Soziale Inter­ak­tionen zwischen Orang-Utans und anderen Arten

Soziale Inter­ak­tionen zwischen Orang-Utans und anderen Arten

Erin­nern Sie sich an die Geschichte von Sally und ihrem kleinen pelzigen Freund? Diese einfache Geschichte öffnet tatsäch­lich ein weiteres Fenster zu unserem Verständnis des Sozi­al­ver­hal­tens von Orang-Utans. Denn obwohl Orang-Utans ein Leben als semi-soli­täre Primaten führen, besitzen sie dennoch das Bedürfnis nach sozialen Inter­ak­tionen – und auch die Fähig­keiten dazu. Und zwar nicht nur mit ihrer eigenen Art, sondern auch mit anderen Spezies.


Orang-Utans und ihre anpas­sungs­fä­hige Sozialkompetenz


Die meisten Prima­ten­arten sind äußerst sozial. Orang-Utans unter­scheiden sich dadurch in gewisser Weise, da sie ein über­wie­gend semi-soli­täres Leben führen. Diese Eigen­schaft zeigt sich am deut­lichsten bei erwach­senen Männ­chen: Sie haben übli­cher­weise große Streif­ge­biete und verbringen einen Groß­teil ihrer Zeit alleine. Im Gegen­satz dazu sind Weib­chen und Jung­tiere immer noch häufig in soziale Inter­ak­tionen verwi­ckelt. Sie spielen, lernen oder beob­achten das Verhalten anderer Indi­vi­duen in ihrer Umgebung.

Orang-Utan Winey
Orang-Utan Winey auf der Vorauswilderungsinsel


Dieses ange­bo­rene Verhalten verschwindet auch dann nicht, wenn sich Orang-Utans in Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­tren befinden.


Beson­ders span­nend daran ist, dass sich die sozialen Inter­ak­tionen nicht nur auf Artge­nossen beschränken. Bei mehreren Gele­gen­heiten wurden Orang-Utans auch dabei beob­achtet, wie sie mit anderen Arten inter­agierten. Ein solches Beispiel ist die Inter­ak­tion zwischen Koko und Winey mit Lang­schwanz­ma­kaken (Macaca fasci­cu­laris) auf der Voraus­wil­de­rungs­insel Badak Kecil.

Von Koko und Winey über artüber­grei­fende Inter­ak­tion lernen


Während Orang-Utan-Dame Koko auf der Insel Badak Kecil Früchte an der Fütte­rungs­platt­form fraß, beob­achten die BOS Ranger, wie sie ihre Snacks mit einem Lang­schwanz­ma­kaken teilte.
Und nicht nur das: Koko zeigte faszi­nie­rende Verhal­tens­weisen wie etwa das Eintau­chen und Abreiben von Früchten wie Melonen und Bananen in den Fluss vor dem Verzehr, als ob sie die Früchte waschen wollte.


Die Anwe­sen­heit des Makaken in ihrer Nähe schien Koko nicht zu stören. Das Orang-Utan-Weib­chen bediente sich am Zusatz­futter der Fütte­rungs­platt­form, nahm jedoch nur so viel, wie sie tatsäch­lich benö­tigte. Den Rest über­ließ sie bereit­willig dem Makaken.


Gemein­sames Spiel und geteiltes Futter


Zu einem anderen Zeit­punkt wurde auch Winey dabei beob­achtet, wie sie mit Lang­schwanz­ma­kaken auf der Insel Badak Kecil “feierte”. Winey und die Makaken wurden dabei beob­achtet, wie sie aktiv gemeinsam von einem Baum zum nächsten schwangen.


Zuvor war Winey bereits während ihrer Zeit in der BOS-Wald­schule von Nyaru Menteng bei Inter­ak­tionen mit Lang­schwanz­ma­kaken beob­achtet worden. Obwohl sie dafür bekannt ist, gegen­über anderen Orang-Utans sehr wachsam zu sein, zeigte sich Winey tole­rant gegen­über der anderen Prima­tenart und die Inter­ak­tion blieb ohne Konflikte.


