Nach seiner Auswilderung im November 2025 verschwand Orang-Utan Otan schnell im Regenwald des Bukit Baka Bukit Raya-Nationalparks auf Borneo. Als das Post-Release Monitoring-Team ihn dann schließlich endlich wieder einmal entdeckte, zeigte sich: Otan hat sich erfolgreich an sein Leben in Freiheit angepasst.
November 2025 markierte das glückliche Finale einer zehnjährigen Rehabilitation: Das junge Orang-Utan-Männchen Otan war im Februar 2015 gerettet worden, hatte in der BOS-Waldschule alles gelernt, was er für ein Leben in Freiheit brauchte, durfte 2023 auf die Vorauswilderungsinsel Bangamat umziehen und wurde schließlich im Bukit Baka Bukit Raya Nationalpark ausgewildert.
Seitdem war Otan aus dem Blickfeld verschwunden
Für unsere Ranger ist das zunächst nichts Ungewöhnliches. Ausgewilderte Orang-Utans sollen selbstständig leben. Und je unabhängiger sie werden, desto seltener lassen sie sich beobachten. Trotzdem blieb Otan Gesprächsthema im Team: Wie kam er wohl in seinem neuen wilden Zuhause zurecht? Gelang es ihm, genügend Nahrung zu finden? Wo versteckte er sich? Die Antworten auf diese Fragen lagen irgendwo im dichten Regenwald am Bemban-Fluss…
Wiedersehen mit dem ausgewilderten Orang-Utan
Der Morgennebel hing noch über den Baumkronen, als das PRM-Team eine seiner üblichen Patrouillen begann. Die Ranger kontrollierten Nahrungsbäume, suchten nach Spuren von Wildtieren und überprüften Bereiche, die häufig von ausgewilderten Orang-Utans besucht werden. Nichts deutete darauf hin, dass dieser Tag anders verlaufen würde als viele zuvor. Bis plötzlich zwischen den Ästen, nahe dem Ufer des Bemban-Flusses, eine vertraute Silhouette auftauchte. Vorsichtig näherte sich unser Team und war sich schnell einig: Es ist Otan!
Otan im Regenwald: Viele unterschiedliche Nahrungsquellen zu kennen, ist überlebenswichtig
Der junge Oran-Utan-Mann pflückte in aller Ruhe die Früchte eines Sangkuangs (Dracontomelon dao) und ließ sich nicht von den Menschen stören, die in ausreichender Entfernung ihren Beobachtungsposten eingenommen hatten.
Je länger unser PRM-Team Otan beobachtete, desto deutlicher wurde, wie sehr er sich seit seiner Auswilderung verändert hatte. Nicht nur war Otan ganz offensichtlich gesund und in bester Verfassung, er bewegte sich auch selbstsicher und kraftvoll durch den Wald und nutzte dabei unterschiedlichste Nahrungsquellen. Neben Sangkuang fraß er Früchte von verschiedenen Feigenbaumarten, von Clusiaceae-Arten und Annonengewächsen sowie weitere Pflanzenteile wie Orchideen, Baumrinde und junge Rattansprossen.
Wie Otan nach seiner Auswilderung im Regenwald lebt
In den ersten Monaten nach seiner Freilassung hatte Otan den Großteil seiner Zeit hoch oben in den Bäumen verbracht, wo er für unsere PRM-Teams nur schwer zu beobachten war. Nur über seinen implantierten Peilsender konnte er lokalisiert werden. Doch bei diesem Zusammentreffen wirkte er weitaus dynamischer: Er wechselte immer wieder zwischen den verschiedenen Ebenen des Waldes. Mal stieg er auf den Boden hinab, kletterte entschlossen über Sträucher und umgestürzte Baumstämme. Mal schwang er sich kraftvoll durch das Geäst der Baumriesen.
Otan – wild und frei im Nationalpark
Im Laufe des Tages legte er rund 1.200 Meter zurück. Für Menschen mag das keine außergewöhnliche Strecke sein. Für unser PRM-Team jedoch erzählt sie, zusammen mit den Beobachtungen des Tages, eine wichtige Geschichte: Die eines Orang-Utans, der seinen Lebensraum kennt und sich darin sicher und zielgerichtet bewegt.
