Daten sind das neue Gold – auch im Regenwald

Daten sind das neue Gold – auch im Regenwald

Lesan lebt seit 2012 im Auswil­de­rungs­wald von Kehje Sewen. Mitt­ler­weile hat sie zwei Orang-Utan-Kinder geboren und ihnen erfolg­reich das Über­leben im Wald beigebracht. Inzwi­schen sind knapp 13 Jahre seit ihrer Auswil­de­rung vergangen – und trotzdem trifft unser Post-Release-Moni­to­ring-Team (PRM) immer wieder auf die erfah­rene Mutter. Was hat das mit Orang-Utan-Forschung zu tun?


Dabei ist unseren Rangern etwas Span­nendes aufge­fallen: Lesan und ihre beiden Kinder verhalten sich gegen­über unseren Kollegen völlig unter­schied­lich. Während die Mutter gelassen wirkt und an die Anwe­sen­heit der Beob­achter gewöhnt zu sein scheint, reagiert ihre Tochter Ayu deut­lich defen­siver. Dies sind wert­volle Beob­ach­tungs­daten, die unser PRM-Team gewis­sen­haft sammelt. Der nächste Schritt ist die Daten­aus­wer­tung, um daraus Konse­quenzen für den Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess abzuleiten.


Seit 2025 werden unsere Kollegen vor Ort von drei Primaten-Forsche­rinnen unter­stützt. Mit der Grün­dung des Teams ‚Forschung und Tier­wohl‘ hat die BOS Foun­da­tion einen Meilen­stein gesetzt: Das Exper­ten­team begleitet nun regel­mäßig den Arbeits­alltag in den Rettungs­zen­tren und konnte bereits bedeu­tende Verbes­se­rungen im Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zess bewirken.


Daten sind das neue Gold


Ein Meilen­stein in der Forschung vor Ort: Das neue Etho­gramm. Mit diesem präzisen Analyse-Tool doku­men­tieren wir jeden Schritt unserer Wald­schüler auf dem Weg in die Frei­heit. Ob Fort­be­we­gung in den Baum­kronen, Nest­bau­technik oder Sozialgefüge.

Orang-Utans in der Waldschule


In einem nächsten Schritt werden Verhal­tens­pro­file erstellt, die regel­mäßig über­prüft werden. Diese spielen eine entschei­dende Rolle bei der Frage, ob ein Orang-Utan in die nächste Wald­schul­gruppe versetzt werden kann oder bereit für die Voraus­wil­de­rungs­insel ist. Je erfolg­rei­cher ein Schütz­ling die verschie­denen Kate­go­rien meis­tert, desto weiter rückt er auf der Warte­liste für die endgül­tige Auswil­de­rung nach oben.


Heraus­for­de­rung: Fort­be­we­gung am Boden


Die aktu­elle Studi­en­lage zeigt, dass reha­bi­li­tierte Tiere zwar gut in der Wildnis über­leben können, ihre Fähig­keiten jedoch selten ganz an die ihrer wild aufge­wach­senen Artge­nossen heran­rei­chen. Nehmen wir die Fort­be­we­gung als Beispiel: Wild­ge­bo­rene Orang-Utans nutzen viel­fäl­tige Bewe­gungs­ab­läufe. Sie schwingen, bilden Brücken von Baum zu Baum, hangeln, steigen und klet­tern. Vor allem halten sie sich fast nie auf dem Wald­boden auf.
Reha­bi­li­tierte Orang-Utans hingegen verweilen häufiger am Boden. Es ist daher essen­ziell, unsere Schüler zu moti­vieren, sich artge­recht hoch oben in den Kronen fort­zu­be­wegen. Das Forschungs­team entwi­ckelte hierfür die Idee eines „Klet­ter­pfads“ auf dem Weg zur Wald­schule. Da sich die neue Wald­schule gerade im Bau befand, hieß es: „Sky is the limit“. Inzwi­schen führt ein Hangel­pfad direkt zum Schul­ge­lände. So werden die Wald­schüler schon vor Unter­richts­be­ginn animiert, sich „wie die Großen“ zu bewegen. Auch die Fütte­rungs­platt­formen wurden höher gebaut, um den Waisen­kin­dern zu zeigen, dass sich ihr Leben hoch über dem Wald­boden abspielt.

