Otan der Entde­cker: Wie sich ein ausge­wil­derter Orang-Utan im Regen­wald zurechtfindet

Otan der Entde­cker: Wie sich ein ausge­wil­derter Orang-Utan im Regen­wald zurechtfindet

Nach seiner Auswil­de­rung im November 2025 verschwand Orang-Utan Otan schnell im Regen­wald des Bukit Baka Bukit Raya-Natio­nal­parks auf Borneo. Als das Post-Release Moni­to­ring-Team ihn dann schließ­lich endlich wieder einmal entdeckte, zeigte sich: Otan hat sich erfolg­reich an sein Leben in Frei­heit angepasst.

November 2025 markierte das glück­liche Finale einer zehn­jäh­rigen Reha­bi­li­ta­tion: Das junge Orang-Utan-Männ­chen Otan war im Februar 2015 gerettet worden, hatte in der BOS-Wald­schule alles gelernt, was er für ein Leben in Frei­heit brauchte, durfte 2023 auf die Voraus­wil­de­rungs­insel Bangamat umziehen und wurde schließ­lich im Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park ausge­wil­dert.

Seitdem war Otan aus dem Blick­feld verschwunden

Für unsere Ranger ist das zunächst nichts Unge­wöhn­li­ches. Ausge­wil­derte Orang-Utans sollen selbst­ständig leben. Und je unab­hän­giger sie werden, desto seltener lassen sie sich beob­achten.
Trotzdem blieb Otan Gesprächs­thema im Team: Wie kam er wohl in seinem neuen wilden Zuhause zurecht? Gelang es ihm, genü­gend Nahrung zu finden? Wo versteckte er sich? Die Antworten auf diese Fragen lagen irgendwo im dichten Regen­wald am Bemban-Fluss…

Wieder­sehen mit dem ausge­wil­derten Orang-Utan

Der Morgen­nebel hing noch über den Baum­kronen, als das PRM-Team eine seiner übli­chen Patrouillen begann. Die Ranger kontrol­lierten Nahrungs­bäume, suchten nach Spuren von Wild­tieren und über­prüften Bereiche, die häufig von ausge­wil­derten Orang-Utans besucht werden.
Nichts deutete darauf hin, dass dieser Tag anders verlaufen würde als viele zuvor. Bis plötz­lich zwischen den Ästen, nahe dem Ufer des Bemban-Flusses, eine vertraute Silhou­ette auftauchte. Vorsichtig näherte sich unser Team und war sich schnell einig: Es ist Otan!

Orang-Utan Otan im Regenwald
Otan im Regen­wald: Viele unter­schied­liche Nahrungs­quellen zu kennen, ist überlebenswichtig

Der junge Oran-Utan-Mann pflückte in aller Ruhe die Früchte eines Sang­kuangs (Dracon­to­melon dao) und ließ sich nicht von den Menschen stören, die in ausrei­chender Entfer­nung ihren Beob­ach­tungs­posten einge­nommen hatten.

Je länger unser PRM-Team Otan beob­ach­tete, desto deut­li­cher wurde, wie sehr er sich seit seiner Auswil­de­rung verän­dert hatte.
Nicht nur war Otan ganz offen­sicht­lich gesund und in bester Verfas­sung, er bewegte sich auch selbst­si­cher und kraft­voll durch den Wald und nutzte dabei unter­schied­lichste Nahrungs­quellen. Neben Sang­kuang fraß er Früchte von verschie­denen Feigen­baum­arten, von Clusiaceae-Arten und Anno­nen­ge­wächsen sowie weitere Pflan­zen­teile wie Orchi­deen, Baum­rinde und junge Rattansprossen.

Wie Otan nach seiner Auswil­de­rung im Regen­wald lebt

In den ersten Monaten nach seiner Frei­las­sung hatte Otan den Groß­teil seiner Zeit hoch oben in den Bäumen verbracht, wo er für unsere PRM-Teams nur schwer zu beob­achten war. Nur über seinen implan­tierten Peil­sender konnte er loka­li­siert werden. Doch bei diesem Zusam­men­treffen wirkte er weitaus dyna­mi­scher: Er wech­selte immer wieder zwischen den verschie­denen Ebenen des Waldes. Mal stieg er auf den Boden hinab, klet­terte entschlossen über Sträu­cher und umge­stürzte Baum­stämme. Mal schwang er sich kraft­voll durch das Geäst der Baumriesen.