Post-Release Monitoring: So begleitet BOS ausgewilderte Orang-Utans
Damit war die Sichtung Otans nach den vielen Wochen, in denen er abgetaucht war, eine wichtige und wertvolle Bestätigung: Otan ist gut in seinem neuen Lebensraum angekommen! Als sich der Tag dem Ende näherte und das Licht unter dem Blätterdach langsam schwächer wurde, kam auch Otan langsam zur Ruhe. Schließlich begann er, hoch oben in einem Baum Äste und Blätter zu verweben. Routine für einen wilden Orang-Utan – er baut sein Schlafnest für die Nacht.
Warum diese Beobachtung für den Orang-Utan-Schutz wichtig ist
Für unser PRM-Team endete damit ein besonders erfolgreicher Tag. Denn beim Post-Release Monitoring geht es nicht darum, einen Orang-Utan wiederzusehen. Es geht darum, sich durch Beobachtung davon zu überzeugen, dass der von BOS gerettete Orang-Utan während seiner Rehabilitation tatsächlich alle Fähigkeiten entwickelt hat, die er für ein selbständiges Leben braucht. Dass er nach seiner Auswilderung das freie und wilde Leben führt, für das er einst geboren wurde. An diesem Tag am Bemban-Fluss lieferte Otan dafür einen eindrucksvollen Beweis.
Unser Post-Release Monitoring (PRM) Team konnte Orang-Utan-Mutter Manggo mit ihrem Nachwuchs Melki drei Tage im Schutzwald Bukit Batikap beobachten. Was auf den ersten Blick nach Alltag aussieht, gibt den Orang-Utan-Experten tiefe Einblicke in das soziale Lernen der Waldmenschen – und wertvolles Wissen für die künftige Rehabilitation, Auswilderung und Schutzarbeit.
Oft erzählt der Regenwald von Borneo seine Geschichten ganz leise. Man muss genau hinschauen und hinhören. Etwa wenn eine Orang-Utan-Mutter nahezu unsichtbar in den Baumkronen sitzt, mit leisem Rascheln eine Frucht pflückt, von jungen Blättern nascht oder Termiten aus einem morschen Baumstamm sammelt. Dazwischen immer wieder ruhig und sicher von Ast zu Ast klettert. Und dabei ganz dicht von ihrem Jungtier begleitet wird, das jede Bewegung beobachtet. Im Schutzwald Bukit Batikap in Zentral-Kalimantan auf Borneo hat unser PRM-Team drei Tage lang eine solche Geschichte beobachtet: die von Manggo und ihrem Kind Melki.
Warum das Monitoring ausgewilderter Orang-Utans so wichtig ist
Als das PRM-Team die beiden während einer Monitoring-Patrouille entdeckte, saßen sie auf einem Sangkuang-Baum (Dracontomelon dao) und futterten Früchte. Das Jungtier Melki wurde erstmals 2019 von unserem Team gesichtet und ist inzwischen rund sieben Jahre alt. Mama Manggo lebt seit mittlerweile 13 Jahren wild und frei im Regenwald von Bukit Batikap. Sie wurde im Februar 2013 gemeinsam mit ihrer Mutter Markisa der jüngeren Schwester Uli ausgewildert.
Stark und frei: Orang-Utan Manggo lebt seit 2013 im Bukit Batikap Wald
Manggos Start ins Leben war alles andere als gewöhnlich: Obwohl sie ihre ersten Lebensjahre bei BOS verbrachte, hatte sie das große Glück, gemeinsam mit ihrer Mutter aufwachsen zu können. Denn Manggo wurde auf einer der Vorauswilderungsinseln geboren. Von Mutter Markisa lernte sie, sicher zu klettern, Schlafnester zu bauen und essbare Früchte und Blätter im Regenwald zu erkennen.
