Super-El-Niño 2026: Was droht Borneo und den Orang-Utans?

Super-El-Niño 2026: Was droht Borneo und den Orang-Utans?

In der Wissen­schaft mehren sich die Hinweise auf ein „Super-El-Niño“-Ereignis im Jahr 2026. Sollte es dazu kommen, könnte der Regen­wald auf Borneo austrocknen und die Brand­ge­fahr massiv ansteigen. Für Orang-Utans bedeutet das akute Lebens­ge­fahr: Wald­brände, Rauch­ver­gif­tung und zerstörter Lebens­raum. Welche präven­tiven Maßnahmen die BOS Foun­da­tion bereits jetzt ergreift – und wie Sie uns dabei unter­stützen können.

Was ist El Niño? Ursa­chen und Folgen

El Niño ist ein natür­li­ches Klima­phä­nomen im tropi­schen Pazifik und Teil des soge­nannten ENSO-Systems (El Niño-Southern Oscil­la­tion). Der Begriff wurde von Fischern in Peru geprägt, die das Phänomen als erste beob­ach­teten: In manchen Jahren erwärmte sich das Meer­wasser um die Weih­nachts­zeit unge­wöhn­lich stark, woraufhin der Fisch­fang einbrach. Die Fischer nannten es „El Niño“ – das Christ­kind, das zwar zu Weih­nachten kommt, aber keine Geschenke mitbringt.

Wie entsteht El Niño?

El-Niño-Ereig­nisse treten in unre­gel­mä­ßigen Abständen von etwa zwei bis sieben Jahren auf und halten meist mehrere Monate bis über ein Jahr an. Ihren Höhe­punkt errei­chen sie häufig gegen Jahres­ende. Ursache sind Verän­de­rungen im Zusam­men­spiel von Ozean und Atmo­sphäre im tropi­schen Pazifik, insbe­son­dere eine Abschwä­chung der Passat­winde und verän­derte Luft­druck­ver­hält­nisse.
Die grund­le­genden Mecha­nismen von El Niño gelten heute als gut erforsch. Dennoch bleiben Zeit­punkt und Stärke einzelner Ereig­nisse nur begrenzt vorhersagbar.

Der Schmet­ter­lings­ef­fekt: Warum beein­flusst El Niño auch Europa?

Eines ist klar: El Niño ist ein hoch­kom­plexes Phänomen. Seine Auswir­kungen reichen weit über den tropi­schen Pazifik und die daran angrenzen Länder hinaus. El Niño beein­flusst Wetter- und Klima­muster weltweit!

Es ist ein klas­si­scher Schmet­ter­lings­ef­fekt: Die atmo­sphä­ri­schen Schwan­kungen im Pazifik beein­flussen unter anderem die Nord­at­lan­ti­sche Oszil­la­tion (NAO), die entschei­dend für das Wetter in Europa ist. Einige Forschende erwarten deshalb für Nord- und Mittel­eu­ropa einen unge­wöhn­lich langen und kalten Winter.

Super-El-Niño bedroht Regen­wald und Orang-Utans


Neben den globalen Folgen sorgen uns aktuell vor allem die mögli­chen Auswir­kungen eines Super-El-Niño auf die Orang-Utans und den Regen­wald auf Borneo.

Torfmoorbrand Mawas 2023 aus der Luft
In wenigen Stunden können ganze Wald­ge­biete gerodet werden.


Seit Jahr­zehnten arbeitet die BOS Foun­da­tion daran, Orang-Utans zu schützen und den Regen­wald auf Borneo wieder aufzu­forsten. Frühere El Niño-Phasen haben uns gezeigt, wie gefähr­lich extreme Trocken­heit und Wald­brände für Tiere, Menschen und den Regen­wald werden können. Und auch wenn die Wissen­schaft sich noch nicht zu einhun­dert Prozent sicher ist (oder viel­mehr: sein kann), ob es 2026 zu einem Super-El-Niño kommt, so mehren sich die Anzei­chen bereits derart, dass wir bereits Vorkeh­rungen treffen.
Doch lassen Sie uns zunächst genauer erklären, was 2026 auf uns zukommen könnte.