Orang-Utan Otan im Regenwald
Otan – wild und frei im Nationalpark

Im Laufe des Tages legte er rund 1.200 Meter zurück. Für Menschen mag das keine außer­ge­wöhn­liche Strecke sein. Für unser PRM-Team jedoch erzählt sie, zusammen mit den Beob­ach­tungen des Tages, eine wich­tige Geschichte: Die eines Orang-Utans, der seinen Lebens­raum kennt und sich darin sicher und ziel­ge­richtet bewegt.

Post-Release Moni­to­ring: So begleitet BOS ausge­wil­derte Orang-Utans

Damit war die Sich­tung Otans nach den vielen Wochen, in denen er abge­taucht war, eine wich­tige und wert­volle Bestä­ti­gung: Otan ist gut in seinem neuen Lebens­raum ange­kommen!
Als sich der Tag dem Ende näherte und das Licht unter dem Blät­ter­dach langsam schwä­cher wurde, kam auch Otan langsam zur Ruhe. Schließ­lich begann er, hoch oben in einem Baum Äste und Blätter zu verweben. Routine für einen wilden Orang-Utan – er baut sein Schlaf­nest für die Nacht.

Warum diese Beob­ach­tung für den Orang-Utan-Schutz wichtig ist

Für unser PRM-Team endete damit ein beson­ders erfolg­rei­cher Tag. Denn beim Post-Release Moni­to­ring geht es nicht darum, einen Orang-Utan wieder­zu­sehen.
Es geht darum, sich durch Beob­ach­tung davon zu über­zeugen, dass der von BOS geret­tete Orang-Utan während seiner Reha­bi­li­ta­tion tatsäch­lich alle Fähig­keiten entwi­ckelt hat, die er für ein selb­stän­diges Leben braucht. Dass er nach seiner Auswil­de­rung das freie und wilde Leben führt, für das er einst geboren wurde.
An diesem Tag am Bemban-Fluss lieferte Otan dafür einen eindrucks­vollen Beweis.

Otans Geschichte zeigt, was möglich wird, wenn Rettung, Reha­bi­li­ta­tion und Regen­wald­schutz zusam­men­wirken. Mit Ihrer Spende helfen Sie dabei, weiteren Orang-Utans den Weg zurück in die Frei­heit zu ermög­li­chen und ihren Lebens­raum lang­fristig zu schützen.

Drei Tage mit Orang-Utan-Mutter Manggo: Lebens-Lektionen im Regen­wald von Borneo

Drei Tage mit Orang-Utan-Mutter Manggo: Lebens-Lektionen im Regen­wald von Borneo

Unser Post-Release Moni­to­ring (PRM) Team konnte Orang-Utan-Mutter Manggo mit ihrem Nach­wuchs Melki drei Tage im Schutz­wald Bukit Batikap beob­achten. Was auf den ersten Blick nach Alltag aussieht, gibt den Orang-Utan-Experten tiefe Einblicke in das soziale Lernen der Wald­men­schen – und wert­volles Wissen für die künf­tige Reha­bi­li­ta­tion, Auswil­de­rung und Schutzarbeit.

Oft erzählt der Regen­wald von Borneo seine Geschichten ganz leise. Man muss genau hinschauen und hinhören. Etwa wenn eine Orang-Utan-Mutter nahezu unsichtbar in den Baum­kronen sitzt, mit leisem Rascheln eine Frucht pflückt, von jungen Blät­tern nascht oder Termiten aus einem morschen Baum­stamm sammelt. Dazwi­schen immer wieder ruhig und sicher von Ast zu Ast klet­tert. Und dabei ganz dicht von ihrem Jung­tier begleitet wird, das jede Bewe­gung beob­achtet.
Im Schutz­wald Bukit Batikap in Zentral-Kali­mantan auf Borneo hat unser PRM-Team drei Tage lang eine solche Geschichte beob­achtet: die von Manggo und ihrem Kind Melki.

