Zwei Tage lang kämpft BOS gemeinsam mit Anwohnern, der Naturschutzbehörde von Zentralkalimantan und der indonesischen Armee darum, den jungen Orang-Utan lebend aus den Flammen und dem dichten Rauch zu retten. Ein Kampf im Wettlauf mit der Zeit und gegen sich immer wieder ausbreitende Feuer.
Der Notruf: ein Orang-Utan mitten im Waldbrandgebiet
Am 25. September entdeckt ein Dorfbewohner aus Katune Village in Zentralkalimantan einen jungen Orang-Utan, der hoch oben in einem Sengon-Baum sitzt, umgeben von brennendem Wald. Die Brände wüten bereits seit einigen Tagen. Dichter Rauch steht zwischen den Bäumen, erschwert die Atmung, behindert die Sicht. Es grenzt an ein Wunder, dass sich das Jungtier retten konnte – und dass es entdeckt wurde.
Der Orang-Utan Novita sucht Schutz vor dem Feuer
Im Feuer gefangen
Unser Team macht sich sofort auf den Weg und koordiniert den Rettungseinsatz mit der Naturschutzbehörde BKSDA Zentral-Kalimantan. Gegen 14:30 Uhr erreichen die Einsatzkräfte den Ort. Der Wald brennt noch immer, dichter Rauch liegt über dem Gebiet. Inmitten des Infernos konnte sich ein junger Orang-Utan in die Wipfel eines Baumes flüchten.
Eine sofortige Rettung ist nicht möglich
Zuerst müssen die Flammen rund um den Baum gelöscht werden, um einen sicheren Bereich für die Rettungskräfte zu schaffen. Auch die Hitze in der Umgebung muss reduziert werden. Die Teams arbeiten unter Einsatz aller Kräfte, im Wettlauf gegen die Zeit, und bringen Löschwasser auf die Flächen aus. Erst dann können sie versuchen, das Jungtier aus der Baumkrone zu bergen.
Novita wird in einem Netz aufgefangen
Verletzt und verängstigt in der Baumkrone
Der Plan der Rettungskräfte: Der Orang-Utan soll mit einem Betäubungspfeil leicht sediert und anschließend von der Mannschaft am Boden mit einem speziellen Sprungtuch sicher aufgefangen werden.
Das Rettungsteam betäubt das Orang-Utan-Mädchen, um es sicher vom Baum herunterzuholen
Der Rauch ist zu dicht: Der erste Rettungsversuch scheitert
Doch die Bedingungen sind zu schlecht. Der Rauch ist zu dicht und das Tier zu weit entfernt. Mithilfe einer Drohne kann sich die Rettungsmannschaft zwar einen Eindruck vom Zustand des Tieres verschaffen, doch ein sicherer Schuss ist vom Boden aus nicht möglich. Der Orang-Utan bleibt außer Reichweite, versteckt sich im Nest vor Hitze und Rauch.
Die Nacht bricht herein, der Wald in Zentralkalimantan brennt weiter
Bei Einbruch der Dunkelheit fällt die Entscheidung, die Evakuierung aus Sicherheitsgründen bis zum nächsten Morgen zu unterbrechen. Mitarbeitende der Naturschutzbehörde bleiben jedoch vor Ort, um den Orang-Utan zu überwachen und die Situation im Auge zu behalten.
Die Flammen breiten sich erneut aus
Am nächsten Morgen, dem 26. September, kehrt die Rettungsmannschaft an den Einsatzort zurück. Das Jungtier sitzt noch immer im selben Baum. Doch auch das Feuer ist wieder da. Der Wind hat bereits gelöschte Brandstellen erneut angefacht. Bevor ein zweiter Rettungsversuch beginnen kann, müssen die Flammen wieder bekämpft werden. BOS, BKSDA, Einsatzkräfte der indonesischen Armee und das Feuerwehrteam arbeiten gemeinsam daran, das Gebiet um den Baum erneut zu sichern.
Beim zweiten Versuch gelingt die Bergung des Orang-Utans
Gegen 10:30 Uhr sind die Flammen so weit eingedämmt, dass die Mannschaft einen zweiten Versuch unternehmen kann, das Jungtier aus der Baumkrone zu bergen. Diesmal trifft der Betäubungspfeil. Unter dem Baum halten die Einsatzkräfte ein großes Rettungsnetz bereit und die Baumkrone im Blick. Dann ist der Moment gekommen: Der junge Orang-Utan fällt aus seinem Nest und wird sicher aufgefangen.
Novitas Hand wurde durch das Feuer stark verbrannt
Brandverletzungen an Händen und Füßen
Jetzt zeigt sich, wie schwer der Waldbrand das Tier getroffen hat: Es hat schwere Brandverletzungen an allen vier Händen und Füßen, die Atemwege sind durch den Rauch stark belastet, es ist völlig erschöpft. Die BOS-Tierärzte stellen außerdem fest, dass es sich um ein erst etwa drei bis vier Jahre altes Weibchen handelt. Eigentlich sollte es in diesem Alter in Begleitung seiner Mutter sein – doch ein Muttertier konnte die Rettungsmannschaft nicht entdecken.
Orang-Utan Novita wird von den Tierärzten der BOS Foundation versorgt
Erstversorgung des geretteten Orang-Utan-Weibchens
Noch am Einsatzort beginnen die BOS-Tierärzte mit der medizinischen Notversorgung, um den Zustand des jungen Orang-Utan-Weibchens zu stabilisieren. Es erhält Sauerstoff und eine Infusion gegen die Dehydrierung, seine Brandwunden werden versorgt, um eine mögliche Infektion zu verhindern. Die BKSDA tauft das gerettete Jungtier auf den Namen Novita.
Das Orang-Utan-Mädchen Novita kommt im Rettungszentrum Nyaru Menteng an
Auf die Intensivstation im BOS-Rettungszentrum
Nun kann Novita aus dem Waldbrandgebiet evakuiert und in das BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng in Zentralkalimantan gebracht werden. Dort erhält sie seitdem intensive medizinische Versorgung und liebevolle Pflege. Unser Team wird alles dafür tun, dass sich Novita von ihren Verletzungen und den traumatischen Erfahrungen erholen kann.
Novita wurde von einem Team aus Feuerwehrleuten und Tierärzten der BOS Foundation gerettet
Novita ist in Sicherheit – die Wälder auf Borneo sind es nicht
Während Novita in Nyaru Menteng versorgt wird, bleibt die Lage in den Waldbrandgebieten auf Borneo kritisch. Das Schicksal des geretteten jungen Orang-Utans zeigt, wie verheerend Wald- und Flächenbrände für Wildtiere sein können – und wie entscheidend schnelle, koordinierte Rettungseinsätze sind, damit betroffene Tiere eine Chance auf Überleben haben.
Sie können unsere Teams auf Borneo beim unermüdlichen Einsatz gegen die Flammen unterstützen: Spenden Sie ein Set Brandschutzkleidung! Jede Spende hilft und kommt direkt in unseren Rettungszentren auf Borneo an.