Orang-Utans auf dem Weg in die Waldschule
Auf dem Klet­terweg unter­wegs zur Waldschule


Wie kleine Schritte in Orang-Utan-Forschung Großes bewirken


Die wissen­schaft­liche Beglei­tung spie­gelt sich auch in den soge­nannten „Enrich­ments“ (Lehr­ma­te­ria­lien) wider. Diese sind entschei­dend, um die Schütz­linge auf die Selbst­stän­dig­keit vorzu­be­reiten. Wilde Orang-Utans nutzen eine Viel­zahl an Tech­niken und Werk­zeugen zur Nahrungs­suche oder für den Nestbau.

Wussten Sie, dass wilde Orang-Utans jeden Tag einen oder sogar mehrere neue Schlaf­plätze bauen? Diese Nester sind oft deut­lich komplexer und fili­graner als die von reha­bi­li­tierten Tieren. Um die Finger­fer­tig­keit der Schütz­linge zu fördern, wurden spezi­elle Bausätze entwi­ckelt. Diese bestehen aus einem Metall­rahmen mit Ösen sowie sepa­raten Schläu­chen, Seilen, Ästen und Zweigen. Die Orang-Utans lernen so, Mate­ria­lien, um das Gestell zu wickeln und ein stabiles Nest zu konstru­ieren. Diese Bausätze kommen bereits in den Gehegen zum Einsatz, damit die Tiere auch in ihrer „Frei­zeit“ an ihren Wildnis-Fähig­keiten arbeiten können.


Und zurück zu Lesan: Unsere Kolle­ginnen erfor­schen aktuell, ob es neben dem sozialen Verhalten weitere bedeu­tende Unter­schiede zwischen wild­ge­bo­renen und reha­bi­li­tierten Tieren gibt – etwa bei den Nest­bau­tech­niken, der Futter­suche oder der Fort­be­we­gung. Wir freuen uns auf die nächsten span­nenden Ergeb­nisse aus der Orang-Utan-Forschung!

Hier können Sie unsere Arbeit für die Orang-Utans und den Regen­wald unterstützen!

Gemeinsam für die Orang-Utans: Was uns für 2026 Mut macht

Gemeinsam für die Orang-Utans: Was uns für 2026 Mut macht

Dank Ihrer Unter­stüt­zung konnten wir im Jahr 2025 viel bewegen: Wir haben 30 Orang-Utans gerettet, 17 Tiere ausge­wil­dert und hunderte Hektar Regen­wald geschützt. Beson­ders schön: In den letzten Tagen wurden zwei wild­ge­bo­rene Babys in unseren Schutz­wäl­dern entdeckt – ein Erfolg, der zeigt, dass unsere Arbeit Früchte trägt.

Erleben Sie unsere High­lights im Video:

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Mehr Infor­ma­tionen

Wir wünschen Ihnen einen besinn­li­chen Jahres­aus­klang und einen wunder­baren Start in ein neues Jahr, voller Hoffnung.

Ein Blitz aus Rot im grünen Blätterdach

Ein Blitz aus Rot im grünen Blätterdach

Während einer routi­ne­mä­ßigen Patrouille im Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park hatte unser Post-Release Moni­to­ring (PRM) Team die seltene Gele­gen­heit, eine auffäl­lige Vogelart zu beob­achten: den Rotbart­spint (Nyctyornis amictus). Ihre Entde­ckung ist ein erneuter Beweis für die reiche Biodi­ver­sität der Wälder Kali­mantans. Selbst alltäg­liche Routi­n­egänge können Momente des Stau­nens mit sich bringen!

