Während einer routinemäßigen Patrouille im Bukit Baka Bukit Raya Nationalpark hatte unser Post-Release Monitoring (PRM) Team die seltene Gelegenheit, eine auffällige Vogelart zu beobachten: den Rotbartspint (Nyctyornis amictus). Ihre Entdeckung ist ein erneuter Beweis für die reiche Biodiversität der Wälder Kalimantans. Selbst alltägliche Routinegänge können Momente des Staunens mit sich bringen!
Eine farbenprächtige, auffällige Vogelart
Der Rotbartspint ist ein mittelgroßer Vogel aus der Familie der Bienenfresser (Meropidae). Er ist an seinem leuchtend bunten Gefieder zu erkennen: ein überwiegend grüner Körper, eine leuchtend rote Kehle und ein roter „Bart“, der sich über die Brust erstreckt, sowie ein kräftiger, leicht gebogener Schnabel, der an das Fangen von Insekten angepasst ist. Der Schwanz ist relativ lang, wobei die mittleren Schwanzfedern über die anderen hinausragen – ein typisches Merkmal vieler Bienenfresser. Dieses farbenprächtige Erscheinungsbild macht den Rotbartspint zu einer der auffälligsten Arten in den Wäldern Südostasiens.
Dichte Tiefland- und Hügelwälder sind der Lebensraum des Vogels, wobei er dort Gebiete mit hohen Bäumen sowie auch offenen Bereichen für die Jagd bevorzugt. Verbreitet ist diese Art nur in einigen Teilen Südostasiens, darunter die Malaiische Halbinsel sowie die Inseln Sumatra und Borneo. In Kalimantan wird er gelegentlich in geschützten Waldgebieten wie dem Bukit Baka Bukit Raya Nationalpark angetroffen, wie jetzt durch unser PRM-Team.
Orang-Utan-Schutz ist Regenwaldschutz ist Artenschutz
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft den Rotbartspint derzeit als „nicht gefährdet“ ein. Doch obwohl er global nicht als bedroht gilt, ist auch seine Population durch den Verlust von Lebensraum betroffen, verursacht durch Abholzung, Landumwandlung und Holzeinschlag. Der Schutz von Waldökosystemen wie des Bukit Baka Bukit Raya Nationalparks – einer unserer Auswilderungswälder – ist daher ausgesprochen wichtig, um auch das Überleben des Rotbartspints und all der anderen waldabhängigen Arten zu sichern.
Farbenpracht im Regenwald Borneos: der Rotbartspint
Ganz seinem Familiennamen entsprechend ernährt sich der Rotbartspint hauptsächlich von fliegenden Insekten, insbesondere Bienen, Wespen und Libellen. Er jagt, indem er bewegungslos auf einem Ast sitzt und auf vorbeifliegende Insekten wartet. Blitzschnell schnappt er sich diese dann im Flug und kehrt danach zu seinem Ansitz zurück, um die Beute zu verzehren.
Zur Fortpflanzung brütet diese Art in Tunneln, die in sandige Böschungen oder Erdwälle gegraben werden. Das Weibchen legt ein kleines Gelege, und beide Eltern beteiligen sich an der Bebrütung und Aufzucht der Jungen. Aufgrund ihres versteckten Brutverhaltens gelingt die Beobachtung ihres Fortpflanzungszyklus in freier Wildbahn nur selten.
Eine Erinnerung an den Reichtum der Natur
Dass es unserem PRM-Team gelungen ist, den Vogel zu entdecken und zu beobachten, erinnert an die außergewöhnliche Biodiversität in den Wäldern Kalimantans und unterstreicht die Bedeutung des Schutzes natürlicher Lebensräume. Wir tragen unseren Teil dazu bei, diese wichtigen Ökosysteme zu schützen und sicherzustellen, dass diese Wälder auch in Zukunft so voller Leben bleiben.
Zwei Jahre ist es her, dass Cici im Bukit Batikap Schutzwald ausgewildert wurde. Und weitere zehn Jahre seit ihrem Umzug von Ost- nach Zentral-Kalimantan. Jetzt haben unsere Ranger die Orang-Utan-Dame bei einer Patrouille im Wald wiedergetroffen. Und eine schöne Entdeckung gemacht.