Durch den Super-El-Nino ist die Bedrohung durch Waldbrände in diesem Jahr besonders dramatisch. Hier informieren wir sie über die aktuelle Situation in den Projektgebieten der BOS Foundation auf Borneo.
Der Moment, wenn sich die Klappe des Transportkäfigs öffnet und ein Orang-Utan die ersten Schritte in sein neues, freies Leben unternimmt: Er ist jedes Mal wieder hochemotional für unser Team, der Höhepunkt einer langen gemeinsamen Geschichte. Denn dieses Individuum konnte von BOS gerettet und erfolgreich rehabilitiert werden. Die Auswilderung ist ein Meilenstein.
Doch der Weg dahin ist nicht nur lang – er nimmt oft auch Umwege.
Heute möchten wir daher nicht von den 561 Orang-Utans erzählen, denen wir bereits die Freiheit schenken konnten. Sondern von der weitaus komplexeren Realität, die zu den 561 glücklichen Momenten der Käfigöffnung eben auch gehört.
Die Gesundheitsprüfung und übertragbare Krankheiten bei Orang-Utans
Bevor ein Orang-Utan ausgewildert werden darf, wird er vom BOS-Veterinärteam gründlich untersucht, um eventuelle Verletzungen oder Erkrankungen auszuschließen. Besonders wichtig sind übertragbare Krankheiten. Das schlimmstmögliche Szenario, dass man sich vorstellen könnte, wäre eine unkontrollierte Ausbreitung einer Krankheit unter der bereits freilebenden Orang-Utan-Population.
Die BOS-Veterinäre untersuchen die Orang-Utans gründlich vor der Auswilderung
Nächtliche Fahrt auf schwierigen Pisten
Ist die Gesundheitsprüfung bestanden, wird die Reise in den Auswilderungswald vorbereitet. Diese beginnt immer kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Das mag angesichts der Tatsache, dass nur unbefestigte Pisten in den Regenwald führen, zunächst überraschen. Unser Team nimmt die Nachtfahrt dennoch in Kauf, denn nachts sind Orang-Utans üblicherweise im Ruhemodus. Während dieser Zeit fühlen sie sich durch den Transport weniger gestört, den sie in einer zwar speziell angefertigten, aber dennoch beengten Kiste erleben.
Wertvolle Fracht: Die Transportkisten werden speziell für Orang-Utans angefertigt
Während der gesamten Fahrt hält das Fahrzeug alle zwei Stunden an. Dabei geht es weniger um Ruhepausen für die Fahrer der Autos als um das Wohlbefinden und die Sicherheit der Orang-Utans. Bei jeder Pause überprüft unser Team, ob die Tiere entspannt und stabil sind und versorgt sie mit Wasser und Obst.
Kein GPS im Regenwald: Als das Team sich verirrte
Bei einer Auswilderung verirrte sich unser Team tief im nächtlichen Wald – wie sich später herausstellte, waren sie etwa 40 Kilometer vom vorgesehenen Ort entfernt. Eine Internetverbindung, die ihnen bei der Orientierung hätte helfen können, gab es nicht. Schließlich kehrte der Konvoi um und fuhr zu einem markanten Punkt zurück, um von dort aus die richtige Route zu finden. Dabei erlebten sie die nächste Herausforderung: Bei einem der Fahrzeuge platzte ein Reifen, der gewechselt werden musste, ehe die Fahrt fortgesetzt werden konnte.
Auf dem Weg zur Auswilderung: unvorhersehbare Straßenverhältnisse und kein Internetempfang
So fand sich die Auswilderungsmannschaft schließlich in einem Wettlauf gegen die Zeit, denn je länger sich die Reise verzögerte, desto länger mussten die Orang-Utans auf ihre Freilassung warten – und desto unruhiger und angespannter wurden sie. Als der Konvoi endlich den Umladepunkt erreichte, beeilte sich das Team, alle Transportkisten von den Jeeps auf die Boote zu verladen, um die Reise auf dem Fluss fortzusetzen.
Nichts wie weg: Begegnung mit einem dominanten Orang-Utan
Schließlich erreichte das Team den Auswilderungsort. Der große Moment war gekommen. Als Erstes öffneten sich die Käfigtüren für zwei Orang-Utans namens Semeru und Farida. Im Anschluss sollten Himba, Lyke und Nett freigelassen werden.
Da ertönte plötzlich der laute Ruf eines dominanten Orang-Utan-Männchens. Dominante Männchen sind an ihren breiten Backenwülsten und ihrem kräftigen Körperbau zu erkennen. Es dauerte nicht lange, da tauchte der Verursacher des Rufes auch schon in voller Pracht aus dem Blätterdach des Waldes auf.
Das Auswilderungsteam hält den Atem an……als das dominante Männchen sich nähert
Das Team erkannte ihn als Franky: ein Orang-Utan-Männchen, das BOS bereits 2019 ausgewildert hatte. Eigentlich an einer weit entfernten Stelle im Regenwald. Doch offensichtlich hatte er sein Streifgebiet inzwischen bis zu diesem neuen Auswilderungsort ausgedehnt.
Die Sicherheit der Orang-Utans hat oberste Priorität
Das Team reagierte sofort und gab den Orang-Utans ausreichend Raum, damit sie möglichst ruhig und ungestört bleiben konnten. Wie sich herausstellte, fühlte sich Franky von einer der beiden, inzwischen leeren, Transportkisten angezogen. Vielleicht, weil sie für ihn ein vertrauter Gegenstand war, der mit seinem eigenen Weg in die Freiheit verbunden war. Solche Momente sind äußerst selten, und das gesamte Team hielt den Atem an, während Franky die Kiste untersuchte.
Franky nimmt sich die Transportbox vor
Da das Orang-Utan-Männchen eindeutig als dominantes Tier in diesem Gebiet auftrat, musste das Team eine Entscheidung für die Sicherheit der verbleibenden drei Orang-Utans treffen. Ein neuer, sicherer Ort für die Auswilderung musste festgelegt werden.
Warum die Wahl des richtigen Auswilderungsortes entscheidend ist
Die Begegnung mit Franky zeigte etwas, das die Öffentlichkeit nur selten zu sehen bekommt: Den richtigen Ort für eine Auswilderung zu finden, gehört zu den komplexesten Phasen des gesamten Rehabilitationsprozesses. Und sie beginnt lange bevor die eigentliche Reise überhaupt angetreten wird. Denn ein Gebiet kann nicht einfach als Auswilderungsort bestimmt werden. Es muss zunächst zahlreiche Voraussetzungen erfüllen:
Die Höhenlage des Gebietes muss als Lebensraum für Orang-Utans geeignet sein.
Natürliche Nahrungsquellen müssen im Wald vorhanden sein.
Der Auswilderungswald muss langfristig geschützt sein vor künftigen Erschließungs- und Nutzungsmaßnahmen.
Es darf dort noch keine – oder nur eine möglichst kleine – Population wilder Orang-Utans leben.
Es muss weit genug entfernt sein von menschlichen Siedlungen.