Vom Rettungszentrum in die Freiheit: Manggos Weg zurück in den Regenwald
Schon vor ihrer Auswilderung fiel Manggo dem BOS-Team als neugierig, aktiv und wissbegierig auf. Jeden Tag erkundete sie den Wald aufs Neue. Sie galt als wenig dominant und äußerst anpassungsfähig. Ein Orang-Utan, der Situationen gut einschätzen kann. Heute bekommen diese Eigenschaften eine neue Bedeutung: Manggo gibt ihr Wissen als Mutter an Melki weiter. In den drei Tagen der Beobachtung bewies die Orang-Utan-Dame dem PRM-Team, dass sie ganz genau weiß, was sie tut — wie sicher sie sich im Wald bewegt, Nahrung findet und ihr Jungtier anleitet.
Was junge Orang-Utans von ihren Müttern lernen
Die erste Beobachtung der BOS-Ranger begann um die Mittagszeit. Manggo und Melki saßen im Sangkuang-Baum und futterten genüsslich dessen Früchte. Das PRM-Team konnte die Beobachtung bis zum Einbruch der Dunkelheit fortsetzen, als sich die beiden ein Schlafnest für die Nacht bauten. Der Tag der beiden Orang-Utans war vor allem von der Nahrungssuche bestimmt. Melki blieb dabei immer dicht bei der Mutter und imitierte ihr Fressverhalten.
Melki ist heute etwa sieben Jahre alt – fast schon bereit für ein eigenständiges Leben
Am zweiten und dritten Tag begleitete das Team Manggo und Melki vom Verlassen des Morgennestes bis zum Bau des neuen Nachtquartiers. Der wissenschaftliche Begriff dafür ist die Nest-zu-Nest-Methode.
Wieder dominierte das Fressen den Tagesablauf. Manggo suchte und fraß Sangkuang-Früchte, Hampaning-Früchte, Umbut (junge Palmtriebe), junge Lunuk-Blätter und Termiten. Wieder bewegte sich Melki an der Seite ihrer Mutter. So zeigte sich drei Tage lang ein ruhiges, stetiges Bild: eine Mutter, die ihren Alltag im Wald meistert, und ein Jungtier, das Schritt für Schritt begreift, wie dieser Alltag funktioniert.
Manggo bedient sich am Regenwaldbuffet. Der Speiseplan freilebender Orang-Utans ist äußerst vielseitig
Dabei bewiesen die beiden, wie vielfältig der Speiseplan eines Orang-Utans im Regenwald sein kann. Für die Rehabilitation eines geretteten Orang-Utans sind diese Kenntnisse einer der Indikatoren, ob der Primat bereit ist für die Auswilderung. Manggo hat diese Kenntnisse zwar direkt von ihrer Mutter erlernt, diese jedoch war selbst erst als Vierjährige aus illegaler Haustierhaltung gerettet worden. In der BOS-Waldschule wurde sie während zahlreicher Lektionen auf ihr Leben als wilder, freier Orang-Utan vorbereitet.
Nahrungssuche als Überlebenstraining für junge Orang-Utans
Beobachtungen wie diese sind für das Monitoring nach einer Orang-Utan-Auswilderung besonders wertvoll: Sie zeigen nicht nur, wo sich einzelne Tiere aufhalten. Sie geben darüber hinaus wichtige Hinweise auf Aktivitätsmuster, Ernährung, Gesundheitszustand und darauf, wie gut der rehabilitierte Orang-Utan an seinen Lebensraum angepasst ist. Bei Mutter-Kind-Paaren kommt ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu: das soziale Lernen der nächsten Generation.
Was Orang-Utan-Mütter vormachen, ……ist für ihren Nachwuchs die wichtigste Lebensschule
Drei Tage mit Manggo und Melki zeigen deshalb mehr als einen Ausschnitt aus dem Leben zweier freilebender Orang-Utans im Regenwald von Borneo. Sie zeigen, warum Orang-Utan-Rettung, Rehabilitation, Auswilderung, Monitoring und Waldschutz zusammengehören. Nur wenn ihr Lebensraum geschützt bleibt, kann die Geschichte von Manggo und Melki weitergehen – von einer Orang-Utan-Generation zur nächsten.
Während einer routinemäßigen Patrouille im Bukit Baka Bukit Raya Nationalpark hatte unser Post-Release Monitoring (PRM) Team die seltene Gelegenheit, eine auffällige Vogelart zu beobachten: den Rotbartspint (Nyctyornis amictus). Ihre Entdeckung ist ein erneuter Beweis für die reiche Biodiversität der Wälder Kalimantans. Selbst alltägliche Routinegänge können Momente des Staunens mit sich bringen!