Am 8. Januar 2003 wurde Cici zum zweiten Mal das Leben geschenkt: Es ist der Tag ihrer Ankunft im BOS-Rettungszentrum Samboja Lestari. Und im November 2023 wurde sie – aus dem BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng – im Schutzwald Bukit Batikap ausgewildert. Ein ganz schön langer Lebensweg, der keineswegs geradeaus führte, liegt bereits hinter Cici. Umso glücklicher waren unsere Ranger, als sie die Orang-Utan-Dame kürzlich bei bester Gesundheit in Bukit Batikap antrafen und beobachten durften.
Cici lebt seit ihrer Auswilderung im November 2023 im Bukit Batikap Schutzwald
Orang-Utan-Dame Cicis Freiheit kam in Etappen
Nach ihrer Rettung als etwa drei- bis vierjähriges Orang-Utan-Mädchen vor 22 Jahren durchlief Cici erfolgreich und recht schnell die Waldschule von Samboja Lestari, bewies sich auf der Vorauswilderungsinsel und sollte eigentlich schon im Oktober 2013 ausgewildert werden. Bei den gründlichen medizinischen Tests, die alle unsere Schützlinge vor ihrem großen Tag durchlaufen, machten die Tierärzte jedoch eine Entdeckung, die alles verändern sollte: Cicis Heimat war nicht in Ost-Kalimantan, wohin die Auswilderung geplant war. Sie gehörte einer in Zentral-Kalimantan heimischen Subspezies an (Pongo pygmaeus wurmbii).
Eine schwere Entscheidung
So mussten wir Cicis Auswilderung verschieben. In Übereinstimmung mit nationalen und internationalen Standards der Weltnaturschutzunion (IUCN) hat das BOS-Team entschieden, dass Cici dorthin gebracht wurde, wohin sie eigentlich gehörte. Und so reiste die damals 14-Jährige in der Transportkiste, die sie in den Regenwald bringen sollte, in unser Rettungszentrum Nyaru Menteng. Dort sollte es weitere zehn Jahre dauern – auch bedingt durch die Einschränkungen der Pandemie – bis Cici ihre nächste Chance auf die Freiheit bekam.
Doch nicht alle Verzögerungen enden mit Bedauern! Was zunächst wie ein schwerer Rückschlag erschien, war rückblickend die genau richtige Entscheidung. Während ihres Aufenthaltes in Nyaru Menteng war das jedoch nicht immer offensichtlich.
Cici musste viel Geduld beweisen, bis wir ihr die Freiheit schenken konnten
Cici erlangte in Nyaru Menteng schnell Bekanntheit für ihre starke und oft aggressive Persönlichkeit. Tierpfleger und das Veterinärteam mussten in ihrer Gegenwart stets wachsam sein. Doch ihr wildes Auftreten war schlicht und einfach der Ausdruck ihres unglaublichen Überlebenswillens. Und genau dieser Instinkt half ihr später, in der Wildnis zu zurechtzukommen.
Der Tag der Auswilderung: endlich in Freiheit
Im November 2023 war es dann wirklich und wahrhaftig soweit. Die Tür von Cicis Transportbox öffnete sich im Bukit Batikap-Schutzwald und sie schoss blitzschnell heraus. Direkt kletterte sie auf einen nahegelegenen Baum und verschwand im Blätterdach des Waldes. Doch Cici wäre nicht Cici, wenn sie unserem Team nicht einen letzten Denkzettel mitgegeben hätte.
Als sich die Luke der Auswilderungsbox öffnete, hatte Cici es sehr eilig
Zehn Minuten nach ihrem Verschwinden stürmte die 24-jährige Orang-Utan-Dame auf unser Post-Release Monitoring (PRM) Team zu, das die neuen Wilden aus gebührender Entfernung beobachtete. Und so erlebte unser PRM-Team einen intensiven und herausfordernden ersten Tag der Nachbeobachtung.
Ein derart aggressives Verhalten ist nicht ungewöhnlich
Viele Orang-Utans reagieren nach langen Transportwegen gestresst, was zu defensiven oder aggressiven Reaktionen führen kann. Und so blieb unser erfahrenes PRM-Team ruhig und geduldig, hielt so gut wie möglich Abstand zu den frisch ausgewilderten Primaten und wartete ab, bis sie sich beruhigt und an die neue Umgebung gewöhnt hatten.