Selbst wenn bestätigt wurde, dass ein Gebiet all diese Kriterien erfüllt, muss das Team noch eine weitere wichtige Voraussetzung überprüfen: Ist das vorhandene Nahrungsangebot tatsächlich ausreichend? Diese Aufgabe fällt dem Post-Release Monitoring (PRM) Team zu, das nicht nur die bereits ausgewilderten Orang-Utans beobachtet, sondern auch die Biodiversität der BOS-Auswilderungswälder erforscht. Unter anderem erfasst und kartiert das PRM-Team durch regelmäßige phänologische Untersuchungen die Arten und Mengen der im Gebiet vorhandenen Nahrungsbäume.
Die genetische Herkunft ist bei Orang-Utans entscheidend
Und schließlich gibt es ein letztes Kriterium, das überprüft werden muss, um für ein bestimmtes Individuum den geeigneten Auswilderungswald zu bestimmen: die genetische Herkunft des Orang-Utans. Jedes Tier muss in einem Gebiet ausgewildert werden, das seiner jeweiligen Unterart entspricht. Ein Orang-Utan aus Ost-Kalimantan beispielsweise darf nur in Ost-Kalimantan ausgewildert werden. Dasselbe gilt für Zentral-Kalimantan und West-Kalimantan.
In der Geschichte von BOS ist es tatsächlich schon vorgekommen, dass ein Orang-Utan in einer bestimmten Region gerettet und auch dort rehabilitiert wurde – und dass sich beim DNA-Test vor der Auswilderung herausstellte, dass die Unterart dieses Individuums einer anderen Region zugeordnet wird. In diesem Fall musste der gesamte Auswilderungsplan von Grund auf überarbeitet werden.
Monitoring in den Auswilderungswäldern ist wichtiger Teil der Rehabilitation
Vom Auftreten eines dominanten Tieres wie Franky bis hin zu Veränderungen in der Biodiversität eines Waldes: Die Bedingungen vor Ort können sich jederzeit verändern. Auch nachdem ein Standort sämtliche Auswahlkriterien erfüllt hat und sorgsam ausgewählt wurde. Genau deshalb endet die Arbeit von BOS nicht in jenem magischen Moment, in dem die Transportbox geöffnet wird und wir einem weiteren Orang-Utan die Freiheit schenken.
Die ausgewilderten Orang-Utans werden weiterhin beobachtet
Unsere PRM-Teams verfolgen in der ersten Zeit die Bewegungen der neuen Wilden in ihrem neuen Lebensraum per GPS-Tracking. So wird sichergestellt, dass die Orang-Utans sich gut an ihre neue Umgebung anpassen, selbstständig Nahrungsquellen finden und Konflikten mit anderen Orang-Utans oder Menschen in der Umgebung aus dem Weg gehen. Nach einer gewissen Zeit sendet der Peilsender nicht mehr, das Monitoring endet jedoch auch dann nicht. Die Beobachtungen sind nur weniger planbar und werden seltener.
Der magische Moment der Auswilderung ist nicht das Ende unserer Arbeit
Eine Orang-Utan-Auswilderung ist deshalb nicht mit jenem wunderschönen Moment abgeschlossen, wenn der Orang-Utan in die Freiheit entlassen wird. Es ist der Startpunkt für das nächste, ebenso wichtige Kapitel. Aber der magische Moment ist und bleibt ein wichtiger Meilenstein, der uns stolz und glücklich macht. Denn das ist es schließlich, was hinter all unseren Anstrengungen steht: Jeden Orang-Utan wieder nach Hause zu bringen.
Die Lage um das BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng hat sich soweit stabilisiert
In Samboja Lestari sind gerade die Wasserstände um die Schutzinsel besorgniserregend
Orang-Utans mit Atemwegssymptomen weiterhin in Behandlung
327,8 Hektar in Mawas von Feuern betroffen
BOS-Fire Task Force Tag und Nacht im Einsatz
Jedes Jahr bringt die Trockenzeit auf Borneo ein erhöhtes Risiko für Wald- und Landbrände mit sich. Gerade in den Torfmooren Kalimantans sind Feuer besonders gefährlich, da sie sich schnell unter- und oberirdisch ausbreiten können und schwer zu löschen sind. Die Prävention von Bränden ist daher unser größtes Anliegen, an dem wir seit Jahren mit aller Kraft arbeiten. Aufgrund der großen Trockenheit und dem extremen El Niño-Ereignis in diesem Jahr, steht Borneo – und damit das BOS-Einsatzgebiet – vor extremen Herausforderungen. Die Situation ist derzeit äußerst dynamisch. Wetterbedingungen, Wind, Trockenheit und neue Brandherde können die Lage innerhalb kurzer Zeit verändern.
Wir sind bereit, uns den Flammen zu stellen. 24 Stunden an jedem Tag.
Auf dieser Seite informieren wir fortlaufend über die aktuelle Entwicklung, mögliche Gefahren für Orang-Utans und ihre Lebensräume sowie über die Maßnahmen der BOS Foundation zur Brandprävention und ‑bekämpfung.
Update vom 30. September 2026: Feuer und niedrige Wasserstände
Die Waldbrände wüten weiter und kein Ende ist in Sicht. Mittlerweile hat das Feuer 327,8 Hektar im Schutzgebiet Mawas in Zentralkalimantan vernichtet. Unsere Teams geben nicht auf, doch auf den trockengelegten Torfmoorböden ist der Kampf gegen das Feuer eine riesige Herausforderung. Erschwerend hinzu kommen die anhaltende Trockenheit und die niedrigen Wasserstände in den Waldgebieten. Die Situation rund um unser Rettungszentrum Nyaru Menteng in Zentralkalimantan hat sich glücklicherweise stabilisiert. Dennoch patrouillieren unsere Teams weiterhin rund um die Uhr. Als Präventionsmaßnahme werden aktuell außerdem weitere Brunnen gebohrt. Denn auch Löschwasser wird aufgrund der andauernden Trockenheit zu einer immer knapperen Ressource. Unser Rettungszentrum Samboja Lestari in Ostkalimantan ist aktuell vor den Feuern sicher. Die andauernde Trockenzeit hat allerdings auch hier den Wasserstand der Flüsse stark sinken lassen. Rund um unsere Vorauswilderungsinseln ist der Pegel bereits so weit gesunken, dass einige neugierige Orang-Utans auf Entdeckungsreise gegangen sind – beispielsweise unser Orang-Utan-Weibchen Lesley. Zu ihrem Schutz hat unser Team Lesley deshalbauf eine andere Vorauswilderungsinsel umgesiedelt, auf der bereits Orang-Utan Bujan lebt.
Orang-Utan-Weibchen aus brennendem Wald gerettet
Orang-Utan Novita kämpft um ihr Leben
Zwei Tage lang hat BOS gemeinsam mit Dorfbewohnern, der Naturschutzbehörde Zentralkalimantans und der indonesischen Armee gegen Flammen und dichten Rauch gekämpft, um das Leben eines jungen Orang-Utans zu retten. Die dramatische Rettungsaktion zeigt, wie akut die Waldbrände auf Borneo Orang-Utans und andere Wildtiere bedrohen.