Warum das Moni­to­ring ausge­wil­derter Orang-Utans so wichtig ist

Als das PRM-Team die beiden während einer Moni­to­ring-Patrouille entdeckte, saßen sie auf einem Sang­kuang-Baum (Dracon­to­melon dao) und futterten Früchte. Das Jung­tier Melki wurde erst­mals 2019 von unserem Team gesichtet und ist inzwi­schen rund sieben Jahre alt. Mama Manggo lebt seit mitt­ler­weile 13 Jahren wild und frei im Regen­wald von Bukit Batikap. Sie wurde im Februar 2013 gemeinsam mit ihrer Mutter Markisa der jüngeren Schwester Uli ausge­wil­dert.

Orang-Utan Manggo im Regenwald
Stark und frei: Orang-Utan Manggo lebt seit 2013 im Bukit Batikap Wald

Manggos Start ins Leben war alles andere als gewöhn­lich: Obwohl sie ihre ersten Lebens­jahre bei BOS verbrachte, hatte sie das große Glück, gemeinsam mit ihrer Mutter aufwachsen zu können. Denn Manggo wurde auf einer der Voraus­wil­de­rungs­in­seln geboren. Von Mutter Markisa lernte sie, sicher zu klet­tern, Schlaf­nester zu bauen und essbare Früchte und Blätter im Regen­wald zu erkennen.

Vom Rettungs­zen­trum in die Frei­heit: Manggos Weg zurück in den Regenwald

Schon vor ihrer Auswil­de­rung fiel Manggo dem BOS-Team als neugierig, aktiv und wiss­be­gierig auf. Jeden Tag erkun­dete sie den Wald aufs Neue. Sie galt als wenig domi­nant und äußerst anpas­sungs­fähig. Ein Orang-Utan, der Situa­tionen gut einschätzen kann.
Heute bekommen diese Eigen­schaften eine neue Bedeu­tung: Manggo gibt ihr Wissen als Mutter an Melki weiter. In den drei Tagen der Beob­ach­tung bewies die Orang-Utan-Dame dem PRM-Team, dass sie ganz genau weiß, was sie tut — wie sicher sie sich im Wald bewegt, Nahrung findet und ihr Jung­tier anleitet.

Was junge Orang-Utans von ihren Müttern lernen

Die erste Beob­ach­tung der BOS-Ranger begann um die Mittags­zeit. Manggo und Melki saßen im Sang­kuang-Baum und futterten genüss­lich dessen Früchte. Das PRM-Team konnte die Beob­ach­tung bis zum Einbruch der Dunkel­heit fort­setzen, als sich die beiden ein Schlaf­nest für die Nacht bauten. Der Tag der beiden Orang-Utans war vor allem von der Nahrungs­suche bestimmt. Melki blieb dabei immer dicht bei der Mutter und imitierte ihr Fressverhalten.

Orang-Utan-Kind Melki im Regenwald
Melki ist heute etwa sieben Jahre alt – fast schon bereit für ein eigen­stän­diges Leben

Am zweiten und dritten Tag beglei­tete das Team Manggo und Melki vom Verlassen des Morgen­nestes bis zum Bau des neuen Nacht­quar­tiers. Der wissen­schaft­liche Begriff dafür ist die Nest-zu-Nest-Methode.

Wieder domi­nierte das Fressen den Tages­ab­lauf. Manggo suchte und fraß Sang­kuang-Früchte, Hampa­ning-Früchte, Umbut (junge Palm­triebe), junge Lunuk-Blätter und Termiten. Wieder bewegte sich Melki an der Seite ihrer Mutter. So zeigte sich drei Tage lang ein ruhiges, stetiges Bild: eine Mutter, die ihren Alltag im Wald meis­tert, und ein Jung­tier, das Schritt für Schritt begreift, wie dieser Alltag funktioniert.

Orang-Utan-Manggo im Regenwald
Manggo bedient sich am Regen­wald­buffet. Der Spei­se­plan frei­le­bender Orang-Utans ist äußerst vielseitig

Dabei bewiesen die beiden, wie viel­fältig der Spei­se­plan eines Orang-Utans im Regen­wald sein kann. Für die Reha­bi­li­ta­tion eines geret­teten Orang-Utans sind diese Kennt­nisse einer der Indi­ka­toren, ob der Primat bereit ist für die Auswil­de­rung. Manggo hat diese Kennt­nisse zwar direkt von ihrer Mutter erlernt, diese jedoch war selbst erst als Vier­jäh­rige aus ille­galer Haus­tier­hal­tung gerettet worden. In der BOS-Wald­schule wurde sie während zahl­rei­cher Lektionen auf ihr Leben als wilder, freier Orang-Utan vorbereitet.