Zwei Jahre später: Cici ist ruhig und selbstbewusst
Vor kurzem, ganze zwei Jahre nach ihrer Auswilderung, trafen unsere Ranger Cici in der Nähe des Flusses Joloi wieder. Das Orang-Utan-Weibchen wirkte während der Beobachtung ruhig und selbstbewusst. Die meiste Zeit verbrachte sie damit, den Wald zu erkunden. Ganz ohne Anzeichen von Aggression, die sie bei der letzten Begegnung an den Tag gelegt hatte. Zufrieden bewegte sie sich durch ihren natürlichen Lebensraum, an den sie sich ganz offensichtlich bestens angepasst hatte.
Das Warten auf die Auswilderung hat sich gelohnt
Unsere Ranger konnten nach der Beobachtung berichten, dass Cici in ihrem neuen Lebensraum förmlich aufgeblüht ist. Die Orang-Utan-Dame war gesund, kräftig und wirkte völlig sicher, während sie sich durch den Wald bewegte. Damit ist ihre Geschichte ein wunderbarer Beweis dafür, dass Geduld und manchmal auch schwere Entscheidungen zu nachhaltigen Ergebnissen im Artenschutz führen.
Jedes Jahr am 5. November feiert Indonesien Hari Cinta Puspa dan Satwa Nasional – den Nationalen Tag der Liebe zu Flora und Fauna. Und dieser Tag ist mehr als ein bloßer Feiertag: Er erinnert uns an unsere gemeinsame Verantwortung, Indonesiens außergewöhnliche biologische Vielfalt zu bewahren. Wie erfolgreicher Artenschutz aussehen kann, erzählt uns die Geschichte von Orang-Utan-Mutter Inung.
Die Orang-Utan-Dame Inung lebt seit zwölf Jahren im Schutzwald Bukit Batikap in Zentral-Kalimantan, nachdem sie im BOS-Rettungszentrum die Waldschule durchlaufen und sich auf der Vorauswilderungsinsel behauptet hatte. Sie ist der lebende Beweis dafür, dass der Schutz der Biodiversität Indonesiens nicht nur aus Hoffnung besteht, sondern tatsächlich gelingen kann.
Von der Rehabilitation in die Wildnis
Die heute 27-jährige Orang-Utan-Dame wurde 2013 zusammen mit ihren beiden Töchtern Indah und Ina in die Wildnis entlassen. Seit ihrer Auswilderung hat sie sich bemerkenswert gut an das Leben im Wald angepasst. Bis heute (Stand 2025) hat sie bereits vier Jungtiere aufgezogen – ein wunderbarer Beweis für ihre Resilienz und für die Wirksamkeit strukturierter Rehabilitationsprogramme, wie sie in den BOS-Rettungszentren praktiziert werden.
Inung und ihre erste Tochter Indah auf der Vorauswilderungsinsel
Denn wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Fähigkeit von Orang-Utans, nach einer Freilassung in der Wildnis zu überleben, stark von ihrer individuellen Lebensgeschichte und den Lernerfahrungen während der Rehabilitation abhängt.
Inung und ihre zweite Tochter Ina
Aktuell wird Inung von ihren beiden jüngsten Kindern, Indie und Indro, auf ihren Streifzügen durch den Regenwald Bukit Batikap begleitet. Dabei kreuzen ihre Wege immer wieder das Totat Jalu Monitoring Camp, wo das Post-Release-Monitoring (PRM) Team die Entwicklung der von BOS ausgewilderten Orang-Utans beobachtet und dokumentiert.
Begegnungen mit Inung im Jahr 2025
Drei Mal konnten die Forscher und Naturschützer die Orang-Utan-Dame und ihren Nachwuchs im Jahr 2025 beobachten:
März 2025: Inung wurde mit Indie und Indro in der Nähe des Totat Jalu Monitoring Camps gesichtet. Sie begann ihren Tag mit dem Genuss von Maniokwurzeln, die nahe dem Camp gepflanzt wurden, und setzte ihr Frühstück an ihrem bevorzugten Guavenbaum fort. Während der ganzen Zeit blieben Mutter und Kinder zusammen, fraßen gemeinsam und erkundeten die Umgebung.