Rauch der Waldbrände: Atemwegsprobleme bei Orang-Utans
Doch nicht nur die Feuer stellen aktuell eine Bedrohung dar. Der Rauch der Waldbrände (Haze) verbreitet sich kilometerweit und entwickelt sich zu einem massiven Gesundheitsproblem für Menschen und Tiere. Welche Folgen der giftige Smog haben wird, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. Wir haben bereits eine ganze Reihe von Präventivmaßnahmen ergriffen, um unsere Orang-Utans zu schützen. Sie bekommen regelmäßig Vitamine, Inhalationen, Honig und Zwiebelsaft. Trotzdem sind bereits die Atemwege von 45 Orang-Utans angegriffen — die Tiere zeigen Erkrankungssymptome.
Update vom 24. September 2026: Feuer breiten sich im Torfmoorgebiet Mawas aus
Wir hätten uns für dieses Update bessere Neuigkeiten gewünscht, doch die Situation in Zentralkalimantan bleibt weiterhin kritisch. Besonders schwer betroffen ist das Torfgebiet Mawas in Zentralkalimantan, das in den vergangenen Tagen stark von den anhaltenden Waldbränden gelitten hat. Eine Fläche von rund 171 Hektar im Gebiet um Tuanan sowie Teile der Randgebiete stehen in Flammen. Unsere Teams sind ununterbrochen im Einsatz. Doch der wochenlange Kampf gegen die Feuer zehrt zunehmend an ihren Kräften. Was ihnen Kraft gibt, ist der Gedanke daran, dass auch die Existenz ihres eigenen Zuhauses auf dem Spiel steht.
Orang-Utan-Rettungszentren: Lage stabil, Brandgefahr bleibt hoch
Zum Glück hat sich die Lage rund um unsere beiden Orang-Utan-Rettungszentren stabilisiert. Die Brände in der Nähe des Rettungszentrums Nyaru Menteng sind inzwischen gelöscht. Dennoch bleibt das Risiko weiterer Brände hoch.
Feuerwehreinsatz in der Nähe des Orang-Utan-Rettungszentrums Nyaru Menteng
Deshalb überprüfen unsere Kolleginnen und Kollegen die Gehegekapazitäten, um für den Fall einer Evakuierung vorbereitet zu sein. Aktuell ist eine solche Maßnahme nicht notwendig. Angesichts der dynamischen Situation müssen wir jedoch auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Unsere Teams bereiten außerdem Wasser- und Kühlmaßnahmen rund um die Orang-Utan-Gehege vor, darunter auch die Installation von Sprinklern. In der Waldschule werden zusätzliche Behälter mit sauberem Wasser aufgestellt, damit die Trinkwasserversorgung unserer Waldschüler immer gesichert ist. Auch die Feuerpatrouillen werden weiterhin regelmäßig durchgeführt – Tag und Nacht. So stellen wir sicher, dass wir eventuelle neue Brandherde in der Nähe der Rettungszentren frühzeitig entdecken können. Gleichzeitig wird der ausgetrocknete Boden regelmäßig vernässt.
Niedriger Wasserstände bergen Gefahr für unsere Waldstudenten
Allen Orang-Utans auf den Vorauswilderungsinseln Kaja und Bangamat geht es gut, und sie können vorerst in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Unsere Teams beobachten das Gebiet und die Wasserstände der Flüsse rings um die Inseln regelmäßig. Bei Bedarf werden wir Orang-Utans aus Bereichen umsiedeln, die aufgrund der niedrigen Wasserstände für sie gefährlich werden könnten, da sie einfach in die umliegenden Gebiete ausbrechen können.
Der niedrige Wasserstand der Kanäle um die Vorauswilderungsinsel verleitet die Orang-Utans dazu, diese eigenständig zu überqueren und bringt sie dadurch in Gefahr.
Auf der Vorauswilderungsinsel Salat stellt sich die Situation etwas anders dar. Aufgrund des niedrigen Wasserstands konnten sechs Orang-Utans den Kanal selbständig überqueren. Timpah, Nita, Hanin, Baun, Christina und Winey hatten offenbar unser Rettungszentrum als Ziel vor Augen. Dadurch war es für unsere Teams einfacher, sie aufzufangen und anschließend sicher unterzubringen. Nun werden sie im Rettungszentrum überwacht und versorgt.
Atemwegserkrankungen bei Orang-Utans durch Waldbrandrauch
Mittlerweile leiden 38 Orang-Utans an Atemwegserkrankungen, die durch den giftigen Smog der Waldbrände verursacht wurden. Die betroffenen Tiere werden von unseren Tierärztinnen und Tierärzten engmaschig überwacht. Je nach Zustand des einzelnen Tieres erhalten sie unterstützende Behandlung und entsprechende Pflege. Die Tiere bekommen regelmäßig Vitamin C, Honig und Inhalationen.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung in diesen schwierigen Zeiten. Die Situation bleibt weiterhin herausfordernd für Menschen und Tiere. Unsere Teams tun alles, um auf die weitere Entwicklung vorbereitet zu sein und Menschen wie Orang-Utans angesichts der Waldbrände bestmöglich zu schützen.
Update vom 17. September 2026: Die Situation verschärft sich — Erste Orang-Utan-Rettung aus Brandgebiet
Am 14. September 2026 konnte die BOS Foundation gemeinsam mit der Wildlife Rescue Unit (WRU) der Naturschutzbehörde BKSDA Zentral-Kalimantan einen männlichen Orang-Utan aus einem Brandgebiet in Tumbang Nusa retten.
Der männliche Orang-Utan wurde in einem Brandgebiet entdecktEr konnte sich in Sicherheit bringen. Doch die Flammen rücken näherUnser Team brachte den Orang-Utan in Sicherheit vor den Bränden
Der Orang-Utan ist schätzungsweise etwa 20 Jahre alt und wiegt rund 70 kg. Sein Gesundheitszustand wird derzeit überwacht. Unsere Tierärzte konnten ältere Verletzungen an den Zehen seines linken Fußes und den Fingern seiner linken Hand feststellen. Er wurde ins BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng gebracht, wo er versorgt und kontinuierlich medizinisch überwacht wird. Sobald er fit genug und unsere Tierärzte ihn für die Auswilderung bereit erklären, wird der Orang-Utan in einen geeigneten, sicheren Lebensraum umgesiedelt.
Dies ist der erste Orang-Utan, den die BOS Foundation im Zusammenhang mit den aktuellen Wald- und Flächenbränden gerettet hat.
Zunehmende Brände in den BOS-Gebieten
Die Situation in den Arbeitsgebieten der BOS Foundation bleibt angespannt. Die anhaltende Trockenheit und Zunahme von Bränden erfordern an mehreren Orten eine erhöhte Einsatzbereitschaft. Während die Lage an den meisten Standorten derzeit noch beherrschbar ist, wurden die Schutz- und Überwachungsmaßnahmen inzwischen verstärkt. Die Rettungszentren Samboja Lestari und Nyaru Menteng sowie unsere Arbeitsgebiete im Nationalpark Sebangau befinden sich inzwischen in der gelben Zone, während die Gebiete von RHOI (Ost-Kalimantan) weiterhin in der grünen Zone sind. Besonders besorgniserregend bleibt die Situation im Mawas-Schutzgebiet, das aufgrund der anhaltenden Brände und dem erhöhten Feuerrisiko des Torfmoors weiterhin zur roten Zone gehört.