Eine farben­präch­tige, auffäl­lige Vogelart

Der Rotbart­spint ist ein mittel­großer Vogel aus der Familie der Bienen­fresser (Mero­p­idae). Er ist an seinem leuch­tend bunten Gefieder zu erkennen: ein über­wie­gend grüner Körper, eine leuch­tend rote Kehle und ein roter „Bart“, der sich über die Brust erstreckt, sowie ein kräf­tiger, leicht gebo­gener Schnabel, der an das Fangen von Insekten ange­passt ist. Der Schwanz ist relativ lang, wobei die mitt­leren Schwanz­fe­dern über die anderen hinaus­ragen – ein typi­sches Merkmal vieler Bienen­fresser. Dieses farben­präch­tige Erschei­nungs­bild macht den Rotbart­spint zu einer der auffäl­ligsten Arten in den Wäldern Südostasiens.

Dichte Tief­land- und Hügel­wälder sind der Lebens­raum des Vogels, wobei er dort Gebiete mit hohen Bäumen sowie auch offenen Berei­chen für die Jagd bevor­zugt. Verbreitet ist diese Art nur in einigen Teilen Südost­asiens, darunter die Malai­ische Halb­insel sowie die Inseln Sumatra und Borneo. In Kali­mantan wird er gele­gent­lich in geschützten Wald­ge­bieten wie dem Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­park ange­troffen, wie jetzt durch unser PRM-Team.

Orang-Utan-Schutz ist Regen­wald­schutz ist Artenschutz

Die Welt­na­tur­schutz­union (IUCN) stuft den Rotbart­spint derzeit als „nicht gefährdet“ ein. Doch obwohl er global nicht als bedroht gilt, ist auch seine Popu­la­tion durch den Verlust von Lebens­raum betroffen, verur­sacht durch Abhol­zung, Landum­wand­lung und Holz­ein­schlag. Der Schutz von Wald­öko­sys­temen wie des Bukit Baka Bukit Raya Natio­nal­parks – einer unserer Auswil­de­rungs­wälder – ist daher ausge­spro­chen wichtig, um auch das Über­leben des Rotbart­spints und all der anderen wald­ab­hän­gigen Arten zu sichern.

Rotbartspint (Nyctyornis amictus)
Farben­pracht im Regen­wald Borneos: der Rotbartspint

Ganz seinem Fami­li­en­namen entspre­chend ernährt sich der Rotbart­spint haupt­säch­lich von flie­genden Insekten, insbe­son­dere Bienen, Wespen und Libellen. Er jagt, indem er bewe­gungslos auf einem Ast sitzt und auf vorbei­flie­gende Insekten wartet. Blitz­schnell schnappt er sich diese dann im Flug und kehrt danach zu seinem Ansitz zurück, um die Beute zu verzehren.

Zur Fort­pflan­zung brütet diese Art in Tunneln, die in sandige Böschungen oder Erdwälle gegraben werden. Das Weib­chen legt ein kleines Gelege, und beide Eltern betei­ligen sich an der Bebrü­tung und Aufzucht der Jungen. Aufgrund ihres versteckten Brut­ver­hal­tens gelingt die Beob­ach­tung ihres Fort­pflan­zungs­zy­klus in freier Wild­bahn nur selten.

Eine Erin­ne­rung an den Reichtum der Natur

Dass es unserem PRM-Team gelungen ist, den Vogel zu entde­cken und zu beob­achten, erin­nert an die außer­ge­wöhn­liche Biodi­ver­sität in den Wäldern Kali­mantans und unter­streicht die Bedeu­tung des Schutzes natür­li­cher Lebens­räume. Wir tragen unseren Teil dazu bei, diese wich­tigen Ökosys­teme zu schützen und sicher­zu­stellen, dass diese Wälder auch in Zukunft so voller Leben bleiben.

Unter­stützen Sie uns und unser PRM-Team dabei? Jede Spende hilft!