Die neutrale Wetter­lage vs. El Niño

In normalen Jahren treiben starke Passat­winde warmes Ober­flä­chen­wasser im tropi­schen Pazifik von Südame­rika nach Westen Rich­tung Indo­ne­sien und Austra­lien. Vor der Küste Perus und Ecua­dors steigt dadurch kaltes, nähr­stoff­rei­ches Tiefen­wasser auf, unter­stützt durch den Humboldt­strom. Während es an der West­küste Südame­rikas meist trocken bleibt, erwärmt sich das Wasser im west­li­chen Pazifik stark. Dadurch verdunstet dort viel Wasser, das über Indo­ne­sien und Nord­aus­tra­lien inten­sive Regen­fälle auslöst.
Unter El-Niño-Bedin­gungen gerät dieses Klima­system aus dem Gleich­ge­wicht: Die Passat­winde schwä­chen sich ab oder drehen sich zeit­weise um. Dadurch gelangt unge­wöhn­lich warmes Ober­flä­chen­wasser bis an die West­küste Südame­rikas, während der Auftrieb kalten, nähr­stoff­rei­chen Tiefen­was­sers weit­ge­hend ausbleibt.
Die Folgen sind drama­tisch, weil El Niño die übli­chen Wetter­muster massiv verschiebt.

Südame­rika: Über­schwem­mungen, Indo­ne­sien: Dürren und Waldbrände

An den norma­ler­weise trockenen Küsten Perus und Ecua­dors kommt es in solchen Jahren zu extremen Regen­fällen, Über­schwem­mungen und Erdrut­schen. In Indo­ne­sien und Teilen Südost­asiens hingegen steigt das Risiko für Dürren deut­lich an. Die anhal­tende Trocken­heit begüns­tigt groß­flä­chige Wald- und Torf­brände mit verhee­renden Folgen für Mensch, Natur und Klima.
Die kata­stro­phalen Folgen solcher Brände haben wir leider auf Borneo bereits in den El Niño-Phasen 2015/2016 und gerade erst 2023/2024 miter­leben müssen.
2015 brannten in Indo­ne­sien rund 2,6 Millionen Hektar Wald‑, Torf- und Land­flä­chen ab – eine Fläche etwa zehn mal so groß wie das Saarland.

Gefahr für das Auffors­tungs­ge­biet Mawas

Auch unsere Projekt­ge­biete blieben während der letzten El Niño-Phasen nicht verschont: In Mawas mussten wir eine stark erhöhte Anzahl von Bränden verzeichnen. Mawas ist ein degra­diertes Torf­moor­ge­biet, das wir seit Jahren wieder­vernässen und aufforsten. So schaffen wir dort lang­fristig neuen Lebens­raum für Orang-Utans.

Warum Torf­moore beson­ders leicht brennen

Ausge­trock­neter Torf­boden ist extrem brand­ge­fähr­lich: Torf brennt nicht nur an der Ober­fläche, sondern frisst sich unter­ir­disch weiter. So breiten sich Brände oft tage­lang unbe­merkt aus und verur­sa­chen immense Schäden.
Unsere Feuer­pa­trouillen haben im Jahr 2023 enorme Anstren­gungen unter­nommen, um die Flammen in Mawas zu stoppen und bereits mühsam aufge­fors­teten Flächen zu schützen. Ein riesiges Danke­schön gilt ihrem uner­müd­li­chen Einsatz.

Giftiger Rauch gefährdet Menschen und Orang-Utans

Extreme Brände während El Niño bedrohen jedoch nicht nur den Regen­wald, sie stellen auch eine tödliche Gefahr für Mensch und Tier dar. Durch die Verbren­nung werden große Mengen an Fein­staub, Ruß- und Kohlen­stoff­par­ti­keln frei­ge­setzt. Gelangen diese tief in die Atem­wege, können sie Entzün­dungs­re­ak­tionen fördern und Atem­wegs­er­kran­kungen auslösen – von akuter Bron­chitis über Lungen­ent­zün­dungen bis hin zu irrever­si­blen Langzeitschäden.