Inung mit Indie und dem kleinen Indro
Mai 2025: Bei ihrer zweiten Begegnung konnten das PRM-Team erneut das Fressverhalten der Orang-Utan-Dame und ihres Nachwuchses beobachten: Dieses Mal wählte sie Bambus und Lunuk-Früchte als Mahlzeit. Am Abend baute Inung sich kein neues Schlafnest, sondern reparierte ein altes. Dieser schonende Umgang mit den vorhandenen Ressourcen ist typisch für Orang-Utans: Oft entwickeln sie kreative Strategien, um Materialien effizient zu nutzen und dabei ihren eigenen Energieverbrauch zu minimieren.
Juli 2025: Bei der bislang letzten Begegnung in diesem Jahr beobachtete das PRM-Team, wie Inung lange in einem Sterculia-Baum ruhte, bevor sie ein neues Nest in einem Feigenbaum baute. Indie, ihre heranwachsende Tochter, zeigte dabei Zeichen von Unabhängigkeit: Sie konstruierte ihr eigenes Schlafnest und experimentierte spielerisch mit Ästen.
Zwei Kinder zu versorgen bedeutet eine große Herausforderung für Orang-Utan-Mutter Inung
Alle drei Beobachtungen beweisen, wie Inung ihren Nachkommen wichtige Überlebensfähigkeiten vermittelt, die diese für ihr Leben im Regenwald brauchen. Und das trotz der großen Herausforderung, zwei Kinder gleichzeitig zu versorgen.
Lernen durch Beobachtung: Inung mit ihrem Nachwuchs
Forschungsergebnisse bestätigen: Das Erlernen von Nahrungssuche und Nestbau ist für junge Orang-Utans unerlässlich, um erfolgreich selbstständig in der Wildnis leben zu können. Inung und ihre Kinder liefern dafür anschauliche Beweise.
Inung ist ein Symbol für nachhaltigen Naturschutz
Inungs Geschichte geht weit über ihr individuelles Überleben hinaus. Sie steht stellvertretend für den Erfolg von Wiederansiedlungsprogrammen für Orang-Utans. Artenschützer betonen, dass die langfristige Überlebensrate in der Wildnis der wahre Maßstab für den Erfolg solcher Programme ist. Dass Inung mittlerweile vier Nachkommen in Freiheit großgezogen hat, zeigt, dass rehabilitierte Orang-Utans nachhaltige Generationen aufbauen können. Indies wachsende Selbstständigkeit und Indros fortgesetztes Lernen unter der Obhut der Mutter verdeutlichen die langfristigen Auswirkungen einer gelungenen Rehabilitation.
Ein Symbol der Hoffnung: die in Freiheit geborene Indie in einem Schlafnest
Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft sind die Schlüsselqualitäten, die darüber entscheiden, ob rehabilitierte Orang-Utans dauerhaft in der Wildnis bestehen. Inung verkörpert beide Eigenschaften und gibt sie an ihre Kinder weiter. Damit ist sie ein lebender Beweis dafür, dass menschliche Fürsorge und strukturierte Vorbereitung Früchte tragen können.
Wir feiern den Nationalen Tag der Liebe zu Flora und Fauna 2025
Inungs Weg verkörpert den Geist des Hari Cinta Puspa dan Satwa Nasional: Der Feiertag ist nicht nur ein Symbol, sondern ein Aufruf an uns alle zu Handeln. Indonesiens Flora und Fauna – darunter auch die stark gefährdeten Orang-Utans – brauchen unseren Schutz!
Unser Einsatz für bedrohte Arten lohnt sich
Und Inungs Geschichte zeigt uns: Unser Einsatz für die Rettung gefährdeter Arten und für den Schutz ihres Lebensraumes bringt echte Erfolge.
Lassen Sie uns die Geschichte von Inung und ihrer Familie als Appell verstehen: Wenn die Liebe zur Natur Teil unseres Alltags wird, können wir echten Natur- und Artenschutz bewirken. Unser Engagement, unsere Fürsorge und unser gesammeltes Wissen ermöglichen nachhaltige Erfolge für die Erhaltung der Artenvielfalt Indonesiens. Jede Spende hilft!