Orang-Utan adop­tiert kleine Schwester

Orang-Utan adop­tiert kleine Schwester

Wissen­schaft­le­rinnen haben im Regen­wald auf Borneo ein für Orang-Utans außer­ge­wöhn­li­ches Verhalten beob­achtet und doku­men­tiert: Nach dem Tod der Mutter hat ein junges Orang-Utan-Weib­chen sein Geschwis­ter­chen ange­nommen und großgezogen.

Auf den ersten Blick sah das Orang-Utan-Weib­chen wie eine ganz normale Mutter aus, als Evolu­ti­ons­bio­login Amy Scott ihr das erste Mal im Regen­wald von Borneo begegnet ist. Das Rossa genannte Weib­chen trug ein etwa fünf­jäh­riges Jung­tier von Baum zu Baum. Und als das Kleine – Ronnie genannt – ihr ein Obst­stück aus der Hand nahm, ließ sie es gutmütig gewähren.
Doch dann wurde die Wissen­schaft­lerin stutzig: Rossa sah viel zu jung aus, um bereits Mutter zu sein. Darauf deutete die weiße Färbung um ihre Augen und die hellere Fell­farbe an ihrer Schnauze hin, berichtet Scott. Sie fragte sich: Wie kann ein so junges Tier bereits Nach­wuchs haben?

Mutter und Tochter sind in Wirk­lich­keit Schwestern

Eine gene­ti­sche Analyse der beiden Orang-Utans brachte die über­ra­schende Antwort: Rossa und Ronnie sind Schwes­tern! Die Entde­ckung des wissen­schaft­li­chen Teams von der Boston Univer­sity im Regen­wald von Borneo ist die erste doku­men­tierte Beob­ach­tung einer Adop­tion unter Primaten in Frei­heit. Im September 2025 wurde sie in „Etho­logy – inter­na­tional journal of beha­vioural biology“ veröf­fent­licht.

Orang-Utan-Mutter mit 2 Kindern im Regenwald
Auch bei BOS wurden wir Zeuge einer außer­ge­wöhn­li­chen Adoption

Scott fühlte sich wie eine Detek­tivin, die die einzelnen Indi­zien zusam­men­fügt: „Es hat wirk­lich Spaß gemacht“, berichtet sie, „und plötz­lich hat alles Sinn ergeben.“ Nur was der Mutter zuge­stoßen ist, konnten die Wissen­schaft­le­rinnen nicht zwei­fels­frei heraus­finden. „Obwohl wir das Verhalten wilder Orang-Utans schon seit so vielen Jahren erfor­schen, gibt es immer noch so viel, das wir nicht wissen“, zeigt sich Scott begeistert.

Worin sich Orang-Utans unterscheiden

Alle Prima­ten­arten haben eines gemeinsam: Die Mütter sind dafür verant­wort­lich, dass der Nach­wuchs gesund und sicher aufwächst und auf das Leben im Dschungel vorbe­reitet wird. In einem entschei­denden Detail unter­scheiden sich Orang-Utans jedoch von Schim­pansen, Bonobos und Gorillas: Während letz­tere in Gruppen leben, ziehen Orang-Utan-Mütter ihre Kinder allein auf.

Der Tod der Mutter bringt den Nach­wuchs in tödliche Gefahr

Bis zu acht Jahre lang bleiben die Orang-Utan-Mütter unzer­trenn­lich mit ihrem Nach­wuchs zusammen. Erst dann ist dieser bereit für ein eigen­stän­diges Leben. Während all dieser Zeit sind die Mütter allein mit ihrem Kind im Regen­wald unter­wegs. Für eine kurze Über­gangs­phase – zwischen der Geburt des nächsten Babys und der Unab­hän­gig­keit des älteren Geschwis­ters – können sie sich auch um zwei Kinder gleich­zeitig kümmern.