Warum sind diese sozialen Inter­ak­tionen für Orang-Utans wichtig?


Soziale Inter­ak­tion spielt eine entschei­dende Rolle im Lern­pro­zess von Orang-Utans. Durch Beob­ach­tung und Nach­ah­mung lernen die Tiere adap­tive Verhal­tens­weisen zu erkennen, die für das Über­leben wesent­lich sind, wie etwa das Auswählen und Suchen von Nahrung, das Iden­ti­fi­zieren poten­zi­eller Bedro­hungen und das Inter­pre­tieren ihrer Umgebung.


Inter­ak­tionen, einschließ­lich solcher mit anderen Arten, tragen auch zur Entwick­lung kogni­tiver und emotio­naler Fähig­keiten bei, wie etwa Tole­ranz, Emoti­ons­re­gu­la­tion und die Fähig­keit, soziale Grenzen zu verstehen.

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Mehr Infor­ma­tionen


Darüber hinaus dienen frühe soziale Inter­ak­tionen als natür­liche Simu­la­tion der Komple­xität von Wald­öko­sys­temen. In freier Wild­bahn teilen Orang-Utans ihren Lebens­raum mit vielen anderen Arten, was die Fähig­keit, sich an die Anwe­sen­heit anderer Tiere anzu­passen, zu einem wich­tigen Teil ihrer Vorbe­rei­tung auf das Leben im Wald macht.


Orang-Utans, die flexible und kontext­ge­rechte soziale Inter­ak­tionen zeigen, spie­geln eine Verhal­tens­ent­wick­lung hin zur Unab­hän­gig­keit wider. Dieser ist ein wich­tiger Indi­kator dafür, dass ein Indi­vi­duum zuneh­mend bereit für die Auswil­de­rung und ein eigen­stän­diges Leben in seinem natür­li­chen Habitat.


Soziale Inter­ak­tion als Teil eines langen Anpassungsprozesses


Die Geschichten von Koko, Winey, Sally und ihren spezi­ellen Inter­ak­tionen mit anderen Arten zeigen, dass Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­tren nicht nur Orte für die physi­sche Erho­lung sind, sondern auch lebens­wich­tige Räume für soziales Lernen. Artüber­grei­fende Inter­ak­tionen sind Teil des natür­li­chen Prozesses zur Formung des Verhal­tens von Orang-Utans, bevor sie in ihre natür­li­chen Lebens­räume zurückkehren.


Durch die konti­nu­ier­liche Beob­ach­tung und das Verständnis dieser Verhal­tens­weisen werden wir daran erin­nert, dass es beim Schutz von Orang-Utans nicht nur darum geht, Indi­vi­duen zu retten. Ebenso wichtig ist es sicher­zu­stellen, dass sie mit den notwen­digen Verhal­tens­kom­pe­tenzen ausge­stattet sind, um als Teil eines voll­stän­digen und funk­tio­nie­renden Wald­öko­sys­tems zu leben.

Jede Spende hilft uns, die letzten Orang-Utans zu schützen. 

Indie: Ein heraus­ra­gender Orang-Utan-Teen­ager im Schutz­wald von Bukit Batikap

Indie: Ein heraus­ra­gender Orang-Utan-Teen­ager im Schutz­wald von Bukit Batikap

Genau wie Menschen durch­laufen Orang-Utans verschie­dene Lebens­phasen: von der Kind­heit über die Jugend bis ins Erwach­se­nen­alter. Das Erwach­sen­werden kann bis zu acht Jahre dauern. Wie bei Menschen ist auch bei Orang-Utans jede Phase durch beson­dere Verhal­tens­merk­male geprägt.
Die Adoles­zenz ist eine der faszi­nie­rendsten Phasen, denn die Orang-Utans beginnen hier, selbst­ständig zu leben – sie lösen sich allmäh­lich von ihren Müttern und erkunden auf eigene Faust den Wald, erproben dabei ihr erlerntes Wissen.