Auf der Vorauswilderungsinsel Kaja Island in Zentral-Kalimantan lebt derzeit auch die 16 Jahre alte Orang-Utan-Dame Josie. Hier bereiten sich gerettete Orang-Utans in geschützter Umgebung auf ihre spätere Auswilderung vor. Josie galt lange als scheue und zurückgezogene Waldmenschen-Persönlichkeit. Sie zeigte sich nur selten und hielt Abstand zu anderen Orang-Utans. Doch seit sie vor etwas mehr als einem Jahr Mutter geworden ist, hat sich ihr Leben grundlegend verändert.
Aus der stillen Einzelgängerin wurde eine aufmerksame und liebevolle Mutter, die ihr Junges mit unerschütterlicher Fürsorge beschützt. Mit großer Hingabe kümmert sich Mama Josie um ihr Kleines, das sie stets im Blick behält und sorgsam beschützt.
Mama Josie trägt ihr Baby sicher durch die Baumwipfel der Insel Kaja
Früher kam Josie regelmäßig zur Futterplattform Kalawau, wo unsere Mitarbeiter zusätzliche Nahrung für die Inselbewohner bereitstellen. Doch seit sie Mutter ist, zeigt sie sich dort nur noch selten. Stattdessen zieht sie sich tief in den Wald zurück auf der Suche nach natürlicher Dschungelnahrung.
Lernen, was die Natur zu bieten hat
Aktuell ist Fruchtsaison auf Kaja Island. Und im Überfluss der reifen Waldfrüchte findet Josie alles, was sie und ihr Baby brauchen. Für Josie ist diese Zeit eine wertvolle Gelegenheit, ihrem Nachwuchs zu zeigen, welche Früchte im Regenwald essbar und nahrhaft sind. Ihr Baby beobachtet genau, was Mama pflückt und probiert. So lernt es spielerisch, sich eines Tages selbst zu versorgen. Und jede Mahlzeit wird zu einer Lektion für das Leben in Freiheit.
Neugier pur – das Baby lernt von der besten Lehrerin: seiner Mutter
Schutz und Vorsicht
Josie bleibt vorsichtig – nicht nur gegenüber Menschen, sondern auch gegenüber männlichen Orang-Utans. Denn diese versuchen häufig, Weibchen zur Paarung zu drängen. Das kann für eine Mutter mit Baby gefährlich sein. Deshalb hält sich Josie in abgelegenen, sicheren Bereichen der Insel auf – weit entfernt von potenziellen Bedrohungen.
Gut geschützt im Dickicht des Waldes
Auch unseren Mitarbeitern begegnet sie mit gesunder Skepsis. Wenn sie die Boote hört oder Menschen entdeckt, zieht sie sich zurück. Erst wenn wieder Ruhe eingekehrt ist, kommt sie vorsichtig zur Futterstelle, nimmt einige Früchte – und verschwindet dann wieder lautlos im Dickicht.
Ein stabiles Zuhause für Mutter und Kind
Momentan herrschen auf Kaja Island ideale Bedingungen: Es gibt reichlich Früchte, das Wasser steht weder zu hoch noch zu niedrig, und die Orang-Utans können sich frei auf der Insel bewegen. Josie nutzt diese Zeit, um ihr Baby weiter auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten.
Die Umgebung immer gut im Blick: Josie und ihr Baby
Ein starkes Mutterherz
Josies Reise als Mutter ist noch lange nicht zu Ende. Rund acht Jahre wird sie mit ihrem Nachwuchs zusammen sein. Doch sie meistert bisher jede Herausforderung mit Ruhe, Instinkt und Mut. Ihr Verhalten zeigt, wie feinfühlig und intelligent Orang-Utan-Mütter sind – und wie wichtig es ist, ihnen und ihren Kindern ein sicheres Umfeld zu bieten. Mit Geduld, Erfahrung und Fürsorge lehrt Mama Josie ihr Kind, eines Tages allein zu überleben – so unabhängig und kraftvoll wie sie selbst.