Adop­tion im Regen­wald von Borneo

Als die Wissen­schaftler im Gunung Palung Natio­nal­park auf Borneo Mama Veli das letzte Mal beob­achten konnten, war ihre Tochter Ronnie etwa vier Jahre alt. Das war im Jahr 2016. Im Folge­jahr kreuzte Ronnie aber­mals Wege mit dem Forschungs­team, doch nicht in Beglei­tung ihrer Mutter, sondern ihrer älteren Schwester — weshalb die Forsche­rinnen das Jung­tier auch nicht sofort iden­ti­fi­zieren und zuordnen konnten.
Rossa war zum Zeit­punkt dieser Sich­tung etwa zwölf Jahre alt. Durch­schnitt­lich bekommen wild lebende Orang-Utans im Alter von 14,8 Jahren erst­mals Nachwuchs.

„Die Schwes­tern haben sich mit etwas mehr Abstand durch den Wald bewegt, als es bei Müttern und ihren Kindern üblich ist“, berichtet Wissen­schaft­lerin Amy Scott. „Aber Rossa hat sich mütter­lich um ihre kleine Schwester geküm­mert und für sie gesorgt, etwa indem sie ihr Futter mit ihr geteilt hat.“

Rossa bekommt selbst ein Baby

Dass Rossa ihre Schwester großzog, hatte keinen nega­tiven Einfluss auf ihre eigene Entwick­lung. Im Jahr 2019 wurde sie selbst Mutter. Die Wissen­schaft­le­rinnen beob­ach­teten, dass Rossa nun ihr Schlaf­nest mit ihrem Baby teilte, während Ronnie sich ein eigenes Nest baute – so wie auch ein leib­li­ches älteres Geschwister Platz machen würde, sobald die Mutter erneut ein Baby bekommt.

Schwes­ter­chen Ronnie über­flü­gelt gleich­alt­rige Orang-Utans

Rossa kümmerte sich nun vor allem um ihren Säug­ling, hatte jedoch nichts dagegen, dass Ronnie weiterhin in der Nähe blieb. In den folgenden Monaten doku­men­tierten die Forsche­rinnen, dass Ronnie nun schnell erwachsen wurde. Früher als andere gleich­alt­rige Orang-Utans derselben Popu­la­tion bewegte sie sich allein durch den Regen­wald. Anfang 2020 verließ Ronnie schließ­lich ihre Schwester und ihre kleine Nichte, um ihr eigenes unab­hän­giges Leben im Dschungel von Gunung Palung zu beginnen.
Wäre die große Schwester nicht gewesen, die Über­le­bens­chancen für das junge Orang-Utan-Kind wären äußerst gering gewesen. „Glück­li­cher Zufall spielte hier eben­falls eine Rolle“, sagt Wissen­schaft­lerin Amy Scott und ergänzt: „Unsere Beob­ach­tungen werfen die Frage auf, wie häufig so etwas wohl passiert, ohne dass wir Menschen davon wissen.“

Orang-Utan-Mutter mit Kind im Regenwald
Baby Dumel mit ihrer Mutter Melata. Als die spurlos verschwand, adop­tierte ihre Freundin Du das Kind

Eines hat die lang­jäh­rige Forschung des Forscher­teams in der Orang-Utan-Popu­la­tion von Gunung Palung bewiesen: Die intel­li­genten, semiso­litär im Regen­wald lebenden Primaten kennen mehr Formen von Familie und Fürsorge als wir Menschen bislang ahnten.

Unser Team im Rettungs­zen­trum Nyaru Menteng kann das bestä­tigen. Im letzten Jahr durften wir dort eine ähnlich berüh­rende Adop­tion miter­leben als Orang-Utan-Mutter Du das Baby ihrer Freundin Melata adop­tierte, die plötz­lich verschwunden war.

Ihre Spende hilft den vom Aussterben bedrohten Menschenaffen.