Gestern noch ein Baby, heute ein cleverer Teenager


Indie kam im Jahr 2020 im Schutz­wald von Bukit Batikap auf die Welt. Sie ist die dritte Tochter von Inung, einer Lang­zeit-Bewoh­nerin des Schutz­waldes, in den sie im November 2013 ausge­wil­dert wurde. Indie ist außerdem die ältere Schwester von Indro, der im Sommer 2024 als erster Sohn von Inung das Licht der Welt erblickte.

Orang-Utan Indie auf Entdeckungsreise im Regenwald
Orang-Utan Indie auf Entde­ckungs­reise im Regenwald


Im Schutz­wald von Bukit Batikap in Zentral­ka­li­mantan ist unser Post-Release-Moni­to­ring-Team (PRM) kürz­lich Inung mit ihren beiden Spröss­lingen begegnet. Die Ranger schätzen ihre Tochter Indie auf mitt­ler­weile etwa sechs Jahre. Es ist ein span­nendes Alter, das den Beginn der Adoles­zenz markiert. Nun beginnen die jungen Orang-Utans, ihre Unab­hän­gig­keit zu entwi­ckeln.
Mit ihrer noch geringen Körper­größe bewegte sich Indie vor den Augen der Ranger äußerst wendig und blitz­schnell von Ast zu Ast. Ihre Geschwin­dig­keit war dabei oft so hoch, dass das PRM-Team Mühe hatte, den jungen Orang-Utan im dichten Blät­ter­dach zu verfolgen. Um Indies Verhalten genauer beob­achten zu können, waren sie daher auf Fern­gläser und Kame­ra­aus­rüs­tung angewiesen.


Anzei­chen begin­nender Autonomie


Bei den Beob­ach­tungen wurden verschie­dene natür­liche Verhal­tens­weisen doku­men­tiert. So fraß Teen­ager Indie mit Begeis­te­rung junge Blätter, Blüten und sogar Baum­rinde. Sie bewegte sich zwischen den Bäumen fort, indem sie äußerst agil mit allen vier Glied­maßen schwang und klet­terte. Dabei zeigte sie die klas­si­schen Baum­be­wohner-Fähig­keiten ihrer Art.
Inter­es­sant war für das PRM-Team auch die Beob­ach­tung, dass Indie sich getrennt von Mama Inung und Bruder Indro, wenn auch in ihrer Nähe, ein eigenes Schlaf­nest baute.


Teen­ager in freier Wildbahn


Als wild gebo­renes Indi­vi­duum zeigt Orang-Utan-Teen­ager In die gera­dezu ideal­ty­pi­sche Verhal­tens­weisen. Während ihres Aufwach­sens erlebte sie keinerlei mensch­liche Eingriffe, sodass sie ihre Über­le­bens­fä­hig­keiten instinktiv in ihrem natür­li­chen Lebens­raum entwi­ckeln konnte. Wie es die Natur vorge­sehen hat, hat Indie all ihre Fähig­keiten direkt von ihrer Mutter Inung gelernt – durch Nach­ah­mung und Beob­ach­tung ihrer Umge­bung.
Inung jedoch ist im BOS Rettungs­zen­trum aufge­wachsen, wo sie im Alter von zwei Jahren aufge­nommen wurde. Sie hat den größten Teil ihrer Fähig­keiten wie Nahrungs­suche, Nestbau und Schutz vor Gefahren in der BOS Wald­schule gelernt.

Orang-Utan-Mutter Inung genießt einige Minuten Ruhe
Orang-Utan-Mutter Inung genießt einige Minuten Ruhe


Die Beob­ach­tung von Tieren wie Indie ist essen­ziell für die Orang-Utan-Forschung wie auch für die Reha­bi­li­ta­ti­ons­ar­beit BOS Foun­da­tion.
Denn der aktu­elle Forschungs­stand zeigt wich­tige Verhal­tens­un­ter­schiede zwischen wild gebo­renen und aufge­wach­senen Orang-Utans auf der einen Seite und mutter­losen, geret­teten Tieren, die in Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­tren auf ein Leben in der Wildnis vorbe­reitet werden, auf der anderen.
Eine wich­tige Aufgabe der PRM-Teams ist es, diese Unter­schiede zu beob­achten, zu doku­men­tieren und erfor­schen. So verbes­sert die BOS Foun­da­tion den Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess für verwaiste Orang-Utans in ihren beiden Rettungs­zen­tren konti­nu­ier­lich. Das Ziel: ausge­wil­derten Orang-Utans die best­mög­li­chen Über­le­bens­chancen mit auf den Weg zu geben.