Orang-Utans leiden an Haze
Durch die Wald­brände werden große Mengen an Fein­staub, Ruß und Kohlen­stoff­par­ti­keln frei­ge­setzt, die auch die Atem­wege der Orang-Utans schädigen.


Diese Bedro­hung macht an keinen Landes­grenzen halt: Der giftige Rauch (bekannt als „Haze“) zog in der Vergan­gen­heit bis nach Singapur. Studien zeigen, dass weit über 500.000 Menschen unter den gesund­heit­li­chen Folgen litten; insbe­son­dere die Zahl der Lungen- und Herz-Kreis­lauf-Erkran­kungen stieg deut­lich an.

Mehr Waisen­babys und schwere Atemwegserkrankungen

In der Orang-Utan-Popu­la­tion führten die ausge­prägten El Niño-Jahre zu zwei besorg­nis­er­re­genden Entwicklungen:

Orang-Utan mit Babysitterin in den verbrannten Gebieten um das Rettungszentrum Nyaru Menteng.
Nach den Wald­bränden im Jahr 2015 besu­chen die Orang-Utan-Schüler den Wald rund um das Rettungszentrum.

• Rekord­zahl verwaister Orang-Utan-Babys
Im Jahr 2015 mussten wir außer­ge­wöhn­lich viele verwaiste Orang-Utan-Babys in unseren Rettungs­zen­tren aufnehmen. Viele Tiere verloren ihren Lebens­raum durch die Brände.
• Schwere Atem­wegs­er­kran­kungen
Viele unserer Schütz­linge erkrankten infolge des dichten Rauchs am gefähr­li­chen Orang-Utan Respi­ra­tory Disease Syndrome (ORDS) oder entwi­ckelten chro­ni­sche Lungen­schäden. Mitt­ler­weile bestä­tigen wissen­schaft­liche Studien diese trau­rigen Beob­ach­tungen. Für uns bedeutet das:Die ohnehin komplexe Reha­bi­li­ta­tion und Auswil­de­rung geret­teter Orang-Utans wird durch El Niño deut­lich erschwert.

El Niño Präven­tion: Wie schützt die BOS Foun­da­tion den Regenwald

Die BOS Foun­da­tion ist zwar keine staat­liche Feuer­prä­ven­ti­ons­stelle, doch liegt es in der Natur unserer Arbeit, Brände mit allen Mitteln zu verhin­dern. Dieses Ziel verfolgen wir durch folgende Maßnahmen:
• Zusam­men­ar­beit mit lokalen Gemeinden
• Ausbil­dung lokaler Feuer­pa­trouillen
• Profes­sio­nelles Feuer­weh­r­e­quip­ment
• Bau von Hydranten
• Bau stra­te­gi­scher Feuer­wach­türme
• Wieder­vernäs­sung von Torf­mooren
• Auffors­tung degra­dierter Flächen
• Konti­nu­ier­li­ches Wald­mo­ni­to­ring und aktiven Feuer­schutz
• Gezielte Aufklä­rung der Bevölkerung.

Neue Brand­schutz­wege im Mawas-Gebiet sind Game Changer

Und noch eine wich­tige Maßnahme zur Feuer­prä­ven­tion konnten wir dank der Unter­stüt­zung durch Förder­mittel der Deut­schen Post­code Lotterie im Jahr 2025 umsetzen: Im Lebens­wald-Auffors­tungs­pro­jekt in Mawas haben wir auf einer Länge von 1000 Metern Rettungs­wege aus robusten, lang­le­bigen, stahl­ver­stärkten Beton­platten bauen können, die den Brand­schutz auf ein neues Level gehoben haben.

Feuer­prä­ven­tion im Regen­wald ist schwere körper­liche Arbeit

Feuerwehreinsatz in Mawas
Die BOS Foun­da­tion bindet lokale Einwohner ein und stattet sie für den erfolg­rei­chen Kampf gegen das Feuer aus!