Nahrungs­suche als Über­le­bens­trai­ning für junge Orang-Utans

Beob­ach­tungen wie diese sind für das Moni­to­ring nach einer Orang-Utan-Auswil­de­rung beson­ders wert­voll: Sie zeigen nicht nur, wo sich einzelne Tiere aufhalten. Sie geben darüber hinaus wich­tige Hinweise auf Akti­vi­täts­muster, Ernäh­rung, Gesund­heits­zu­stand und darauf, wie gut der reha­bi­li­tierte Orang-Utan an seinen Lebens­raum ange­passt ist.
Bei Mutter-Kind-Paaren kommt ein weiterer wich­tiger Aspekt hinzu: das soziale Lernen der nächsten Generation.

Drei Tage mit Manggo und Melki zeigen deshalb mehr als einen Ausschnitt aus dem Leben zweier frei­le­bender Orang-Utans im Regen­wald von Borneo. Sie zeigen, warum Orang-Utan-Rettung, Reha­bi­li­ta­tion, Auswil­de­rung, Moni­to­ring und Wald­schutz zusam­men­ge­hören. Nur wenn ihr Lebens­raum geschützt bleibt, kann die Geschichte von Manggo und Melki weiter­gehen – von einer Orang-Utan-Gene­ra­tion zur nächsten.

Möchten auch Sie zum Orang-Utan-Retter werden?

Ein Blitz aus Rot im grünen Blätterdach

Ein Blitz aus Rot im grünen Blätterdach

Während einer routi­ne­mä­ßigen Patrouille im Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park hatte unser Post-Release Moni­to­ring (PRM) Team die seltene Gele­gen­heit, eine auffäl­lige Vogelart zu beob­achten: den Rotbart­spint (Nyctyornis amictus). Ihre Entde­ckung ist ein erneuter Beweis für die reiche Biodi­ver­sität der Wälder Kali­mantans. Selbst alltäg­liche Routi­n­egänge können Momente des Stau­nens mit sich bringen!

Eine farben­präch­tige, auffäl­lige Vogelart

Der Rotbart­spint ist ein mittel­großer Vogel aus der Familie der Bienen­fresser (Mero­p­idae). Er ist an seinem leuch­tend bunten Gefieder zu erkennen: ein über­wie­gend grüner Körper, eine leuch­tend rote Kehle und ein roter „Bart“, der sich über die Brust erstreckt, sowie ein kräf­tiger, leicht gebo­gener Schnabel, der an das Fangen von Insekten ange­passt ist. Der Schwanz ist relativ lang, wobei die mitt­leren Schwanz­fe­dern über die anderen hinaus­ragen – ein typi­sches Merkmal vieler Bienen­fresser. Dieses farben­präch­tige Erschei­nungs­bild macht den Rotbart­spint zu einer der auffäl­ligsten Arten in den Wäldern Südostasiens.

Dichte Tief­land- und Hügel­wälder sind der Lebens­raum des Vogels, wobei er dort Gebiete mit hohen Bäumen sowie auch offenen Berei­chen für die Jagd bevor­zugt. Verbreitet ist diese Art nur in einigen Teilen Südost­asiens, darunter die Malai­ische Halb­insel sowie die Inseln Sumatra und Borneo. In Kali­mantan wird er gele­gent­lich in geschützten Wald­ge­bieten wie dem Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park ange­troffen, wie jetzt durch unser PRM-Team.

Orang-Utan-Schutz ist Regen­wald­schutz ist Artenschutz

Die Welt­na­tur­schutz­union (IUCN) stuft den Rotbart­spint derzeit als „nicht gefährdet“ ein. Doch obwohl er global nicht als bedroht gilt, ist auch seine Popu­la­tion durch den Verlust von Lebens­raum betroffen, verur­sacht durch Abhol­zung, Landum­wand­lung und Holz­ein­schlag. Der Schutz von Wald­öko­sys­temen wie des Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­parks – einer unserer Auswil­de­rungs­wälder – ist daher ausge­spro­chen wichtig, um auch das Über­leben des Rotbart­spints und all der anderen wald­ab­hän­gigen Arten zu sichern.