Ein Symbol der Hoff­nung in einem geschützten Wald


Teen­ager Indie und all ihre erlernten Kompe­tenzen sind ein Beweis, dass Orang-Utan-Schutz trotz aller Widrig­keiten eine Erfolgs­ge­schichte sein kann. Sie beweist: Wenn Wälder geschützt und Lebens­räume intakt bleiben, können Orang-Utans gesund heran­wachsen, auf natür­liche Weise lernen und eine neue Gene­ra­tion wider­stands­fä­higer wilder Tiere hervor­bringen.
Jede ihrer Bewe­gungen in den Wipfeln spie­gelt eine Zukunft wider, die durch Natur­schutz möglich wird. Eine Zukunft, in der Mensch und Natur im Gleich­ge­wicht mitein­ander leben.

Jede Spende hilft. Den Orang-Utans und dem Regenwald.

Vom Waisen­kind zur Mutter: Sisis Geschichte zeigt, wie Orang-Utan-Schutz wirkt

Vom Waisen­kind zur Mutter: Sisis Geschichte zeigt, wie Orang-Utan-Schutz wirkt

Es ist spät am Nach­mittag im Bukit Batikap Schutz­wald. Mit einem Lang­boot fährt ein Team von Post-Release Moni­to­ring (PRM) Rangern den Joloi Fluss hinunter, zurück ins Camp. Sie haben den Tag damit verbracht, ausge­wil­derte Orang-Utans zu tracken und beob­achten. Der Tag hat für sie vor Sonnen­auf­gang begonnen, für heute ist die Arbeit getan.


Doch dann entscheiden sie, vom Camp aus noch ein Stück Fluss abwärts zu fahren.
Solche Entschei­dungen gehören zum Alltag der BOS-Ranger. Denn wer Orang-Utans im dichten Regen­wald folgt, weiß: Die wich­tigsten Momente lassen sich nicht planen.
Am Vortag hatten sie kurz das Signal des Senders eines ausge­wil­derten Orang-Utans fluss­ab­wärts empfangen, ihn jedoch wieder verloren. Nun hoffen sie auf eine erneute Begegnung.

Feld­for­schung im Regen­wald: BOS-Ranger beob­achten Orang-Utan-Mutter mit Baby


Und tatsäch­lich entde­cken sie nach kurzer Zeit am Fluss­ufer eine Bewe­gung hoch oben im Blät­ter­dach. Sie dros­seln den Boots­motor, nehmen die Fern­gläser an die Augen, suchen die Bäume am Ufer ab – und entde­cken einen Orang-Utan, der sich ruhig von Ast zu Ast bewegt.

Orang-Utan-Mutter und Orang-Utan-Baby Sisi und Sijalu
Sisi ist Mama geworden! Die Ranger nennen das Baby Sijalu


Erst auf den zweiten Blick machen die Ranger eine aufre­gende weitere Entde­ckung: Ein Baby klam­mert sich in das Fell des Orang-Utans! Es ist noch sehr jung, höchs­tens ein Jahr alt.
Und wer ist die Orang-Utan-Dame? Die Ranger glei­chen die körper­li­chen Charak­te­ris­tika des Tieres und seine Gesichts­züge mit der digi­talen Kartei der ausge­wil­derten Tiere ab und können sie zwei­fels­frei als Sisi identifizieren.