70,5 Hektar in Mawas von Bränden betroffen
Die von Bränden betroffene Fläche ist inzwischen auf insgesamt 70,5 Hektar angewachsen – 21 Hektar mehr als beim vorherigen Update.
Brände im Torfmoorgebiet von Mawas
So brannte am 11. September im Dorf Tuanan eine Fläche von etwa 14 Hektar. Im Gebiet des Dorfes Mantangai Hulu waren vom 11. auf den 12. September etwa 7 Hektar von einem Brand betroffen. Am 14. und 15. September brachen im Dorf Tuanan erneut Feuer aus.
Immer wieder kommt es im trockenen Torfmoor Mawas zu BrändenDoch unsere Teams stellen sich den FlammenIm Einsatz für die Orang-Utans und den Regenwald
Unser Mawas-Team ist gemeinsam mit dem Team der Forschungsstation Tuanan, lokalen Feuerwehreinheiten und Löschteams der anliegenden Gemeinden im ständigen Einsatz. Noch sind die Torfmoorbrände nicht gelöscht. Doch den Löschteams ist es gelungen, die Brände einzudämmen und zu verhindern, dass es sich in Richtung des Tuanan-Forschungscamps ausbreitet.
Der giftige Haze steigt aus dem BodenDas Feuer hinterlässt Verwüstung
Wir beobachten die Lage weiterhin genau, um direkt auf jede weitere Ausbreitung des Feuers zu reagieren. Unser oberstes Ziel ist es, den Lebensraum der wilden Orang-Utan-Population von Mawas und unsere Wiederaufforstungsgebiete vor den Flammen zu beschützen.
15 Orang-Utans von Vorauswilderungsinseln umgesiedelt
Aufgrund der weiterhin sinkenden Wasserstände in den Flüssen rund um die Vorauswilderungsinseln, haben wir 14 Orang-Utans von den Inseln Kaja, Bangamat und Salat vorsorglich umgesiedelt. Damit gewährleisten wir die Sicherheit der Tiere und sorgen für eine angemessene Versorgung unter den derzeit schwierigen Umweltbedingungen.
Der Wasserstand in den Flüssen rund um die Vorauswilderungsinseln ist weiter gesunken
Auch der Orang-Utan Zahri, ein Bewohner der Insel Salat, wurde nach einer Verletzung zur medizinischen Behandlung umgesiedelt. Eine komplette Evakuierung der Orang-Utans von den Inseln ist bisher nicht notwendig.
Mehr Orang-Utans mit Atemwegssymptomen
Neben der unmittelbaren Brandgefahr bereitet uns auch die zunehmende Rauchbelastung weiterhin Sorgen. Daher überwachen wir nach wie vor die Atemwegsgesundheit der Orang-Utans besonders aufmerksam. Zwischen dem 16. August und dem 13. September 2026 wurden bei 31 Orang-Utans in Nyaru Menteng Atemwegssymptome wie Niesen, Husten und Nasenausfluss festgestellt.
Der Rauch belastet die Orang-Utans in der Waldschule
Die betroffenen Tiere – darunter Waldschüler wie Niniek, Monyo, Rambo, Onyer und Greta, aber auch ältere Tiere wie Hercules – werden engmaschig von den Tierpflege- und Veterinärteams beobachtet. Wenn erforderlich, erhalten sie unterstützende Behandlung und medizinische Versorgung in Form von Vitaminen, Honig und Hustensaft.
Aktuell überprüft die BOS Foundation den Bedarf an zusätzlichen Messungen der Luftqualität, um die Rauchbelastung besser einschätzen und feststellen zu können, wann weitere Schutzmaßnahmen notwendig werden. Abhängig von Luftqualität und Belastungsgrad könnten beispielsweise die Waldschulzeiten und Aktivitäten im Freien verkürzt oder die medizinische Behandlung angepasst werden.
BOS bereitet sich auf weitere mögliche Notfälle vor
Angesichts der zunehmenden Brandaktivität hat die BOS Foundation die Überwachung und Vorbereitungen an ihren Einsatzorten verstärkt. Die Fire Task Force kontrolliert regelmäßig die Grenzen der Arbeitsgebiete – auch während der Nacht. So sollen neue Brandherde möglichst früh erkannt und bekämpft werden können.
In Nyaru Menteng und Samboja Lestari überprüfen die Teams außerdem die vorhandenen Unterbringungsmöglichkeiten und bereiten zusätzliche Kapazitäten vor. So stellen wir sicher, dass Orang-Utans im Fall von Bränden vorübergehend umgesiedelt oder aus Notsituationen gerettet werden könnten. Das sind vorsorgliche Maßnahmen, um im Notfall bereit zu sein.
Die Situation bleibt dynamisch
Die Waldbrandgefahr auf Borneo kann sich innerhalb kurzer Zeit verändern. Trockenheit, Wind und neue Brandherde beeinflussen die Situation ebenso wie die zunehmende Rauchbelastung. Die BOS Foundation bleibt deshalb an ihren Einsatzorten in erhöhter Bereitschaft und überwacht die Entwicklung kontinuierlich. Ziel ist es, mögliche Gefahren möglichst früh zu erkennen und sowohl die Orang-Utans in den Rettungszentren als auch ihre Lebensräume bestmöglich zu schützen. Wir halten Sie an dieser Stelle über die weitere Entwicklung der Wald- und Landbrände auf Borneo auf dem Laufenden.
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Der Smog, verursacht durch die anhaltenden Brände auf Borneo, belastet auch unsere Orang-Utans
Update vom 14. September 2026: Die Feuer rücken näher an Nyaru Menteng heran
In den vergangenen Tagen sind Brandherde näher an unser Rettungszentrum gerückt. Alle Feuer konnten gelöscht werden. Mithilfe von Drohnen mit Wärmebildkameras identifizieren wir unterirdische Hotspots.
Unsere Feuerwehrteams waren in den zurückliegenden Tagen im Dauereinsatz. Denn die Brände sind zuletzt immer näher an unser Orang-Utan-Rettungszentrum Nyaru Menteng herangerückt. Glücklicherweise konnten wir alle Feuer löschen. Doch da in den trockenen Torfmoorböden die Gefahr von unterirdischen Bränden bestehen bleibt, waren jeweils zwei Löschteams 24 Stunden im Einsatz, um die Böden weiterhin zu durchfeuchten.
Große Dienste hat uns der Einsatz unserer Drohne mit Wärmebildkamera geleistet, die eigentlich auf unseren Vorauswilderungsinseln und in unseren Auswilderungsgebieten genutzt wird, um dort Orang-Utans zu beobachten. Aktuell nutzen wir die Wärmebild-Drohne allerdings, um unterirdische Hotspots zu identifizieren und schwelende Glutnester zu bekämpfen. Unterirdisch können Flammennester im Torfboden tagelang weiterglühen und sich kilometerweit verbreiten.