Eine farbenprächtige, auffällige Vogelart
Der Rotbartspint ist ein mittelgroßer Vogel aus der Familie der Bienenfresser (Meropidae). Er ist an seinem leuchtend bunten Gefieder zu erkennen: ein überwiegend grüner Körper, eine leuchtend rote Kehle und ein roter „Bart“, der sich über die Brust erstreckt, sowie ein kräftiger, leicht gebogener Schnabel, der an das Fangen von Insekten angepasst ist. Der Schwanz ist relativ lang, wobei die mittleren Schwanzfedern über die anderen hinausragen – ein typisches Merkmal vieler Bienenfresser. Dieses farbenprächtige Erscheinungsbild macht den Rotbartspint zu einer der auffälligsten Arten in den Wäldern Südostasiens.
Dichte Tiefland- und Hügelwälder sind der Lebensraum des Vogels, wobei er dort Gebiete mit hohen Bäumen sowie auch offenen Bereichen für die Jagd bevorzugt. Verbreitet ist diese Art nur in einigen Teilen Südostasiens, darunter die Malaiische Halbinsel sowie die Inseln Sumatra und Borneo. In Kalimantan wird er gelegentlich in geschützten Waldgebieten wie dem Bukit Baka Bukit Raya Nationalpark angetroffen, wie jetzt durch unser PRM-Team.
Orang-Utan-Schutz ist Regenwaldschutz ist Artenschutz
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft den Rotbartspint derzeit als „nicht gefährdet“ ein. Doch obwohl er global nicht als bedroht gilt, ist auch seine Population durch den Verlust von Lebensraum betroffen, verursacht durch Abholzung, Landumwandlung und Holzeinschlag. Der Schutz von Waldökosystemen wie des Bukit Baka Bukit Raya Nationalparks – einer unserer Auswilderungswälder – ist daher ausgesprochen wichtig, um auch das Überleben des Rotbartspints und all der anderen waldabhängigen Arten zu sichern.
Farbenpracht im Regenwald Borneos: der Rotbartspint
Ganz seinem Familiennamen entsprechend ernährt sich der Rotbartspint hauptsächlich von fliegenden Insekten, insbesondere Bienen, Wespen und Libellen. Er jagt, indem er bewegungslos auf einem Ast sitzt und auf vorbeifliegende Insekten wartet. Blitzschnell schnappt er sich diese dann im Flug und kehrt danach zu seinem Ansitz zurück, um die Beute zu verzehren.
Zur Fortpflanzung brütet diese Art in Tunneln, die in sandige Böschungen oder Erdwälle gegraben werden. Das Weibchen legt ein kleines Gelege, und beide Eltern beteiligen sich an der Bebrütung und Aufzucht der Jungen. Aufgrund ihres versteckten Brutverhaltens gelingt die Beobachtung ihres Fortpflanzungszyklus in freier Wildbahn nur selten.
Eine Erinnerung an den Reichtum der Natur
Dass es unserem PRM-Team gelungen ist, den Vogel zu entdecken und zu beobachten, erinnert an die außergewöhnliche Biodiversität in den Wäldern Kalimantans und unterstreicht die Bedeutung des Schutzes natürlicher Lebensräume. Wir tragen unseren Teil dazu bei, diese wichtigen Ökosysteme zu schützen und sicherzustellen, dass diese Wälder auch in Zukunft so voller Leben bleiben.
Zwei Jahre ist es her, dass Cici im Bukit Batikap Schutzwald ausgewildert wurde. Und weitere zehn Jahre seit ihrem Umzug von Ost- nach Zentral-Kalimantan. Jetzt haben unsere Ranger die Orang-Utan-Dame bei einer Patrouille im Wald wiedergetroffen. Und eine schöne Entdeckung gemacht.