Rotbartspint (Nyctyornis amictus)
Farben­pracht im Regen­wald Borneos: der Rotbartspint

Ganz seinem Fami­li­en­namen entspre­chend ernährt sich der Rotbart­spint haupt­säch­lich von flie­genden Insekten, insbe­son­dere Bienen, Wespen und Libellen. Er jagt, indem er bewe­gungslos auf einem Ast sitzt und auf vorbei­flie­gende Insekten wartet. Blitz­schnell schnappt er sich diese dann im Flug und kehrt danach zu seinem Ansitz zurück, um die Beute zu verzehren.

Zur Fort­pflan­zung brütet diese Art in Tunneln, die in sandige Böschungen oder Erdwälle gegraben werden. Das Weib­chen legt ein kleines Gelege, und beide Eltern betei­ligen sich an der Bebrü­tung und Aufzucht der Jungen. Aufgrund ihres versteckten Brut­ver­hal­tens gelingt die Beob­ach­tung ihres Fort­pflan­zungs­zy­klus in freier Wild­bahn nur selten.

Eine Erin­ne­rung an den Reichtum der Natur

Dass es unserem PRM-Team gelungen ist, den Vogel zu entde­cken und zu beob­achten, erin­nert an die außer­ge­wöhn­liche Biodi­ver­sität in den Wäldern Kali­mantans und unter­streicht die Bedeu­tung des Schutzes natür­li­cher Lebens­räume. Wir tragen unseren Teil dazu bei, diese wich­tigen Ökosys­teme zu schützen und sicher­zu­stellen, dass diese Wälder auch in Zukunft so voller Leben bleiben.

Unter­stützen Sie uns und unser PRM-Team dabei? Jede Spende hilft!

Cicis langer Weg in die Heimat

Cicis langer Weg in die Heimat

Zwei Jahre ist es her, dass Cici im Bukit Batikap Schutz­wald ausge­wil­dert wurde. Und weitere zehn Jahre seit ihrem Umzug von Ost- nach Zentral-Kali­mantan. Jetzt haben unsere Ranger die Orang-Utan-Dame bei einer Patrouille im Wald wieder­ge­troffen. Und eine schöne Entde­ckung gemacht.

Am 8. Januar 2003 wurde Cici zum zweiten Mal das Leben geschenkt: Es ist der Tag ihrer Ankunft im BOS-Rettungs­zen­trum Samboja Lestari. Und im November 2023 wurde sie – aus dem BOS-Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng – im Schutz­wald Bukit Batikap ausge­wil­dert. Ein ganz schön langer Lebensweg, der keines­wegs gera­deaus führte, liegt bereits hinter Cici. Umso glück­li­cher waren unsere Ranger, als sie die Orang-Utan-Dame kürz­lich bei bester Gesund­heit in Bukit Batikap antrafen und beob­achten durften.

Orang-Utan Cici im Regenwald
Cici lebt seit ihrer Auswil­de­rung im November 2023 im Bukit Batikap Schutzwald

Orang-Utan-Dame Cicis Frei­heit kam in Etappen

Nach ihrer Rettung als etwa drei- bis vier­jäh­riges Orang-Utan-Mädchen vor 22 Jahren durch­lief Cici erfolg­reich und recht schnell die Wald­schule von Samboja Lestari, bewies sich auf der Voraus­wil­de­rungs­insel und sollte eigent­lich schon im Oktober 2013 ausge­wil­dert werden. Bei den gründ­li­chen medi­zi­ni­schen Tests, die alle unsere Schütz­linge vor ihrem großen Tag durch­laufen, machten die Tier­ärzte jedoch eine Entde­ckung, die alles verän­dern sollte: Cicis Heimat war nicht in Ost-Kali­mantan, wohin die Auswil­de­rung geplant war. Sie gehörte einer in Zentral-Kali­mantan heimi­schen Subspe­zies an (Pongo pygmaeus wurmbii).

Eine schwere Entscheidung

So mussten wir Cicis Auswil­de­rung verschieben. In Über­ein­stim­mung mit natio­nalen und inter­na­tio­nalen Stan­dards der Welt­na­tur­schutz­union (IUCN) hat das BOS-Team entschieden, dass Cici dorthin gebracht wurde, wohin sie eigent­lich gehörte. Und so reiste die damals 14-Jährige in der Trans­port­kiste, die sie in den Regen­wald bringen sollte, in unser Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng. Dort sollte es weitere zehn Jahre dauern – auch bedingt durch die Einschrän­kungen der Pandemie – bis Cici ihre nächste Chance auf die Frei­heit bekam.