Orang-Utan-Waise wird selbst Mutter: Sisis Geschichte bei BOS Deutschland


Sisi kam im Alter von etwa zwei­ein­halb Jahren in das BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng, nachdem sie mutterlos in der Nähe einer Stadt in Südka­li­mantan, Borneo, aufge­funden worden war. Das war Ende des Jahres 2003. Im Oktober 2019, nach 16-jähriger Reha­bi­li­ta­tion, war sie bereit für die Auswil­de­rung im Bukit Batikap Schutzwald.

Orang-Utan Sisi
Sisi kurz vor der Auswil­de­rung im Oktober 2019


Und allem Anschein nach hat sie sich seitdem bestens in ihr neues, freies Leben einge­wöhnt.
Doch wird sie auch in der Lage sein, ihre im Rettungs­zen­trum erlernten Fähig­keiten an ihr Baby weiter­zu­geben – so wie es die Natur eigent­lich vorge­sehen hat, wie es Sisi selbst jedoch verwehrt blieb?

Post-Release Moni­to­ring: Wie BOS Deutsch­land ausge­wil­derte Orang-Utans begleitet


Genau um diese Frage zu beant­worten, beob­achten die BOS-Ranger Sisi und ihr Baby, dem sie den Namen Sijalu gegeben haben, drei Tage lang. Sie sind die ganze Zeit dabei: Von Sonnen­auf­gang, wenn die beiden ihr Schlaf­nest verlassen, bis zum Sonnen­un­ter­gang, wenn Sisi für sich und ihr Kleines an einem neuen Ort ein frisches, gut gepols­tertes Schlaf­nest baut.

Orang-Utan-Mamy Sisi
Sisis Spei­se­plan ist viel­seitig – sie hat sich bestens an ihr Leben in Frei­heit gewöhnt


Die Ranger bleiben dabei auf Abstand. Sie beob­achten und doku­men­tieren, was sie sehen, jedoch ohne zu stören. Es sind drei faszi­nie­rende Tage, die tiefe Einblicke geben in das beson­dere Verhältnis von Mutter und Kind.

Wie Orang-Utan-Babys im Regen­wald über­leben lernen


Für Sisis Baby ist die Welt noch klein. Sie besteht aus warmem Fell und sicheren Armen, der schüt­zenden Nähe der Mutter. Doch während das Kleine aus dieser Sicher­heit heraus die Welt um es herum beob­achtet, beginnt bereits der wich­tigste Lern­pro­zess seines Lebens. Denn alles, was Sisi tut, ist eine Lektion für Sijalu. Welche Pflanzen sind essbar? Wann ist etwas reif? Wie erreicht man die besten Stellen im dichten Blät­ter­dach?
Auch die Ranger sehen genau hin. Wie verhält sich Sisi? Womit verbringt die Orang-Utan-Mutter den Tag? Was frisst sie? Wie groß ist die Viel­falt ihres Spei­se­plans?
Am Joloi-Fluss findet die Orang-Utan-Mutter beson­ders viele Nahrungs­quellen. Die Nähe zum Wasser sorgt für eine große Viel­falt an Pflanzen und diese kostet Sisi aus. Ein deut­li­ches Zeichen dafür, dass sie sich gut in freier Wild­bahn zurecht findet.


Während sie in einem ruhigen Tempo durch die Baum­wipfel klet­tert und immer wieder inne hält, um Früchte zu pflü­cken und zu fressen, bleibt Sijalu in das Fell der Mutter geklam­mert. Am ersten Beob­ach­tungstag ist Mutter­milch die einzige Nahrung, die das Baby immer wieder trinkt.
Am zweiten Tag jedoch löst sich Sijalu ab und zu aus der sicheren Umar­mung, um selb­stän­dige erste kleine Klet­ter­ver­suche zu unter­nehmen. Das Jung­tier ahmt dabei auch seine Mutter nach und probiert einige Bissen wilder Früchte wie Saluoi, Sang­kuang und Lisum.