Am 8. Januar 2003 wurde Cici zum zweiten Mal das Leben geschenkt: Es ist der Tag ihrer Ankunft im BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari. Und im November 2023 wurde sie – aus dem BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng – im Schutzwald Bukit Batikap ausgewildert. Ein ganz schön langer Lebensweg, der keineswegs geradeaus führte, liegt bereits hinter Cici. Umso glücklicher waren unsere Ranger, als sie die Orang-Utan-Dame kürzlich bei bester Gesundheit in Bukit Batikap antrafen und beobachten durften.
Cici lebt seit ihrer Auswilderung im November 2023 im Bukit Batikap Schutzwald
Orang-Utan-Dame Cicis Freiheit kam in Etappen
Nach ihrer Rettung als etwa drei- bis vierjähriges Orang-Utan-Mädchen vor 22 Jahren durchlief Cici erfolgreich und recht schnell die Waldschule von Samboja Lestari, bewies sich auf der Vorauswilderungsinsel und sollte eigentlich schon im Oktober 2013 ausgewildert werden. Bei den gründlichen medizinischen Tests, die alle unsere Schützlinge vor ihrem großen Tag durchlaufen, machten die Tierärzte jedoch eine Entdeckung, die alles verändern sollte: Cicis Heimat war nicht in Ost-Kalimantan, wohin die Auswilderung geplant war. Sie gehörte einer in Zentral-Kalimantan heimischen Subspezies an (Pongo pygmaeus wurmbii).
Eine schwere Entscheidung
So mussten wir Cicis Auswilderung verschieben. In Übereinstimmung mit nationalen und internationalen Standards der Weltnaturschutzunion (IUCN) hat das BOS-Team entschieden, dass Cici dorthin gebracht wurde, wohin sie eigentlich gehörte. Und so reiste die damals 14-Jährige in der Transportkiste, die sie in den Regenwald bringen sollte, in unser Rettungszentrum Nyaru Menteng. Dort sollte es weitere zehn Jahre dauern – auch bedingt durch die Einschränkungen der Pandemie – bis Cici ihre nächste Chance auf die Freiheit bekam.
Doch nicht alle Verzögerungen enden mit Bedauern! Was zunächst wie ein schwerer Rückschlag erschien, war rückblickend die genau richtige Entscheidung. Während ihres Aufenthaltes in Nyaru Menteng war das jedoch nicht immer offensichtlich.
Cici musste viel Geduld beweisen, bis wir ihr die Freiheit schenken konnten
Cici erlangte in Nyaru Menteng schnell Bekanntheit für ihre starke und oft aggressive Persönlichkeit. Tierpfleger und das Veterinärteam mussten in ihrer Gegenwart stets wachsam sein. Doch ihr wildes Auftreten war schlicht und einfach der Ausdruck ihres unglaublichen Überlebenswillens. Und genau dieser Instinkt half ihr später, in der Wildnis zu zurechtzukommen.
Der Tag der Auswilderung: endlich in Freiheit
Im November 2023 war es dann wirklich und wahrhaftig soweit. Die Tür von Cicis Transportbox öffnete sich im Bukit Batikap-Schutzwald und sie schoss blitzschnell heraus. Direkt kletterte sie auf einen nahegelegenen Baum und verschwand im Blätterdach des Waldes. Doch Cici wäre nicht Cici, wenn sie unserem Team nicht einen letzten Denkzettel mitgegeben hätte.
Als sich die Luke der Auswilderungsbox öffnete, hatte Cici es sehr eilig
Zehn Minuten nach ihrem Verschwinden stürmte die 24-jährige Orang-Utan-Dame auf unser Post-Release Monitoring (PRM) Team zu, das die neuen Wilden aus gebührender Entfernung beobachtete. Und so erlebte unser PRM-Team einen intensiven und herausfordernden ersten Tag der Nachbeobachtung.
Ein derart aggressives Verhalten ist nicht ungewöhnlich
Viele Orang-Utans reagieren nach langen Transportwegen gestresst, was zu defensiven oder aggressiven Reaktionen führen kann. Und so blieb unser erfahrenes PRM-Team ruhig und geduldig, hielt so gut wie möglich Abstand zu den frisch ausgewilderten Primaten und wartete ab, bis sie sich beruhigt und an die neue Umgebung gewöhnt hatten.