Mit der Wärmebildkamera (links) konnten wir auch unterirdische Brandherde identifizieren, die auf den normalen Drohnenaufnahmen (rechts) nicht zu sehen waren
Aktuell gibt es keine weiteren Brände rund um unsere Gebiete. Unsere Feuerwehrteams sind aber weiterhin auf Abruf bereit, um im Notfall schnell eingreifen zu können.
Aufnahmen der Wärmebildkamera nach den Bränden: Es sind noch immer unterirdische Hotspots zu erkennen
Die Orang-Utans in Nyaru Menteng versorgen wir weiterhin mit Vitaminen und Medikamenten gegen Atemwegserkrankungen.
Vitamine und Erkältungsmedikamente helfen……den Orang-Utans gegen die Auswirkungen des Smogs
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Wie groß die Trockenheit in Kalimantan aktuell ist, zeigt sich auch am niedrigen Wasserstand rund um unsere Vorauswilderungsinseln
Update vom 4. September 2026: Rehabilitationszentren und Auswilderungsgebiete weiterhin sicher
Nach den jüngsten Beobachtungen sind die Rehabilitationszentren und Auswilderungsgebiete der BOS Foundation derzeit sicher vor direkten Auswirkungen der Brände.
In Zentral-Kalimantan sind das Orang-Utan-Rehabilitationszentrum Nyaru Menteng sowie die Vorauswilderungsinseln Kaja und Bangamat bislang nicht direkt von Bränden betroffen. Evakuierungen aufgrund von Feuer waren dort bis jetzt nicht erforderlich.
Allerdings ist aktuell einer der großen Feuer-Hotspots nur ca. 15 Kilometer von Nyaru Menteng entfernt, weshalb unsere Teams 24 Stunden in Bereitschaft sind. Durch die Brände ist die Luft in der Region extrem durch Rauch belastet. Unsere aktuell wichtigste Herausforderung ist es daher, die Orang-Utans vor den Auswirkungen und Folgen der Rauchbelastung zu schützen.
Wegen der niedrigen Wasserstände der Flüsse rund um die Vorauswilderungsinseln haben wir elf Orang-Utans von den Inseln präventiv nach Nyaru Menteng geholt.
In Ost-Kalimantan ist die Situation derzeit ebenfalls stabil: Samboja Lestari und der Auswilderungswald Kehje Sewen sind weiterhin sicher.
Große Sorge bereitet uns hingegen die Situation in Mawas. Etwa 49,5 Hektar des Mawas-Schutzgebiets sind bereits von Bränden betroffen. Mawas ist eine ausgedehnte Torfmoorlandschaft und damit besonders empfindlich gegenüber Feuer. Brände in Torfböden können schwer zu erkennen und zu löschen sein. Selbst wenn an der Oberfläche keine Flammen mehr sichtbar sind, kann das Feuer unterirdisch weiter schwelen und sich unbemerkt ausbreiten.
Der Rauch belastet die Orang-Utans
Waldbrände gefährden Orang-Utans nicht nur dort, wo die Flammen unmittelbar ihren Lebensraum erreichen. Eine große Belastung ist der allgegenwärtige Rauch. Rauch und Dunst – der sogenannte Haze – breitet sich über große Entfernungen aus und beeinträchtigt die Atemwege von Menschen und Tieren. Eine länger andauernde Rauchbelastung kann das Verhalten und die täglichen Aktivitäten der Orang-Utans verändern. Die Mitarbeiter der BOS-Rettungszentren beobachten daher den Gesundheitszustand der Tiere besonders aufmerksam.
Der giftige Haze hat sich über Kalimantan ausgebreitet und beeinträchtigt auch die Orang-Utans in unseren Rettungszentren
21 Orang-Utans zeigen Atemwegssymptome
Aktuell zeigen 21 Orang-Utans in Nyaru Menteng Symptome von Atemwegsproblemen, wie Husten, Niesen und Nasenausfluss. Darunter sind einige unserer jüngsten Waldschüler wie Momo und Selfie. Die betroffenen Tiere werden engmaschig von unseren Veterinär- und Tierpflegeteams überwacht. Bei Bedarf erhalten sie die notwendige medizinische Versorgung und Behandlung.
Situation der Waldschüler
Die Ausbildung in der Waldschule findet derzeit weiterhin wie gewohnt statt. Die jungen Orang-Utans verbringen bis zu sieben Stunden im Wald und trainieren unter möglichst natürlichen Bedingungen all jene Fähigkeiten, die sie später für ein selbstständiges Leben in Freiheit benötigen. Sollte sich die Rauch- und Dunstbelastung jedoch verschlechtern, wird die Dauer der Waldschulaktivitäten vorsorglich angepasst. Denn auch wenn die Waldschule ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation ist, gilt: Die Gesundheit und Sicherheit der Orang-Utans gehen immer vor.
Die Gesamtlage im Blick
Die BOS Foundation hält in all ihren Einsatzgebieten weiterhin eine erhöhte Einsatzbereitschaft aufrecht. Unsere Teams überwachen regelmäßig akute und potentielle Brandherde. Dafür werden Satellitendaten mit Beobachtungen vor Ort kombiniert, um Entwicklungen möglichst früh zu erkennen. Zusätzlich führen unsere Einsatzkräfte Patrouillen in besonders brandgefährdeten Gebieten durch, kontrollieren die Grenzen des Rettungszentrums Nyaru Menteng und Brandschneisen und überwachen Wasserquellen, Kanäle sowie andere Infrastrukturen, die für die Brandbekämpfung benötigt werden könnten.
Als Vorbereitung auf die Brandsaison haben wir 22 Brunnen gebohrt, die einen Kreis um die Waldschule von Nyaru Menteng bilden. Zusätzlich wurden fünf Wassertanks eingerichtet, drei davon mobil. Sie können beim Bedarf zu Bränden transportiert werden.
22 Brunnen wurden um die Waldschule im Nyaru Menteng 2 gebaut. So kommen Einsatzkräfte im Fall eines Brandes schnell an Wasser.
Die BOS-Fire Task Force ist auch außerhalb der eigenen Gebiete im Einsatz
Die BOS Foundation beschränkt die Einsätze zur Brandbekämpfung nicht auf ihre eigenen Einrichtungen. In Zentral-Kalimantan unterstützt unsere Fire Task Force derzeit auch die Löscharbeiten rund um Palangka Raya. Einige dieser Einsatzorte liegen mehr als zehn Kilometer von Nyaru Menteng entfernt.
Dabei arbeitet BOS mit der Naturschutzbehörde von Zentral-Kalimantan (BKSDA) und der Forstbehörde der Provinz Zentral-Kalimantan zusammen. Dabei unterstützen wir sowohl innerhalb von Wildtierreservaten und Naturschutzgebieten als auch außerhalb dieser geschützten Areale. Denn ein Feuer macht nicht an einer Schutzgebietsgrenze Halt. Brände können Wälder, Gemeinden und ganze Ökosysteme bedrohen, unabhängig davon, ob sie innerhalb oder außerhalb eines offiziell geschützten Gebietes entstehen.