Sie müssen sich vorstellen, dass Brand­schutz im Regen­wald von Borneo schwere körper­liche Arbeit bedeutet. Patrouillen bewegen sich durch unweg­sames Gelände. Brand­herde liegen in schwer zugäng­li­chem Gebiet, das oft nur zu Fuß erreichbar ist.
Die stahl­ver­stärkten Beton­wege ermög­li­chen es unseren Feuer­pa­trouillen erst­mals, schwere Ausrüs­tung wie Schläuche und Pumpen schnell durch das Torf­moor zum Brand­herd zu trans­por­tieren. Eine enorme Erleich­te­rung und Verbes­se­rung für den Brand­schutz. Im Ernst­fall zählt jede Minute!

Wieder­vernäs­sung des Torf­moors als wirk­samster Brandschutz

Staudammbau im Mawasgebiet
Der Stau­dammbau ist ein Kraftakt. Das Ergebnis hat aber eine nach­ge­wie­sene Wirkung.

Unsere wich­tigste und nach­hal­tigste Maßnahme der Feuer­prä­ven­tion bleibt jedoch die Wieder­vernäs­sung des degra­dierten Torf­moores – denn eine intakte Moor­land­schaft brennt so gut wie nie. Daran arbeiten wir in unserem Projekt­ge­biet Mawas seit 2020, indem wir Stück für Stück die alten Entwäs­se­rungs­ka­näle dauer­haft verschließen. Über 116 Stau­dämme konnten wir bereits bauen und damit mehrere tausend Hektar Torf­boden erfolg­reich wieder­vernässen.

Feuer­wach­türme und Patrouillen schützen den Regenwald

Team Mawas
Koor­di­na­tions-Team Mawas

Für ein lücken­loses Moni­to­ring haben wir stra­te­gisch plat­zierte Feuer­wach­türme errichtet. In den gefähr­deten Gebieten patrouil­lieren regel­mäßig Teams, die sich aus Menschen der umlie­genden Gemeinden und Mitar­bei­tenden der Natur­schutz­be­hörden zusam­men­setzen. Allein im vergan­genen Jahr hat die BOS Foun­da­tion über 600 Feuer­pa­trouillen in gefähr­deten Gebieten durchgeführt.

Gemeinsam gegen die Flammen

Wir können El Niño nicht aufhalten oder gar verhin­dern. Aber wir können alles dafür tun, die Folgen für Orang-Utans und Regen­wald so gering wie möglich zu halten – indem wir früh­zei­tige und durch­dachte Vorbe­rei­tungen treffen und unsere Zusam­men­ar­beit mit Behörden und Gemeinden vor Ort optimal abstimmen.

Dabei sind alle gefragt – auch unsere treuen Unter­stüt­ze­rinnen und Unter­stützer welt­weit. Mit Ihrer Hilfe schützen wir Orang-Utans, verhin­dern Wald­brände und forsten den Regen­wald auf Borneo wieder auf. Jede Spende hilft dabei, Feuer­prä­ven­tion, Wieder­auf­fors­tung und Rettungs­ein­sätze möglich zu machen. Vielen Dank, dass Sie uns auch in diesen heraus­for­dernden Zeiten zur Seite stehen!

Weitere Quellen:
https://www.deutschlandfunk.de/klima-el-nino-el-nina-100.html
https://www.br.de/nachrichten/wissen/warnung-super-el-nino-droht-ein-globaler-hitzeschub,VF4i3SM
https://www.sueddeutsche.de/wissen/el-nino-prognose-2026-klimaeffekte-wetteraenderungen-europa-li.3483823

Wenn der Körper vor lauter Erschöp­fung schlapp macht…

Wenn der Körper vor lauter Erschöp­fung schlapp macht…

Über Wochen waren die BOS-Mitar­beiter in unserem Rena­tu­rie­rungs- und Auffors­tungs­ge­biet Mawas im Dauer­ein­satz. Sie kämpften jeden Tag 24 Stunden gegen die tücki­schen Brände im zerstörten und trocken­ge­legten Torf­moor­ge­biet. Wir haben mit Rudi Hartono, dem Lebens­wald-Feld­ko­or­di­nator gespro­chen, der die Akti­vi­täten zum Feuer­schutz leitet.

