starke anti­oxi­da­tive Wirkung, ihren Reichtum an Vitamin C und ihre entzün­dungs­hem­mende Wirkung bekannt. Sie sind reich an Flavo­no­iden, Tanninen und Sapo­ninen. Tradi­tio­nell werden sie zur Senkung des Chole­ste­rin­spie­gels, als natür­li­ches Heil­mittel bei Durch­fall und zur Linde­rung von Mund­ge­schwüren verwendet.

Diese Pflanzen sind weit mehr als eine wissen­schaft­liche Bestands­auf­nahme. Sie stehen für leben­diges Wissen, das über Gene­ra­tionen weiter­ge­geben wurde und bis heute im Alltag Anwen­dung findet.

Melinjo hutan (Gnetum gnemon)
Melinjo hutan (Gnetum gnemon) ist äußerst viel­seitig nutzbar: Die Kerne sind nahr­haft, reich an Stärke, Mine­ra­lien und den Vitaminen A und C. Sie können gekocht und als Gemüse verwendet werden. Die Samen, die eine anti­mi­kro­bielle Wirkung haben, werden geröstet, zu dünnen Plätz­chen geklopft, getrocknet und dann frit­tiert. Diese Chips sind als Emping bekannt. Die jungen Blätter und die Zapfen können als Gemüse zube­reitet werden. Der Saft der Blätter gilt als Heil­mittel bei Augen­krank­heiten und aus der fase­rigen Borke werden seewas­ser­be­stän­dige Seile, Netze und Angel­schnüre hergestellt. 

Die Wurzel­pflanze Akar Kuning (Fibraurea tinc­toria) wird tradi­tio­nell zur Behand­lung von Entzün­dungen und Infek­tionen einge­setzt und gilt als stär­kend für das Immun­system.
Kelakai (Stenoch­laena palus­tris), ein Farn aus den Sumpf­wäl­dern Borneos, wird aufgrund seines hohen Eisen­ge­halts tradi­tio­nell zur Vorbeu­gung von Blut­armut genutzt. Darüber hinaus werden ihm fieber­sen­kende, anti­bak­te­ri­elle und anti­oxi­da­tive Eigen­schaften zuge­schrieben. Auch bei der Wund­hei­lung sowie zur Unter­stüt­zung stil­lender Mütter spielt die Pflanze eine wich­tige Rolle.

Nach­hal­tige Entwick­lung durch den Schutz natür­li­cher Ressourcen

Die nach­hal­tige Nutzung von Heil­pflanzen und anderen Wald­pro­dukten schafft neue Perspek­tiven für die Menschen vor Ort. Indem tradi­tio­nelles Wissen doku­men­tiert und weiter­ge­geben wird, entstehen zugleich umwelt­ver­träg­liche Einkommensmöglichkeiten.

Matan tingan (Baccaurea deflexa)
Die indi­genen Gemein­schaften schätzen Matan tingan (Bacca­urea deflexa) vor allem wegen seiner essbaren Früchte. Die runden Früchte besitzen im Inneren Samen, die von einem saftigen, meist oran­ge­far­benen Frucht­mantel umgeben sind. Aufgrund der Beliebt­heit der Frucht wird der Baum von der Land­be­völ­ke­rung nicht nur im Regen­wald geerntet, sondern gezielt in Forst­gärten kulti­viert. Neben den Menschen dient die Pflanze auch der Tier­welt Borneos als wich­tige Nahrungs­quelle. Auch beim Orang-Utan stehen die Früchte auf dem Speiseplan.

So verbindet der Schutz des Regen­waldes ökolo­gi­sche, soziale und wirt­schaft­liche Ziele mitein­ander. Wenn die Menschen, die vom Wald leben, faire Mitspra­che­rechte und Zukunfts­per­spek­tiven erhalten, profi­tieren sowohl die Natur als auch kommende Generationen.

Natur­schutz funk­tio­niert nur gemeinsam

Der lang­fris­tige Schutz des Regen­waldes gelingt nur gemeinsam mit den Menschen, die ihn seit Jahr­hun­derten kennen und bewahren. Deshalb setzt BOS auf einen inklu­siven Natur­schutz­an­satz, bei dem indi­gene Gemein­schaften und lokale Bevöl­ke­rung zu zentralen Part­nern werden.
Sie tragen nicht nur zum Erhalt der Wälder und der Arten­viel­falt bei, sondern bewahren auch wert­volles tradi­tio­nelles Wissen über Heil­pflanzen und nach­hal­tige Ressour­cen­nut­zung – Wissen, das ange­sichts globaler Heraus­for­de­rungen wie Klima­wandel und Biodi­ver­si­täts­ver­lust heute wich­tiger ist denn je.

Der Schutz der Orang-Utans, der Erhalt des Regen­waldes und die Stär­kung der Menschen vor Ort gehören untrennbar zusammen. Denn nur ein gesunder Wald kann dauer­haft Leben, Arten­viel­falt und Zukunft sichern.

Mit Ihrer Spende unter­stützen Sie auch diesen Aspekt der Arbeit von BOS.