Doch nicht alle Verzö­ge­rungen enden mit Bedauern! Was zunächst wie ein schwerer Rück­schlag erschien, war rück­bli­ckend die genau rich­tige Entschei­dung. Während ihres Aufent­haltes in Nyaru Menteng war das jedoch nicht immer offensichtlich.

Orang-Utan Cici vor der Auswilderung
Cici musste viel Geduld beweisen, bis wir ihr die Frei­heit schenken konnten

Cici erlangte in Nyaru Menteng schnell Bekannt­heit für ihre starke und oft aggres­sive Persön­lich­keit. Tier­pfleger und das Vete­ri­när­team mussten in ihrer Gegen­wart stets wachsam sein. Doch ihr wildes Auftreten war schlicht und einfach der Ausdruck ihres unglaub­li­chen Über­le­bens­wil­lens. Und genau dieser Instinkt half ihr später, in der Wildnis zu zurechtzukommen.

Der Tag der Auswil­de­rung: endlich in Freiheit

Im November 2023 war es dann wirk­lich und wahr­haftig soweit. Die Tür von Cicis Trans­portbox öffnete sich im Bukit Batikap-Schutz­wald und sie schoss blitz­schnell heraus. Direkt klet­terte sie auf einen nahe­ge­le­genen Baum und verschwand im Blät­ter­dach des Waldes. Doch Cici wäre nicht Cici, wenn sie unserem Team nicht einen letzten Denk­zettel mitge­geben hätte.

Auswilderung Orang-Utan Cici
Als sich die Luke der Auswil­de­rungsbox öffnete, hatte Cici es sehr eilig

Zehn Minuten nach ihrem Verschwinden stürmte die 24-jährige Orang-Utan-Dame auf unser Post-Release Moni­to­ring (PRM) Team zu, das die neuen Wilden aus gebüh­render Entfer­nung beob­ach­tete. Und so erlebte unser PRM-Team einen inten­siven und heraus­for­dernden ersten Tag der Nachbeobachtung.

Ein derart aggres­sives Verhalten ist nicht ungewöhnlich

Viele Orang-Utans reagieren nach langen Trans­port­wegen gestresst, was zu defen­siven oder aggres­siven Reak­tionen führen kann. Und so blieb unser erfah­renes PRM-Team ruhig und geduldig, hielt so gut wie möglich Abstand zu den frisch ausge­wil­derten Primaten und wartete ab, bis sie sich beru­higt und an die neue Umge­bung gewöhnt hatten.

Zwei Jahre später: Cici ist ruhig und selbstbewusst

Vor kurzem, ganze zwei Jahre nach ihrer Auswil­de­rung, trafen unsere Ranger Cici in der Nähe des Flusses Joloi wieder. Das Orang-Utan-Weib­chen wirkte während der Beob­ach­tung ruhig und selbst­be­wusst. Die meiste Zeit verbrachte sie damit, den Wald zu erkunden. Ganz ohne Anzei­chen von Aggres­sion, die sie bei der letzten Begeg­nung an den Tag gelegt hatte. Zufrieden bewegte sie sich durch ihren natür­li­chen Lebens­raum, an den sie sich ganz offen­sicht­lich bestens ange­passt hatte.

Orang-Utan Cici im Regenwald
Das Warten auf die Auswil­de­rung hat sich gelohnt

Unsere Ranger konnten nach der Beob­ach­tung berichten, dass Cici in ihrem neuen Lebens­raum förm­lich aufge­blüht ist. Die Orang-Utan-Dame war gesund, kräftig und wirkte völlig sicher, während sie sich durch den Wald bewegte. Damit ist ihre Geschichte ein wunder­barer Beweis dafür, dass Geduld und manchmal auch schwere Entschei­dungen zu nach­hal­tigen Ergeb­nissen im Arten­schutz führen.

Mit Ihrer Spende helfen Sie, dass geret­tete Orang-Utans eine zweite – und wenn nötig auch eine dritte — Chance auf ein Leben in Frei­heit erhalten.