Gerade kam heraus: Das Jahr 2023 ist sehr wahr­schein­lich das wärmste Jahr seit 125.000 Jahren. Die Kombi­na­tion aus fort­schrei­tendem Klima­wandel, extremer Trocken­zeit und dem El-Niño-Phänomen führten auf Borneo in diesem Jahr zu heftigen Wald­bränden. Über Wochen waren unsere Mitar­beiter in Mawas im Dauer­ein­satz. Zu Hilfe kamen ihnen dabei die bereits durch Stau­dämme geblockten Kanäle. Denn sie sorgten für einen höheren Wasser­pegel. So hatten die Feuer­lösch­teams einen leich­teren Zugang zum Wasser und vernäss­tere Auffors­tungs­flä­chen.
Einer, der täglich an vorderster Front gegen die Flammen und für den Schutz unserer Auffors­tungs­flä­chen kämpft, ist Rudi Hartono.

Drei Männer vom Lebenswald
Rudi Hartono und zwei seiner Kollegen 

Pak Hartono, was genau waren Ihre Aufgaben beim Kampf gegen die Brände in Mawas?

Vor allem koor­di­nierte ich die Einsätze unserer Teams. Das heißt, ich sorgte dafür, dass die Brand­schutz­aus­rüs­tung, also Pumpen, Schläuche und mobile Wasser­tanks einsatz­be­reit waren und dass Boote und Ausrüs­tung im Notfall repa­riert wurden. Ich kümmerte mich um die Logistik und das alle immer gut infor­miert waren. Dazu gehörte auch die Orga­ni­sa­tion von regel­mä­ßigen Einsatz­be­spre­chungen. Bei Strom­aus­fällen sorgte ich für Abhilfe. Außerdem sammelte ich alle Daten vor Ort. Und, ganz wichtig, ich sorgte dafür, dass immer ein kleines medi­zi­ni­sches Team vor Ort ist.

Mit wie vielen Mitar­bei­tern haben Sie sich den Feuern gestellt?

Unser BOS-Feuer­wehr­team besteht aus allen Lebens­wald-Mitar­bei­tern im Gebiet D1, das zusätz­lich von Personal aus den anderen Mawas-Projekten unter­stützt wurde. Insge­samt sind wir 17 Kollegen.

Was waren die größten Heraus­for­de­rungen bei der Brand­be­kämp­fung in den zurück­lie­genden Wochen?

Die größte Heraus­for­de­rung bestand darin, das Auffors­tungs­ge­biet über den langen Zeit­raum vor der Ausbrei­tung der Flammen zu schützen und meine Kollegen zu moti­vieren, die jeden Tag mit großem Einsatz im Feld stehen und Brände löschen.

Karte von Mawas mit Brandgebieten
Die Karte zeigt einen Teil unserer Auffors­tungs­flä­chen in Mawas. Lebens­wald befindet sich in D1. Rot sind die Gebiete markiert, in denen es in den vergan­genen Wochen zu Bränden kam

Was sind aus Ihrer Sicht die Ursa­chen für die Waldbrände?

Vor allem liegt es an der Trocken­zeit und der außer­ge­wöhn­li­chen Hitze in diesem Jahr, die durch El Niño verstärkt wurde. Dazu kommen in der Regel unbe­ab­sich­tigte Akti­vi­täten der Menschen, wie das Roden land­wirt­schaft­li­cher Flächen, die Herstel­lung von Holz­kohle oder das Trocknen von Fisch. Manchmal reicht ein Funke, um einen Brand auszu­lösen, manchmal geraten gelegte Brände – etwa bei Brand­ro­dungen in der Land­wirt­schaft – außer Kontrolle.

Wie waren die Arbeits­schichten orga­ni­siert bzw. wie viele Stunden war ein Team im Einsatz?

Die Feuer­wehr­leute arbeiten im Durch­schnitt in jeder dritten Schicht des Tages. Am Nach­mittag kümmerten wir uns um die Logistik und das Mate­rial und ein Küchen­team versorgte uns mit Essen. Während der Nacht wech­selten sich die Schichten je nach körper­li­cher Verfas­sung ab.