Schön und äußerst selten: Furchen­horn­vögel im Kehje Sewen

Schön und äußerst selten: Furchen­horn­vögel im Kehje Sewen

Wisst Ihr, was das Wunder­bare daran ist, als BOS-Ranger tief im Regen­wald zu arbeiten? Jeder Tag bringt neue Über­ra­schungen! Die Sich­tung und Beob­ach­tung von Orang-Utans steht für unser Post-Release Moni­to­ring Team im Camp Nles Mamse dabei natür­lich an erster Stelle. Aber auch Begeg­nungen mit anderen, oftmals vom Aussterben bedrohten Tier­arten oder die Entde­ckung seltener Pflan­zen­arten machen den Reiz des „Arbeits­platzes“ im geschützten Kehje Sewen Wald aus.


An diesem Nach­mittag, von dem wir Euch erzählen möchten, hatte das Team bereits Feier­abend und spielte eine Partie Badminton auf der Lich­tung am Camp. Plötz­lich vernahmen sie den Ruf eines Furchen­horn­vo­gels (Rhyti­ceros undu­latus). Die Männer legten die Schläger beiseite und näherten sich leise und unauf­fällig jender Stelle, von der der Ruf kam. Auf einem Shorea-Baum entdeckten sie nicht nur einen Furchen­horn­vogel, sondern ein Pärchen. Ranger Welem hatte geis­tes­ge­gen­wärtig seine Kamera gegriffen und es gelang ihm, einige Fotos von den auffäl­ligen Vögeln zu machen.

Furchenhornvögel
Bei den Furchen­horn­vö­geln unter­scheiden sich Männ­chen und Weib­chen optisch sehr deutlich

Furchen­horn­vögel sind eine sexuell dimorphe Spezies. Das bedeutet: Männ­chen und Weib­chen unter­scheiden sich in ihrem äußeren Erschei­nungs­bild sehr deut­lich. Während die Männ­chen ein elfen­bein­weißes Gesicht und einen ziegel­stein­roten Nacken haben, ist das Gesicht der Weib­chen ebenso wie ihr Nacken schwarz. Das Männ­chen besitzt außerdem einen leuch­tend­gelben Haut­sack am Hals, den es aufblasen kann, um Weib­chen zu beein­dru­cken oder um sein Terri­to­rium gegen­über Konkur­renten zu vertei­digen. Das Weib­chen trägt eben­falls einen Haut­sack am Hals, dieser ist jedoch blau und kann nicht vergrö­ßert werden. Beide können bis zu 90 Zenti­meter groß werden, wobei die Männ­chen mit bis zu 3,6 Kilo­gramm Gewicht deut­lich massiver wirken als die bis zu 2,7 Kilo­gramm schweren Weibchen.


Furchen­horn­vögel bleiben ein Leben lang als Paar zusammen


Während ihrer Lebens­zeit wählen Furchen­horn­vögel ein einziges Mal einen Partner, mit dem sie monogam zusam­men­bleiben. Dabei ist die Aufga­ben­ver­tei­lung streng gere­gelt: Während der Brut­zeit ist ausschließ­lich das Männ­chen für die Futter­be­schaf­fung zuständig. Auf dem Spei­se­plan der Vögel stehen Früchte, vor allem Feigen, aber auch Insekten und kleine Repti­lien. Das Weib­chen brütet die Eier aus und verlässt erst dann das Nest, das übli­cher­weise in einem hohlen Baum­stamm gebaut wird, wenn die Jungen flügge geworden sind. Dafür sorgt das Männ­chen, indem es den Eingang des Nestes mit Schlamm und Kot verschließt, bis nur noch ein kleines Loch übrig bleibt, durch das er mit der Schna­bel­spitze das Futter herein reicht.


Vom Aussterben bedroht: im Kehje Sewen gibt es noch Furchenhornvögel


Die Inter­na­tio­nale Union zur Bewah­rung der Natur (IUCN) führt Furchen­horn­vögel leider auf ihrer Liste der vom Aussterben bedrohten Tier­arten. Dass unsere PRM-Team ein Paar der Tiere gesichtet hat, ist daher eine beson­ders schöne Über­ra­schung. Und es zeigt uns wieder einmal, was für ein Biodi­ver­si­täts-Hotspot der Kehje Sewen Wald ist: Neben Orang-Utans ist er das Zuhause zahl­rei­cher, teils seltener Arten.

Furchenhornvögel auf Borneo

Bis zum Sonnen­un­ter­gang konnten unsere Ranger das Vogel­paar beob­achten, die sich von der behut­samen Anwe­sen­heit der Menschen nicht stören ließen. Was für ein Geschenk, diese selten gewor­denen Tiere in all ihrer Schön­heit doch sind – für Natur­freunde, Orni­tho­logen und natür­lich für den Wald selbst und sein noch intaktes Ökosystem.


Bitte helfen Sie uns, den Kehje Sewen Wald als Lebens­raum für Orang-Utans und andere bedrohte Tier­arten zu bewahren! Jede Spende, ganz gleich in welcher Höhe, unter­stützt unsere Arbeit und kommt direkt dort an, wo sie gebraucht wird.