Wussten Sie schon, dass Orang-Utans die längste Kindheit aller Primaten nach dem Menschen haben? In der Wildnis bleiben Orang-Utan-Babys bis zum Alter von etwa sieben bis acht Jahren eng an ihre Mütter gebunden. In dieser langen Zeit bringt ein weiblicher Orang-Utan in der Regel kein weiteres Jungtier zur Welt, da all ihre Energie und Aufmerksamkeit der Pflege und Erziehung ihres Nachwuchses gewidmet ist. Doch auch hier bestätigt die Ausnahme die Regel: So hat das Orang-Utan-Weibchen Cindy , das bereits zwei gesunde Jungtiere zur Welt gebracht hat, ihr drittes Kind innerhalb von nur fünf Jahren geboren. Die lange Erziehungsphase ist entscheidend, damit Orang-Utan-Babys überlebenswichtige Fähigkeiten erlernen. Von der Nahrungssuche über das Erkunden der Umgebung bis hin zum Bau von Schlafnestern – Orang-Utan-Kinder beobachten ihre Mütter und lernen durch Nachahmung. Die Mutter dient zudem als wichtigster Schutz des Kindes vor äußeren Bedrohungen im Wald.
Rafalang: Ein junger Schüler in der Wildnis
Ein weiteres Beispiel unterstreicht diese Regel – die Orang-Utan-Mutter Signe und ihre beiden Söhne Bungaran und Rafalang . Zwischen den beiden liegen fast neun Jahre Altersunterschied. Rafalang, ihr zweiter Sohn, ist mittlerweile etwa drei Jahre alt. In diesem Alter klammert er sich noch eng an seine Mutter, beginnt aber bereits, ihr Verhalten nachzuahmen – besonders bei der Nahrungssuche.
Orang-Utan-Mutter Signe zeigt ihrem Baby, wie man die innere Rindenschicht eines Baumes erreicht
Unser Post-Monitoring-Team konnte dieses Verhalten direkt beobachten: Während einer Beobachtung fraß Signe Kambium, die innere Rindenschicht eines Baumes. Rafalang beobachtete sie aufmerksam aus ihren Armen heraus und begann kurz darauf, das Kambium vom selben Baumstamm zu lecken. Obwohl er noch nicht gelernt hat, selbst Rinde zu schälen, war dieser Versuch ein wichtiger Meilenstein in seiner Entwicklung.
Lernen durch Beobachtung und Nachahmung
Neben Ernährungsgewohnheiten lernt Rafalang auch, sich durch das Blätterdach des Waldes zu bewegen, indem er seine Mutter beobachtet. Als Signe eine Pause einlegte, um Baumrinde zu fressen, nutzte Rafalang die Gelegenheit, das Klettern zu üben, und löste sich sogar kurz aus ihrer Umarmung. Trotz seines jungen Alters zeigt er bereits vielversprechende Fähigkeiten.
Die Bindung zwischen Signe und Rafalang verdeutlicht, wie Orang-Utans durch natürliche Interaktion lernen. Rafalang wird nicht aktiv angeleitet, sondern eignet sich Fähigkeiten an, indem er das tägliche Verhalten seiner Mutter beobachtet und nachahmt. Dieser Lernprozess kommt ohne Druck, Befehle oder gezieltes Training aus – ein Beweis für die Kraft des Instinkts und die Bedeutung starker mütterlicher Bindungen für die Entwicklung junger Orang-Utans.
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Wildgeboren vs. rehabilitiert: Ein Verhaltensunterschied
Im Gegensatz zu Rafalang ist Signe ein rehabilitierter Orang-Utan, der früher in einer Rettungsstation lebte, bevor sie ausgewildert wurde. Aufgrund ihrer Vergangenheit sieht Signe Menschen nicht als Bedrohung. Begegnet sie im Wald Menschen, nähert sie sich oft ruhig, ohne Angst oder Aggression zu zeigen.
Rafalang hingegen ist Menschen gegenüber immer misstrauisch – ein typisches Verhalten für einen in freier Wildbahn geborenen Orang-Utan mit wenig menschlichem Kontakt. Nimmt er Menschen wahr, bleibt er dicht bei Signe oder versteckt sich hinter ihrem Rücken. Dies deutet auf einen gesunden Wildtierinstinkt hin, der für das Überleben in der Natur unerlässlich ist.
Lebensraum schützen heißt Orang-Utans schützen
Die Geschichte von Signe und Rafalang zeigt, wie wichtig natürliche Lebensräume für die Weitergabe von Wissen und Fähigkeiten sind. Solches Lernen kann nur in intakten, ungestörten Ökosystemen stattfinden. Während Rafalang langsam unabhängiger wird, erwirbt er täglich neue Fähigkeiten, die er zum Überleben im Kehje-Sewen-Wald braucht.
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