Vom verbrannten Torfmoor steigt Rauch auf
Nach ersten Regen­schauern entspannte sich die Situa­tion auf den Brand­flä­chen. Doch noch lange stieg Rauch aus den Moor­böden auf

Wie viele Stunden haben Sie in den letzten Wochen geschlafen?

Pro Tag bekam ich viel­leicht ein bis drei Stunden Schlaf, oft auch über den Tag verteilt, z. B. eine Stunde morgens, eine am Nach­mittag und eine in der Nacht. Ich war eigent­lich ständig auf der Hut. Und selbst wenn ich schlafen konnte, hielten mich oftmals die Sorge um meine Kollegen im Feld und die Gedanken an das Feuer wach.

Sicher auch die Sorge um Ihre Familie?

Natür­lich auch. Neben der Verant­wor­tung für meine Arbeit und dieses Projekt, sorgte sich mein Herz auch um meine Familie. Wir alle leiden unter dem Rauch und den Bränden. Und wir alle sind traurig, weil das Feuer und der Rauch eine große Gefahr für die Gesund­heit darstellen.

Lebenswald Mitarbeiter Rudi Hartono vor der Aufforstungsfläche in Mawas
Rudi Hartono auf der Lebenswald-Aufforstungsfläche

Hatten Sie bei den Lösch­ar­beiten auch rich­tige Angstmomente?

Oh ja! Auch wenn wir inzwi­schen viel besser auf die Feuer reagieren können, weil wir besser ausge­rüstet und ausge­bildet sind, viele Hydranten im Feld gebaut haben, die Kanäle dank der Stau­dämme mehr Wasser führen, das Moor dank der Dämme stel­len­weise vernässt wurde – trotz der harten Arbeit in den zurück­lie­genden Jahren – kommt es immer wieder zu kriti­schen Situa­tionen. Und dann steht man eben vor den Flammen, aber es gibt gerade keine Wasser­quelle. Oder die Ausrüs­tung geht im falschen Moment kaputt, was bei den extremen Bedin­gungen ja kein Wunder ist. Und wenn der Körper plötz­lich schlapp macht und einem vor lauter Erschöp­fung übel wird, dann bekommt man auch einen ziem­li­chen Schrecken.

Und was waren Ihre alltäg­li­chen Herausforderungen?

Jedem im Team die passende Aufgabe anzu­ver­trauen. Wir sind ja keine haupt­be­ruf­li­chen Feuer­wehr­leute. Unser Alltag besteht norma­ler­weise aus Auffors­tungs- und Baum­pfle­ge­ar­beiten. So hat jeder Mitar­beiter unter­schied­liche Erfah­rungen und Fähig­keiten. Jetzt müssen sie Brände löschen, Essen zube­reiten und die Ausrüs­tung in Schuss halten.
Dazu kommen die extremen Arbeits­be­din­gungen. Unre­gel­mä­ßiges Essen und unre­gel­mä­ßiger Schlaf bringen auch unsere Verdauung durch­ein­ander. Und nach einer harten Schicht zwischen Feuer und Rauch erwar­tete uns auch keine entspan­nende Dusche. Denn das Wasser wurde zum Löschen benötigt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich hoffe auf eine noch inten­si­vere Koor­di­na­tion in der Trocken­zeit, um noch effek­tiver gegen künf­tige Wald­brände vorgehen zu können und den Lebens­wald zu schützen.

Wir danken Rudi Hartono und dem Lebens­wald-Team für ihren uner­müd­li­chen Einsatz, ihr Enga­ge­ment und ihre Opfer­be­reit­schaft, um Mawas vor den verhee­renden Wald­bränden zu schützen. Unsere Gedanken sind bei Euch!

Gemeinsam haben wir schon viel errei­chen können. Und mit Ihrer Unter­stüt­zung stellen wir uns allen Heraus­for­de­rungen, die noch auf uns warten. Vielen Dank dafür.