Der Club der Mütter trifft sich im Wald

Der Club der Mütter trifft sich im Wald

Fünf Babys haben inzwi­schen in unserem Auswil­de­rungs­wald Kehje Sewen (Ost-Kali­mantan) das Licht der Welt erblickt. Bei dreien scheinen sich die Mütter richtig gut zu verstehen, denn immer wieder treffen wir Lesan, Sayang und Teresa mit ihren Kids Ayu, Padma und Berani gemeinsam im Wald an. Ist ja auch nett, sich mal auszu­tau­schen, die Kinder spielen zu lassen und einfach mal eine entspannte Zeit gemeinsam zu verbringen. Ehe man wieder allein mit dem Nach­wuchs durch den Regen­wald streift. 

Nicht weit von Camp Lesik entdeckte unser PRM-Team die drei Mütter und ihre Kinder an einem Nach­mittag in einem Feigen­baum. Kaffee­klatsch auf Orang-Utan-Art sozusagen. 

Kaffee­klatsch im Feigenbaum

Lesan (19) und Tochter Ayu (6) wurden zuerst entdeckt, wie sie sich im Feigen­baum vergnügten – aller­dings auf unter­schied­li­chen Ästen. Etwas weiter unten saßen dann auch Sayang (12) und Tochter Padma (4) sowie Teresa (13) mit Sohn Berani (4), die sich auf nahe gele­genen Ästen desselben Baumes entspannten. 

Teresa und Berani
Teresa und Berani

Kurz darauf wanderten Sayang und Padma zu einem Gold­pflau­men­baum. Ayu schloss sich den beiden an, während ihre Mutter Lesan ihr nur mit den Blicken folgte. Sayang und Padma ließen sich die Blätter der Gold­pflaume schme­cken, was Ayu mit großem Inter­esse verfolgte. 

Sayang und Padma
Sayang und Padma

Ayu forderte Padma immer wieder zum Spielen auf. Aber Mama-Kind Padma blieb dicht bei ihrer Mutter Sayang, die sie auch nicht aus den Armen ließ. Aller­dings zeigte Sayang Ayu, wie man sich durchs Geäst hangelt und teilte auch Futter mit ihr.

Ayus Mutter Lesan nahm derweil Kontakt zu Teresa auf. Gegen­seitig widmeten sie sich der Fell­pflege („groo­ming“), was Teresas Sohn Berani inter­es­siert beobachtete. 

Lesan und Teresa bei der gegenseitigen Fellpflege
Lesan und Teresa bei der gegen­sei­tigen Fellpflege

Schließ­lich löste sich der Mutter-Kind-Club auf. Sayang zog mit Padma in den Wald hinter dem Camp, während Lesan mit Ayu und Teresa mit Berani in Rich­tung Fluss wanderten.

Für uns ist es immer ein Höhe­punkt, solche Zusam­men­treffen von Müttern mit ihrem Nach­wuchs im Wald zu beob­achten. Möge diese neue Orang-Utan-Genera­tion ein unab­hän­giges, sicheres, langes und gesundes Leben im Wald von Kehje Sewen führen!

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Über­leben im Wald: Was Menschen von Orang-Utans lernen

Über­leben im Wald: Was Menschen von Orang-Utans lernen

Die DNA von Orang-Utans und uns Menschen stimmt zu 97 Prozent überein. Tatsäch­lich sind uns diese intel­li­genten Tiere in ihrem Verhalten und ihren Bedürf­nissen sehr ähnlich. Nur deswegen ist es über­haupt möglich, dass unsere „Ersatz­mütter“ den kleinen Orang-Utan-Waisen in der Wald­schule alles das beibringen, was sie sonst von ihren Müttern gelernt hätten. Wieviel wir Menschen umge­kehrt von den Orang-Utans lernen können, erleben unsere Moni­to­ring-Teams immer wieder. Zum Beispiel, wie man im Wald überlebt.

Unsere Post-Release-Moni­to­ring-Teams arbeiten tief im Regen­wald, weitab von jegli­cher Zivi­li­sa­tion. Immer wieder müssen Versor­gungs­trupps neben dem benö­tigten Equip­ment auch Nahrungs­mittel in die Camps liefern. In Schlecht­wetter-Zeiten kann es auch mal länger dauern, bis Nach­schub kommt. Frisch gefan­gener Fisch aus den nahe­ge­le­genen Flüssen ergänzt dann den Speiseplan.

Doch der Regen­wald bietet noch so viel mehr an Nahrung – wenn man weiß, was essbar und was giftig ist. Es gibt unzäh­lige Pflanzen und Früchte, die wir Menschen völlig unbe­denk­lich essen können. Wer sich jedoch nicht auskennt, kann nur schwer unter­scheiden, was gut schmeckt und wovon wir besser die Finger lassen. Orang-Utans kennen den Unter­schied sehr genau. Was liegt da näher, als diese Experten bei ihrer Nahrungs­be­schaf­fung zu beob­achten – und von ihnen zu lernen?