Zwei Jahre später: Cici ist ruhig und selbstbewusst
Vor kurzem, ganze zwei Jahre nach ihrer Auswilderung, trafen unsere Ranger Cici in der Nähe des Flusses Joloi wieder. Das Orang-Utan-Weibchen wirkte während der Beobachtung ruhig und selbstbewusst. Die meiste Zeit verbrachte sie damit, den Wald zu erkunden. Ganz ohne Anzeichen von Aggression, die sie bei der letzten Begegnung an den Tag gelegt hatte. Zufrieden bewegte sie sich durch ihren natürlichen Lebensraum, an den sie sich ganz offensichtlich bestens angepasst hatte.
Das Warten auf die Auswilderung hat sich gelohnt
Unsere Ranger konnten nach der Beobachtung berichten, dass Cici in ihrem neuen Lebensraum förmlich aufgeblüht ist. Die Orang-Utan-Dame war gesund, kräftig und wirkte völlig sicher, während sie sich durch den Wald bewegte. Damit ist ihre Geschichte ein wunderbarer Beweis dafür, dass Geduld und manchmal auch schwere Entscheidungen zu nachhaltigen Ergebnissen im Artenschutz führen.
Jedes Jahr am 5. November feiert Indonesien Hari Cinta Puspa dan Satwa Nasional – den Nationalen Tag der Liebe zu Flora und Fauna. Und dieser Tag ist mehr als ein bloßer Feiertag: Er erinnert uns an unsere gemeinsame Verantwortung, Indonesiens außergewöhnliche biologische Vielfalt zu bewahren. Wie erfolgreicher Artenschutz aussehen kann, erzählt uns die Geschichte von Orang-Utan-Mutter Inung.
Die Orang-Utan-Dame Inung lebt seit zwölf Jahren im Schutzwald Bukit Batikap in Zentral-Kalimantan, nachdem sie im BOS-Rettungszentrum die Waldschule durchlaufen und sich auf der Vorauswilderungsinsel behauptet hatte. Sie ist der lebende Beweis dafür, dass der Schutz der Biodiversität Indonesiens nicht nur aus Hoffnung besteht, sondern tatsächlich gelingen kann.
Von der Rehabilitation in die Wildnis
Die heute 27-jährige Orang-Utan-Dame wurde 2013 zusammen mit ihren beiden Töchtern Indah und Ina in die Wildnis entlassen. Seit ihrer Auswilderung hat sie sich bemerkenswert gut an das Leben im Wald angepasst. Bis heute (Stand 2025) hat sie bereits vier Jungtiere aufgezogen – ein wunderbarer Beweis für ihre Resilienz und für die Wirksamkeit strukturierter Rehabilitationsprogramme, wie sie in den BOS-Rettungszentren praktiziert werden.
Inung und ihre erste Tochter Indah auf der Vorauswilderungsinsel
Denn wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Fähigkeit von Orang-Utans, nach einer Freilassung in der Wildnis zu überleben, stark von ihrer individuellen Lebensgeschichte und den Lernerfahrungen während der Rehabilitation abhängt.
Inung und ihre zweite Tochter Ina
Aktuell wird Inung von ihren beiden jüngsten Kindern, Indie und Indro, auf ihren Streifzügen durch den Regenwald Bukit Batikap begleitet. Dabei kreuzen ihre Wege immer wieder das Totat Jalu Monitoring Camp, wo das Post-Release-Monitoring (PRM) Team die Entwicklung der von BOS ausgewilderten Orang-Utans beobachtet und dokumentiert.
Begegnungen mit Inung im Jahr 2025
Drei Mal konnten die Forscher und Naturschützer die Orang-Utan-Dame und ihren Nachwuchs im Jahr 2025 beobachten:
März 2025: Inung wurde mit Indie und Indro in der Nähe des Totat Jalu Monitoring Camps gesichtet. Sie begann ihren Tag mit dem Genuss von Maniokwurzeln, die nahe dem Camp gepflanzt wurden, und setzte ihr Frühstück an ihrem bevorzugten Guavenbaum fort. Während der ganzen Zeit blieben Mutter und Kinder zusammen, fraßen gemeinsam und erkundeten die Umgebung.