Gemeinsam für die Orang-Utans und ihren Wald
BOS setzt alles daran, die Orang-Utans während der Brandsaison zu schützen – vor den unmittelbaren Gefahren des Feuers ebenso wie vor den langfristigen Folgen von Rauch und Lebensraumverlust. Unsere Teams bleiben in erhöhter Einsatzbereitschaft und beobachten die Situation in den Arbeitsgebieten engmaschig.
Am Sonntag, den 20. September 2026, findet im Hof des Klosters Blaubeuren von 14 bis 17 Uhr wieder eine fröhliche Feier zum Kindertag statt. Mit dabei ist auch wieder unsere BOS-Regionalgruppe rund um Dr. Lisa Kern. An ihrem Stand erwartet kleine und große Besucherinnen und Besucher eine tolle Spendentombola und viele Informationen über Orang-Utans und wie man sie schützen kann. Und natürlich ist auch das BOS-Maskottchen vor Ort.
Doch nicht nur unser großer Plüsch-Orang-Utan sorgt für einen affenstarken Kindertag in Blaubeuren. Zu Gast ist auch die Kinderband „Andi und die Affenbande“, die um 14:00 Uhr und um 15:30 Uhr auftreten wird. Außerdem im Angebot: Spielstraße, Kindertattoos, Kinderschminken, Essens- und Getränkestände.
Veranstaltet wird das Fest gemeinsam vom Kinderschutzbund Blaubeuren und dem Kulturverein Blautöne.
Es ist ein tragischer und zutiefst besorgniserregender Fund: Fünf Orang-Utan-Jungtiere wurden in Indien entdeckt. Offenbar sind sie Opfer des illegalen Wildtierhandels. Wir haben mit Sagnik Sengupta, Director Wildlife der SAGE Foundation in Indien, über den Fall gesprochen.
Odisha als Drehscheibe für Wildtierschmuggel?
Die fünf Orang-Utans wurden im indischen Bundesstaat Odisha entdeckt. Ist Odisha als Hotspot für illegalen Wildtierhandel bekannt, oder könnte die Region Teil einer etablierten Schmuggelroute sein? Was macht die Region für Wildtierhändler attraktiv?
Odisha hat eine dokumentierte Geschichte des Wildtierschmuggels, insbesondere bei einheimischen Arten wie Schuppentieren, Leoparden und sogar Tigern. Die geografische Lage macht den Bundesstaat zu einem geeigneten Transitstaat für einen überregionalen oder internationalen Schmuggel.
Wie stehen die Chancen auf Aufklärung?
Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Behörden in Odisha die Verantwortlichen identifizieren können? Wie erfahren sind die lokalen Strafverfolgungsbehörden in der Untersuchung von Wildtierschmuggel-Fällen, und wie oft führen solche Ermittlungen zu erfolgreichen Verurteilungen?
Ich bin vorsichtig optimistisch, denn die STF (Special Task Force / Sondereinsatzkommando) von Odisha verfügt über erhebliche Erfahrung bei der Untersuchung von Wildtierkriminalität. Wichtig ist auch, dass nun das WCCB (Wildlife Crime Control Bureau / Behörde zur Bekämpfung von Wildtierkriminalität) eingebunden ist. Es gibt bereits mögliche Spuren, darunter Videoüberwachungs-Aufnahmen. Doch die Person zu finden, die die Orang-Utans transportiert oder ausgesetzt hat, ist nur der erste Schritt. Der eigentliche Erfolg liegt darin, die Kette zurückzuverfolgen – herauszufinden, woher die Tiere stammen, wie sie nach Indien gelangt sind, welches zwischenstaatliche Netzwerk beteiligt war und letztlich, wer die Finanziers und Käufer sind. Verurteilungen im Bereich Wildtierschmuggel bleiben in Indien eine Herausforderung, daher wird eine koordinierte Ermittlung über Bundesstaatsgrenzen hinweg – und falls nötig auch international – entscheidend sein.
Welche Strafen drohen den Tätern?
Falls die Schmuggler gefasst werden, welche rechtlichen Konsequenzen könnten sie nach indischem Recht erwarten? Und sind die bestehenden Strafen abschreckend genug?
Orang-Utans sind im CITES-Anhang I (Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten) gelistet, und der überarbeitete indische Wildlife Protection Act deckt nun ausdrücklich solche international geschützten Arten ab. Bei einer Verurteilung drohen den Tätern drei bis sieben Jahre Haft sowie eine Geldstrafe. Das Gesetz sieht also erhebliche Haftstrafen vor. Doch ich glaube, Abschreckung hängt von mehr als nur dem Strafmaß ab. Wenn organisierter Wildtierschmuggel sehr hohe Gewinne abwirft, müssen auch die Geldstrafen empfindlich sein. Und, was noch wichtiger ist, die Wahrscheinlichkeit von Entdeckung und Verurteilung muss hoch sein. Wir brauchen Ermittlungen, die über die Festnahme der Schlepper hinausgehen und die Finanziers, Händler und Käufer hinter dem Netzwerk identifizieren. Werden jedoch nur die Täter gefasst, die als Transporteure fungierten, bleiben die eigentliche Quelle und das Zielland unbekannt. Und genau das ist entscheidender für die Eindämmung des Wildtierschmuggels.
Maßnahmen der indischen Regierung gegen Wildtierschmuggel
Was unternimmt die indische Regierung, um Wildtierschmuggel zu bekämpfen? Wir haben gelesen, dass dies kein Einzelfall ist. Wie hoch ist die Aufdeckungsrate bei solchen Schmuggelfällen?
Indien hat seine Reaktion durch das WCCB (Wildlife Crime Control Bureau), den Zoll, die DRI (Directorate of Revenue Intelligence / Behörde für Einnahmenermittlung), die Forstbehörden und die Landespolizei erheblich verstärkt. Mit mehr Geheimdienstaustausch, gemeinsamen Operationen, Überwachung an Flughäfen und Grenzen sowie internationaler Zusammenarbeit über CITES und INTERPOL. Jüngste Beschlagnahmungen zeigen, dass die Behörden erheblichen organisierten Schmuggel aufdecken, auch bei exotischen Tieren, die nach Indien gelangen. Allerdings wäre ich vorsichtig mit einer konkreten Aufdeckungsquote, da es keine verlässliche nationale Zahl gibt, die zeigt, welcher Anteil des Wildtierschmuggels tatsächlich abgefangen wird.
Beschlagnahmungsstatistiken zeigen, was die Behörden fassen – nicht, was durchkommt. Der Fund der fünf Orang-Utans in Odisha zeigt selbst, warum geheimdienstgestützte Ermittlungen die gesamte Kette nachverfolgen müssen – vom Herkunftsland und Einreiseort bis zu Schleppern, Händlern und den beabsichtigten Käufern in Indien.
Zielland Indien – oder nur Durchgangsstation?