Ein Moment, der zeigt, was Arten­schutz bewirken kann


Was hier vor den Augen des PRM-Teams geschieht, wirkt ganz ruhig und selbst­ver­ständ­lich. Doch was am Ende eines langen Arbeits­tages als Begeg­nung am Joloi Fluss begann, ist mehr als nur ein schöner Moment:
Es das Ergebnis jahre­langer Arbeit.
Es ist der Beweis dafür, dass Auswil­de­rung funk­tio­nieren kann.
Und dafür, dass ein geret­tetes Indi­vi­duum Hoff­nung für eine weitere Gene­ra­tion Orang-Utans im Regen­wald bedeutet.

Danke, dass Sie unsere Arbeit für Tiere wie Sisi und Sijalu unter­stützen. Jeder Beitrag hilft.

Eine Begeg­nung mit Dayak, dem Orang-Utan-Männ­chen mit der Narbe

Eine Begeg­nung mit Dayak, dem Orang-Utan-Männ­chen mit der Narbe

Im geschützten Wald von Tuanan leben noch rund 2.500 wilde Orang-Utans. Wissen­schaft­le­rinnen und Wissen­schaft­lern des Tuanan Orang-Utan Forschungs­pro­gramms beob­achten ihr Verhalten, um Erkennt­nisse für den Schutz der gefähr­deten Spezies sowie auch für die Reha­bi­li­ta­tion und Auswil­de­rung geret­teter Indi­vi­duen zu gewinnen. Hier berichten sie von einer aufschluss­rei­chen Begegnung.


Eines Nach­mit­tags im Februar war es wieder einmal so weit: Dayak tauchte ganz in der Nähe der Forschungs­sta­tion auf. Mit beein­dru­ckender körper­li­cher Präsenz bewegte er sich durch die Baum­wipfel. Dabei strahlte er Ruhe und Kraft aus, hangelte geschickt und trotz seiner Größe anmutig von Ast zu Ast.
Dayak ist ein domi­nantes Männ­chen. Davon zeugen seine präch­tigen Backen­wülste und der impo­sante Körperbau. Und das beweist auch die große Narbe, die quer über seine Lippe führt: Sie ist bei Kämpfen mit anderen Männ­chen um Revier und Weib­chen entstanden.
Die Wissen­schaftler des Tuanan-Forschungs­zen­trums erkennen das Männ­chen mit der Narbe jedes Mal sofort wieder. Genauso wie seinen durch­drin­genden „Long Call“, mit dem er sein Revier markiert, Rivalen warnt und Weib­chen anlockt, ist charak­te­ris­tisch und deut­lich zu erkennen.


Orang-Utans werden auch „Gärtner des Waldes“ genannt


An diesem Tag hielt sich Dayak eine lange Zeit in Sicht­weite der Forschenden auf und gab ihnen reich­lich Zeit, sein Verhalten zu beob­achten. Sorg­fältig wählte das Männ­chen seine Nahrung aus dem üppigen Angebot des Regen­waldes aus. Jeden Bissen aß er in Ruhe, ehe er sich zum nächsten oder über­nächsten Baum weiter bewegte.

Orang-Utan-Männchen Dayak in den Nähe vom Forschungszentrum Tuanan
Impo­sante Erschei­nung: das domi­nante Männ­chen Dayak im Wald von Tuanan


Orang-Utans führen ein semi-soli­täres Leben im Regen­wald und legen bei ihrer Futter­suche täglich weite Stre­cken zurück. Das macht sie zu einer Schlüs­sel­spe­zies, denn sie besu­chen eine Viel­zahl unter­schied­li­cher Futter­pflanzen und verteilen wiederum Samen dieser Pflanzen auf enormen Flächen. So sorgen sie für eine natür­liche Rege­ne­ra­tion des Ökosystems.


Orang-Utans sind eine Schlüs­sel­spe­zies für das Ökosystem Regenwald


An diesem Beob­ach­tungstag über­raschte Dayak die Forschenden, denn er begann bereits am Nach­mittag mit dem Bau seines Schlaf­nestes. Eigent­lich hätte er noch einige Stunden Zeit gehabt bis zum Einbruch der Dämme­rung – jene Zeit des Tages, zu der Orang-Utans norma­ler­weise mit den Vorbe­rei­tungen für die Nacht­ruhe beginnen. Doch statt sie mit Fressen zu verbringen, baute Dayak sein Nest.
Die Forschenden konnten dabei zusehen, wie er geschickt Äste, klei­nere Zweige und Blätter mitein­ander verflocht. Stück für Stück entstand so ein Ruhe­kissen, auf dem der große und schwere Orang-Utan stabil und sicher liegen konnte.