Inung mit Indie und dem kleinen Indro
Mai 2025: Bei ihrer zweiten Begegnung konnten das PRM-Team erneut das Fressverhalten der Orang-Utan-Dame und ihres Nachwuchses beobachten: Dieses Mal wählte sie Bambus und Lunuk-Früchte als Mahlzeit. Am Abend baute Inung sich kein neues Schlafnest, sondern reparierte ein altes. Dieser schonende Umgang mit den vorhandenen Ressourcen ist typisch für Orang-Utans: Oft entwickeln sie kreative Strategien, um Materialien effizient zu nutzen und dabei ihren eigenen Energieverbrauch zu minimieren.
Juli 2025: Bei der bislang letzten Begegnung in diesem Jahr beobachtete das PRM-Team, wie Inung lange in einem Sterculia-Baum ruhte, bevor sie ein neues Nest in einem Feigenbaum baute. Indie, ihre heranwachsende Tochter, zeigte dabei Zeichen von Unabhängigkeit: Sie konstruierte ihr eigenes Schlafnest und experimentierte spielerisch mit Ästen.
Zwei Kinder zu versorgen bedeutet eine große Herausforderung für Orang-Utan-Mutter Inung
Alle drei Beobachtungen beweisen, wie Inung ihren Nachkommen wichtige Überlebensfähigkeiten vermittelt, die diese für ihr Leben im Regenwald brauchen. Und das trotz der großen Herausforderung, zwei Kinder gleichzeitig zu versorgen.
Lernen durch Beobachtung: Inung mit ihrem Nachwuchs
Forschungsergebnisse bestätigen: Das Erlernen von Nahrungssuche und Nestbau ist für junge Orang-Utans unerlässlich, um erfolgreich selbstständig in der Wildnis leben zu können. Inung und ihre Kinder liefern dafür anschauliche Beweise.
Inung ist ein Symbol für nachhaltigen Naturschutz
Inungs Geschichte geht weit über ihr individuelles Überleben hinaus. Sie steht stellvertretend für den Erfolg von Wiederansiedlungsprogrammen für Orang-Utans. Artenschützer betonen, dass die langfristige Überlebensrate in der Wildnis der wahre Maßstab für den Erfolg solcher Programme ist. Dass Inung mittlerweile vier Nachkommen in Freiheit großgezogen hat, zeigt, dass rehabilitierte Orang-Utans nachhaltige Generationen aufbauen können. Indies wachsende Selbstständigkeit und Indros fortgesetztes Lernen unter der Obhut der Mutter verdeutlichen die langfristigen Auswirkungen einer gelungenen Rehabilitation.
Ein Symbol der Hoffnung: die in Freiheit geborene Indie in einem Schlafnest
Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft sind die Schlüsselqualitäten, die darüber entscheiden, ob rehabilitierte Orang-Utans dauerhaft in der Wildnis bestehen. Inung verkörpert beide Eigenschaften und gibt sie an ihre Kinder weiter. Damit ist sie ein lebender Beweis dafür, dass menschliche Fürsorge und strukturierte Vorbereitung Früchte tragen können.
Wir feiern den Nationalen Tag der Liebe zu Flora und Fauna 2025
Inungs Weg verkörpert den Geist des Hari Cinta Puspa dan Satwa Nasional: Der Feiertag ist nicht nur ein Symbol, sondern ein Aufruf an uns alle zu Handeln. Indonesiens Flora und Fauna – darunter auch die stark gefährdeten Orang-Utans – brauchen unseren Schutz!
Unser Einsatz für bedrohte Arten lohnt sich
Und Inungs Geschichte zeigt uns: Unser Einsatz für die Rettung gefährdeter Arten und für den Schutz ihres Lebensraumes bringt echte Erfolge.
Lassen Sie uns die Geschichte von Inung und ihrer Familie als Appell verstehen: Wenn die Liebe zur Natur Teil unseres Alltags wird, können wir echten Natur- und Artenschutz bewirken. Unser Engagement, unsere Fürsorge und unser gesammeltes Wissen ermöglichen nachhaltige Erfolge für die Erhaltung der Artenvielfalt Indonesiens. Jede Spende hilft!
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