Bukit Piton: Ein Schutz­ge­biet auf dem Weg der Erholung

Bukit Piton: Ein Schutz­ge­biet auf dem Weg der Erholung

Nur rund 11.000 Hektar Wald sind übrig­ge­blieben. Im Natur­schutz­ge­biet Bukit Piton im malay­si­schen Bundes­staat Sabah lebt heute eine der letzten frei wandernden Orang-Utan-Popu­la­tionen auf Borneo. Das Schutz­ge­biet ist fast voll­ständig von Ölpal­men­plan­tagen umgeben: Im Norden, Osten und Westen grenzen Mono­kul­turen direkt an den Wald, im Süden trennt der Fluss Segama Bukit Piton vom nächsten Schutz­areal. Für die Tiere bedeutet das eine nahezu voll­stän­dige Isola­tion – Ausweich­mög­lich­keiten gibt es keine.

Beson­ders drama­tisch ist die Vorge­schichte des Gebiets: Gegen Ende des 20. Jahr­hun­derts wurde Bukit Piton durch massive Abhol­zung und verhee­rende Wald­brände beinahe komplett zerstört. In den darauf­fol­genden Jahren star­teten mehrere Umwelt­or­ga­ni­sa­tionen umfang­reiche Auffors­tungs­pro­jekte. Doch viele dieser Maßnahmen wurden nicht lang­fristig begleitet. Zahl­reiche junge Bäume wurden von Klet­ter­pflanzen über­wu­chert und konnten sich nicht dauer­haft etablieren.

Zwar kehrten dank der Wieder­be­wal­dung viele Wild­tier­arten wie Orang-Utans, Zwerg­ele­fanten und Kobold­makis zurück, doch der Lebens­raum blieb stark begrenzt. Mit zuneh­mender Zahl an Tieren auf derselben Fläche nimmt das verfüg­bare Nahrungs­an­gebot für jedes einzelne Tier weiter ab – ein wach­sendes Problem für das fragile Ökosystem von Bukit Piton.


Seit 2021 arbeiten wir mit unserem Projekt­partner Rhino and Forest Fund e. V. im malay­si­schen Sabah an der Rettung dieses wert­vollen Natur­schutz­ge­biets . Noch immer kämpfen wir hier gegen die Über­wu­che­rung der Bäume und für die Wieder­her­stel­lung eines geschlos­senen Kronen­dachs. Mit dem Ziel, hier wieder einen stabilen Lebens­raum für Wild­tiere aufleben zu lassen.

Das wurde bereits erreicht

Seither konnten 2.048 Hektar über­wu­cherter junger Bäume von zerstö­re­ri­schen, teils inva­siven Klet­ter­pflanzen befreit werden. 615 Hektar allein in 2025. Ziel ist es, wieder ein geschlos­senes Kronen­dach herzu­stellen. Denn dann geht das Unkraut mangels Lichts dauer­haft zurück und der Wald kann sich rege­ne­rieren. Gerade hier ist dies von entschei­dender Bedeu­tung, da Bukit Piton eines der letzten Tief­land­re­gen­wald­ge­biete Sabahs ist und zahl­rei­chen bedrohten Arten Zuflucht bietet.

Um das Nahrungs­an­gebot für Wild­tieren zu erhöhen, haben wir in 2025 rund um die vier im Jahr 2023 ange­legten Teiche weitere Futter­bäume ange­pflanzt . Zwölf Feigen­arten, sechs Dipte­ro­car­paceae-Arten und fünf weitere wilde Frucht­baum­arten müssen zwar noch einige Jahre wachsen, ehe sie Früchte tragen. Dennoch locken die Teiche bereits jetzt eine Viel­zahl von Wild­tieren an, wie die im August instal­lierten Kame­ra­fallen beweisen. In den Bäumen konnten zahl­reiche Orang-Utan-Nester doku­men­tiert werden, an den Teichen finden sich Spuren von Elefanten und Paaru­fern, in den Teichen Frosch­laich. Die Gewässer bilden also bereits jetzt eine gut frequen­tierte Wildtieroase.

Die Arbeit geht weiter! Hier können Sie unsere Pfle­ge­ar­beiten in Sabah unterstützen!