Spüren Orang-Utans Wetterveränderungen?


Für die Forschenden beson­ders span­nend, neben der frühen Uhrzeit, war das dichte Blät­ter­dach, das Dayak ober­halb seines Nestes baute. Kurz nachdem sich der Orang-Utan in seinem bequemen Nest zur Ruhe gebettet hatte, begann es zu regnen. Könnte es sein, fragten sich die Forschenden, dass der kluge Wald­be­wohner den nahenden Regen gespürt und seine Nest­bau­ak­ti­vität danach ausge­richtet hatte?
Die Beob­ach­tungen erin­nern uns wieder einmal daran, wie tief verbunden das Leben dieser majes­tä­ti­schen Spezies mit ihrem Lebens­raum, dem Regen­wald, ist. Es macht uns Arten­schützer ein ums andere Mal demütig und erin­nert uns an unsere wich­tige Aufgabe, die letzten Orang-Utans vor dem Aussterben zu bewahren. Denn ohne diese Schlüs­sel­spe­zies, ohne die „Gärtner des Waldes“ gerät das gesamte Ökosystem Regen­wald in Schieflage.


Bitte helfen Sie uns dabei! Jede Spende hilft uns, die letzten ihrer Art zu schützen. 

Der Orang-Utan-Junge Roy: von Beginn an ein starker Charakter

Der Orang-Utan-Junge Roy: von Beginn an ein starker Charakter

Fünf Monate lang kümmerte sich ein Dorf­be­wohner um den kleinen Orang-Utan-Jungen, den er beim Angeln mutterlos im Wald gefunden hatte. Jetzt hat er den kleinen Roy in unsere Hände gegeben – ins Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng.


Das ist Roy. Der etwa zwei­jäh­rige Orang-Utan-Junge lebt seit kurzem im BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng. Roy liebt süßes Obst und Milch – und weil er davon in den letzten Monaten bei seinem Halter reich­lich naschen durfte, hat er sich ein wenig Über­ge­wicht ange­fut­tert. Beson­ders unter seinen Achseln haben Sich deshalb kleine, drol­lige Fett­pöls­ter­chen gebildet.

Der Orang-Utan-Junge Roy
Der Orang-Utan-Junge Roy: von Beginn an ein starker Charakter 

Wie der kleine Orang-Utan mutterlos im Wald gefunden wurde?


Roy ist ein Findel­kind. Ein Bewohner des Dorfes Jalan Merdeka in der Gegend von Palangka Raya entdeckte den kleinen Orang-Utan verlassen und allein im Kahayan Hulu Muroi Wald, als er dort angeln ging. Nachdem er gründ­lich nach der Orang-Utan-Mutter Ausschau gehalten hatte, entschloss sich der Mann, den Kleinen mit nach Hause zu nehmen und dort zu versorgen.


Doch die Wochen gingen schnell ins Land und aus einer kurz­fris­tigen Lösung wurden fünf Monate. Während­dessen lebte das Orang-Utan-Baby bei dem Mann und wurde mit Dosen­milch und süßen Früchten gefüt­tert. Am 16. Januar 2026 infor­mierte der Mann schließ­lich die Natur­schutz­be­hörde von Zentral Kali­mantan (BKSDA) und übergab den kleinen Orang-Utan in profes­sio­nelle Hände. Kurze Zeit später konnten wir Roy in unserem Rettungs­zen­trum will­kommen heißen, wo er sich aktuell noch in der obli­ga­to­ri­schen drei­mo­na­tigen Quaran­täne befindet.


Warum soll jedes Orang-Utan-Baby möglichst schnell an die Natur­schutz­be­hörde gemeldet werden?