Orang-Utans wissen sehr genau, was essbar ist

Kimi ist ein wildes Orang-Utan-Weibchen
Kimi ist ein wildes Orang-Utan-Weibchen

Vor einiger Zeit entdeckte unser Team auf der Insel Juq Kehje Swen Desi und Kimi. Desi lebt seit Sommer 2019 auf der Voraus­wil­de­rungs­insel. Schon kurz nach ihrer Ankunft hatte sie eine neue Freundin gefunden: Kimi, ein wildes Orang-Utan-Weib­chen, das schon länger auf der Insel lebt. Desi, die viele Jahre im Samboja Lestari Reha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum auf ein Leben in Frei­heit vorbe­reitet wurde, hat ganz andere Gewohn­heiten und Stra­te­gien zur Futter­suche als die wilde Kimi. Diese ist eindeutig vertrauter mit einer größeren Auswahl an natür­li­chen Nahrungs­quellen im Wald. Indem Desi ihre Freundin sehr genau beob­achtet, lernt sie jeden Tag immer mehr Früchte und Pflanzen kennen, die essbar sind. Und auch unsere Teams lernen, denn sie beob­achten und doku­men­tieren die Akti­vi­täten der beiden Menschen­affen sehr genau.

Die gelbe Loa-Frucht (ficus racemose) schmeckt auch Menschen
Die gelbe Loa-Frucht (ficus race­mose) schmeckt auch Menschen

Das Vertrauen in das Wissen der Orang-Utans geht sogar so weit, dass das Team einige der Lieb­lings­früchte der beiden selbst probiert hat: Zum Beispiel Lunuk, oder auch wilde Feige (Ficus sp.), und Loa (Ficus race­mose), die beide auf der Insel Juq Kehje Swen häufig vorkommen. Und tatsäch­lich – die Früchte schme­cken richtig gut! Anderes Obst ist zwar nicht so lecker, aber dennoch gut bekömm­lich. Zum Beispiel die Früchte von Drewak (Microcos sp.) und Lempaung (Baccaurea lanceo­late). Sie hinter­lassen einen sauren Geschmack auf der Zunge, sind aber essbar. Auch einige Blätter und Kräuter, wie die würzigen Zingi­be­r­aceae-Röhren, sind bei Orang-Utans sehr beliebt und schme­cken auch den Menschen.

Um eine andere Frucht, die als mondo­kaki oder bongang (Taber­na­e­mon­tana macro­carpa) bekannt ist, haben die beiden Orang-Utan-Weib­chen einen weiten Bogen gemacht. Unser Team nahm das als deut­li­chen Hinweis und hat diese roten Früchte nicht einmal ange­fasst. Und tatsäch­lich: Offenbar wird diese Pflanze in einigen Formen als Medizin verwendet aber dient in anderer Form als Pfeil­gift. Also Hände weg!

Achtung gifitg! Die Tabernaemontana macrocarpa
Achtung giftig! Die Taber­na­e­mon­tana macrocarpa

Wir können viel von Orang-Utans lernen

Der tropi­sche Regen­wald, mit seiner unvor­stell­baren Viel­falt an Pflanzen, bietet noch sehr viel mehr. Wussten Sie, dass mehr als die Hälfte aller Wirk­stoffe aus der modernen Medizin von tropi­schen Pflanzen stammen? Der Regen­wald ist eine wahre Apotheke – wenn man weiß, welche Pflanzen heilen und welche giftig sind. Beide Sorten sind reich­lich vorhanden. So gibt es beispiels­weise Blätter gegen Fieber (Durian), Verstop­fung (Papaya) oder Entzün­dungen (Dracaena cant­leyi). Die Orang-Utans machen sich diese Heil­kraft der Pflanzen zunutze. So wurden sie dabei beob­achtet, wie sie die Blätter der Dracaena cant­leyi zerkauten und sich anschlie­ßend den entzün­dungs­hem­menden Spei­chel-Pflanzen-Mix auf ihre Glied­maßen schmierten.

Durch die Beob­ach­tung der Orang-Utans lernen unsere Teams, wie sie im Fall der Fälle im Regen­wald über­leben können. 

Manche Früchte wachsen hoch im Baum
Manche Früchte wachsen hoch im Baum

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Oran­gutan Jungle School — Folge 17

Herz­er­wär­mende Geschichten aus der größten Auffang­sta­tion für Orang-Utans der Welt: Hier tun die Tier­pfleger alles, um die geret­teten jungen Affen auf das Leben in der Wildnis vorzubereiten. 

Wieder­ho­lung:

18.3.2022 — 6:10 Uhr und 14:25 Uhr

Oran­gutan Jungle School — Folge 16

Herz­er­wär­mende Geschichten aus der größten Auffang­sta­tion für Orang-Utans der Welt: Hier tun die Tier­pfleger alles, um die geret­teten jungen Affen auf das Leben in der Wildnis vorzubereiten.

Wieder­ho­lung:

17.3.2022 — 6:10 Uhr und 14:25 Uhr