Glauben Sie, dass Indien das beabsichtigte Endziel für diese Tiere war, oder nur eine Durchgangsstation? Was sind typische Zielorte oder Routen beim Wildtierschmuggel durch Odisha?
Derzeit können wir nicht abschließend sagen, ob Indien das Endziel war oder ob die Orang-Utans nur durchtransportiert werden sollten. Indien hat tatsächlich einen illegalen Markt für exotische Wildtiere. Ein inländischer Käufer ist also durchaus denkbar. Gleichzeitig bedeutet die Lage Odishas entlang wichtiger östlicher Straßen- und Küstenkorridore, dass die Region auch Teil einer längeren Schmuggelroute gewesen sein könnte. Besonders interessant an diesem Fall ist die Nähe Balasores zu Westbengalen und zum NH-16-Korridor (National Highway 16). Ermittler müssen daher rückwärts arbeiten – vom Ort, an dem die Tiere ausgesetzt wurden, über die Videoüberwachungs-Aufnahmen und Fahrzeugbewegungen bis nach Kolkata, in den Nordosten Indiens, nach Bangladesch und zu möglichen maritimen Einreisepunkten. Ich würde Spekulationen über ein konkretes Zielland vermeiden, bis entsprechende Beweise vorliegen. Die Priorität sollte sein, nicht nur herauszufinden, wer die fünf Orang-Utans ausgesetzt hat, sondern auch, woher sie kamen, wie sie nach Indien gelangten, wer ihren Transport finanzierte und – am wichtigsten – wer als Käufer bereitstand.
Zucht in Indien oder Nachbarländern – ist das möglich?
Ist es möglich, dass die Orang-Utan-Babys in Indien, Myanmar oder anderen Nachbarländern gezüchtet worden sind?
Biologisch ist es möglich, dass Orang-Utans in Indien, Myanmar oder einem anderen Land in Gefangenschaft gezüchtet werden, da Zuchtprogramme in zoologischen Einrichtungen existieren. Doch es gibt weder wilde Orang-Utan-Populationen in Indien oder Myanmar noch eine anerkannte kommerzielle Zuchtindustrie, die ohne Weiteres erklären würde, warum fünf Jungtiere gemeinsam auftauchen. Interessanterweise haben indonesische Behörden mittlerweile erklärt, dass die vorläufige morphologische Untersuchung darauf hindeutet, dass es sich bei den Tieren um Sumatra-Orang-Utans handeln könnte – dies muss jedoch noch durch eine DNA-Analyse bestätigt werden. Ein DNA-Test ist daher äußerst wichtig. Er könnte helfen, die Art, die genetischen Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den fünf Jungtieren und möglicherweise ihre geografische Herkunft zu klären. Bis diese Ergebnisse vorliegen, würde ich illegale Zucht in Gefangenschaft nicht ausschließen. Doch Wildfang mit anschließendem internationalem Schmuggel bleibt eine sehr ernstzunehmende Möglichkeit. Ermittler sollten zudem bei jeder Behauptung, die Tiere seien „in Gefangenschaft gezüchtet“ worden, vorsichtig sein, solange diese nicht durch Zuchtunterlagen, Abstammungsnachweise, CITES-Dokumentation und genetische Beweise gestützt wird.
Die Zukunft der fünf geretteten Orang-Utans
Die Orang-Utans werden derzeit im Nandankanan-Zoo betreut. Was können Sie uns über den Zoo und die dortigen Haltungsbedingungen sagen? Was wird in den kommenden Wochen und Monaten wahrscheinlich mit den fünf Orang-Utans geschehen? Wer wird für die Entscheidung über ihre langfristige Zukunft verantwortlich sein?
Derzeit scheint Nandankanan eine intensive und angemessene Notfallversorgung zu bieten. Die Jungtiere befinden sich in Quarantäne, stehen unter tierärztlicher Aufsicht, werden häufig gefüttert und erhalten Beschäftigungsangebote sowie rund um die Uhr Betreuung. Das ist besonders wichtig, da Orang-Utan-Jungtiere normalerweise über mehrere Jahre von ihren Müttern abhängig bleiben. Ich glaube jedoch nicht, dass wir davon ausgehen sollten, dass Nandankanan zwangsläufig ihr dauerhaftes Zuhause sein wird. Indonesien hat inzwischen offiziell seine Absicht bekundet, ihre Rückführung anzustreben, und vorläufige Einschätzungen deuten darauf hin, dass es sich um Sumatra-Orang-Utans handeln könnte. Ein DNA-Test sollte helfen, ihre Art und Herkunft zweifelsfrei zu klären.
Sollte sich ihre indonesische Herkunft bestätigen, würde ich eine Rückführung an ein akkreditiertes, spezialisiertes Orang-Utan-Rehabilitationsprogramm befürworten. Vorausgesetzt, ihr Gesundheitszustand lässt dies zu und alle CITES- sowie tierärztlichen Anforderungen werden erfüllt. Das oberste Ziel sollte nicht einfach sein, die Tiere in Gefangenschaft am Leben zu erhalten. Wenn möglich, sollte es die Rehabilitation hin zu einem für wilde Orang-Utans angemessenen Leben sein – und, falls sie sich als geeignete Kandidaten erweisen, letztlich die Auswilderung in ihren natürlichen Lebensraum.
Ihre langfristige Zukunft wird daher Zusammenarbeit zwischen indischen und indonesischen Behörden, CITES-Behörden, wissenschaftlichen Experten und spezialisierten Orang-Utan-Rehabilitationsorganisationen erfordern. Das Wohlergehen dieser fünf Tiere sollte dabei die oberste Priorität bleiben.
Rückkehr nach Indonesien
Wenn illegal geschmuggelte Wildtiere in Indien entdeckt werden, strebt das Land in der Regel an, die Tiere in ihre Herkunftsländer zurückzuführen?
Ja, es gibt Präzedenzfälle. Indien hat wiederholt geschmuggelte exotische Wildtiere, die an Flughäfen beschlagnahmt wurden, zurückgeführt – zum Beispiel wurden Primaten, Reptilien und andere exotische Arten, die bei Passagieren aus Thailand und Malaysia abgefangen wurden, abgeschoben oder repatriiert. Der Orang-Utan-Fall in Odisha unterscheidet sich jedoch, da die Tiere ausgesetzt und nicht an der Grenze abgefangen wurden. Wir müssen daher zunächst ihre tatsächliche Herkunft durch DNA-Analysen und die Untersuchung der Schmuggelroute klären.
Sollte sich bestätigen, dass es sich um indonesische Orang-Utans handelt, und ist Indonesien bereit, sie aufzunehmen, spricht vieles für eine Rückführung an ein akkreditiertes Orang-Utan-Rehabilitationsprogramm dort. Das Ziel sollte dabei nicht bloß sein, die Tiere über eine internationale Grenze zurückzubringen, sondern sie in ein Land und eine Einrichtung zu überführen, die ihnen die bestmögliche Chance auf Rehabilitation und – wo machbar – letztlich auf eine Rückkehr in die Wildnis bietet.
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