Bei seiner Ankunft wurde Roy gründ­lich unter­sucht. Die gute Nach­richt: Roy war gesund und in einem guten körper­li­chen Zustand. Mit einer Ausnahme: Der kleine Orang-Utan-Junge war über­ge­wichtig. Leider konnte Roy die ersten Tage kaum artge­rechtes Futter vertragen. Zu sehr war der Kleine schon an die gezu­ckerten Speisen gewöhnt. Nachdem er eine etwas saurere Frucht probiert hatte, bekam er prompt Durchfall.


Unsere Baby­sit­te­rinnen werden Roy jetzt behutsam daran gewöhnen, neue und gesunde Nahrung zu probieren. Wie gut, dass die Ersatz­mütter im Rettungs­zen­trum genau dafür bekannt sind. Sie haben eine Engels­ge­duld mit unseren Schütz­lingen und schenken ihnen mütter­liche Wärme und Gebor­gen­heit — sind aber auch unnach­giebig. Vor allem wenn es um die Gesund­heit der Orang-Utan-Kinder geht. Das ist schließ­lich eines unserer Erfolgsrezepte.

Roys Schicksal zeigt uns leider zum wieder­holten Mal, dass mutter­lose Orang-Utan-Babys sofort der Natur­schutz­be­hörde gemeldet werden sollten — auch wenn die findende Person es nur gut meint. Die Rettung, Fürsorge und Reha­bi­li­ta­tion einer Orang-Utan-Waise bedarf jahre­lange Erfah­rung und Exper­tise. Und diese kann dem Tier nur in einem Rettungs­zen­trum geboten werden. Deshalb gehört zu unserer Arbeit auch die Sensi­bi­li­sie­rung der lokalen Gemeinden. Wir klären auf, was im Falle einer Orang-Utan-Begeg­nung zu tun ist.

Ein Orang-Utan-Kind, das erste Zeichen der Auto­nomie zeigt


Trotz des Traumas, das Roy bereits als Baby erleiden musste, zeigt er sich schon jetzt als mutiger, aktiver und bewe­gungs­freu­diger Orang-Utan. Mit scheinbar endloser Energie hangelt er durch die Bäume im Quaran­tä­ne­be­reich. Roy ist dabei so schnell unter­wegs, dass seine Ersatz­mütter ihn schon so manchmal zurück­rufen mussten, damit er sich nicht zu weit entfernt.
Obwohl Orang-Utan-Kinder in den ersten sechs bis acht Jahren unzer­trenn­lich mit ihren Müttern zusam­men­bleiben, ist Roy bereits jetzt erstaun­lich unab­hängig. Während sich gleich­alt­rige Orang-Utan-Kinder im Rettungs­zen­trum noch häufig an ihre Ersatz­mütter kuscheln und deren Nähe suchen, mag es Roy nicht beson­ders, im Arm gehalten zu werden. Auch die Windel, die die Kleinen nachts im Rettungs­zen­trum tragen, kann er nicht leiden und zieht sie sich immer wieder aus.

Orang-Utan-Junge Roy im BOS Rettungszentrum
Bis auf sein Über­ge­wicht geht es dem kleinen Orang-Utan-Jungen zum Glück gut



All das macht unser Team sehr zuver­sicht­lich, dass Roy aller­beste Chancen auf ein erneutes Leben in der Frei­heit des Regen­waldes hat. Bis dahin muss Roy jedoch noch viel lernen. In der Wald­schule wird er bald Lektionen in Futter­suche, Nestbau und anderen über­le­bens­not­wen­digen Fähig­keiten bekommen.


Mit kleinen Schritten in die Freiheit


Bald bedeutet: Sobald die Quaran­täne über­standen ist. Wir freuen uns schon darauf, Roy ein Stück seines Lebens­weges zu begleiten. So lange bis er ein ausge­wach­senes Orang-Utan-Männ­chen geworden ist, das hoffent­lich dann die Regen­wälder von Borneo durch­streifen kann.

Danke, dass Sie unsere Arbeit für Tiere wie Roy unter­stützen. Jeder Beitrag hilft.