Wie eine Orang-Utan-Mutter zum Symbol für erfolg­rei­chen Arten­schutz wird

Wie eine Orang-Utan-Mutter zum Symbol für erfolg­rei­chen Arten­schutz wird

Jedes Jahr am 5. November feiert Indo­ne­sien Hari Cinta Puspa dan Satwa Nasional – den Natio­nalen Tag der Liebe zu Flora und Fauna. Und dieser Tag ist mehr als ein bloßer Feiertag: Er erin­nert uns an unsere gemein­same Verant­wor­tung, Indo­ne­siens außer­ge­wöhn­liche biolo­gi­sche Viel­falt zu bewahren. Wie erfolg­rei­cher Arten­schutz aussehen kann, erzählt uns die Geschichte von Orang-Utan-Mutter Inung.

Die Orang-Utan-Dame Inung lebt seit zwölf Jahren im Schutz­wald Bukit Batikap in Zentral-Kali­mantan, nachdem sie im BOS-Rettungs­zen­trum die Wald­schule durch­laufen und sich auf der Voraus­wil­de­rungs­insel behauptet hatte. Sie ist der lebende Beweis dafür, dass der Schutz der Biodi­ver­sität Indo­ne­siens nicht nur aus Hoff­nung besteht, sondern tatsäch­lich gelingen kann.

Von der Reha­bi­li­ta­tion in die Wildnis

Die heute 27-jährige Orang-Utan-Dame wurde 2013 zusammen mit ihren beiden Töch­tern Indah und Ina in die Wildnis entlassen. Seit ihrer Auswil­de­rung hat sie sich bemer­kens­wert gut an das Leben im Wald ange­passt. Bis heute (Stand 2025) hat sie bereits vier Jung­tiere aufge­zogen – ein wunder­barer Beweis für ihre Resi­lienz und für die Wirk­sam­keit struk­tu­rierter Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­gramme, wie sie in den BOS-Rettungs­zen­tren prak­ti­ziert werden.

Orang-Utan-Mutter mit Kind im Regenwald
Inung und ihre erste Tochter Indah auf der Vorauswilderungsinsel

Denn wissen­schaft­liche Unter­su­chungen belegen, dass die Fähig­keit von Orang-Utans, nach einer Frei­las­sung in der Wildnis zu über­leben, stark von ihrer indi­vi­du­ellen Lebens­ge­schichte und den Lern­erfah­rungen während der Reha­bi­li­ta­tion abhängt.

Orang-Utan-Mutter mit Kind im Regenwald
Inung und ihre zweite Tochter Ina

Aktuell wird Inung von ihren beiden jüngsten Kindern, Indie und Indro, auf ihren Streif­zügen durch den Regen­wald Bukit Batikap begleitet. Dabei kreuzen ihre Wege immer wieder das Totat Jalu Moni­to­ring Camp, wo das Post-Release-Moni­to­ring (PRM) Team die Entwick­lung der von BOS ausge­wil­derten Orang-Utans beob­achtet und dokumentiert.

Begeg­nungen mit Inung im Jahr 2025

Drei Mal konnten die Forscher und Natur­schützer die Orang-Utan-Dame und ihren Nach­wuchs im Jahr 2025 beobachten:

März 2025: Inung wurde mit Indie und Indro in der Nähe des Totat Jalu Moni­to­ring Camps gesichtet. Sie begann ihren Tag mit dem Genuss von Mani­ok­wur­zeln, die nahe dem Camp gepflanzt wurden, und setzte ihr Früh­stück an ihrem bevor­zugten Guaven­baum fort. Während der ganzen Zeit blieben Mutter und Kinder zusammen, fraßen gemeinsam und erkun­deten die Umgebung.

Orang-Utan-Mutter mit zwei Kindern im Regenwald
Inung mit Indie und dem kleinen Indro

Mai 2025: Bei ihrer zweiten Begeg­nung konnten das PRM-Team erneut das Fress­ver­halten der Orang-Utan-Dame und ihres Nach­wuchses beob­achten: Dieses Mal wählte sie Bambus und Lunuk-Früchte als Mahl­zeit. Am Abend baute Inung sich kein neues Schlaf­nest, sondern repa­rierte ein altes. Dieser scho­nende Umgang mit den vorhan­denen Ressourcen ist typisch für Orang-Utans: Oft entwi­ckeln sie krea­tive Stra­te­gien, um Mate­ria­lien effi­zient zu nutzen und dabei ihren eigenen Ener­gie­ver­brauch zu minimieren.

Juli 2025: Bei der bislang letzten Begeg­nung in diesem Jahr beob­ach­tete das PRM-Team, wie Inung lange in einem Ster­culia-Baum ruhte, bevor sie ein neues Nest in einem Feigen­baum baute. Indie, ihre heran­wach­sende Tochter, zeigte dabei Zeichen von Unab­hän­gig­keit: Sie konstru­ierte ihr eigenes Schlaf­nest und expe­ri­men­tierte spie­le­risch mit Ästen.

Orang-Utan-Mutter mit zwei Kindern im Regenwald
Zwei Kinder zu versorgen bedeutet eine große Heraus­for­de­rung für Orang-Utan-Mutter Inung

Alle drei Beob­ach­tungen beweisen, wie Inung ihren Nach­kommen wich­tige Über­le­bens­fä­hig­keiten vermit­telt, die diese für ihr Leben im Regen­wald brau­chen. Und das trotz der großen Heraus­for­de­rung, zwei Kinder gleich­zeitig zu versorgen.

Orang-Utan-Mutter mit zwei Kindern im Regenwald
Lernen durch Beob­ach­tung: Inung mit ihrem Nachwuchs

Forschungs­er­geb­nisse bestä­tigen: Das Erlernen von Nahrungs­suche und Nestbau ist für junge Orang-Utans uner­läss­lich, um erfolg­reich selbst­ständig in der Wildnis leben zu können. Inung und ihre Kinder liefern dafür anschau­liche Beweise.

Inung ist ein Symbol für nach­hal­tigen Naturschutz

Inungs Geschichte geht weit über ihr indi­vi­du­elles Über­leben hinaus. Sie steht stell­ver­tre­tend für den Erfolg von Wieder­an­sied­lungs­pro­grammen für Orang-Utans. Arten­schützer betonen, dass die lang­fris­tige Über­le­bens­rate in der Wildnis der wahre Maßstab für den Erfolg solcher Programme ist.
Dass Inung mitt­ler­weile vier Nach­kommen in Frei­heit groß­ge­zogen hat, zeigt, dass reha­bi­li­tierte Orang-Utans nach­hal­tige Gene­ra­tionen aufbauen können. Indies wach­sende Selbst­stän­dig­keit und Indros fort­ge­setztes Lernen unter der Obhut der Mutter verdeut­li­chen die lang­fris­tigen Auswir­kungen einer gelun­genen Rehabilitation.

Orang-Utan-Kind im Regenwald
Ein Symbol der Hoff­nung: die in Frei­heit gebo­rene Indie in einem Schlafnest

Anpas­sungs­fä­hig­keit und Wider­stands­kraft sind die Schlüs­sel­qua­li­täten, die darüber entscheiden, ob reha­bi­li­tierte Orang-Utans dauer­haft in der Wildnis bestehen. Inung verkör­pert beide Eigen­schaften und gibt sie an ihre Kinder weiter. Damit ist sie ein lebender Beweis dafür, dass mensch­liche Fürsorge und struk­tu­rierte Vorbe­rei­tung Früchte tragen können.

Wir feiern den Natio­nalen Tag der Liebe zu Flora und Fauna 2025

Inungs Weg verkör­pert den Geist des Hari Cinta Puspa dan Satwa Nasional: Der Feiertag ist nicht nur ein Symbol, sondern ein Aufruf an uns alle zu Handeln. Indo­ne­siens Flora und Fauna – darunter auch die stark gefähr­deten Orang-Utans – brau­chen unseren Schutz!

Orang-Utan-Mutter mit Kind im Regenwald
Unser Einsatz für bedrohte Arten lohnt sich

Und Inungs Geschichte zeigt uns: Unser Einsatz für die Rettung gefähr­deter Arten und für den Schutz ihres Lebens­raumes bringt echte Erfolge.

Lassen Sie uns die Geschichte von Inung und ihrer Familie als Appell verstehen: Wenn die Liebe zur Natur Teil unseres Alltags wird, können wir echten Natur- und Arten­schutz bewirken. Unser Enga­ge­ment, unsere Fürsorge und unser gesam­meltes Wissen ermög­li­chen nach­hal­tige Erfolge für die Erhal­tung der Arten­viel­falt Indo­ne­siens. Jede Spende hilft!